Geisterfahrer von Michael Opoczynski

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Benevento Verlag
insgesamt 224 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 13 9783710900655
Kategorie: Krimi

Der Einsatz der „Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen“ ist erneut gefragt. Diesmal benötigen die italienischen Gastronomen in Berlin Unterstützung, denn sie werden von der Mafia gezwungen, billigen Fusel anzukaufen, der nicht genießbar und somit den Gästen nicht zuzumuten ist. Der Trick dahinter ist jedoch einfach. Es wird nämlich nicht einfach nur Schutzgeld erpresst, es wird ja schließlich etwas verkauft. Dass dies unter Zwang und extremen Drohungen geschieht, bringt die Berliner Polizei nicht weiter. Kommissar Dreier sucht Silvio Cromm, seinen Freund und ehemaligen Kollegen auf, als ein Restaurant abbrennt. Ein Racheacht der Mafia? Hat sich der Besitzer gewehrt?

Da Silvio Cromm selbst Italiener und Buchhalter seiner Schwester, die einige gut laufende Restaurants führt, involviert ist, übernimmt die Gesellschaft den Fall.

Dann gibt es da noch den Skandal um einen großen deutschen Autokonzern, wo die Käufer durch fingierte Software und damit falschen Emissionswerten in ihren Dieselfahrzeugen betrogen werden. Ein Mitglied der Gesellschaft hat einen ehemaligen freien Mitarbeiter des Großkonzerns als Arbeitskollegen, der hochbrisante Informationen mitzuteilen hat und über exzellente Softwarekenntnisse verfügt.

Auch hier beschließt sich Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen tätig zu werden. Der Autolobby muss der Weg gewiesen werden. Die Kunden sollen entschädigt werden und hierfür sind die Maßnahmen auch sehr unkonventionell …

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Ich hatte es in meiner ersten Rezension zum Debüt des Autors bereits geschrieben, dass den meisten von uns Michael Opoczynski bisher als Moderator der Fernsehserie WISO bekannt war. Man bekommt dadurch die Vorstellung eines trockenen Wirtschaftsjournalisten, der einige unspannende Sachbücher geschrieben und ansonsten über trockene Themen im Fernsehen gesprochen hat. Aber weit gefehlt! Michael Opoczynskis Romane um die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen machen richtig Spaß.

Er hat die unterschiedlichsten Charaktere erschaffen, die mir als Leserin sehr sympathisch sind, mit allen ihren teils verschrobenen Arten/Ecken und Kanten. Der Autor schreibt in einem sehr guten, flüssigen Schreibstil und hat einen herrlichen, oftmals trockenen Humor. Die Art, in der die Gesellschaft die Dinge in die Hand nimmt, plant und ausführt, zaubern mir regelmäßig ein Lächeln ins Gesicht und lassen mich vor Schadenfreude die Hände reiben.

Opoczynski greift in seinen Krimis brisante und aktuelle Themen auf und setzt diese auf wunderbare Art und Weise um. Wer Krimis mit Hand und Fuß, Biss und einem guten Schuss teils herrlich gemeinem Humor gerne liest, der ist hier sehr gut beraten.

Ich freue mich bereits jetzt auf den dritten Teil seiner Buchreihe mit dem Titel „Eigenbedarf“, der am 26.08.2021 im Benevento Verlag erscheinen wird.

© Buchwelten 2021

Kill Katzelmacher! von Martin Calsow

Kill KatzelmacherErschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
320 Seiten
13,00 €
ISBN 978-3-89425-675-3
Kategorie: Krimi

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Deutschland zur Nachkriegszeit im Jahre 1948. In der bayerischen Landeshauptstadt versucht man unter amerikanischer Besatzung wieder eine gewisse Normalität in das Leben der Bevölkerung zu bringen.

Ehemalige Wehrmachtsoldaten bauen gemeinsam mit amerikanischen Offizieren einen  neuen Polizeiapparat auf. Der Schwarzmarkt blüht, es gibt nach wie vor Armut, Hunger und Leid.

Im schönen München tauchen Leichen auf, die auf grausame Weise zur Schau gestellt werden: Die Toten sind teilweise gehäutet, dies geschah offensichtlich bei lebendigem Leibe. Es stellt sich heraus, dass die Toten etwas gemeinsam haben:  Sie waren ehemalige SS-Soldaten. Wer ist der Mörder? Ein Überlebender des Holocaust, der Rache an den Peinigern seines Volkes nimmt?

Schnell sollen die Morde aufgeklärt werden, denn die Währungsreform steht kurz bevor, München ist im Aufbau. Die Ermittler, die den Fall aufklären sollen, können unterschiedlicher nicht sein: Ein amerikanischer  jüdischer Offizier und ein ehemaliger Münchner Wehrmachtsoldat …

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Mich hat an diesem Krimi gereizt, dass er in München spielt. Ich liebe diese Stadt und kenne doch so einige Ecken dort und auch die Umgebung. Dann war für mich die Zeit der Handlung, nämlich 1948, als der 2. Weltkrieg vorbei war, natürlich auch sehr interessant. Die Stadt liegt in Trümmern, die amerikanischen Besatzer sind vor Ort. Zuletzt verspricht natürlich die Kombination der beiden Ermittler eine gewisse Brisanz.

Ich wurde nicht enttäuscht. Mir hat der Krimi sehr gut gefallen. Das Miteinander der beiden Protagonisten macht diesen Roman überwiegend aus. Aber auch die Stimmung in der Stadt und der damaligen Zeit kommt sehr gut rüber. Ich sah das alte München vor mir, war mittendrin.

Wie sehr sich doch unterschiedliche Menschen ergänzen und zusammenraufen, das bringt der Autor sehr gut zum Ausdruck. Das Miteinander der Protagonisten trägt diesen Roman. Als dann die beiden weiblichen Charaktere die Handlung noch bereicherten, war das der Höhepunkt. Die Szenen mit den Vieren haben mir wirklich Spaß gemacht. Die Dialoge waren einfach klasse und ich fühlte mich sehr wohl mit ihnen allen.
Komischerweise sind diese Passagen viel mehr in meinem Hirn haften geblieben, als die eigentliche Auflösung des Falls, der für mich dann eher zweitrangig war. Wobei dieser Handlungsfaden um den Täter auch gut und vor allem hintergründig war.

Der Autor Martin Calsow (Unterfranke und Polizistensohn) liefert einen spannenden Kriminalroman, der im Nachkriegsbayern spielt und nicht nur an bekannte Handlungsorte entführt, sondern auch von ungewöhnlichen Morden und einem noch ungewöhlicheren Ermittlerduo erzählt.

Von Martin Calsow sind im Grafit Verlag bereits einige Romane erschienen. Schaut euch doch mal um: Lieferbare Bücher von Martin Calsow im Grafit Verlag

© Buchwelten 2020

 

Im Namen der Lüge von Horst Eckert (Melia-Kahlid-Reihe 1)

Im Namen der Lüge Horst Eckert

Erschienen als Klappenbroschur
im Heyne Verlag
insgesamt  576 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-43966-5
Kategorie: (Polit)Thriller

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Melia Khalid, uneheliche Tochter eines Spitzenpolitikers und Leiterin des Referats für Linksextremismus bekommt ein geheimes Dokument zugespielt, dass die Gründung einer neuen RAF ankündigt. Melia Khalid zweifelt jedoch an diesen Informationen, eckt damit aber gehörig an. Ihr Chef stellt sie kalt.

Vincent Che Veih hat den Mord an einem der „RAF-Rentner“ aufzuklären. Kürzlich haben die drei im Norden des Landes selbst Überfälle auf Geldtransporte getätigt. Und nun wird ein Mitglied dieser Gruppe in Düsseldorf gefunden. Es gibt Hinweise auf einen alten Fall, denn bestimmte Merkmale an der Leiche weisen Gleichheiten auf. Der damalige Täter ist aber in Verwahrung.

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Mit diesem Roman bringt Horst Eckert seine neue Protagonistin ins Spiel: Melia Khalid, eigentlich Amelie, ist die uneheliche Tochter eines Spitzenpolitikers. Ihre Mutter, eine damalige Flüchtige aus Somalia, hat sie zu einer starken und selbstbewussten Frau erzogen, da sie damals Folter und Peinigungen ertragen musste.

Aber Melia hat es nicht leicht. Als erstes, weil sie als Frau in einer Führungsposition tätig ist, und dann auch noch als Mischling. Vincent Che Veih hat es als Ermittler auch nicht leicht. Die RAF-Vergangenheit seiner Mutter und sein zweiter Vorname werfen ihm auch immer wieder Steine in den Weg.

In dieser hochbrisanten, absolut verzwickten und spannenden Handlung kreuzen sich (natürlich) die Wege dieser beiden interessanten Menschen, und als sich ihre Fälle miteinander verflechten, arbeiten sie zusammen und spielen sich die Bälle gegenseitig zu. Die beiden ergänzen sich sehr gut und es macht großen Spaß, sie zu begleiten.

Das Thema ist sehr politisch und Horst Eckert schafft es immer wieder, eine solch umfangreiche Handlung zu erschaffen, dass es mir als Leser trotz voller Konzentration doch ab und an schwindelig wird. Ich muss gestehen, dass ich doch ab und an einige Namen verwechselt habe und es nicht so leicht hatte, der Handlung konkret zu folgen. Wenn man aufgrund von Arbeitstag und Familie nicht mehr so viele Lesestunden zur Verfügung hat, dann ist solch eine Handlung doch oft kompliziert.

Die Story war aber dennoch sehr spannend, dramatisch und absolut fesselnd. Man merkt, dass der Autor selbst zu dieser Generation, in deren Zeit die Handlung spielt, gehört. Er schreibt, als sei er selbst ein Teil der Handlung. Ich war damals noch ein Kind und vielleicht tue ich mich daher etwas schwer.

Aber all diese „Kritikpunkte“ hindern mich keineswegs daran, zu sagen, dass ich erneut fesselnde Lesestunden gemeinsam mit Veih und Khalid verbracht habe, und ich mich auf die Fortsetzung freue. Horst Eckerts Romane kann man einfach nur empfehlen.

© Buchwelten 2020

 

 

Die Lieferung von Andreas Winkelmann

Die Lieferung

Erschienen als Taschenbuch
im Rowohlt Verlag
insgesamt  400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-27517-3
Kategorie: Thriller

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Die junge Altenpflegerin Viola lebt in ständiger Angst. Unentwegt hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden. Sie fühlt sich nur noch sicher, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz  ist oder sich ihre Freundin Sabine in ihrer Nähe befindet. Sabine ist lustig, tough, mutig und sie glaubt Viola. Doch eines Abends meldet sich sich nicht mehr. Viola ist verunsichert, bleibt daheim.

Jens Kerners aktueller Fall ist seltsam. Im Hamburger Wald lief einer Jägerin plötzlich eine Frau vor die Flinte. Bleich, fast haarlos und wirr. Wie ein Albino wirkte diese seltsame Gestalt. Wo kam sie her? Was trieb sie in den Wäldern? Leider kommt Jens Kerner nicht mehr dazu sie zu befragen, denn sie stirbt.

Jens Kerners Arbeitskollegin Rebecca sitzt im Rollstuhl. Während einer Reha erzählt ihr eine Pflegerin, dass ihre Tochter seit 2 Jahren vermisst ist. Sie hofft auf Rebeccas Hilfe.

Jens Kerner und Rebecca Owald haben eine Menge Ermittlungsarbeit zu leisten. Zuviele lose Fäden, die zusammengeführt werden müssen.

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Andreas Winkelmann liefert einen guten und spannenden Thriller ab, in dem er viele verschiedene Fäden auswirft und jede Menge Fährten legt, um dem Leser einen langen Nervenkitzel zu bescheren.

Er erzählt die Geschichte in verschiedenen Handlungssträngen: Da gibt es den um Viola, die Altenpflegerin in ständiger Angst. Dann geht es um Rebecca Oswald und Jens Kerner, das ungleiche Ermittlerduo. Und es gibt zwei Rückblenden-Stränge. Einmal den um die gefangene Frau, die im Wald auftaucht. Und den letzten schließlich um den Täter, den wir in seine Kindheit begleiten.

Wie erwähnt ist die Spannung da und die Lektüre ist auch fesselnd. Ich selber finde jedoch, dass es bessere Romane von Andreas Winkelmann gibt (z.B. „Die Zucht“).

Das ungleiche Ermittlerpaar erinnert mich ein wenig an das Team von Robert Galbraith (das Pseudonym von J.K. Rowling). Ihrem Detektiv Cormoran Strike (Veteran mit Beinprothese) steht die bezaubernde Robin Ellacott zur Seite. Also ein ähnlich ungleiches Paar, nur umgekehrt. Ein anderer, immer wiederkehrender Bestandteil der Handlung erinnerte mich an den Film „Hereditary“. Leser werden wissen, was genau ich meine.

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Fazit: Ein spannender Thriller, der fesselt. Für mich ein bisschen überzogen in den (falschen) Fährten und ständigen Wendungen, aber das ist Geschmackssache.
Bei einer 5 Sterne Skala erhält „Die Lieferung“ eine 4.

©2020 Marion Brunner – Buchwelten

 

 

Jenseits von Wut von Lucie Flebbe

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 309 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN:  978-3-89425-587-9
Kategorie: Kriminalroman

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Gerade noch sollte Edith „Eddie“, hübsch aufgestylt mit Ihrem künstlichen Zopf, in der Edel-Muckie-Bude Ihres Gatten Häppchen reichen, als sie auf einmal auf der Straße steht. Ihre Tochter Lotti und sie sind mehr als Hals über Kopf aus dem ehelichen Haus geflüchtet. Auslöser ist ein böser Streit mit Ihrem Mann, denn der ist nicht nur verletzend, sondern wirklich beleidigend. Im Nachhinein überlegt, war so eine Flucht längst nötig, so ein Ekelpaket wie Philipp geworden ist.

Doch was nun? Eddie braucht eine Wohnung, muss wieder arbeiten. Eigentlich ist sie nicht so wild darauf, wieder bei der Polizei zu arbeiten, doch was bleibt ihr für eine Wahl? Sie kann Teilzeit wieder einsteigen, sofort sogar, denn es ist Not am Mann. Dass Eddie nicht nur für einige Stunden Schreibarbeiten übernimmt, sondern sofort in eine Mordermittlung einsteigt, ist nicht der Plan. Doch genau so kommt es: Vor dem Jobcenter wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die brutal erschlagen wurde. Und die Mordkommission braucht jede Unterstützung. Und somit ist Eddie von einen Moment auf den anderen wieder mitten drin…

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Bislang habe noch keinen Roman von Lucie Flebbe gelesen. Doch da es sich um den ersten Teil einer neuen Reihe handelt, war der Einstieg natürlich kein Problem. Mir gefällt der Schreibstil der Autorin ganz gut. Mit Witz und Humor aber auch Biss und Brisanz geht Flebbe an die Handlung des Romans heran.

Wir lernen die unterschiedlichsten Personen kennen und gerade die Nebencharaktere, wie z.B. „Mütze“, die völlig überlastete Mutter und Betreuerin, die Eddies neue Nachbarin wird, gefällt mir sehr gut. So gar nicht bieder und Mainstream, sondern schräg und etwas abgedreht. Aber eben herzensgut und einfach ein toller Mensch. Solche Figuren mag ich.

Der Handlungsstrang ist durch einen ständigen Blickwechsel zwischen Eddie und Zombie sehr abwechslungsreich und auch spannend aufgebaut. Der Roman ist sehr kurzweilig und man fliegt recht schnell durch die Seiten.

Mich hat der Nebenstrang um die Entwicklung der Protagonistin Eddie irgendwie mehr gereizt, als die Arbeit in der Mordkommission, was aber vielleicht auch daran lag, dass mir der Kollege und Vorgesetzte eher nicht so sympathisch war/ist. Was wiederum wohl von der Autorin so gewollt ist.

Im Zuge der Ermittlungen werden verschiedene Spuren verfolgt und Fäden ausgeworfen, die Entwicklung ist sehr schon unvorhersehbar, sodass die Lektüre nicht langweilig oder gar zäh wird.

Lucie Flebbe geht hier Vorurteile geschickt an und hält sie dem Leser ganz gut vor Augen. Denn es steckt oft viel mehr in oder „hinter“ Menschen als man auf den ersten Blick zu glauben vermag. Dass finde ich sehr gelungen.

Darum gebe ich hier gerne eine klare Leseempfehlung für den Roman/Krimi einer Autorin, die ich bislang noch so gar nicht ins Auge gefasst hatte. Aber man lernt ja bekanntlich nie aus und sollte immer offen für neues bleiben.

© Buchwelten 2018

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Quazi von Sergej Lukianenko


Quazi von Sergej Lukianenko

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  414 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-453-31852-6
Kategorie: Science Fiction

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Zehn Jahre ist es her, dass eine Seuche ausgebrochen ist und die Menschheit in ein tristes Dasein geworfen hat. Seit dieser Zeit gibt es sogenannte Aufständische, von denen sich einige auserwählte in Quazis, lebende Tote respektive Zombies, verwandeln. Quazis und Menschen versuchen eine Symbiose einzugehen, denn die Auferstandenen sind im Grunde genommen gutmütig. Der Moskauer Polzist Denis Simonow bekommt einen dieser Quazi als neuen Partner zugeteilt. Es dauert nicht lange, und Denis muss feststellen, dass die Quazis etwas planen, um die Menschheit zu unterjochen.

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Lukianenko ist schon seit einiger Zeit der populärste Schriftsteller aus Russland und wenn man seine visionären Romane liest, weiß man auch genau, warum das so ist. Nach seinen Erfolgen mit diversen Reihen (die bekannteste dürfte die legendäre „Wächter“-Reihe sein) widmet sich der Russe einem neuen Kapitel. Der vorliegende Roman mit dem Titel „Quazi“ scheint der erste eines neuen Zyklus zu sein, in dem es um Menschen und wiederauferstandene Tote, sogenannte Quazis, geht. Diese Quazis sind aber nicht die menschenfressenden Monster, wie wir sie aus diversen Zombiefilmen oder Serien wie „The Walking Dead“ kennen, sondern eigentlich Menschen wie Du und ich. Nur eben tot – und quasi unsterblich, weil sie eben schon tot sind. Lukianenko nähert sich dem Thema sehr vorsichtig und schafft es dadurch, dem Szenario eine hohe Glaubwürdigkeit zu verleihen. Seine Untoten sind so menschlich wie seinerzeit der fast schon liebenswerte „Bub“ in George A. Romeros „Day Of The Dead“.

Es ist ein sehr außergewöhnlicher (und für manchen Leser und Lukianenko-Fan wohl auch gewöhnungsbedürftiger) Genre Mix aus Science Fiction, Dystopie, Horror und Krimi. Ich persönlich kam mit dieser Mischung hervorragend klar und war auch stellenweise von den grandiosen Ideen begeistert. Gerade die undurchsichtigen, aber auch gewissermaßen liebenswerten, Charaktere der Quazis, die um ihre Existenzberechtigung kämpfen, haben mir sehr gefallen. Eigentlich haben diese untoten Wesen keinerlei Gefühle mehr in sich, aber dennoch kann man die Quazis oftmals verstehen und meint auch hin und wieder, Emotionen in ihrem Handeln zu entdecken. Sergej Lukianenkos neuer Roman ist kein Geniestreich, wie es manch andere Geschichte aus seiner Feder ist, aber das Werk besitzt eine sehr eindringliche, dystopische Atmosphäre, die mir gut gefallen hat. In einigen Rezensionen wird die angeblich schlechte Übersetzung angeprangert, von der ich aber nichts gespürt habe. Sicherlich ist mir aufgefallen, dass die wiederauferstandenen Toten nicht „Wiederauferstandene“ sondern „Aufständische“ bezeichnet wurden, was absolut keinen Sinn ergibt. Aber wenn man diesen „Makel“ einfach hinnimmt, denn man weiß ja, was gemeint ist, kann man ohne weiteres damit leben und die Geschichte dennoch verstehen.

Man merkt dem Roman an, dass er von Lukianenko stammt, obwohl in seinen anderen Romanen weitaus mehr philosophische Aspekte vorhanden sind. Nichtsdestotrotz kommt aber auch bei „Quazi“ eine gewisse Tiefe zum Tragen, die schlichtweg anders gelagert ist als bei den „echten“ Science Fiction-Storys. Lukianenko widmet sich hier mehr einer möglichen Realität, die uns in Zukunft erwarten könnte, sollte der Mensch eines Tages dazu fähig sein, den Tod zu überwinden. Lukianenko verbindet aktuelle Lebensgefühle mit eventuell zukünftigen, spricht zwar politische und sozialkritische Punkte kurz an, vertieft sie aber nicht. „Quazi“ ist ein erfrischender Beitrag in der schon Jahre anhaltenden Zombie-Dystopie-Apokalypse-Welle, weil er das Thema anders angeht – menschlicher und auf andere Weise erschreckend, als es andere Bücher und Filme derzeit tun. Lukianenko sind mit Denis Simonow und dem Quazi Michail Bedrenez interessante Charaktere gelungen, die noch ausbaubar wären. Entsteht hier tatsächlich eine neue Reihe, kann man schon gespannt sein, wie sich die Charaktere und die Nebenhandlung (die private Geschichte des Ermittlers Denis Simonow) entwickelt. Da steckt auf jeden Fall noch eine Menge Potential im Plot.

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Fazit: Gelungener Zombie-Dystopie-Krimi-Mix, der einen erfrischenden Weg einschlägt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schwarzlicht von Horst Eckert

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Wunderlich Verlag
insgesamt 384 Seiten
Preis:  19,95 €
ISBN:  978-3-8052-5057-3
Kategorie: Thriller

erscheint am: 20. September 2013

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Vincent Veih, der sportliche Ermittler, wird vorübergehend zum Leiter des KK11 befördert, da Ela Bach relativ kurzfristig ihren Posten verlässt, um sich beruflich zu verändern.

Veih bekommt es gleich mit einem hochgradig heiklen Fall zu tun: Knapp eine Woche vor der Wahl wird der Ministerpräsident von NRW tot in einem Pool aufgefunden. Der Pool liegt in einem Edelpenthouse eines sehr einflussreichen Bürgers. Offensichtlich pflegten die beiden Männer eine recht enge Freundschaft.

Auf den ersten Blick deutet alles auf einen Unfall hin. Es scheint, als hätte der Ministerpräsident nach zuviel Alkoholkonsum die Kontrolle verloren, sei ausgerutscht und dann in den Pool gefallen.

Doch wenn alles so einfach wäre, dann bräuchte es keine hartnäckigen Ermittler. Veih ist so ein Mensch, auch wenn er von allen Seiten Steine in den Weg geworfen bekommt.

Veih hat es allein wegen seines familiären Hintergrundes nicht einfach in seinem Job. Seine Mutter ist eine ehemalige RAF-Terroristin, die nach einer langer Haftstrafe wieder auf freiem Fuß ist und nun anderweitig von sich reden macht. Sein Großvater war im zweiten Weltkrieg aktiv an der Ermordung von Juden beteiligt.

Die Wahl rückt immer näher, Vorgesetzte, Parteiangehörige, die Regierung selbst, alle wollen das lästige Thema um den Tod des Ministerpräsidenten schnell vom Tisch haben. Doch Veih lässt sich nicht einfach ausbooten und kaltstellen, er ermittelt auf seinen eigenen Wegen weiter und zwar solange, bis er den Tod um den Ministerpräsidenten aufgedeckt hat. Dabei stößt er auch eine Reihe interessanter und aufschlussreicher Verbindungen, mit denen er so nicht gerechnet hat ….

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Der erste Eckert, der im neuen Verlag Wunderlich/Rowohlt erschienen ist. Das Buch wird als gebundene Ausgabe mit Leseband (!) präsentiert und ist schlicht und einfach in schwarz gehalten, bedruckt mit einem unreisserischen Schriftzug, auf einem dezenten Cover. Mir gefällt die Optik gut, es gleicht sich auch gut den anderen Romanen des Autors an, die nun bekanntlich vorher im grafit Verlag erschienen sind. Die Schlichtheit ist ähnlich, nur dass der knallgelbe grafit-Kasten nicht mehr da ist. Das Buch passt sich jedenfals seinen Vorgängern im Bücherregal gut an. 

Der Text auf der Rückseite besteht nur aus einigen Schlagwörtern, die sehr neugierig machen. Erst im Klappentext des Schutzumschlages gibt es eine kurze Inhaltsangabe im fließenden Text.

Die Handlung war wieder einmal von Anfang an sehr fesselnd und ich bin nur so durch den Roman geflogen. Ich habe eine Reihe alter Bekannter getroffen, die Schauplätze sind Eckert Fans auch bekannt (z.B. die Festung).

Mir hat der Charakter des neuen Ermittlers gut gefallen, ein Mensch, der mit dunklen familiären Hintergründen lebt und es auf Grund dessen nicht unbedingt einfach hat. Er ist dennoch ein offener und ehrlicher Mensch, der mir sympathisch war. Kein Großkotz, kein arroganter Schnösel, einfach ein Mensch, der versucht eine gute Arbeit zu machen und sehr menschlich wirkt.

Ich fand diesen neuen Eckert weniger politisch anstrengend als die vorherigen Bücher, die Handlung ist nicht so hochkompliziert, dass man bei jeder Zeile hochkonzentriert sein muss. Man kann die Lesestunden entspannt genießen, ist dennoch gefesselt und behält jederzeit den Überblick, auch wenn der Autor sehr viele verschiedene Themen aufgegriffen hat und die Handlungsstränge vielseitig sind.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den neuen Roman von Horst Eckert. Eine spannende Handlung in bekannter Umgebung, bestückt mit guten, interessanten und vielschichtigen Charakteren. Für mich war es ein fesselndes, kurzweiliges Lesevergnügen.

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Ich danke dem Wunderlich/Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2013

Der Knochenbrecher von Chris Carter (3/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ullstein Verlag
416 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  9783548284217
Kategorie: Thriller

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Ein neuer Fall für den Polizisten Hunter und seinen Partner Garcia. Der dritte, um genau zu sein.

Wieder mordet ein brutaler Killer in L.A. Die Opfer stammen allesamt aus der Kunstszene. Sie alle sind außer ihren künstlerischen Fähigkeiten und einer äußerlichen Ähnlichkeit jedoch nicht miteinander in Verbindung zu bringen. Weder waren sie Konkurrentinnen, noch kannten sie sich untereinander.

Was besonders auffällig ist: die Toten weisen alle keine offensichtlichen Verletzungen auf. Jedoch wurden ihnen allen  Körperöffnungen vom Mörder zugenäht und das extreme: In allen Leichen wurde ein Objekt platziert.

Hunter und Garcia haben eine schwere Ermittlungsarbeit vor sich, denn die Hinweise sind mehr als dünn. Dann kreuzt auch noch eine Privatermittlerin Hunters Weg. Die gleichzeitig sehr fleißige und attraktive Whitney Myers, die an einem Fall arbeitet, der Hunter noch nicht bekannt ist. Es dauert nicht lange bis Hunter erkennt, dass es es nicht nur hilfreich, sondern für den Fortschritt der Ermittlungen wichtig ist, enger mit Myers zusammenzuarbeiten und die bisherigen Erkenntnisse auszutauschen.

Die Mordserie muss aufgeklärt werden, denn der Killer ist nicht nur extrem brutal, sondern auch sehr klug und scheint keine Fehler zu begehen. Er scheint die Eigenschaft „Geduld“ absolut zu beherrschen. Aber die Abstände zwischen den aufgefundenen Opfern werden immer kürzer und die Zeit drängt …

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Chris Carter hat wieder einen rasanten, sehr schnell zu lesenden Thriller abgeliefert. Durch die kurzen Kapitel, die übrigens alle mit einem Cliffhanger enden, um dann im übernächsten Kapitel aufgegriffen zu werden, ließen mich als Leser nur so durch die Handlung fliegen.

Sicher liefert Carter auch hier wieder eine spannende Handlung, doch für mich ist der dritte Teil um den Ermittler Hunter nicht mehr so hochwertig wie die Vorgänger „Kruzifix-Killer“ und „Der Vollstrecker“.

Die Opfer, deren Lebenswege und die Fundorte der Toten werden ausführlich beschrieben, doch die haarkleinen forensischen Beschreibungen, die mir sehr gut gefielen, gibt es in dem Maße nicht mehr.

Für mich wurde die Handlung zunächst sehr in die Länge gezogen um dann gegen Ende des Buches viel zu schnell aufgelöst zu werden.

Zunächst tappen die Ermittler lange im Dunklen, was ja gerade auch die Spannung ausmacht, bei einem guten Thriller.

Doch wenn der Autor dann beginnt, den Wechsel in Richtung Aufklärung des Falles vorzunehmen, dann liest es sich für mich so, als wollte er nur noch zum Ende kommen.

Das Problem ist, auf gewisse Dinge hinzuweisen, ohne die Handlung zu verraten. Ein Störfaktor war für mich, die klassische dramatische Situation, die es gegen Ende eines Thriller wohl immer geben muss? Dann gab es noch einen Moment, wo die Ruhe und Offenheit nicht so recht zur Dramatik der Szene passte.

Der dritte Teil der Hunter-Reihe ist nicht schlecht, er ist wieder ein gut lesbarer und auch spannender Thriller, der aber diesmal für mich nicht über einen Durchschnittsthriller hinausgeht.

Was für mich zuletzt noch zu völligem Unverständnis führt, ist der deutsche Titel. Hier würde ich gerne wissen, wer den Originaltitel „The Night Stalker“ (der es übrigens auf den Punkt trifft) ins Deutsche gebracht hat.

In der gesamten Handlung wird nicht einer Person auch nur ein einziger, winzig kleiner Knochen gebrochen! Ich habe noch lange nachgedacht und die Handlung Revue passieren lassen, ob ich evtl. was vergessen habe. Doch nein: Kein Knochenbruch, weder bei Opfern, noch bei Ermittlern, noch sonst wo.

Da kann ich nicht verstehen, warum man einen Titel nicht einfach im Original belässt oder ihn zumindest annähernd ins Deutsche bringt?

Der Thriller wird als Taschenbuch präsentiert, diesmal jedoch wieder ohne Leseband. Das Cover ist rot-weiß und daher nicht sonderlich ausgefallen, denn so sehen ja momentan fast alle Thriller aus. Das blutende Seil ist übrigens genauso fehlgeschlagen wie der deutsche Titel :-).

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für Hunters dritten Fall. Immer noch ein guter Thriller, der sich flott lesen lässt und auch spannende Stunden verspricht. Jedoch bietet er nicht mehr die besonderen Feinheiten, die mir bei den ersten beiden Carter so gefallen haben. Daher wird er von mir diesesmal „nur“ als Durchschnitt bewertet.

Ich danke dem ullstein Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012