Ein Killer wie du und ich von Dan Wells – Serienkiller VI

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
331 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-3-492-28025-9

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Nur noch drei Verwelkte sind übrig, die John Cleaver beseitigen will. Dieses Mal macht er sich ohne Brooke und FBI auf die Jagd und landet in einem Ort namens Lewisville. Denn dort geschehen seltsame Morde, bei denen die Opfer ertrinken, obwohl absolut kein Wasser in der Nähe ist. John trifft in dem kleinen Ort tatsächlich auf Dämonen und erfährt, dass sich ihre Königin dort aufhält. Bei seinen Ermittlungen kommt er der geheimnisvollen Mörderin immer näher, bis er letzten Endes aber feststellen muss, dass das Offensichtliche nicht immer die Wahrheit ist.

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Hier ist er also nun: Der Abschlussband des Serienkiller-Zyklus von Dan Wells. Ursprünglich als Trilogie geplant, wurde die Geschichte um John Cleaver aufgrund des Erfolges auf das doppelte aufgebläht. Was mit einem eher schwachen vierten Teil begann und sich mit einem bedeutend besseren fünften Band fortsetzte, findet nun in einem finalen sechsten Roman durchaus einen würdigen Abschluss.
Aber der Reihe nach: Zuerst einmal muss erfreulich festgestellt werden, dass der Piper-Verlag der Optik der gesamten Reihe treu geblieben ist und auch den sechsten Teil der Buchserie im sogenannten Rough-Cut publiziert hat. Auch das Cover passt sich sämtlichen Vorgängern an und lässt nun die komplette Reihe in einer optisch sehr ansprechenden Form im Buchregal erstrahlen. Das ist leider bei Reihen nicht immer der Fall.

Nun aber zum Roman: Dan Wells‘ Schreibstil ist auf jeden Fall wandelbar. Das hat er mit „Bluescreen“ bewiesen, der sich von den Serienkiller-Romanen unterscheidet, in dem er einen stiltechnisch anderen Weg geht. Bei „Ein Killer wie du und ich“ benutzt Wells allerdings wieder seinen flüssigen, relativ einfach gehaltenen Stil bei und macht auch diesen Roman zu einem Pageturner, den man locker in ein, zwei Tagen weglesen kann.
Im Gegensatz zum vierten Teil, der für mich persönlich der schlechteste der Reihe ist, führt Wells hier wieder ein Beerdigungsinstitut ein. Der Einstieg erinnert fast ein bisschen an die grandiose HBO-Serie „Six Feet Under“ und als Leser fühlt man sich wieder an die ersten drei Teile im John Cleaver zurück erinnert, wo das Bestattungsunternehmen seiner Familie eine Nebenrolle gespielt hat. Der Kreis schließt sich irgendwie mit dieser Rückführung zu den Anfängen und stellt einen sehr stimmungsvollen Handlungsort dar. Ich empfand diesen Abschlussband daher als sehr atmosphärisch und angenehm. Die Einführung neuer Personen gelang dem Autor absolut gut. Doch Johns alte Wegbegleiter werden erfreulicherweise niemals ganz vergessen, sondern immer wieder erwähnt, was der gesamten Reihe einen sehr glaubwürdigen Charakter verleiht. Im Nachhinein gesehen ergeben alle sechs Romane ein überzeugendes Gesamtbild, so dass man alle Bücher sofort wieder hintereinander lesen möchte, um auch sämtliche Kleinigkeiten zu erfassen.

Dan Wells hat einen faszinierenden Charakter erschaffen, der nicht umsonst großen Anklang bei den Fans fand. Beim Ende werden sich wohl leider die Lager spalten. Ohne etwas zu verraten, kann ich nur sagen, dass sich Dan Wells wirklich große Mühe gemacht hat, einen überraschenden Schlusspunkt zu verfassen. Gelungen ist ihm das auf jeden Fall und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir das Ende doch auf gewisse Art und Weise, wenngleich ich anfangs etwas verwundert über die Entwicklung der Geschichte war. Es ist einfach nur ein schönes, abgeschlossenes und irgendwie doch offenes, Ende geworden, das der Serie zwar gerecht wird, zum Nachdenken anregt, aber dennoch nicht wirklich glaubhaft erscheint. John Cleavers Charakter macht auf nur wenigen Seiten plötzlich eine Veränderung durch, die man ihm nicht wirklich abnimmt. Wie gesagt, Wells wollte mit Sicherheit kein absehbares Finale haben und hat sich aus diesem Grund für diese Entwicklung entschieden, aber er hätte Johns Entscheidung(en) vielleicht mit ein paar Seiten mehr besser und für den Leser nachvollziehbarer erklären sollen, dann wäre es zumindest stimmiger gewesen.
Nichtsdestotrotz verlässt man John Cleavers Dämonenwelt äußerst ungern und wünscht sich nun fast, dass es doch noch weitergeht, obwohl man nach dem vierten Teil dachte, Dan Wells hätte es doch besser bei der geplanten Trilogie belassen. Ich empfand „Ein Killer wie du und ich“ als absolutes, kurzweiliges Lesevergnügen, das ich jederzeit wiederholen könnte und vielleicht im Gesamtpaket auch noch einmal tun werde.

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Fazit: Sehr stimmungsvoller Abschlussband der Serienkiller-Reihe. Das Ende wird allerdings das Lager der Fans spalten.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Murder Park von Jonas Winner

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 414 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-42176-9
Kategorie: Thriller

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„Zodiac Island“ war vor 20 Jahren ein sehr beliebter und erfolgreicher Freizeitpark. Doch dann werden drei Frauen ermordet und der Park schließt. Jetzt wird eine neue Vergnügungsstätte geplant, in der es um genau jenen Serienkiller geht. Die Verantwortlichen wollen mit den Ängsten der Besucher spielen und geben dem Abenteuerpark den Namen „Murder Park“. Paul Greenblatt, dessen Mutter vor zwanzig Jahren dem Mörder zum Opfer gefallen ist, und elf weitere Personen sollen für ein Wochenende die Anlage, die sich auf einer einsamen Insel befindet, testen.
Es dauert nicht lange und der erste Mord geschieht. Gefangen auf der Insel, denn die Fähre legt erst nach drei Tagen wieder an, beginnen die Testpersonen sich gegenseitig zu misstrauen. Jeder könnte das nächste Opfer sein.
Paul Greenblatt muss sich zudem noch seiner Vergangenheit stellen, denn alles deutet darauf hin, dass die Morde nach dem gleichen Schema verlaufen wie vor zwanzig Jahren.

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Schon nach den ersten Seiten spürt man, dass da eine sehr atmosphärische Geschichte auf einen zukommt. Winner vermittelt ein Feeling, wie man es sonst nur bei Filmen kennt. Mich erinnerte der Einstieg an „Jurasssic Park“ oder auch „Shutter Island“. Die Stimmung gleicht manchmal letzterem, wobei Winner das wirklich Bedrückende, wie es Dennis Lehane in seinem Kultbuch geschafft hat, nicht ganz so hin bekommt. Dennoch wird man in ein Szenario hineingeworfen, wie es besser nicht sein könnte. Brutale Morde, rätselhafte Geschehnisse und eine atemberaubende Kulisse machen „Murder Park“ zu einem stimmigen, kurzweiligen und spannenden Lesevergnügen.
Man merkt, dass Jonas Wimmer auch Drehbücher verfasst und sich mit der Thematik des Films beschäftigt, denn der Plot verlangt geradezu nach einer Verfilmung. Vor allem der Schauplatz wird derart bildlich beschrieben, dass man tatsächlich desöfteren denkt, man sieht einen Film.

Winner charakterisiert die zwölf Protagonisten geschickt, in dem er zwischen den Kapiteln Interviews einschiebt, die ein wenig Licht auf die Vergangenheit der jeweiligen Personen werfen. Man lernt die Hintergründe kennen, wie die Person mit dem alten „Zodiac Island“ und dem neuen „Murder Park“ in Verbindung stehen. Durch die relativ kurz gehaltenen Kapitel fliegt man förmlich durch die Handlung, weil man an jedem Kapitelende wissen will, wie es weitergeht. „Murder Park“ ist eine Mischung aus Krimi und Thriller mit ein wenig mystischem Einschlag. Was mir vor allem außerordentlich gut gefallen hat, war die Person des Paul Greenblatt. Winner spielt mit dem Leser, lässt ihn an den wirren Gedankengängen des Mannes teilhaben, der nicht nur um sein Leben kämpft, sondern auch seine eigene Vergangenheit bewältigen muss. Das wird sehr glaubhaft geschildert. Vor allem Winners sehr flüssiger Schreibstil lässt sich sehr angenehm lesen. An manchen Stellen hatte ich persönlich, gerade am Anfang, Schwierigkeiten, die vielen Personen auseinander zu halten. Aber das gibt sich im Laufe des Romans.

Was mir persönlich ein wenig gefehlt hat, war die Beschreibung des Parks an sich. Da hätte ich mir einfach gewünscht, dass mehr von den Attraktionen und Ideen, die diesen „Murder Park“ ausmachen sollen, beschrieben werden. Da wird meiner Meinung nach zu wenig Augenmerk darauf gerichtet. Denn genau solche „Bilder“ hätten den Roman weitaus atmosphärischer wirken lassen, als er ohnehin schon ist.
Winner führt den Leser auf einige falsche Fährten. Oft meint man, den Plot zu durchschauen und wird dann wieder eines besseren belehrt. Auch wenn das Ende ein wenig konstruiert wirkt, so ist es doch auf jeden Fall überraschend und auch gut.
Das gegenseitige Misstrauen zwischen den Protagonisten wurde von Winner sehr gut rüber gebracht. Man ertappt sich selbst dabei, wie man verschiedenen Personen mal mehr und mal weniger glaubt und selbst miträtselt, wer hinter den Morden steckt.
Alles in allem ein wirklich spannender Thriller, der aber leider an manchen Stellen etwas übertrieben und konstruiert auf mich wirkte. Aber das ist wohl immer Geschmackssache und hat mir auch definitiv das Lesevergnügen nicht genommen. Wer solcherart Geschichten nicht hinterfragt, bekommt zweifelsohne einen spannenden und sehr bildhaften Thriller serviert. Wer Handlungen gerne hinterfragt, sollte einfach versuchen, sich auf den Plot einzulassen. Man wird nämlich trotz kleiner Schwächen mit sehr stimmungsvollen Bildern belohnt.

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Fazit: Spannender und atmosphärischer Thriller, der zwar manchmal konstruiert wirkt, aber dennoch absoluten Unterhaltunsgwert besitzt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Haus der Monster von Danny King

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 324 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-95835-183-7
Kategorie: Horror

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In jeder Stadt gibt es wohl einen älteren Einsiedler, der von den jungen Menschen gehänselt wird. Im englischen Thetfort ist es John Coal, dem immer wieder Streiche gespielt werden. Eines Abends lockt er die jungen Übeltäter ins ein Haus und schließt sie in seinen Keller ein. Aber nicht, um ihnen etwas anzutun, sondern um ihnen seine Lebensgeschichte zu erzählen, damit sie wissen, mit wem sie sich angelegt haben.

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„Das Haus der Monster“ ist das erste ins Deutsche übersetzte Buch von Danny King. Luzifer Verlag sei Dank, dass es dieser Roman ins Deutschsprachige geschafft hat, denn es handelt sich hierbei wahrhaftig um ein Kleinod unter den Horrorromanen. Danny King hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der mich des öfteren sogar tatsächlich an alte Klassiker von Robert Louis Stevenson, Bram Stoker oder Jules Verne erinnert hat. Mit einer unglaublich dichten Atmosphäre entführt uns King in verschiedene Lebensabschnitte des Protagonisten, die sich tatsächlich (zumindest die ersten drei der vier Episoden) immer noch steigern. Es macht wirklich unheimlich Spaß, zu lesen, wie sich John Coal mit Monstern aus seiner Vergangenheit herumschlägt.

Die erste Geschichte geht auf die Kindheit und Jugend des Protagonisten ein und beschäftigt sich mit einem Serienkiller á la Jack, the Ripper. Flüssig erzählt King von einer Vater-Sohn-Beziehung und einem generationenübergreifenden Fluch. Die zweite Episode spielt auf hoher See und handelt von einem Werwolf. Alleine der Handlungsort verbreitet eine gewisse Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Und gerade in dieser Story kommt ein Abenteuergefühl auf, das an alte Klassiker der Abenteuerliteratur erinnert. Die dritte Geschichte stellt meiner Meinung nach den absoluten Höhepunkt dieser, in eine Rahmenhandlung geschickt verpackte Storysammlung, dar. Mysteriös und geheimnisvoll, gruselig und atmosphärisch wird von einer unheimlichen Erfahrung des Protagonisten erzählt, die mich an den fantastischen Film „Reeker“ erinnert hat. Mit dieser Erzählung hat sich Danny King absolut in mein Leserherz geschrieben. Mit „Der schwarze Fleck“ hat der Autor dann seine Meßlatte selbst so hoch gesetzt, dass er sie mit der letzten Episode nicht mehr übertrumpfen konnte. 😉
Aber das macht gar nichts, denn auch die Geschichte um ein altes Vampirmädchen kann vollkommen überzeugen und reiht sich letztendlich nahtlos in die Storysammlung ein.

Danny King schreibt nicht nur flüssig, sondern besitzt auch einen sehr angenehmen Humor, der den Leser an vielen Stellen schmunzeln lässt. Was aber nicht heißen soll, dass „Das Haus der Monster“ ein witziges Buch ist. Da geht es schon auch mal zur Sache und es wird Blut verspritzt. Und nicht nur Blut, sondern auch Gedärme.
Im Grunde genommen ist aber das im Original bereits im Jahr 2011 erschienene Buch ein ruhiger Roman, der sich ei wenig in die Ecke der „Coming Of Age“- Romane drängt, obwohl die Hauptperson ein älterer Mann ist. Aber der erzählt nun mal ein paar Jungs seine Geschichten. Ein wenig hat mich das Ganze an Brett McBeans Meisterwerk „Der Schmerz des Erwachens“ erinnert.
„Das Haus der Monster“ ist sehr stimmungsvoll und zieht schon nach den ersten Seiten den Leser (zumindest war das bei mir so) vollkommen in seinen Bann. Man nimmt an den geschilderten Abenteuern durch die bildhafte Sprache hautnah teil und schließt John Coal ins Herz, obwohl er nicht immer sehr nett zu seinen Mitmenschen ist. 😉

Unbedingt erwähnen möchte ich auch die hervorragende Typografie dieses Buches. Im Gegensatz zu manch anderem großen Verlagshaus ist in diesem Buch kein einziger Rechtschreib- oder Grammatikfehler zu entdecken. Ein großes Lob am Lektorat und Korrektorat des Luzifer Verlages. Ich habe selten ein so fehlerfreies Buch gelesen.
Das Coverbild drückt perfekt die Grundstimmung des Romans aus. Man fühlt sich während des Lesens immer wieder mal versucht, sich das Bild nochmals anzuschauen. Es passt absolut zu der Story und man sieht sich selbst förmlich im Keller dieses Hauses sitzen und den Erzählungen John Coals lauschen.
Für mich ist Danny King und „Das Haus der Monster“ eine tolle Neuentdeckung und deswegen hoffe ich, dass uns der Luzifer Verlag noch weitere Werke dieses Autors beschert. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, denn in mir hat Danny King einen neuen Fan gefunden.

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Fazit: Atmosphärische, teils heftige, teils ruhige Gruselgeschichten, die sich enorm flüssig lesen lassen. Für mich ein Buch mit Pageturnergarantie, das mich oftmals an zeitlose Abenteuerklassiker der Literatur erinnert hat.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die sieben Farben des Blutes von Uwe Wilhelm

Erschienen als Taschenbuch
bei Blanvalet
insgesamt 479 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0344-5
Kategorie: Krimi, Thriller

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Drei Frauen wurden in Berlin bereits ermordet, als die Staatsanwältin Helena Faber auf den Fall angesetzt wird. Der Täter nennt sich selbst „Dionysos“ und möchte die Frauen, die er umbringt, „heilen“. Als Helena ins Visier des Mörders gerät, spitzt sich die Situation immer mehr zu …

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Es dauert keine fünf Seiten und man ist von Uwe Wilhelms Thriller infiziert. In einem sehr schönen, absolut flüssigen Schreibstil wirft der Autor den Leser mitten ins Geschehen, so dass man sofort die Welt um sich herum vergisst. Wilhelms Beschreibungen sind filmreif (kein Wunder, denn der Mann schreibt Drehbücher und hat auch bereits sehr viele geschrieben) und sehr stimmungsvoll. Die Charakterisierung der Protagonistin ist sehr detailliert, was mich wirklich sehr begeistert hat. Helena Faber wird so erfrischend und echt in Szene gesetzt, dass es eine wahre Freude ist, nicht nur den Kriminalfall, sondern auch ihr Privatleben mit zwei zickenden, pubertierenden Töchtern, zu verfolgen.

Der Plot ist sehr gut und stimmig aufgebaut. Wilhelm scheut sich auch nicht davor, einige Szenen auch einmal etwas brutaler zu gestalten, wobei er meiner Meinung nach nie die Grenze übertritt und in unnötige Trash-Brutalität abdriftet. Während des ganzen Romans wird durchgehend ein hohes Niveau eingehalten. Erstaunlicherweise nimmt auch die vorzeitige Entlarvung des Täters im letzten Drittel dem Werk nichts von seiner Spannung. Einige LeserInnen werden eine bestimmte Entwicklung der Protagonistin mit Sicherheit unglaubwürdig empfinden. Doch selbst wenn es so wäre und die „Erkrankung“ an den Haaren herbeigezogen wirkt, sollte man sich dennoch unbedingt darauf einlassen, denn auch dieser Handlungsstrang ist sehr effektiv und unterhaltsam. Ich fand diesen „Werdegang“ jedenfalls aus emotionaler Sicht oftmals sehr gut gelungen.

Ein großes Plus des Romans sind die wörtlichen Reden. Sie wirken einfach so natürlich und echt, dass es einem, wie oben schon erwähnt, wie ein Film vorkommt. Die Dialoge sind schlichtweg grandios und man kann sich diesem Lesefluss deshalb nur sehr schwer entziehen, weshalb ich „Die sieben Farben des Blutes“ durchaus als echten Pageturner bezeichnen möchte. Selten beginnt man, die Motive des Täters ein wenig zu hinterfragen, weil sie irgendwie dann doch nicht ganz „rund“ wirken, aber das tut der Spannung und dem hohen Unterhaltungswert dieses Thrillers absolut keinen Abbruch.
Viele sind anscheinend vom Ende enttäuscht, ich nicht. Es ist ein erschreckendes Ende, über das man sich Gedanken macht. Was passiert da? Geht die Geschichte tatsächlich weiter? Oder ist dieses Ende unausweichlich grausam? Uwe Wilhelm lässt den Leser einfach hängen und genau das mögen viele nicht. Mir jagten die letzten Sätze, vor allem der letzte, einen Schauer über den Rücken. Ich las den letzten Absatz ein paar Mal, weil ich es nicht glauben konnte und vielleicht auch nicht begreifen wollte, was da angedeutet wird. Wilhelm ist ein packender Thriller mit sehr glaubwürdigen und authentischen Charakteren gelungen, der förmlich nach einer Verfilmung schreit. In diesem Falle sollte der Autor auch das Drehbuch verfassen, um die sehr schöne Atmosphäre der eigenen Vorlage einzufangen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Roman dieses Schriftstellers. Auf der Homepage von Uwe Wilhelm heißt es auf jeden Fall: „Mit „Die sieben Farben des Blutes“ beginnt meine erste Trilogie um die heldenhafte Helena Faber.“
Wer ebenso begeistert wie ich von „Die sieben Farben des Blutes“ ist, sollte sich auch den Namen Lucas Grimm merken, denn unter diesem Pseudonym schreibt Uwe Wilhelm ebenfalls spannende Thriller.
Infos über den Autor und seine Werke findet man auf seiner Homepage.

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Fazit: Spannend, extrem rasant und mit einer unglaublich authentischen Protagonistin.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Ufer von Richard Laymon

Das Ufer von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67647-3
Kategorie: Thriller, Horror

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Deana lebt mit ihrer Mutter Leigh in der idyllischen Kleinstadt Tiburon. Alles ist beschaulich und harmonisch, bis zu dem Zeitpunkt, als ein brutaler Serienkiller auftaucht. Und plötzlich erinnert sich Leigh an ihre eigene Jugend, die ebenso düster und gefährlich war. Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich. Es scheint, als wäre Leighs Vergangenheit noch lange nicht zu Ende erzählt, denn auch dort trieb ein grausamer Serienkiller sein Unwesen.

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Es gibt Bücher von Richard Laymon, die entwickeln eine eher trashige Atmosphäre, und es gibt Werke von ihm, die erzählen eine etwas ruhigere Geschichte mit Horror-Elementen. „Das Ufer“ gehört eindeutig zur letzten Kategorie, was aber nicht bedeutet, dass es weniger spannend ist als die Splatter-Achterbahnfahrten, die Laymon verfassen kann. „Das Ufer“ ist die Geschichte eines Teenagers (eigentlich sind es zwei Teenager, denn die Geschichte der Mutter als Teenager nimmt auch einen sehr großen Teil des Buches ein) und hat mich so manches Mal an den Plot und die Stimmung von „Halloween“ des fantastischen Regisseurs John Carpenter erinnert. Wie bei allen Werken von Richard Laymon kann man das Buch sehr schwer aus der Hand legen. Obwohl der Schreibstil des leider viel zu früh verstorbenen Autors nicht hochwertig genannt werden kann, fasziniert er dennoch (oder gerade deswegen) aufgrund seiner klaren, deutlichen und eben einfachen Sprache. Die Gedanken der Protagonisten sind realitätsnah und lassen den Leser dadurch das Geschehen hautnah miterleben. Zumindest mir geht es bei Laymons Büchern eigentlich immer so, dass ich bereits nach wenigen Seiten die oftmals umgangssprachliche Einfachheit schlichtweg genieße, weil sie zu der Story einfach passt.

„Das Ufer“ ist ein typischer Laymon, aber irgendwie dann doch wieder nicht.  Mir persönlich hat aber gerade die ruhigere Gangart zugesagt und vor allem haben hier die „schlüpfrigen“ Szenen nie gestört, was bei den anderen Büchern manchmal der Fall ist. Auch die Brutalität wirkt niemals aufgesetzt und übertrieben, sondern lockert die an sich melancholisch erzählte Geschichte immer wieder auf. Gerade die Rückblenden in die Vergangenheit der Mutter haben es mir bei „Das Ufer“ angetan. Dieser Handlungsstrang übte eine unwiderstehliche Faszination auf mich aus, die mich wiederum an Laymons „Das Treffen“ oder „Die Show“ erinnerte. Die Charaktere wirken zwar oftmals flach und oberflächlich, vermitteln aber dennoch das Gefühl, man würde sie kennen. Das liegt vor allem an den bereits oben erwähnten Gedankengängen, die Laymon beschreibt.

Wie in fast jedem Buch von Richard Laymon sind alle Frauen schlank, haben große Brüste und sind ständig geil. Aber auch die Männer haben ordentlich was in der Hose und fühlen sich von ziemlich jeder Frau angezogen. Dieses stereotype Trash-Klischee erfüllt auch „Das Ufer“ und reiht sich, zumindest in dieser Hinsicht, nahtlos in die anderen Werke des Autors ein. Ich mochte die Story und bin dem Heyne-Verlag dankbar, dass er sich auch der unbekannteren Geschichten Laymons annimmt. Da „Das Ufer“ im Orginal posthum veröffentlicht wurde, könnte man aufgrund einiger Details auf den Gedanken kommen, dass es sich lediglich um ein unfertiges Manuskript gehandelt haben könnte, dass ein Ghostwriter fertiggeschrieben hat. Nichtsdestotrotz vervollständigt „Das Ufer“ die Laymon-Sammlung und verschafft einem ein paar angenehme, unterhaltsame Lesestunden. Durch den wunderbar flüssigen Schreibstil und den kurzen Kapiteln entwickelt sich auch dieser Roman zu einem Pageturner, wie man es von Richard Laymon einfach gewohnt ist. Über das Ende kann man streiten. Einige überraschende (wenngleich manchmal voraussehende) Wendungen bietet das Buch. Und wenn man dann noch über die mehr als an den Haaren herbeigezogenen „Zufälle“ nicht weiter nachdenkt, die zum Finale führen, bekommt man eine wirklich unterhaltsame Story geboten.

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Fazit: Ein ruhiger Horror-Thriller, der an die Slasher-Filme der 80er-Jahre erinnert. Typisch Laymon, aber irgendwie doch wieder untypisch. Für Fans aber sowieso ein Muss.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Vogelmann von Mo Hayder

vogelmann

Erschienen als Taschenbuch
bei Goldmann
insgesamt 416 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-442-45173-9
Kategorie: Krimi, Thriller

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In der Nähe der Themse werden fünf Frauen tot aufgefunden. Die Bevölkerung ist schockiert und Inspektor Jack Caffery beginnt mit den Ermittlungen. Immer mehr erschütternde Tatsachen kommen ans Licht, als die Leichen untersucht werden. Schon bald hat der Täter den Spitznamen „Der Vogelmann“, aber Caffery verrät der Öffentlichkeit den Grund nicht. Endlich fasst das Ermittlungsteam einen Verdächtigen und denkt, die Morde seien aufgeklärt. Doch dann geschieht ein weiterer Mord …

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Es dauert nicht lange, bis man von Mo Hayders Erstling in den Bann gezogen wird. Das liegt mit Sicherheit zum einen an der von Anfang an sehr düsteren Stimmung, die unheimlich und dennoch auch irgendwie heimelig wirkt. Zum anderen hat Hayder mit Jack Caffery einen sehr charakteristischen und (mir) sympathischen Ermittler geschaffen, den ich von Anfang an mochte.
Ähnlich wie bei Mankells „Wallander“-Reihe gefällt mir auch bei den „Caffery“-Büchern die Nebenhandlung, also das Privatleben des Ermittlers. Seine Beziehung wird so nachvollziehbar geschildert, dass es eine wahre Freude ist, obwohl die Ereignisse nicht unbedingt erstrebenswert sind. Aber dieses private Bild des Hauptprotagonisten lässt einen ganz anders bei dem Mordfall mitfiebern, das hat schon eine ganz eigene Klasse.

Mo Hayders Schreibstil schwankt zwischen gehobenen und relativ einfachen Sätzen, die aber der Geschichte dadurch eine unheimliche Rasanz verleihen, bei der man sehr schwer das Buch aus der Hand legen kann. Die forensischen Einwürfe und die oftmals brutal dargestellten Verbrechen lassen so manches Mal tatsächlich an Thomas Harris‘ „Hannibal Lecter“-Romane denken, aber Hayders Debüt wirkt auf keinen Fall kopiert.

Die Schauplätze, das Privatleben Cafferys und die detailliert beschriebenen Morde machen „Der Vogelmann“ zu einem echten Pageturner, der mich streckenweise mit seinen Ideen so richtig begeistert hat. Der erste Band macht auf jeden Fall Lust auf mehr und ich bin wirklich gespannt, wie sich das Leben des Protagonisten weiterentwickelt. Ansätze für einen interessanten Verlauf zeigt „Der Vogelmann“ in dieser Hinsicht auf jeden Fall.

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Fazit: Brutales und düsteres Debüt, das sehr vielversprechend auf die weiteren Teile um Jack Caffery hoffen lässt. Ein sehr ausgereifter Schreibstil unterstreicht die Geschichte und die forensischen Details machen das Verbrechen äußerst glaubhaft.

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© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Mädchenjäger von Paul Finch

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Mädchenjäger
Erschienen als Taschenbuch
bei PIPER
insgesamt 464 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-492-30462-7
Kategorie: Thriller

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Detective Mark „Heck“ Heckenburg ist Sergant der Abteilung Serienmorde und hat die letzten zwei Jahre daran gearbeitet, die Verschwinden und wahrscheinlichen Morde an 38 Frauen aufzuklären. Alle standen mitten im Leben, hatten Familie und gute Jobs. Und sie alle verschwanden während „normalen“ Alltagsabläufen spurlos. Heck ist sicher, dass diese Fälle zusammenhängen. Seine Vorgesetzten sehen das (natürlich auch aus finanziellen Gründen) anders. Sie legen den Fall/die Fälle auf Eis, sehen ihn/sie als derzeit abschlossen. Heck ist damit alles andere als einverstanden. Offiziell lässt er sich für gute vier Wochen beurlauben, um natürlich in seiner Freizeit weiter zu ermitteln. Mit seiner Vorgesetzten Gemma Piper spricht er darüber und sie gibt ihm mehr oder weniger seinen Segen. Während Heck eine wichtige Spur verfolgt, bekommt er unerwartete Hilfe von der Schwester einer der vermissten Frauen. Lauren Wraxford, Soldatin, lässt sich nicht abwimmeln und will gemeinsam mit Heckenburg herausfinden, was mit ihrer Schwester geschah. Dies hat sie ihrer Mutter versprochen. Eine Suche beginnt, die mit jedem Teil des Puzzles, welches die beiden mühselig ineinanderfügen, immer gefährlicher wird …

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Dies ist er der erste Roman von Paul Finch um seinen Ermittler Mark Heckenburg, den ich jedoch als zweiten lese. Denn da mir der Nachfolger „Rattenfänger“ so gut gefallen hat, wollte ich unbedingt die erste Geschichte um „Heck“ lesen.

Und wie sein Nachfolger war der Roman fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. Die Handlung ist sehr gut aufgebaut, der Leser rätselt und fiebert mit, blickt nicht durch, ahnt, hofft und leidet. Zwischenzeitlich sind die Szenen wirklich heftig und brutal. Also sollte man nicht so ganz zartbesaitet sein, wenn man zu diesem Thriller greift. Für mich passen diese Stellen sehr gut in die Story und werden ja auch nicht als sinnloses Gemetzel dargestellt.

Die Charaktere, die ich ja nun schon aus dem zweiten Fall kannte, habe ich hier nicht besser kennengelernt, als hätte ich diesen Teil zuerst gelesen. Das finde ich immer gut, denn sollten Leser zufällig auf den aktuellen Roman stoßen, blicken sie trotzdem durch und wissen wie die Personen zusammenhängen.

Paul Finch schreibt hoffentlich noch mehr Thriller um seinen Ermittler Mark Heckenburg, der mir mit seiner Art sehr sympathisch ist. Er überschreitet gerne mal die ein oder andere Grenze und ich finde, dass man es der Story auf jeden Fall anmerkt, dass der Autor sowohl als Polizist, als auch als Journalist gearbeitet hat. Er schreibt realistisch, spannend, fesselnd, krass aber dennoch sehr menschlich und auch gefühlvoll. Dies alles liefert Paul Finch in einem angenehmen, schön lesbaren, gut formulierten Schreibstil, der nie flach oder flapsig daherkommt.

Hier lautet der Originaltitel „Stalkers“, der viel besser zur Handlung passt, jedoch gibt in dem Fall der deutsche Titel zumindest Sinn. Ein schöner optischer Hingucker ist der knallgelbe Schnitt, im zweiten Teil ist er Orange. Gefällt mir sehr.

Mein Fazit: Für Leser, die gerne spannende, dramatische und rasante Thriller, bestückt mit krassen, heftigen Szenen, die auch blutig und brutal beschrieben werden, lesen, eine sehr sehr gute Wahl! Paul Finch liefert hier einen sehr guten Thriller, dem sein Nachfolger „Rattenfänger“ in nichts nachsteht.

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Hier gibt zu einem Interview mit Paul Finch:

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© Buchwelten 2015

Der Knochenbrecher von Chris Carter (3/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ullstein Verlag
416 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  9783548284217
Kategorie: Thriller

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Ein neuer Fall für den Polizisten Hunter und seinen Partner Garcia. Der dritte, um genau zu sein.

Wieder mordet ein brutaler Killer in L.A. Die Opfer stammen allesamt aus der Kunstszene. Sie alle sind außer ihren künstlerischen Fähigkeiten und einer äußerlichen Ähnlichkeit jedoch nicht miteinander in Verbindung zu bringen. Weder waren sie Konkurrentinnen, noch kannten sie sich untereinander.

Was besonders auffällig ist: die Toten weisen alle keine offensichtlichen Verletzungen auf. Jedoch wurden ihnen allen  Körperöffnungen vom Mörder zugenäht und das extreme: In allen Leichen wurde ein Objekt platziert.

Hunter und Garcia haben eine schwere Ermittlungsarbeit vor sich, denn die Hinweise sind mehr als dünn. Dann kreuzt auch noch eine Privatermittlerin Hunters Weg. Die gleichzeitig sehr fleißige und attraktive Whitney Myers, die an einem Fall arbeitet, der Hunter noch nicht bekannt ist. Es dauert nicht lange bis Hunter erkennt, dass es es nicht nur hilfreich, sondern für den Fortschritt der Ermittlungen wichtig ist, enger mit Myers zusammenzuarbeiten und die bisherigen Erkenntnisse auszutauschen.

Die Mordserie muss aufgeklärt werden, denn der Killer ist nicht nur extrem brutal, sondern auch sehr klug und scheint keine Fehler zu begehen. Er scheint die Eigenschaft „Geduld“ absolut zu beherrschen. Aber die Abstände zwischen den aufgefundenen Opfern werden immer kürzer und die Zeit drängt …

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Chris Carter hat wieder einen rasanten, sehr schnell zu lesenden Thriller abgeliefert. Durch die kurzen Kapitel, die übrigens alle mit einem Cliffhanger enden, um dann im übernächsten Kapitel aufgegriffen zu werden, ließen mich als Leser nur so durch die Handlung fliegen.

Sicher liefert Carter auch hier wieder eine spannende Handlung, doch für mich ist der dritte Teil um den Ermittler Hunter nicht mehr so hochwertig wie die Vorgänger „Kruzifix-Killer“ und „Der Vollstrecker“.

Die Opfer, deren Lebenswege und die Fundorte der Toten werden ausführlich beschrieben, doch die haarkleinen forensischen Beschreibungen, die mir sehr gut gefielen, gibt es in dem Maße nicht mehr.

Für mich wurde die Handlung zunächst sehr in die Länge gezogen um dann gegen Ende des Buches viel zu schnell aufgelöst zu werden.

Zunächst tappen die Ermittler lange im Dunklen, was ja gerade auch die Spannung ausmacht, bei einem guten Thriller.

Doch wenn der Autor dann beginnt, den Wechsel in Richtung Aufklärung des Falles vorzunehmen, dann liest es sich für mich so, als wollte er nur noch zum Ende kommen.

Das Problem ist, auf gewisse Dinge hinzuweisen, ohne die Handlung zu verraten. Ein Störfaktor war für mich, die klassische dramatische Situation, die es gegen Ende eines Thriller wohl immer geben muss? Dann gab es noch einen Moment, wo die Ruhe und Offenheit nicht so recht zur Dramatik der Szene passte.

Der dritte Teil der Hunter-Reihe ist nicht schlecht, er ist wieder ein gut lesbarer und auch spannender Thriller, der aber diesmal für mich nicht über einen Durchschnittsthriller hinausgeht.

Was für mich zuletzt noch zu völligem Unverständnis führt, ist der deutsche Titel. Hier würde ich gerne wissen, wer den Originaltitel „The Night Stalker“ (der es übrigens auf den Punkt trifft) ins Deutsche gebracht hat.

In der gesamten Handlung wird nicht einer Person auch nur ein einziger, winzig kleiner Knochen gebrochen! Ich habe noch lange nachgedacht und die Handlung Revue passieren lassen, ob ich evtl. was vergessen habe. Doch nein: Kein Knochenbruch, weder bei Opfern, noch bei Ermittlern, noch sonst wo.

Da kann ich nicht verstehen, warum man einen Titel nicht einfach im Original belässt oder ihn zumindest annähernd ins Deutsche bringt?

Der Thriller wird als Taschenbuch präsentiert, diesmal jedoch wieder ohne Leseband. Das Cover ist rot-weiß und daher nicht sonderlich ausgefallen, denn so sehen ja momentan fast alle Thriller aus. Das blutende Seil ist übrigens genauso fehlgeschlagen wie der deutsche Titel :-).

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für Hunters dritten Fall. Immer noch ein guter Thriller, der sich flott lesen lässt und auch spannende Stunden verspricht. Jedoch bietet er nicht mehr die besonderen Feinheiten, die mir bei den ersten beiden Carter so gefallen haben. Daher wird er von mir diesesmal „nur“ als Durchschnitt bewertet.

Ich danke dem ullstein Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Blutsommer von Rainer Löffler (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im Rowohlt Verlag (rororo)
496 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-25727-8
Kategorie: Thriller

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Eine ganz normale Familie ist auf dem Weg zu ihrem Ausflug an den Waldsee mit Grillplatz. Aber diese Normalität nimmt ein jähes Ende. Als die drei Kinder der Familie vorauslaufen, stoßen sie im Unterholz auf eine verstümmelte Leiche. Die Tochter die der grausamen Leiche am nächsten kommt, erleidet einen heftigen Schock und der Tag der Familie Lech endet im Krankenhaus.
Als die Kölner Polizei am Fundort des Toten eintrifft wird schnell klar, dass es sich um ein weiteres Opfers des Serienmörders „Der Metzger“ handelt. Einige der leider bereits bekannten Übereinstimmungen sprechen dafür.

Der Leiter der Kölner Polizei Konrad Greiner ist zwar ein Polizist der nach vielen Jahren nach wie vor auf handfeste Ermittlerarbeit schwört, dennoch ruft er seinen alten Freund Frank an und bittet ihm um Unterstützung. Er soll Greiner, den Frank gut bekannten, offensichtlich besten Fallanalytiker (wie Profiler im Deutschen heißen) zur Verfügung zu stellen. Nicht, dass er seine Hilfe bräuchte, weil er in seinen Ermittlungen nicht vorwärts kommt. Nein, er erhofft sich neue Ansichten und Anregen durch einen Außenstehenden, der sich auf erschreckende Weise in die Psyche von Mördern hineinversetzen kann und dadurch eine Reihe an Erfolgen zu verbuchen hat.

Als Martin Abel, derzeit zu einem Einsatz in Wien den Anruf von seinem guten Bekannten Frank erhält und dieser ihm die Dringlichkeit des Falles verdeutlicht, macht sich der Fallanalytiker auf den Weg nach Köln.

Abel ist kein einfacher Mensch, dass hat Frank dem leitenden Ermittler Greiner bereits vorher klargemacht. Er wirkt gefühlskalt, gilt als schwierig und Einzelgänger. Davon kann sich Greiner bereits im ersten Gespräch selber überzeugen und auch die junge Nachwuchs-Fallanalytikerin Hannah Christ, seine beste Schülerin im Revier spürt direkt am eigenen Leib, dass Martin Abel kein umgänglicher Mensch ist. Doch das ist ihr mehr als egal. Sie ist sehr ehrgeizig und hat sich fest vorgenommen, von Martin Abel zu lernen, soviel sie kann. Und da sie eine selbstbewusste und schlagfertige junge Frau ist, nimmt sie die Herausforderung an.

Ob dieses ungleiche Team es schafft einen Einblick in die Psyche des „Metzgers“ zu bekommen und ein Täterprofil zu erstellen, das ihn und seine grausamen Morde stoppt?

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Ja, er geht recht idyllisch an, dieser „Blutsommer“, doch dies ist nur von recht kurzer Dauer und dann wirft Rainer Löffler seine Leser sofort in die grausame „Wirklichkeit“ seiner Handlung.

Und sie ist wirklich grausam, denn was die Beschreibung der Morde und der Opfer angeht ist der Autor nicht zimperlich. Er beschreibt ausführlich und sehr genau. Für mich hat sich dies forensisch und medizinisch absolut gut recherchiert gelesen. Man meint Rainer Löffler sei vom Fach, was zeigt, dass er gute Arbeit geleistet hat.

Immer wieder wechseln wir auch auf die Seite des Killers, im Hier und Heute sowie in dessen Vergangen(Kind)heit, die seine Taten erklärt. Natürlich ist es schwer nachzuvollziehen, dass ein Mensch Gründe für seine grauenvollen Morde hat. Dennoch schafft es Löffler dem Leser zu vermitteln, dass dieser „Metzger“ nicht als solcher auf die Welt kam, sondern zu dem gemacht wurde, was er nun ist.

Die Art wie der Autor seine Handlung aufgebaut hat, hat mich gefesselt. Ich habe das Buch sehr schnell gelesen. Am Montag habe ich glaube ich 3,5 bis 4 Stunden am Stück gelesen, weil ich einfach nicht aufhören konnte.

Löffler hat es geschickt geschafft, Fährten zu legen, dessen falsche oder richtige Auflösungen mir sehr gut gefallen haben. Respekt. Es macht immer wieder Spaß in einer Handlung mitten in einem Spannungsbogen zu „hängen“ und dann zu denken: „Wie jetzt? …“

Sicherlich spielt auch das Verhältnis zwischen seinen beiden Protagonisten Abel und Christ eine Rolle, doch sich neben den beiden aufzuhalten bereitete Vergnügen, denn einfach waren sie beide nicht. Mir waren sie sehr sympathisch und ans Herz gewachsen. Aber auch der übergewichtige Leiter der Ermittlungen, Greiner, war eine gute Figur. Mit seinem Übergewicht und seinen Schwächen kam er echt rüber.

Eine sehr nette Nebenfigur hat Rainer Löffler mit dem Fliegen-Professor Dr. Schwartz erschaffen. Wie er auf seine sympathische Weise sein Wissen und seine Forschungsergebnisse über sämtliche Stadien der Fliegen (Eier, Larven und Tönnchen) nicht nur Abel und Greiner, sonder auch mir als Leserin nahe gebracht hat, war nicht nur interessant und lehrreich, sondern ausserdem noch sehr amüsant geschrieben. Die Nebenrolle hat nicht nur wichtige Erkenntnisse in die Ermittlungen gebracht, sondern ebenso angenehmen, frischen Wind. 

Für mich ist dies ein Thriller, der nicht nur gut aufgebaut und recherchiert ist. Er ist auch gerade durch seine verschrobenen Charaktere und kantigen Ermittler fesselnd.

Auch die Einblicke in die fallanalytische Arbeit hat mir sehr gut gefallen, sie wirkte nicht ausgedacht, sondern zeigte gute Vorarbeit.

Das Cover zeigt einen Flammenball über einem Feld, was wohl den extrem hießen Sommer der Handlung hervorheben soll. Es gefällt mir ganz gut, hätte mich aber nicht unbedingt zum Kauf verleitet. Das hätte der kurze, knappe Text der Inhaltsangabe eher geschafft.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Thriller um einen schlauen Serienkiller aber einen noch schlaueren Fallanalytiker mit einer hervorragenden Schülerin. Der Roman ist nichts für schwache Nerven. Blut und viele genaue Leichenbeschauungen sollte der Leser gewohnt sein und abkönnen. Der Roman ist sehr spannend, fesselnd und geschickt aufgebaut.

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Ich danke dem Rowohlt (rororo) Verlag für die (überraschende) Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Der siebte Tod von Paul Cleave (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei HEYNE
432 Seiten
Preis: 8,95 €
ISBN:  978-3-453-43247-5

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Joe ist Anfang dreissig, alleinstehend, ziemlich gutaussehend und Putzhilfe bei der Polizei. Zu diesem Job kam er auf Umwegen. Während der Arbeitszeit stellt Joe eine perfekte Maskerade zur Schau: Er mimt den etwas geistig zurückgebliebenen Putzmann, der immer ein bisschen zu breit grinst und ein wenig zu dümmlich und einfach spricht. Dies verschafft ihm allerdings – neben der ohnehin schon sehr praktischen Putzstelle – viele Vorteile. Die Cops „plaudern“ mit ihm über die aktuellen Ermittlungen und es stört sie überhaupt nicht, wenn Joe – der Dumme – mit seinem Wischmop durch das Besprechungszimmer wienert an dem nicht nur sämtliche Tatortfotos an die Wand gepint sind, sondern auch alle Ermittlungsakten offen auf dem Sideboard liegen.

Somit ist Joe immer auf dem laufenden in seinem eigenen Fall. Die Polizei sucht fieberhaft den „Schlächter von Christchurch“, der er selber ist. Alles läuft für Joe nach Plan, bis ein siebter Mord geschieht, doch den hat ER nicht begangen! Das geht ihm natürlich völlig gegen den Strich. Dass es einen weiteren Killer gibt, der ihm einen Mord unterjubeln will. Das es Auffälligkeiten gibt die zeigen, dass der „Schlächter“ diesen Mord nicht begangen haben kann, merken die Cops und Ermittler nicht. Und Joe selbst kann sie wohl kaum selber darauf aufmerksam machen.

Also beginnt er auf seine eigene Art und Weise in dem Fall zu ermitteln und den Mörder des 7. Opfers zu suchen. Dem will Joe dann wiederum alle Morde zuschreiben lassen.

Zunächst läuft alles nach Plan. Joe hat einen Recorder im Besprechungszimmer angebracht, er kopiert Fotos und notwendige Listen. Kopien der Ermittlungsakten nimmt er mit nach Hause, etc. Die Ermittler merken das nicht, sie haben erstens keinen Blick und Kopf dafür und zweitens würde niemals jemand Joe in Verdacht haben, irgendwelche Unterlagen mitgehen zu lassen.

So ist Joe in seiner Freizeit damit beschäftigt einen Killer zu suchen, seine eigenen weiteren Taten zu planen, seine nervtötende Mutter zu besuchen, seine Fische zu versorgen und einer sehr anhänglichen Kollegin aus dem Weg zu gehen. Wobei letztere ihm immer leckere Lunchbrote bringt, denn Joe erinnert sie an ihren verstorbenen, behinderten Bruder.

Eigentlich sehen die Erfolge in Joes Ermittlungen recht positiv aus, bis er auf einmal Melissa über den Weg läuft. Eigentlich hatte Joe sie sich als nächstes Opfer ausgewählt, doch es kommt alles anderes. Melissa ist selber hochgradig gewaltbereit und sie quält Joe in einem Park auf brutalste Art und Weise …

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Diesen Roman hat mir der Autor Andreas Behm empfohlen. In seinem eigenen Debüt „Die Moral eines Killers“ war ich so begeistert von der Ermittlungsmethode des Kommissars, dass er mir von der aussergewöhnlichen Handlung von Paul Cleave erzählt hat.

Der Thriller hat mir gefallen, die Story war gut ausgedacht und umgesetzt. Die Idee eines Mörders, der durch seine Putzarbeit an der Quelle der Ermittlungen sitzt, war wirklich gut. Und dass der Protagonist als absolut unterbelichtet gilt, wobei er eigentlich ein sehr brilliant und klar denkender Mörder ist ebenso.

Obwohl Joe mordet, ist er eine Figur, die mir sehr sympathisch war. Schließlich hat er sich hingebungsvoll um seine Fische und Mutter gekümmert. Ausserdem hat er einen überfahrenen Kater vor dem Tod gerettet, indem er ihn schwerverletzt in die Tierklinik bringt.

In den Moment, wo Joe als der eigentliche Mörder von Melissa misshandelt und gequält wird, tat er mir wirklich leid! Und das, wo er es ja eigentlich mehr als verdient hat!

Der Schreibstil war normal und nicht gehoben, was ja nun auch nicht zum meist dargestellten „schlichten“ Gemüt des Protagonisten gepasst hätte. Der Spannungsbogen war gut aufgebaut und der Roman las sich sehr flüssig.

Ab und an hat sich die Handlung dennoch für mich ein bisschen gezogen und die ein oder andere Nebenfigur war mir zu langatmig und/oder einfältig dargestellt.

Unter dem Strich ist „Der siebte Tod“ für mich ein spannender, guter und empfehlenswerter Thriller. Das Buch ist als Taschenbuch bei Heyne erschienen, das Cover ist schlicht aber nett.

Mein Fazit: Ich gebe 4 von 5 Sternen für diesen Thriller von Paul Cleave. Auf jeden Fall hat er mich so gefesselt, dass ich weiteres von ihm lesen möchte.

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© Buchwelten 17.01.2012

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