Die Wissenschaft von Avatar von Stephen Baxter

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 334 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-31399-6
Kategorie: Sachbuch, Science Fiction

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Ein faszinierendes Begleitbuch auf wissenschaftlicher Basis zu James Camersons „Avatar“-Filmen.

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James Camerons „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ dürfte wohl so ziemlich jedem ein Begriff sein. Dieser große Erfolg in Verbindung mit einem der besten Science-Fiction-Autoren unserer Zeit kann nur zu einem interessanten Ergebnis führen. Sicherlich muss man ein wenig für die von Cameron kreierte Welt übrigen haben, um echten Spaß an dieser wissenschaftlichen Abhandlung über Pandora und seine Bevölkerung zu haben. Aber wenn dieses Interesse vorhanden ist, erwartet einen ein faszinierender Ausflug ins Universum und in eine mögliche fremde Welt.
Man merkt, dass Baxter nicht nur Wissenschaftler sondern auch Romanautor ist, denn seine Reise wirkt wie eine Art Roman, auf der die Leser allerhand interessante Dinge über die Hintergründe des Films, aber auch über das Leben an sich und die unendlichen Möglichkeiten des Universums erfährt. „Die Wissenschaft von Avatar“ ist unglaublich spannend und man hat oftmals Bilder aus Camerons Welterfolg im Kopf, wenn Baxter darüber spricht und Dinge aus dem Film erklärt, die näher an der Wahrheit liegen als man bislang dachte. „Avatar“ ist äußert durchdacht und orientiert sich an der Realität oder zumindest an nicht ganz unwahrscheinlichen Phänomenen.

Es ist tatsächlich so, dass man Camerons Filme mit etwas anderen Augen sieht, wenn man dieses Buch gelesen hat. Baxter ist Fan von „Avatar“, das merkt man natürlich. Aber seine Ausführungen, Camerons filmische Welt auf wissenschaftlicher Basis ein Stück weit realistisch werden zu lassen, ist wirklich genial. Vieles ist absolut nachvollziehbar und bekommt Sinn. Und Baxters Buch ist definitiv nicht zu wissenschaftlich, um es nicht zu verstehen, aber auch nicht zu simpel, um nicht glaubwürdig zu sein.
Man kann James Cameron und seinem Team definitiv nicht nachsagen, dass sie nicht genügend recherchiert hätten, um ihrer fantastischen Welt einen nicht geringen Hauch Realismus einzuhauchen. Wie gesagt, nach dieser Lektüre sehe ich die beiden bislang erschienenen „Avatar“ – Filme mit anderen Augen. Und das macht den Spaß eindeutig noch größer. Daher ein riesiges Dankeschön an Stephen Baxter für das Näherbringen von Pandora, seinen Geschöpfen, der Kultur und den faszinierenden Bewohnern.

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Fazit: Toller, wissenschaftlicher Ausflug in die Welt von Camerons Blockbuster.

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Ruf der Unendlichkeit von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 540 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-596-70575-7
Kategorie: Science Fiction

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Aron ist der letzte Mensch in der Milchstraße. Im Auftrag einer Superzivilisation versucht er alte Kulturgüter vor den sogenannten Blendern zu schützen. Was er dabei allerdings entdeckt, übersteigt sein Vorstellungsvermögen.

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Wie nicht anders zu erwarten, so hat mich auch das neue Buch von Andreas Brandhorst bereits auf den ersten Seiten gepackt. Es ist wieder einmal der besondere Schreibstil, der fasziniert und begeistert. Auf philosophische, melancholische und epische Weise nimmt uns einer der besten deutschen Science-Fiction-Autoren mit auf eine unvergessliche Reise in die Weiten des Alls, auf der Zeit und Raum ungeahnte Dimensionen annehmen und in ihrem Ideenreichtum an Werke von Stephen Baxter erinnern. Brandhorst schafft es, seine Leser zu fesseln, ja, geradezu zu hypnotisieren, wenn er Geschichten aus seinem Universum erzählt, in dem verschiedene Wesen existieren. Brandhorst siedelt die Story innerhalb seines „Omniversums“ an, aber der vorliegende Roman kann, wie die Bücher „Omni“ und „Das Arkonadia-Rätsel“, unabhängig voneinander gelesen werden. Man versteht die Geschichte auch ohne Vorwissen, denn es liegen Millionen von Jahren zwischen den Handlungen der Bücher. Wer die beiden anderen Romane kennt, wird jedoch Zusammenhänge erkennen und seinen Horizont bezüglich des „Omniversums“ erweitern können.

Brandhorst behandelt Themen wie Multiversum, Unsterblichkeit, die Macht von Erinnerungen und Religion. Das alles wirkt sehr authentisch, weil solche Dinge bei Brandhorst eben Hand und Fuß haben. Sein Worldbuilding fasziniert und man kann, einmal in diese Welt voller unendlicher Weiten und philosophischer Weisheiten eingetaucht, das Buch kaum mehr aus der Hand legen.
Man ist versucht, jedes neue Buch von Andreas Brandhorst als Meisterwerk zu bezeichnen und ihm eine entsprechende Steigerung sowohl in Ausdrucksform als auch Handlung zuzusprechen, aber im Grunde genommen weiß man, dass das nicht stimmt, denn JEDES Buch von Brandhorst ist ein Meisterwerk für sich. Er schafft es, Welten im Kopf der Leser sichtbar und Gedanken fühlbar zu machen. Wenn man sich darauf einlassen kann, fühlt man sich wohl in diesem Universum und wird mit einer Geschichte belohnt, die zudem auch noch an vielen Stellen zum Nachdenken anregt.
Wie immer bin ich absolut begeistert und kann es kaum erwarten, zusammen mit Andreas Brandhorst erneut in eine Welt voller Mysterien einzutauchen.

Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar mit allen relevanten Begriffen, die im Roman vorkommen. Ich persönlich habe nur selten nachgeschlagen, da ich die Handlung auch ohne derartige „Hilfestellung verstanden habe. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich die Vorgängerromane aus dem „Omniversum“ kenne, aber die Dinge werden meiner Meinung nach ausführlich und verständlich erklärt. „Ruf der Unendlichkeit“ ist Brandhorst at his best: episch, melancholisch und philosophisch. Eine Space Opera, die vollkommen überzeugt und süchtig macht.

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Fazit: Ein weiteres Meisterwerk deutscher Science Fiction.

©2022 Wolfgang Brunner

Der Klon von Jens Lubbadeh

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 478 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-32013-0
Kategorie: Thriller, Science Fiction, Belletristik

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Berlin im Jahr 2033: Die Journalistin Mara Erhardt entdeckt, dass ein koreanischer Wissenschaftler Hunde und Menschen klont. Bei ihren Recherchen stößt sie auf einen Skandal: Jemand hat versucht, den Diktator Adolf Hitler zu klonen, um ihn für politische Zwecke einzusetzen. Je mehr Mara von den Machenschaften entdeckt, desto schockierender sind die Zusammenhänge, die ihr dadurch klar werden.

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Wie von Lubbadeh nicht anders gewohnt, erwartet den Leser mit seinem neuesten Roman „Der Klon“ ein Pageturner, der man nur schlecht aus der Hand legen kann. Die Handlung wird äußerst rasant erzählt, so dass man diese wie einen Film vor seinem geistigen Auge sieht (an dieser Stelle sei angemerkt, dass sich die Story von „Der Klon“ wirklich hervorragend für eine Verfilmung respektive eine Serie eignen würde). Was mir dabei außerordentlich gut gefallen hat, war die Tatsache, dass die Handlung sehr unterhaltsam und spannend war, Lubbadeh sich aber auch auf philosophischem Weg der Thematik genähert hat und außergewöhnliche Aspekte berücksichtigt hat, über die es sich nachzudenken lohnt. Desweiteren hat er den politischen Unmut, den seit der Coronakrise viele Bürger fühlen, sehr gut in die Handlung mit eingebracht. Das hat letztendlich trotz seiner Absurdität und Skurrilität irgendwie Hand und Fuß.

„Der Klon“ zeigt zudem eine wissenschaftliche und politische Entwicklung auf. die bei genauerem Nachdenken Angst einjagt. Es geht um Macht, Korruption und Profit – die Menschlichkeit, Emotionen und Respekt vor einer Person werden ignoriert, um ein egoistisches Ziel zu erreichen. Es steht viel zwischen den Zeilen von Lubbadehs neuem Roman, wenn man die Spannungsmomente außer Acht lässt.
Auch die Figurenzeichnung ist gut gelungen, man fiebert mit und kann sich hervorragend in die Gedankenwelt der Protagonisten, aber auch Antagonisten versetzen. Jens Lubbadeh entwickelt sich von Roman zu Roman zu einem meiner Lieblingsautoren aus Deutschland, weil er unterhaltsame Wissenschafts-Thriller schreibt, die nicht nur unterhalten, sondern eben auch zum Nachdenken anregen.

Lubbadeh hat gut recherchiert, die Story hat Hand und Fuß und wirkt niemals lächerlich oder an den Haaren herbeigezogen. Vor allem auch die politischen Aspekte, die in die Handlung einfließen, sind absolut nachvollziehbar und umso erschreckender, weil sie unsere jetzige Zeit sehr gut widerspiegeln. „Der Klon“ ist ein mittreißendes Abenteuer, dem man sich schlecht entziehen kann.

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Fazit: Spannender Pageturner um das Thema Klonen.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Himmelsfluss von Dennis E. Taylor

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  715 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-32166-3
Kategorie: Science Fiction

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Die geklonten Bob Johanssons sind mittlerweile in der 24. Generation angekommen und haben sich immer mehr zu eigenständigen „Persönlichkeiten“ entwickelt, die sich von ihrem Original immer mehr unterscheiden. Sie verändern sich und provozieren Auseinandersetzungen, die sich zu einer Art Bürgerkrieg entwickeln. Eine Spur führt auf die künstlich erschaffene Welt Himmelsfluss, auf der Bob und seine Freunde die Ursache der kriegerischen Tätigkeiten ihrer Gegner vermuten. Eine abenteuerliche Reise beginnt …

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Und die Saga um Bob Johansson und seine Klone geht doch weiter – wer hätte das gedacht? Eine Riesenüberraschung, die noch dazu in höchstem Maße gelungen ist. Taylor schafft es schon nach den ersten Seiten, den Leser wieder zurück ins Bobiverse zu holen. Und man ist sofort wieder von dem unvergleichlichen Humor angetan, der bereits in den ersten drei Bänden zum Tragen kam und absolut amüsieren konnte. Doch dieses Mal wirkt die Handlung fast wie eine Art „Ready Player One“ in anderem Gewand, ich kann gar nicht richtig beschreiben, warum mich „Himmelsfluss“ ausgerechnet an diesen Roman erinnerte. Aber auch irgendwie an eine epische Mission wie „Der Herr der Ringe“, nur eben im Weltall, und ausgeflippter und lustiger und …
Ich denke, man muss es einfach lesen, um zu verstehen, was genau ich damit meine.
„Himmelsfluss“ macht unglaublich Spaß und man könnte die 700 Seiten fast in einem durchlesen, hätte man die Zeit dazu. Die Geschichte ist kurzweilig, spannend und humorvoll, steckt voller bildhafter, detailverliebter Beschreibungen einer faszinierenden Welt und kann durch die humorvollen Dialoge der vielen Bobs untereinander absolut überzeugen und unterhalten.

Auch bezüglich der Handlung zeigt Taylor, dass er es wirklich drauf hat, eine Welt und sämtliche dazugehörigen Zusammenhänge stimmig zu beschreiben. In diesem vierten Abenteuer kreiert er eine Welt, die man sich bildhaft vorstellen kann und die absolut filmtauglich wäre. „Himmelsfluss“ führt die Geschichte um Bob und seine Klone zum einen glaubhaft und zum anderen konsequent logisch weiter und entführt den Leser zum vierten Mal in eine unglaublich ausgeklügelte Zukunftswelt. Nach dem dritten Band der Serie, die anscheinend auch als Finale gedacht war, erweckt Taylor seine „Protagonisten“ und „Antagonisten“ erneut zum Leben und hat einen Roman erschaffen, der mir fast am besten aus der Gesamtreihe gefällt. Es ist natürlich immer Geschmackssache, aber „Himmelsfluss“ fügt sich absolut in das Weltengerüst der vorherigen Bände ein und bringt den gewohnten Humor auf exzellente Weise mit in die Handlung.

Und wieder kommen jede Menge Anspielungen auf die Popkultur der letzten Jahrzehnte zum Tragen, was die Nerds unter den Lesern hochgradig gefallen dürfte. Sicherlich erinnert die Handlung ein wenig an Larry Nivens Meisterwerk „Ringwelt“, aber ich hatte nie das Gefühl, dass Taylor schamlos geklaut hat. Vielmehr wirkte diese Welt auf mich wie eine Verneigung vor dem alten Klassiker und hat daher umso mehr Spaß gemacht. Und am Ende könnte man gar die Hoffnung bekommen, dass dieses Abenteuer weiter und in die fünfte Runde gehen könnte. Mich persönlich würde es freuen …

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Fazit: Absolut gelungene Fortsetzung der Bobiverse-Trilogie, die unglaublich Spaß macht.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tieftraumreisen von Arthur Gordon Wolf

Erschienen als handgebundene Ausgabe
(traditionelle japanische Stabbindung)
im KOVD Verlag
insgesamt 134 Seiten
Preis: 24,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Mystery, Fantasy, Science Fiction

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Jaron Silberman möchte endlich einmal wieder schlafen. Da kommt ihm „Ypnotal-VR“ der Firma UMC gerade recht. UMC ist es nämlich gelungen, Träume in die erholsame Tiefschlafphase zu verlegen, wodurch der Schläfer zu einem sogenannten „Oneironauten“ wird, der seine Träume teilweise selbst steuern kann. Doch nicht jeder Traum läuft so ab, wie von Silberman erwartet …

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Willkommen zurück im UMC-Universum von Arthur Gordon Wolf. Und das ist nur eine der vielen guten Nachrichten, die dieses Buch betreffen. Nicht nur, dass man sich als Fan und Leser wieder in der absolut faszinierenden, von Wolf perfekt ausgedachten Welt aufhalten kann, nein, man hält auch noch ein kleines Kunstwerk in Händen, denn das im Verlagshaus KOVD handgebundene Buch wurde in traditioneller, japanischer Stabbindung hergestellt und ist daher nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch ein Genuss sondergleichen. Inmitten uninteressanter E-Book-Veröffentlichungen, liebloser Taschenbuchausgaben vermittelt „Tieftraumreisen“ von Arthur Gordon Wolf endlich wieder einmal, ein echtes, handgefertigtes, ganz persönliches Exemplar in den Händen zu halten. Solche Ausgaben machen das Lesen wieder zu einem Erlebnis. Und wenn dann die Geschichte auch noch von einem Autor stammt, der es versteht, seine Visionen literarisch zum Leben zu erwecken, dann ist „die Sache“ ohnehin perfekt.

Genug der Schwärmerei um die Aufmachung des Buches, wenden wir uns dem Inhalt zu. Und der ist nicht zu verachten, entführt er uns doch in ein nicht ganz so unmögliches Szenario. „Tieftraumreisen“ ist eine faszinierende Mischung aus Fantasy, Science-Fiction, Mystery und auch ein wenig Cyber-Punk, was aber während des Lesens gar nicht weiter auffällt, weil man sich ohnehin bereits nach den ersten Seiten in der Geschichte verliert und sich keine Gedanken über irgendwelche Genre-Schubladen macht. Dies spricht übrigens sehr für die Schreibweise und den Ideenreichtum des Autors, denn selbst wenn man sich nicht dafür interessieren würde, verfällt man dem Charme und Sog der Geschichte.
„Tieftraumreisen“ erinnert von seiner Prämisse her ein wenig an den Film „Brainstorm“ aus den 1980er-Jahren, wobei Wolf letztendlich dann doch einen ganz anderen Weg geht. Der Vergleich soll lediglich dazu dienen, dass man in etwa weiß, auf was man sich da einlässt.

„Tieftraumreisen“ spielt, wie schon erwähnt, im UMC-Universum, kann aber ohne jegliches Vorwissen gelesen und genossen werden. Arthur Gordon Wolf hat ein verträumtes, aber auch erschreckendes Märchen geschrieben, das durchgehend unterhält und qualitativ hochwertig bleibt. Sicherlich denkt man am Ende, der Autor hätte durchaus aus der Thematik einen Roman anstatt eine Novelle schreiben können, aber, wie sagte schon seinerzeit Michael Ende, eine Geschichte dauert so lange wie sie eben dauert. „Tieftraumreisen“ ist daher kompakt, niemals langatmig und folglich extrem kurzweilig.
Addiert man das fabelhafte Aussehen und die liebevolle Machart / Bindung zu der Story, dann kann man letztendlich nur sagen, man hält mit dieser Ausgabe von Arthur Gordon Wolfs „Tieftraumreisen“ ein Kleinod der Buchkunst in Händen, nach dem man immer wieder greift, um es zu bestaunen und ein paar Zeilen darin zu lesen. Ich will definitiv mehr davon. 🙂

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Fazit: Eine märchenhafte, faszinierende Novelle in einer beeindruckenden, handgebundenen Ausgabe.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Stalker von Arkadi & Boris Strugatzki

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 398 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-32101-4
Kategorie: Science Fiction, Dystopie

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Aliens haben die Erde besucht, aber niemand hat sie je gesehen, bevor sie auch schon wieder verschwunden sind. In den Gebieten, in denen sie gelandet sind, den sogenannten Zonen, haben sie Gegenstände und unerklärliche Erscheinungen zurückgelassen, die eine Herausforderung an die Wissenschaft darstellen. Jäger und Schatzsucher, bekannt unter dem Namen Stalker, dringen in diese Zonen ein, um diese Dinge zu bergen.

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„Stalker“ der Gebrüder Strugatzki, ursprünglich unter dem Titel „Picknick am Wegesrand“ erschienen, ist ein Science-Fiction-Klassiker, den man meiner Meinung nach gelesen haben sollte. Abgesehen davon, dass der Originaltitel viel besser zur Geschichte passt, entführen uns die beiden Autoren in eine dystopische Welt, die voller melancholischer Gedankengänge ist und eine ganz besondere Atmosphäre in den Köpfen der Leser erschafft. „Stalker“ ist ruhig, im Grunde genommen vollkommen unspektakulär, und dennoch ein Roman, der unweigerlich im Gedächtnis haften bleibt. Man findet in diesem Werk natürlich viele Anspielungen auf die damalige politische Lage in der Sowjetunion, kann es aber auch völlig unabhängig davon genießen, denn es sind die philosophischen Gedankengänge und Fragen, die das Autorenduo aufwirft, die einen in erster Linie beschäftigen.

Die Strugatzkis benutzen einen außergewöhnlichen Schreibstil, der, nachdem man sich erst einmal dran gewöhnt hat, eine Mischung aus salopper Umgangssprache und literarisch hochwertigen Texten ist. Diese Mischung ist es wahrscheinlich, die diesen Roman zu etwas Außergewöhnlichem macht und dessen Sog man sich nur schwer entziehen kann. Die sehr einfache Handlung zieht an einem vorüber wie ein Film, was Regisseur Andrei Tarkowsky auch kongenial mit seiner cineastischen Adaption „Stalker“ geschafft hat. Die Verfilmung hält sich aber nur bedingt an die Romanvorlage. Womit ich auch schon zu einem großen Pluspunkt der vorliegenden Ausgabe aus dem Heyne Verlag komme: Im Anschluss an den Roman gibt es nicht nur Nachwörter und Analysen des Werkes, sondern auch die extra als Filmvorlage geschriebene Kurzgeschichte der Autorenbrüder. Diese wirkt in der Tat wie eine Erweiterung und Vertiefung in den Originalroman. Beide Storys ergeben ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk und machen auf die weiteren Titel der beiden Gebrüder neugierig. Auch das Vorwort von Wladimir Kaminer ist absout lesenswert und aufschlussreich.
Aus meiner Sicht kann ich bestätigen, dass „Stalker“ ein Kultroman der Science-Fiction-Literatur ist. Unbedingte Leseempfehlung für Freunde philosophischer, ruhiger Science-Fiction.

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Fazit: Ruhige, melancholische Dystopie. Ein Meisterwerk der Science-Fiction.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Steine von Tobias Bachmann

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 124 Seiten
Preis: 15,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Horror, Mystery, Science Fiction

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Charles Laughton und sein junger Gehilfe untersuchen mysteriöse Vorgänge in Stonehenge. In drei Episoden, die am Ende ein Gesamtbild ergeben, erzählt Tobias Bachmanns eine spannende Geschichte über eine fremde Macht, die die Menschheit bedroht.

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Es gibt mittlerweile einige Autoren, die sich immer wieder auf literarischem Wege dem Vermächtnis des H.P. Lovecraft widmen. Tobias Bachmann ist einer davon, und ich möchte behaupten, er ist einer der Besten. In der vorliegenden Sonderausgabe aus dem KOVD-Verlag kann der Leser nach langer Zeit endlich wieder einmal die ersten veröffentlichten Geschichten des Autors genießen, bei denen man nicht einmal ansatzweise bemerkt, dass sie so ziemlich die ersten Stories sind, die sich Bachmann ausgedacht hat. „Steine“ beinhaltet mehrere Geschichten, die ineinander übergreifen und letztendlich ein Gesamtwerk ergeben, an das man sich noch lange erinnert. Der Autor versteht es meisterhaft, Lovecrafts Stil und die Atmosphäre seiner Geschichten auszudrücken, ohne sie jemals zu kopieren. Es macht unglaublich Spaß, wenn man sich in einer Stimmung verlieren kann, die der von Lovecraft in nichts nachsteht, aber dennoch einen eigenen Stil in Bachmanns Worten erkennt.

„Steine“ ist eine nostalgische Reise in eine literarische Zeit, in der man noch verstand, sich gewählt auszudrücken und in der Action weitaus weniger wichtig war, als eine unglaublich intensive Stimmung zu beschrieben. Wie gesagt, Tobias Bachmann, ist aus meiner Sicht einer derjenigen, der es meisterhaft schafft, seinem literarischen Vorbild Tribut zu zollen, ohne den eigenen Schreibstil zu vernachlässigen. Bachmann ist keine Kopie Lovecrafts, sondern eine eigene Stimme, die sich dem Werk des Idols verschrieben hat.
Zu der fantastischen Geschichte kommt in diesem Falle noch hinzu, dass diese edle Schmuckausgabe auf verspielte Weise der Thematik annimmt und das Geschriebene visuell umsetzt und unterstreicht, dass man immer wieder darin blättern mag. Sei es das verbrannte, fehlende Blatt in den Tagebucheinträgen, oder die verschiedenen Schriftarten, die eingesetzt werden. „Steine“ wird dadurch zu einem literarischen und optisch ansprechenden Leseabenteuer, das einen für ein paar Stunden alles um einen herum vergessen lässt. Die von mir besprochene Sonderedition ist mittlerweile vergriffen, aber der Verlag plant eine „Normalausgabe“, die mit Sicherheit dennoch wunderschön ausfallen wird.
So, genau so, muss eine Hommage an Lovecraft sein: Atmosphärisch, innovativ in der Umsetzung und, trotz seines Minimalismus, episch.

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Fazit: Atmosphärischer Ausflug in die Welt von H.P. Lovecraft in einer tollen Edelausgabe.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Ministerium für die Zukunft von Kim Stanley Robinson

Das Ministerium fuer die Zukunft von Kim Stanley Robinson

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 716 Seiten
Preis: 17,00 €
ISBN: 978-3-453-32170-0
Kategorie: Science Fiction, Belletristik

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In einer nicht allzu fernen Zukunft entwickelt sich der Klimawandel zu einer unabwendbaren Bedrohung für die Menschheit. Ein sogenanntes „Ministerium für die Zukunft“ wird ins Leben gerufen, um das Überleben der nachkommenden Generationen zu sichern. Mary Murphy ist Ministerin dieses Ministeriums und kämpft mit allen Mitteln dafür, dass die Erde sich wieder regeneriert. Oftmals stellt sich ihr die Frage, ob sie mit konventionellen Aktionen überhaupt etwas erreichen kann, denn Profit zählt für einen Großteil der Menschen mehr als eine sichere Zukunft.

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Barack Obama bezeichnet Robinsons neuen Roman als einen der wichtigsten Bücher des Jahres. Ich würde sogar noch weiter gehen und „Das Ministerium für die Zukunft“ als wichtigstes Buch des letzten Jahrzehnts bezeichnen, zumindest wenn es um das Thema Klimawandel und -schutz geht. Robinson sticht mit seinem Szenario und seinen Überlegungen nicht nur in ein politisches und weltumfassendes Wespennest, sondern beschäftigt sich auf eine eindringliche Art und Weise damit, dass man selbst über all diese Entwicklungen nachdenkt und einem bewusst wird, wie schwierig die Bewältigung dieser Bedrohung aus Sicht der Politik ist. Robinson beleuchtet ein Szenario aus vielerlei Blickwinkeln und zeigt, wie kompliziert es sein könnte (es derzeit ist und auch sein wird), den Klimawandel abzuwenden. „Das Ministerium für die Zukunft“ wirkte auf mich wie eine geniale Mischung aus Roman und Sachbuch, in dem auch viele Fakten auf „nüchterne“ Weise beschrieben und erklärt werden. Aber genau diese Mischung ist es letztendlich, die dieses Buch zu einem echten Abenteuer macht, das sich in die Gedanken der Leser schleicht und sich dort auch fest verankert.

Wie schon in „New York 2140“ behandelt Robinson eine Thematik, die uns alle angeht (die meisten leider aber nicht wirklich interessiert), nämlich den Klimawandel und die daraus resultierenden Folgen für die Menschheit. Während er in „New York 2140“ aber nur von den Ereignissen einer einzigen Stadt erzählt, widmet er sich im vorliegenden Roman um die globalen Entwicklungen und den verzweifelten Kampf einzelner Politiker, das Ruder noch herumzureißen. „Das Ministerium für die Zukunft“ ist eine Warnung, die jedoch niemals wirklich mit erhobenem Zeigefinger, geschweige denn einer Holzhammer-Methode, daherkommt, sondern sich schlichtweg um Fakten kümmert. Die Protagonisten werden zwar gut charakterisiert, wachsen einem aber dennoch nicht wirklich ans Herz, weil man vielmehr mit den erschreckenden Entwicklungen auf der Erde „leidet“. Man mag es am Ende gar nicht richtig glauben, dass man soeben 700 Seiten „verschlungen“ hat, ohne dass etwas wirklich Gravierendes oder Spektakuläres stattgefunden hat. Bis auf den beeindruckenden Einstieg mit der Hitzewelle in Indien, konfrontiert uns der Autor vielmehr mit dem verzweifelten Kampf gegen die vom Menschen selbst verursachte Bedrohung und spielt mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten, die allesamt durchaus realistisch erscheinen. Ich empfinde „Das Ministerium für die Zukunft“ ebenfalls als sehr wichtigen Roman, der aufzeigt, an welcher Stelle wir uns bereits seit Jahren befinden. Und dennoch unternehmen wir nichts dagegen …

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Fazit: Eindringliche Beschreibung des Klimawandels in außergewöhnlicher Romanform.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Universum von Phillip P. Peterson

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 442 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-596-70086-8
Kategorie: Science Fiction

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Mike Warnock will sich nach einer Karriere beim Militär mit seiner Familie zur Ruhe setzen. Er bucht einen Überlichtflug zu einem fernen Planeten, um dort ein neues Leben zu beginnen. Doch bei dem Sprung in eine Lichtjahre entfernte Welt geht es etwas schief und das Schiff rast Milliarden von Jahren in die Zukunft. Verzweifelt versucht die Crew des Raumschiffs zusammen mit den Zivilisten, einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden. Eine spannende Reise bis ans Ende des bekannten Universums beginnt …

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Wie nicht anders erwartet, legt Phillip P. Peterson nach „Vakuum“ erneut einen Pageturner vor, der es in sich hat. Da kann man über eventuelle wissenschaftliche Ungereimtheit jammern wie man will (ja, manche tun das wohl – ich hingegen bin kein Wissenschaftler und kann das nicht beurteilen), Fakt ist, dass „Universum“ eine unglaublich intensive Reise ist, die man nicht mehr so schnell vergisst. Immer wieder musste ich an einen meiner Lieblingsautoren im Science-Fiction-Bereich denken, nämlich Stephen Baxter, Ähnlich wie Baxter schafft es Peterson eigentlich Unmögliches derart schlüssig und verständlich zu beschreiben, dass man es absolut versteht (und auch nachvollziehen kann). Mit seinem neuen Roman nimmt Peterson seine Leser mit auf eine Reise bis ans Ende des bekannten Universums und noch weit darüber hinaus. Ich mochte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so spannend war es für mich, den Versuchen der Protagonisten beizuwohnen, um sich aus diesem Dilemma zu retten.

Die flüssige Schreibweise tat, zusätzlich zur Handlung, noch das ihrige dazu, um nur so durch die Seiten zu fliegen, weil man unbedingt wissen wollte, wie es weiter ging. Hinzu kommen noch einige unerwartete Wendungen, die dieses Leseerlebnis perfekt für mich abrundeten. Ja, dieser Roman war wirklich ein Erlebnis. Immer wieder fühlte ich mich trotz der aussichtslosen, manches Mal sogar düsteren Situationen irgendwie heimelig auf dem Raumschiff. Es war jedes Mal, wie ein Nachhause-Kommen, wenn ich das Buch wieder aufschlug, um weiterzulesen. Peterson versteht es hervorragend, seine Leser zu faszinieren und in Bann zu schlagen. Es ist ein klassisches Science-Fiction-Abenteuer, das nostalgische Gefühle in mir hervorruft, weil es sich nicht zwanghaft um Weltraumschlachten und spektakuläre Monster bemüht, sondern eine „einfache“ Geschichte erzählt. Wobei „einfach“ nicht ganz stimmt, denn das Szenario und die geschilderten Örtlichkeiten könnten im Grunde genommen gar nicht spektakulärer sein. Peterson hat sich erneut ganz nach oben in meine persönliche Liste von Science-Fiction-Lieblingsschriftstellern geschrieben.

Die Charaktere werden gut und glaubwürdig beschrieben, sodass ich mit jedem von ihnen mitfühlen konnte. Auch die Handlungsweisen waren für mich nachvollziehbar.
Was mir noch besonders aufgefallen ist (und auch sehr gut gefallen hat) sind die emotionalen Aspekte, die Peterson sehr gut mit Worten ausdrücken kann. Vor allem die Gefühle des Protagonisten gegenüber seiner Frau und insbesondere dem Sohn sind ihm eindrucksvoll gelungen. Ich konnte wirklich jeden Gedankengang diesbezüglich nachvollziehen. Diese Szenen gingen mir sehr nahe.
Insgesamt bleibt mir nur zu sagen, dass Phillip P. Peterson sein Niveau von Roman zu Roman aufrechterhalten und an manchen Stellen sogar noch toppen kann. Seine Bücher machen süchtig und ich kann es schon jetzt kaum erwarten, bis ich wieder eine neue Geschichte von ihm lesen kann.

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Fazit: Ein unglaublich beeindruckendes Abenteuer, das über den Rand des Universums hinausführt.

© 2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Ceres-Mission von A.G. Riddle

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 572 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-453-42422-7
Kategorie: Action, Science Fiction

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Die Erdoberfläche wird immer kälter. Eine Mission wird in den Weltraum geschickt, um die Ursache zu ergründen. Dabei stoßen sie auf ein Phänomen, das das Überleben der Menschheit gefährdet. Ein unglaubliches Abenteuer beginnt, um die Bewohner der ganzen Erde zu retten.

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Im Grunde genommen weiß man ja, was man bekommt, wenn A.G. Riddle draufsteht. Und genau so verhält es sich dann auch bei „Die Ceres-Mission“: Action. Spannung. Atmosphäre. Wie gewohnt, liefert der Autor einen Pageturner ab, von dem man sich nicht mehr lösen kann, sobald man einmal begonnen hat. Die Geschichte führt ins Weltall, spielt aber auch auf der Erde. Und Riddle beschreibt die Ereignisse wieder so spannend, dass man die Zeit vergisst und einen Film vor sich sieht, der einen absolut in den Bann zieht. Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, es macht einfach ungemein Spaß, dieses Buch zu lesen. Sicherlich fallen einem an der ein oder anderen Stelle ein paar Ungereimtheiten auf, aber was soll’s, man wird erstklassig unterhalten und nichts anderes wollte der Autor mit seinem Roman erreichen. „Die Ceres-Mission“ ist literarisches Popcorn-Kino erster Güte. Und auch wenn die Charaktere nicht so tiefgründig sind wie in einem hochliterarischen Werk, so fühlt und leidet man mit ihnen.

Was mir besonders gutgefallen hat, waren die Ortswechsel. Im Weltraum beginnend, verschiebt sich das Geschehen kurzzeitig auf die Erdoberfläche, bevor es dann wieder im All zum Finale weitergeht. Ich höre schon jetzt die Stimmen, die gegen eine bestimmte Wendung „wettern“, aber wenn man sich darauf einlassen kann (und das sollte man unbedingt tun), so wird man mit einem wirklich stimmungsvollen und spannenden Überlebenskampf belohnt. Ich fühlte mich an vielen Stellen an die alten Science-Fiction-Filme der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre erinnert, in denen es um das Überleben der Menschheit ging. Das Titelbild könnte ein wenig in die Irre führen, denn man erwartet eine ähnliche Geschichte wie Roland Emmerichs „The Day After Tomorrow“, bekommt aber eher eine Art „Armageddon“ serviert.

Sehr ärgerlich ist, dass in keiner Weise darauf hingewiesen wird, dass es sich hier um den ersten Teil einer Trilogie handelt. Sicherlich und glücklicherweise liest sich der Schluss wie ein richtiges Finale und man denkt, die Geschichte wäre zu Ende. Ein kleiner Hinweis wäre dennoch angebracht gewesen, denn ich wäre dadurch mit Sicherheit ganz anders an die Story herangegangen. So bleibt nur zu hoffen, dass die beiden Folgebände auch noch in Deutschland erscheinen.
Abschließend bleibt zu sagen, dass A.G. Riddle ein Garant für spannende Geschichten ist und seine Plots so schreibt, als wären bereits die Filmrechte verkauft. Ich freue mich immer wieder auf ein neues Buch dieses Autors und würde es in diesem Fall natürlich besonders begrüßen, wenn uns der Verlag nicht mit einer unfertigen Trilogie sitzen lässt.
Auf jeden Fall bekommt „Die Ceres-Mission“ von mir die volle Punktzahl.

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Fazit: Spannender und filmreifer Einstieg in eine Trilogie, die vom Überleben der Menschheit handelt.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten