Junktown von Matthias Oden

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 400 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31821-2
Kategorie: Science Fiction, Krimi

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In einer Welt, in der der Konsum von Drogen gesetzlich vorgeschrieben ist, wird Inspektor Solomon Cain in Junktown zu einem Mord-Tatort gerufen. Das Opfer ist ein höheres Maschinenwesen mit Gefühlen, eine sogenannte Gebärmutter, die für den Staat Geburten austrägt. Während Cains Ermittlungen stellt sich heraus, dass es nicht nur ein „einfacher“ Mord war, sondern eine Tat, die sich aus Vertuschungen zu einem sensationellen Skandal entwickelt. Bald ist Cain ein einsamer Kämpfer gegen einen mächtigen Gegner …

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Zugegebenermaßen dauerte es etwas, bis ich mich in den Debütroman von Matthias Oden eingefunden hatte. Obwohl sein Schreibstil klar und flüssig ist, musste ich mich dennoch irgendwie daran gewöhnen und mich mit ihm vertraut machen. Jede Menge Fremdbegriffe, mit denen man zuerst einmal nichts anfangen kann, werden einem auf jeder Seite präsentiert und verunsichern etwas. Da mag der ein oder andere ungeduldige Leser vielleicht sogar resigniert aufgeben, weil er zu wenig von dem Ganzen versteht. Doch wenn man die ersten Seiten hinter sich gelassen hat, wird man mit einem tollen, ideenreichen Krimi-Plot in Science Fiction-Atmosphäre belohnt. Odens Roman wirkt wie eine Mischung aus Philip K. Dicks „Blade Runner“ , George Orwells „1984“ und einem Schuss Film Noir. Eine wirklich außergewöhnliche und stimmungsvolle Atmosphäre zieht sich durch den kompletten Roman und verleitet oft zum Weiterlesen, obwohl man schon längst hätte aufhören wollen.

Am faszinierendsten an „Junktown“ fand ich allerdings den originellen und unersättlichen Einfallsreichtum, der sich auf fast jeder Seite eröffnet. Alleine die Ideen zu erfassen gleicht einem unglaublichen Abenteuer, das Oden dann noch geschickt in eine äußerst glaubwürdige und nachvollziehbare Handlung verwebt. Die Maschinenwesen erinnerten mich, wie gesagt, ein wenig an „Blade Runner“, aber Matthias Oden geht definitiv einen eigenen Weg und erschafft eine Zukunftsvision, in der man sich verlieren kann, wenn man sich darauf einlässt beziehungsweise einlassen kann.  „Junktown“ ist auch definitiv politisch, vieles ist offensichtlich, anderes zwischen der Zeilen versteckt. Wer sich mit Politik auskennt, wird einiges entdecken. Erfreulicherweise ist aber die Geschichte auch  für diejenigen Leser, die sich nicht besonders für Politik interessieren, absolut spannend und nachvollziehbar.

Mathias Oden hat eine zukünftige Welt entworfen, die gar nicht so sehr abwegig wirkt. Drogenkonsum als Pflicht mag unwahrscheinlich klingen, aber durch solch eine Vorgehensweise hätte die Regierung absolute Kontrolle über ihre Bürger. Das wäre doch selbst für die heutigen Politiker mehr als erstrebenswert, oder? Es macht einfach unglaublich Spaß, den Ermittlungen des Inspektors zu folgen und sich in dem detailliert entworfenen Weltbild einer Zukunft zurechtzufinden. Der Plot hätte durchaus noch ein wenig mehr Gesellschaftskritik vertragen, aber letztendlich hätte der Autor dann den Kreis einer interessierten Leserschaft massiv eingeschränkt. So verträgt sich ein spannender Plot aber mit sarkastischen, politischen Beanstandungen hervorragend.

Was dem Autor auch absolut gut gelungen ist, ist die Charakterzeichnung und die Gefühlswelt einer Mensch-Maschine. Neben der Krimihandlung webt Oden auch eine Liebesgeschichte mit ein, die mir persönlich absolut gefallen hat, so dass ich mir in der Tat mehr davon gewünscht hätte. Zum einen hat dieser Beziehungsstrang die Handlung ein wenig aufgelockert, zum anderen hat er der erfundenen Zukunftswelt auch die nötige Authentizität verliehen, denn Sex mit Maschinen könnte in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft tatsächlich zur Realität werden.
Viele der außergewöhnlichen Ideen werden nur mit einem einzigen Satz angesprochen und regen den Leser dazu an, darüber nachzudenken, was sich denn  dahinter verbirgt. Für den ein oder anderen mag das zu wenig sein, für mich brachten genau diese Stellen  meine Fantasie und mein Kopfkino zum Einsatz. Da wird nicht lange erklärt, sondern zum Beispiel einfach nur der Begriff „Spermabad“ in den Raum geworfen und der Leser kann sich selbst ein Bild davon machen, wie so eine Institution aussieht. Ich finde, man muss nicht alles vorgesetzt und detailliert beschrieben haben, sondern kann auch mal selbst seine Fantasie spielen lassen. In dieser Hinsicht hat Matthias Oden es aus meiner Sicht richtig gemacht.

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Fazit: Matthias Oden entwirft mit „Junktown“ ein fast trostloses Zukunftsbild. Düster, dreckig und innovativ wird ein spektakulärer Mordfall beschrieben, dessen Atmosphäre im Kopf haften bleibt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Arkonadia-Rätsel von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
544 Seiten
15,00 €
ISBN: 978-3-492-70426-7

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Jasper und seine Tochter Jasmin sind im Auftrag von Omni, einer Vereinigung von mächtigen Zivilisationen der Milchstraße, unterwegs zum Planeten Arkonadia. Dort taucht alle 453 Jahre ein seltsames Objekt, das Nerox, genannt wird auf und verhilft demjenigen, der es betreten kann, zu großer Macht über Arkonadia. Doch mit dem Erscheinen des Nerox geht es nicht nur um Macht über den Planeten Arkonadia, sondern das Objekt verbirgt ein Geheimnis, das eine Milliarde Jahre lang verborgen war und nun endlich gelöst werden soll.

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Wie bei jedem neuen Buch von Andreas Brandhorst schwelt im Hinterkopf der Gedanke, ob er es auch dieses Mal wieder schafft, die hohe Meßlatte, die er sich selbst mit seinen bisherigen Romanen gesetzt hat, zu erfüllen. Schon nach den ersten fünfzig Seiten war mir klar, dass es ihm gelungen ist.
Auf faszinierende Weise schafft es Brandhorst erneut, seine Leser mit seiner bildhaften Erzählweise und dem hochwertigen Schreibstil in seinen Bann zu ziehen. Und wieder begegnet der aufmerksame Leser eine Vielzahl an Anspielungen der Film- und Literaturwelt, die so geschickt in die Handlung einbezogen werden, dass es eine wahre Freude ist. „Das Arkonadia-Rätsel“ schließt an die Handlung von „Omni“, dem ersten Roman aus dem Omniversum an, kann aber auch ohne weiteres als selbständiges Werk gelesen werden. Besitzt man allerdings das Vorwissen des ersten Teils, haben die Geschehnisse dennoch eine andere (bessere) Wirkung. Brandhorst bleibt sich treu, webt philosophische Überlegungen in den Plot, das man eigentlich nur begeistert sein muss. Ähnlich wie ein anderer meiner SF-Lieblingsautoren, nämlich Stephen Baxter, führt Andreas Brandhorst seine Leser an Grenzen (und sogar darüber hinaus), die manchmal das menschliche Vorstellungsvermögen überschreiten, aber trotzdem dermaßen bildlich beschrieben werden, dass diese Szenen fast schon einem literarischen Drogenrausch gleichen. Es ist wirklich unglaublich, wie dieser Autor galaktische Grenzen mit faszinierenden Ideen überschreitet – und dies auch noch nachvollziehbar erzählen und erklären kann.

Zwei Handlungsstränge vereinigen sich im Laufe des Romans. Dadurch schafft Brandhorst wieder einmal einen regelrechten Pageturner, denn ich wollte immer wissen, wie es in der anderen Geschichte weitergeht. Der Plot zeigt auch immer wieder überraschende Wendungen (vor allem gegen Ende) und schraubt die Spannungsschraube gleichmäßig im Verlauf der Handlung nach oben. Aber gerade die teils ruhige, melancholische Stimmung dieses Romans war es, die mich besonders faszinierte. „Das Arkonadia-Rätsel“ ist, wie der erste Star Trek-Kinofilm, ein beeindruckender, oftmals stiller Trip an den Rand der Milchstraße, die man nicht so schnell vergisst. Und obwohl keine Oder nur wenige) Weltraumschlachten á la Star Wars vorkommen, hat man am Ende das Gefühl, einer epischen Reise beigewohnt zu haben.

An einigen Stellen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Brandhorst sich auch einmal in Richtung Steampunk austoben wollte. Besagte Stelle erinnerte mich auch irgendwie an Stephen Kings Zyklus vom „Dunkeln Turm“. Ob das beabsichtigt ist, kann ich schwer beurteilen. Sollte es allerdings so sein, dann kann ich nur sagen „Hut ab, Herr Brandhorst.“ 🙂
An Ideenreichtum mangelt es auch dem neuen Buch aus dem Omniversum auf keiner einzigen Seite. Und auch die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren ist auf hohem Niveau durchdacht. Doch selbst den Nebenfiguren wurde erfreulicherweise „echtes“ Leben eingehaucht und hat zur Folge, das man mit ihnen mitfühlt und -fiebert.
Andreas Brandhorst schafft auch mit seinem neuen Buch, was andere Autoren zwar versuchen, aber oftmals einfach nicht in dieser Art hinbekommen: Spannung, Liebe, Philosophie, Intrigen, das Leben und der Tod in eine faszinierende Geschichte zu verpacken. Brandhorsts Romane machen süchtig. Nun muss man erst einmal wieder warten, bis neuer Lesestoff vom deutschen Meister der intelligenten, literarisch hochwertigen Science Fiction kommt.

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Fazit: Spannung und Philosophie in eine atemberaubende Handlung verpackt. Kultpotential mit Suchtgefahr.

© 2017  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Medusa Chroniken von Stephen Baxter & Alastair Reynolds

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31784-0
Kategorie: Science Fiction

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Bei einem Unfall verliert Commander Howard Falcon beinahe sein Leben. Nur durch hoch entwickelte Technologien und außergewöhnlicher Maßnahmen kann er gerettet werden. Aber der größte Teil seines menschlichen Körpers muss maschinellen Teilen weichen, so dass sich Falcon zu einer menschlichen Maschine entwickelt. Im Laufe von Jahrhunderten wird er immer mehr zu einer intelligenten Maschine, während er dennoch seine Menschlichkeit behält. Als Künstliche Intelligenzen die Macht an sich reißen wollen, begibt sich Falcon als Vermittler auf eine gefährliche, aber auch faszinierende Reise zum Jupiter.

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Als großer Stephen Baxter-Fan war ich natürlich neugierig, wie eine Zusammenarbeit zwischen ihm und einem weiteren meiner Lieblingsautoren, nämlich Alastair Reynolds, wohl funktionieren würde. Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen und entführt den Leser in, von beiden Autoren gewohnt, visionäre Welten. An manchen Stellen erkennt man eindeutig Baxters Handschrift, an anderen Stellen liest man Reynolds‘ heraus, aber insgesamt verschmelzen die beiden Schreibstile der beiden Autoren  zu einem außergewöhnlichen Ganzen.
Inspiriert von Arthur C. Clarkes Kurzgeschichte „Ein Treffen mit Medusa“, die übrigens im Buch als Anhang enthalten ist, führen Baxter und Reynolds die Geschichte (und vor allem den Geist der Geschichte im Sinne von Clarke) so perfekt weiter, das es eine wahre Freude ist.

Anfangs ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn man Jahrhunderte immer nur in kurzen Geschichten erlebt. Lässt man sich auf dieses Spiel allerdings ein, bekommt man im Laufe des Romans ein unglaublich intensives Bild von Falcons Leben und den Geschehnissen, die in diesen Zeitspannen in der Welt(politik) passiert sind. Es erscheint wie ein Puzzle, bei dem man erst am Ende ein gesamtes Bild zu sehen bekommt. Erst am Ende begreift man, welch einem ereignisreichen Leben und epischen Entwicklungen der Menschheitsgeschichte man beigewohnt hat. Mit visionären Ideen zeigen die beiden Starautoren realistisch, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Es ist atemberaubend, wie perfekt sich die Einzelgeschichten aus dem Leben des Protagonisten am Ende zu einem Gesamten zusammenfügen, das einen dermaßen mitreißt, das man die Welt und die Zeit um sich herum vergisst.

Schreibtechnisch bewegen sich „Die Medusa Chroniken“ auf sehr hohem Niveau und beide Autoren schaffen es, unglaublich erscheinende Begebenheiten absolut glaubwürdig darzustellen. Durch den sozusagen unsterblichen Maschinen-Menschen Howard Falcon haben die beiden einen Protagonisten erschaffen, mit dem zusammen der Leser Zeitzeuge einer über siebenhundert Jahre dauernden Entwicklung auf der Erde und im Weltraum wird. Der Aufbau des Romans ist grandios, wenn man am Ende nochmal auf die Ereignisse zurückblickt und den Plot Revue passieren lässt.
Atemlos macht einen aber das Finale, das wohl hauptsächlich aus der Feder (oder zumindest aus dem Kopf) von Stephen Baxter stammt, denn wie in so vielen von Baxters Science Fiction-Visionen, überschreitet auch hier der Protagonist die Grenzen menschlichen Vorstellungsvermögens. Das Ende der Geschichte gleicht einer Achterbahnfahrt, die man mit angehaltenem Atem verschlingt und sich dabei immer wieder fragt, wie jemand auf solch genialen Ideen kommen kann. „Die Medusa Chroniken“ bleiben im Gedächtnis haften. Sie führen eine preisgekrönte Kurzgeschichte von Arthur C. Clarke kultverdächtig fort und erschaffen ein Kopfkino der Extraklasse.
Wer allerdings Weltraumschlachten und Alien-Invasionen erwartet, wird wohl enttäuscht sein, denn die Herren Baxter und Reynolds haben einen melancholischen, nichtsdestoweniger epischen, Blick auf die Zukunft der Menschheit und das lange Leben eines im Grunde genommen einsamen Mannes entworfen. Für mich ein Meisterwerk, das mich oft auch an die grandiosen Romane des deutschen Schriftstellers Andreas Brandhorst erinnert hat.

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Fazit: Ruhig und melancholisch mit einem atemberaubenden, visionären Ende. Ein Meisterwerk zweier Meister!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das zweite Schiff (Rho Agenda 1) von Richard Phillips

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
432 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-3-492-26991-9

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Im Jahr 1948 kann das amerikanische Militär in New Mexico ein abgestürztes, außerirdisches Raumschiff bergen. Über Jahrzehnte hält die Regierung diesen spektakulären Fund geheim. Bis eines Tages drei Jugendliche durch Zufall ein zweites Raumschiff entdecken und damit ein bedrohliche Hetzjagd ins Rollen bringen …

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Schon nach den ersten Seiten wird klar, dass man es bei „Rho Agenda“ mit einem klassischen Science Fiction-Roman zu tun bekommt, der technische Hard-SF mit jugendlichem Abenteuerroman verbindet. Das Konzept geht auf und man wird sofort von der bildhaft geschilderten Handlung mitgerissen. Wie bei einem typischen SF-Film aus den 80er-Jahren begleitet der Leser drei jugendliche Freunde, die durch Zufall einen spektakulären Fund machen und zuerst unschlüssig sind, wie sie sich verhalten sollen. Phillips braucht eine Weile, um dem Leser die Protagonisten nahe zu bringen, vor allem denkt man anfangs, es handelt sich vielmehr um Erwachsene als um Jugendliche. Aber das ändert sich schon bald.

Dem Verlag (und auch dem Buch) wird wohl des Öfteren vorgeworfen, es handle sich um eine Mogelpackung, da der Verlag den Roman als Buch für Erwachsene anpreist. „Bei „Das zweite Schiff“, übrigens dem ersten Teil eines Zyklus, handelt es sich in der Tat um einen Genremix aus Teenager-Abenteuer, Mystery und Science Fiction. Aber was ist so schlimm daran, dass Jugendliche die Hauptperson spielen? Und als typisches Jugendbuch würde ich dieses Werk auch nicht unbedingt bezeichnen, denn an manchen Stellen wird es schon auch einmal brutal und blutig. Ich für meinen Teil habe diese Geschichte wirklich sehr genossen, zumal sie ich, wie schon oben erwähnt, an SF-Filme wie „Explorers“, „Zathura“ oder die Serie „Roswell“ erinnert hat.
Richard Phillips‘ Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und hält, bis auf einige umgangssprachliche Ausrutscher (die allerdings auch an der Übersetzung liegen könnten), ein durchwegs ansprechendes Niveau.

Sicherlich strotzt der Plot nur so von klischeehaften Bildern der Guten und der Bösen. UFOs, FBI, Serienkiller und drei Jugendliche, die alles in den Griff kriegen, das hat schon was von Enid Blytons „Fünf Freunde“ oder Alfred Hitchcocks „Die drei ???“. Aber auch so etwas hat seine Existenzberechtigung und ist noch um Längen besser wie so manch genauso klischeebehafteter Action-Blockbuster des heutigen Kinos. Richard Phillips hat mit diesem ersten Abenteuer einen soliden Grundstein für die weitere Geschichte gelegt und, wenngleich die Charaktere nicht immer optimal ausgearbeitet wirkten, so habe ich sie auf gewisse Art und Weise ins Herz geschlossen und bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht. Wir haben es bei diesem Roman also mit einer zwar seichten, aber durchaus funktionierenden Unterhaltung zu tun, die zudem auch noch spannend und sehr bildhaft erzählt wird. Ich hatte einen Riesenspaß mit dem ersten Teil der „Rho Agenda“-Serie und freue mich schon auf Teil 2 und 3. Bleibt nur zu hoffen, dass der Verlag die weiteren Bände, von denen im Original bereits zwei weitere erschienen sind, ebenfalls publiziert.

Für Science Fiction- und Abenteuerfans kann ich „Das zweite Schiff“ trotz klitzekleiner Makel nur empfehlen.

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Fazit: Äußerst spannender und absolut unterhaltsamer Science Fiction-Roman mit sympathischen, jugendlichen Protagonisten und dem charmanten Flair von 80er Jahren-Filmen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Enceladus von Brandon Q. Morris

Erschienen als Taschenbuch
bei CreateSpace Independent Publishing Platform
444 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-1542629195

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Eine Sonde entdeckt im Jahr 2031 auf dem Saturnmond Enceladus Spuren, die eventuell auf eine außerirdische Lebensform hinweisen. Fünfzehn Jahre später macht sich ein bemanntes Raumschiff auf den Weg durch das All, um den Hinweisen nachzugehen. Doch schon kurz nach dem Start scheint das Unternehmen zum Scheitern verurteilt zu sein. Doch die Crew gibt nicht auf und hält an ihrer Mission fest …

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Ich stieß durch Zufall auf „Enceladus“ und wurde aufgrund der Inhaltsangabe neugierig. Schon auf den ersten Seiten wusste ich, dass mir das Buch gefallen würde. Morris (hinter diesem Pseudonym verbirgt sich übrigens der Schriftsteller, Physiker und Weltraumspezialist Matthias Matting) geht sofort in die Vollen und wirft den Leser in eine unglaublich authentische Welt der Forschung und Raumfahrt. Die Dialoge sind unglaublich gut gelungen und vermitteln das Gefühl, man wäre direkt mit dabei. An manchen Stellen fühlte ich mich bei den Gesprächen an Science Fiction-Klassiker wie unter anderem  „Dark Star“ von John Carpenter, „Mission To Mars“ von Brian dePalma oder auch „Apollo 13“ von Ron Howard erinnert. Durch diese wissenschaftlichen Dialoge schafft Morris innerhalb weniger Augenblicke eine sehr intensive und vor allem glaubwürdige Atmosphäre. Der Schreibstil ist sehr flüssig und kurzweilig.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: Zum einen begleiten wir die Crew auf ihrer Reise durchs Weltall und zum anderen nehmen wir an der Erforschung des Saturnmondes Enceladus teil. Sowohl im ersten wie auch im zweiten Teil kann Morris mit seinem Schreibstil absolut überzeugen und lässt einen beeindruckenden Film im Kopfkino des Lesers ablaufen. Sicherlich fühlt man sich oftmals an Werke von Arthur C. Clarke, Alistair Reynolds, Stephen Baxter oder zuletzt Andy Weirs „Der Marsianer“ erinnert, aber aus meiner Sicht hat Morris einen ganz eigenen Stil gefunden, der für mich „Enceladus“ zu einem echten Pageturner gemacht hat. Ich wollte das Buch an keiner Stelle so richtig aus der Hand legen, so hat mich der Plot und die Beschreibungen fasziniert. Auch wenn die Charaktere nicht hundertprozentig in die Tiefe gehen, den Hauptprotagonisten einmal ausgenommen, so wirkt sich das keinesfalls störend auf die Geschichte aus. Ich konnte zumindest zu allen Personen eine halbwegs vernünftige Verbindung aufbauen, was mir auch völlig gereicht hat.

Anfangs dachte ich, Morris verzettelt sich in zu vielen wissenschaftlichen Details. Aber das passierte wirklich nur an einigen Stellen und erledigte sich später von selbst. 😉 Die Vorgänge werden teils sehr detailliert geschildert, wirkten aber niemals langweilig (oder sogar besserwisserisch) auf mich, sondern fügen sich einfach perfekt in den Handlungsablauf ein, so dass ein glaubwürdiges Szenario entstand, dem ich mich wirklich schwer entziehen konnte. Ich war sozusagen auf dieser Mission mit dabei.
Vielen wird dieser wissenschaftliche Roman zu ruhig und langweilig sein. Ich persönlich verliere mich gerne in solchen „ruhigen“ Szenarien, die auf engem Raum im Weltall spielen. Morris hat einen „Film“ geschrieben, der fesselt. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil und die Fortführung dieser sehr interessanten Geschichte.

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Fazit: Spannend, kurzweilig und wissenschaftlich authentische Science Fiction aus Deutschland mit einem filmreifen Plot. Daumen hoch!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Bluescreen von Dan Wells

bluescreen

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 368 Seiten
Preis:  12,99  €
ISBN: 978-3-492-28021-1
Kategorie: Science Fiction

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Los Angeles 2050. Fast alle Menschen sind durch ein Implantat im Kopf, einem sogenannten Djinni, 24 Stunden am Tag online. So auch die junge Marisa, die im Stadtteil Mirador wohnt und mit ihren Freunden mehr Zeit in virtuellen Welten verbringt als in der Realität.  Als die Jugendlichen auf eine virtuelle Droge namens Bluescreen stoßen, decken sie eine unglaubliche Verschwörung auf …

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In Dan Wells neuem Roman wird eine Zukunft aufgezeigt, die höchstwahrscheinlich gar nicht mehr so weit entfernt ist. Ich wage zu behaupten, dass wir nicht, wie im Roman angegeben, bis zum Jahr 2050 warten müssen, um eine Menschheit anzutreffen, die größtenteils durch Implantate 24 Stunden online ist.
Wells entwirft ein sehr glaubwürdiges Szenario, das mich anfangs sehr stark an Tad Williams‘ grandioses „Otherland“-Epos erinnert hat. „Bluescreen“ erreicht allerdings die Komplexität und den Ideenreichtum der „Otherland“-Reihe nicht, begibt sich aber im Verlaufe der Handlung sowieso auf ein völlig anderes, eigenständiges Terrain.  Wells schafft es durch seinen überaus gut lesbaren Schreibstil, den Leser von Anfang an gefangen zu nehmen und für die Geschichte zu interessieren.
Die technischen Errungenschaften, die sich Dan Wells ausgedacht hat, können allesamt überzeugen, weil sie sehr realitätsnah beschrieben werden und ich keine Logikfehler entdecken konnte.

Die Charakterisierung der Hauptpersonen ist Wells nur teilweise gelungen. Von der Hauptprotagonistin Marisa einmal abgesehen, erhalten die restlichen Figuren nicht wirklich Tiefe, was aber daran liegen kann, dass es sich bei „Bluescreen“ um den Auftakt einer neuen Reihe handelt und der Autor eine nähere Charakterzeichnung in den Folgebänden durchaus noch nachholen könnte. Nichtsdestotrotz sind „Guten“ sehr sympathisch dargestellt und wachsen einem trotz der genannten „Gesichtslosigkeit“ irgendwie ans Herz. Dennoch reißt der Plot mit und lässt durch die oftmals ausdrucksstarke Beschreibung im Kopf des Lesers Bilder wie in einem Science Fiction-Film erscheinen. „Bluescreen“ ist ein dystopisches Science Fiction-Abenteuer, das jugendliche und erwachsene Leser gleichermaßen begeistern wird. Gekonnt meistert Wells die Grenze zwischen einem Jugendbuch und einem ernstzunehmenden Science Fiction-Szenario, so dass man sein neues Werk auf jeden Fall als typischen All Age-Roman bezeichnen kann.

So drastisch und gefährlich Wells die Gefahren einer steten Online-Präsenz auch darstellt, so möglich erscheinen sie einem dennoch, wenn man den technischen Fortschritt der letzten Jahre beobachtet. All die Gefahren, die auf die Protagonisten in „Bluescreen“ einprasseln, könnten bald schon in genau dieser Art und Weise geschehen. Dan Wells schlägt mit seiner neuen Reihe einen komplett anderen Weg als in seinen John Cleaver-, aber einen ähnlichen wie in seinen Partials-Romanen, ein. Das leicht dystopisch angehauchte Abenteuer wirkt erfrischend und unverbraucht, obwohl es irgendwie gar nicht so sehr vor innovativen Ideen sprüht.  Aber das macht gar nichts, denn man kann das Buch trotzdem schwer aus der Hand legen. Der Endkampf dauert mir, ehrlich gesagt, ein wenig zu lange. Aber das ist wohl Geschmackssache. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht.

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Fazit: Dan Wells Auftakt zur neuen „Mirador“-Reihe kann ein sehr realistisches und überzeugendes Zukunftsbild vorweisen und unterhält grandios und vor allem spannend.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Maschine von Andrew Bannister

maschine

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 414 Seiten
Preis:  16,99  €
ISBN: 978-3-492-70409-0
Kategorie: Science Fiction

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Vor Millionen von Jahren wurde die Spin-Galaxie von gottgleichen Erbauern erschaffen, eine gigantische Ansammlung aus Planeten und Sternen. Ein Krieg hat fast alle Welten des Spin zerstört.
Viklun Haas, Oberbefehlshaber der Hegemonie, will seine Herrschaft ausbauen und sämtliche Rebellen vernichten. Unter ihnen befindet sich auch seine Tochter Fleare, die auf einem Planeten ein uraltes Artefakt entdeckt, das eine Maschine der Schöpfer des Universums ist. Ein Kampf um dieses Artefakt entbrennt …

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Es dauerte, ehrlich gesagt, eine Weile, bis ich mich in Bannisters Debütroman eingefunden hatte. In erster Linie lag das wohl am gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, der ein episches Science Fiction-Abenteuer in eher flapsiger Tonart erzählt. Ich bin zugegebenermaßen kein großer Freund von solch humoristisch angehauchten Geschichten, die eigentlich ernst und bombastisch sein sollten. Aber Bannister hat es zumindest in der ersten Hälfte seines Romans geschafft, mich durch innovative und gut durchdachte Ideen zu überzeugen.
Leider habe ich in den ersten beiden Dritteln keine wirkliche Beziehung zur Hauptprotagonistin und den Nebendarstellern aufbauen können. Die Charaktere wurden irgendwie zu wenig beschrieben und konnten dadurch an Liebenswertigkeit nicht punkten. Dennoch ließ sich das Buch irgendwie schwer aus der Hand legen, weil man doch immer wissen wollte, wie es weitergeht.

Bannisters Weltentwurf stellt nichts Neues dar, macht aber durch teils eigenwillige Beschreibungen neugierig und kann durchaus überzeugen, im Gegensatz zur bereits erwähnten Ausarbeitung der Charaktere. In seinen besten Momenten, vor allem im letzten Drittel, nähert sich „Die Maschine“ ein wenig den Aussagen, die auf dem Buchrücken zu lesen ist: „“Eines der zehn wichtigsten Bücher des Jahres 2016!“, geschrieben von SFX oder „Eine Space Opera mit einem finsteren Gegner, der Darth Vader wie ein Anfänger aussehen lässt!“, geschrieben von SFFWorld.
Den Feind in Bannisters Buch mit Darth Vader zu vergleichen ist allerdings mehr als weit hergeholt, dazu reichen die epischen Ausmaße im ersten Teil der geplanten Trilogie bei weitem nicht. Allerdings hat Bannister eine sehr liebenswürdige „Kreatur“, sozusagen einen Geist, namens Muz erschaffen, der mich von allen Beteiligten am meisten überzeugt hat und den ich bereits nach wenigen Seiten ins Herz geschlossen hatte.

Andrew Bannister wollte mit „Die Maschine“ etwas großes erschaffen, kann aber die Spitzenautoren der Science Fiction nicht erreichen, was aber keinesfalls heißen soll, dass sein Debütroman schlecht ist. Ganz im Gegenteil: „Die Maschine“ geht auf gewisse Art und Weise sogar neue Wege und kann, sofern man sich auf den Stil des Autors einlassen kann, durchaus unterhalten.
Gerade im letzten Drittel läuft Bannister zu einer Hochform auf, die man aufgrund der ersten beiden Drittel gar nicht mehr erwartet hätte. Wären die ersten beiden Drittel in genau jenem Stil und Tempo verfasst, hätte Andrew Bannister mich begeistern können. So aber teilt sich der Roman in mittelmäßige und über dem Durchschnitt liegende Teile auf.  Eines steht auf jeden Fall fest: Sowohl die Story als auch die entworfene Galaxie lassen den Leser nicht los und bleiben im Gedächtnis haften.
Größter Kritikpunkt ist für mich auf jeden Fall die oft benutzte flapsige und manchmal auch vulgäre Sprache, die für eine Space Opera diesen Ausmaßes schlichtweg unpassend und störend ist. Da wäre weniger auf alle Fälle mehr gewesen und hätte dem Roman einen höheren Platz in meiner Science Fiction-Rangliste verschafft. Gespannt bin ich trotzdem, wie es weitergeht und ich bin vor allem sicher, dass sich das Handwerk des Autors in der Fortsetzung verbessern wird. Denn bereits im letzten Drittel seines Debüts hat er bewiesen, dass er durchaus das Potential dazu hat, handfeste, gute Science Fiction zu schreiben.

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Fazit: Interessanter Debütroman mit einem gut durchdachten Weltentwurf, der allerdings von der Presse mehr Lob erhalten hat, als er eigentlich verdient hätte.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Omni von Andreas Brandhorst

omni

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 560 Seiten
Preis:  15,00  €
ISBN: 978-3-492-70359-8
Kategorie: Science Fiction

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Omni ist ein Zusammenschluss von Superzivilisationen, der Macht über die Milchstraße besitzt. Der Zehntausendjährige Aurelius, geboren auf der mittlerweile legendären Erde, arbeitet für Omni und erhält einen Auftrag, bei dem er verhindern soll, dass ein geheimnisvolles Artefakt, das an Bord eines im Hyperraum gestrandeten Raumschiffs gefunden wurde, in falsche Hände gerät. Doch es sind bereits weitere Interessierte dem Wrack auf der Spur. Der Agent Forrester und seine Tochter Zinnober zum Beispiel sollen den Fund bergen und dazu auch noch Aurelius entführen. Denn wie es scheint könnte mit seiner Hilfe das Artefakt aktiviert und zu einer mächtigen Waffe umfunktioniert werden. Schon bald sehen sich Aurelius, Forrester und Zinnober einem Komplott gegenüber, das die Zukunft der ganzen Menschheit bedrohen könnte …

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„Are you sitting comfortably?“ fällt mir bei dem neuen Roman von Andreas Brandhorst nur ein. Denn wenn man sich sein neues Werk zu Gemüte führen will, sollte man es sich tatsächlich bequem machen, weil … nun ja, die Geschichte lässt einen einfach nicht mehr los.
„Omni“ ist eine Science Fiction-Achterbahnfahrt und ein Pageturner, wie er besser nicht sein könnte. In gewohnt gehobenem und äußerst edlem Schreibstil entführt Brandhorst den Leser erneut in ein Universum voller Wunder, Gefahren und auch Emotionen. Mit einer unglaublichen Akribie entwirft der Autor Welten, die durch detaillierte Erklärungen absolut glaubwürdig wirken und den Leser genauso wie die Protagonisten faszinieren. „Omni“ ist laut Brandhorst auch eine Hommage an die wunderbare Schriftstellerin Ursula K. LeGuin und den Filmemacher George Lucas. Und in der Tat, wer sich mit dem Gesamtwerk dieser beiden Künstler beschäftigt hat, wird die diversen Anspielungen entdecken und eine wahre Freude daran haben.

Die Story und das entworfene Universum lässt Spielraum für unzählige Abenteuer, was wohl von Andreas Brandhorst auch so gedacht ist. 😉 Ich bin ziemlich sicher, dass uns noch einige Geschichten aus dem „Omni-Versum“ beschert werden. Der Plot rast nur so dahin und erinnert oftmals an Science Fiction-Filme aus den 70er und 80er Jahren. Geschickt vermischt Brandhorst ein spannendes Abenteuer mit hintergründiger Philosophie und einer bis ins Detail ausgearbeiteten Umgebung. Die Bilder, die in der Vorstellung des Lesers dabei entstehen, gleichen einem Kinoblockbuster vom Allerfeinsten und bieten noch den Vorteil, von einer echten Handlung mit Sinn getragen zu werden. Das hat was und man fragt sich unweigerlich, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, einen Roman von Andreas Brandhorst auf die Kinoleinwand zu bringen. „Star Wars“ und „Star Trek“ würden nämlich echte Konkurrenz bekommen.

Andreas Brandhorst hat mit seinem letzten Roman „Das Schiff“ die Meßlatte für Science Fiction Bücher (sowohl anderer Autoren als auch seiner eigenen) unglaublich hoch gesetzt, so dass ich bei „Omni“ höchstens gleichwertiges erwartet hätte. Ich wurde eines besseren belehrt, denn „Omni“ schlägt wieder einmal Brandhorsts vorherige Bücher. Auch wenn die visionäre Sichtweise unserer Zukunft und der außergewöhnlich bildhafte Schreibstil dieselben sind, perfektioniert der Autor seine Arbeit auf fast schon unheimlich Art und Weise. Andreas Brandhorst ist eindeutig der derzeit beste Science Fiction Autor aus Deutschland und könnte sich ohne weiteres einen Thron mit internationalen Größen teilen. Wie in vielen seiner Romane lädt der Schriftsteller seine Leser zum Nachdenken ein, lässt seine Protagonisten über ewiges Leben, das Älterwerden, den Sinn des Lebens und das Sterben philosophieren und den interessierten „Zuschauer“ daran teilnehmen. Bei Brandhorsts Zukunftsepen steht immer der Mensch beziehungsweise die Menschlichkeit im Vordergrund und genau das macht seine Bücher aus und hebt sie von anderen Geschichten ab, in denen Weltraumschlachten und künstliche Intelligenzen die Handlung steuern. In Brandhorsts Universen hingegen „menschelt“ es, und zwar gehörig. Immer wieder wird uns ein melancholischer Spiegel vorgehalten, in dem wir uns selbst in einer weit entfernten Zukunft zu erkennen scheinen. Und zwar mit all unseren Ängsten und Hoffnungen, die Menschen eben ausmachen. Und gleichzeitig siedelt Brandhorst diese menschlichen Sehnsüchte in atemberaubenden Abenteuern an, die gerade deswegen äußerst glaubwürdig wirken.
Ich kann es kaum erwarten, den neuen Roman von Andreas Brandhorst in Händen zu halten.
Besser kann Science Fiction nicht sein …

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Fazit: Science Fiction vom Allerfeinsten. Hochspannende, intelligente und philosophische Space Opera vom derzeit besten deutschen Science Fiction Autor.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

 

Die letzten und die ersten Menschen von Olaf Stapledon

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Erschienen als Hardcover
im Piper Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis:  25,00  €
ISBN: 978-3-492-70632-8
Kategorie: Science Fiction

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Wie sieht die Zukunft der Menschheit aus? Gibt es in zwei Milliarden Jahren die menschliche Zivilisation überhaupt noch? Und, wenn ja, wie und wo leben die Menschen dann?

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Zuerst einmal muss ich auf die überaus ansprechende Neuausgabe dieses SF-Klassikers im Piper-Verlag eingehen: Der Umschlag des Buches ist trüb-transparent und sein Aufdruck ergänzt sich dadurch hervorragend mit dem Bild auf der eigentlichen Buchvorderseite. Buch- und Coverbild ergeben somit das sichtbare, absolut gelungene Titelbild. Alleine optisch ist dieser Science Fiction-Meilenstein also schon ein echter Hingucker und sollte in keiner SF-Sammlung fehlen.
Auf den Buchinnenklappen sind die Originalskizzen der Zeitleisten von Stapledon abgebildet, was ebenfalls einen sehr hochwertigen Blickfang abgibt. Insgesamt hat sich der Verlag wirklich sehr große Mühe für diese Sammlerausgabe gegeben und verdient daher ein dickes Lob.

Nun zum Roman: Stapledons Zukunftsepos hat über achtzig Jahre „auf dem Buckel“ und man kann es manchmal gar nicht glauben, wie weitsichtig und philosophisch er seine Visionen entwirft. Das Buch liest sich meistens wie eine Art Geschichtsbuch, trocken und voller Informationen. Aber wer nun meint, „Die letzten und die ersten Menschen“ wäre ein Sachbuch, täuscht sich, denn hat man sich erst einmal an den (aus meiner Sicht sehr hochwertigen) Schreibstil gewöhnt, wird man von den Schilderungen mitgerissen. Es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, über hunderte von Seiten eine detailliert ausgearbeitete Zukunft in menschlicher, politischer, religiöser und sexueller Hinsicht zu verfolgen. Ich selbst hatte nur an einer einzigen Stelle einen „Hänger“, der mir zu langatmig erschien, ansonsten empfand ich diese perfekt ausgearbeitete Zukunftsvision extrem spannend.
Vor allem das Ende in seiner höchst philosophischen und teils auch esoterischen Auslegung hat mich sehr angesprochen und war für mich auch vollkommen nachvollziehbar.

Stapledons Roman umfasst Äonen und erinnerte mich vom Gesamteindruck (nicht vom Schreibstil oder den Ideen) an Stephen Baxter, der es ebenfalls schafft, den Leser auf eine Reise über Millionen von Jahren mitzunehmen. Aber anders als Baxter vermittelt Stapledon den Eindruck, eine wissenschaftliche Abhandlung über die Zukunft der Menschheit geschrieben zu haben. Dennoch wirken seine Visionen innovativ und wissenschaftlich durchdacht. Für den Roman wurden anscheinend lediglich die Informationen, die im Jahr seines Entstehens vorlagen, „hochgerechnet“ und in ein plausibles Gewand hineingearbeitet. „Die letzten und die ersten Menschen“ ist ein unglaublich ausuferndes Porträt der menschlichen Rasse, die an manchen Stellen in geistige Sphären vordringt, die höchst philosophisch und wunderschön erscheinen. Ich konnte gerade diese Entwicklung des Menschen absolut nachvollziehen, denn hinter unserer Existenz wird mit Sicherheit solch eine geistige Gemeinschaft stecken, davon bin auch ich überzeugt. Vielleicht liegt es gerade an dieser Übereinstimmung mit dem Autor, die für mich diesen Roman zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht hat.

Olaf Stapledon hat ein komplexes Weltbild der Zukunft erschaffen, analysierte Gesellschaftsstrukturen und deren Entwicklungen sehr nachvollziehbar und hat mit seinem Roman ein kleines Meisterwerk erschaffen. Wer populäre Science Fiction mit Weltraumabenteuern und Raumschiff-Schlachten mag, wird an diesem Buch schwer Gefallen finden. Wer sich jedoch für ein gut konstruiertes Zukunftsbild interessiert, das sich fast schon wie ein historisches Lehrbuch liest, wird begeistert sein, wenngleich an manchen Stellen Durchhaltevermögen erforderlich ist. Und eines sollte man auch noch wissen, bevor man sich an Olaf Stapletons fast schon bahnbrechendes Werk einlässt: Es gibt keine(n) Protagonisten, den man begeleitet. Es gibt lediglich den Erzähler aus der Zukunft, der die Ereignisse fast emotionslos schildert.

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Fazit: Komplex und gut konstruiertes Zukunftsbild der Menschheit, das, wenngleich erfunden, dennoch nachvollziehbar echt sein könnte. Fernab von Weltraumschlachten wird hier ein Sf-Roman in einer einem Sachbuch ähnlichen Form vorgelegt.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Objekt von John Sandford und Ctein

objekt

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis:  16,99  €
ISBN: 978-3-492-70397-0
Kategorie: Science Fiction

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In der Nähe des Saturn wird durch Zufall ein Objekt entdeckt, dass sich als außerirdisches Raumschiff entpuppt. Die Vereinigten Staaten und China rüsten sich für die technische Herausforderung einer Reise zum Saturn. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und als sich die Raumschiffe beider Länder auf den Weg machen, verschwindet das Objekt wieder. Doch die Reise ins All wird von beiden Ländern nicht abgebrochen und als das erste Raumschiff der Menschheit schließlich den Saturn erreicht, macht die Crew dort eine unglaubliche Entdeckung.

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Bereits nach den ersten Seiten dachte ich, dass mich mit „Das Objekt“ ein wahnsinnig spannendes und authentisches Abenteuer erwarten würde. Mein Gefühl hat mich nicht getrogen. Ohne das Gemeinschaftswerk von Schriftsteller John Sandford und Physiker Ctein mit Romanen von beispielsweise Stephen Baxter, Arthur C. Clarke oder Gregory Benford vergleichen zu wollen, erreichen sie dennoch mit ihrer Geschichte eine gewisse ähnliche Stimmung wie obengenannte Autoren.
Die Mischung aus wissenschaftlichen Erklärungen und einer mitreißenden Story hat einen Reiz, dem man sich schwer entziehen kann. Der ein oder andere Leser mag diese Schilderungen technischer Abläufe als extrem langweilig empfinden, ich für meinen Teil wurde großartig damit unterhalten und konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen.

Sandford und Ctein verstehen es, eine weltumfassende Geschichte zu inszenieren, die durchaus wahr sein könnte. Es ist etwas wirklich Großes, dass die beiden Autoren da geschaffen haben und erinnert an Erstkontakt-Romane und -Filme wie „2001“, oder „Mission To Mars“. Die Odyssee, die wir zusammen mit den Protagonisten durchführen, ist zwar voller Gefahren und Misserfolgen, nimmt uns aber mit auf eine unglaubliche, realistische Reise durch den Weltraum. Ich fühlte mich auf dem Raumschiff heimelig, mochte die Besatzung und nahm an ihrem Alltag teil, als wäre ich selbst dabei. Dieses Gefühl des Dabeiseins wurde hervorragend vermittelt. Der Plot wird in fast klassischer Art eines Weltraumabenteuers a la Heinlein verpackt, kann aber mit einem bedeutend besseren Konzept und einer innovativen Erstkontakt-Idee aufwarten. Vom Verlag wird das Buch mit „Der Marsianer“ von Andy Weir verglichen. Dieser Vergleich hinkt gewaltig, denn „Das Objekt“ verfolgt ein völlig anderes Ziel und ist auch vom Schreibstil her etwas komplett anderes.
Sandford und Ctein legen einen Hard Sci-Fi Roman ohne Weltraumduelle oder Warp-Antriebe vor, sondern gehen den Weg eines vorwiegend leisen Weltraum-Abenteuers im Stile von John Carpenters „Dark Star“ oder eben „2001“ und „2010“. Wer Action erwartet, wird enttäuscht sein und sollte die Finger von „Das Objekt“ lassen. Hier wird, wie bereits erwähnt, eine ruhige Gangart eingelegt, die aber keineswegs langweilig ist, sondern unglaublich fasziniert.

Schreibstiltechnisch wirkt das Ganze wie ein Mix aus hochwertigen Sätzen und teils umgangssprachlichem Geflachse. Aber die Mischung funktioniert und unterhält. Es ist keine wirklich epische Geschichte, aber sie ist schon sehr nahe dran. Einziger kleiner „Störfaktor“ ist die oft übertriebene pathetische Seite des Romans, wie gut denn alle Amerikaner sind. Aber wenn man das überliest, bekommt man einen wirklich gut recherchierten, wissenschaftlich detaillierten, unterhaltsamen und ideenreichen Roman serviert.
Die Charaktere sind nicht besonders gut ausgearbeitet und erfüllen so ziemlich alle Klischees, die man sich nur denken kann. Aber auch das stört nicht besonders, denn man findet trotzdem Zugang zu den Protagonisten.
Einzig das Ende der Geschichte hätte ich mir ein wenig ausgeklügelter und nicht so flach gewünscht. Da wäre es vielleicht sogar besser gewesen, das Autorenduo hätte die Geschichte einfach noch im Weltraum enden lassen.

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Fazit: Faszinierende Reise durchs All zum Saturn. Detailverliebte, hochwertig formulierte Technikbeschreibungen und eine interessante Erstkontakt-Theorie lassen einen das Buch schwer aus der Hand legen. Tolle Hard-SF.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten