Vollendet – Der Aufstand von Neal Shusterman (Teil II)

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Vollendet
Erschienen als Hardcover
bei S. Fischer Verlage
insgesamt  Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: ISBN: 978-3-7373-6718-9
Kategorie: Young Adult

Nachdem der Admiral die Führung des Friedhofs an Connor abgegeben hat, muss dieser sich täglich beweisen. Risa, die nach dem Unglück im Camp im Rollstuhl sitzt, versucht ihm zu helfen wo sie kann. Sie leitet die Sanitätsabteilung, dennoch fürchtet sie ständig Connor eher eine Last zu sein.

Lev versucht ein neues Leben zu beginnen, wird in ein Haus ehemaliger Zehntopfer gebracht und durch die Leiter dort als eine Art Gott hochgejubelt. Als ehemaliges Zehntopfer und DER Klatscher, der nicht geklatscht hat, betet ihn dort jeder regelrecht an. Damit kommt Lev allerdings gar nicht zurecht. Als dort das Mädchen Miracolina auftaucht, findet Lev endlich eine Ansprechpartnerin, die ihm gefällt. Allerdings hat er es nicht leicht, sich ihr überhaupt zu nähern. Denn Miracolina ist mit ihrer Rettung kurz vor dem Zehntopfergang gar nicht einverstanden und reagiert aggressiv und wütend.

Als ein gestorchter Junge namens Starkey kurz vor der Umwandlung durch Connor und seine Leute gerettet und zum Friedhof gebracht wird, ist für ihn sofort klar, dass er ganz langsam, still und heimlich Connor den Rang ablaufen will. Er sieht sich als den neuen Anführer des Friedhofs und wird alles tun, dieses Ziel zu erreichen …..

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Der zweite Teil der Vollendet-Reihe schließt nahtlos an den ersten Teil an und der Leser trifft alle bekannten Personen wieder und lernt neue kennen. Ich hatte keine Probleme, mich wieder in die Handlung einzufinden und die Stimmung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen.

Der Spannungsbogen ist gut gesponnen und durch die verschiedenen Handlungsorte wird die Geschichte nicht langatmig oder zäh.

Mir hat die Erschaffung einer weiteren, sehr besonderen Person, absolut gefallen, auf die ich aber gar nicht näher eingehen möchte, denn dass würde einen Teil der Handlung verraten, der die Geschichte wirklich bereichert. Das Problem, was ist richtig, was ist falsch, was ist ethisch tragbar und was nicht, all dies kommt durch diese Figur sehr gut heraus und sorgt für Brisanz.

Neal Shusterman hat mit seiner Vollendet-Reihe ja eine sehr gute Grundidee umgesetzt, nämlich: Ein Mensch darf rückwirkend bis zu seinem 16 Lebensjahr abgetrieben werden. Das bedeutet, Eltern können z.B. schwierige pubertierende Teenager loswerden, indem sie sie umwandeln lassen. Das bedeutet, der Körper des Umzuwandelnden wird zerlegt und sämtliche Teile werden transplantiert und somit am Leben erhalten. Doch die große Frage ist ja: Was passiert mit der Seele?

Wenn das Leser meiner Rezension neugierig gemacht hat, können sie gerne die Rezension zum ersten Teil einmal lesen und dann vielleicht entscheiden, ob sie Lust haben, sich der Reihe mal zu widmen?

Mein Fazit: Ein sehr gut gelungener Teil II der Vollendet-Trilogie, der die Geschichte weitererzählt und sie um weitere Figuren bereichert, die sicher im dritten und letzten Band eine große Rolle spielen. Ich freue mich darauf!

Buchtrailer zu Vollendet – Der Aufstand

Trailer zum Making of des Hörbuchs:

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© Buchwelten 2015

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Haut von Mo Hayder

haut

Erschienen als Taschenbuch
im Goldmann Verlag
insgesamt 384 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-442-47544-5
Kategorie: Krimi, Thriller

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Als die Leiche einer Selbstmörderin gefunden wird, nimmt Caffery die Ermittlungen auf, obwohl er sich immer noch mit der Suche nach dem sogenannten „Tokoloshe“ beschäftigt, einem geheimnisvollen Wesen aus der Sagenwelt, das Caffery seit dem letzten Fall zu verfolgen scheint.
Unabhängig davon findet Polizeitaucherin Flea Marley die Leiche einer Frau, die von der Polzei gesucht wird, im Kofferraum ihres Wagens. Ein Alptraum beginnt für Flea …

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Es ist schon erstaunlich, wie geradlinig Mo Hayder die Qualität der Caffery-Reihe aufrecht erhält. „Haut“ begeistert aber wieder ein klein wenig mehr als der Vorgänger „Ritualmord“. Die Einführung der neuen Partnerin an Cafferys Seite hat mit diesem Band endgültig geklappt. Flea ist fast schon genauso Hauptperson wie Caffery selbst.

„Haut“ ist unglaublich spannend und herrlich verzwickt. Wie Hayder die vielen losen Fäden am Ende zu einem Ganzen verknüpft grenzt schon an Genie. 😉 Man kann den Roman schwer zur Seite legen, denn der Fortgang der Geschichte brennt einem förmlich unter den Nägeln. Man will wissen, wie es weitergeht, wie Flea aus der ganzen Misere wieder herauskommt und Jack zwar im eigentlich Fall ermittelt, aber sich dennoch mehr mit der Vergangenheit beschäftigt. Die Stimmung im vierten Fall für Jack Caffery ist gleichbleibend wie in den vorangegangenen Teilen: Düster, stimmungsvoll und äußerst realistisch. Mehr kann man von einem Thriller nicht erwarten. Hayders Gabe, Haupthandlung und Nebenhandlungen so geschickt in Szene zu setzen, dass sie genaugenommen einen einzigen Plot ergeben, ist faszinierend.
Auch wenn die Fälle ohne weiteres einzeln zu lesen sind, so schlängelt sich in jedem der Bücher eine geradlinige Zweithandlung durch, die man als aufmerksamer Leser gerne verfolgt. Der geheimnisvolle „Walking Man“ wird in „Haut“ noch sympathischer als in „Ritualmord“ und man fragt sich unweigerlich, ob Mo Hayder ihre Reihe um den Ermittler Jack Caffery von vorneherein so komplex angelegt hat, denn mit jeder Geschichte fügt sich wieder ein Teil nahtlos in die Gesamthandlung mit ein.

„Haut“ hat mich wie die Vorgänger-Bände begeistert. Schreibstiltechnisch auf gleichem Niveau wie die ersten drei Bücher, entwickelt Hayder hier allerdings eine verworrene, verschachtelte Handlung, die sich am Ende vollkommen logisch auflöst. „Haut“ ist überraschend und atmosphärisch wie ein alter Gruselfilm.

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Fazit: Hervorragender vierter Teil der Caffery-Reihe mit einem wendungsreichen und vor allem ausgeklügelten Plot, der ungemein Spaß macht.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die unsichtbare Brücke von Julie Orringer

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Verlag Kiepenheuer & Witsch
insgesamt 832 Seiten
Preis: 24,90 €
ISBN: 978-3-462-04300-6

Im Jahre 1837 macht sich der junge Ungar Andras Lévi auf den Weg nach Paris, um Architektur zu studieren. Schon bald lernt er die attraktive und etwas ältere Claire Morgenstern kennen, in die er sich unsterblich verliebt. Das Leben könnte nicht schöner für Andras sein, bis dann der  Krieg ausbricht und die Zukunft der Liebenden zunichte macht. Doch sie geben nicht auf und halten aneinander fest. Selbst schwerste Prüfungen vermögen ihre Liebe nicht zu zerstören, selbst ein dunkles Geheimnis aus Claires Vergangenheit wirft Andras nicht aus der Bahn. Doch keiner der beiden hat mit der brutalen Härte des Krieges gerechnet …

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Orringers Familiendrama hat mich mit seinen epischen Ausmaßen vollkommen überzeugt. Zum einen grandios recherchiert, zum anderen dermaßen gefühlvoll und einfühlsam geschrieben, dass man sich schwerlich von der Geschichte losreißen kann. Wie sich sowohl die Liebesgeschichte als auch die Entstehung des Zweiten Weltkriegs langsam entwickeln ist schon ein Meisterwerk. Oft fühlte ich mich an Thomas Manns „Buddenbrooks“, Leopold Ahlsen fantastische Familiengeschichte „Die Wiesingers“ oder auch „Ein Mann will nach oben“ von Hans Fallada erinnert. Doch Orringer geht einen vollkommen eigenständigen Weg. Mit ihrem wunderschönen Schreibstil nimmt sie den Leser schon nach wenigen Seiten mit auf eine unvergessliche Reise, die sich unbarmherzig ins Gedächtnis brennt. Es sind sowohl die verträumt zarten Liebesszenen, die einen nicht mehr loslassen, als auch die brutalen und ungerechten Passagen des Krieges, die aber immer sehr zurückhaltend und niemals aufdringlich schockierend beschrieben werden.

Orringer überlässt geschickt dem Leser das Grauen, das sie nicht beschreibt, das aber sehr wohl zwischen den Zeilen steht. Das ist grandios und lässt mich sofort wieder ins Schwärmen geraten. Die Tragödie wechselt beeindruckend zwischen unendlich großer Zufriedenheit der Protagonisten zu düsteren Kriegsschauplätzen, die einem Gänsehaut verursachen. Man spürt die Hoffnung der Personen, als sei es eine wahre Geschichte (und wenn ich das Nachwort richtig verstehe, ist an diesem Roman auch ein klein wenig Familiengeschichte der Autorin verbaut). Das Buch hat mir enorm gut gefallen und mich stark beeindruckt. Am Ende erging es mir ähnlich wie bei Tad Williams‘ „Otherland“-Saga oder Tolkiens „Der Herr der Ringe“: ich war einfach nur traurig, all die Personen und Schauplätze aus der Vergangenheit verlassen zu müssen. Zu gerne hätte ich noch mehr Zeit mit Andras und Claire verbracht …

Aber leider enden auch gute, dicke Bücher irgendwann einmal. Ich hoffe wirklich, dass Julie Orringer bald ein neues Buch auf den Markt bringt, denn dann ist es defintiv meins. 🙂

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Fazit: Episch und emotional, hoffnungsvoll und beklemmend. Eine unmögliche Liebe, die den Wirren und Schrecken des Zweiten Weltkriegs standhalten muss. Für Liebhaber von Familendramen unbedingte Leseempfehlung!

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das bin doch ich von Thomas Glavinic

Glavinic

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Hanser
insgesamt 240 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-446-20912-1
Kategorie: Belletristik

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Thomas Glavinic schreibt über sein Leben und die Zeit, in der er für seinen Roman „Die Arbeit der Nacht“ einen Verlag gefunden hat. Höhe- und Tiefpunkte eines Schriftstellers, der sich Erfolg wünscht.

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Glavinics autobiografischer Roman ist, ähnlich wie „Lisa“, kurzweilig und unterhaltend. Es macht schon unheimlich Spaß, dem Schriftsteller bei seinem Weg bis zur Veröffentlichung von „Die Arbeit der Nacht“ zu folgen. Auch die Anekdoten aus dem Privatleben (ob sie nun alle genau so stimmen, wie beschrieben, sei dahingestellt) sind oftmals sehr amüsant und lustig. Glavinic eben …
Handlungstechnisch erwartet den Leser nichts tiefgründiges, sondern eher eine einfache Schilderung eines Schriftstellerlebens und eines Mannes.

Vom Schreibstil her ist „Das bin doch ich“ aber qualitativ etwas entfernt von „Die Arbeit der Nacht“. Das macht aber gar nichts, denn die Situationen, die beschrieben werden, bedürfen keiner anderen Worte und tun mit Sicherheit ihre Wirkung besser in dem von Glavinic benutzen Stil. Wer Sinn oder Nichtsinn wie in anderen Büchern des Schriftsteller sucht, wird enttäuscht sein, denn hier geht es einfach nur um den Menschen, Mann und Schriftsteller Thomas Glavinic. Wie er hofft, lacht, Angst hat und sein privates und öffentliches Leben meistert. Da gehört schon auch Mut dazu, all dies zu schreiben, aber im Gesamtbild macht es Glavinic unglaublich sympathisch, was durchaus in der Absicht des Schreibers gelegen haben könnte. 😉

„Das bin doch ich“ ist Roman und Tagebuch in einem. Man bekommt ohne weiteres das Gefühl, bei einem Lebensabschnitt des Autors live mit dabei zu sein. Das hat schon was und macht, genau wie die „echten“ Bücher Glavinics auf gewisse Art und Weise süchtig. Fans sollten sich dieses selbstkritische und witzige Buch auf keinen Fall entgehen lassen. Für Neueinsteiger würde ich empfehlen, erst einmal ein anderes Buch von Glavinic zu lesen, um zu erfahren, wie er literarisch so „tickt“.

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Fazit: Gelungene „Selbstdarstellung“, die amüsiert, aber auch nachdenklich macht. Glavinics Weg bis zur Veröffentlichung seines Romans „Die Arbeit der Nacht“ unterhält vorzüglich.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Grimm von Christoph Marzi

Grimm

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 560 Seiten
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3-453-26661-2
Kategorie: Jugendbuch
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Als Vesper Golds Vater stirbt, erfährt das junge Mädchen, dass die Welt nicht so ist, wie sie scheint. Ihr Vater vererbt ihr einen geheimnisvollen Schlüssel, hinter dem plötzlich ein Unbekannter her ist. Der Tod des Vaters erscheint Vesper auch immer mysteriöser, je mehr sie davon erfährt. Und dann fallen plötzlich alle Kinder weltweit in einen minutenlangen Schlaf und Wölfe streifen durch die Stadt. Märchenfiguren, die als erfunden galten, scheinen zur Realität geworden zu sein. Zusammen mit dem Studenten Leander macht sich Vesper auf den Weg, das Geheimnis der zum Leben erwachten Märchen zu lüften.

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Der Einstieg in Marzis Märchenwelt ist gelungen und macht so richtig Spaß auf das, was da noch kommen möge. Vespers jugendliche Charakterzeichnung ist absolut gelungen und zaubert einem so manches Mal ein Schmunzeln in die Mundwinkel.
Auch wie die Märchenwelt immer mehr in die Realität eindringt, hat Marzi sehr geschickt und spannend gemacht. Der teils sehr gehobene Schreibstil wird immer wieder durch saloppe Sprüche, die aber aus dem Mund der Protagonistin kommen und daher absolut in Ordnung sind, abgelöst, was zur Folge hat, dass man durch das Buch nur so fliegt. Es ist sehr kurzweilig und baut die Spannung schön gleichmäßig vom Anfang bis zum Ende auf. Hin und wieder gab es ein paar Szenen, die mir persönlich nicht so zugesagt haben, weil sie dann doch zu übertrieben auf mich wirkten, aber die verloren sich in der Vielfalt der gelungenen Teile.

Ein paar Ideen finde ich großartig und sehr überzeugend. Wenn es dann aber wiederum um eine Vereinigung geht, die bereits seit etlichen Jahrhunderten Jagd auf Märchenfiguren macht, dann war mir das doch ein wenig zu weit hergeholt und hat mir dann eher nicht so gefallen. Dennoch hat mir „Grimm“ trotz der genannten Kritikpunkte sehr gut gefallen, weil der Roman, wie oben schon erwähnt, meist in einem sehr schönen Schreibstil verfasst wurde und im Prinzip auch eine sehr nachvollziehbare Handlung aufweist.

Marzi hätte noch bedeutend mehr bekannte und unbekannte Märchen einbauen können, das hätte den Reiz des Buches mit Sicherheit erhöht. So aber beschränkte er sich nur auf ein paar ausgewählte, die aber jedermann kennen dürfte. Besonders hat mir eine Begegnung zwischen Vesper und einem eingesperrten, sogenannten „Goldspinner“ gefallen. Diese Szene fand ich äußerst amüsant und gelungen, denn, auch wenn der Name des kleinen Männchens nicht genannt wird, weiß man sofort, um wen es sich handelt. Aus diesem Grund hätten mir mehr solcher Einlagen gefallen.

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Fazit: Unterhaltsam und spannend entführt Marzi den Leser in eine Märchenwelt, die in unsere reale Welt eindringt. Deutsche Jugend-Fantasy, die absolut Spaß macht und in einem sehr gehobenen Schreibstil verfasst ist.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Abgrundtief von Dean Koontz (Odd Thomas 6)

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Oddie 6
Erschienen als Taschenbuch
bei HEYNE
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43765-4
Kategorie: Thriller

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Das Glöckchen um Odd Thomas Hals, das er von Annamaria geschenkt bekommen hat, bimmelt. Dies bedeutet „Gefahr“ und Odd weiß sofort, es ist Zeit für ihn aufzubrechen um seiner – nicht immer geliebten – Berufung zu folgen.

Schnell findet Odd heraus, dass das Böse von dem seltsam aufgetakelten Cowboy mit dem hochglanzpolierten Hightech-Truck ausgeht. Bereits bei der ersten Begegnung kommt Odd nur knapp mit dem Leben davon. Aber Odd hat eine dramatische Vision, die ihn umgehend veranlasst, die Verfolgung des Cowboys aufzunehmen. Auf seiner Reise, diesmal mit einer hinreißenden alten Lady, die eine riesige Stretchlimousine steuert, kommt Odd einer gefährlichen Sekte auf die Spur, die grausame Taten plant. Dies will Odd natürlich unbedingt verhindern …

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An einem Grill stand der sympathische Grillkoch Odd Thomas schon lange nicht mehr. Seine Heimatstadt Pico Mundo, in der er vor 19 Monaten seine große Liebe Stormy Lewellyn verloren hat, hat er bereits vor 3 Bänden verlassen. Seitdem zieht Odd durch das Land. Angezogen von seinem Magnetismus, spürt er das Böse auf, welches er verhindern will – oder besser gesagt: muss. Mittlerweile wird Odd schon zum dritten Mal von der sonderbaren Annamaria begleitet, welche in diesem Band allerdings eher eine passive Rolle spielt.

In diesem sechsten Odd Thomas Roman hat Odd eine neue Begleitung. Eine alte Lady, Mrs. Fischer, Besitzerin einer riesigen Stretchlimousine, die gerade ihren ca. 90-jährigen Chauffeuer der Ewigkeit übergeben musste, ist dieses mal an Oddies Seite. Diese Kombination hat mir riesigen Spaß gemacht. Irgendwie war es ein Roadmovie mit dem Flair von Miss Daisy und ihr Chauffeur, wobei hier die Lady meist selber fährt. Diese alte Dame ist so fit, schlagfertig, lieb und geheimnisvoll wissend, dass sie mir – und auch Odd – umgehend ans Herz gewachsen ist. Ich bin auch eigentlich sicher, dass die Leser sie im siebten Band „Saint Odd“ wieder treffen.

Odd Thomas Fans wissen, dass der nette Grillkoch die Toten sehen kann, sie ihn oft um Hilfe bitten, in den letzten Bänden aber auch oft hilfreich zur Seite standen. Im letzten Roman war es Frank Sinatra, der wunderbare Poltergeist-Einsätze hatte. Bereits am Ende des Vorgängers tauchte der „neue „Geist auf, der in diesem Teil eine große Rolle spielt. Hier komme ich dann sogleich zu Änderung/Neuheit Nr. 1. Achtung! Mögliche Spoiler-Gefahr! Der Geist (ein bekannter  Filmregisseur) spricht! Odd hat das genauso überrascht wie mich, es hat die Handlung aber keineswegs ab- sondern vielmehr sehr aufgewertet. Denn das Leben des Mannes hat Dean Koontz  offenbar gut recherchiert. Die zweite Änderung gegenüber den Vorgängern (Achtung! Kleine Spoiler-Gefahr!): Keine Bodachs! Bodachs sind die schwarzen fliessenden Wesen, die Odd sehen kann und die immer dann versammelt auftreten, wenn ein Unglück mit vielen Toten bevorsteht. Auch diese Seltsamkeit ist nicht nur mir, sondern auch dem Protagonisten aufgefallen.

Wie bereits im fünften Teil hat Dean Koontz physikalische Feinheiten verbaut, die mir wieder einmal sehr gut gefallen haben. Spannend, unheimlich und verwirrend fesselnd würde ich diese Stellen der Handlung beschreiben. Mir hat es gut gefallen.

Odd Thomas 4 „Meer der Finsternis“ war für mich bislang der schlechteste der Reihe, der fünfte Roman „Schwarze Fluten“ gefiel mir dann wieder um einiges besser und dieser sechste Teil der Reihe ist für mich der beste Odd Thomas seit den Anfängen. Ich hatte meine wahre Freude an der Lektüre, konnte es nicht erwarten weiterzulesen und diese Kombination zwischen Odd, Mrs. Fischer und besagtem Geist war einfach richtig gut gelungen!

Diesesmal präsentiert der Verlag den Roman direkt und nur als Taschenbuch, was ich etwas schade finde. Denn ich habe die bisherige Reihe als gebundene Ausgaben im Regal stehen. Hier habe ich keine Möglichkeit etwas mehr zu investieren, um meine Sammlung optisch gleichzuhalten. Schade. Allerdings fällt auf dem Cover dieses mal das hässliche Krabbeltier weg, was ich in meiner letzten Rezension noch angemäkelt habe (fast alle Koontz haben diese Insekten auf dem Buchdeckel). Das aktuelle Cover zeigt eine Wüstenstraße, einige verlassene Häuser und einen Mann, der offensichtlich Odd Thomas ist. Das wiederum gefällt mir sehr gut!

Mein Fazit: Volle Sternenzahl für den besten Odd Thomas seit langem. Fesselnd, spannend, flott und frech wie eh und je. Koontz liefert einige Änderungen, die allerdings die Story aufwerten. Der sechste Odd Thomas ist eine Mischung aus Roadmovie, Miss Daisy und ihr Chauffeur, Grusel, Horror und Mystery. Sehr gerne gebe ich eine Leseempfehlung.

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© Buchwelten 2015

Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

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Erschienen als
Taschenbuch bei
dtv
336 Seiten
Preis: 9,95  €
ISBN: 978-3-423-625838

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Hazel Grace und Augustus sind krebskrank. Sie lernen sich in einer Selbsthilfegruppe kennen und verbringen immer mehr Zeit miteinander, bis sie sich ineinander verlieben. Sie beschließen, zusammen nach Amsterdam zu fahren, um Hazels Lieblingsschriftsteller zu treffen. Obwohl sie eine schöne Zeit verbringen, begleitet sie die schreckliche, tödliche Krankheit auf Schritt und Tritt.

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John Greens neuester Roman hat mir zwar gefallen, mich aber nicht in jeder Hinsicht überzeugt. Aber eines nach dem anderen.
Mit welcher Leichtigkeit Green das Thema Krebs behandelt, ist schon bewundernswert. Zu Anfang macht es auch unglaublichen „Spaß“, die Geschichte um Hazel und Augustus zu verfolgen. Der Sarkasmus, mit dem die beiden ihrer tödlichen Krankheit begegnen, ist wie eine Gratwanderung zwischen Traurigkeit und Witz. Das ist es auch, was bewegt und mitfühlen lässt, denn zwischen diesen gesprochenen Worten hört man oft die Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit heraus.
Was mit persönlich irgendwann dann aber zuviel wurde, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man als krebskranker Teenager Tag für Tag sarkastisch sein kann und die tödliche Krankheit nur mit Humor bekämpft. Green packt meines Erachtens zu viel in seine Protagonisten und lässt sie irgendwann fast schon unglaubwürdig erscheinen. Zumindest ging es mir so. Gegen Ende des Romans konnte ich mich mit den Beiden plötzlich nicht mehr so richtig identifizieren. Das Aufeinandertreffen mit dem Schriftsteller war auch etwas übertrieben dargestellt, das hat mich nicht wirklich angesprochen, denn es wirkte auf mich sehr konstruiert und unrealistisch.

Nichtsdestotrotz hat John Green einen teils ergreifenden, teils amüsanten und bedingt dramatischen Liebesroman geschrieben, der unterhält und auch oft nachdenklich macht. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist Jugendbuch und Erwachsenenroman gleichermaßen. Mit einem sehr einfachen Schreibstil wird hier eine skurrile Geschichte erzählt, die mich anfangs begeistert und zum Ende hin eher „kalt“ gelassen hat. Hazel und Augustus als eines der bewegendsten Liebespaaare der Literatur zu bezeichnen (Natascha Geier, NDR Kulturjournal), finde ich übertrieben und nicht zutreffend. Sicherlich weint und lacht man mit den Beiden und spürt ihre Ängste und Hoffnungen, aber den Hype um das Buch kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Da gibt es bedeutend bessere Bücher …
Deshalb wundert mich auch, dass das Buch mit so vielen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde.

Gespannt bin ich jetzt noch auf die Verfilmung.

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Fazit: Anfangs ansprechendes, gegen Ende hin immer unrealistischeres Drama um zwei krebskranke Teenager, die sich ineinander verlieben und gemeinsam die ihnen noch zur Verfügung stehende Zeit verbringen. Mit einem einfachen Schreibstil schildert John Green in seinem hochgelobten Jugendbuch, wie zwei Jugendliche ihre tödliche Krankheit überwiegend mit Sarkasmus bekämpfen. Hat mich nicht wirklich überzeugt.

© 2014 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Trophäe von Steffen Jacobsen

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Trophäe

Erschienen als
Taschenbuch im
Heyne Verlag
544 Seiten
Preis: 9,99  €
ISBN: 978-3-453-43762-3

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Michael Sander ist ein Privatdetektiv, der nicht so einfach zu finden ist. Nicht im Internet, nicht im Telefonbuch. Er arbeitet absolut im Verborgenen und wird von seinen Auftraggebern eigentlich nur durch Empfehlungen vermittelt. Sander arbeitet nur an exklusiven Fällen, doch an diesen dann mit seinem ganzen Einsatz.

Elisabeth Caspersen beauftragt Michael Sander, nachdem sie im Tresor ihres verstorbenen Vaters eine extrem brutale DVD findet. Diese zeigt einen Amateurfilm, der das Finale einer ungeheuerlichen Menschenjagd festgehalten hat. Caspersen ist überzeugt, ihren Vater zu erkennen. Sie will Gerechtigkeit. Sie will wissen, wer das Opfer ist und den eventuell Hinterbliebenen ihr Mitgefühl zeigen, auch – oder vor allem – durch finanzielle Hilfe. Denn Geld hat sie genug. Sie ist die Alleinerbin des Milliardenimperiums Sonartek.

Und sie will noch eines: Sie will die Jäger ausgeschaltet wissen, will dass so etwas Grausames nie wieder geschieht.

Sander steht vor einer schwierigen Aufgabe, denn er kennt weder das Opfer, noch den Ort, an dem diese Jagd stattfand. Dennoch nimmt er den Auftrag an, denn solche Herausforderungen sind Sanders Spezialgebiet. Doch die Grausamkeit der Jäger bekommt Sander im Laufe der Ermittlungen zu spüren.

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Dieser Thriller hat es absolut in sich. Er beginnt gleich zu Anfang sehr spannend und fesselnd. Steffen Jacobsen schreibt in einem guten, angenehmen Schreibstil, sodass ich als Leserin direkt leicht in die Handlung eingestiegen bin. Er arbeitet seine Charaktere gleich zu Anfang sehr gut aus. Sie werden lebensnah und echt dargestellt.

Er erzählt seine Story zunächst in zwei Handlungssträngen. Der erste beschreibt die Geschehnisse um Michael Sander, den Detektiv. Der zweite behandelt die Erlebnisse der Kommissarin Lene, die in einem Selbstmord ermittelt, der zunächst nach einem Mord aussieht.

Etwa ab Seite 250 wird der Thriller dann mitten in einem eher ruhigen Moment extrem brutal. Mich hat diese Szene wirklich geschockt, so krass war sie beschrieben. Dennoch, trotz aller Gewalt und brutaler Szenen liefert der Autor auch sehr rührende, gefühlvolle und sogar humorvolle Momente. Diese Mischung hat mir sehr gut gefallen und mich überzeugt.

Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut, die Handlung nimmt immer wieder nicht absehbare Wendungen, Langeweile kam hier keinesfalls auf.

Der Autor beschreibt auch sehr gut die Hintergründe der Jäger, erzählt aus der Vergangenheit. Auf Näheres mag ich hier nicht eingehen, um nicht zuviel zu verraten.

Mein Fazit: Volle 5 Sterne für diesen extremen Thriller, der Spannung, Dramatik, Gewalt, schockierende Brutalität mit Gefühl und zu Tränen rührenden Momenten vermischt.

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Ich danke HEYNE für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Das finstere Tal von Thomas Willmann

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Erschienen als Taschenbuch
im Ullstein Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN ISBN 13-13 978-3-54828-368-5
Kategorie: Historischer Roman

Ende des 19, Jahrhunderts, kurz bevor der Winter beginnt, erscheint ein seltsamer Fremder im Dorf, das in einem entlegenen Hochtal liegt. Sein Name sei Greider und er wolle den Winter im Dorf verbringen, um sich ganz dem Malen zu widmen, erzählt er den Bewohnern, die ihn misstrauisch abweisen wollen. Doch Greider kann die Leute mit Geld locken und so darf er den Winter im Haus der Gader-Witwe verbringen. Die Söhne des Brenner-Bauern, der wie ein König über das Dorf herrscht, beobachten den Fremden argwöhnisch. Als das Dorf durch den Wintereinbruch komplett von der Außenwelt abgeschnitten wird, gibt es einen Toten. Wenige Tage später geschieht ein zweites Unglück und  eine dramatische Geschichte um Rache und Vergeltung gerät ins Rollen.

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Thomas Willmann besitzt ein Sprachgefühl, das einen sofort in den Bann zieht. Schon nach den ersten Seiten wird einem bewusst, dass man kein alltägliches Buch in den Händen hält, zumal Willmann den bayrischen Dialekt, wie damals Andrea Maria Schenkel mit ihrem Roman Tannöd, sozusagen „salonfähig“ macht.
Willmann schreibt im Nachwort, dass er seinen Roman Ludwig Ganghofer und Sergio Leone sozusagen „widme“, was ihm auch erstklassig gelungen ist. Die Stimmung, die der Autor mit seinen gewählten Worten vermittelt, ist tatsächlich Heimatroman und Western in einem. Derart geschickt verbaut Willmann die Zutaten dieser beiden Genres zu einer (seiner) eigenständigen Romangattung, dass es einem so manches Mal die Sprache verschlägt.

Es fällt sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen, weil man unbedingt wissen muss, wie die Geschichte weitergeht. Mit einer sprachlichen Rafinesse, in der bayrische Ausdrücke mit fast schon poetischen Satzkonstruktionen vermischt werden, zieht der Autor den Leser in einen Strudel aus Gegenwart und Vergangenheit, der  tatsächlich so manches Mal an Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ erinnert. Doch zieht Willmann die Register der Dialektsprache so geschickt, dass man seine „Vorbilder“  (Ganghofer und Leone) schon bald wieder vergisst und sich auf die Geschichte um Liebe, Hass, Rache und Gewalt konzentriert.

Man spürt während des Lesens die bedrückende Stimmung im Dorf, begeht mit dem wortkargen Protagonisten die herrlichen Landschaften und fühlt die Kälte des Schnees. Man sieht einen Film vor sich und kann den Blick von den Seiten, auf denen sich dieser atmosphärische Film abspielt, nicht mehr abwenden.

Der Roman ist für mich eine Verbeugung vor der hochdeutschen Sprache und dem bayrischen Dialekt, die man beide nicht geschickter verbinden könnte, als Willmann es getan hat. Eine Hommage an alte Heimatromane und itaienische Kultwestern. Mit dieser intelligenten Mixtur hat Thomas Willmann seinen eigenen Kultroman geschrieben.

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Mein Fazit: Volle Punktzahl für dieses sprachliche Meisterwerk, das die große Kluft zwischen der hochdeutschen Sprache und dem bayrischen Dialekt meisterhaft überwindet und dadurch eine einzigartige Stimmung schafft. Willmanns genreübergreifender Roman ist ein Kultbuch.

Wer sich dafür interessiert, wie ich die gleichnamige Verfilmung des Romans finde, kann dies auf meinem Blog „Film-Besprechungen“ nachlesen.

© 2014 Wolfgang Brunner / Buchwelten

Wurdilak von Robert Sigl

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Erschienen als Taschenbuch
im Goldfisch Verlag
ISBN: 9783906158075
Kategorie: Märchen

In einem kleinen Hafenort wird sich erzählt, dass ein geheimnisvoller weißer Wolf Jagd auf Kinderseelen macht. Die Eltern von Kara und Rupert beachten derartige Warnungen des Dorfpfarrers aber nicht und tun sie als dummes Gerede ab.
Auf einem Jahrmarkt bekommen die beiden Kinder von einer Wahrsagerin eine Puppe, den sogenannten Tupilak, geschenkt, der sie vor dem Wolf schützen soll. Dieser, so die Wahrsagerin, sei ein Gesandter des Wurdilak, einem Gehilfen des Teufels, der die Seelen kleiner Kinder sammle.
Als die Mutter von Kara und Rupert die Tupilak-Puppe entdeckt, wirft sie diese voller Zorn ins Feuer und löst damit ein Unheil nach dem anderen aus …

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„Wurdilak“ ist der erste Roman des deutschen Drehbuchautors und Regisseurs Robert Sigl.
Im Gegensatz zu seinen Filmen „Laurin“, „School’s Out“ und „Hepzibah“ (um nur die bekanntesten zu nennen) entführt Sigl den Leser mit seinem Debütroman in eine märchenhafte, aber auch -im Stil von Roald Dahl- schreckliche Märchenwelt. Da geht ein geheimnisvoller weißer Wolf um, Kinder werden in einem Heim festgehalten und benehmen sich wie Roboter und eine Vogelpuppe mit drei Köpfen steht als Helfer zur Seite.
An Ideen mangelt es Sigl nicht und aus diesem Grund erwartet den Leser auch ein extrem kurzweiliges Abenteuer voller magischer Momente und spannender Szenarien.
Am oftmals knappen Schreibstil erkennt man, dass Sigl versiert im Schreiben von Drehbüchern ist. Dies hat zur Folge, dass man „Wurdilak“ förmlich als gedrehten Film vor sich sieht. Die relativ einfache Schreibweise hat den angenehmen Effekt, dass das Buch für die Zielgruppe (nämlich Kinder) problemlos zu lesen ist und den Erwachsenen einen zügigen Lesegenuss verschafft, der einen nur so durch die Seiten fliegen lässt.

„Wurdilak“ fällt aus meiner Sicht in die Kategorie „All Age“, denn die Handlung spricht meiner Meinung nach definitiv Kinder und Erwachsene an.
Der Spannungsbogen baut sich bis zum Schluss hin konstant auf, bis er  in einem zufriedenstellenden Finale endet.

Eindeutig am besten gefallen hat mir die Figur des Tupilak, der dreiköpfigen und sprechenden Vogelpuppe. Wie liebevoll Sigl den drei Köpfen Worte in den Mund gelegt hat, das macht schon ungemein Spaß und lockert die manchmal düstere Handlung erfrischend auf.

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Fazit: „Wurdilak“, der erste Roman des deutschen Regisseurs Robert Sigl, ist ein rasantes Märchen für kleine und große „Kinder“, das mich vom Szenario manchmal ein wenig an Roald Dahl erinnerte. Das Buch ist ein Film für LeserInnen, da Sigl einen sehr bildlichen Schreibstil benutzt. Ich vergeb 4 von 5 Sterne für ein kurzweiliges Lesevergnügen in einer märchenhaften, verzauberten und gelegentlich düsteren Welt.

© Buchwelten 2014