Der Spalt von Peter Clines

Der Spalt von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 526 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31705-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Einem Team von Wissenschaftlern ist es gelungen, Menschen zu teleportieren. Damit das Experiment genügend finanzielle Mittel bereitgestellt bekommt, wird Mike Erikson als Beobachter und Berater eingesetzt, um die Geldspritzen zu rechtfertigen. Je mehr Erikson sich mit dem Experiment beschäftigt, desto schlimmer werden seine Vermutung, dass durch das Portal unheimliche Dinge geschehen.

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Peter Clines Wissenschafts-Thriller beginnt tatsächlich wie ein Roman aus der Feder von Michael Crichton. Von der ersten Seite an hat mich der Plot um das Teleportations-Portal in den Bann gezogen und ich musste mich schwer beherrschten, das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen. Clines schafft eine hervorragende Abenteuer-Stimmung, die einen nicht mehr loslässt. Man kann es kaum erwarten, wie die Geschichte weitergeht und wie sich die Personen entwickeln. Denn auch die Charakterzeichnungen, die Clines seinen Protagonisten aufdrückt, sind interessant, liebenswert und vor allem sehr menschlich, wenngleich sie nicht sehr in die Tiefe gehen. Aber das macht gar nichts, denn der Plot treibt den infizierten Leser voran, der sowieso nicht auf solche „Kleinigkeiten“ achten würde.

Der Schreibstil ist klar, flüssig und einfach gut zu lesen. Man fühlt sich, als wäre man direkt bei den beschriebenen Ereignissen mit dabei. Hin und wieder fühlt man sich eine Folge von Akte X erinnert, oftmals dachte ich aber an „Prey – Beute“ von Michael Crichton oder David Cronenbergs Kultfilm „Die Fliege“. Peter Clines ist Filmfan und bringt oft Anspielungen auf Klassiker an, die fast jeder kennen dürfte. Gerade das macht die Protagonisten so authentisch, weil sie sich nicht in einer Fantasywelt bewegen, sondern in der Realität, wie wir sie eben auch kennen. Aber das trifft leider nur auf die ersten beiden Drittel des Romans zu.

Anscheinend wollte Clines ein furioses, actionreiches Finale hinzaubern und lässt dadurch die Handlung in ein nicht mehr allzu glaubwürdiges Szenario abfallen, auf das man besser verzichtet hätte. Es wird unheimlich, apokalyptisch und fantastisch. So manches Mal fühlte ich mich da in die Verfilmung aus dem Jahre 2002 von H.G. Wells „Die Zeitmaschine“ versetzt. Die Entwicklung der Handlung war durchaus spannend und interessant, aber sie passte für mich einfach nicht zu den Anfängen der Geschichte. Klar liest sich auch im Finale „Der Spalt“ noch wie ein echter Pageturner und man sieht die beschriebenen Szenen wie einen CGI-kreierten Blockbuster vor seinem inneren Auge. Aber die Glaubwürdigkeit der ersten beiden Drittel leidet durch das aufgemotzte Finale sehr. Nichtsdestotrotz ist „Der Spalt“ ein echter Pageturner, der einen von Anfang an mitreißt und nicht mehr loslässt. Die Story wird filmreif, also sehr bildlich, beschrieben. Ich bin schon sehr auf Clines‘ neuen Roman mit dem Titel „Der Raum“ gespannt.

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Fazit: Ein Roman wie eine Achterbahnfahrt, der einen nicht mehr loslässt. Was als Wissenschaftsthriller a la Michael Crichton beginnt, entwickelt sich gegen Ende hin allerdings in eine völlig andere Richtung, nämlich zu einem Blockbuster ähnlichen Science Fiction-Fantasy-Mix mit Monstern.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Graveminder von Melissa Marr

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Erschienen als Taschenbuch
bei PIPER
400 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 9783492268905
Roman

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Derzeit lebt Rebekkah in San Diego, wo sie als Künstlerin ihren Lebensunterhalt verdient. Sie weilt niemals lange an einem Ort, wird von einer inneren Unruhe immer wieder weiter getrieben.

Als sie einen Brief erhält, in dem sich ein – oder besser DAS Silberfläschchen ihrer Großmutter Maylene  befindet, weiß sie sofort was dieses Gefäß ist, hat sie doch in den Jahren, in denen Sie im Ort Claysville gelebt hat, immer ihre Großmutter auf ihrer täglichen Runde über sämtliche Friedhöfe begleitet. Maylene ist die Graveminderin von Claysville, man kann sie auch Totenwächterin nennen. Die ist für den Frieden der Toten des Ortes verantwortlich und sorgt mit ihren Ritualen dafür, dass die Toten auch bleiben was sie sind, nämlich tot. Werden diese Rituale nicht streng eingehalten, dann stehen sie auf und wandeln umher und richten Schaden an.

Von dieser Briefsendung extrem beunruhigt, versucht Rebekkah ihre Großmutter telefonisch zu erreichen, was ihr aber nicht gelingt. Denn Maylene ist tot, umgebracht um genau zu sein. Doch dies scheint im Ort keinen zu interessieren, jedenfalls werden keine Untersuchungen oder Ermittlungen vorgenommen, wie es normalerweise üblich ist. 

Dieses (Nicht)Vorgehen wundert auch den jungen Mann Byron sehr. Er ist der Sohn des örtlichen Bestatters und wird dieses Geschäft auch einmal übernehmen. Auch Byron lebte einige Jahre ausserhab von Claysville, doch die Menschen, die dort geboren werden, bleiben in der Regel ihr Leben lang dort. Sie werden wie durch unsichtbare Fäden wieder zurück nach Hause gezogen. So war es auch bei ihm und seit einigen Wochen lebt er nun wieder in seiner Geburtsstadt.

Dieses Gefühl hat auch Rebekkah, als sie nach langen Jahren dann wieder in dem kleinen Ort angelangt, in dem sie in ihrer Jugend einige Jahre verbracht hat. Das ständige Gefühl der Unruhe verlässt sie in dem Moment, in dem sie die Stadtgrenze passiert.

 Doch Ruhe hat Rebekkah in Claysville dennoch nicht zu erwarten. Zunächst trifft sie auf Byron, den einzigen Menschen den sie in ihrem Leben bislang geliebt hat und dem sie in den letzten Jahren zwanghaft aus dem Weg gehen wollte. Er empfindet für Rebekkah genauso, doch sie hat furchtbare Angst vor einer Bindung zu ihm. Außerdem werden ihre Gefühle nach all den Jahren noch vom Tod ihrer Stiefschwester überschattet. Rebekkah gibt sich die Schuld für deren Selbstmord vor vielen Jahren.

Dann wird Rebekkah – noch voller Trauer um ihre geliebte Großmutter – offenbart, dass sie nach deren Ermordung die künftige Graveminderin ist. Die Ereignisse überschlagen sind, ein Geheimnis nach dem anderen kommt ans Tageslicht und als wäre das nicht alles schon schlimm genug: Byron ist ab sofort ihr Partner, denn er ist der Undertaker und gemeinsam mit ihm muss sie unruhige tote Seelen aufspüren und sie dorthin bringen, wo sie nach dem Sterben sein sollten: ins Reich der Toten ….

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Was genau die Aufgaben einer Graveminderin und die des Untertakers sind und wie die Geheimnisse in der seltsamen Kleinstadt Claysville zusammenhängen, werde ich gewiss nicht verraten. Wen meine kleine Zusammenfassung neugierig gemacht hat, dem empfehle ich das Buch zu lesen. Es lohnt sich!

Melissa Marr hat mit diesem Roman, nach ihrer wohl sehr erfolgreichen „Sommerlicht-Serie“ für Jugendliche ihren ersten Erwachsenenroman vorgelegt. Nun, ich bin auf das Buch bei Amazon Vine aufmerksam geworden und ich dachte auf Grund des sehr schön verspielten Covers und des Klappentextes eigentlich, dass es sich auch um ein Jugendbuch handelt. Man kann es aber auch gut als „All Age“ Roman bezeichnet. Dark Mystery Roman wäre die Kategorie, die ich wählen würde.

Die Geschichte ist gut geschrieben und fesselt mit einem stetigen Spannungsbogen. Ich habe das Buch relativ schnell gelesen, da ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht. Der Schreibstil ist gut und angenehm lesbar. Die Charaktere waren mir leider nicht ganz so tief ausgearbeitet, als dass sie mir richtig fest ans Herz gewachsen wären. 

Allerdings gefällt mir die Idee des Buches und die Vorstellung/Darstellung darüber, wie es nach dem Tod aussehen könnte sehr gut. Die Beschreibung dieser „Welt“ ist der Autorin gelungen. Mehr ins Detail gehen kann ich nicht, ohne etwas von der Handlung preis zu geben, was wiederum schade wäre.

Der Verlag präsentiert den Roman als Taschenbuch, mit recht kurzen Kapiteln, was das schnelle Lesen zusätzlich fördert. Das Cover ist, wie schon erwähnt, schön verspielt und erinnert an einen Zierzaun an einem Friedhof, der von Blumen überrankt wird.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen Mystery Roman, der in einer seltsamen kleinen Stadt spielt, sich mit dem Leben, dem Tod und besonders mit den Hütern und Wächtern der Verstorbenen beschäftigt. Wie sie das tun und welche Hindernisse sich ergeben, sind allemal lesenswert!

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Sollte eine/r meiner Leser/innen Interesse an dem Buch haben, dann möge er/sie dies gerne per Kommentar mitteilen. 

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