Liliths Töchter, Adams Sohne von Georg Adamah

Erschienen als Taschenbuch
bei Redrum Books
insgesamt 372 Seiten
Preis: 14,97 €
ISBN: 978-3-959-57030-5
Kategorie: Belletristik, Thriller, Drama

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Georg verlässt seine Frau, um eine Affäre mit Susanna fortzusetzen. Seine Ehe war ohnehin auf dem Weg zum Scheitern, so dass Georg ein neues, schöneres Leben in Angriff nehmen wollte. Doch schon bald wird er von Susanna verlassen. Auf der Suche nach Liebe nimmt er viele Liebes- und Sexaffären in Kauf, obwohl er im Grunde genommen von Susanna nie loslassen kann.

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Schon nach dem Prolog wusste ich, dass Georg Adamahs „Liliths Töchter, Adams Söhne“ ein Buch für mich ist. Alleine die stilistischen Mittel, die Adamah in seinem Roman anwendet, packten mich vom ersten Moment an. Ich kann gar nicht erklären, warum ich seine wilden, im ersten Moment kompliziert wirkenden, Schachtelsätze so faszinierend fand. Dieser Schreibstil ist innovativ, progressiv und einfach nur genial. Dadurch wird man im Verlaufe der Geschichte immer mehr zum Protagonisten und durchlebt seine Ängste, Hoffnungen und Leidenschaften. Man ist irgendwie hautnah dabei, wenn „Dschordsch“ sich Gedanken über die Frauen in seinem Leben macht. Alleine die Idee, die Gedankengänge des Protagonisten in die Schachtelsätze mit einzubauen, erinnerte mich an einen meiner Lieblingsschriftsteller, nämlich Samuel R. Delany. Man spürt, wie Georg hin und her gerissen und von seinen Gefühlen erdrückt wird.

Georg Adamah kann sehr gut schreiben und schafft es hervorragend, die Gefühlswelt eines Mannes zu schildern. Auch wenn es immer wieder um Oralsex geht (was ich persönlich etwas übertrieben fand, aber nicht unbedingt störend), so entlarvt Adamah doch im Verlauf der Geschichte gewisse Grundzüge des männlichen Denkens 😉
An manchen Stellen musste ich wirklich schmunzeln, wenn ich den Gedankengängen des „abservierten“, gekränkten Liebhabers folgte. Es wirkte so herrlich echt und realistisch, unverfälscht und ehrlich. Adamah würfelt die Emotionen des Protagonisten wild durcheinander. Mal leidenschaftlich, mal traurig, mal depressiv, mal zügellos … alles ist dabei. Und erfreulicherweise sind die „harten“ Sexszenen niemals übertrieben dargestellt, sondern bewegen sich immer auf einem gewissen Niveau, was eindeutig an der bildlichen Sprache des Autors liegt. Selbst eklige Szenen werden mit wunderbaren Umschreibungen „entschärft“ und wirken an keiner Stelle vulgär. Das ist ein sehr großer Pluspunkt dieses Buches, der zwar unter anderem teils extremen Sex behandelt, diesen aber niemals in einen provozierenden Vordergrund stellt, um durch Ekelmomente zu schocken. Adamah hält sich dabei immer an glaubwürdig wirkende Beschreibungen.

Gerade durch die sehr emotionale, eindringliche Beschreibung, wie sich ein Mann fühlt beziehungsweise fühlen kann, wenn er einsam und auf der Suche nach einer Partnerin ist, machten diesen Roman für mich zu einem unwiderstehlichen Pageturner, den ich in jeder freien Minute weiterlesen musste. Adamah hat ein realistisches Märchen geschrieben, das voller Poesie und kleinen Wahrheiten steckt, die im Leben eines Liebespaares geschehen. Doch es werden auch die traurigen, hinterhältigen Seiten einer solchen Beziehung dargestellt. Alles ist nachvollziehbar. Und egal, welche Szene Adamah gerade beschreibt, zwischen den Zeilen liest man Melancholie heraus, die unser aller Leben bestimmt (auch das von Frauen). Das ist dem Autor wirklich grandios gelungen.

Obwohl Adamahs außergewöhnlicher Schreibstil durch die langen Sätze kompliziert erscheinen mag, so lässt er sich dennoch absolut flüssig lesen und hinterlässt am Ende ein unvergessliches Gesamtbild im Gehirn des Lesers. „Liliths Töchter, Adams Söhne“ ist wie eine Achterbahnfahrt durch die Gefühlswelt eines Mannes. Fast möchte man das Buch als „Californication“ zwischen zwei Buchdeckeln bezeichnen, denn auch hier geschieht vieles (wie in der genannten Serie übrigens auch) nicht nur immer oberflächlich unter der Gürtellinie, sondern zeigt im Endeffekt die dramatische Tragödie eines einzelnen Menschen, der an der Liebe und dem damit verbundenen Sex zerbricht.
Ich hoffe nur, dass Georg Adamah bereits an einem neuen Roman arbeitet, denn in mir hat er definitiv einen neuen Anhänger gefunden.

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Fazit: „Californication“ in Buchform. Realistisch, wütend, traurig, erotisch, eklig, melancholisch und beeindruckend – reales Leben eines nach Liebe Suchenden eben.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Candygirl von Michael Merhi

candygirl

Erschienen als Taschenbuch
bei Redrum Books
430 Seiten
Preis:  16,54  €
ISBN: 978-3-95957010-7
Kategorie: Thriller / Horror
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Bobby hatte eine schlechte Kindheit, genauso wie Candis. Zwei Menschen, die schon als Kind von schlechten Lebenserfahrungen durch ihre Eltern und Mitmenschen negativ geprägt werden, treffen aufeinander: Bobby, auch Schweineschwarte Bob genannt, ist mittlerweile erwachsen und Zuhälter. Candis hingegen, auch Candygirl genannt, ist noch ein Mädchen im Alter von 12 Jahren und gerät in seine Fänge.
Für Candygirl beginnt ein Leidensweg, der sie durch sämtliche sadistischen Arten von Gewalt und Sex führt …

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Michael Merhi hätte sich für seinen Debütroman kein krasseres Thema aussuchen können: Kinderprostitution und Kindesmisshandlung – eine Kombination, die unweigerlich nur hart, brutal und schockierend sein kann. Wer zartbesaitet ist (und das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes), der sollte die Finger von diesem Roman lassen, der an einigen Stellen tatsächlich Grenzen überschreitet. Aber eines nach dem anderen …

Merhis Schocker ist ein Hardcore-Buch, das ich eher im Thriller-, als im Horrorgenre ansiedeln würde. Schon schnell kristallisiert sich heraus, was Merhis Markenzeichen ist: schonungslose, explizite Gewalt- und Sexdarstellungen, die dem Leser einen gewissen Ekelfaktor zu ertragen abfordern. Da muss man schon einiges über sich ergehen lassen. Wo andere aufhören, macht Merhi (erst recht) weiter.
Aber in „Candygirl“ werden nicht nur brutale Gewalt- und pervers-masochistische Sexszenen aneinandergereiht, sondern der Autor geht auch auf die Vergangenheit seiner Protagonisten ein. Und das ist einer der großen Pluspunkte an Merhis Debüt, denn er legt, außer den bereits erwähnten, detailliert beschriebenen und teilweise abstoßenden Szenen, Wert auf eine Handlung. Das ist an sich nichts Neues, wenn ein Leser Einblick in die Psyche und die Vergangenheit der Protagonisten erhält, die zu menschlichem Abschaum werden. Aber in diesem Genre (Hardcore, Rape & Revenge, Splatter) möchte ich behaupten, dass es doch irgendwie „fast“ ein Novum ist, was Merhi da gemacht hat. Auch wenn die Charaktere nicht hundertprozentig in die Tiefe gehen und manche Handlungsweise nicht ganz nachvollziehbar sind, so wachsen einem die beiden Hautpersonen (sowohl das Opfer wie auch der Täter) auf gewisse Art und Weise ans Herz, denn man weiß, wieso sie so geworden sind.

Michael Merhi ist Filmfan und Büchernarr. Das liest man anhand vieler, versteckter Anspielungen in seiner Geschichte heraus. Sein Schreibstil ist flüssig und wahnsinnig schnell zu lesen, wobei ich an dieser Stelle meinen einzigen Kritikpunkt an „Candygirl“ anbringen muss: Merhi benutzt aus meiner Sicht zu oft umgangssprachliche Ausdrücke und Phrasen, die an einigen Stellen den schockierenden Aspekt schlichtweg kaputt machen. Da wäre eine ausdrucksstärkere Wortwahl (und eben nicht eine saloppe) die klügere Wahl gewesen. Andererseits entstand durch Merhis Schreibstil ein kleines Wunder in meinem Kopf. Was mich während des Lesens störte, verwandelte sich nach dem Lesen in einen filmreifen Plot. Ich will damit sagen, dass „Candygirl“ eigentlich erst zu wirken beginnt, wenn man das Buch geschlossen hat. Denn erst dann zeigt sich wohl Merhis Talent, seine Geschichte dermaßen bildlich verfasst zu haben, dass man am Ende meint, nicht ein Buch gelesen, sondern einen Film gesehen zu haben.

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Fazit: Michael Merhi zeigt Talent und sogar Potential nach oben und mit „Candygirl“ hat er eindeutig bewiesen, dass auch harter, ultrabrutaler und abgedrehter Hardcore-Horror (oder eben Thriller) definitiv aus Deutschland kommen kann. Freunde des Festa Extrem-Programms (oder auch Heyne Hardcore) kommen hier voll auf ihre Kosten. Ich hätte mir so manches Mal eine etwas „literarischere“ Ausdrucksform gewünscht, aber das ist immer Geschmackssache. Und dreckig ist nun mal dreckig, oder? 😉

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten