Opfermoor von Susanne Jansson

Opfermoor von Susanne Jansson

Erschienen als Taschenbuch
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-570-10336-4
Kategorie: Thriller, Krimi

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Natalie ist Biologin und kehr in ihren Heimatort zurück, um dort für ein neues Projekt Bodenproben zu sammeln. Sie lernt den sympathischen Johannes kennen und beginnt, sich in ihn zu verlieben. Doch dann wird Johannes brutal zusammengeschlagen. Wenig später findet man eine Leiche im Moor. Schon bald stellen die Ermittler fest, dass es nicht die einzige Leiche ist, die im Moor versenkt wurde. Natalie entdeckt Zusammenhänge zwischen der Gegenwart und ihrer eigenen Vergangenheit, die sie bis jetzt immer erfolgreich verdrängt hat. Besteht da etwa ein Zusammenhang zwischen ihrer Jugend und den aktuellen Leichenfunden?

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Schon zu Beginn spürt man, dass man es bei „Opfermoor“ mit einem sehr stimmungsvollen Roman zu tun hat. Janssons Thrillerdebüt zeichnet sich durch eine sehr dichte Atmosphäre aus, der man sich nicht entziehen kann. Und auch wenn die Charaktere sehr gut gezeichnet sind, übernimmt im Kopf des Lesers irgendwie das Moor die eigentliche Hauptrolle in diesem sehr ruhigen, aber nicht minder spannenden Krimi.  „Opfermoor“ erfindet das Krimi- und/oder Thrillergenre keineswegs neu und die Autorin arbeitet mit altbekannten Zutaten. Dennoch hebt sich dieser Roman von anderen Werken des Genres ab, weil er nämlich eine wunderbare, mystische und faszinierende Stimmung verbreitet, die im Gedächtnis haften bleibt. Die Landschaft, in der sich die Handlung abspielt, wird nicht einmal bis ins kleinste Detail beschrieben, aber dennoch meint man, mittendrin zu sein und die Umgebung persönlich zu kennen.

Interessant ist, dass im Grunde genommen nicht wirklich viel passiert, der Leser aber immer weiter lesen möchte (und dies in den meisten Fällen wohl auch tut). Zum einen liegt es definitiv an der hypnotisierenden und düsteren Atmosphäre, die durchgehend herrscht, aber auch an den kurzen Kapiteln, die einen immer wieder zum Weiterlesen animieren. Janssons Thriller ist ein Pageturner, allerdings nicht von der Sorte „actionlastiger Blockbuster“, sondern er fällt eher in die Kategorie „Philosophisch-poetischer Mystery-Thriller“. Susanne Jansson verbaut neben der Krimihandlung auch eine zarte Liebesgeschichte und einen verhaltenen Mystery-Touch, der den Plot perfekt abrundet. Man fühlt sich manchmal tatsächlich an alte Gruselfilme aus der schwarz-weißen Fernsehzeit erinnert, die eine ähnliche Atmosphäre verströmten. Gerade die unaufdringliche Liebesgeschichte, die eigentlich eine Nebensache ist, war es, die mich in gleichem Maße in den Bann gezogen hat, wie die Tragödie der Moorleichen. Janssons Charaktere wirken manchmal glaubhaft verschroben, wie sie da in der Einsamkeit am Rande eines mysteriösen Moors leben und verleihen der Handlung dadurch eine hohe Authentizität. Bisweilen fühlte man sich an die ruhigen Romane von Henning Mankell erinnert, wobei Susanne Jansson einen absolut eigenen Stil vorweisen kann.

Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Intensität die Autorin das Moor und den Schauplatz beschreibt. Man spürt die feuchte Luft, sieht den Nebel vor sich und vermeint an manchen Stellen sogar, die Geräusche der Natur zu hören. Desweiteren wird auch bei den Gesprächen eine nahezu poetische Atmosphäre versprüht, die ein wenig an den fantastischen Roman „Schnee, der auf Zedern fällt“ von David Guterson erinnert. Das Cover des Romans gibt genau diese wundervolle Stimmung perfekt wieder, so dass man wirklich genau das bekommt, was man durch die Abbildung erwartet. „Opfermoor“ ist ein wirklich tolles Debüt, das gerade in seiner unspektakulären Schlichtheit auf ganzer Linie überzeugen kann. Bei der Auflösung, die nebenbei bemerkt, überraschend war, hätte ich mir allerdings eine ausführlichere Art und Weise gewünscht. Das ging mir dann irgendwie doch zu schnell, tat aber dem Gesamteindruck dann glücklicherweise keinen Abbruch. Ich bin schon sehr gespannt, was uns von Susanne Jansson in Zukunft noch erwartet. Wünschenswert wäre, wenn sie sich weiterhin an die Ruhe und Stille, die sie in ihrem vorliegenden Erstlingswerk versprüht, halten würde. Denn durch diesen zurückhaltenden Stil würde sie sich eindeutig aus der Vielzahl an Krimis und Thrillern hervorheben.

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Fazit: Wunderbar ruhiges, atmosphärisches und manchmal sogar poetisches Thrillerdebüt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Der Schmerz des Erwachens von Brett McBean

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Festa-Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis:  39,90  €
ISBN: Privatdruck, nur über den Verlag erhältliche limitierte Sonderausgabe
Kategorie: Horror

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Toby ist vierzehn und der letzte Sommer vor der Highschool ist angebrochen. Er verbringt die Tage und Abende mit seinen Freunden und genießt das Leben. In der Nachbarschaft wohnt ein alter Herr, dem alle Menschen in der Stadt misstrauisch begegnen. Die Jugendlichen spielen ihm Streiche und ärgern ihn. Eines Tages wird Toby Zeuge eines solchen Streiches. Der alte Mann tut ihm leid und er sucht ihn auf. Die beiden schließen Freundschaft und schon bald erzählt der Mann Toby eine unglaubliche Geschichte …

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Ich mochte Brett McBeans Bücher ja schon immer. Aber was er hier mit „Der Schmerz des Erwachens“ abgeliefert hat, ist eindeutig sein bisher bestes Buch. Es dauert nicht lange und man ist von der einfühlsam erzählten Geschichte gefangen und kann sich nicht mehr losreissen. McBeans Roman über das Erwachsenwerden ist ungalublich mittreissend und autenthisch erzählt. Die Charaktere sind voller Details und liebens- oder auch hassenswert. Man begleitet Toby bei seinem Abenteuer und fühlt sich an Stephen Kings Kurzgeschichte „Die Leiche“ (als Film „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“) erinnert. McBean entwirft eine Welt, in der man sich selbst als Kind und Jugendlicher wiederfindet und in der man Geheimnisse und Verbotenes geliebt hat.
Es geht um Freundschaften, Geheimnisse, Unheimliches und Tragisches. Man spürt, wie der Protagonist erwachsen wird, aber vom Kindsein eigentlich gar nicht loslassen will.

Man wird mit Rassismus und Familienproblemen konfrontiert, lernt etwas über Mut und darüber Courage zu zeigen. Der Leser nimmt Teil an Unsicherheiten und ersten sexuellen Erfahrungen eines heranwachsenden Jungen und fühlt mit ihm, so wunderbar ist das alles beschrieben. Daneben breitet McBean eine geheimnisvolle Welt voller mystischer Rätsel und Voodoo-Ritualen aus, die in der Vergangenheit spielt, und schlägt dadurch einen Bogen in eine Erwachsenenwelt, von der Toby für sein eigenes Leben lernt.
Melancholisch beschreibt der Autor das Leben eines jungen Menschen, das erst am Anfang ist und dennoch schon Erfahrungen vorzeigen kann. Man riecht den Alkohol, den die Jungs verbotenerweise trinken, man spürt das Herz klopfen, wenn das sehnsüchtig begehrte Mädchen in der Nähe ist und fühlt den Zorn auf die Eltern, wenn sie Verbote aussprechen. Und man erliegt dem Zauber einer Welt, in der Voodoo praktiziert wird und das Leben ungerechte Wege einschlägt.

Oft fühlte ich mich von der Erzählstruktur und den nostalgischen Momenten, die beschrieben werden, an die Bücher von Greg F. Gifune erinnert. McBean ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das in seiner fast schon perfekten Geradlinigkeit enorm beeindruckt. Man möchte einfach nur weiterlesen und auch wenn das Ende schön und stimmig ist, fällt es einem schwer, die Personen zu verlassen. Vor allem Toby und der alte Herr wachsen einem ans Herz. Und ihre Freundschaft zeigt, dass sich verschiedene Generationen ohne weiteres verstehen können. Und dass der alte Herr dann auch noch ein Schwarzer ist,  vermittelt auf wunderschöne Weise, dass Alter und Rasse für eine Freundschaft völlig unerheblich sind. Brett McBean hat mit „Der Schmerz des Erwachens“ mein Lieblingsbuch von ihm geschrieben. Ich bin sicher, dass ich in diese schöne, aber auch ungerechte und manchmal brutale Welt, zurückkehren und die beiden Freunde Toby und Mr. Joseph, den alten Nachbarn, noch einmal besuchen werde.

Ich werde diesen düsteren Roman über eine wunderbare Freundschaft, ein Geheimnis und das Erwachsenwerden nicht so schnell vergessen.  Anders als in seinen weiteren Büchern verzichtet McBean weitestgehend auf brutale Splattereinlagen, sondern konzentriert sich darauf, die Story aus der Sicht eines Vierzehnjährigen zu erzählen. Und das ist ihm absolut gelungen.
Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch die wirklich wunderschöne Ausgabe, in der diese spannende Geschichte präsentiert wird: ein tolles Cover, ein Lesebändchen und eine Seite, die von Autor Greg McBean und Illustrator Fabian Frölich signiert wurde.

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Fazit: Nostalgisch wird das Leben eines vierzehnjährigen Jungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden geschildert. Stimmungsvoll, spannend und ein wenig unheimlich entführt uns McBean in eine Kindheit zurück, die man am liebsten selbst erlebt hätte. Sein bislang bester  Roman.

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© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten