Sleeping Beauties von Stephen King und Owen King

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 960 Seiten
Preis: 28,00 €
ISBN: 978-3-453-27144-9
Kategorie: Fantasy / Horror-Fiction

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In der Kleinstadt Dooling gibt es eigentlich nichts anderes, als in anderen Städten auch: Schulen, eine Polizeistation, Supermärkte, Kneipen und ein Frauengefängnis. Okay, letzteres ist nicht in jeder Stadt zu finden.

Eines schönen Tages bricht eine Epidemie aus, die einschlafende Frauen betrifft. Und zwar nur Frauen, egal welchen Alters und egal auf welchem Teil der Welt. Sobald die Frauen einschlafen, bildet sich ein faseriger, spinnenartiger Kokon um sie herum und hüllt sie ein. Doch sie atmen ruhig und scheinen tatsächlich einfach nur zu schlafen. Entfernen sollte man das Gewebe jedoch auf keinen Fall. Überhaupt sollte man nicht versuchen die Frauen zu wecken. Denn sobald sie erwachen werden sie zu mordenden, brutalen Killermaschinen.

Jedoch taucht eine Frau in Dooling auf, die gegen die Schlafkrankheit – inzwischen Aurora genannt – immun zu sein scheint. Sheriff Lila Norcross bringt die Frau ins Frauengefängnis des Ortes und hält sie dort fest (auch zu ihrem eigenen Schutz). Denn die Männer des Ortes hören von dem Gerücht der Immunität der seltsamen Frau und wollen ihre Frauen und Kinder zurück. Um jeden Preis …..

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Ich warne zur Sicherheit einfach mal vorab vor eventuellen Spoilern !

Eine Horrorfantasie mit Realitätsbezug“ lautet ein Zitat auf der Buchrückseite.

Für mich ist der neue Roman von Stephen und Owen King aber eigentlich viel mehr Fantasy oder Fantasy Fiction (wenn es dieses Genre gibt), vermischt mit dystopischen Elementen. Der Horror in diesem Roman ist viel eher auf die teilweise extrem brutalen und extrem blutigen Szenen zu beziehen.

Die beiden Autoren liefern hier eine Geschichte, die fantastisch ist und sehr zum Nachdenken anregt. Denn so traurig es ist, soviel Wahrheit steckt darin. Was braucht es zum Leben, was wird wertgeschätzt, wie schnell kann sich eine offensichtliche Idylle in das totale Chaos umwandeln. Die Natur spielt eine sehr große Rolle und auch die Zwischenmenschlichkeit, egal in welchen Kombinationen, ist sehr großer Bestandteil (Väter und Söhne, Mütter und Söhne, Väter und Töchter, Mütter und Töchter, (Ehe)männer und (Ehe)frauen etc.).

Zu Beginn der Geschichte ist ein Register, in denen alle Figuren aufgeführt sind. Das war für mich sehr hilfreich, denn ich habe oft noch einmal zurückgeblättert, weil es einfach sehr viele Personen gibt, die zur Handlung beitragen und eben auch wichtig sind.

Stephen und Owen King füllen ihren Roman mit einer großen Anzahl von Figuren und den unterschiedlichsten Charakteren. Erzählt er ja über knappe 1000 Seiten die Geschichte einer Stadt im Ausnahmezustand. Ich lernte in der ausführlichen Erzählung alle sehr gut kennen und natürlich baute ich eine Bindung zu den Personen auf.

Der Roman ist außerdem ein gesellschaftskritischer Roman, der mich an die Gemeinschaft von „The Stand“ erinnerte. Allerdings kam mir auch immer wieder „Der dunkle Turm“ in den Sinn, wenn die dystopischen Szenen beschädigte Gebäude beinhalteten oder auch wenn fabelartige Wesen durch die Handlung spazierten.

Die Grundidee der beiden war schlicht und einfach: Was mag wohl passieren, wenn urplötzlich alle Frauen einfach einschlafen und insoweit nicht mehr „vorhanden“ sind. Die Umsetzung dieser Idee ist den beiden gemeinsam sehr gut gelungen. Ich war gefesselt bis zur letzten Seite und hätte gut und gerne noch länger lesen können. Ich fühlte mich sehr wohl in Dooling. Aber das Wichtigste an der Geschichte ist die Botschaft, die sie rüber bringt und die ist erschreckend wahr und gut. Ich konnte beim besten Willen nicht erkennen, welche Passagen Stephen und welche Owen King geschrieben hat. Ich habe wirklich sehr sehr viel von King gelesen und ich meine seinen Stil zu erkennen. Für mich war der Roman einfach ein Stephen King.

Ich füge unten ein kleines Interview der beiden ein, auf das ich beim Stöbern auf der Website von Stephen King gestoßen bin. Da war ich nämlich unterwegs, um einen Blick auf das Originalcover zu werfen. Denn die sind in der Regel immer um einiges besser, als die der deutschen Ausgabe. So auch hier ☺. Aber ich muss sagen, dass in diesem Fall das Cover der deutschen Ausgabe auch sehr schön und vor allem zur Handlung passend ist.

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Mein Fazit: Ein großartiges Fantasy-Fiction Abenteuer, dass sehr gesellschaftskritisch ist und zum Nachdenken anregt. Bestückt mit teils wundervollen Bildern, teils extrem brutalen Szenen und sehr gut ausgearbeiteten/agierenden  (nicht nur netten) Charakteren. Knappe 900 Seiten, die wie im Fluge vergehen. King(s) in Bestform!

Wer das Originalcover sehen mag, der klicke –> hier

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

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Stadt aus Trug und Schatten von Mechthild Gläser (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe mit Leseband
im LOEWE Verlag
416 Seiten
Preis: 17,95  €
ISBN 978-3-7855-7402-7
Kategorie: Fantasy/All Age

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Die 17-jährige Flora lebt mitten im Ruhrgebiet, in Essen um genau zu sein und eigentlich ist sie ein Teenager wie jeder andere auch.

Sie geht zur Schule, ab und an mit ihrer besten Freundin shoppen und sie tanzt Ballett, zumindest versucht sie es. Sie selber behauptet, sie sei eine sehr schlechte Tänzerin.

Flora lebt gemeinsam mit ihrem Vater und der Haushälterin in einer Wohnung, die so alarmgesichert ist wie der Buckingham Palace. Floras Vater ist etwas eigensinnig in Vorstellung, jemand könne einbrechen und seine wertvollen Fische stehlen, die in der gesamten Wohnung in diversen Aquarien gehalten werden.

Umso überraschter ist Flora, als ihr plötzlich der finnische Austauschschüler Marian vorgestellt wird, der ab sofort im Arbeitszimmer des Vaters schlafen wird. Seit 8 Jahren ist Flora mit Wiebke befreundet und sie durfte nicht ein einziges Mal zu Flora zu Besuch kommen und nun? Urplötzlich nimmt ihr Vater einen fremden Jungen auf. Flora ist sich sicher, dass da etwas nicht stimmt und mehr dahinter steckt.

Floras Welt gerät etwas aus den Fugen als sie – die NIE träumt – urplötzlich in ihrem Traum in einer Stadt namens Eisenheim erwacht. Eine gesamte Stadt, mit so realen Menschen und Wesen, dass Flora diesen Traum als erschreckend lebendig erlebt.

Als sie dann auch noch tagsüber Schattenwesen sieht, die außer ihr niemand erkennen kann, die z.B. neben der U-Bahn herlaufen, da glaubt Flora zwischenzeitlich völlig geisteskrank zu sein.

Doch als Flora in der zweiten Nacht erneut in Eisenheim erwacht, da erfährt sie, dass sie keinesfalls dabei ist, den Verstand zu verlieren, sondern dass sie eine Wandernde ist und von nun an jeden Tag und jede Nacht zwei Leben leben wird. Und Flora erkennt, dass ihr bisheriges Familien- und Alltagsleben nicht das gewesen ist, was es zu sein schien …

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Am 22.04.2012 hatte ich das Vergnügen einer kleinen Lesung von Mechthild Gläser zu lauschen, als sie als Überraschungsgast von Ralf Isau auf dessen Lesung im Ruhrgebiet vorgestellt wurde. Mir war die scheinbar stille und ruhige Autorin sofort sympathisch und das Vorgelesene hat mich auf Ihr Werk gleich neugierig gemacht.

Mechthild Gläser hat einige Seiten zum Besten gegeben und im Nachhinein noch von Ralf Isau gestellte Fragen beantwortet. Sie war nicht offensichtlich nervös und hat interessante Auskünfte erteilt.

Sicher stecke auch ein kleiner Teil „Flora“ in ihr, sie selber tanzt z.B. auch Ballett und behauptet von sich, sie sei richtig schlecht darin.

Schon früh hat Mechthild Gläser das Schreiben begonnen und für sie geht mit der Veröffentlichung ein Traum in Erfüllung. Aber ich denke, Mechthild muss selber auch eine sehr große Leserin sein. Denn sonst hätte sie nicht bereits jetzt, im zarten Alter von 26 Jahren 😉 einen solch guten, gehoben ausformulierten Schreibstil entwickeln können.

Die Protagonistin der Autorin ist gerade 17 Jahre alt, in diesem Alter sprechen viele Jugendliche nun mal flapsig und umgangssprachlich. Sicher hat auch ihre Flora diese Eigenschaften, dennoch hat die Autorin einen gehobenen Stil das gesamte Werk über beibehalten.

Die Szenen wechseln immer zwischen der realen Welt und der Schattenwelt Eisenheims, nicht immer kapitelweise, manchmal erfolgen die Sprünge auch innerhalb eines Kapitels. Das gestaltet das Lesen zunächst einmal sehr kurzweilig. Dann ist die Welt, die die Autorin geschaffen hat, eine hochinteressante, spannende, düstere aber auch sehr schöne Welt. Ich würde sie glatt als farbenfroh bezeichnen, würden in Eisenheim nicht die Farben fehlen und alles nur in schwarz/weiß/grau-Tönen erscheinen.

In Eisenheim tummeln sich u.a. sämtliche bekannten internationalen Bauwerke, die jedoch völlig andere Funktionen haben. Dann gibt es noch wunderbare Erfindungen, wie kleine Lichtplaneten, die die Bewohner begleiten oder ausgefallene Transportmittel.

Immer wieder habe ich während des Lesens darauf geachtet, etwas nachgemachtes oder abgekupfertes zu entdecken. Vielleicht ein kleiner Einfluss der Reihe um einen Zauberlehrling oder Angleichungen zu Vampir-Teenagern. Ich habe nichts finden können. Hier scheint die Autorin wirklich ihrer eigenen Fantasie freien Lauf gelassen zu haben und wenn sie durch andere Werke inspiriert wurde, dann hat sie dies so gut verwoben, dass es nicht auffällt und als Eigen durchgeht.

Ich hatte großen Spaß bei diesem Roman und war auch gar nicht scharf darauf, dass die Geschichte zu Ende geht. Denn mir sind die Figuren sehr ans Herz gewachsen und hier sind nicht nur die Hauptfiguren gemeint.

Auch die Nebenrollen habe alle eine wichtige Funktion inne und sind somit charakterlich gut ausgearbeitet und interessant.

Das Buch präsentiert der Verlag in einer gebundenen Ausgabe mit Leseband (schön!) mit einem weißen Cover, das eine pinkfarbene Schrift und Bild ziert. Dies mag vllt. die/den ein oder andere(n) abschrecken, weil es wie ein „Mädchen-Ding“ wirkt. Nicht irre leiten lassen, dass ist nicht der Fall. Ich denke eher, der Verlag wollte einen Gegensatz zum farblosen Eisenheim der Schattenwelt schaffen und das ist gut gelungen. Mir gefällt das Cover gut.

Es scheint, dass die Geschichte um Flora weiter geht, denn auf der Verlagsseite ist der Roman mit „Band 1“ beschrieben. Ich würde mich freuen, denn gerne werde ich mit Flora und ihren Wegbegleitern weiter durch Essen am Tag und Eisenheim bei Nacht streifen.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein Buch, dass mich sehr positiv überrascht hat. Mit soviel durchgehender Qualität und guten Ideen, geschrieben in einem sehr schönen Stil, hatte ich nicht gerechnet. Spannung, Düsternis, Verrücktes, Fantastisches uvm. hat dieses Debüt von Mechthild Gläser zu bieten. Auf nach Eisenheim!

Ich danke dem LOEWE Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer sich noch ein kleines Video anschauen möchte,

der sollte mach hier vorbeisehen:

Buchtrailer bei Youtube 

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