Das Schiff von Andreas Brandhorst

Schiff

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 544 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-492-70358-1
Kategorie: Science Fiction

.

Die Maschinen haben die Herrschaft über die Erde inne und verfolgen Spuren im ganzen All, um die Hinterlasssenschaften der Muriah, einer untergegangenen Hochkultur der Milchstraße, aufzuspüren. Dabei werden die intelligenten Maschinen von sogenannten Mindtalkern, sterblichen Menschen, unterstützt, die per Gedankenkraft durchs All reisen können. Die Mindtalker Adam und Rebecca  sind sicher, dass sie von den Maschinen betrogen werden und versuchen während ihrer Missionen die Verschwörung aufzudecken. Dabei stoßen sie auf eine weitaus größere Bedrohung für die Menschen als die, die von den Maschinen ausgeht …

.

Wie macht der Mann das nur?
Diese Frage stelle ich mir bei jedem Buch von Andreas Brandhorst, das ich lese, mehrmals. So auch bei „Das Schiff“.
Immer wieder meint man, nichts zu verstehen und dennoch versteht man irgendwie alles. Das ist eine Kunst, die nur wenige Schriftsteller in dieser Art beherrschen. Brandhorst gehört eindeutig dazu.
Er nimmt uns in seinem neuesten Roman, wie bei vielen seiner Science Fiction-Geschichten, mit auf eine unglaubliche Reise durch Universen, die so manches Mal fast unsere Vorstellungskraft übersteigt. Und dieses Mal streut Andreas Brandhorst auch noch absolut tolle philosophische Gedanken ein, die sich mit dem Leben und Sterben respektive Unsterblichkeit beschäftigen. Spannung und Tiefgang halten sich in diesem Roman die Waage und man kann das Buch schwerlich aus der Hand legen.
Ein wenig düster, aber dennoch nicht deprimierend, zeichnet der Autor das Bild einer Welt, in der der Mensch von Maschinen beherrscht wird. Die glaubwürdigen Charaktere wachsen einem ans Herz und man teilt ihre Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte.

Brandhorst schafft es hervorragend, diese Endzeit-Stimmung einzufangen. Man sieht sich förmlich neben den Protagonisten auf windumwehten Gipfeln stehen und sieht zusammen mit ihnen über eine apokalyptische Landschaft. Dabei sinnt man über deren Leben, aber auch über das eigene, nach und wünscht sich, an jenem Ort im Buch zu sein, obwohl er im Grunde genommen eigentlich schrecklich ist.
Fast neige ich dazu, „Das Schiff“ als Brandhorsts bestes Buch zu bezeichnen. Sein Zukunftswelten sind visionär und vermitteln genau jenes Gefühl, das sich ein Science Fiction-Fan wünscht: unendliche Weiten, apokalyptische Szenarien und eine hochtechnisierte Zivilisation.
Man merkt, wie sehr Andreas Brandhorst selbst Science Fiction mag und liebevoll Bücher anderer Autoren und Filme in seine Handlung einfließen lässt, ohne je zu kopieren. Brandhorsts Universen sind eigenständig und angefüllt mit unendlich vielen, grandiosen Ideen. Andreas Brandhorst macht süchtig.

Der Autor setzt die Meßlatte für seine eigenen Bücher immer sehr hoch. Und dennoch wird man nie von seinen neuen Werken enttäuscht, sondern wie eh und jeh mitgerissen. Man kann sich Brandhorsts bildhaftem Schreibstil schwer entziehen. Ich kann nur wiederholen, dass sich Andreas Brandhorst für mich wie ein deutscher Iain Banks, Peter F. Hamilton oder Alastair Reynolds anfühlt. Visionäre Science Fiction-Romane, die den aufmerksamen Leser auf eine philosophische Ebene bringen, ohne die Spannung zu vernachlässigen. Brandhorst ist Abenteuerschreiber und Philosoph in einem.
Und wenn ich mir seine Entwicklung ansehe, so nähert er sich mit seinen letzten beiden Romanen „Ikarus“ und „Das Schiff“ immer mehr einem persönlichen Höhepunkt in seiner Karriere. Man darf gespannt sein (ich bin es sowieso), wohin uns sein neuer Roman „Omni“, der voraussichtlich noch dieses Jahr bei Piper erscheint, führt.

Andreas Brandhorst wird meiner Meinung nach mit jedem Roman noch besser, was an sich unglaublich ist, denn schon sein  Kantaki-Zyklus war phänomenal.

.

Fazit: Visionär und philosophisch entführt Brandhorst den Leser in eine Zukunftswelt, die ihresgleichen sucht. Nach „Ikarus“ ein neues Meisterwerk.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ich danke dem Piper-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Advertisements

Ikarus von Andreas Brandhorst

ikarus

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 576 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-453-31545-7
Kategorie: Science Fiction

Der Regierungsrat Takeder wird ermordet. Als er in einem sogenannten Kopiat, einer Hülle, die seine Erinnerungen gespeichert hat, erwacht, macht er sich auf die Suche nach seinem Mörder. Immer tiefer dringt das zweite Ich Takedes in sein vergangenes Leben ein und entdeckt ein Geheimprojekt namens „Ikarus“, bei dem er mitgewirkt hat. Und plötzlich macht man erneut Jagd auf Takeder …

.

Brandhorst neigt so manches Mal dazu, zu übertreiben. Zumindest hat man bei einigen seiner Werke anfangs diesen Eindruck, bis man eines besseren belehrt wird und in eine Welt eintaucht, die man zwar gelesen nicht versteht, die aber im Kopf ein relativ klares Bild zeichnet. „Ikarus“ gehört zu jener Sorte Bücher.
Die Grundidee ist phänomenal und sofort kommt eine Art Abenteuerstimmung auf, die einen in den Bann zieht. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem Brandhorst wild mit erfundenen (oder vielleicht auch sogar tatsächlich existierenden) Begriffen um sich schmeißt und beim Leser erst einmal eine Galaxie von Fragezeichen um dessen Kopf schwirren lässt. Aber wenn man weiter liest und sich auf die Geschichte einlässt, kristallisieren sich immer mehr Zusammenhänge heraus und man „versteht“, was Brandhorst meint. Ich habe das in einer anderen Rezension schon einmal erwähnt, aber auch auf dieses Buch trifft es wieder zu: Brandhorsts Worte erinnern an Iain Banks, der es ebenfalls verstand, seine Leser zu verwirren, bis man an einen Punkt kam und die Handlung ganz klar vor sich sah und „verstand“.

„Ikarus“ ist ein Epos, das in seiner Bildsprache wieder einmal sehr faszinierend ist und erst nach einer Weile sein gesamtes Spektrum beim Leser entfaltet. Man muss sich in Geduld üben, bestimmte Dinge erst einmal hinnehmen, um sie später entweder zu begreifen oder eben nicht, damit man diesen epischen Science Fiction-Thriller genießen kann. Ich für meinen Teil hatte wieder meine helle Freude daran, fremde Welten zu entdecken und in Paralleluniversen a la „Inception“ einzutauchen. Vor allem der sehr interessante Charakter des Holders, der als Kopie seiner selbst, seinen eigenen Mörder sucht, hat es mir angetan. Brandhorst hat die Eigenschaften und Gedanken dieses Mannes sehr gut und nachvollziehbar herausgearbeitet.

„Ikarus“ ist keine Alltagskost (das sind allerdings die anderen Bücher von Andreas Brandhorst auch nicht), das volle Aufmerksamkeit fordert, denn sonst hat man bereits nach den ersten Seiten verloren. Brandhorsts Geschichten lassen zwischen den Zeilen jede Menge Platz zu Selbstinterpretationen. Und, wie bei seinen anderen Romanen, erzeugt der Autor durch seinen bildhaften und intelligenten Schreibstil dafür, dass sich im Kopf des Lesers nicht nur die Bilder seiner Geschichte zeigen, sondern auch eigene, die sich der Leser selbst ausmalt. Das ist schon eine Meisterleistung.

.

Fazit: Bildhaft und mit einer innovativen Idee entführt uns Andreas Brandhorst wieder in eine seiner unglaublich komplexen Abenteuerwelten. Intelligente Science Fiction zum Träumen.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten