Von Beruf Schriftsteller von Haruki Murakami

Von Beruf Schriftsteller von Haruki Murakami

Erschienen als Taschenbuch
im btb Verlag
insgesamt 235 Seiten
Preis: 11,00 €
ISBN: 978-3-442-71694-5
Kategorie: Drama, Belletristik, Gegenwartsliteratur

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Haruki Murakami, Bestsellerautor aus Japan, spricht nicht gerne über sich selbst. Doch nun bricht er das Schweigen und lässt uns an seinem Leben als Schriftsteller teilhaben. Endlich kann man einem der erfolgreichsten Schriftsteller unserer Zeit ein klein wenig näher kommen.

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Stephen King hat mit seinem Buch „Das Leben und das Schreiben“  vor Jahren einen ähnlichen Weg eingeschlagen wie es Murakami nun mit seinen Essays tut. Endlich erfährt der interessierte Leser, wie Haruki Murakami „tickt“, welcher Mensch sich hinter den genialen Büchern versteckt, die die Welt und eine große, begeisterte Leserschar eroberten. Murakami weiß auch mit seiner „Autobiografie“ zu überzeugen und zu fesseln. Man bekommt Einblick in seine Vergangenheit, wie schwer es für ihn war, als Schriftsteller erfolgreich zu sein, und erfährt einiges über seine Arbeits- und Denkweise. Da ich selbst Schriftsteller bin, ging ich natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an dieses Buch heran, weil ich mir, wie bei dem oben erwähnten Buch von Stephen King, erhofft hatte, einmal etwas tiefer in die Arbeitsweise dieses genialen Autors eindringen zu können. Leider hält sich Murakami da weitaus mehr zurück als sein Kollege King und gibt bedeutend weniger preis.

Nichtsdestotrotz ist das vorliegende Buch sehr interessant, weil es eben zeigt, wie Murakami denkt und handelt. Letztendlich ist „Von Beruf Schriftsteller“ allerdings oftmals belanglos, weil es sich bei den Essays lediglich um Gedankengänge des Autors über „Gott und die Welt“ handelt. In dieser Hinsicht kann der Titel des Buches leider täuschen und eine falsche Vorstellung des Inhalts vorgaukeln. ich persönlich hatte dennoch großen Spaß an den Überlegungen Murakamis, durch die man den Menschen hinter dem scheuen Schriftsteller erkennen kann. Aber der gewisse Kick, den man erwartet hat, fehlt letztendlich. Wer sich mit Haruki Murakami ein bisschen beschäftigt hat und seine Romane kennt, erfährt irgendwie dann doch nichts Neues. Murakami hält sich mit zu vielen Belanglosigkeiten auf, die den Leser im Grunde genommen (und wäre es nicht aus der Feder von Haruki Murakami) eigentlich nicht interessieren. Allerdings sollte man berücksichtigen, dass Murakami dieses Buch nie als Autobiografie beziehungsweise „Lehrbuch für angehende Schriftsteller“ betrachtet hat, sondern schlichtweg seinen Gedanken, egal zu welcher Thematik, freien Lauf lassen wollte. Liest man dieses Werk also unter dieser Perspektive, so besitzt es durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, der zu unterhalten vermag.
Hervorzuheben ist auf jeden Fall, dass Murakami nichts beschönigt, sondern genau das schreibt, was er denkt. Das betrifft vor allem seine Einstellung und Meinung über Literaturpreise. Seine Ausführungen darüber haben mich zugegebenermaßen beeindruckt.

„Von Beruf Schriftsteller“ ist auf jeden Fall in erster Linie ein Buch für Fans von Haruki Murakami. Wer noch nie etwas von ihm gelesen hat, wird seinen Gedankengängen oft nicht ganz folgen können. Die Essays sind teilweise oberflächlich geschrieben und könnten auf jeden x-beliebigen Menschen passen, manchmal erscheinen sie einem aber auch, als würde Murakami seinen Lesern wirklich Einblick in seinen Kopf gewähren. Das vorliegende Werk macht Murakami aber nicht sympathischer oder unsympathischer, sondern es hinterlässt den Leser sogar mit einer leichten Unzufriedenheit, weil man eigentlich mehr erwartet hat. Ein wenig haben mich die Essays an Umberto Ecos „Über Gott und die Welt“ erinnert, in denen ebenfalls über verschiedene Dinge „geplaudert“ wurde.
Trotz aller Kritik mochte ich das Buch komischerweise. Weil es kurzweilig geschrieben ist und interessante Themen und Ansichten darüber behandelt. Würde ich mehr über das Schreiben eines berühmten Schriftstellerkollegen erfahren wollen, zöge ich Stephen Kings „Über das Leben und Schreiben“ immer wieder vor. Denn in diesem Buch liegt einfach mehr „Seele“ und Emotion. Murakami hingegen schreibt kühl und distanziert, als handele es sich beim Schreiben lediglich um eine automatisierte Tätigkeit und nicht um einen emotionalen Vorgang. Murakami beherrscht sein Handwerk zweifellos (das tut Stephen King aber auch), doch wenn man seine Arbeitsweise liest, fehlen die Gefühle, die meiner Meinung nach beim Schreiben auch eine sehr wichtige Rolle spielen (sowohl die des Autors während des Schreibens, als auch die der Protagonisten).

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Fazit: Interessanter Einblick in die Gedankenwelt Haruki Murakamis, aber leider etwas distanziert und kühl verfasst.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Buchheim von Yves Buchheim (unter Mitwirkung von Franz Kotteder)

Buchheim von Yves Buchheim

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt  368 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-453-20197-2
Kategorie: Biografie

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Yves Buchheim, der einzige Sohn des berühmten Lothar-Günther Buchheim, erzählt die Lebensgeschichte seines Vaters, aber auch seine eigene und die seiner Familie.

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Yves Buchheim gelang hier in Zusammenarbeit mit Franz Kotteder, einem Reporter und Redakteur der Süddeutschen Zeitung, eine unglaubliche intensive und, zumindest aus meiner Sicht, sehr emotionale Biografie des Schriftstellers, Malers und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim. Wohl jeder kennt seinen Kriegsroman „Das Boot“. Und wenn nicht als Buch, dann zumindest als Film von Wolfgang Petersen. Yves Buchheim schildert eindrucksvoll und enorm kurzweilig nicht nur das Leben seines Vaters, sondern auch das seiner Mutter. Der Leser bekommt Einblick in die Familiengeschichte der Buchheims und begleitet den Sohn (Yves Buchheim) auf (s)einer Reise in die Vergangenheit, die einiges zutage bringt, was man bis dato von Lothar-Günther Buchheim eher nicht wusste. Die Biografie des bekannten, und nach außen hin oft sympathisch wirkenden Buchheim, liest sich spannend und unterhaltend wie ein Roman, von dem man sich (zumindest erging es mir so) nicht mehr losreißen kann. Vor allem die „Vorgeschichte“ der Familie und des Menschen Lothar-Günther Buchheim, bis er mit „Das Boot“ Weltruhm erlangte, ist unglaublich interessant und beeindruckend. Yves rechnet mit dem Vater, der im Grunde genommen niemals richtiger Vater war und wohl auch nicht sein konnte, zwar ab und erschüttert den „Mythos Buchheim“, baut aber im selben Moment irgendwie eine andere Art von Mythos wieder auf, in dem er den Menschen schildert, wie ihn die Öffentlichkeit nur selten erlebte. „Buchheim“ liest sich wie die Aufarbeitung einer „verunglückten“ Vater-Sohn.-Beziehung.

Ich habe sämtliche Romane von L.-G. Buchheim gelesen und war sehr beeindruckt von seiner ruhigen und auch väterlich wirkenden Art, die er zum Beispiel in Interviews zum besten gab. Liest man die Biografie, die sein Sohn verfasst hat, so sieht man einen anderen Menschen hinter der öffentlich zur Schau gestellten Maske, die aber dennoch auch sehr interessante Facetten zeigt. Buchheim wird in diesem Buch als Mensch gezeigt, so wie er war: selbstverliebt, aggressiv und, wenn ich das zwischen den Zeilen richtig gelesen habe, immer auf der Suche nach Liebe, die er selbst nicht imstande war, zu geben. Die tragische Familiengeschichte (und somit auch L.-G. Buchheims eigene Lebensgeschichte) lässt wahrscheinlich nur erahnen, was in diesem Menschen vorging, wenn er seine Wutausbrüche nicht unter Kontrolle bekam. Wenn ich mir die Schilderungen von Yves Buchheim so durch den Kopf gehen lasse, erscheint mir sein Vater wie eine verlorene Seele, die nach Liebe und Anerkennung gestrebt hat und „ausrastete“, wenn diese Unternehmungen nicht von Erfolg gekrönt waren.

„Buchheim“ ist ein ehrliches Buch. Ein schonungsloser Bericht über einen schonungslosen Menschen, der „über Leichen“ ging, um das zu erreichen, was er erreichen wollte. Sicherlich wirft diese Biografie ein völlig anderes Bild auf den „rauen Seebären“, der die Schrecken des Krieges erlebt und in seinen Büchern verarbeitet hat, als man es bis dato hatte. Und Sohn Yves ist in vielerlei Hinsicht wirklich bemitleidenswert, wenn man die Schilderungen seiner Kindheit liest und erfährt, wie sein Vater mit ihm umgegangen (beziehungsweise nicht umgegangen) ist. Aber Yves sucht auch nach guten Eigenschaften seines Erzeugers und vermittelt somit ein Bild von ihm, das L.-G. Buchheim nicht gänzlich unsympathisch macht, sondern eher Mitleid heraufbeschwört. Aufsehenerregend finde ich die auf jeden Fall die Kunstwerke-Beschaffungsmethoden und die Steuerhinterziehungs-Machenschaften, die Buchheim ohne Skrupel durchgeführt hat. Aber so war wahrscheinlich auch die damalige Zeit (Nachkriegszeit) und die „Einstellung“ von Menschen, die den Krieg mit- und überlebt haben. Yves Buchheim hat mein Bild von Lothar-Günther Buchheim leicht, aber nicht vollständig zerstört, sondern mir wertvolle Puzzleteile geliefert, um den Menschen und dessen Handlungen teilweise nachvollziehen zu können. L.-G. Buchheim erscheint mir nach diesem Buch eher wie ein im Grunde genommen sehr einsamer Mann, der auf der verzweifelten Suche nach Emotionen war, derer er selbst nicht fähig war und der seine Kriegserlebnisse nicht verarbeiten und dadurch keine zwischenmenschlichen Beziehungen  führen konnte. Yves Buchheim und Franz Kotteder ist eine sehr informative und eindringliche Biografie gelungen, die aus meiner Sicht gut und gerne die doppelte Seitenanzahl hätte haben können. Ich werde „Buchheim“ definitiv noch ein zweites Mal lesen.

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Fazit: Informative, aufsehenerregende, intensive und emotionale Biografie von Lothar-Günther Buchheim. Unbedingte Leseempfehlung.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Wenn der Wind singt / Pinball 1973 von Haruki Murakami

Wenn der Wind singt Pinball 1973 von Haruki Murakami

Erschienen als Taschenbuch
im btb Verlag
insgesamt 266 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-442-71593-0
Kategorie: Belletristik, Gegenwartsliteratur

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Ein einundzwanzigjähriger Student erzählt aus seinem Leben, schildert seine ersten Schreibversuche und sinniert über sein eigenes Leben und das seiner Freunde nach. Zusammen mit seinem Freund namens Ratte erleben die Jungen ihre ersten Freundinnen und begeben sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens.

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Endlich sind sie nun auch in Deutschland erschienen: Die beiden ersten (Kurz-)Romane von Haruki Murakami. Schon in diesen Geschichten erkennt man, welch Potential in Murakami steckt, wenngleich den Storys irgendwie noch der richtige „Drive“ fehlt. Aber das finde ich gar nicht weiter schlimm, denn man erkennt, wie gesagt, definitiv Murakami in den Sätzen und kann sich schwer von den Erlebnissen des Protagonisten trennen. Beide Kurzromane in diesem Buch erinnern mich von ihrer Aussage und Stimmung her sehr an Werke von Samuel R. Delany, den ich ebenfalls sehr schätze. Murakamis Erstlinge sind melancholisch und teils deprimierend und regen zum Nachdenken an. Die Romane mögen auf den ein oder anderen verwirrend wirken, weil sie keinem konsequenten roten Faden, und somit einer nachvollziehbaren Handlung, folgen, aber genau das macht diese Erzählungen aus. Sie schildern das Leben und oftmals wohl das Leben des Autors zur damaligen Zeit. „Wenn der Wind sing“ und „Pinball 1973“ wirken auf mich wie ein autobiografischer Schreibversuch, der komplett gelungen ist.

Man sollte nicht außer acht lassen, dass es sich bei diesen Romanen um Erstlimgswerke handelt, bei denen der Autor (sogar nach eigener Aussage) gar nicht wirklich gewusst hat, was er eigentlich schreiben wollte. Behält man diese „Aussage“ im Hinterkopf, so wird man mit zwei wunderbaren, ehrlichen Geschichten belohnt, die das Leben geschrieben hat. Da steckt alles drin: Von Freude, Liebe über Ängste, Einsamkeit, Hoffnungen bis hin zum Tod behandelt Murakami die gesamte Palette des Lebens. Der Schreibstil ähnelt schon sehr dem „neuen, professionellen“ Murakami, der bereits hier einen eigenen Stil entwickelt und den Leser in eine faszinierende, verwirrende und verstörende Welt a lá David Lynch entführt. Die beiden hier vorliegenden Romane bilden den Anfang der sogenannten „Trilogie der Ratte“, die in „Wilde Schafsjagd“ ihr Ende findet und noch einmal eine Fortsetzung in „Tanz mit dem Schafsmann“ fand. Sieht man das Gesamtbild aller drei Romane, so eröffnet sich einem ein wunderbares, atmosphärisch dichtes Weltbild eines einsamen Mannes. Gerade die „ausgereifte Unausgereiftheit“ dieser Erstlingswerke macht kleine Kunstwerke aus diesen Romanen. Wenn man sich darauf einlassen kann, so spürt man förmlich die Emotionen des Protagonisten während des Lesens.

Im ausführlichen Vorwort erklärt Haruki Murakami, wie die beiden Werke entstanden sind, und erzählt von seiner Vergangenheit. Alleine durch diese vorangestellten einführenden Worte, erlangen die darauf folgenden Texte eine vollkommen andere Bedeutung und lassen im Kopf des Lesers immer wieder Murakami an die Stelle des Protagonisten treten. Aus dieser Sicht gewinnen „Wenn der Wind singt“ und „Pinball 1973“ für mich eine sehr private und persönliche Bedeutung im Gesamtwerk des zurückgezogen lebenden und publikumsscheuen Ausnahme-Schriftstellers, die mich auf gewisse Art und Weise an seinem (wennauch zurückliegenden) Leben teilnehmen lässt. Ich persönlich fühlte mich durch diese beiden Bücher dem Menschen Murakami (und somit auch seinen reiferen, ausgefeilteren Werken) sehr nahe. Auf jeden Fall muss man diese Art von Schreibstil mögen, um genießen zu können. Das Fehlen jeglicher Action beziehunsgweise eines „Höhepunktes“ wird die Kurzromane vielen Lesern langweilig erscheinen lassen, Murakami-Anhänger müssen dieses Buch einfach lesen, um den Autor und seine anderen Werke besser verstehen zu können.

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Fazit: Melancholische Kurzromane, die das Gesamtwerk Murakamis in einem anderen Licht erscheinen lassen.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Treibsand – Was es heißt ein Mensch zu sein – von Henning Mankell

TreibsandErschienen als gebundene Ausgabe
im Zsolnay Verlag
384 Seiten
24,90 €
ISBN: 978-3-552-05736-4

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Henning Mankell schreibt über sein Leben. Er erzählt von seiner Kindheit, Lebensstraßen, Ängste, Sorgen und Hoffnungen. Es geht ums Mensch sein, Erinnerungen, und der Treibsand der Angst seine Krebserkrankung zu entkommen.

Zitat Henning Mankell: „… ein Buch darüber, wie die Menschheit gelebt hat und lebt und wie ich mein eigenes Leben gelebt habe …“

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Henning Mankell. Wahrscheinlich zu allererst durch seine bekannteste Romanfigur Kurt Wallander, die sogar Krimis verfilmt wurden.

Geschrieben hat er aber viel mehr. Einige Afrika-Romane und viele verschiedene Kinderbücher (die meine Kinder zum Teil sogar als Schullektüre durchgenommen haben). Aber eigentlich hat Henning Mankell Theaterstücke geschrieben und Krieg Theaterregisseur. Er hat auch Theater geleitet.

Aber wer war Henning Mankell eigentlich? Wurde er erlebt, war er da, wie geht er mit seiner Krankheit um?

The Wall of the Church of the Henning Mankell erzählt, wie und warum er zB die Figur Kurt Wallander erdacht hat, woher er die Inspirationen für seine (teilweise auch sehr brutalen und heftigen) Krimis genommen hat, der wird enttäuscht werden. Irgendwann um Seite 360 ​​rum erwähnt Henning Mankell mal Kurt Wallander, im Zusammenhang einer schwedischen Insel, die er besucht hat. Das war es in dieser Beziehung aber auch.

Dennoch hat Henning Mankell sehr viel erzählt. Natürlich auch über seine Kindheit, diese Erinnerungen haben ihn begleitet und beschäftigt, nachdem er am 08. Januar 2014 erfuhr, dass er an Krebs erkrankt ist.

Aber auch grundsätzliche Fragen haben ihn beschäftigt. Wie gehen wir mit unserer Welt um? War hinterlassen wir den Generationen sterben in 1.000 Jahren auf der Erde leben? Nur Atommüll, vor dem wir warnen oder den wir einfach vertuschen?

Das Buch war traurig, natürlich, denn wir alle wissen, dass Henning Mankell kurz nach der Veröffentlichung des Romans am 5. Oktober 2015 von seiner Krebserkrankung erlag. Aber ich habe auch sehr viel gelernt. Unter anderem viel Historisches, von dem ich wirklich nie hatte.

Ein Beispiel, das auch kein Spoiler ist:

Die Kadaver-Synode im Jahre 897. Hier hat (wirklich!) Papst Stephan VI den bereits seit 9 Monaten verstorbenen Papst Formosus aus seinem Sarkophag holen lassen. Erlaubt ihn in seinem volles Ornat kleiden und setzt ihn auf die Anklagebank, um ihn zu verurteilen und ihm nach seinem Tode rückwirkend das Pontifikat zu entziehen. Dazu gibt es ein Gemälde des Malers Jean-Paul Laurens, das im Buch abgebildet ist (schaut mal im Internet nach).

Mir hat das Buch viel gegeben. Natürlich regt es zum Denken an, es macht traurig und melancholisch, denn auf jeder Seite konfrontiert uns Henning Mankell mit unserer Sterblichkeit, die wir alle so gerne verdrängen. Das klappt bei der Lektüre jedoch Nicht wirklich.

Ein schöner Abschied von einem ganz großen Mann aus Schweden. Mach’s gut Henning Mankell. Ich wünsche Dir, dass Du nicht zu lange tot bist.

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© Marion Brunner für Buchwelten 2017

Michael Ende – Gefangen in Phantásien von Birgit Dankert

Michael Ende

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Lambert Schneider Verlag
insgesamt 312 Seiten
Preis:  24,95  €
ISBN: 9783650401229
Kategorie: Biografie

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20 Jahre nach seinem Tod kommt jetzt die erste Biographie über Michael Ende. Birgit Dankert schildert Endes Lebensweg und verschweigt auch nicht seine privaten Krisen.

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Vielleicht liegt es daran, weil ich die Ehre hatte, Michael Ende 1989 persönlich kennenzulernen, dass ich seit Jahrzehnten auf eine Biografie wie diese gewartet habe. Durch Michael Endes Einfluss wurde ich selbst zum Schriftsteller und seine Bücher begleiteten mich mein ganzes Leben lang. Ich habe mir eine kleine Privatsammlung aus Zeitungsberichten und Buch-Sonderausgaben angeschafft und bin von seinem Lebenswerk nach wie vor begeistert wie am ersten Tag.
Und jetzt kam endlich der Zeitpunkt, an dem ich mehr über den Schriftsteller und vor allem Menschen Michael Ende erfahren darf, als ich bisher wusste. Birgit Dankert hat hervorragende Arbeit geleistet und ein Leben aus Puzzlestücken zusammengesetzt, die ihr von Freunden, Bekannten und Wegbegleitern anvertraut wurden. Endes Biografie liest sich so spannend wie ein Roman, was zum einen natürlich am Leben des Mannes selbst liegt, zum anderen aber auch an dem wirklich exzellenten Schreibstil der Autorin. Sie zeichnet ein Bild der damaligen Zeit und lässt uns am Leben eines ehrgeizigen Menschen teilnehmen, der aber auch voller Ängste und Zweifel steckte. Was zwischen den Zeilen dieser Biografie steht, war für mich meist bedeutender als die geschriebenen Worte. Man merkte auf jeder Seite, wie intensiv sich Dankert mit dem Leben dieses Mannes beschäftigt hat, und wie nahe sie seinem Charakter dadurch kommt. Viele von ihr beschriebenen Bilder und Szenen liefen förmlich wie ein Film vor meinem inneren Auge ab.

Ich habe mich ebenfalls viele Jahrzehnte mit Michaels Ende Leben und Werk (und auch seines Vaters Edgar Ende) beschäftigt und dennoch konnte mir Birgit Dankert viel Neues erzählen. An manchen Stellen hatte ich einen Kloß im Hals, weil ich mich an die Begebenheiten (aus Zeitungsberichten) erinnern konnte. Sein unnachgiebiges künstlerisches Verständnis verteidigend, ging Michael Ende einen (zumindest aus seiner Sicht) unbeirrbaren Weg, dem man nun, wenngleich „nur“ in Worten beschrieben, folgen darf. Birgit Dankert richtet ihre Aufmerksamkeit aber auch an unschöne Dinge, die im Leben Endes geschehen sind. Erstaunlicherweise zerstört sie aber dadurch niemals den „Mythos“ über einen der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands, sondern zeigt einfach nur Schwächen und Probleme auf, die den Mann letztendlich noch sympathischer machen, als er ohnehin schon wirkte.

Birgit Dankert hat ein großes Buch über einen großen Mann geschrieben und ihm dadurch genau jene Ehre erwiesen, die er sich zeit seines Lebens erwünscht hatte. Ende war ein beeindruckender Mensch, dem durch diese Biografie ein wunderbares Denkmal gesetzt wurde. Ich kann mich gar nicht genug bei der Autorin für ihre grandiose Recherche-Arbeit bedanken, um mir diesen Mann noch einmal sowohl beruflich als auch menschlich so nahe zu bringen. Dieses Buch war und ist ein Erlebnis sondergleichen für mich. Für kurze Zeit, erweckten die Buchseiten Michael Ende noch einmal zum Leben … und ich durfte dabei sein.

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Fazit: Wunderbar recherchiert, ehrlich und menschlich. Eine nahezu perfekte Biografie eines genialen Schriftstellers, der noch heute mein Idol ist.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Finderlohn von Stephen King

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King
Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Heyne
insgesamt 544 Seiten
Preis:  22,99  €
ISBN: 78-3-453-27009-1
Kategorie: Thriller

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1978 – John Rothstein, Autor der erfolgreichen Jimmy Gold-Trilogie lebt seit vielen Jahren zurückgezogen und hat lange nichts veröffentlicht. Eines ruhigen Abends dringen drei junge Männer in sein Haus ein und der berühmte Schriftsteller wird brutal ermordet. Kopf der drei Verbrecher ist Morris Bellamy, ein mehr als fanatischer Anhänger des Autors. Und eben der begeht den Mord nicht etwa aus Habgier, sondern einzig und allein aus Rache und Wut darüber, wie der Autor die Trilogie hat enden lassen. Den Wandel, den der Protagonist der Reihe durchlebt hat, konnte und wollte Bellamy nicht akzeptieren, er sah ihn als Verrat an. Als Beute nehmen die Eindringlinge nicht nur eine große Menge Bargeld mit, sondern auch einen kompletten Tresor voller Notizbücher, die Rothstein über Jahre hinweg Seite um Seite von Hand beschrieben hat. Für Bellamy ist dieser Teil der Beute der einzig wichtige. Morris Bellamy vergräbt die gesamte Beute zunächst, weil die Umstände es erforderlich machen und kommt dann, einige Monate später, dummerweise für ein ganz anderes Verbrechen ins Gefängnis. Und dort bleibt er auch die nächsten 28 Jahre.

2009 – Pete Saubers ist ein Junge aus einem eigentlich völlig normalen Elternhaus. Einzig der Umstand, dass sein Vater durch einen Unfall schwer verletzt wurde, bereitet der Familie große Schwierigkeiten. Sie kommen finanziell kaum noch über die Runden und Pete und seine Schwester müssen die Streitigkeiten der Eltern leider immer öfter ertragen. Da kommt Pete sein zufälliger Fund wie ein wahrer Segen vor. Denn Pete findet Bellamys vergrabene Beute durch puren Zufall. Er nutzt zunächst das Geld seines „Schatzes“ dafür, um seine notleidende Familie über die Runden zu bringen.

Nach 35 Jahren wird Morris Bellamy auf Bewährung aus der Haft entlassen. Natürlich will er als erstes nach seiner vergrabenen Beute sehen, denn all die Jahre im Knast hat ihn einzig und allein die Freude auf die ungelesenen Notizbücher aufrecht gehalten. Als er bemerkt, das seine Beute verschwunden ist, macht sich Bellamy auf die Suche. Und natürlich kommt er Pete Saubers auf die Spur. Nun ist Detective Hodges gefragt. Kann der Cop im Ruhestand, der bei Mr. Mercedes schon sehr erfolgreich „ermittelt“ hat, Pete helfen und den irren, fanatischen Anhänger des ermordeten Autors aufhalten ….?

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Der „neue“ King. Man mag ihn oder nicht. Ich mag ihn. Ein mir bekannter King-Fan sagte mal, dass man bei ihm die ersten 100 Seiten getrost überlesen kann, weil er immer erst dann in die Handlung gefunden hat. Bei Mr. Mercedes war das schon ganz und gar nicht der Fall. Da wurde der Leser gleich zu Anfang mit Drama und Chaos, Action und Tod konfrontiert. Auch hier ist das der Fall. King geht es überhaupt nicht ruhig an, sondern kommt direkt zur Sache. Und die ist nicht unbedingt seicht.

Finderlohn ist der zweite Teil um den alternden Detective Hodges, der schon in Mr. Mercedes so brillante Arbeit geleistet hat, nachdem er damals durch den Killer selbst aus seiner Lethargie gerissen wurde. Auch hier spielt Hodges wieder eine große Rolle und wir treffen neben ihm auch weitere Personen wieder, die wir noch aus Mr. Mercedes kennen. Allerdings spielt er erst recht spät eine Rolle.

King beginnt seine Erzählung mit zwei Handlungssträngen in der Vergangenheit. Einmal im Jahre 1978 ff den Strang um Bellamy und dann im Jahre 2009 den Strang um den Jungen Pete Saubers. Wir verfolgen die beiden einige Jahre dann, bevor King dann in die Gegenwart wechselt. Und dies nicht nur in seiner Erzählung, sondern auch in der Zeitform.

Wie die Vorgänger liefert King hier einen Roman, der eher von einer ruhigen, aber sehr dichten und komplexen Stimmung getragen wird. Dennoch gibt es sehr heftige Szenen, die an Blut, Dramatik und Nervenzerren ganz und gar nicht sparen. Ich mag diesen neuen Stil von Stephen King sehr. So hat er bereits „Joyland“ und „Der Anschlag“ geschrieben und nun eben auch „Mr. Mercedes“. Viele mögen dies zu langatmig und zäh finden, mir geht es gar nicht so. Ich tauche in die Geschichte ein, begleite die Protagonisten über viele Jahre, bekomme Einblicke in deren Charaktere, ihr Umfeld und genieße es, mich durch die Geschichte treiben zu lassen. Und ich finde es sehr positiv, dass mir seitdem auch endlich die Enden von Kings Romanen gefallen. Denn die fand ich bei den älteren Werken oft leider mäßig, missglückt oder zu kurz abgefertigt. An ganz vielen Stellen des Romans finden sich sehr gute Aussagen, bezogen auf die Arbeit eines Schriftsteller und die Liebe der Leser. Mich haben diese Stellen immer an sein Buch „Das Leben und Schreiben“ erinnert (ich fand es toll). Ich muss eine kleine Stelle zitieren:

„Eine der beglückendsten Erfahrungen, die man als Leser im Leben machte, war die ein Leser zu sein – also nicht nur lesen zu können ……, sondern in die Tätigkeit als solche vernarrt zu sein. Hoffnungslos. Hals über Kopf. Das erste Buch, das dies zustande brachte, vergaß man nie, und jede einzelne Seite schien eine neue Offenbarung mit sich zu bringen, eine die brannte und begeisterte …“

Eine Kleinigkeit noch: Ich habe bei einer Figur das Gefühl nicht losbekommen, dass Stephen King die Serie Twin Peaks gesehen und gemocht hat. Denn der flippige Englisch Lehrer von Pete Saubers, namens „Ricky the Hippie“ erinnert mich sehr stark an Dr. Jacoby :-). Bauschige Hemden, Schlaghosen und sonstiges Hippie-Outfit haben mich immer genau diese Person sehen lassen …

Mein Fazit: Eine absolut gelungene Fortsetzung von Mr. Mercedes, die mich in einer ruhigen, stimmungsvollen Atmosphäre gefesselt hat. Einerseits kommt der Roman gemächlich daher und andererseits ist er voller dramatischer, heftiger, brutaler und sehr erschreckender Szenen. Die Figuren bieten alles zwischen liebenswert und total irre, sind jedoch charakteristisch alle sehr echt und glaubhaft gezeichnet. Ich freue mich sehr auf den dritten Teil!

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© Buchwelten 2015

Das bin doch ich von Thomas Glavinic

Glavinic

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Hanser
insgesamt 240 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-446-20912-1
Kategorie: Belletristik

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Thomas Glavinic schreibt über sein Leben und die Zeit, in der er für seinen Roman „Die Arbeit der Nacht“ einen Verlag gefunden hat. Höhe- und Tiefpunkte eines Schriftstellers, der sich Erfolg wünscht.

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Glavinics autobiografischer Roman ist, ähnlich wie „Lisa“, kurzweilig und unterhaltend. Es macht schon unheimlich Spaß, dem Schriftsteller bei seinem Weg bis zur Veröffentlichung von „Die Arbeit der Nacht“ zu folgen. Auch die Anekdoten aus dem Privatleben (ob sie nun alle genau so stimmen, wie beschrieben, sei dahingestellt) sind oftmals sehr amüsant und lustig. Glavinic eben …
Handlungstechnisch erwartet den Leser nichts tiefgründiges, sondern eher eine einfache Schilderung eines Schriftstellerlebens und eines Mannes.

Vom Schreibstil her ist „Das bin doch ich“ aber qualitativ etwas entfernt von „Die Arbeit der Nacht“. Das macht aber gar nichts, denn die Situationen, die beschrieben werden, bedürfen keiner anderen Worte und tun mit Sicherheit ihre Wirkung besser in dem von Glavinic benutzen Stil. Wer Sinn oder Nichtsinn wie in anderen Büchern des Schriftsteller sucht, wird enttäuscht sein, denn hier geht es einfach nur um den Menschen, Mann und Schriftsteller Thomas Glavinic. Wie er hofft, lacht, Angst hat und sein privates und öffentliches Leben meistert. Da gehört schon auch Mut dazu, all dies zu schreiben, aber im Gesamtbild macht es Glavinic unglaublich sympathisch, was durchaus in der Absicht des Schreibers gelegen haben könnte. 😉

„Das bin doch ich“ ist Roman und Tagebuch in einem. Man bekommt ohne weiteres das Gefühl, bei einem Lebensabschnitt des Autors live mit dabei zu sein. Das hat schon was und macht, genau wie die „echten“ Bücher Glavinics auf gewisse Art und Weise süchtig. Fans sollten sich dieses selbstkritische und witzige Buch auf keinen Fall entgehen lassen. Für Neueinsteiger würde ich empfehlen, erst einmal ein anderes Buch von Glavinic zu lesen, um zu erfahren, wie er literarisch so „tickt“.

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Fazit: Gelungene „Selbstdarstellung“, die amüsiert, aber auch nachdenklich macht. Glavinics Weg bis zur Veröffentlichung seines Romans „Die Arbeit der Nacht“ unterhält vorzüglich.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Dunkle Reflexionen von Samuel R. Delany

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Erschienen als Taschenbuch
im Golkonda Verlag
insgesamt 300 Seiten
Preis: 16,90 €
ISBN: 978-3-942396-29-5
Kategorie: Zeitgenössische Literatur

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Der Schriftsteller Arnold Hawley erinnert sich an sein Leben: an seine Homosexualität, sein Schreiben und seine Existenz als Schwarzer.

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Als großer Delany-Fan war ich ganz begeistert, als ich erfuhr, dass der Berliner Golkonda-Verlag bis jetzt in Deutschland unveröffentlichte Romane publiziert. „Dunkle Reflexionen“ entstand im Jahr 2007 in New York und ist das beeindruckende Porträt eines Mannes, der im Alter über sich und sein Leben sinniert.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich in diesem wunderbaren, poetischen und vor allem ehrlichen Roman jede Menge autobiografische Ereignisse tummeln. Ich sah auf jeden Fall im Erzähler immer wieder Delany vor mir und erlebte seine Schilderungen förmlich mit. Das ist auch das Faszinierende an Samuel R. Delanys Romanen. Sie vermitteln Lebenserfahrungen, als hätte man sie selbst erlebt. Durch seinen Schreibstil taucht man in die Welt des Protagonisten ein und nimmt in manchen Momenten seine Stelle ein, als wäre man selbst die Hauptfigur in der Geschichte. Delany ist in dieser Hinsicht ein wahrer Zauberer und literarischer Marionettenspieler.

„Dunkle Reflexionen“ wäre kein Delany, wenn nicht auch explizit geschilderte Sexszenen in der Handlung vorkommen. Diese, ich möchte sie eigentlich gar nicht so nennen, pornografischen Darstellungen kommen mir nie erzwungen und provokativ vor, sondern fügen sich einerseits geschickt in die Handlung ein, werden aber andererseits auch auf eine „schöne“ Art beschrieben, die fast schon wieder poetisch ist. Es ist schwer zu erklären, wie Delany diese Gratwanderung zwischen hartem Porno und wunderschöner Erotik meistert. Eines ist sicher: er kann es.
Und auch das macht seine Romane aus und so besonders, denn sie sind dadurch mutig, ehrlich und kompromisslos lebendig.

„Dunkle Reflexionen“ erzählt von den Ängsten eines alternden Mannes, aber auch von den kleinen und etwas größeren Erfolgen in seinem Leben. Der Roman beschreibt Entscheidungen, die manchmal gut und manchmal weniger gut waren, dringt in die Gedanken eines einsamen Menschen ein, der mit sich hadert und dennoch niemals aufgibt. Kurz: das Buch ist ein Erlebnis. Man muss sich lediglich darauf einlassen.

Delanys Werk ist außergewöhnlich und trägt immer die Handschrift eines ungewöhnlichen Menschen, der sichtlich sein Leben liebt und sich auch damit beschäftigt. Seine Romane sind Lebenserfahrungen und ich möchte keine seiner Geschichten missen.

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Fazit: Eine Lebensgeschichte, die Ängste und Hoffnungen vermittelt. Und am Ende meint man gar, man hätte all diese Dinge irgendwie selbst erfahren. Delany ist einfach wunderbar.

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© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Wolfgang Brunner im Gespräch mit Gregory Benford / Wolfgang Brunner in conversation with Gregory Benford

 

Wolfgang Brunner im Gespräch mit Gregory Benford 

Das Interview ist im Anschluss an die freie deutsche Übersetzung noch im amerikanischen Original veröffentlicht.

The original interview in American is published below the German translation.

GB 2010

 

Gregory Benford, Jahrgang 1941, ist ein bekannter US-amerikanischer Science Fiction Autor. Als Physiker lehrt er an der University Of California in Irvine.
Mit seinem Zeitreise-Roman „Zeitschaft“, mittlerweile zum SF-Klassiker geworden, gewann Benford 1980 den Nebua Award und den Jon W. Campbell Memorial Award. In den 90er Jahren schrieb er einen der drei autorisierten Fortsetzungsromane von Isaac Asimovs Foundation-Zyklus.

Buchwelten freut sich außerordentlich, ein Interview mit dem Literatur-Preisträger zu präsentieren.

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Gregory Benford bedeutet hochwertige Science Fiction. Woher nimmst Du Deine Ideen? Trume, wahre Begebenheiten oder einfach nur konzentriertes Nachdenken?

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Meistens aus der Forschung. Zeitschaft (Timescape) entstand durch meine Doktorarbeit an der UCI (University Of California) San Diego in den 60er Jahren und meine Arbeit als Referendar in Cambridge im England Mitte der 70er Jahre. Ich veröffentlichte Studien über Tachyonen, theoretische Teilchen, die sich schneller als das Licht bewegen, und deren Quantenmechanik.
Meine Karriere alsLaborant und theoretischer Physiker verschaffte mir diesen „komplizierten Tanz“ in der akademichen Forschung.
Meine sechsbändige Reihe (
Contact-Zyklus) über das galaktische Zentrum entstand durch meine astrophysikalischen Arbeiten im Zentrum für Astronomie in Cambridge, wo ich die Idee von magnetisch gesteuerten Düsen – heute übrigens eine anerkannte Weisheit – und die magnetische Umgebung des Schwarzen Loches in unserem eigenen galaktischen Zentrum behandelte. Natürlich war von den Romanen nicht zu erwarten, dass sie den Alltag im Leben eines Wissenschaftlers widerspiegeln. Das war dann ausschaggebend für mich, die Science Fiction zu erkunden, da es so wenig über diesen primären menschlichen Arbetsbereich gibt.

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Du hast zusammen mit David Brin und Greg Bear eines der bedeutendsten Werke der SF-Literatur, Isaac Asimovs Fundation Zyklus, fortgeführt. Wie fühlte sich das für Dich an?

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Janet Asimov kam auf mich zu. Die Idee, weitere Romane, die im Foundation-Universum handeln, zu schreiben, stammte von Janet Asimov und dem Repräsentanten von Asimovs Nachlass, Ralph Vincinanza. Von ihnen angesprochen, habe ich zunächst abgelehnt, da ich mit der Ausführung des High Energy Density Physics Laboratory an der UCI Irvine und meinen eigenen Romanen beschäftigt war. Aber mein einmal gewecktes Unterbewusstsein konnte dieses Angebot nicht ablehnen.
Nach einem halben Jahr des Kampfes mit Ideen für das Foundation-Universum, die oft in Träumen kamen und mich nicht mehr losließen, habe ich schließlich Ralph Vicinanza angerufen und mit ihm begonnen, einen Plan mit einer passenden, komplexen Handlungskurve und entsprechender Logik zu konstruieren, die in mehreren Romanen enthüllt werden sollten.
Obwohl wir mit mehreren Autoren über dieses Projekt sprachen, erschienen uns zwei Hard SF Autoren, die weitestgehend von Asimov beeinflusst waren und und unangefochten technische Fähgkeiten besaßen, als am besten geeignet: Greg Bear und David Brin.
Bear, Brin und ich hielten engen Kontakt, während in den ersten Band schrieb. Wir beabsichtigten drei eigenständige Romane, bei denen wir am Ende aber ein übergreifendes Mysterium schafen wollten. Erste Elemente erschienen in meinem Roman
Der Aufstieg der Fundation (Foundation`s Fear), wurden dann in Gre Bears Foundation und Chaos (Foundation And Chaos) weiter verstärkt, um dann in David Brins Der Sieg der Foundation (Fundation`s Triumph) fertiggestellt zu werden.

Ich verstreute in meiner Geschichte Details und Schlüsselelemente, die später Früchte trugen.
Ich hatte mich immer gefragt Die Foundation-Serie begann im Zweiten Weltkrieg, als sich Amerika geradewegs in Richtung Weltmacht entwickelte und ihren Zenit fast erreicht hatte. Die Serie spielt sich über Jahrzehnte ab, als die Vereinigten Staaten Angelegenheiten auf der ganzen Welt in einer Weise dominierten wie keine andere Nation es je tat. Nun bedeutet die Fundation Imperium und Verfall gleichzeitig. Wurde dieser Verrat zu einer Angst, geboren in dem Moment, als sie sich ihrem glorreichen Höhepunkt näherte?
Außerdem konnten wir mit dem „Fans sind Slans“-Syndrom arbeiten, der Übermenschen-Mentalität in Cmic-Bchern, wo der Held wie Achilles jenseits einer Rechenschaftspflicht gegenüber den Massen handelt
viel Nährboden für uns um darzustellen, wie unserer Meinung nach die große Zukunft aussehen könnte.

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Welches sind Deine literarischen Vorbilder? Und was liest Du privat?

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Mainstream: John Updike, Hemingway, Faulkner, Ian McEwan, Raymond Chandler.
SF: Heinlein, Clarke, Stapledon, Asimov, Ursula LeGuin, Joanna Russ.
Ich las viel, aber immer auf ein Genre begrenzt: Michael Connelly, James Cambias, Linda Nagata, Nancy Kress
es gibt so viele!

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Welche Filme siehst Du gerne in Deiner Freizeit?

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Viele europäische Filme. Und die vor kurzem gemachten SF-Filme wie Her, Gravity, Under The Skin, Europa Report. Ich liebte auch Lola rennt.

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Ein Schriftsteller hat meistens unzählige Projekte im Kopf, die noch nicht geshrieben wurden. Welches davon liegt Dir momentan am meisten am Herzen und warum hast Du es noch nicht geshrieben?

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Ich habe zwei Kurzgeshichten, die Romane werden sollen. Eine über eine SETI-Bibliothekarin und die andere handelt von einer weiblichen Unternehmerin im Sonnensystem – beide Frauen leben Jahrhunderte in der Zukunft. Und dann habe ich noch eine alternative Geschichte über den Zweiten Weltkrieg, in der die USA nicht die Fehler macht, die sie mit dem Manhattan Projekt begangen haben. Deutschland wird aus Hitlers „Götterdämmerung“ gerettet und wir halten die Sowjets aus dem Osten raus. Und es gibt auch noch jede Menge physikalischen Spaß!

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Wieso denkst Du, hat es gute SF so schwer, als literarische Gattung akzeptiert zu werden? Zumindest verhält es sich in Deutschland so. Ist es womöglich in den USA anders?

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SF gewinnt langsam an Akzeptanz, wie damals harte Kriminalromane in den 40er und Folgejahren. Nun haben Chandler und JD McDonald den Test gegen die Zeit und unsere alten Feinde, die literarischen Torhüter der konventionellen Weisheit, überstanden. Philip K. Dick schuf Blade Runner und plötzlich kam die langsame Erkenntnis, dass unsere Gegenwart den Visionen aus Dicks Vergangenheit ähneln. Ähnliches zeichnet sich bei der Entwicklung unserer Technik-Kultur ab, die die Science Fiction Literatur immer mehr in den Vordergrund bringen wird, mehr und mehr.

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Eine Frage an den privaten Gregory Benford: Welchen Traum willst Du Dir unbedingt noch erfüllen?

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Länger leben! Ich gründete mehrere genetische Unternehmen nach dem Tod meiner Frau, und wir haben mittlerweile nützliche Produkte, die die Vitalität bis zu einem Alter von nahezu 100 Jahren verlängern. Außerdem möchte ich den Weltraum kommerzialisieren, um die riesigen Ressourcen unseres Sonnensystems zu öffnen, damit ein Großteil der Menschheit sich dorthin begeben kann. Alle diese Ziele sind stark miteinander verbunden.

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Dein neuester Roman ist eine Zusammenarbeit mit dem wunderbaren Autor Larry Niven. In Himmelsjäger (Bowl Of Heaven) entdeckt die Menschheit in der Zukunft ein schüsselförmiges Gebilde, das mit einer Hälfte einen Zwergstern umschließt und dessen austretende Energie als Antrieb nutzt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

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In der Science-Fiction ist ein „Big Dumb Object“ (Großes dummes Objekt) ein riesiges, geheimnisvolles Objekt, das allein durch seine Anwesenheit ein intensives Gefühl der Verwunderung erzeugt. Sie müssen nicht in sich konstruiert sein, obwohl – vielleicht drückt sich so der „dumme“ Aspekt bei ihnen aus.
Larry sagte auf einer Party zu mir: „Große dumme Objekte sind so viel einfacher. Zerstörte Zivilisationen, wo wie ich es bei
Ringwelt gemacht habe, sind so viel einfacher. Los, lass es uns angehen.“
Ein Intelligentes Objekt ist statisch instabil, aber dynamisch stabil, so wie wir, wenn wir gehen. Wir fallen auf einem Bein nach vorn und fangen uns dann mit dem anderen selbst auf. Das benötigt eine Menge schnelle Signalverarbeitung und Koordination. (Wir sind das einzige große Tier ohne Schwanz, das dieses gemeistert hat. Zwei Beine sind eine wacklige Angelegenheit ohne ein großes Gehirn oder einem stabilisierenden Schwanz.) So schrieben wir
Himmelsjäger (Bowl Of Heaven) und entschieden, dass wir zwei Bände dazu brauchten , um das Ganze zu einem Großen Intelligenten Objekt aufzubauen . Das schüsselförmige Gebilde muss kontrolliert werden, denn es ist nicht neutral stabil. Nivens Ringwelt ist ein Großes Dummes Objekt, seit es passiv stabil ist, so wie wir, wenn wir still stehen. (Oder die Ringwelt würde Gefahr laufen, durch einen Schubser in die Sonne zu fallen. Dieses Problem konnte ziemlich einfach rechtzeitig gelöst werden. Larry setzte aktive Stabilisatoren in den zweiten Ringwelt-Roman ein.) Es gibt mehrere Große Dumme Objekte in der SF, aber soweit ich weiß eben keine inteligenten. Unser Großes Intelligentes Objekt ist größer ist als die Ringwelt und fliegt mit einem ganzen Stern als der Motor irgendwo hin.
Unser schüsselförmiges Objekt ist eine mehr als hundert Millionen Meilen große Muschel, das durch die Schwerkraft und einige elektrodynamischen Kräfte zu einem Stern wurde. Der Stern erzeugt einen langen Strahl aus heißem Gas, der so gut magnetisch eingeschlossenen ist, dass er durch ein Loch in der Krone der muschelförmigen Hülle ihn antreibt. Dieser Strahl treibt das gesamte System vorwärts – ein Stern verwandelte sich buchstäblich in den Motor eines „Schiffes“, welches die Muschel, also das schüsselförmige Objekt ist. Im Inneren der Muschel wächst eine aufstrebende Zivilisation. Die Struktur des Romans ähnelt nicht sehr Larrys Ringwelt, weil wir es mit dem Problem von Eingeborenen zu tun haben.
Unser Intelligentes-Schüssel-Objekt sitzt nicht einfach nur fest und wartet auf Besucher und die Bewohner leben ihren Alltag wie in
Ringwelt, sondern es bewegt sich.

Wir begannen mit dem Naheligendsten: Wohin gehen sie und warum?

Die Beantwortung dieser Frage nimmt den gesamten Rahmen der beiden Romane ein. Das macht den Spaß an intelligenten Objekten aus – sie flößen nicht nur Ehrfurcht ein, sondern sie faszinieren. Mein Großvater pflegte einst beim Krabbenfischen im Golf von Mexiko zu sagen: Ein Boot ist nur auf der Suche nach einer Stelle, um zu sinken.

Als wir begannen, uns solch ein neues, glänzendes Großes Intelligentes Objekt auszudenken, sagte ich: Eine künstliche Welt wartet geradezu darauf, aus den Nähten zu platzen.
Stell Dir vor: Du lebst nur wenige Meter von einem hohen Vakuum entfernt, das sich aufgrund der Drehbewegung (die die Zentrifugalkraft liefert) rasend schnell bewegt. Das macht es einfach, um Schiffe zu starten, da diese die Drehgeschwindigkeit in Bezug auf das Objekt oder die Ringwelt nutzen … aber das bedeutet auch, dass große Mengen an anfallenden Belastungen ausgeglichen werden müssen.
Lebewesen auf der Sonnenseite wollen basteln, neue Dinge ausprobieren …
„Weißt du Fred, ich denke, ich kann dieses Sanitär-Problem nur mit einem kleinen Rechtsdreher hier beheben. Uh-oops!“
Das Vakuum kann dich schon mal schnell heraussaugen. Plötzlich bewegst Du Dich mit tausend Kilometern pro Sekunde auf einer Tangente weg – um einiges schneller als die 50 km / s, die man benötigt, um dem Stern zu entkommen. So etwas macht die Erkundung von nahen Sternen auf „Vorbeiflieg-Missionen „einfach.

Aber dieser einfache Ausgang ist natürlich eine Gefahr. Auf einem Großen Intelligenten Objekt zu leben, bedeutet, dass man besser auf sich selbst aufpassen sollte.

Larry und ich haben mit diesen Ideen schon seit Jahren herumgespielt, bevor wir uns entschlossen, jetzt ernsthaft und tatsächlich diese Bücher zu schreiben. Dabei stellte sich heraus, ass es sogar noch mehr Spaß machte, als wir uns dachten. Hard SF funktioniert in der gleichen Art wie Wissenschaft – Kooperationen sind häufig und es gibt einen kulturellen Austausch, um die Durchführung von ausgearbeiteten Ideen durch Beispiele (Versuche) und Big Ideas (Theorie) voranzubringen. SF formte einst die Kultur, die moderne SF wahr gemacht hat – technisch-wissenschaftliche Macher, die unsere moderne Welt kreiert hat.

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Welchen Deiner Romane würdest Du heute anders schreiben, hättest Du die Möglichkeit dazu?

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Wahrscheinlich meinen ersten: „The Stars in Shroud“. Ich finde ihn heutzutage ein bisschen deprimierend, aber diese Stimmung hielt ich damals für serios. Ich war noch jung!

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Wärst du kein Schriftsteller, welchen Beruf hättest Du dann ergriffen?

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Ich bin ein Teilzeit-Schriftsteller! Mein richtiger Job war Professor der Physik und Astronomie an der UC Irvine. Ich bin jetzt im Ruhestand, halte aber mein Büro an der UCI aufrecht und leite mehrere Unternehmen fpr Genetik. Science Fiction kommt dann an dritter Stelle auf meiner Karriereleiter.

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Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Buchwelten wünscht Dir alles Gute für alle kommenden Veröffentlichungen.. Wer mehr über Gregory Benford erfahren möchte, sollte sich auf seiner Homepage umsehen.

© 2014 Gregory Benford / Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Wolfgang Brunner in conversation with Gregory Benford

 

Gregory Benford, born in 1941, is a well-known American science fiction author. As a physicist, he teaches at the University of California at Irvine.
With his time-travel novel, „Timescape“, an SF classics, Benford won the 180 Nebula Award and the John W. Campbell Memorial Award. In the 1990s he wrote one of the three authorized sequels of Isaac Asimov’s Foundation-cycle.

Buchwelten is very proud to present an interview with the literature prize winner.

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Gregory Benford means high quality in science fiction. Where do you get your ideas? Dreams, true stories or just concentrated thought?

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Research, mostly. Timescape came from my doctoral thesis at UC San Diego in the 1960s, plus my work while a Fellow at Cambridge, England in the middle 1970s. I published papers on tachyons, the theoretical particles that move faster than light, and on their quantum mechanics.My career as a lab and theoretical physicist gave me the intricate dance of academic research. My Galactic Center series of six novels came directly fromm my astrophysical work at Cambridge’s Center for Astronomy, where I introduced the idea of magnetically controlled jets—now the accepted wisdom—and the magnetic environment around the black hole at our own galactic center. Of course, novels aren’t about science expect as it enters through the lives of scientists. That seemed the right ground form me to explore in fiction, since so little fiction is about a primary human arena—work.

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You have continued together with David Brin and Greg Bear one of the most important works in science-fiction literature (Isaac Asimov’s Foundation-cycle). How does the work feel to you?

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Janet Asimov approached me. The idea of writing further novels in the Foundation universe came from Janet Asimov and the Asimov estate’s representative, Ralph Vicinanza. Approached by them, I at first declined, being busy with running the High Energy Density Physics Laboratory at UC Irvine, and my own novels. But my unconscious, once aroused, refused to let go the notion. After half a year of struggling with ideas plainly made for the Foundation—often coming in dreams, persistently demanding expression–I finally called up Ralph Vicinanza and began putting together a plan to construct a fittingly complex curve of action and meaning, to be revealed in several novels. Though we spoke to several authors about this project, the best suited seemed two hard sf writers broadly influenced by Asimov and of unchallenged technical ability: Greg Bear and David Brin.

Bear, Brin and I kept in close touch while I wrote the first volume, intending to create three stand-alone novels which none the less carry forward an overarching mystery to its end. Elements of this make their first appeared in Foundation’s Fear, then amplified further through Greg Bear’s Foundation and Chaos, finding completion in Brin’s Foundation`s Triumph. I planted in the narrative prefiguring details and key elements which bore later fruit.

I had always wondered: The Foundation series began in World War II, as America arced toward its zenith as a world power. The series played out over decades as the United States dominated the world’s matters in a fashion no other nation ever had. Yet the Foundation is about imperium and decline. Did this betray an anxiety, born even in the moment of approaching glory?

Plus we could work with the „fans are slans“ syndrome, the übermensch mentality in comic books, the hero as Achilles, beyond accountability to the great, unwashed masses…plenty of ground for comment on how we see our vast future.

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What are your literary heroes? And what do you read in your leisure time?

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Mainstream: John Updike, Hemingway, Faulkner, Ian McEwin, Raymond Chandler. SF: Heinlein, Clarke, Stapledon, Asimov, Ursula LeGuin, Joanna Russ. I read widely but in genre, Michael Connelly, James Cambias, Linda Nagata, Nancy Kress many!

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What kind of movies do you watch in your spare time?

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Lots of European films, liked recently the sf movies Her, Gravity, Under the Skin, Europa Report. Loved Run, Lola, Run.

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A writer usually has numerous projects in his head, that have not been written yet. Which one is currently your favourite and why do you have it not written already?

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I have two series stories that will become novels, one on a SETI Librarian, the other a woman entrepreneur in the solar system—both women centuries from now. Plus an anlernate history of WWII in which the USA does not make the mistakes it did make in our Manhattan Project, and we get the bomb in 1944. Germany gets saved from Hitler’s Gotterdamerung and we keep the Soviets out of the East. Much physics fun, too!

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Why, do you think, is it so hard for good sf to be accepted as a literary genre? At least it behaves here in Germany like this. Is it possibly in the U.S. Different?

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SF is slowly gaining acceptance, as hardboiled detective fiction did in the 1940s onward. Now Chandler and J D McDonald have stood the test of time against our old enemies, the literary gatekeepers of conventional wisdom. Phil Dick made it with Bladerunner and then the slow realization that our present resembles his past visions. Similar ways of looking at our evolving technoculture will bring sf to the fore, more and more.

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A question to the private Gregory Benford: What dream do you still want to make true?

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Living longer! I started several genetic companies after my wife died, and we now have useful products that can extend vitality into ages approaching 100. Plus getting into space commercially, opening the vast resources of our solar system to uplift the bulk of humanity. All these goals are intricately interconnected.

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Your latest novel is a collaboration with the wonderful author Larry Niven. How did it happen?

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In science fiction, a Big Dumb Object is any immense mysterious object that generates an intensesense of wonder just by being there. They don’t have to be inert constructs, though – so perhaps the dumb aspect also expresses the sensation of being struck dumb by the scale of them.

Larry said to me at a party, “Big dumb objects are so much easier. Collapsed civilizations are so much easier, the way I did Ringworld. Yeah, let’s bring them up to speed.” A Smart Object is statically unstable but dynamically stable, as we are when we walk. We fall forward on one leg, then catch ourselves with the other. That takes a lot of fast signal processing and coordination. (We’re the only large animal without a tail that’s mastered this. Two legs are dangerous without a big brain or a stabilizing tail.) So we wrote Bowl of Heaven, deciding that we needed two volumes to do justice to a Big Smart Object. The Bowl has to be controlled, because it’s not neutrally stable. His Ringworld is a Big Dumb Object since it’s passively stable, as we are when we stand still. (Or the ringworld would be except for nudges that can make it fall into the sun. Those are fairly easy to catch in time. Larry put active stabilizers into the second Ringworld novel.)

There’ve been several Big Dumb Objects in sf, but as far as I know, no smart ones. Our Big Smart Object is larger than Ringworld and is going somewhere, using an entire star as its engine.

Our Bowl is a shell more than a hundred million miles across, held to a star by gravity and some electrodynamic forces. The star produces a long jet of hot gas, which is magnetically confined so well it spears through a hole at the crown of the cup-shaped shell. This jet propels the entire system forward – literally, a star turned into the engine of a “ship” that is the shell, the Bowl. On the shell’s inner face, a sprawling civilization dwells. The novel’s structure doesn’t resemble Larry’s Ringworld much because the big problem is dealing with the natives.

Our smart Bowl craft is also going somewhere, not just sitting around, waiting for visitors like Ringworld–and its tenders live aboard.

We started with the obvious: Where are they going, and why?

Answering that question generated the entire frame of the two novels. That’s the fun of smart objects – they don’t just awe, they intrigue.

My grandfather used to say, as we headed out into the Gulf of Mexico on a shrimping run, A boat is just looking for a place to sink.

So heading out to design a new, shiny Big Smart Object, I said, An artificial world is just looking for a seam to pop.

You’re living just meters away from a high vacuum that’s moving fast, because of the Bowl’s spin (to supply centrifugal gravity). That makes it easy to launch ships, since they have the rotational velocity with respect to the Bowl or Ringworld… but that also means high seam-popping stresses have to be compensated. Living creatures on the sunny side will want to tinker, try new things…

Y’know Fred, I think I can fix this plumbing problem with just a drill-through right here. Uh—oops!”

The vacuum can suck you right through. Suddenly you’re moving off on a tangent at a thousand kilometers a second—far larger than the 50 km/sec needed to escape the star. This makes exploring passing nearby stars on flyby missions easy.

But that easy exit is a hazard, indeed. To live on a Big Smart Object, you’d better be pretty smart yourself.

Larry and I kicked these ideas around for years before we decided to get serious and actually write the books. That turned out to be even more fun. Hard SF works the way science does —collaborations are common, and there’s a cultural conversation, carrying forward ideas through worked out examples (experiments) and Big Ideas (theory). SF models the culture that brought modern SF into being — the techno-scientific doers who made our modern world.

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Which one of your novels would you write differently today, if you would have the chance?

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Probably my first, The Stars in Shroud. I find it a bit depressing now, a mood I mistook for gravitas. I was young!

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If you were not a writer, what job you had taken then?

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I’m a part time writer! My real job was as a professor of physics & astronomy at UC Irvine. I’m retired from that, but keep my UCI office, and am running several genetics companies. Fiction comes in third place, then, in my career list.

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Thank you for answering my questions and Buchwelten still wants all the best for all your upcoming releases.

More about Gregory Benford on his Homepage.

© 2014 Gregory Benford / Wolfgang Brunner for Buchwelten

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Gastrezension: Die Weisse Frau – Eine Legende vom Schloß Ringenberg aus Hamminkeln von Wolfgang Brunner (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
denmächst im Candela Verlag
1. Auflage vergriffen.

Wolfgang Brunner, der sich als Schriftsteller nicht auf ein Genre eingrenzen lässt, hat sich nach seinen beiden Fantasy-Büchern (‚Cryptanus I & II‘), einem Kinderbuch (‚Kim Schepper und die Kinder von Marubor‘) und dem Horror-Roman ‚Nachtzug‘, in seinem neuen Roman einer alten Legende aus seiner Wahlheimat Hamminkeln am Niederrhein zugewandt.

Im dortigen Schloss Ringenberg wird von einer mysteriösen weißen Frau berichtet, die seit mehreren hundert Jahren in dem alten Gebäude spuken soll. Nun wäre dies ja nichts Ungewöhnliches; jede Burg, jedes Schloss hat ja bekanntlich ihr Gespenst. Aber was Wolfgang Brunner aus dieser einfachen Geschichte macht, ist fantastisch.

Ein junger Student hat ein Kunststipendium im Schloss Ringenberg bekommen. Dem jungen Maler dient vor allem Edgar Ende als Vorbild. – (Im Roman wird öfter das Bild ‚Die Letzten‘ des surrealistischen deutschen Malers erwähnt. Das Bild ist meines Erachtens wirklich toll, und es lohnt sich auf jeden Fall, während des Lesens das Gemälde einmal im Internet anzuschauen.) – Schon nach wenigen Tagen erscheint dem Studenten mit dem Namen Dirk Friedemann die mysteriöse ‚weiße Frau‘ im Traum. In weiteren Träumen erfährt er mehr über die Hintergründe der Geschichte, und ich muss zugeben, es fiel mir manchmal schon ziemlich schwer, nicht weiter hinten im Buch zu ‚kiebitzen‘. Aber die Gefahr war schnell vorüber, denn Wolfgang Brunner hält den Spannungsbogen so hoch, dass es schade gewesen wäre, etwas zu versäumen. Eine zarte Liebesgeschichte zwischen Dirk Friedemann und einer Mitstudentin fließt ebenfalls in die Geschichte ein und setzt in gewisser Weise auch einen Bogen zwischen Vergangenheit und Neuzeit.

Beim Lesen habe ich mich in Schloss Ringenberg gleich wohlgefühlt. Brunner hat die Atmosphäre so geschickt eingefangen, dass ich manchmal das Gefühl hatte, die alten Treppen knarren zu hören oder den besonderen Geruch, den Burgen und Schlösser haben zu spüren. In den Traumsequenzen des Romans fühlte ich mich in eine ferne Vergangenheit zurückversetzt, die dank des Könnens des Autors vor meinem geistigen Auge entstand. Ich fand es toll mit Dirk Friedemann in die Geschichte einzutauchen, denn Wolfgang Brunner hat in die spannende Handlung immer wieder auch geschichtliche Hintergründe des 16. Jahrhunderts (die Geschichte des Schlosses geht bis in das frühe 13. Jahrhundert zurück) am Niederrhein eingewoben, und zwar so geschickt, dass der Leser weder den Spannungsfaden des Romans verliert, noch sich durch eine allzu trockene Geschichtsstunde gelangweilt fühlen würde.

Als kleines Kuriosum (?) taucht in dem Roman übrigens in einer winzigen Nebenepisode der Protagonist des Romans ‚Nachtzug‘ Thomas Kassner mit seiner neuen Lebensgefährtin auf; eine Art ‚Alter ego‘ des Autors?

Seit dem ersten ‚Cryptanus‘-Roman, bin ich ein begeisterter Leser der Bücher Wolfgang Brunners. Dieses Buch aber hat mich ganz besonders begeistert. Als jemand, der sich sehr oft und sehr intensiv mit Geschichte beschäftigt, war es ein Erlebnis mehr über die Geschichte des Niederrheins zu erfahren (eine Gegend, die für mich eher ein weißer Fleck war und der ich mich nun, dank Wolfgang Brunner, ein bisschen mehr widmen werde), und gleichzeitig auf das Vorzüglichste und Spannendste unterhalten zu werden.

In welches Genre würde ich den Roman einordnen? Er beinhaltet sowohl Geschichte, ein bisschen wohliges Gruseln und viel Spannung. Das Buch ist auch eine Liebeserklärung an seine Wahlheimat Hamminkeln. Aber eigentlich ist es ein Lied auf die Liebe, eine Liebe, die sich durch den ganzen Roman zieht, eine Liebe die stärker als der Tod ist. Diese Liebe wird von von Brunner sehr romantisch geschildert, ohne dabei je kitschig zu wirken.

Das Buch aus dem Verlag P&B aus Wangen ist sehr schön gestaltet. Das ansprechende Cover mit einer Illustration von Schloss Ringenberg hat mich sofort begeistert. Matthias V. Beckmann hat in dieser Zeichnung eine idyllische und gleichzeitig geheimnisvolle Atmosphäre geschaffen, die beim Betrachten Appetit darauf macht, das Buch aufzuschlagen und gleich mit dem Lesen anzufangen.

Sowohl die spannende und gut geschriebene Geschichte und auch die attraktive Aufmachung des Buches bekommen von mir aus Überzeugung 5 Sterne. Ich freue mich schon auf die nächste Geschichte aus der ‚Feder‘ Wolfgang Brunners.

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Geschrieben von
Frank Olaf Paucker „FOP“
01.02.2012

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