Das Ufer von Richard Laymon

Das Ufer von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67647-3
Kategorie: Thriller, Horror

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Deana lebt mit ihrer Mutter Leigh in der idyllischen Kleinstadt Tiburon. Alles ist beschaulich und harmonisch, bis zu dem Zeitpunkt, als ein brutaler Serienkiller auftaucht. Und plötzlich erinnert sich Leigh an ihre eigene Jugend, die ebenso düster und gefährlich war. Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich. Es scheint, als wäre Leighs Vergangenheit noch lange nicht zu Ende erzählt, denn auch dort trieb ein grausamer Serienkiller sein Unwesen.

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Es gibt Bücher von Richard Laymon, die entwickeln eine eher trashige Atmosphäre, und es gibt Werke von ihm, die erzählen eine etwas ruhigere Geschichte mit Horror-Elementen. „Das Ufer“ gehört eindeutig zur letzten Kategorie, was aber nicht bedeutet, dass es weniger spannend ist als die Splatter-Achterbahnfahrten, die Laymon verfassen kann. „Das Ufer“ ist die Geschichte eines Teenagers (eigentlich sind es zwei Teenager, denn die Geschichte der Mutter als Teenager nimmt auch einen sehr großen Teil des Buches ein) und hat mich so manches Mal an den Plot und die Stimmung von „Halloween“ des fantastischen Regisseurs John Carpenter erinnert. Wie bei allen Werken von Richard Laymon kann man das Buch sehr schwer aus der Hand legen. Obwohl der Schreibstil des leider viel zu früh verstorbenen Autors nicht hochwertig genannt werden kann, fasziniert er dennoch (oder gerade deswegen) aufgrund seiner klaren, deutlichen und eben einfachen Sprache. Die Gedanken der Protagonisten sind realitätsnah und lassen den Leser dadurch das Geschehen hautnah miterleben. Zumindest mir geht es bei Laymons Büchern eigentlich immer so, dass ich bereits nach wenigen Seiten die oftmals umgangssprachliche Einfachheit schlichtweg genieße, weil sie zu der Story einfach passt.

„Das Ufer“ ist ein typischer Laymon, aber irgendwie dann doch wieder nicht.  Mir persönlich hat aber gerade die ruhigere Gangart zugesagt und vor allem haben hier die „schlüpfrigen“ Szenen nie gestört, was bei den anderen Büchern manchmal der Fall ist. Auch die Brutalität wirkt niemals aufgesetzt und übertrieben, sondern lockert die an sich melancholisch erzählte Geschichte immer wieder auf. Gerade die Rückblenden in die Vergangenheit der Mutter haben es mir bei „Das Ufer“ angetan. Dieser Handlungsstrang übte eine unwiderstehliche Faszination auf mich aus, die mich wiederum an Laymons „Das Treffen“ oder „Die Show“ erinnerte. Die Charaktere wirken zwar oftmals flach und oberflächlich, vermitteln aber dennoch das Gefühl, man würde sie kennen. Das liegt vor allem an den bereits oben erwähnten Gedankengängen, die Laymon beschreibt.

Wie in fast jedem Buch von Richard Laymon sind alle Frauen schlank, haben große Brüste und sind ständig geil. Aber auch die Männer haben ordentlich was in der Hose und fühlen sich von ziemlich jeder Frau angezogen. Dieses stereotype Trash-Klischee erfüllt auch „Das Ufer“ und reiht sich, zumindest in dieser Hinsicht, nahtlos in die anderen Werke des Autors ein. Ich mochte die Story und bin dem Heyne-Verlag dankbar, dass er sich auch der unbekannteren Geschichten Laymons annimmt. Da „Das Ufer“ im Orginal posthum veröffentlicht wurde, könnte man aufgrund einiger Details auf den Gedanken kommen, dass es sich lediglich um ein unfertiges Manuskript gehandelt haben könnte, dass ein Ghostwriter fertiggeschrieben hat. Nichtsdestotrotz vervollständigt „Das Ufer“ die Laymon-Sammlung und verschafft einem ein paar angenehme, unterhaltsame Lesestunden. Durch den wunderbar flüssigen Schreibstil und den kurzen Kapiteln entwickelt sich auch dieser Roman zu einem Pageturner, wie man es von Richard Laymon einfach gewohnt ist. Über das Ende kann man streiten. Einige überraschende (wenngleich manchmal voraussehende) Wendungen bietet das Buch. Und wenn man dann noch über die mehr als an den Haaren herbeigezogenen „Zufälle“ nicht weiter nachdenkt, die zum Finale führen, bekommt man eine wirklich unterhaltsame Story geboten.

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Fazit: Ein ruhiger Horror-Thriller, der an die Slasher-Filme der 80er-Jahre erinnert. Typisch Laymon, aber irgendwie doch wieder untypisch. Für Fans aber sowieso ein Muss.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Licht aus! von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
bei FESTA-Verlag
insgesamt 271 Seiten
Preis: 12,80 €
ISBN: 978-3-86552-166-8
Katergorie: Horror-Thriller

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Brit sitzt im Spukpalast, dem angesagtesten Kino in der Stadt, und will eine Nacht mit Horrorfilmen erleben. Zwischen den beiden Filmen des Double Features wird ein Kurzfilm gezeigt, in dem Schreck, ein brutaler Zeitgenosse, die Hauptrolle spielt. Der Film zeigt, wie eine Frau bestialisch gefoltert und auf grausame Weise ermordet wird! Brit mag zwar solche Filme, ist aber irritiert, weil sie in der Darstellerin Tina, ihre Freundin, erkennt. Und die ist definitiv keine Schauspielerin.

Brit ahnt nicht, dass auch sie bald in die Rolle eines Opfers der Schreck-Kurzfilm-Reihe schlüpft und darin ebenfalls von Freunden erkannt wird.

Es sind keine „normalen“ Produktionen, die im Spukpalast zwischen den Hautpfilmen über die Leinwand flimmern, sondern reale Aufnahmen, die von einem gewissenlosen Perversen inszeniert werden und als eine besondere Art von „Snuff Movie“ gezeigt werden.

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Laymon macht es wie immer: ohne Umschweife kommt er zur Sache, schmeißt den Leser in einen Achterbahnwagen und fährt los. Wie gewohnt gibt es keine Bremse und in der Regel fährt der Waggon in einem irren Tempo nach unten, selten wird man zum Luftholen wieder nach oben gezogen.

Literarischen Anspruch kann Laymon nicht, dafür aber handfeste Popcorn-Lektüre. Und die macht bei Licht aus! echt Spaß. Ich mache mir zugegebenermaßen bei Romanen oft Gedanken über Logik und Charakterzeichungen der Figuren. Bei Richard Laymon tu ich das nicht, denn so wie er schreibt, interessiert mich im Grunde genommen gar nicht großartig, welche Charakterzüge die Protagonisten besitzen. Sie werden früher oder später sowieso das Zeitliche segnen … oder als Held/Heldin enden. 🙂

Genau deswegen mache ich mir bei Laymons Bücher keinen Kopf darüber. Seine Bücher, und so auch Licht aus!, sind reine Unterhaltung. Und wenn ich so ein Werk in die Hand nehme, dann will ich auch nichts anderes.

Das Spiel mit den „Snuff Movies“ gefällt, wirkt zwar manchmal etwas hölzern und gekünstelt, aber durch die permanente Spannung durchaus hinnehmbar.

Viele empfinden diesen Kurzroman mit knapp 300 Seiten als einen von Laymons schlechteren. Ich finde, er bewegt sich im oberen Mittelfeld, weil er wirklich spannend geschrieben ist und vor allem sehr kurzweilig unterhält.

Durch die kurz gehaltenen Kapitel bin ich nur so durch die Handlung gerast, weil ich wissen wollte, was weiter passiert. Die in anderen Rezensionen angekreidete Liebesgeschichte fand ich persönlich sogar einen netten „Lückenfüller“ für die ansonsten derbe Handlung. Aber die Geschmäcker sind nun mal verschieden.

Was mir gut gefallen hat, war die Auflösung, die eher durch einen Zufall vonstatten ging, mit dem ich nicht gerechnet habe. Die Idee hatte schon was.

Die Lederoptik des Einbands bekommt, wie auch das Titelbild, volle Punktzahl von mir. Da setzt der FESTA-Verlag schon irgendwie Maßstäbe im Horrorbereich.

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Fazit: 4 von 5 Sternen für einen kurzweiligen, spannenden Lesegenuß, der, wie bei Richard Laymon gewohnt, keine literarische Hochleistung, dafür aber knackiges, auf den Punkt gebrachtes Popcorn-Kino zum Lesen ist.

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Ich danke dem FESTA-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

 

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© Buchwelten 2013