Das Ende aller Geheimnisse von Stefan Keller (Heidi Kamembas erster Fall)

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978-3-499-27249-3
Erschienen als Taschenbuch
bei  rororo
333 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-499-27249-3
Kategorie: Krimi

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Heidi Kamemba tritt ihren ersten Tag bei der Kripo in Düsseldorf an. Sie ist nicht nur die Neue, sondern sie ist DIE Neue. Denn: Sie ist farbig. Sie ist die erste schwarze Kriminalkommissarin Deutschlands. Aber sie ist ehrgeizig, voller Tatendrang, war eine der besten in ihrer Ausbildung und sie hat nicht vor, sich wegen ihrer Hautfarbe runtermachen oder minderwertig behandeln zu lassen.

Nun denn, Heidi wird dem Team von HK Bruno Westphalen zugeteilt. Was an sich schon nicht so verlockend ist, da ihr Vorgänger sich vor nicht allzu langer Zeit das Leben nahm und seine Kollegen nach wie vor trauern und der Neuen sehr skeptisch gegenübertreten.

In ihrem ersten Fall bekommt Heidi es mit einer Leiche zu tun, die in einem Waldstück total verkohlt aufgefunden wird. Hinweise oder gar Spuren gibt es so gut wie keine. Heidi hat es leider nicht leicht, denn ihre Kollegen erweisen sich nicht nur als nicht sonderlich hilfsbereit, sondern sogar als abweisend und distanziert. Da Heidi unbedingt wissen will, was mit ihrem Vorgänger geschah und warum ihre Kollegen so verschlossen und abweisend sind, ermittelt sie nicht nur in dem Mordfall. Sie versucht herauszubekommen, was damals mit Becker geschah und was die Kollegen im Team wussten oder gar damit zu tun hatten ….

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Hmmm, ist so mein erster Gedanke, wenn ich meine Meinung in Worte fassen soll. Ich bin nicht so wirklich sicher, ob mir der Krimi nun gut gefiel oder eher nicht. Ich würde mich auf „mittel“ festlegen. Stefan Keller ist kein unerfahrener Neuling, sondern hat schon einiges geschrieben und auch beruflich viel mit Schreiben und Literatur zu tun. Seine Grundidee, eine farbige Ermittlerin ins Leben zu rufen, die es auch (oder gerade wieder) in der heutigen Zeit sehr schwer hat, finde ich sehr gut. Seine Protagonistin ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, das interessiert aber trotzdem erstmal nicht, als sie ihren neuen Kollegen und dem Vorgesetzten gegenübersteht. Erstmal ist sie anders, kann gar nicht gut sein, wird gemustert und blöd angeschaut.
Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meinem eigenen Berufsleben, denn wir hatten im letzten Jahr eine farbige Referendarin in unserem Betrieb. Hier geboren und aufgewachsen und lustig, lieb und sehr deutsch 🙂 Ich weiss nicht, ob es in den diversen Behördenstationen während ihrer Ausbildung Probleme hatte, sie machte nicht den Eindruck.

Die Handlung hat Keller in zwei Stränge aufgeteilt. Einmal die Mordermittlung an sich und dann Heidis Recherchen, was den Mord an ihrem Vorgänger angeht. Die Story war spannend und hat mir ganz gut gefallen, aber irgendwie wurde ich bis zum Schluss nicht so wirklich warm mit den Personen. Auch mit Heidi selbst nicht. Wenn ich jetzt schreibe, sie war mir als Protagonistin einen Hauch zu farblos, dann klingt das im Hinblick auf ihre Hautfarbe womöglich blöd. Aber so war es. Ich fand sie nett, ja. Sie ist taff, ja. Aber irgendwie hat mir das gewisse Etwas gefehlt.

Als es an die Auflösung ging, war mir das Ende des eigentlichen Mordfalls ein bisschen zu vage und teils auch nicht so logisch und genau gelöst. Ich hatte das Gefühl, dass hier ein Finale gleich einem dramatischen Polit-Thriller erschaffen werden sollte, was jedoch nicht so ganz gelungen ist. Die Lösung des zweiten roten Fadens hat bei mir noch so einige Punkte offen gelassen, die mich das Buch letztendlich ein bisschen unbefriedigt haben schliessen lassen.

Fazit: Alles in allem sicher ein guter Krimi, jedoch hoffe ich, dass der Autor im zweiten Fall von Heidi Kamemba ein bisschen draufpackt und die Handlung fesselnder und interessanter, sowie die Figuren ein bisschen tiefer und echter gestaltet.

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© Buchwelten 2017

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Die Zucht von Andreas Winkelmann

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Die Zucht
Erschienen als Broschur
bei Rowohlt
insgesamt 512 Seiten
Preis:  16,95  €
ISBN: 978-3805250382
Kategorie: Thriller

Der kleine Oleg wird vom abgelegenen Hof seiner Eltern entführt. Er spielte – wie jeden Tag – im Sandkasten des Gartens, der direkt an ein großes Maisfeld grenzt, und verschwand spurlos. Die Mutter war nur einige Minuten in der Küche, um Kartoffeln zu schälen.

Henry Conroy übernimmt den Fall und hat es nicht leicht, denn nichts scheint zusammenzupassen. Was hat ein entführter Junge, der friedlich mit seinen Eltern auf einem Hof lebt und bei denen es nichts zu holen gibt, mit einem ermordeten Hund an der Grundstücksgrenze zu tun?

Manuela Sperling, Conroys neue Kollegin, geht ihm mit ihrer vorlauten Klappe gehörig auf die Nerven. Immer dreist und geradeheraus, damit kommt er überhaupt nicht klar. Hat er sich doch die letzten Jahre so sorgfältig eine Mauer errichtet, über die er niemanden blicken lassen will.

Manuela Sperling hat allerdings auch einen verdammt guten Riecher, denn sie findet eine Spur, die zu illegal gezüchteten und billig verkauften Rassehunden führt. Sperling ist bissig, stur und hartnäckig und so kommt sie dahinter, dass der Fall um die illegalen Züchtungen und den entführten Oleg irgendwie zusammenhängen ….

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Die Zucht ist ein Buch, dass mir der Wunderlich (Rowohlt) Verlag ungefragt einfach mal so zugeschickt hat, mit freundlicher Leseempfehlung des Autors Andreas Winkelmann. Ich hatte dann gelesen, dass Winkelmann bereits eine Reihe von Thrillern um seinen Ermittler Henry Conroy geschrieben hatte. Da dachte ich mir dann natürlich, es sei nicht so sinnig, dann einfach mittendrin einen Teil zu lesen. Aber ich griff dann trotzdem zu und bin begeistert. Der Hauptprotagonist wird gut beschrieben und erklärt, im Laufe der Handlung habe ich Einiges aus der Vergangenheit mitbekommen und weiß nun auch, wo dessen Macken herrühren.

Ab und an wird durch die Figur der Manuela Sperling auf einen kürzlich abgeschlossenen „Wassermann-Fall“ hingewiesen, womit ich nun nichts anfangen konnte. Dass hatte jedoch auf das Verständnis dieser Handlung überhaupt keine Auswirkung.

Winkelmann schreibt spannend und gut, er wirft immer wieder neue Leinen aus, die er aber zuletzt gut und sinnvoll miteinander verknüpft. Ich hatte angenehme Lesestunden mit Conroy und Sperling und habe mitgefiebert und gerätselt. Das erwartet der Leser von einem guten Thriller. Winkelmann scheut nicht vor krassen und blutigen Szenen, etwas zart besaitete Leser sollten somit ein bisschen vorgewarnt werden.

Mein Fazit: Das Lächeln der Samojeden, nein, die Zucht 😉 hat mir sehr gut gefallen, ich war absolut positiv überrascht und danke dem Verlag für die Vorstellung eines – für mich – neuen Autors. Ich werde sicherlich weiteres von ihm lesen.

Ich danke dem Wunderlich/Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

© Buchwelten 2015

Phil Rickman – Sündenflut und mehr über die Merrily Watkins Mystery ….

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Erschienen als Taschenbuch
im Rowohlt Verlag / rororo
insgesamt 576 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499-25339-3
Kategorie: Mystery / Krimi

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Weihnachten steht vor der Tür und in Ledwardine steigt der Fluss stetig weiter an. Immer mehr Straßen werden gesperrt und bald wird der Ort eine Insel sein.

Nach wie vor brennt der Streit um die archäologische Grabung, die den geplanten Neubau von Luxusvillen auf einem historischen Hügel gefährden könnte.

In Hereford gibt es einen prominenten Todesfall und Hinweise dafür, dass der Mord in Zusammenhang mit weiteren historischen Funden der Umgebung zu tun hat.

Derweil hat ein Schriftsteller gemeinsam mit seiner Frau in Ledwardine eine Scheune gemietet, denn er hält es für sicherer nach Erscheinen seines Romans zunächst einmal unter anderem Namen in dem kleinen Ort unterzutauchen. Als der Schriftsteller, der überzeugter Atheist ist, feststellen muss, dass etwas Übersinnliches offensichtlich gegen seinen Aufenthalt in Ledwardine ist, wäre dies eigentich ein klassischer Fall, der nach Merrily Watkins ruft. Nur, dass dieser nichts mit Pfarrern zu tun haben will. Wieder einmal überschlagen sich die Ereignisse und Merrily, die immer allem und allen gerecht werden möchte, steckt natürlich mittendrin …

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Alle Leser, die die Merrily Watkins Mystery Reihe kennen, können eigentlich direkt nach unten, bis zu meinem „Fazit“ scrollen. Allen anderen möchte ich an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung (Spoilerfrei) der 10 Bände liefern, die mich sehr begeistert haben.

Ich bin nur durch Zufall auf diese Reihe gestoßen. Den ersten Teil „Frucht der Sünde“ habe ich auf einem Büchermarkt von einer Verkäuferin geschenkt bekommen, mit den Worten „ich habe es als Leseexemplar bekommen, war ganz gut“. Als ich dann vor geraumer Zeit mein Buchregal nach Lesestoff durchstöbert habe, griff ich nach dem Roman, weil ich derzeit die krassen Thriller nicht lesen mag und ich die Mischung Krimi/Mystery sehr ansprechend fand. Mir hat dann dieser erste Band so gut gefallen, dass ich mir nach und nach alle bisher erhältlichen deutschen Veröffentlichungen besorgen musste.

Bereits im ersten Roman lernt der Leser Charaktere kennen, die ihn die gesamten Bücher lang begleiten.

Merrily Watkins, weibliche Pfarrerin der englischen Kirche, kommt mit 34 Jahren in den kleinen Ort Ledwardine, das Dorf der Apfelgärten. Sie bringt ihre – damals noch 15-jährige – Tochter Jane mit, mit der sie das viel zu große Pfarrhaus bezieht. Merrily ist Witwe. Ihr Ehemann, ein korrupter Anwalt, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, mit im Auto seine Sekretärin/Geliebte. Merrily ist aber nicht „nur“ eine weibliche Pfarrerin, sondern auch die Diözesanexorzistin, modern genannt: Beraterin für spirituelle Grenzfragen! Außerdem hat sie das leidige Laster zu rauchen und völlig unchristilich zu fluchen.

Jane, Merrilys Tochter, ein pubertierender Teenager, dem der Job ihrer Mum mehr als peinlich ist. Sie ist schlau, neugierig und allem spirituellem gegenüber offen. Sie ist ein besonderer, nicht einfacher aber herzensguter, Helfercharakter, der sich im Laufe der folgenden Romane weiterentwickelt.

Dann sind da unter anderem noch der Musiker Laurence (Lol) Robinson, der als junger Mann fälschlich der Vergewaltigung an einer Minderjährigen beschuldigt wurde, eine Weile in der Psychiatrie war und nach und nach seinen Weg zurück ins Leben findet.

Gomer Parry, der raue „Alte“, der ohne seine Bagger, denen er Namen gegeben hat, nicht leben kann. Gomer Parrys Landwirtschaftsdienste: Das ist sein Leben. Ein Mann, der herzensgut ist, immer gerade heraus und trotz seines Alters im Leben nicht ans Altwerden oder den Ruhestand denkt.

Francis (Frannie) Bliss, Detective. Immer wieder kreuzen sich seine und Merrilys Wege. Der eine nimmt immer wieder die Hilfe des anderen in Anspruch, es entwickelt sich beinahe so etwas wie eine Freundschaft

Dann kommen mit jedem Band neue Figuren hinzu, die uns dann wiederum in den Folgebänden wiederholt begegnen. z.B. Der Roma-Charmeur Al Bosswell, der göttliche Gitarren baut. Oder Prof Levin, der Musikproduzent aus Knights Frome, der grossen Anteil daran hat, dass Lol wieder Songs schreibt und sogar Livegigs spielt. Dann ist da noch die Nebenrolle der Athena White. Eine alte, sehr wache, absolut belesene und schräge Lady, die im Altenheim „The Glades“ lebt. Sie tut, als wäre sie eine senile alte Damen, hat aber hinter ihren Türen Unmengen an interessanter Lektüre gebunkert, die sich mit der Geisterweilt, spirituellen Dingen und Hexerei befassen. Sie ist immer mal wieder eine große und sehr amüsante Unterstützung bei der Auflösung gewisser Rätsel.


Neben den Charakteren macht diese Reihe die wunderbare, mystische, landschaftlich sehr geheimnissvolle Umgebung Herefordshires aus. Die Stimmung, die Phil Rickman immer wieder erschafft, fesselt von Anfang an. Er vermischt übersinnliche Elemente mit einer kriminalistischen Handlung, die eher schleichend daher kommt und dann verknüpfen sich, ohne dass der Leser es eigentlich merkt, plötzlich alle losen Enden. Er erschafft Gruselmomente, verbaut immer viel wahres historisches und vermischt all dies sehr geschickt. Edward Elgar, Thomas Traherne, Sir Arthur Connan Doyle und Alfred Watkins: Dies sind einige der realen historischen Figuren, die in der Reihe aufgegriffen werden.

Für mich ist diese Reihe absolut lesenswert und daher musste ich mir in diesem Fall ein wenig mehr von der Seele schreiben, als bei einer einfachen Rezension.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den 10. Merrily Watkins Mystery. Der Roman hat mich wieder gefesselt, binnen zwei Tagen durch die Handlung fliegen lassen und in einer Szene sogar zum Heulen gebracht. Mir sind die Figuren und die Umgebung so sehr ans Herz gewachsen, dass ich die 10 Bände hintereinander weggelesen habe und nun ungeduldig auf April 2014 warte. Denn dann wird der nächste Band im Rowohlt/rororo Verlag erscheinen!

Die Reihenfolge der Merrily Watkins Reihe:

1.  Frucht der Sünde
2.  Mittwinternacht
3.  Die fünfte Kirche
4.  Der Turm der Seelen
5.  Der Himmel über dem Bösen
6.  Die Nacht der Jägerin
7.  Das Lächeln der Toten
8.  Ein dunkler Gesang
9.  Das Gespinst des Bösen
10. Sündenflut

Links:

Phil Rickmann bei Rowohlt

Phil Rickman UK

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© Buchwelten 2013

Das dunkle Netz der Lügen von Silvia Kaffke

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Erschienen als Taschenbuch
bei Rowohlt
insgesamt 496 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499-25377-5
Kategorie: Historischer Krimi

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Ruhrort im Jahre 1861. Die begnadete Näherin mit dem wachen Verstand Lina Kaufmeister hat inzwischen Commisar Robert Borghoff geheiratet und betreibt einen gutgehenden Modesalon mit mehreren beschäftigen Näherinnen. Man merkt, so langsam kommt die Wirtschaft in Ruhrort wieder in Schwung.

Dunkle Wolken beginnen aufzuziehen als Linas beste Näherin Anna zu Hause angegriffen und einige Taga danach im Krankenhaus erstochen aufgefunden wird. Auch die junge Ehefrau des Barons wird Opfer eines Überfalls und tot in deren neuem Haus aufgefunden. Der Baron selbst will tief und fest geschlafen haben, doch der Verdacht gegen ihn erhärtet sich, weil leider eindeutige Indizien gegen ihn sprechen.

Als dann zum jährlichen Maiball die Villen der reichen Bürger Ruhrorts ausgeraubt werden, gerät Linas Modesalon in Verruf. Denn alle bestohlenen Bürgerinnen sind ihre Kundinnen gewesen. Natürlich werden in Linas Geschäft während des Maßnehmens und der Anproben auch private Dinge besprochen. Plötzlich wendet sich das Blatt und die eben noch angesehene Bürgerin und Ladeninhaberin Lina Borghoff muss ihre Ehre verteidigen. Gib es einen Spitzel unter ihren Mitarbeiterinnen?

Linas messerscharfer Verstand läuft auf Hochtouren und sie tut alles in ihrer Macht stehende, um ihren eigenen Ruf zu retten und die Ermittlungen ihres Mannes auf den rechten Weg zu führen …

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Dieser zweite Ruhrort Krimi von Silvia Kaffke schließt in der Handlung nahtlos an den ersten Teil an und steht diesem von der Qualität in nichts nach.
Wieder entführt die Autorin die Leser in das alte Ruhrort mit seiner verwinkelten, dunklen Altstadt und dem vom Stahlabstich des naheliegenden Hochofens erleuchteten Himmel.

Der Spannungsbogen steigt stetig an und fesselt den Leser bis zur letztendlichen Aufklärung des Falls. Die besondere Atmosphäre, die mir bereits im ersten Roman so gut gefiel, ist auch hier wieder gegeben. Die Autorin baut in die hauptsächliche Handlung geschickt kleinere Nebenhandlungen ein, die die Geschichte aufwerten und die Lektüre zu keiner Zeit langatmig werden lassen.

Der Schreibstil war auch hier wieder gehoben und gut ausformuliert. Feinheiten wie die niederländischen Akzente Linas Schwägerin gestalten den Sprachverlauf zusätzlich realistisch und echt.

Ich habe es genossen, wieder einige Zeit durch das alte Ruhrort zu streifen, ich sah zB. die Protagonisten bildlich vor meinem geistigen Auge in der Küche des Borghoffschen Haushalts zusammensitzen. Der reale Schauplatz ist besonders für Leser, die Ruhrort kennen, verlockend und spannend, aber nicht für das Verständnis der Handlung notwendig.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den zweiten historischen Ruhrort Krimi um die sympathische und charakterstarke Protagonistin, der die gleiche Qualität liefert wie sein Vorgänger. Eine spannende, fesselnde und gut ausgeklügelte Kriminalgeschichte, die in das Ruhrort/Duisburg zu Zeiten von Stahl, Schiffahrt und Kohle entführt. Ich würde gerne mehr davon lesen!

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Mehr über Silvia Kaffke → Autorenseite des Verlags

„Das rote Licht des Mondes“ → Rezension hier auf Buchwelten

„Messerscharf“ → Rezension hier auf Buchwelten

Buchwelten im Gespräch mit Silvia Kaffke → Zum Interview

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© Buchwelten 2013

Blutsommer von Rainer Löffler (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im Rowohlt Verlag (rororo)
496 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-25727-8
Kategorie: Thriller

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Eine ganz normale Familie ist auf dem Weg zu ihrem Ausflug an den Waldsee mit Grillplatz. Aber diese Normalität nimmt ein jähes Ende. Als die drei Kinder der Familie vorauslaufen, stoßen sie im Unterholz auf eine verstümmelte Leiche. Die Tochter die der grausamen Leiche am nächsten kommt, erleidet einen heftigen Schock und der Tag der Familie Lech endet im Krankenhaus.
Als die Kölner Polizei am Fundort des Toten eintrifft wird schnell klar, dass es sich um ein weiteres Opfers des Serienmörders „Der Metzger“ handelt. Einige der leider bereits bekannten Übereinstimmungen sprechen dafür.

Der Leiter der Kölner Polizei Konrad Greiner ist zwar ein Polizist der nach vielen Jahren nach wie vor auf handfeste Ermittlerarbeit schwört, dennoch ruft er seinen alten Freund Frank an und bittet ihm um Unterstützung. Er soll Greiner, den Frank gut bekannten, offensichtlich besten Fallanalytiker (wie Profiler im Deutschen heißen) zur Verfügung zu stellen. Nicht, dass er seine Hilfe bräuchte, weil er in seinen Ermittlungen nicht vorwärts kommt. Nein, er erhofft sich neue Ansichten und Anregen durch einen Außenstehenden, der sich auf erschreckende Weise in die Psyche von Mördern hineinversetzen kann und dadurch eine Reihe an Erfolgen zu verbuchen hat.

Als Martin Abel, derzeit zu einem Einsatz in Wien den Anruf von seinem guten Bekannten Frank erhält und dieser ihm die Dringlichkeit des Falles verdeutlicht, macht sich der Fallanalytiker auf den Weg nach Köln.

Abel ist kein einfacher Mensch, dass hat Frank dem leitenden Ermittler Greiner bereits vorher klargemacht. Er wirkt gefühlskalt, gilt als schwierig und Einzelgänger. Davon kann sich Greiner bereits im ersten Gespräch selber überzeugen und auch die junge Nachwuchs-Fallanalytikerin Hannah Christ, seine beste Schülerin im Revier spürt direkt am eigenen Leib, dass Martin Abel kein umgänglicher Mensch ist. Doch das ist ihr mehr als egal. Sie ist sehr ehrgeizig und hat sich fest vorgenommen, von Martin Abel zu lernen, soviel sie kann. Und da sie eine selbstbewusste und schlagfertige junge Frau ist, nimmt sie die Herausforderung an.

Ob dieses ungleiche Team es schafft einen Einblick in die Psyche des „Metzgers“ zu bekommen und ein Täterprofil zu erstellen, das ihn und seine grausamen Morde stoppt?

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Ja, er geht recht idyllisch an, dieser „Blutsommer“, doch dies ist nur von recht kurzer Dauer und dann wirft Rainer Löffler seine Leser sofort in die grausame „Wirklichkeit“ seiner Handlung.

Und sie ist wirklich grausam, denn was die Beschreibung der Morde und der Opfer angeht ist der Autor nicht zimperlich. Er beschreibt ausführlich und sehr genau. Für mich hat sich dies forensisch und medizinisch absolut gut recherchiert gelesen. Man meint Rainer Löffler sei vom Fach, was zeigt, dass er gute Arbeit geleistet hat.

Immer wieder wechseln wir auch auf die Seite des Killers, im Hier und Heute sowie in dessen Vergangen(Kind)heit, die seine Taten erklärt. Natürlich ist es schwer nachzuvollziehen, dass ein Mensch Gründe für seine grauenvollen Morde hat. Dennoch schafft es Löffler dem Leser zu vermitteln, dass dieser „Metzger“ nicht als solcher auf die Welt kam, sondern zu dem gemacht wurde, was er nun ist.

Die Art wie der Autor seine Handlung aufgebaut hat, hat mich gefesselt. Ich habe das Buch sehr schnell gelesen. Am Montag habe ich glaube ich 3,5 bis 4 Stunden am Stück gelesen, weil ich einfach nicht aufhören konnte.

Löffler hat es geschickt geschafft, Fährten zu legen, dessen falsche oder richtige Auflösungen mir sehr gut gefallen haben. Respekt. Es macht immer wieder Spaß in einer Handlung mitten in einem Spannungsbogen zu „hängen“ und dann zu denken: „Wie jetzt? …“

Sicherlich spielt auch das Verhältnis zwischen seinen beiden Protagonisten Abel und Christ eine Rolle, doch sich neben den beiden aufzuhalten bereitete Vergnügen, denn einfach waren sie beide nicht. Mir waren sie sehr sympathisch und ans Herz gewachsen. Aber auch der übergewichtige Leiter der Ermittlungen, Greiner, war eine gute Figur. Mit seinem Übergewicht und seinen Schwächen kam er echt rüber.

Eine sehr nette Nebenfigur hat Rainer Löffler mit dem Fliegen-Professor Dr. Schwartz erschaffen. Wie er auf seine sympathische Weise sein Wissen und seine Forschungsergebnisse über sämtliche Stadien der Fliegen (Eier, Larven und Tönnchen) nicht nur Abel und Greiner, sonder auch mir als Leserin nahe gebracht hat, war nicht nur interessant und lehrreich, sondern ausserdem noch sehr amüsant geschrieben. Die Nebenrolle hat nicht nur wichtige Erkenntnisse in die Ermittlungen gebracht, sondern ebenso angenehmen, frischen Wind. 

Für mich ist dies ein Thriller, der nicht nur gut aufgebaut und recherchiert ist. Er ist auch gerade durch seine verschrobenen Charaktere und kantigen Ermittler fesselnd.

Auch die Einblicke in die fallanalytische Arbeit hat mir sehr gut gefallen, sie wirkte nicht ausgedacht, sondern zeigte gute Vorarbeit.

Das Cover zeigt einen Flammenball über einem Feld, was wohl den extrem hießen Sommer der Handlung hervorheben soll. Es gefällt mir ganz gut, hätte mich aber nicht unbedingt zum Kauf verleitet. Das hätte der kurze, knappe Text der Inhaltsangabe eher geschafft.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Thriller um einen schlauen Serienkiller aber einen noch schlaueren Fallanalytiker mit einer hervorragenden Schülerin. Der Roman ist nichts für schwache Nerven. Blut und viele genaue Leichenbeschauungen sollte der Leser gewohnt sein und abkönnen. Der Roman ist sehr spannend, fesselnd und geschickt aufgebaut.

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Ich danke dem Rowohlt (rororo) Verlag für die (überraschende) Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Die Frucht des Bösen von Lisa Gardner (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im Rowohlt Verlag
560 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-25712-4

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Der Thriller erzählt die Ermittlungen um zwei extreme Mordfälle in Boston, die die Ermittlerin D.D. Warren aufzuklären hat. Dem ersten Mord fällt eine beliebte Familie zum Opfer. Sie war unauffällig, in der gesamten Nachbarschaft gerne gesehen und es gibt keinen erkennbaren Grund für deren Auslöschung.
Am nächsten Tag wird ein weiterer, ähnlicher Mord an einer kompletten Familie entdeckt. Nur dass diese Familie das komplette Gegenteil der ersten Opfer war: Diese Familie war im Drogenmilieu einschlägig bekannt und gehörte definitiv zur Unterklasse.

D.D. Warren glaubt nicht, dass es sich um Zufälle handelt, zumal es einige Übereinstimmungen gibt. Die Mordwaffen waren sowohl eine Feuerwaffe, als auch ein Messer. Und in beiden Mordfällen wurden sogar die kleinen Kinder (z.B. ein Säugling in seiner Wiege) umgebracht.

Gemeinsam mit ihrem Partner Phil und dem Professor Alex, der einfach mal wieder die praktische Arbeit der Ermittlung miterleben will um nicht einzurosten, beginnt D.D. Warren mit den Untersuchungen und versucht den Dingen auf den Grund zu gehen …

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Dies ist der zweite Fall der Ermittlerin D.D. Warren, für mich war es das erste Buch überhaupt von Lisa Gardner. Erzählt wird der Thriller in verschiedenen Handlungssträngen.

Zunächst gibt es Danielle, eine junge Frau, die vor 25 Jahren einizige Überlebende eines Familiendramas war: Ihr Vater hat ihre Mutter, die beiden Geschwister und dann sich selbst getötet. Warum er Danielle verschont hat, weiss sie bis heute nicht und diese hat nach wie vor mit den Erlebnissen zu kämpfen. Sie arbeitet als Krankenschwester auf einer Station für psychisch kranke Kinder und kümmert sich aufopferungsvoll um sie. Sie geht auf in ihrer Arbeit, nutzt diese als Eigentherapie. Kann sie schon sich selbst nicht helfen, dann wenigstens den Kindern in ihrer Obhut.

Dann gibt es da Victoria: Mutter von Evan, einem psychisch kranken 8-jährigen, der mitunter sehr gefährlich ist, denn er will seine Mutter töten. Wobei nicht ER das will, das Phantom sagt ihm, er muss es tun. Victoria lebt eigentlich kein Leben mehr, sondern versucht ausschließlich alles in ihrer Macht stehende sich um ihren Sohn zu kümmern und dabei nicht verletzt zu werden. Ihr Ehemann hat sie verlassen und die gemeinsame Tochter, 6 Jahre alt, mit sich genommen. Der Bruder war einfach zu gefährlich für das Mädchen. Victoria sieht ihre Tochter nur einmal in der Woche und ihr Ehemann hat kein Verständnis dafür, dass Victoria Evan nicht in eine entsprechende Anstalt gegeben hat, um für den Rest der Familie da zu sein.

Dann gibt es natürlich noch den Handlungsstrang um D.D. Warren und ihre Kollegen, die mit den Ermittlungen und der Aufklärung der Mordfälle beschäftigt sind.

Im Laufe der Geschichte verbinden sich die Handlungsstränge und dies ist Autorin gut gelungen. Die Protagonistin war mir eigentlich nicht mal sonderlich sympathisch. D.D. Warren scheint eine etwas bissige und zickige Ermittlerin zu sein, die nicht unbedingt leicht ist.

Was mich an diesem Buch aber absolut gefesselt hat, waren die Hintergründe und die Ausführungen um die Störungen der kranken Kinder: Warum will ein 8-jähriger seine Mutter töten? Was geht in einer 9-jährigen vor, wenn ihr Vater sich vor ihren Augen erschiesst? Was ist ein Wolfskind und warum kommt es nur dann zur Ruhe, wenn es sich benimmt wie eine Hauskatze und sich im Sonnen- oder Mondlicht einrollt? Wie geht es einem Kind, dass jahrelang in einer ausgeschalteten Tiefkühltruhe mit einigen Luftschlitzen gefangen wurde?

Diese Themen werden behandelt und das war es, was mir an diesem Buch sehr gefallen hat. Die Art und Beschreibungen wie die Schwestern und Pfleger in der Psychiatrie versucht haben, diesen Kindern zu helfen und zwar ohne sie mit Medikamenten zuzudröhnen, sie zu fixieren oder mit Stromschlägen zu „behandeln“. Dies war sehr gut recherchiert und wurde mir als Leserin spannend und interessant nahegebracht.

Die Art, wie die Autorin die Krankenschwester Danielle mit ihrem Trauma hat umgehen lassen, gefiel mir auch besonders. In Rückblenden war ich als Leserin immer Zeuge der damaligen Nacht. Danielle ist für mich die heimliche Protagonistin, sie hat (natürlich) einige Ecken und Kanten aber sie war mir recht schnell ans Herz gewachsen.

Auch die Erklärungen wie Eltern mit ihren „schwierigen“ Kindern umgehen und sich zuletzt an jeden Strohhalm klammern – und wenn es Wunderheiler sind – war für mich sehr plausibel geschrieben.

Die Aufklärung der Mordfälle hat mich nicht enttäuscht, war mir ehrlich gesagt aber auch nicht das Wichtigste an diesem Thriller. Mich haben andere Dinge viel mehr interessiert, von denen ich wissen wollte, wie sie zu Ende gehen. Und diese Aufklärungen hat Lisa Gardner auch geliefert.

Der Schreibstil war ein einfacher aber schön zu lesender, die Kapitel sind in einer angenehmen Länge verfasst und die Wechsel innerhalb der drei Handlungsstränge haben für ein kurzweiliges und fesselndes Lesen gesorgt.

Das Cover zeigt eine junge Frau mit dunkel geschminkten Augen, wirren Haarsträhnen im Gesicht und passt für mich zum Buch.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Thriller, den ich absolut als Psychothriller einstufen würde. Der Roman liefert sehr gute Hintergrundinformationen und Einblicke in kranke oder kaputte Kinderseelen. Sicherlich nicht nur interessant für Eltern vor „schwierigen“ Kindern.

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Ich danke Rowohlt / rororo für die (unangeforderte) Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Das Geflecht von Andreas Laudan (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei  rororo
368 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-25848-0

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Justin Bringshaus hat eine geniale Idee für die Abschlussparty der Realschule. Sein Vater ist als Ingenieur beruflich mit der Aufsicht des alten Bergwerks betraut und für ihn ist es ein Leichtes an den Schlüssel zu gelangen. Gemeinsam mit seiner Freundin Dana, seinem Freund Finn und dessen Freundin Laura macht er sich sich auf den Weg. Die Rucksäcke sind mit Chips und Co. bestückt, es soll ein schöner und außergewöhnlicher Abend werden. Justin muss seine Freundin überreden mitzugehen, denn sie hat auf Grund eines Kindheitstraumas panische Angst vor der Dunkelheit. Er schafft es und Dana möchte schließlich auch keine Spielverderberin sein.
Also gibt sie sich einen Ruck und die vier machen sich auf den Weg in das alte, stillgelegte Salzbergwerk. Zunächst steigen die vier an Leitern mehrere Etagen in die Tiefe, bis sie schließlich ca. 6o Meter unter der Erde sind. Dort machen sie sich es in einem Raum bequem, eine Grubenlampe spendet Licht und Wärme, die Stimmung ist gut.

Doch als Finn sich von der Gruppe ein Stück entfernt um sich zu erleichtern, stolpert er und stürzt geradewegs in einen Schacht, einen alten Müllschacht, der in einer recht starken Neigung abfällt. Finn schreit und Dana ist die einzige die reagiert. Die anderen beiden schlafen noch, da war der Joint unter Tage wohl doch heftiger als gedacht. Als Dana versucht Finn irgendwie zu helfen, verliert auch sie den Halt und rutscht ab. Die beiden rufen so laut sie können um Hilfe und vor Schmerzen, was letztendlich Justin und Laura weckt. Sie laufen zum Schacht und versuchen etwas zu tun, doch ohne ein Seil ist das nicht möglich.
Da dort unten die Handys nicht funktionieren, sie erhalten kein Signal, können Justin und Laura nur eines tun: sie müssen nach oben und Hilfe holen. Also machen sie sich auf den Weg zurück nach draussen. Dort angekommen ruft Justin umgehend seinen Vater an, Ärger gibt es sowieso und er weiss, er kennt sich dort unten aus und weiss was zu tun ist.

Vater Bringshaus war an diesem Abend auf einem Vortrag der bekannten – blinden – Höhlenkletterin Tia Taveern. Sie ist eine der besten auf diesem Gebiet, wahrscheinlich eben weil sie blind ist. Und weil Justins Vater aus persönlichem Interesse nicht unbedingt die örtliche Feuerwehr in das Bergwerk hinterlassen möchte, bittet er die grazile Blinde um Hilfe. Da diese nicht nur eine spitzen Kletterin ist, sondern ein ebenso gutes Herz hat, sagt sie zu und macht sich schnellstmöglich mit ihrem Partner Leon auf zum Unglücksort.

Schnelligkeit ist gefragt, denn Finn ist dort unten nicht nur verletzt und Dana eingeklemmt, dort wächst etwas monströses, dass die beiden bereits überwuchtert …

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Mein erster Gedanke als ich das grüne Cover mit den Augen und Ranken sah war „Dickicht“, daran hat mich das Bild – und auch ein wenig die Inhaltsangabe – erinnert. Doch mit diesem Roman von Scott Smith ist „Das Geflecht“ nicht vergleichbar.

„Das Geflecht“ ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, der Roman ist sehr gut recherchiert, spannend, dramatisch, lehrreich und die Handlung ist nicht weit hergeholt und reisserisch, sondern nachweisbar und wissenschaftlich erforscht, dass es diese Dinge/Wesen wirklich gibt, die dort unten im Bergwerk wachsen.

Seine Protagonistin Tia, die zierliche Frau ohne Augenlicht aber dafür umso schärferen übrigen Sinnen hat der Autor wunderbar ausgearbeitet und rübergebracht. Er ist ausführlich auf die Echo-Ortung durch Zungenschnalzen eingegangen, diese Methode ist Tatsache. Die Art und Weise wie sich „seine“ Tia dort unten zurecht findet macht den Leser sprachlos. Wie sie es dann auch noch schafft, die übrigen zu motivieren, auch wenn sie Todesangst vor der Dunkelheit haben, hat mir sehr gut gefallen.

Doch auch die Nebenfiguren waren gut ausgearbeitet und niemand kam zu kurz. Denn der Autor hat die Kapitel in die verschiedenen Personen der Handlung unterteilt. Darin hat er dann nicht nur die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, sondern ist auch immer wieder auf Hintergründe und die Vergangenheit eingegangen. Dies hat mir als Leser die Charaktere nahe gebracht und ausserdem immer für Abwechslung gesorgt.

Obwohl sich die Romanhandlung meist in absoluter Finsternis abspielt habe ich die Szenen vor Augen gehabt. Die Auflösung war nicht aus der Luft gegriffen, sondern nachvollziehbar und wie bereits erwähnt, wissenschaftlich und biologisch erwiesen.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen Spannungsroman der zumeist in absoluter Finsternis handelt, in der eine kleine blinde Person die Hautrolle spielt, die einfach nur eine tolle Person ist. Wer es spannend und fundiert mag, wird die Zeit in der Dunkelheit sicherlich genauso „geniessen“ wie ich!

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Ich danke dem Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Ich bin Herr deiner Angst von Stephan M. Rother (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im  Rowohlt Verlag
576 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-25869-5

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Jörg Albrecht ist leitender Ermittler in einem Hamburger Kommissariat. An seiner Seite arbeitet Hannah Friedrichs, etwas jünger als er und mit einem ähnlichen Verstand und Bauchgefühl ausgestattet wie Albrecht. Darum ergänzen die beiden sich wunderbar, verstehen sich oft ohne Worte.

Als die beiden an den Tatort in einem exklusiven Club im Hamburger Rotlichtviertel gerufen werden, sind jedoch auch die beiden sehr erfahrenen Polizisten extrem geschockt. Das Opfer ist ihr Kollege. Gefesselt an einen ehemaligen Gynäkologenstuhl und auf das grausamste verstümmelt. Albrecht selber war es, der den Kollegen der kurz vor seiner Pensionierung stand, zu dieser verdeckten Ermittlung geschickt hat. Nicht 24 Stunden später wird ein weiteres Mitglied aus Albrechts Team ermordet aufgefunden.

Diesmal handelt es sich um eine schwangere Kollegin, die an gefährlichen Einsätzen gar nicht mehr beteiligt war und auf dem Weg zu einer Freundin war. Sie kam dort nie an und Jörg Albrecht und Hannah Friedrichs stehen völlig unter Druck. Zwei Morde in der kurzen Zeit innerhalb der Polizei. Die einzigen wenigen Spuren die die Ermittler haben führen zum „Traumfänger“ Mörder. Er hat vor ca. 24 Jahren seine Opfer getötet, indem er sie mit ihren schlimmsten Ängsten konfrontierte. Der Täter, einst ein angesehener Psychologe, hat diese Handlungen aber nicht als Morde, sondern als hochwissenschaftliches Experiment angesehen. Doch dieser Mann sitzt nach Verbüßung seiner Haftstrafe nun in der psychiatrischen, geschlossenen Sicherheitsverwahrung ein.

Handelt es sich um einen Trittbrettfahrer? Oder zieht der „Traumfänger“ aus der geschlossenen Abteilung heraus weiter seine Fäden und lässt die Kollegen Albrechts ermorden? Jeder aus Albrechts Team könnte der nächste sein …

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Spannung ist bei diesem Roman garantiert. Das Konzept dieses Thrillers ist ein außergewöhnliches, das mich als Leser absolut gefesselt hat. Der Schreibstil gefiel mir sehr gut, der Roman ließ sich sehr flott lesen und es gab keine Stolpersteine.

Aufgebaut ist der Roman in verschiedene Sichtweisen. Wenn die Ermittlerin Hannah Friedrichs erzählt, dann ist er in der Ich-Form geschrieben. Der Teil der Jörg Albrecht behandelt, ist zwar aus seiner Sicht, aber dennoch in der Erzählerform verfasst. Wenn die beiden gemeinsam unterwegs sind, dann wird auch in der Erzählerform geschrieben. Und dann gibt es immer noch die Zwischenspiele, denen man erst ab einer gewissen Stelle im Buch folgen kann. Vorher habe ich sie gelesen, gegrübelt, aber hingenommen.

Die beiden Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet und der Leser bekommt einen tiefen Einblick in das Innenleben beider. Die Morde  und deren Opfer sind recht haarklein erklärt, also nichts für ganz so zart besaitete Leser. Sie sollten schocken, das haben sie auch. Auf die Verknüpfung mit dem Traumfänger Fall, auf den ja in der Inhaltsangabe bereits hingewiesen wird, kommen die Ermittler erst (auf Umwege) kurz vor der Hälfte des Buches. Dennoch kommt an keiner Stelle Langeweile oder eine träge Phase auf.

Gegen Ende des Buches bekommt die Handlung ein wenig von Hannibal Lecter, doch auch wenn ich darauf hinweise, so ist es letztendlich völlig anders aufgebaut und gelöst. Mich hat es eben lediglich ein bisschen daran erinnert. Auch die Auflösung des Falles war, trotz vieler Puzzleteile nicht unverständlich oder unlogisch.

Zum Cover kann ich nicht viel sagen, denn mein Leseexemplar hat keines 🙂 Doch die 3D Schrift des Titels wirkt auch in schwarz-weiß sehr gut. Je länger man hinschaut, desto mehr schwimmen die Augen.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen gut und anders konzipierten Thriller, der es in sich hat. Stephan M. Rother hat ein Buch geliefert, dass es schafft zu fesseln und ich nur empfehlen kann.

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Zum Roman gibt es außerdem eine eigene Internetseite, ein Besuch ist sicherlich nicht uninteressant:
Ich bin Herr deiner Angst.de 

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Ich danke dem Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Im wilden Osten dieser Stadt von Irene Stratenwerth (2/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei rororo
240 Seiten
Preis: 8,99 €
ISBN:  978-3-499-25694-3

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Kristina Wolland ist Rechtsanwältin in Hamburg. Sie hat eine gut gehende, mittelständische Kanzlei und eine langjährige Mitarbeiterin. Gemeinsam bilden sie ein gutes, erfolgreiches Team. Privat ist Kristina in einer Beziehung mit dem Globetrotter Michel, der vor einigen Monaten aus dem Ausland zurückgekehrt ist und seitdem bei ihr wohnt. Einen Job hat er nicht, lebt aus dem Rucksack, als sei er immer auf dem Sprung. Was er die Jahre im Ausland so getrieben hat und womit er derzeit seine Tage verbringt weiß Kristina eigentlich nicht so genau.

Eines Abends bekommt Kristina einen aufgeregten Anruf ihrer Freundin aus Studientagen Angie, sie braucht unbedingt Kristinas Hilfe, will verschwinden. Was genau los ist erzählt sie nicht. Da Angie über viele Jahre hinweg psychische Probleme hat und ein eher unstetes Leben führt ist Kristina ihre gesetzliche Betreuerin. Kristina kommt dem Wunsch ihrer Freundin nach und bringt sie zur hiesigen „Klapse“. Angie sagt, nur dort sei sie in Sicherheit, da könne ihr nichts geschehen. Doch bevor Kristina und Angie auch nur mit der diensthabenden Ärztin sprechen können, überlegt es sich Angie anders und sie will umgehend wieder fort von dort und zurück nach Hause gebracht werden.

Nun völlig verwirrt von Angies seltsamen Ausbrüchen fährt Kristina die Freundin wieder zu Ihrer Wohnung und setzt sie dort ab. Am nächsten Tag ist sie tot. Sie wurde aufgefunden an einem Badesee.

Einen Tag darauf erscheint ein junger Russlanddeutscher in Kristinas Kanzlei und erzählt, dass er seine Verlobte vermisse. Sie sei spurlos verschwunden. Die letzten Tage habe sie bei Angie gewohnt und eben die habe ihm die Visitenkarte von Kristina gegeben, damit er sich an sie wendet, sollte etwas geschehen.

Was ist geschehen? Wo ist ihre Freundin Kristina da hinein gerutscht? Wer ist dieser seltsame junge Mann und warum hat seine Verlobte bei Angie gelebt? Soviele undurchsichtige Fragen, die Kristina zwingend dazu veranlassen den Dingen auf den Grund zu gehen und selber die Ermittlungsarbeiten in Angriff zu nehmen …

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Von der Inhaltsangabe her hört sich diese Krimihandlung verdammt gut an, leider hat der Roman aber nicht das geliefert, was er hoffen lässt. Der Schreibstil ist schlicht und einfach, lässt sich aber flüssig lesen. Ab und an war er mir zu umgangssprachlich, hat z.B. die Protagonistin gesprochen, wie es mir für ihre Figur zu flapsig war.

Die Anwältin war mir eigentlich recht sympathisch, wobei sie mir dennoch nicht so richtig ans Herz gewachsen ist. Auf der einen Seite war sie sehr neugierig und hat versucht Dingen auf den Grund zu gehen und Vorgänge zu ermitteln und aufzudecken. Auf der anderen Seite war sie mir oft zu leichtgläubig und auch naiv.
Sie hat sich mal einfach von einer Kommissarin sagen lassen, dass sie ins Ausland fahren soll um Nachforschungen anzustellen und das hat sie dann ganz spontan auch getan. Was mit ihrer Arbeit in der Kanzlei ist, war ihr dann in dem Augenblick egal. Diese Momente waren es, in der mir die Figur dann zu oberflächlich war.

Dann waren mir viele Situationen, Verbindungen und Geschehnisse zu einfach konstruiert und vorhersehbar. Es kam für mich kein Spannungsgefühl auf, dass mich absolut gefesselt hat.

Der Krimi ist nett und angenehm zu lesen, die Grundidee gefällt mir. Aber ich denke aus dieser Geschichte hätte man viel mehr machen können. Sie liest sich leider zu schnell runter geschrieben und nach einer Krimihandlung gemäß „Schema F“.

Wer gerne einfach mal einen Krimi lesen mag, der nicht zu anspruchsvoll ist, der ist hier gut bedient aber wer es lieber spannend hat (das geht ja auch in Krimis, es muss dazu nicht gleich ein Thriller sein) und gerne sein Ermittlerhirn mitarbeiten lässt, der wird eher enttäuscht sein.

Das Cover gefällt mir gut, es ist in dunklen Farben gehalten und zeigt den Hamburger Hafen. Die alte Schreibmaschinen Typewriterschrift spricht mich ebenso an. Nur leider war das, was zwischen den Buchdeckeln geboten wurde nicht besonders.

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Mein Fazit: Leider nur 2 von 5 Sternen für einen Krimi, der nett und anspruchslos zu lesen ist. Leider wurde aus der Handlung nicht das gemacht, was man hätte machen können, wenn man sie etwas ausführlicher und vielleicht auch liebevoller ausgearbeitet hätte.

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Ich danke dem Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Buchwelten im Gespräch mit Silvia Kaffke

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Silvia Kaffke, geboren 1962 und wohnhaft in Duisburg-Ruhrort, hat bereits mehrere Kriminalromane veröffentlicht.

Ich bin zufällig auf die Autorin gestossen, als ich zur Vorbereitung des Interviews mit Horst Eckert auf seiner Facebook-Seite über den Begriff „Ruhrort-Krimi“ gestolpert bin.

Mir hat der Roman „Im Roten Licht des Mondes“ so gut gefallen, dass ich erstens unbedingt mehr von Silvia Kaffke lesen will und zweitens einen Ausflug in meine alte Heimat Ruhrort unternommen habe, um mir die Originalschauplätze noch einmal anzusehen.

Ich freue mich sehr, dass sich die absolut sympathische Autorin die Zeit für dieses Interview genommen hat.

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Bislang sind vier Krimis zur BKA Profilerin Barbara Pross sowie mittlerweile zwei historische Kriminalromane um deine Protagonisten Lina Kaufmeister und Commissar Borghoff erschienen. Hast Du irgendwelche Ambitionen, Dich einmal einem anderen Genre zu widmen?

Ich spiele im Moment mit dem Gedanken, Steampunk zu schreiben. Aber auch da würde ich immer Krimielemente einfließen lassen.

Du bist gebürtige Duisburgerin, allerdings im Stadtteil Meiderich aufgewachsen. Als Du 2005 nach Ruhrort gezogen bist, hast Du Dich nach eigener Aussage sofort in den Hafenstadtteil verliebt. Welchen besonderen „Flair“ hat Ruhrort für Dich?

Zwischenzeitlich habe ich auch in Wanheimerort, also in einem südlichen Stadtteil gewohnt, aber es zieht mich immer in den Norden mit seinen starken Kontrasten. Ruhrort ist neben der Innenstadt sicher der geschichtsträchtigste Teil von Duisburg. Hier sind sich Vergangenheit und Gegenwart in einer Weise nah, die einfach die Phantasie anregt. Der Hafen (der echte, nicht die Flaniermeile am Innenhafen), daneben alte Bausubstanz, viele klassizistische Häuser, von denen es nicht mehr viele in Duisburg gibt – Ruhrort ist so eine besondere Mischung aus St. Pauli und Ruhrpott, auch wenn es die legendäre Altstadt, früher das Vergnügungsviertel in Duisburg, seit Ende der 60er Jahre nicht mehr gibt. Aber in den Herzen der Ruhrorter lebt das noch. Deshalb hat auch der Bürgerverein die erste Stadtteil-Partnerschaft Deutschlands initiiert – mit St. Pauli.

Waren es die alten Häuser und die Geschichte von Ruhrort, die dich auf die Idee brachten, einen historischen Krimi ausgerechnet dort handeln zu lassen?

Ganz klar: ja. Speziell die Fabrikstraße, wo eine ganze Häuserzeile aus den 1820ern unter Denkmalschutz steht und ein alter Brunnen rekonstruiert wurde, war sehr inspirierend. Das habe ich oft erzählt und das hat dazu geführt, dass es viele Pressefotos von mir auf der Fabrikstraße gibt.

Ich habe gelesen, dass die Recherchearbeiten zum ersten Roman um Lina Kaufmeister (Das rote Licht des Mondes) sehr langwierig um umfangreich waren. Wie genau bist du hier vorgegangen. Ich habe von einer Führung im Haniel-Museum gelesen. Was hast du weiterhin unternommen, bist du z.B. regelmäßig an Originalschauplätzen gewesen?

Das Hanielmuseum war Inspiration pur. Hier steht zum Beispiel der Nachtstuhl, der im „Roten Licht“ keine geringe Rolle spielt. Es war auch nicht schwierig an Ruhrorter Fakten zu kommen – wer war Bürgermeister, wer waren die damaligen Pfarrer, gab es schon Straßenbeleuchtung, wo war das Rathaus usw. Wirklich schwierig war es, etwas über das Alltagsleben, besonders das der Frauen zu erfahren. Hier war meine Hauptquelle die Rhein- und Ruhrzeitung im Stadtarchiv. Es gab noch nicht viele Lokalnachrichten, aber bereits viele Anzeigen. Aus denen konnte man erfahren, was die Leute gegessen haben, welche Stoffe es gab, welche Bücher, wann der Zug vom Ruhrorter Bahnhof abfuhr. Die zweite Hauptquelle war ein Henriette-Davidis-Kochbuch. Kochbücher sind wahre Schätze der Kulturgeschichte, denn hier wird z.B. viel über Haushaltsführung geschrieben.

Im Jahr 2000 ist dein erster Roman erschienen. Du hast Germanistik und Publizistik studiert. Hast Du bereits in jungen Jahren geschrieben und wie kam es zu der Entscheidung eine Veröffentlichung anzustreben?

Gerade ist mir beim Aufräumen eine Schülerzeitung aus dem Jahr 1976 in die Hände gefallen. Ich habe mich gar nicht mehr daran erinnert, aber damals, mit knapp 14 Jahren, hatte ich für die Zeitung den Beginn eines Fortsetzungskrimis geschrieben. Inzwischen kam mir wieder in den Sinn, dass es keine weiteren Fortsetzungen mehr gegeben hatte. Wenn ich mein Machwerk lese, denke ich auch, dass das gut so ist. 😉 Aber dieser Krimiversuch war ganz sicher nicht mein erster Schreibversuch. So um 1979 habe ich dann begonnen, Gedichte zu schreiben, bin in die Duisburger Szene eingetaucht und hatte auch einzelne Veröffentlichungen. Prosa habe ich erst wieder geschrieben, als ich einen Computer bekam, Fantasy, Science Fiction. Erst als ich Jacques Berndorfs ersten Eifel-Krimi „Eifel Blues“ entdeckte, kam mir die Idee, dass ich es auch mit einem Krimi versuchen könnte. Aber zunächst schrieb ich eine Weile unter Pseudonym abgeschlossene Romane für die Yellow Press. 1998 schrieb ich ein Buch, das bereits viele Krimielemente hatte und schickte es an meinen heutigen Agenten. Der fand es unverkäuflich, aber gut geschrieben und regte an, dass ich einen richtigen Krimi mit einer weiblichen Hauptfigur schreiben sollte und das war dann „Messerscharf“. Er brachte es bei Fischer in der renommierten Reihe „Die Frau in der Gesellschaft“ unter, in deren Unterhaltungszweig u.a. Eva Heller, Hera Lind und im Krimibereich Sabine Deitmer veröffentlicht wurden. Ich bin heute noch unheimlich stolz darauf, dass ich von der legendären Lektorin Ingeborg Mues ausgewählt worden bin – und glücklicherweise kann man das Buch nach der Neuveröffentlichung bei rororo ja jetzt auch wieder lesen.

Was sind deine Hobbys? Was macht Silvia Kaffke privat? Liest du selber gerne? Wenn ja, welche Autoren oder Genres bevorzugst du? Nähst Du vielleicht auch? 😉

Ich habe lange Zeit fast nur Sachbücher gelesen, aber seit ich meinen e-Book-Reader habe, lese ich auch wieder zum Vergnügen. Dann aber nicht unbedingt Krimis, sondern sehr gern Fantasy, obwohl ich immer auf der Suche nach etwas bin, dass nicht von Elfen und Orks wimmelt und in dem nicht gerade der tumbe Junge ein großer Zauberer wird (Tolkien und Tad Williams haben zu den Themen eigentlich alles gesagt). Deshalb Steampunk, Gordon Dahlquists „Die Glasbücher der Traumfresser“ zum Beispiel. In den letzten paar Wochen habe ich meine Lieblings-Karl-May-Bücher neu gelesen, für den Kindle gibt es die Original-Versionen gratis, das war sehr interessant, man konnte manch Neues entdecken.

Ansonsten singe ich in einer 60ties Girl Group, spiele gern mal Spielchen am PC und koche leidenschaftlich gern. Und dann ist da noch mein Engagement für Ruhrort, das seit Ruhr 2010 offizielles Kreativquartier ist und wo ganz viel Kultur „von unten“ gemacht wird. Ich bin im Verein Beathafen e.V., wir wollen mit eigenen Musikveranstaltungen ein bisschen an die große Zeit der Clubs in Ruhrort erinnern. Da gibt es 60ties Partys, aber auch Barockkonzerte, Klangperformances oder einen Vortrag über Geigenbau.

Wie wichtig sind Dir Lesungen. Findest du den persönlichen Kontakt und die Nähe zu Deinen Lesern wichtig oder stehst Du nicht so gerne in der Öffentlichkeit?

Ich bin eine kleine Rampensau. Bei Gesangsauftritten habe ich durchaus noch Lampenfieber, bei Lesungen nicht. Der Kontakt zum Publikum macht mir viel Spaß – vielleicht abgesehen von denen, die mir ein Manuskript zum Lesen aufdrängen möchten.

Was sicher viele Fans interessiert ist, wie dein Autorinnenalltag aussieht. Schreibst Du mittlerweile hauptberuflich oder arbeitest Du abends nach Feierabend und am Wochenende?

Vom Schreiben kann ich nicht leben, gewöhnlich habe ich einen Brotjob, meist als Sekretärin. Im Moment bin ich allerdings arbeitslos und auf Jobsuche.

Eine Frage zum Thema Redigieren/Überarbeiten: wie lange wartest Du, bis Du ein Manuskript zur Überarbeitung wieder zur Hand nimmst und … gefällt Dir diese Arbeit?

Ich redigiere relativ wenig. Ich gehe immer kurz über die letzten paar Seiten, die ich geschrieben habe, bevor es weitergeht. Zwischendurch arbeite ich die Korrekturen meiner Freundin Martina Peters ein. Und wenn das Buch fertig ist, gibt es noch einen Durchgang, bei dem ich den Text laut lese, dann fallen Wortwiederholungen, holprige Konstruktionen oder misslungene Dialoge am besten auf. Danach arbeite ich natürlich noch die Anmerkungen der Lektorin ein.

Eine Frage die ich allen meinen Gesprächspartnern stelle: gibt es bei deiner Arbeit besondere Rituale und/oder ein Maskottchen, dass du während der Schreibarbeit in deiner Nähe brauchst?

Nein, keine Rituale. Wenn ich mich disziplinieren möchte, versuche ich, mindestens drei von „meinen“ Seiten – die sind etwas länger als Normseiten -, zu schaffen.

Verrätst Du den Lesern Deine Einstellung zu Ebooks, Kindle & Co? Hast du selber solch einen E-Reader oder bevorzugst Du noch das gute, alte Buch?

Vom Autorenstandpunkt ist da natürlich das Problem der gehackten Bücher. Es gibt ja leider eine ganze Gruppe von „kreativen“ Leuten, die Content im Web nicht für schützenswert halten und gern auf Kosten anderer kreativ sind. Schreiben ist harte Arbeit und dafür steht mir eine Entlohnung zu.

Als Leserin besitze ich neben dem Kindle noch ein zweites eBook, um etwas unabhängiger von Amazon zu sein. Ich habe mich auch schon gegen ein Buch entschieden, weil es nicht als eBook erhältlich war. Ich schätze es ungemein, dass bei meiner neu erwachten Leselust sich jetzt nicht schon an die zwanzig neue Bücher bei mir stapeln und vermisse das „Buchgefühl“ überhaupt nicht, besonders nicht beim Kindle mit seiner brillanten e-Ink-Technik.

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Zuletzt möchte ich noch wissen: schreibst Du derzeit an einem neuen Roman? Wann können wir mit einem weiteren Werk von Dir rechnen und darfst Du schon ein bisschen darüber erzählen?

Ich schreibe derzeit noch nicht, denke aber, dass es bald losgeht und dass es höchstwahrscheinlich Steampunk sein wird.

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Nähe Informationen zur Autorin finden sich auf:

    kaffkescrimes.blogg.de

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Die Rezension zu

„Das Rote Licht des Mondes“

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Liebe Silvia, ich bedanke mich noch einmal für das Interview und die ausführlichen und ehrlichen Antworten Deinerseits. Ich wünsche Dir für deine Zukunft alles Gute und vor allem viele Ideen zu neuen Geschichten …

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© Buchwelten 06.02.2012