Der Raum von Peter Clines

Der Raum von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31642-3
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Als Nate Tucker in seine neue Wohnung einzieht, bemerkt er schon nach wenigen Tagen, dass etwas nicht stimmt: Türen lassen sich nicht öffnen und seltsame grüne Kakerlaken befinden sich in der Küche. Als er dann die Wohnungen von seinen Nachbarn zu sehen bekommt, stellt er fest, dass deren Ausmaße überhaupt nicht zum gesamten Haus passen. Schon bald beginnt ein unheimlicher Albtraum, bei dem es um die Rettung der gesamten Menschheit geht …

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Wie schon bei „Der Spalt“ liefert Clines einen hervorragenden und sehr stimmungsvollen Einstieg in seine Geschichte. Man fühlt sich als Leser sofort wohl mit dem Protagonisten und begleitet diesen neugierig durch seine neue Wohnung und das dazugehörige Haus. Es wirkt alles mysteriös und erinnert desöfteren an den grandiosen Roman „Das Haus“ von Mark Z. Danielewski. Aber auch an „Sliver“ von Ira Levin.
Man fiebert mit und kann kaum erwarten, wie es weitergeht, obwohl gar nicht so sonderlich viel passiert. Aber gerade diese ruhige Atmosphäre, mit der Peter Clines beginnt, macht den besonderen Reiz solcher Geschichten aus, denen man sich schwer entziehen kann. Alles wirkt glaubhaft und realistisch, obwohl alles dennoch von einem permanenten Hauch mystischer Rätsel umwoben ist. Als sich dann die Hausbewohner kennen lernen, sieht man die Treffen und Gespräche, die auf dem Hausdach stattfinden, wie einen Film vor sich. Wie gesagt, der Anfang des Romans ist absolut gelungen.

Doch leider passiert bei „Der Raum“ genau das gleiche wie bei „Der Spalt“: In der zweiten Hälfte entwickelt sich der Plot zu einem übertriebenen Action-Kracher, der die vorhergehende Handlung mit einem Schlag unglaubwürdig wirken lässt. Das liegt aber keinesfalls an der gelungenen Hommage an einen der Altmeister der Horrorliteratur, H.P. Lovecraft, sondern eher am übertrieben aufgesetzten Spannungsbogen, der wohl wieder einmal alles bisher dagewesene übertreffen soll. Hätte Clines den ruhigen Weg, wie in der ersten Hälfte des Buches, weiter eingeschlagen, wäre ein fantastischer Mystery-Thriller zustande gekommen, der noch dazu eine wirklich gute Idee im Lovecraft’schen Sinne vorweisen kann. So aber quält man sich eher durch die actiongeladenen Spannungssequenzen der zweiten Hälfte und möchte nur noch erfahren, wie es ausgeht. Wie gesagt, der Plot an sich ist wirklich gut und ideenreich, aber die Umsetzung funktioniert leider nur in der ersten Hälfte. Schade, denn das hätte durchaus ein kultiger Pageturner werden können.

Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen, wobei auch hier auffällt, dass sich in der zweiten Hälfte bedeutend mehr umgangssprachliche „Ausrutscher“ und platte Witze verbergen als im ersten Teil. Das Ende wirkt wie der Film „Zathura“, nur bei weitem nicht so überzeugend. Zu viele Versatzstücke aus anderen Büchern oder Filmen kommen beim Finale zum Tragen und erdrücken den Kern der ursprünglichen Geschichte. „Der Raum“ ist gute, stimmungsvolle Unterhaltung in der ersten Hälfte und klamaukartiges Action-Feuerwerk in der zweiten Hälfte. Die vielen versteckten oder auch offensichtlichen Anspielungen auf H.P. Lovecraft und andere Bücher/Filme machen ungemein Spaß. Aber diese erfrischenden Einschübe hat Clines bereits auch in „Der Spalt“ praktiziert.
Peter Clines wird seine Anhänger finden, davon bin ich überzeugt, denn schreiben kann er, aber mich hat er mit dem Ende noch mehr enttäuscht wie bei „Der Spalt“. Dennoch ist ihm ein sehr rasanter und spannender Roman gelungen, der mich, wie schon bei „Der Spalt“, auf ein neues Werk neugierig macht, denn gute und fantastische Ideen hat Clines allemal.

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Fazit: Anfangs stimmungsvoll und überzeugend, endet der Plot leider in einem übertriebenen Action-Feuerwerk. Dennoch lesenswerter Mystery-Thriller.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Spalt von Peter Clines

Der Spalt von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 526 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31705-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Einem Team von Wissenschaftlern ist es gelungen, Menschen zu teleportieren. Damit das Experiment genügend finanzielle Mittel bereitgestellt bekommt, wird Mike Erikson als Beobachter und Berater eingesetzt, um die Geldspritzen zu rechtfertigen. Je mehr Erikson sich mit dem Experiment beschäftigt, desto schlimmer werden seine Vermutung, dass durch das Portal unheimliche Dinge geschehen.

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Peter Clines Wissenschafts-Thriller beginnt tatsächlich wie ein Roman aus der Feder von Michael Crichton. Von der ersten Seite an hat mich der Plot um das Teleportations-Portal in den Bann gezogen und ich musste mich schwer beherrschten, das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen. Clines schafft eine hervorragende Abenteuer-Stimmung, die einen nicht mehr loslässt. Man kann es kaum erwarten, wie die Geschichte weitergeht und wie sich die Personen entwickeln. Denn auch die Charakterzeichnungen, die Clines seinen Protagonisten aufdrückt, sind interessant, liebenswert und vor allem sehr menschlich, wenngleich sie nicht sehr in die Tiefe gehen. Aber das macht gar nichts, denn der Plot treibt den infizierten Leser voran, der sowieso nicht auf solche „Kleinigkeiten“ achten würde.

Der Schreibstil ist klar, flüssig und einfach gut zu lesen. Man fühlt sich, als wäre man direkt bei den beschriebenen Ereignissen mit dabei. Hin und wieder fühlt man sich eine Folge von Akte X erinnert, oftmals dachte ich aber an „Prey – Beute“ von Michael Crichton oder David Cronenbergs Kultfilm „Die Fliege“. Peter Clines ist Filmfan und bringt oft Anspielungen auf Klassiker an, die fast jeder kennen dürfte. Gerade das macht die Protagonisten so authentisch, weil sie sich nicht in einer Fantasywelt bewegen, sondern in der Realität, wie wir sie eben auch kennen. Aber das trifft leider nur auf die ersten beiden Drittel des Romans zu.

Anscheinend wollte Clines ein furioses, actionreiches Finale hinzaubern und lässt dadurch die Handlung in ein nicht mehr allzu glaubwürdiges Szenario abfallen, auf das man besser verzichtet hätte. Es wird unheimlich, apokalyptisch und fantastisch. So manches Mal fühlte ich mich da in die Verfilmung aus dem Jahre 2002 von H.G. Wells „Die Zeitmaschine“ versetzt. Die Entwicklung der Handlung war durchaus spannend und interessant, aber sie passte für mich einfach nicht zu den Anfängen der Geschichte. Klar liest sich auch im Finale „Der Spalt“ noch wie ein echter Pageturner und man sieht die beschriebenen Szenen wie einen CGI-kreierten Blockbuster vor seinem inneren Auge. Aber die Glaubwürdigkeit der ersten beiden Drittel leidet durch das aufgemotzte Finale sehr. Nichtsdestotrotz ist „Der Spalt“ ein echter Pageturner, der einen von Anfang an mitreißt und nicht mehr loslässt. Die Story wird filmreif, also sehr bildlich, beschrieben. Ich bin schon sehr auf Clines‘ neuen Roman mit dem Titel „Der Raum“ gespannt.

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Fazit: Ein Roman wie eine Achterbahnfahrt, der einen nicht mehr loslässt. Was als Wissenschaftsthriller a la Michael Crichton beginnt, entwickelt sich gegen Ende hin allerdings in eine völlig andere Richtung, nämlich zu einem Blockbuster ähnlichen Science Fiction-Fantasy-Mix mit Monstern.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Star Trek Physik von Metin Tolan

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Erschienen als Hardcover
im Piper Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-05653-3
Kategorie: Science Fiction, Sachbuch

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Was steckt wirklich hinter der Kultserie „Star Trek“? Wie genau wurden die schlauen und logischen Bemerkungen von Mr. Spock und Data von den  Drehbuchautoren recherchiert? Könnte es eine Zukunft, wie in den Star Trek-Serien und -Kinofilmen wirklich geben? Metin Tolan, Professor für Experimentielle Physik, geht den Hintergründen der Serie auf physikalisch-wissenschaftlichem Weg nach.

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Es ist schon erstaunlich, wie Tolan das macht. Einerseits versteht man als Nichtphysiker so ziemlich nichts, was da steht, aber andererseits dann irgendwie doch wieder. Ähnlich wie Stephen Hawking in seinem Meisterwerk „Eine kurze Geschichte der Zeit“ erklärt der deutsche Physiker für fast jedermann verständlich (auch wenn das jetzt meinen obigen Worten widerspricht 😉 ), auf welchen physikalischen Überlegungen die Welt von Captain Kirk und seinen Nachfolgern aufbaut. Garniert werden die wissenschaftlichen Untersuchungen mit Zitaten aus den Star Trek-Serien oder -Filmen, was den Lesefluss unheimlich auflockert und auch extrem neugierig macht. Denn anhand der zitierten Begebenheiten (an die sich der ein oder andere Fan mit Sicherheit erinnern wird, so ging es zumindest mir) leitet Tolan dann seine Untersuchungen ein. Und er geht den Dingen dabei wunderbar erfrischend auf den Grund. Es wird alles genauestens erklärt und man kann, auch wenn man es nicht immer hundertprozentig versteht, absolut nachvollziehen.

Es werden so viele Dinge der Serie behandelt, die man als Zuschauer einfach so hingenommen hat, ohne zu wissen, welch ausgeklügelte Überlegungen dahinter stecken. Das ist schon wirklich erstaunlich und faszinierend (so würde es Spock wohl eher bezeichnen), mit wie viel Liebe zum Detail den Protagonisten die Worte in den Mund gelegt wurden. Mithilfe von physikalischen Grundgesetzen wie zum Beispiel der Relativitätstheorie oder aktuellsten Forschungen auf dem Gebiet der Quantenphysik beweist Tolan, wie sehr Star Trek an der Wahrheit ist oder schon bald sein könnte. Der Warp Antrieb, das Beamen, die Holodecks, die Kommunikation, die Tarnvorrichtungen der Romulaner und Klingonen und und und … das alles wird untersucht und physikalisch zerlegt. Es macht richtig Spaß, den Ergebnissen zu folgen, und ist, wenn man sich erst einmal eingelesen hat, unheimlich spannend. Es gab Momente, in denen konnte ich das Buch nicht zur Seite legen, weil ich noch unbedingt wissen wollte, was bei den Untersuchungen herauskam.

Metin Tolans Schreibstil ist eine Mischung aus wissenschaftlich notwendigen, manchmal komplizierten Erklärungen und einem flüssigen Talkrundengespräch. Diese Mixtur lässt sich unglaublich gut und unterhaltsam lesen, so dass auch einem Menschen wie mir, der sich normalerweise nicht für Physik interessiert, gar nicht auffällt, wie die Zeit  beim Lesen verrinnt. Tolan schaffte es sogar, mich in einigen Punkten für physikalische Dinge zu begeistern.
Star Trek Fans müssen bei diesem Buch zugreifen, denn alleine schon die Zitate aus den verschiedenen Serien und Filmen bringen tolle Erinnerungen zurück. Und wenn dann noch eine wissenschaftlich fundierte Erklärung der darin beschriebenen Vorgänge folgt, muss man das als Trekkie wissen.

„Die Star Trek Physik“ ist nicht unbedingt eine leichte Lektüre, man muss seinen Kopf schon ein wenig anstrengen, wenn man den Ausführungen folgen möchte, auch wenn sie oftmals sehr bildlich dargestellt und erklärt werden. Dennoch liest sich Tolans neues Buch fast schon wie ein Roman, hat man sich erst einmal an den Sachbuch-Stil gewöhnt.
Ach ja, die „Details für Besserwisser“ sind sehr sehr physikalisch, aber man sollte sie trotzdem zumindest „überfliegen“, denn auch hier verbergen sich so manch interessante Erkenntnisse.
Wer nach diesem Buch einen Star Trek Film oder eine der Serien sieht, wird wohl auf so einiges achten. Aber nicht nur innerhalb des Star Trek Universums gibt Tolan auf so manches eine gute Erklärung ab, denn vieles lässt sich logischerweise auch auf unseren Alltag anwenden und öffnet dem Leser die Augen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Warum sehen unsere Adern, die unter der Haut verlaufen, blau aus, wenn rotes Blut durch sie hindurch fließt?

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Fazit: Für Star Trek Fans ein unglaubliches, physikalisches Abenteuer, dass die Serien und Kinofilme in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Für alle anderen lohnt sich dieser spannende Ausflug in die Wissenschaft allerdings auch, denn Metin Tolan ist ein wirklich guter Erklärer.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tripods – Die dreibeinigen Herrscher von John Christopher

Tripods

Erschienen als Broschur
im Piper Verlag
insgesamt 736 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-70349-9
Kategorie: Science Fiction, Jugendbuch, All Age

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Sie sind plötzlich da: die Tripods! Riesig, dreibeinige Maschinen aus dem All, die sich die gesamte Menschheit mit Hilfe von Kappen gefügig machen wollen, die ihre Träger zu willenlosen Marionetten machen. Will wehrt sich gegen diese Maßnahme und findet Verbündete, die sich ebenfalls nicht der Herrschaft der Außerirdischen beugen wollen. Gemeinsam versuchen sie, die Tripods zu bekämpfen …

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Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass es sich bei dem Tripods-Zyklus von John Christopher um einen Vorläufer der heutigen, sogenannten All Age-Romane und beliebten Dystopien handelt. Christopher schreibt zwar für Jugendliche, das merkt man an dem meistens sehr einfachen Schreibstil, vermag aber mit seinem Endzeit-Szenario auch Erwachsene zu faszinieren. Es macht wirklich Spaß, den Hauptprotagonisten Will und seine Freunde bei der Rettung der Welt zu begleiten.
Die Alien-Invasion, die beschrieben wird, ruft oftmals Bilder aus H.G. Wells „Krieg der Welten“ in Erinnerung, wirkt aber an keiner Stelle nachgemacht. Es ist die Ausgangssituation, in die der Leser hineingeworfen wird, die an Wells SF-Klassiker denken lässt.

Manchmal hätte ich mir schon einen etwas hochwertigeren Schreibstil gewünscht, denn gerade die Kontaktaufnahme mit den Aliens im zweiten Band hätte dadurch durchaus einen höheren Reiz gehabt. Aber nichtsdestotrotz stach der zweite Teil des Zyklus in meinen Augen aus den anderen Bänden heraus, weil er beim Leser fast schon menschliche Gefühle für die „Feinde“ aufkommen ließ. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.
Die Story wird flott vorangetrieben und nie langweilig. Christopher hat einen astreinen Abenteuer-Roman geschrieben, der Jugendliche vor fünfzig Jahren wahrscheinlich um einiges mehr begeistert hat wie heute. Die ersten drei Bände wurden in den Jahren 1966 und 1967 geschrieben und waren eigentlich eine Auftragsarbeit, was man aber an keiner Stelle herausliest. Über zwanzig Jahre später hat Christopher dann eine Vorgeschichte geschrieben, die sich hervorragend in das bestehende Bild der Trilogie einfügt.

„Die Tripods“ sind unterhaltsam und verbreiten eine sehr schöne Abenteueratmosphäre, in der man sich als Leser sofort wohlfühlt. Auch schafft das Buch, dass man sich wieder an seine eigene Kindheit voller knisternder Spannung und Abenteuer zurückerinnert.
Interessant ist, dass sich Christopher nie auf spektakuläre Kampfszenen einlässt, sondern den Plot geradlinig und ohne große Schnörkel erzählt. Das mag für den ein oder anderen Leser langweilig wirken, für mich gab es aber ein stimmiges und vor allem authenthisches Bild einer Welt, wie sie nach einer solchen Invasion durch Außerirdische durchaus aussehen könnte. Christophers Epos ist nicht nur reine Science Fiction, sondern auch ein typisches „altes“ Abenteuerbuch aus einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche noch auf Bilder in ihrer Fantasie angewiesen waren und nicht alles durch Spezialeffekte in Kinofilmen vorgesetzt bekamen.
Sciencer Fiction Fans meines Alters (Jahrgang 1964) werden einige Anleihen von damaligen SF-Filmen erkennen (wie schon erwähnt „Kampf der Welten“, aber auch zum Beispiel „Logan’s Run“), aber das erhöht das Vergnügen für ältere Leser ungemein, denn auch hier fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt.
Insgesamt ist John Christophers Alien-Invasion ein absolut unterhaltsames Lesevergnügen, das ohne Verluste die vielen Jahre seit ihrem Entstehen überstanden hat. Umso erfreulicher, dass der Piper Verlag nun eine Gesamtausgabe, in der Trilogie und Vorgeschichte vereint sind, auf den Markt gebracht hat.

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Fazit: Vorläufer der heute beliebten All Age-Romane und Dystopie-Szenarien. In einfachem Schreibstil wird eine geradlinige Abenteuergeschichte für Jugendliche und Erwachsene erzählt, die absolut unterhält.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Schiff von Andreas Brandhorst

Schiff

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 544 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-492-70358-1
Kategorie: Science Fiction

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Die Maschinen haben die Herrschaft über die Erde inne und verfolgen Spuren im ganzen All, um die Hinterlasssenschaften der Muriah, einer untergegangenen Hochkultur der Milchstraße, aufzuspüren. Dabei werden die intelligenten Maschinen von sogenannten Mindtalkern, sterblichen Menschen, unterstützt, die per Gedankenkraft durchs All reisen können. Die Mindtalker Adam und Rebecca  sind sicher, dass sie von den Maschinen betrogen werden und versuchen während ihrer Missionen die Verschwörung aufzudecken. Dabei stoßen sie auf eine weitaus größere Bedrohung für die Menschen als die, die von den Maschinen ausgeht …

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Wie macht der Mann das nur?
Diese Frage stelle ich mir bei jedem Buch von Andreas Brandhorst, das ich lese, mehrmals. So auch bei „Das Schiff“.
Immer wieder meint man, nichts zu verstehen und dennoch versteht man irgendwie alles. Das ist eine Kunst, die nur wenige Schriftsteller in dieser Art beherrschen. Brandhorst gehört eindeutig dazu.
Er nimmt uns in seinem neuesten Roman, wie bei vielen seiner Science Fiction-Geschichten, mit auf eine unglaubliche Reise durch Universen, die so manches Mal fast unsere Vorstellungskraft übersteigt. Und dieses Mal streut Andreas Brandhorst auch noch absolut tolle philosophische Gedanken ein, die sich mit dem Leben und Sterben respektive Unsterblichkeit beschäftigen. Spannung und Tiefgang halten sich in diesem Roman die Waage und man kann das Buch schwerlich aus der Hand legen.
Ein wenig düster, aber dennoch nicht deprimierend, zeichnet der Autor das Bild einer Welt, in der der Mensch von Maschinen beherrscht wird. Die glaubwürdigen Charaktere wachsen einem ans Herz und man teilt ihre Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte.

Brandhorst schafft es hervorragend, diese Endzeit-Stimmung einzufangen. Man sieht sich förmlich neben den Protagonisten auf windumwehten Gipfeln stehen und sieht zusammen mit ihnen über eine apokalyptische Landschaft. Dabei sinnt man über deren Leben, aber auch über das eigene, nach und wünscht sich, an jenem Ort im Buch zu sein, obwohl er im Grunde genommen eigentlich schrecklich ist.
Fast neige ich dazu, „Das Schiff“ als Brandhorsts bestes Buch zu bezeichnen. Sein Zukunftswelten sind visionär und vermitteln genau jenes Gefühl, das sich ein Science Fiction-Fan wünscht: unendliche Weiten, apokalyptische Szenarien und eine hochtechnisierte Zivilisation.
Man merkt, wie sehr Andreas Brandhorst selbst Science Fiction mag und liebevoll Bücher anderer Autoren und Filme in seine Handlung einfließen lässt, ohne je zu kopieren. Brandhorsts Universen sind eigenständig und angefüllt mit unendlich vielen, grandiosen Ideen. Andreas Brandhorst macht süchtig.

Der Autor setzt die Meßlatte für seine eigenen Bücher immer sehr hoch. Und dennoch wird man nie von seinen neuen Werken enttäuscht, sondern wie eh und jeh mitgerissen. Man kann sich Brandhorsts bildhaftem Schreibstil schwer entziehen. Ich kann nur wiederholen, dass sich Andreas Brandhorst für mich wie ein deutscher Iain Banks, Peter F. Hamilton oder Alastair Reynolds anfühlt. Visionäre Science Fiction-Romane, die den aufmerksamen Leser auf eine philosophische Ebene bringen, ohne die Spannung zu vernachlässigen. Brandhorst ist Abenteuerschreiber und Philosoph in einem.
Und wenn ich mir seine Entwicklung ansehe, so nähert er sich mit seinen letzten beiden Romanen „Ikarus“ und „Das Schiff“ immer mehr einem persönlichen Höhepunkt in seiner Karriere. Man darf gespannt sein (ich bin es sowieso), wohin uns sein neuer Roman „Omni“, der voraussichtlich noch dieses Jahr bei Piper erscheint, führt.

Andreas Brandhorst wird meiner Meinung nach mit jedem Roman noch besser, was an sich unglaublich ist, denn schon sein  Kantaki-Zyklus war phänomenal.

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Fazit: Visionär und philosophisch entführt Brandhorst den Leser in eine Zukunftswelt, die ihresgleichen sucht. Nach „Ikarus“ ein neues Meisterwerk.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ich danke dem Piper-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Der Sternenturm von William R. Forstchen

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 573 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-375-4
Kategorie: Science Fiction

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Mit einer 36.000 Kilometer hohen Säule ins Weltall  Die Wissenschaftler Gary und Eva Morgan wollen eine 36.000 Kilometer hohe Säule ins Weltall bauen. Damit könnte die Menschheit die weltweite Energieknappheit und das Problem der globalen Erwärmung in den Griff bekommen.  Die Morgans halten trotz Schwierigkeiten an ihrem Traum fest und schaffen es mit Hilfe eines Milliardärs, das gewaltige Projekt in Angriff zu nehmen. Doch die Politik ist nicht begeistert über diesen wichtigen Schritt der Menschheit …

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In gewohnter, anspruchsvoller Qualität entführt Forstchen mit seinem neuen Roman in eine Zukunftswelt, die vielleicht morgen schon Wirklichkeit sein könnte. Als Verbeugung vor dem großartigen Arthutr C. Clarke, der die Idee eines Sternenturms bereits 1979 in seinem Roman „Fahrstuhl zu den Sternen“ aufgriff, beschreibt Forstchen dieses Abenteuer auf seine persönliche Art und Weise. Wie bei jedem seiner Bücher schafft es der amerikanische Historiker und Schriftsteller von der ersten Seite an, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Es fällt wirklich schwer, das Buch aus der Hand zu legen, weil man so tief in der realitätsnahen Story drinsteckt, dass man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Auf populär-wissenschaftliche Weise erklärt Forstchen, wie so ein Projekt vonstatten gehen könnte und kreiert Personen und Charaktere, die man schon bald für echt hält.

Forstchen weiß, wie man wissenschaftlich fundierte Geschichten schreibt und dabei unterhält. An manchen Stellen erinnert das Ganze an Michael Crichton, aber Forstchen hat seinen ganz eigenen Stil. Ähnlich wie Stephen Baxter, Arthur C. Clarke, Gregory Benford, David Brin oder Larry Niven bringt uns der Autor an Orte, die noch nie eines Menschen Auge erblickt hat. Der Leser nimmt teil an einem gigantischen, die menschliche Vorstellungskraft sprengenden Projekt teil. Es hat schon fast Kultcharakter, was Forstchen mit „Der Sternenturm“ geschaffen hat. Die viele Jahre umfassende Vorbereitung, die auftretenden Probleme, die weltumspannenden Auswirkungen eines solchen Unternehmens werden von Forstchen derart glaubhaft dargestellt und beschrieben, dass man manchmal vergisst, einen fiktiven Roman zu lesen. Das nenne ich „echte“ Science Fiction, fernab von Raumschiffschlachten und Aliens (was ich allerdings auch mag 😉 ), sondern eine Geschichte, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Ich habe „Der Sternenturm“ genossen und hoffe, dass der Festa-Verlag noch weitere Bücher dieses tollen Schriftstellers auf den Markt bringt.

Die Charaktere sind sehr emotional und detailverliebt beschrieben, so dass man meint, sie persönlich zu kennen. Der lange Weg, den man mit diesen Protagonisten geht, findet in einem durchaus logischen Finale ein würdiges Ende. Es fällt schwer, die Familie Morgan, ihre Freunde und den Turm zu den Sternen am Ende zu verlassen. Zu wohl hat man sich in der Geschichte gefühlt und mit den Protagonisten mitgefiebert.  Auch wenn es dem ein oder anderen Leser mit Sicherheit zu ruhig ist, so empfand ich Forstchens literarische Verbeugung vor Arthur C. Clarke extrem spannend. Hinzu kommt der angenehme und  äußerst flüssige Schreibstil des Autors. Auch seine Dialoge sind wirklichkeitsnah und erwecken niemals einen übertriebenen Eindruck. Forstchen beweist mit diesem Roman wieder einmal, dass er ein richtig guter Geschichtenerzähler ist.

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Fazit: Durchdachter und wissenschaftlich fundierter (und vor allem nachvollziehbarer) Blick in eine vielleicht gar nicht mehr so weit entfernte Zukunft. Forstchens spannender Wissenschafts-Science Fiction-Roman ist Unterhaltung auf hohem Niveau.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

EXIT von Hugh Howey

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exitErschienen als gebundene Ausgabe
im PIPER Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-05648-9
Kategorie: Science Fiction

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Achtung! Für absolute Nichtkenner der SILO-Reihe besteht evtl. Spoilergefahr!

Juliette – Jules – Nichols ist mittlerweile Herrscherin von SILO 18. Zurückgekehrt von der Reinigung, wird ihr von vielen Silobewohnern erheblicher Respekt, von anderen aber auch Angst, Verunsicherung und Missmut entgegengebracht. Jules weiß dies natürlich genau, geht aber ihren Weg, denn sie hat ein Versprechen gegeben. Silo hat Solo (Jimmy) und den Kindern aus dem verlassenen, abgeschalteten Silo 17 versichert, dass sie zurückkommt, um sie zu retten. Dazu demontiert sie einen entdeckten Bohrer, der in einem versteckten Raum hinter der Mechanik gefunden wurde, und beginnt zu graben.

In SILO 1 stellt sich heraus, dass Senator Thurman nicht tot und somit Donnys Stellung mehr als gefährdet ist. Denn Thurmans eigene Tochter Anna hatte es eingefädelt, dass Donald die Rolle ihres Vaters übernimmt, um den miesen Machenschaften der Menschen der alten Welt endlich ein Ende zu bereiten und allen Menschen, die unter der Erde leben müssen, zu einem wahren, lebenswerten Leben zu verhelfen.

Doch die Herrscher von SILO 1 geben sich nicht damit ab, dass es Widerständler gibt. Sie gehen den drastischen Weg und gefährden damit die Leben von unzähligen Menschen  …

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Mit EXIT liefert Hugh Howey den dritten und letzten Teil seiner SILO-Trilogie. Der Geschichte um Menschen, die in Silos unter der Erde leben. Der Großteil dieser Menschen wurde dort geboren, ist dort aufgewachsen und stirbt dort. Dort befinden sie komplette Welten, die Bewohner wissen nicht, wie es außerhalb ihrer Welten aussieht, ein Überleben ist dort nicht möglich. Dies wird ihnen zumindest immer wieder nahegebracht. Lediglich in SILO 1 gibt es Menschen der alten Welt und unter ihnen gibt es einige, die sich erinnern und sich nicht mit dem Schicksal abgeben wollen, nie wieder die wahre Welt zu sehen.

Hugh Howey hat mit seiner Trilogie eine sehr spannende und fesselnde Science Fiction – Dystopie geliefert, die im Original komplett beim Amazon Verlag Create Space erschienen ist. Dass seine Geschichte solch einen Erfolg feiert, hat den Autor selbst überrascht. Der Piper Verlag (Randomhouse) hat alle drei Teile jeweils in schönen gebundenen Ausgaben veröffentlicht, wobei der erste Band sogar optisch noch mit einem hübschen, gelben Schnitt gedruckt wurde. Hieran wurde leider bei den Nachfolgern gespart. Dennoch machen sich die drei Romane nebeneinander sehr schön im Bücherregal, denn optisch sind sie dennoch gut angeglichen.

Handelte SILO von den Bewohnern in Silo 18, lieferte der zweite Teil LEVEL dann einen Prequel zum ersten Band und der Autor ließ hier die Leser die Geschichte von ihren Anfängen an erleben. Ausgelegte Fäden haben sich bereits innerhalb der Handlung verknüpft. Und mit seinem dritten und letzten Teil geht er weiter. Die Geschichten laufen aufeinander zu, Schicksale verbinden sich. Auch sein finaler Roman der Reihe war wieder sehr fesselnd, spannend und teilweise nervenaufreibend. Sprachlich ist der Stil recht einfach und schlicht gehalten, dennoch ist die Stimmung atmosphärisch und packend.

Howey zeigt dem Leser in seiner Geschichte wie größenwahnsinnig die Menschen sein können. Wie eigennützig und berechnend. Wie verlogen und brutal. Er zeigt aber auch, dass es Menschen gibt, die mutig sind und voller Hoffnung, die sich wagen einen Weg einzuschlagen, der nicht vorhersehbar ist.

Mir hat die gesamte Reihe großen Spaß gemacht und ich war schon traurig, dass ich nach ca. 1.200 Seiten Abschied nehmen musste von Charakteren, die mir während der Handlung ans Herz gewachsen sind.

Mein Fazit: Die Reihe ist eine spannende Mischung aus Science Fiction und Dystopie. Die Idee der Handlung gefällt mir sehr gut, ist vielleicht aber nicht neu, wie es eventuell der ein oder andere Filmfreak zu berichten weiß. Spannend, rasant, beklemmend und stark beschreibt der Autor hier das Leben und Sterben, das Kämpfen und Hoffen der Bewohner der SILOs. Ich gebe nur zu gerne eine Leseempfehlung!

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer Lust hat die Rezensionen zu den beiden ersten Teilen der Trilogie zu lesen, der klicke auf die untenstehenden Links:

Rezension zu Teil 1 – SILO

Rezension zu Teil 2 – Level

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© Buchwelten 2015

Das Drachenei von Robert l. Forward

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Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-52985-4
Kategorie: Science Fiction

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Eine Wissenschaftlerin entdeckt Leben auf einem Neutronenstern! Die Sensation ist perfekt.
Dreissig Jahre nach der Entdeckung macht sich eine Expedition (unter den Teammitgliedern befindet sich der Sohn der Wissenschaftlerin, die den Neutronenstern, das sogenannte „Drachenei“ entdeckt hatte) auf den Weg, um den bewohnten Stern aufzusuchen.
Um mit dem außerirdischen Leben Kontakt aufzunehmen, müssen die Wissenschaftler allerdings ein gravierendes Probolem lösen: Während für die Bewohner des Dracheneis ein ganzer Tag vergeht, verstreichen für die Expeditionsteilnehmer lediglich 0,2 Sekunden. Das Team erlebt sozusagen im Zeitraffertempo die Evolution einer fremden Rasse.

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„Das Drachenei“ ist einer jener Romane, der einem eingefleischten Science Fiction-Fan wie mich das Herz höher schlagen lässt. Hier geht es nicht um kämpfende Raumschiffe und böse Roboter, sondern um die Entdeckung außerirdischen Lebens.
Forward ist in erster Linie Physiker und das merkt man dem Roman auch an. Zu oft wird man mit wissenschaftlichen Details konfrontiert, die man letztendlich doch irgendwie nicht versteht. Aber das muss man auch nicht, denn den Sinn dieser Ausführungen begreift man in groben Zügen dennoch. Und das macht dieses Abenteuer aus, denn die Glaubwürdigkeit ist greifbar und auch nachvollziehbar.

Gebannt verfolgt man die Evolution dieser fremdartigen Rasse, staunt darüber, wie trotz der zeitlichen Probleme Mensch und Außerirdische in Kontakt treten können, fiebert mit den Problemen der Aliens und bangt mit ihnen um deren Zukunft.
Sicherlich gibt es die ein oder andere Länge in diesem Buch, aber der interessante und wissenschaftlich belegbare Plot lässt einen darüber hinwegsehen. Mich zumindest 😉

Der Schreibstil ist sehr angenehm und siedelt sich irgendwo zwischen hochwertig und „normal“ an. Das bedeutet, dass sich das Buch schnell und angenehm lesen lässt. Für Freunde wissenschaftlich angehauchter Hard-SF ist dieser Roman sicherlich ein Muss. Teilweise fühlte ich mich an Stephen Baxters „Flux“ oder „Eine Tiefe am Himmel“ von Vernor Vinge erinnert.

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Fazit: Wissenschaftliche Hard-SF, die es in sich hat. Eine packende, faszinierende Geschichte in einen unterhaltsamen Roman verpackt. Solche Bücher wünscht sich der Science Fiction-Fan.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Wolfgang Brunner im Gespräch mit Gregory Benford / Wolfgang Brunner in conversation with Gregory Benford

 

Wolfgang Brunner im Gespräch mit Gregory Benford 

Das Interview ist im Anschluss an die freie deutsche Übersetzung noch im amerikanischen Original veröffentlicht.

The original interview in American is published below the German translation.

GB 2010

 

Gregory Benford, Jahrgang 1941, ist ein bekannter US-amerikanischer Science Fiction Autor. Als Physiker lehrt er an der University Of California in Irvine.
Mit seinem Zeitreise-Roman „Zeitschaft“, mittlerweile zum SF-Klassiker geworden, gewann Benford 1980 den Nebua Award und den Jon W. Campbell Memorial Award. In den 90er Jahren schrieb er einen der drei autorisierten Fortsetzungsromane von Isaac Asimovs Foundation-Zyklus.

Buchwelten freut sich außerordentlich, ein Interview mit dem Literatur-Preisträger zu präsentieren.

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Gregory Benford bedeutet hochwertige Science Fiction. Woher nimmst Du Deine Ideen? Trume, wahre Begebenheiten oder einfach nur konzentriertes Nachdenken?

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Meistens aus der Forschung. Zeitschaft (Timescape) entstand durch meine Doktorarbeit an der UCI (University Of California) San Diego in den 60er Jahren und meine Arbeit als Referendar in Cambridge im England Mitte der 70er Jahre. Ich veröffentlichte Studien über Tachyonen, theoretische Teilchen, die sich schneller als das Licht bewegen, und deren Quantenmechanik.
Meine Karriere alsLaborant und theoretischer Physiker verschaffte mir diesen „komplizierten Tanz“ in der akademichen Forschung.
Meine sechsbändige Reihe (
Contact-Zyklus) über das galaktische Zentrum entstand durch meine astrophysikalischen Arbeiten im Zentrum für Astronomie in Cambridge, wo ich die Idee von magnetisch gesteuerten Düsen – heute übrigens eine anerkannte Weisheit – und die magnetische Umgebung des Schwarzen Loches in unserem eigenen galaktischen Zentrum behandelte. Natürlich war von den Romanen nicht zu erwarten, dass sie den Alltag im Leben eines Wissenschaftlers widerspiegeln. Das war dann ausschaggebend für mich, die Science Fiction zu erkunden, da es so wenig über diesen primären menschlichen Arbetsbereich gibt.

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Du hast zusammen mit David Brin und Greg Bear eines der bedeutendsten Werke der SF-Literatur, Isaac Asimovs Fundation Zyklus, fortgeführt. Wie fühlte sich das für Dich an?

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Janet Asimov kam auf mich zu. Die Idee, weitere Romane, die im Foundation-Universum handeln, zu schreiben, stammte von Janet Asimov und dem Repräsentanten von Asimovs Nachlass, Ralph Vincinanza. Von ihnen angesprochen, habe ich zunächst abgelehnt, da ich mit der Ausführung des High Energy Density Physics Laboratory an der UCI Irvine und meinen eigenen Romanen beschäftigt war. Aber mein einmal gewecktes Unterbewusstsein konnte dieses Angebot nicht ablehnen.
Nach einem halben Jahr des Kampfes mit Ideen für das Foundation-Universum, die oft in Träumen kamen und mich nicht mehr losließen, habe ich schließlich Ralph Vicinanza angerufen und mit ihm begonnen, einen Plan mit einer passenden, komplexen Handlungskurve und entsprechender Logik zu konstruieren, die in mehreren Romanen enthüllt werden sollten.
Obwohl wir mit mehreren Autoren über dieses Projekt sprachen, erschienen uns zwei Hard SF Autoren, die weitestgehend von Asimov beeinflusst waren und und unangefochten technische Fähgkeiten besaßen, als am besten geeignet: Greg Bear und David Brin.
Bear, Brin und ich hielten engen Kontakt, während in den ersten Band schrieb. Wir beabsichtigten drei eigenständige Romane, bei denen wir am Ende aber ein übergreifendes Mysterium schafen wollten. Erste Elemente erschienen in meinem Roman
Der Aufstieg der Fundation (Foundation`s Fear), wurden dann in Gre Bears Foundation und Chaos (Foundation And Chaos) weiter verstärkt, um dann in David Brins Der Sieg der Foundation (Fundation`s Triumph) fertiggestellt zu werden.

Ich verstreute in meiner Geschichte Details und Schlüsselelemente, die später Früchte trugen.
Ich hatte mich immer gefragt Die Foundation-Serie begann im Zweiten Weltkrieg, als sich Amerika geradewegs in Richtung Weltmacht entwickelte und ihren Zenit fast erreicht hatte. Die Serie spielt sich über Jahrzehnte ab, als die Vereinigten Staaten Angelegenheiten auf der ganzen Welt in einer Weise dominierten wie keine andere Nation es je tat. Nun bedeutet die Fundation Imperium und Verfall gleichzeitig. Wurde dieser Verrat zu einer Angst, geboren in dem Moment, als sie sich ihrem glorreichen Höhepunkt näherte?
Außerdem konnten wir mit dem „Fans sind Slans“-Syndrom arbeiten, der Übermenschen-Mentalität in Cmic-Bchern, wo der Held wie Achilles jenseits einer Rechenschaftspflicht gegenüber den Massen handelt
viel Nährboden für uns um darzustellen, wie unserer Meinung nach die große Zukunft aussehen könnte.

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Welches sind Deine literarischen Vorbilder? Und was liest Du privat?

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Mainstream: John Updike, Hemingway, Faulkner, Ian McEwan, Raymond Chandler.
SF: Heinlein, Clarke, Stapledon, Asimov, Ursula LeGuin, Joanna Russ.
Ich las viel, aber immer auf ein Genre begrenzt: Michael Connelly, James Cambias, Linda Nagata, Nancy Kress
es gibt so viele!

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Welche Filme siehst Du gerne in Deiner Freizeit?

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Viele europäische Filme. Und die vor kurzem gemachten SF-Filme wie Her, Gravity, Under The Skin, Europa Report. Ich liebte auch Lola rennt.

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Ein Schriftsteller hat meistens unzählige Projekte im Kopf, die noch nicht geshrieben wurden. Welches davon liegt Dir momentan am meisten am Herzen und warum hast Du es noch nicht geshrieben?

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Ich habe zwei Kurzgeshichten, die Romane werden sollen. Eine über eine SETI-Bibliothekarin und die andere handelt von einer weiblichen Unternehmerin im Sonnensystem – beide Frauen leben Jahrhunderte in der Zukunft. Und dann habe ich noch eine alternative Geschichte über den Zweiten Weltkrieg, in der die USA nicht die Fehler macht, die sie mit dem Manhattan Projekt begangen haben. Deutschland wird aus Hitlers „Götterdämmerung“ gerettet und wir halten die Sowjets aus dem Osten raus. Und es gibt auch noch jede Menge physikalischen Spaß!

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Wieso denkst Du, hat es gute SF so schwer, als literarische Gattung akzeptiert zu werden? Zumindest verhält es sich in Deutschland so. Ist es womöglich in den USA anders?

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SF gewinnt langsam an Akzeptanz, wie damals harte Kriminalromane in den 40er und Folgejahren. Nun haben Chandler und JD McDonald den Test gegen die Zeit und unsere alten Feinde, die literarischen Torhüter der konventionellen Weisheit, überstanden. Philip K. Dick schuf Blade Runner und plötzlich kam die langsame Erkenntnis, dass unsere Gegenwart den Visionen aus Dicks Vergangenheit ähneln. Ähnliches zeichnet sich bei der Entwicklung unserer Technik-Kultur ab, die die Science Fiction Literatur immer mehr in den Vordergrund bringen wird, mehr und mehr.

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Eine Frage an den privaten Gregory Benford: Welchen Traum willst Du Dir unbedingt noch erfüllen?

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Länger leben! Ich gründete mehrere genetische Unternehmen nach dem Tod meiner Frau, und wir haben mittlerweile nützliche Produkte, die die Vitalität bis zu einem Alter von nahezu 100 Jahren verlängern. Außerdem möchte ich den Weltraum kommerzialisieren, um die riesigen Ressourcen unseres Sonnensystems zu öffnen, damit ein Großteil der Menschheit sich dorthin begeben kann. Alle diese Ziele sind stark miteinander verbunden.

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Dein neuester Roman ist eine Zusammenarbeit mit dem wunderbaren Autor Larry Niven. In Himmelsjäger (Bowl Of Heaven) entdeckt die Menschheit in der Zukunft ein schüsselförmiges Gebilde, das mit einer Hälfte einen Zwergstern umschließt und dessen austretende Energie als Antrieb nutzt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

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In der Science-Fiction ist ein „Big Dumb Object“ (Großes dummes Objekt) ein riesiges, geheimnisvolles Objekt, das allein durch seine Anwesenheit ein intensives Gefühl der Verwunderung erzeugt. Sie müssen nicht in sich konstruiert sein, obwohl – vielleicht drückt sich so der „dumme“ Aspekt bei ihnen aus.
Larry sagte auf einer Party zu mir: „Große dumme Objekte sind so viel einfacher. Zerstörte Zivilisationen, wo wie ich es bei
Ringwelt gemacht habe, sind so viel einfacher. Los, lass es uns angehen.“
Ein Intelligentes Objekt ist statisch instabil, aber dynamisch stabil, so wie wir, wenn wir gehen. Wir fallen auf einem Bein nach vorn und fangen uns dann mit dem anderen selbst auf. Das benötigt eine Menge schnelle Signalverarbeitung und Koordination. (Wir sind das einzige große Tier ohne Schwanz, das dieses gemeistert hat. Zwei Beine sind eine wacklige Angelegenheit ohne ein großes Gehirn oder einem stabilisierenden Schwanz.) So schrieben wir
Himmelsjäger (Bowl Of Heaven) und entschieden, dass wir zwei Bände dazu brauchten , um das Ganze zu einem Großen Intelligenten Objekt aufzubauen . Das schüsselförmige Gebilde muss kontrolliert werden, denn es ist nicht neutral stabil. Nivens Ringwelt ist ein Großes Dummes Objekt, seit es passiv stabil ist, so wie wir, wenn wir still stehen. (Oder die Ringwelt würde Gefahr laufen, durch einen Schubser in die Sonne zu fallen. Dieses Problem konnte ziemlich einfach rechtzeitig gelöst werden. Larry setzte aktive Stabilisatoren in den zweiten Ringwelt-Roman ein.) Es gibt mehrere Große Dumme Objekte in der SF, aber soweit ich weiß eben keine inteligenten. Unser Großes Intelligentes Objekt ist größer ist als die Ringwelt und fliegt mit einem ganzen Stern als der Motor irgendwo hin.
Unser schüsselförmiges Objekt ist eine mehr als hundert Millionen Meilen große Muschel, das durch die Schwerkraft und einige elektrodynamischen Kräfte zu einem Stern wurde. Der Stern erzeugt einen langen Strahl aus heißem Gas, der so gut magnetisch eingeschlossenen ist, dass er durch ein Loch in der Krone der muschelförmigen Hülle ihn antreibt. Dieser Strahl treibt das gesamte System vorwärts – ein Stern verwandelte sich buchstäblich in den Motor eines „Schiffes“, welches die Muschel, also das schüsselförmige Objekt ist. Im Inneren der Muschel wächst eine aufstrebende Zivilisation. Die Struktur des Romans ähnelt nicht sehr Larrys Ringwelt, weil wir es mit dem Problem von Eingeborenen zu tun haben.
Unser Intelligentes-Schüssel-Objekt sitzt nicht einfach nur fest und wartet auf Besucher und die Bewohner leben ihren Alltag wie in
Ringwelt, sondern es bewegt sich.

Wir begannen mit dem Naheligendsten: Wohin gehen sie und warum?

Die Beantwortung dieser Frage nimmt den gesamten Rahmen der beiden Romane ein. Das macht den Spaß an intelligenten Objekten aus – sie flößen nicht nur Ehrfurcht ein, sondern sie faszinieren. Mein Großvater pflegte einst beim Krabbenfischen im Golf von Mexiko zu sagen: Ein Boot ist nur auf der Suche nach einer Stelle, um zu sinken.

Als wir begannen, uns solch ein neues, glänzendes Großes Intelligentes Objekt auszudenken, sagte ich: Eine künstliche Welt wartet geradezu darauf, aus den Nähten zu platzen.
Stell Dir vor: Du lebst nur wenige Meter von einem hohen Vakuum entfernt, das sich aufgrund der Drehbewegung (die die Zentrifugalkraft liefert) rasend schnell bewegt. Das macht es einfach, um Schiffe zu starten, da diese die Drehgeschwindigkeit in Bezug auf das Objekt oder die Ringwelt nutzen … aber das bedeutet auch, dass große Mengen an anfallenden Belastungen ausgeglichen werden müssen.
Lebewesen auf der Sonnenseite wollen basteln, neue Dinge ausprobieren …
„Weißt du Fred, ich denke, ich kann dieses Sanitär-Problem nur mit einem kleinen Rechtsdreher hier beheben. Uh-oops!“
Das Vakuum kann dich schon mal schnell heraussaugen. Plötzlich bewegst Du Dich mit tausend Kilometern pro Sekunde auf einer Tangente weg – um einiges schneller als die 50 km / s, die man benötigt, um dem Stern zu entkommen. So etwas macht die Erkundung von nahen Sternen auf „Vorbeiflieg-Missionen „einfach.

Aber dieser einfache Ausgang ist natürlich eine Gefahr. Auf einem Großen Intelligenten Objekt zu leben, bedeutet, dass man besser auf sich selbst aufpassen sollte.

Larry und ich haben mit diesen Ideen schon seit Jahren herumgespielt, bevor wir uns entschlossen, jetzt ernsthaft und tatsächlich diese Bücher zu schreiben. Dabei stellte sich heraus, ass es sogar noch mehr Spaß machte, als wir uns dachten. Hard SF funktioniert in der gleichen Art wie Wissenschaft – Kooperationen sind häufig und es gibt einen kulturellen Austausch, um die Durchführung von ausgearbeiteten Ideen durch Beispiele (Versuche) und Big Ideas (Theorie) voranzubringen. SF formte einst die Kultur, die moderne SF wahr gemacht hat – technisch-wissenschaftliche Macher, die unsere moderne Welt kreiert hat.

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Welchen Deiner Romane würdest Du heute anders schreiben, hättest Du die Möglichkeit dazu?

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Wahrscheinlich meinen ersten: „The Stars in Shroud“. Ich finde ihn heutzutage ein bisschen deprimierend, aber diese Stimmung hielt ich damals für serios. Ich war noch jung!

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Wärst du kein Schriftsteller, welchen Beruf hättest Du dann ergriffen?

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Ich bin ein Teilzeit-Schriftsteller! Mein richtiger Job war Professor der Physik und Astronomie an der UC Irvine. Ich bin jetzt im Ruhestand, halte aber mein Büro an der UCI aufrecht und leite mehrere Unternehmen fpr Genetik. Science Fiction kommt dann an dritter Stelle auf meiner Karriereleiter.

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Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Buchwelten wünscht Dir alles Gute für alle kommenden Veröffentlichungen.. Wer mehr über Gregory Benford erfahren möchte, sollte sich auf seiner Homepage umsehen.

© 2014 Gregory Benford / Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Wolfgang Brunner in conversation with Gregory Benford

 

Gregory Benford, born in 1941, is a well-known American science fiction author. As a physicist, he teaches at the University of California at Irvine.
With his time-travel novel, „Timescape“, an SF classics, Benford won the 180 Nebula Award and the John W. Campbell Memorial Award. In the 1990s he wrote one of the three authorized sequels of Isaac Asimov’s Foundation-cycle.

Buchwelten is very proud to present an interview with the literature prize winner.

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Gregory Benford means high quality in science fiction. Where do you get your ideas? Dreams, true stories or just concentrated thought?

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Research, mostly. Timescape came from my doctoral thesis at UC San Diego in the 1960s, plus my work while a Fellow at Cambridge, England in the middle 1970s. I published papers on tachyons, the theoretical particles that move faster than light, and on their quantum mechanics.My career as a lab and theoretical physicist gave me the intricate dance of academic research. My Galactic Center series of six novels came directly fromm my astrophysical work at Cambridge’s Center for Astronomy, where I introduced the idea of magnetically controlled jets—now the accepted wisdom—and the magnetic environment around the black hole at our own galactic center. Of course, novels aren’t about science expect as it enters through the lives of scientists. That seemed the right ground form me to explore in fiction, since so little fiction is about a primary human arena—work.

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You have continued together with David Brin and Greg Bear one of the most important works in science-fiction literature (Isaac Asimov’s Foundation-cycle). How does the work feel to you?

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Janet Asimov approached me. The idea of writing further novels in the Foundation universe came from Janet Asimov and the Asimov estate’s representative, Ralph Vicinanza. Approached by them, I at first declined, being busy with running the High Energy Density Physics Laboratory at UC Irvine, and my own novels. But my unconscious, once aroused, refused to let go the notion. After half a year of struggling with ideas plainly made for the Foundation—often coming in dreams, persistently demanding expression–I finally called up Ralph Vicinanza and began putting together a plan to construct a fittingly complex curve of action and meaning, to be revealed in several novels. Though we spoke to several authors about this project, the best suited seemed two hard sf writers broadly influenced by Asimov and of unchallenged technical ability: Greg Bear and David Brin.

Bear, Brin and I kept in close touch while I wrote the first volume, intending to create three stand-alone novels which none the less carry forward an overarching mystery to its end. Elements of this make their first appeared in Foundation’s Fear, then amplified further through Greg Bear’s Foundation and Chaos, finding completion in Brin’s Foundation`s Triumph. I planted in the narrative prefiguring details and key elements which bore later fruit.

I had always wondered: The Foundation series began in World War II, as America arced toward its zenith as a world power. The series played out over decades as the United States dominated the world’s matters in a fashion no other nation ever had. Yet the Foundation is about imperium and decline. Did this betray an anxiety, born even in the moment of approaching glory?

Plus we could work with the „fans are slans“ syndrome, the übermensch mentality in comic books, the hero as Achilles, beyond accountability to the great, unwashed masses…plenty of ground for comment on how we see our vast future.

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What are your literary heroes? And what do you read in your leisure time?

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Mainstream: John Updike, Hemingway, Faulkner, Ian McEwin, Raymond Chandler. SF: Heinlein, Clarke, Stapledon, Asimov, Ursula LeGuin, Joanna Russ. I read widely but in genre, Michael Connelly, James Cambias, Linda Nagata, Nancy Kress many!

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What kind of movies do you watch in your spare time?

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Lots of European films, liked recently the sf movies Her, Gravity, Under the Skin, Europa Report. Loved Run, Lola, Run.

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A writer usually has numerous projects in his head, that have not been written yet. Which one is currently your favourite and why do you have it not written already?

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I have two series stories that will become novels, one on a SETI Librarian, the other a woman entrepreneur in the solar system—both women centuries from now. Plus an anlernate history of WWII in which the USA does not make the mistakes it did make in our Manhattan Project, and we get the bomb in 1944. Germany gets saved from Hitler’s Gotterdamerung and we keep the Soviets out of the East. Much physics fun, too!

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Why, do you think, is it so hard for good sf to be accepted as a literary genre? At least it behaves here in Germany like this. Is it possibly in the U.S. Different?

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SF is slowly gaining acceptance, as hardboiled detective fiction did in the 1940s onward. Now Chandler and J D McDonald have stood the test of time against our old enemies, the literary gatekeepers of conventional wisdom. Phil Dick made it with Bladerunner and then the slow realization that our present resembles his past visions. Similar ways of looking at our evolving technoculture will bring sf to the fore, more and more.

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A question to the private Gregory Benford: What dream do you still want to make true?

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Living longer! I started several genetic companies after my wife died, and we now have useful products that can extend vitality into ages approaching 100. Plus getting into space commercially, opening the vast resources of our solar system to uplift the bulk of humanity. All these goals are intricately interconnected.

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Your latest novel is a collaboration with the wonderful author Larry Niven. How did it happen?

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In science fiction, a Big Dumb Object is any immense mysterious object that generates an intensesense of wonder just by being there. They don’t have to be inert constructs, though – so perhaps the dumb aspect also expresses the sensation of being struck dumb by the scale of them.

Larry said to me at a party, “Big dumb objects are so much easier. Collapsed civilizations are so much easier, the way I did Ringworld. Yeah, let’s bring them up to speed.” A Smart Object is statically unstable but dynamically stable, as we are when we walk. We fall forward on one leg, then catch ourselves with the other. That takes a lot of fast signal processing and coordination. (We’re the only large animal without a tail that’s mastered this. Two legs are dangerous without a big brain or a stabilizing tail.) So we wrote Bowl of Heaven, deciding that we needed two volumes to do justice to a Big Smart Object. The Bowl has to be controlled, because it’s not neutrally stable. His Ringworld is a Big Dumb Object since it’s passively stable, as we are when we stand still. (Or the ringworld would be except for nudges that can make it fall into the sun. Those are fairly easy to catch in time. Larry put active stabilizers into the second Ringworld novel.)

There’ve been several Big Dumb Objects in sf, but as far as I know, no smart ones. Our Big Smart Object is larger than Ringworld and is going somewhere, using an entire star as its engine.

Our Bowl is a shell more than a hundred million miles across, held to a star by gravity and some electrodynamic forces. The star produces a long jet of hot gas, which is magnetically confined so well it spears through a hole at the crown of the cup-shaped shell. This jet propels the entire system forward – literally, a star turned into the engine of a “ship” that is the shell, the Bowl. On the shell’s inner face, a sprawling civilization dwells. The novel’s structure doesn’t resemble Larry’s Ringworld much because the big problem is dealing with the natives.

Our smart Bowl craft is also going somewhere, not just sitting around, waiting for visitors like Ringworld–and its tenders live aboard.

We started with the obvious: Where are they going, and why?

Answering that question generated the entire frame of the two novels. That’s the fun of smart objects – they don’t just awe, they intrigue.

My grandfather used to say, as we headed out into the Gulf of Mexico on a shrimping run, A boat is just looking for a place to sink.

So heading out to design a new, shiny Big Smart Object, I said, An artificial world is just looking for a seam to pop.

You’re living just meters away from a high vacuum that’s moving fast, because of the Bowl’s spin (to supply centrifugal gravity). That makes it easy to launch ships, since they have the rotational velocity with respect to the Bowl or Ringworld… but that also means high seam-popping stresses have to be compensated. Living creatures on the sunny side will want to tinker, try new things…

Y’know Fred, I think I can fix this plumbing problem with just a drill-through right here. Uh—oops!”

The vacuum can suck you right through. Suddenly you’re moving off on a tangent at a thousand kilometers a second—far larger than the 50 km/sec needed to escape the star. This makes exploring passing nearby stars on flyby missions easy.

But that easy exit is a hazard, indeed. To live on a Big Smart Object, you’d better be pretty smart yourself.

Larry and I kicked these ideas around for years before we decided to get serious and actually write the books. That turned out to be even more fun. Hard SF works the way science does —collaborations are common, and there’s a cultural conversation, carrying forward ideas through worked out examples (experiments) and Big Ideas (theory). SF models the culture that brought modern SF into being — the techno-scientific doers who made our modern world.

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Which one of your novels would you write differently today, if you would have the chance?

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Probably my first, The Stars in Shroud. I find it a bit depressing now, a mood I mistook for gravitas. I was young!

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If you were not a writer, what job you had taken then?

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I’m a part time writer! My real job was as a professor of physics & astronomy at UC Irvine. I’m retired from that, but keep my UCI office, and am running several genetics companies. Fiction comes in third place, then, in my career list.

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Thank you for answering my questions and Buchwelten still wants all the best for all your upcoming releases.

More about Gregory Benford on his Homepage.

© 2014 Gregory Benford / Wolfgang Brunner for Buchwelten

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Roter Mond von Benjamin Percy

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im penhaligon Verlag
insgesamt 640  Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-7645-3123-2
Kategorie: Fantasy / SciFi Thriller
Erscheinungstermin: 24. März 2014

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Die jugendliche Claire Forrester erlebt ein ganz normales Teenager-Dasein mit „langweiligen Eltern“. Zumindest lebte sie in diesem Glauben, bis zu jenem Abend, an dem Agenten der Regierung die Türe ihres Hauses eintreten und ihre Eltern umbringen. Claire ergreift die Flucht und sie kann sich den Übergriff nur damit erklären, dass sie eine Lykanerin ist, ein Mensch, der außerdem das Wesen eines Wolfes in sich trägt. Die meisten Lykaner leben ein ruhiges, normales Leben, gehen ihren Jobs nach und unterdrücken das Virus durch Medikamente. Allerdings gibt es auch jene mit Beziehungen, die das Medikament nicht nehmen, dennoch „gute“ Blutproen vorweisen können und aber weiterhin einen „klaren“ Kopf haben, denn Volpexx macht u.a. träge und dösig.

Für Patrick Gamble steht ein Wandel an. Seit frühester Kindheit beim Vater aufgewachsen, muss er nun zu seiner Mutter umziehen, die er kaum kennt. In seiner frühesten Kindheit hat sie ihre Familie verlassen und Patrick hat keinerlei Beziehung zu ihr. Dennoch, der Umzug ist unausweichlich, sein Vater muss beruflich in die Republik. Ein Stück Land in dem die Lykaner leben und das durch die Regierung überwacht wird, weil es dort außerdem ein reiches Uranvorkommen gibt. Patrick, ein schüchterner junger Mann, steht urplötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Flug, der ihn zu seiner Mutter bringen soll, wird Opfer eines grausamen Terroraktes. Und Patrick ist der einzige Überlebende in diesem, von einem Lykaner überfallenen, Flugzeug.

Chase Williams, Gouverneur und Frauenheld, will politisch weiter hoch hinaus. Die Gefahr durch die Lykaner, den Widerständlern in deren Reihen, nutzt er geschickt aus, um seinen steilen Weg nach oben bis auf die oberste Stufe zu erklimmen. Dummerweise wird er plötzlich selbst infiziert und Chase Williams setzt alles daran, sein dunkles Geheimnis zu hüten …

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Die Inhaltsangabe sowie die Worte zweier meiner Lieblingsautoren Stephen King und John Irving zu diesem Roman, haben mich auf dieses Buch neugierig gemacht. Es schien sich außerdem nicht um eine typische Werwolf-Story zu handeln, daher war ich mehr als gespannt.

Die erdachte Story und der Schreibstil von Benjamin Percy gefielen mir sehr gut und haben mich angesprochen. Die Grundidee der Handlung ist gut und die Protagonisten sind völlig unterschiedliche Personen, deren Charaktere gut ausgearbeitet sind. Nach und nach kommen immer mehr Zusammenhänge heraus, die Handlungsstränge verknüpfen und kreuzen sich. Im Laufe der Erzählung werden Claire und Patrick auf Grund ihrer Erlebnisse um einiges reifer, was mir gut gefiel. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis für vielleicht etwas zartbesaitete Leser: Es geht oft hefitg, brutal und blutig zur Sache. Wer kein Blut lesen kann, sollte dies berücksichtigen. Für mich passen diese Szenen aber sehr gut in die Handlung und müssen auch sein, um die Dramatik rüberzubringen.

Dass die Protagonisten junge Erwachsene (Young Adults) sind, die teilweise heftig ums Überleben kämpfen und auf der Suche nach etwas extrem Wichtigem sind (was, mag ich nicht verraten), hat mich oftmals an „Partials“ von Dan Wells erinnert, auch wenn die Handlung an sich eine völlig andere ist. Aber auch die innere Zerissenheit der Hauptfiguren hier hat mich diesen Vergleich ziehen lassen

Jedoch empfand ich den letzten Teil des Romans, das Ende, leider als zu schnell. Die Auflösung der verschiedenen Handungsstränge, die über Kapitel hinweg dramatisch, wichtig und fesselnd waren, wurden plötzlich innerhalb von einigen Absätzen aufgelöst und abgehakt. Das finde ich persönlich schade.

Der Verlag präsentiert den Roman in einer gebundenen Ausgabe mit Leseband, mit einem (natürlich) roten Cover. Es spricht mich an und passt natürlich perfekt zum Titel des Romans.  Die Kapitel sind nicht zu lang, so dass ich als Leserin flott durch die Seiten gelesen habe.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen spannenden, packenden Werwolf Roman. Der Autor liefert eine gute Handlung in einer fesselnden Stimmung. Teilweise recht heftig beschrieben, was aber gut zur Story passt. Lediglich das – mir – zu schnell abgehandelte Ende lassen mich einen Punktabzug vornehmen.

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Ich danke penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014