Shamrock Alley von Ronald Malfi

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Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 480 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-95835-273-5
Kategorie: Thriller

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Secret Service Agent John Mavio schleust sich undercover in ein Syndikat von Unterwelt-Bossen ein. Er will eine der größten Falschgeldoperationen in der Geschichte der USA aufdecken. Doch mit jedem Schritt in diese Welt aus Gewalt und Verbrechen entfernt er sich immer mehr von seinem wirklichen Leben. Er vernachlässigt seine schwangere Frau und seinen unheilbar kranken Vater, bis er an einen Punkt gelangt, an dem er sich entscheiden muss …

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„Shamrock Alley“ von Ronald Malfi ist ein Buch, das man bereits nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen möchte. Malfi hat mich schon mit seinem „The Ascent“ schwer begeistert, geht aber mit diesem Roman von seinem schriftstellerischen Können her noch eine Stufe höher. Der Mafia-Thriller, in dem es um einen Secret Service Agenten geht, der eine Falschgeldoperation stoppen will, zählt für mich zu jenen Romane, die sich Pageturner „schimpfen“ und denen man sich einfach nicht mehr entziehen kann, sobald man mit ihnen begonnen hat. Malfis Schreibstil ist phänomenal und derart flüssig zu lesen, dass es schon fast unheimlich ist. Hinzu kommt, dass Malfi sehr schöne Beschreibungen und Metaphern verwendet, die zum einen Spaß machen und zum anderen auch sehr bildhaft die Menschen, Schauplätze und Situationen beschreiben, so dass man meint, man wäre mittendrin im Geschehen.

„Shamrock Alley“ ist ein intensiver Roman, was unter Umständen auch daran liegt, dass Malfi seine Geschichte um wahre Begebenheiten herum ausgearbeitet hat. Pate für den Protagonisten stand Malfis Vater, der tatsächlich beim Secret Service war und anscheinend ähnliche Ereignisse erlebt hat. Die Geschichte(n) im Hintergrund des Plots, in denen es einmal um die Familie der Hauptperson und dann noch um den kranken Vater geht, wirken so authentisch und echt, dass man an manchen Stellen zu Tränen gerührt ist. Diese Nebenhandlung erinnerte mich oftmals an Henning Mankells Wallander-Reihe, wo auch eine Vater-Sohn-Beziehung im Hintergrund ablief und der Haupthandlung manchmal fast den Rang ablief. „Shamrock Alley“ wirkt auf mich vollkommen rund. Zum einen ist da die actionlastige Agentenstory, zum anderen nimmt der Leser am Privatleben des Protagonisten in einer sehr intimen und emotionalen Weise teil, die mitten ins Herz trifft. Diese (gesunde) Mischung ist es auch letztendlich, die „Shamrock Alley“ zu einem kleinen literarischen Wunder macht. Die knackige Erzählweise tut ihr übriges dazu, um immer noch ein Kapitel zu lesen, weil man einfach wissen will, wie es weitergeht.

Selbst wer mit Mafia- und Streetgang-Geschichten nichts anfangen kann, wird sich dem Bann und Sog dieses Buches schwer entziehen können. Denn Ronald Malfi beschreibt die Geschehnisse mit einer Leichtigkeit, dass man sogar vergessen könnte, dass einen die Story im Grunde genommen gar nicht interessiert. Durch beeindruckend realistische Dialoge merkt man das Umblättern der Seiten nicht, so faszinierend ist Malfis Erzählstil. Es ist bedauerlich, dass Ronald Malfi hierzulande nicht einem breiteren Publikum bekannt ist, zeugen seine Romane doch von hoher literarischer Qualität und vor allem erzählerische Dichte, wie man sie selten findet. Er beherrscht es mühelos, einen Bogen zwischen spannenden Actionsequenzen und herzzerreißenden, melancholischen Augenblicken zu spannen, so dass man wirklich meint, man treffe die Protagonisten persönlich. Gerade in diesem Falle ist die Geschichte des Protagonisten (ob teilweise erfunden oder komplett der Realität entnommen ist vollkommen egal) so tiefgehend und ergreifend, dass es fast schon schmerzt. Malfi beschreibt die Gefühlswelt seiner Figuren eindrucksvoll und glaubwürdig. „Shamrock Alley“ ist Kopfkino á la Sergio Leone mit Hauptdarstellern, die einen literarischen Oscar verdient hätten – genauso wie Ronald Malfi selbst, der sich mit diesem Roman nahezu selbst übertroffen hat. Mit diesem Werk hat er es auf jeden Fall bei mir geschafft, dass ich mir sämtliche in Deutschland erschienenen Bücher von ihm besorgen werde. Und er hat seinem Vater damit ein beeindruckendes Denkmal gesetzt.

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Fazit: Grandiose Story mit hervorragend ausgearbeiteten Charakteren. Spannend, emotional, melancholisch und nostalgisch. Unbedingte Leseempfehlung.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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The Ascent – Der Aufstieg von Ronald Mafli

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 364 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-95835-193-6
Kategorie: Thriller

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Tim Overleigh ist eigentlich ein ganz angesehener Bildhauer.  Doch nach dem Tod seiner Frau verfällt er immer mehr dem Alkoholismus und lässt sich inmitten seiner Selbstvorwürfe gehen. Doch dann erscheint ein Trumbauer, alter Freund, und lädt ihn zu einem geheimnisvollen Trip in die Berge von Nepal ein. Overleigh schließt sich der Gruppe von Bergsteigern an. Doch bald schon stellt sich heraus, dass jeder Teilnehmer anscheinend aus einem ganz bestimmten Grund für diesen Extremtrip ausgewählt worden ist. Und je weiter sich die Gruppe in teils unerforschte Regionen des Himalaja vorarbeitet, desto mehr drängen die Schatten der Vergangenheit an die Oberfläche. Overleigh muss sich nicht nur den Gefahren der Bergwelt, sondern auch seinen inneren Ängsten und Dämonen stellen …

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„The Ascent“ ist das erste Buch, das ich von Ronald Malfi gelesen habe. Und, was soll ich sagen? Schon nach den ersten Seiten hat mich sein bildhafter und flüssiger Schreibstil dermaßen begeistert, dass ich bereits beschloss, mir die anderen Bücher von ihm zu besorgen. Malfi schreibt sehr eindringlich und glaubhaft. Seinen Protagonisten mochte ich auf Anhieb und ich fühlte sehr intensiv mit ihm, während er sich Gedanken um seine verstorbene Frau machte. Malfi lässt sich erfreulicherweise Zeit mit seinen Charakteren, so dass man sie am Anfang des Romans sehr gut kennen lernt und sich folglich während der restlichen Seiten dann absolut mit ihnen identifizieren kann. Ebenso hat mir gefallen, dass der Autor nicht nur typische Thrillerelemente in seinem Roman verwendet, sondern auch Mystery- und echte Abenteuerpassagen einbaut. Tatsächlich fühlte ich mich des öfteren an die Indiana Jones-Filme erinnert.

Ronald Malfi schildert die Strapazen einer solch gewaltigen Bergtour absolut authentisch. Und auch seine Landschaftsbeschreibung, obwohl sie gar nicht so oft vorkommen, vermitteln ein unglaublich echtes Bild der Schauplätze. Man taucht förmlich in diese Bergsteiger-Geschichte ein, ist mit dabei und spürt die unglaublichen Anstrengungen und die mörderische Kälte. Fast möchte ich Malfis Schilderungen mit Dan Simmons Meisterwerk „Der Berg“ vergleichen, aber ganz so intensiv bekommt es Malfi dann doch nicht hin. Aber nichtsdestotrotz liegt mit „The Ascent“ ein unglaublich unterhaltsamer, spannender und vor allem sehr stimmungsvoller Thriller vor, der durch den hervorragenden Schreibstil einfach nur begeistert.  Und gerade der Teil des Buches, der sich mit dem Aufstieg und seinen Gefahren, den Gedankengängen des Protagonisten und den immer wiederkehrenden Halluzinationen aus seiner Vergangenheit befasst, ist sehr stark.

Auch wenn die Kulisse des Himalaya-Gebirges eigentlich „nur“ als Schauplatz dient und nicht die reine Handlung darstellt, so erfährt der Leser dennoch, welchen extremen Strapazen solche Bergsteiger ausgesetzt sind. Und wenn dann auch noch höhergeistige Dinge ins Spiel kommen, kann man die Gefühlswelt des Protagonisten umso mehr verstehen und nachvollziehen.
Einen klitzekleinen Wermutstropfen hat „The Ascent“ aber dann doch noch für mich, der aber nur meinen persönlichen Geschmack betrifft: Das Ende, wenngleich es ungemein spannend und auch logisch aufgebaut war, zerstörte irgendwie die ganze Atmosphäre, die sich vorher über den ganzen Plot gelegt hat. Das Finale wirkte mir irgendwie zu aufgesetzt und spektakulär. Es war, auch wenn das jetzt komisch klingt, einfach zu spannend. Da hätte dem Roman eine ruhigere Lösung, die nicht unbedingt den gängigen Mainstream-Erwartungen eines Thrillers gefolgt wären, gut getan. Aber da sind die Geschmäcker wohl auch unterschiedlich und als Autor kann man es leider allen nicht recht machen. Ich hätte mir auf jeden Fall gewünscht, dass die Geschichte genauso „ruhig“ ausgeklungen wäre, wie während des ganzen restlichen Buches. Eines ist auf jeden Fall klar: Ronald Malfi hat sich mit diesem Buch, das anscheinend nicht einmal sein bestes zu sein scheint, eindeutig in mein Leserherz geschrieben. Sein hochwertiger Schreibstil erinnerte mich oftmals an Greg F. Gifune, dessen Bücher ich ebenso liebe. Malfi kann absolut gut schreiben und unterhalten. Was will man von einem Schriftsteller mehr? 😉

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Fazit: Atmosphärischer Thriller auf hohem Niveau, der neben Thriller- auch Mystery- und Abenteuerelemente verbaut. Absolut empfehlenswert.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten