Judas Goat / Midnight Solitaire von Greg F. Gifune

 

 

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 420 Seiten
Preis:  13,95  €
ISBN: 978-3-95835-332-9
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

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Zwei Kurzromane / Novellen in einem Band.

JUDAS GOAT: Lenny Cates hat seine Jugendfreundin Sheena seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Umso überraschender ist es für ihn, als sie ihm nach ihrem Tod ein Anwesen vererbt. Als Lenny das Haus aufsucht, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert, in der auch Sheena eine wichtige Rolle spielt.

MIDNIGHT SOLITAIRE: Vier Fremde suchen während eines heftigen Schneesturms Unterschlupf in einem Motel. Schon bald müssen sie feststellen, dass ein verrückter Killer ihnen nach dem Leben trachtet. Und einer der Gruppe kennt den Mörder, denn er ist schon seit Jahren hinter ihm her …

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Zwei Kurzromane in einem Band von einem meiner Lieblingsschriftsteller Greg F. Gifune. Das ist ja fast wie Weihnachten. 😉
Ich habe mit „Judas Goat“ begonnen, weil mich da schlichtweg die Inhaltsangabe mehr angesprochen hat. Und ich lag richtig: „Judas Goat“ ist, zumindest für mich, die bessere Geschichte. Aber der Reihe nach:
Gifunes Schreibstil ist wie gewohnt, sehr hochwertig. Und auch in diesem etwas kürzeren Roman versprüht der Autor zwischen all seinen mystischen und gruseligen Momenten jede Menge Melancholie, wie man es von ihm kennt. Es ist immer wieder ein Genuss, Gifunes Protagonisten dabei zu begleiten, wenn sie in ihre Vergangenheit zurückkehren und diese bewältigen (wollen). Gifune hat in „Judas Goat“ sein altbewährtes Konzept angewandt, das zwar an manch anderen seiner Romane erinnert, aber keineswegs langweilig wirkt und einen „Schon mal gewesen“-Effekt erzielt. Die Story ist sehr atmosphärisch aufgebaut und zieht den Leser sofort in ihren Bann. Ich habe das einsame und abgelegene Anwesen deutlich vor meinem inneren Auge gesehen und war dadurch hautnah in der Geschichte mit dabei. Genau solche Storys wie „Judas Goat“ sind es, die mich zu einem absoluten Fan von Greg F. Gifune machten. Er hat mich wieder einmal alles andere als enttäuscht.

Kommen wir nun zur zweiten Geschichte mit dem Titel „Midnight Solitaire“, die natürlich wieder für Gifune typische Elemente enthält, aber sich von „Judas Goat“ dennoch ein wenig unterscheidet. Während in der zuerst von mir besprochenen Story eher wenig Action passiert, verhält es sich bei „Midnight Solitaire“ schon ein wenig anders. Der Plot hat mich desöfteren an einen typischen Slasherfilm der 80er Jahre erinnert, in dem sich ein paar Protagonisten einem gefährlichen Killer gegenüberstehen und um ihr Überleben kämpfen müssen. Hier wendet Gifune eindeutig mehr Action an und erzählt sehr rasant ein Belagerungsszenario in einem einsamen Motel. Doch auch hier kommen Elemente vor, die mir an Gifune so sehr gefallen und in denen er Lebensweisheiten beschreibt, die man entweder selbst bereits kennt oder über die man sich dann zumindest Gedanken macht. Die Geschichte ist allerdings ein wenig vorhersehbar, zumindest was die Handlungsweise der Protagonisten betrifft. Hier könnte man durchaus sagen, dass man das alles entweder schon mal gelesen oder in einem Film gesehen hat. Aber Gifune verleiht der Geschichte dennoch einen ganz eigenen Touch, der im Gedächtnis des Lesers haften bleibt und ihn nicht unbefriedigt zurücklässt. Gifunes ruhigere Geschichten sprechen mich persönlich aber eindeutig mehr an, nur mal so nebenbei. 😉

Beide Novellen unterstreichen wieder einmal das Können von Greg F. Gifune und fügen sich in das Schaffenswerk des Autors nahtlos ein. Atmosphärischer und melancholischer kann man Mystery-Horror-Thriller nicht schreiben. Greg F. Gifune muss man einfach lesen. Es „menschelt“ in seinen Geschichten so sehr, dass man süchtig danach wird.

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Fazit: Zwei atmosphärische und melancholische Novellen von einem Meister seines Fachs.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Der Satyr von Brian Keene

satyr

Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
410 Seiten
13,99 €
ISBN: 978-3-86552-627-4
Kategorie: Horror

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Adam Senft ist Schriftsteller. Er ist eigentlich glücklich mit seinem Leben, wäre da nicht die (sexuelle) Ehekrise mit seiner Frau. Als Adam eines Tages eine Joggerin dabei beobachtet, wie diese bei einer steinernen Statue Fellatio vollführt, gerät die Welt danach immer mehr außer Kontrolle. Die Statue, ein Satyr, ist zum Leben erwacht und sucht die Wälder heim und verführt die Frauen mit einem mysteriösen Flötenspiel.

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Briane Keenes „neuester“, im Festa Verlag erschienener , Roman stammt eigentlich aus dem Jahr 2006 unter dem Titel „The Dark Hollow) („Die dunkle Höhle“). Sechs Jahre später wurde er dann überarbeitet und unter dem Titel „The Rutting Season“ („Brunftzeit“) neu veröfentlicht. „Brunftzeit“ passt wie „Der Satyr“ weitaus besser als Bezeichnung als der Originaltitel. „Der Satyr“ ist eine wunderbare Geschichte über einen Mann und seine (sexuellen Ehe-)Probleme. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich gerade das erste Drittel dieses Werks von Brian Keene genossen habe, weil es sehr menschlich und authentisch verfasst wurde. Da ich selbst ein Mann bin, kann es natürlich gut sein, dass ich die Gedankengänge des Protagonisten besser nachvollziehen kann als eine weibliche Leserin. Ich war schlichtweg davon begeistert und konnte von den Überlegungen (und Problemen) des Adam Senft gar nicht genug bekommen. In jeder freien Minute musste ich das Buch zur Hand nehmen, um weiterzulesen.

Kennen Sie das Gefühl, wenn man in einen Roman so abtaucht, dass man, wenn man weiter liest, wieder sozusagen „heim kommt“? Genau in diese Kategorie fällt „Der Satyr“. Es war jedes Mal wie eine Rückkehr in die Welt des Schriftstellers, der fast permanent von sexuellen Gedanken verfolgt wird und sich auf seinen Hund verlässt, der ihm Halt bei seiner Ehekrise gibt. Keenes Schreibstil ist so flüssig, dass man gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören will. Auch wenn die Charaktere teilweise etwas flach ausgefallen sind, so konnte ich mich hervorragend mit Adam Senft identifizieren und auch die anderen Protagonisten wuchsen mir ans Herz, obwohl sie nicht wirklich Tiefe besaßen. Erfrischend war auch, dass Keene die sexuelle Komponente niemals übertrieben und pornografisch werden ließ, sondern immer ein gewisses Maß an Niveau beibehielt. Das hat mir außerordentlich gut gefallen. Mit „Der Satyr“ hat mich Brian Keene erneut überzeugt und ich kann die Worte von „Horror Review“, dass Keenes Name in einem Atemzug mit denen von King, Koontz und Barker genannt werden sollte, nur bestätigen. Brian Keene besitzt ein sicheres Händchen für bildhaft beschriebene Geschichten, die spannend, unterhaltsam und vor allem atmosphärisch sind.

Man merkt schon, dass ich schwer begeistert bin von dieser erotischen Horrorstory. 😉
Aber einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: Brian Keene verfällt im letzten Drittel des Romans immer mehr in eine Richtung, die mir zu reißerisch vorkommt. Vieles wirkt übertrieben. Als hätte Keene mit aller Gewalt versucht, ein dramatisches Finale mit möglichst viel Action hinzubekommen. (Den gleichen Fehler hat Stephen King meiner Meinung übrigens auch öfter gemacht.) Das letzte Drittel stört ein wenig gegenüber den bedeutend ruhigeren und stimmungsvolleren ersten zwei Drittel. Es ist zwar nicht so, dass das nun den gesamten Roman zunichte gemacht hätte, denn es ist immer noch sehr gut geschrieben, aber ich hätte mir da einfach weniger gewünscht. Das hätte, zumindest bei mir, bedeutend mehr Wirkung gehabt. Nichtsdestotrotz ist Keenes „Der Satyr“ ein Roman, der hervorragend unterhält und genial geschrieben ist. Er fällt unter die Kategorie jener Werke, die ich -sofern die Zeit es zulässt- sofort noch einmal lesen würde. Vergessen werde ich die Schauermär vom Satyr auf jeden Fall nicht so schnell. Und auch der Protagonist hat einen Weg in mein Langzeitgedächtnis gefunden. 🙂

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Fazit: Sehr stimmungsvolle, erotische Horrorgeschichte, die man nicht so schnell vergisst.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ein notwendiges Übel von Abir Mukherjee

Ein notwendiges Uebel von Abir Mukherjee

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 494 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43920-7
Kategorie: Krimi, historischer Roman

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Ein Jahr nach seiner Ankunft in Britisch-Indien und seinem ersten Fall wird der Sam Wyndham erneut mit einer Mission betraut: Der Thronfolger von Sambalpur ist ermordet worden und die Regierung hat großes Interesse an der Ergreifung des Täters. Sam und sein indischer Freund und Sergeant Surrender-not reisen ins Reich des ermordeten Maharadschas und decken mühsam die Hintergründe des Mordes im undurchschaubaren Machtgefüge von Sambalpur auf …

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Sam Wyndham kehrt zurück. Und, man möchte es kaum glauben, sogar noch besser als im ersten Teil „Ein angesehener Mann“ der Reihe.  Erneut entführt Mukherjee seine Leser in ein fremdes Land und beeindruckt durch seine hervorragenden Kenntnisse, was die Eigenheiten dieses Landes und jener Zeit betrifft. Der zweite Teil der Sam Wyndham-Reihe macht, genauso wie der erste, schlichtweg süchtig und man muss sich zwingen, das Buch aus der Hand zu legen. Zu den wirklich beindruckenden Hintergrundinformationen gesellt sich ein flüssiger, hochwertiger und äußerst angenehmer Schreibstil, der sein übriges dazu tut, dass an immer weiterlesen möchte Mukherjee besitzt außerdem einen ungewöhnlichen Humor, der einem immer wieder zum Schmunzeln bringt. „Ein notwendiges Übel“ ist Historienroman, Krimi und Thriller in einem. An manchen Stellen schimmert sogar ein ganz klein wenig eine zarte Liebesgeschichte hervor.

Und auch hier zeigt sich der Ermittler Sam Wyndham von seiner herrlich erfrischenden Seite, in dem er nämlich absolut nicht dem gängigen Klischee eines Ermittlers entspricht, sondern Schwächen zeigt. Auch die Ausflüge in „seine“ Opiumwelt finden hier im zweiten Teil genauso Beachtung wie schon im ersten. Doch trotz der unkonventionellen Beschreibung der beiden Ermittler liest sich Abir Mukherjees zweites Buch an vielen Stellen wie ein klassischer Krimi im Stil von Agatha Christie. Der verzwickte Plot lässt einen miträtseln und selbst Überlegungen anstellen. Mukherjee hat die Handlung sehr geschickt aufgebaut und lenkt den Leser immer wieder in eine andere Richtung, so dass in keiner (Lese-) Minute Langeweile aufkommt. Man wird von der Handlung wirklich mitgerissen, so rasant geht sie voran.
Vor allem auch aus handwerklicher Sicht lässt Abir Mukherjee keine Wünsche offen. Er beschreibt souverän die Geschehnisse und macht dies auch so bildhaft, dass man meint, unmittelbar dabei zu sein.

Auch als Laie sind die politischen Rangeleien und Verstrickungen einigermaßen gut erklärt, dass man ihnen zumindest folgen kann. Und selbst wenn man als Leser an solchen Intrigen nicht interessiert ist, richtet Mukherjee sein Augenmerk dazwischen immer wieder auf andere Dinge, so dass man niemals genervt das Buch zur Seite legt. Das liegt aber auch an der nahezu perfekten Ausdrucksweise des Autors, der einen sämtliche Dinge, die langatmig sein könnten, vergessen lässt. Die historischen und/oder politischen Aspekte sind jedoch gegenüber der Krimihandlung sehr ausgewogen gehalten und wirken dadurch weder konstruiert noch explizit ausufernd. Genau genommen ist es genau die richtige Mischung, die Mukherjee hier anwendet: Auf der einen Seite unterhält er den Leser, der „nur“ unterhalten werden will, auf der anderen Seite informiert auch diejenigen Leser, die neben der Unterhaltung auch ein Stück Geschichte miterleben wollen. Auch hier möchte ich gern das Wort „perfekt“ verwenden.
Als Fan bleibt mir nur zu hoffen, dass Abir Mukherjee mit seiner Sam Wyndham-Reihe weitermacht – oder zumindest seine schriftstellerische Tätigkeit nicht einstellt. 😉

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Fazit: Fast besser als der Vorgänger. Witzig, spannend, informativ und äußerst stimmungsvoll.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Unerbittliche Geschichten von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
282 Seiten
13,95 €
ISBN: 978-3-86552-677-9
Kategorie: Horror, Kurzgeschichten

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14 Geschichichten aus der Feder des Kultautors Richard Laymon.
– Einladung zum Mord
– Barneys Bigfoot-Museum
– Der Champion
– Ab in die Grube
– Spuk
– Die direkte Art
– Good Vibrations
– Phil, der Vampir
– Joes gerechte Strafe
– Das erste Date
– Der Santa Claus von Halloween
– Die Hütte im Wald
– Boo
– Die Badewanne

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Laymon schaffte es mit diesen Kurzgeschichten innerhalb weniger Seiten, mich komplett in den Bann zu ziehen. Ich bin bekennender Laymon-Fan und auch wenn ich einige seiner Werke nicht unbedingt hervorragend finde, so haben sie doch immer wieder das besondere Etwas inne, das eben einen Roman von Richard Laymon ausmacht. Er beschwört fast immer ein tolles, atmosphärisches 80er Jahre Gefühl mit seinen Geschichten herauf, mit dem man sich einfach beim Lesen wohlfühlen muss. Genau das trifft in jeder Hinsicht auf diese geniale Geschichtensammlung zu. Zusammengetragen aus verschiedenen Entstehungsjahren, hat der Festa-Verlag mit „Unerbittliche Geschichten“ ein kleines Juwel herausgebracht, das mir so dermaßen Spaß gemacht hat, dass es schon fast unheimlich ist. 😉
Laymons Schreibstil ist -wie gewohnt- einfach, aber äußerst wirkungsvoll und vor allem sehr bildhaft. Ich liebe seine Dialoge, die einerseits zwar trashig, andererseits aber sehr authentisch und  wie aus dem Leben gegriffen sind.

Die Storys im vorliegenden Band muten fast wie eine Kompilation aus „Geschichten aus der Gruft“ an. Da wird mit einem Augenzwinkern von Vampiren, Beziehungsproblemen oder fast schon Lovecraft’schen Begegnungen erzählt. Laymon beherrscht sein Handwerk, keine Frage, und kann mit unerwarteten Wendungen und abgefahrenen Plots aufwarten.  „Die Badewanne“ zum Beispiel, um nur eine der beeindruckenden Geschichten herauszugreifen, beschäftigt mich noch heute aufgrund seiner absurden Konstellation, in die die Protagonistin gerät. Mit einem gewissen sexuellen Kitzel verbreitet Laymon eine gewisse Situationskomik, die, wenn man genauer darüber nachdenkt, erschreckender nicht sein könnte. Ich konnte während des Lesens zwar die gerade aktuelle Geschichte in vollen Zügen genießen, musste mich aber beherrschen, um nicht weiterzublättern, weil ich erfahren wollte, was mich mit der nächsten Story erwartete. „Unerbittliche Geschichten“ ist ein typischer Fall von Kurzgeschichtensammlung, die unheimlich Spaß machen, selbst wenn man eigentlich keine Kurzgeschichten mag. Diese Storys haben sich in meinen Gedanken festgesetzt, so gut finde ich sie. Sicherlich bekommt man keine hochliterarischen Ergüsse serviert und ich würde auch nicht wagen, Laymons Geschichten mit denen von Stephen King zu vergleichen. Aber sie haben aufgrund ihrer präszisen, knackigen Beschreibungen eindeutig einen eigenen Zauber, dem man unweigerlich verfällt, wenn man sich auf die verrückten Gedanken des Autors einlassen kann.

Interessant ist, dass die Geschichten in den Jahren 1977 bis 2000 entstanden sind und man diese riesige Zeitspanne beim Lesen überhaupt nicht bemerkt. Ich finde, dass sich Laymon mit jedem seiner Romane prinzipiell immer weiterentwickelt hat, das Niveau seiner Kurzgeschichten war aber anscheinend immer das gleiche. Für diese Sammlung gilt (zumindest für mich): Hoher Suchtfaktor! Ich konnte gar nicht genug von diesen bissigen, brutalen, verstörenden und ideenreichen Storys bekommen. Das Buch hätte gerne die doppelte Seitenanzahl haben können und ich wäre dennoch innerhalb weniger Stunden (Lesetage) fertig gewesen.
„Unerbittliche Geschichten“ reiht sich nahtlos an die schon grandiose Kurzgeschichtensammlung „Kill For Fun“ (ebenfalls im Festa-Verlag erschienen) ein und zeigt, dass  Laymon nicht nur lange Plots erzählen konnte. Aufschlussreich finde ich, dass sich Laymon schon in „jungen“ Jahren nichts um Klischees geschert hat und teilweise Grenzen überschritten hat, die sich damals noch keiner getraut hat, zu übertreten. Und durch seinen bildhaften, fast schon drehbuchartigen Schreibstil wird man umso mehr mitgerissen. Für mich zählen die „Unerbittlichen Geschichten“ ab sofort auf jeden Fall zu meinen Lieblingsbüchern von Richard Laymond.

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Fazit: Bissig, brutal, verstörend und innovativ. Eine tolle Bandbreite des Kultautors.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die sieben Kreise der Hölle von Uwe Wilhelm

Die sieben Kreise der Hoelle von Uwe Wilhelm

Erschienen als Taschenbuch
bei Blanvalet
insgesamt 4746Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0345-2
Kategorie: Krimi, Thriller

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Die Staatsanwältin Helena Faber hat ihren letzten Fall noch nicht wirtklich abgeschlossen, als sie ein neuer Albtraum erwartet: Ihre beiden Töchter wurden entführt. Es scheint, als bestehe eine Verbindung zum Dionysos-Fall, in dem Faber ermittelte. Eine Jagd beginnt, die Helena in eine schreckliche Welt führt, in der Menschenhandel und Kindesmissbrauch an der Tagesordnung ist. Und der Gedanke, dass sich Helenas Kinder in der Gewalt genau dieser Menschen befindet, treibt sie zum Wahnsinn …

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Was für ein Buch! Ähnlich wie im ersten Teil „Die sieben Farben des Blutes“ geht Uwe Wilhelm auch bei der Fortsetzung  seiner Trilogie um die Staatsanwältin Helena Faber von Anfang an in die vollen. Teil 2 beginnt, wo Teil 1 endet und man erliegt dem unglaublichen Sog von Wilhelms spannendem Schreibstil erneut nach nur wenigen Sätzen. Da wird keine Zeit mit Erklärungen und Rückblenden verschwendet – der Leser wird sofort ins kalte Wasser geworfen. Ähnlich wie die Protagonisten, die nämlich selbst nicht weiß, wo ihr der Kopf steht bei all den Geschehnissen, die um sie herum passieren. „Die sieben Kreise der Hölle“ übertrifft selbst den ersten Teil der Reihe, und der hat mich schon mehr als fasziniert und begeistert. Uwe Wilhelm schreibt seinen Plot konsequent fort, verwandelt die taffe Helena Faber in eine hilflose und verzweifelte Mutter, die aber dennoch mit aller Macht versucht, alles in den Griff zu bekommen. Rasant und atemberaubend zieht die Handlung an einem vorüber und man vergisst teilweise, dass man ein Buch in der Hand hält, denn Wilhelms Schilderungen sind dermaßen filmreif, dass sich die Buchstaben in bewegte Bilder verwandeln.

Thematisch begibt sich Uwe Wilhelm dieses Mal wortwörtlich in eine Hölle, die den Leser umso mehr erschreckt, weil sie mit viel Hintergrundwissen sehr detailliert und nachvollziehbar geschildert wird. Kindesentführung, -misshandlung und Menschenhandel werden hier behandelt, dass es einem eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken jagt. Verbunden mit dem unglaublich schnellen Erzählstil kommt man kaum zum Atemholen, so spannend wird der Plot serviert. Uwe Wilhelm hat einen Thriller geschaffen, der nachwirkt und den Leser beschäftigt. Wilhelm bedient mit seiner Thriller-Reihe zwar das Mainstream-Publikum, bewegt sich aber mit seinen Werken definitiv außerhalb der gängigen Klischees im Thriller-Genre. Er packt Tabuthemen an. Aber nicht nur das, er schildert sie auch wirklich schonungslos und brutal, überschreitet manchmal sogar Grenzen und kann dadurch absolut überzeugen. Ich kann gar nicht mehr aufzählen, wie oft ich mir während des Lesens gedacht habe: „Wow, was für ein Hammerbuch!“
Wer Berlin kennt, wird zusätzlich noch seine wahre Freude haben, wenn die Protagonisten durch Stadtteile hetzen, die man durch die detaillierten Beschreibungen (Straßennamen) ganz klar vor Augen hat. „Die sieben Kreise der Hölle“ macht unglaublich Spaß, was, wie schon beim ersten Teil, auch an den wunderbaren und authentischen Dialogen liegt. Wilhelm legt seinen Protagonisten nämlich Worte in den Mund, die die meisten von uns ebenfalls genau so sagen würden.

Der zweite Teil der Helena Faber-Trilogie baut auf dem ersten Teil auf, so dass man wirklich mit Teil 1 beginnen sollte. Interessant ist dadurch nämlich auch die Entwicklung der Charaktere. Viele Entwicklungen im Plot sind nicht vorhersehbar und machen das Buch extrem spannend. Beim Ende fühlte ich mich an eine gewisse Filmreihe erinnert, empfand dies aber, sofern ich mit meiner Vermutung richtig liege, eher als eine Verbeugung seitens des Autors. Insgesamt führt „Die sieben Kreise der Hölle“ konsequent den Geist von „Die sieben Farben des Blutes“ weiter, verbindet die beiden (im Grunde genommen eigenständingen) Geschichten zu einem einzigen Plot, der, gesamt gesehen, absolute Logik zeigt. Das Ende ist, wie ich es nicht anders erwartet habe, eine grandioser Cliffhanger, der den Leser wie einen begossenen Pudel zurücklässt. Einerseits hat die Geschichte zwar ein Ende gefunden, andererseits lassen die Entwicklungen der ersten beiden Teile auf ein bombastisches Finale hoffen. Ich bin überzeugt, dass Uwe Wilhelm meine Hoffnungen erfüllen wird, denn schon mit dem vorliegenden zweiten Teil hat er eindeutig bewiesen, dass eine Steigerung gegenüber dem ersten Teil machbar war. Für mich zeigt „Die sieben Kreise der Hölle“, dass Thriller auch mal abseits des Mainstreams möglich sind und sogar bei weitem besser unterhalten als Werke, die nach einem bestimmten Schema verfasst werden. Wilhelm hat eine Protagonistin erschaffen, die manchmal sympathisch und manchmal weniger sympathisch wirkt. Glaubwürdiger kann man eine Heldin nicht machen. Daumen hoch für diesen Wahnsinns-Thriller.

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Fazit: Noch spannender als Teil 1. Temporeicher geht fast nicht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

New York 2140 von Kim Stanley Robinson

New York 2140 von Kim Stanley Robinson

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 814 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-31900-4
Kategorie: Science Fiction

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Auf der ganzen Welt hat sich der Meeresspiegel gehoben, so dass vieles unter Wasser steht. So auch in New York, das sich zu einem amerikanischen Venedig entwickelt hat, in dem Hochhäuser wie autarke kleine Städte wirken.
In einem dieser Hochhäuser betätigt sich Vlade als Hausmeister. Zusammen mit anderen Bewohnern, die in verschiedenen Berufen tätig sind, versucht er, diese kleine Welt instand zu halten.
Doch dann wird plötzlich ein verlockendes Kaufangebot auf das Gebäude abgegeben, zugleich verschwinden zwei Bewohner des Komplexes.
Vlade und seine Freunde versuchen, Licht hinter die Sache zu bringen und entdecken ein abgekartetes Spiel, hinter dem reine Profitgier zu stecken scheint.

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Kim Stanley Robinson hat eine Ausgangssituation entworfen, die vollkommen plausibel und nachvollziehbar wirkt. Sein Roman über das zukünftige New York im Jahre 2140 ist eine gekonnte Mischung aus Science Fiction, Dystopie und Polit-Thriller, der mich bereits nach wenigen Seiten in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen hat. Es dauert sicherlich eine Weile, bis man mit den zahlreichen Protagonisten „warm“ wird, doch das Durchhalten lohnt sich. Auch wenn Robinson den Charakteren nicht wirklich viel Tiefe verliehen hat, folgt man ihrem Lebensweg neugierig und möchte wissen, wie es ihnen im weiteren Verlauf der Geschichte ergeht.
Besonders gut gefallen haben mir die gesellschaftskritischen und politischen Aspekte, die der Autor in seinen Plot mit eingebaut hat. Diese Entwicklungen waren absolut authentisch und ich dachte mir des Öfteren, dass sich viele der kritisierten Dinge bereits in unserer heutigen Zeit so zutragen. Genau aus diesem Grund empfinde ich Robinsons Zukunftsvision absolut lesenswert.

Der Autor erhebt niemals den Zeigefinger wie ein strenger Lehrer, sondern regt uns mit seinen Ideen schlichtweg zum Nachdenken an, damit uns genau solch eine Zukunft nicht erwartet. Doch es ist nicht nur die politische Seite, die diesen Roman sehr interessant macht, sondern auch die abenteuerliche Geschichten der Protagonisten, die sich munter zwischen den Genres des Liebes-, SF oder Weltuntergangsromans bewegen, aber auch klassische Elemente des Abenteuerromans beinhalten. Obwohl viel geredet wird (und eben auch politisches, das ich eigentlich überhaupt nicht mag) fliegen die achthundert Seiten nur so dahin. Nur selten empfand ich die Geschichte langweilig, meistens konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, so hat es mich gefesselt. „New York 2140“ ist kein typischer Science Fiction-Roman, sondern bewegt sich, so wie die meisten anderen Romane von Kim Stanley Robinson, eher auf einem sehr realitätsnahen Niveau und zeigt zwar ein Zukunftsbild unserer Welt, das allerdings nicht besonders weit von unserer Jetztzeit entfernt ist.

Mit einer erschreckenden Detailgenauigkeit und einer überaus schockierenden Konsequenz schildert Robinson die Auswirkungen des Klimawandels und der daraus resultierenden Lebenssituation, die sich der Mensch selbst bereitet hat. Es ist faszinierend, wie der Autor die diversen Bereiche einer solchen Naturkatastrophe ausleuchtet und sie anhand von Einzelschicksalen dennoch zu einer allgemein anwendbaren „Sache“ macht. Ich fühlte mich in dieser „Wasserwelt“ sehr heimisch, obwohl diese natürlich mit einer Unmenge an Problemen verbunden war. Dennoch schildert Robinson das Leben seiner Protagonisten auf eine Art und Weise, die den Leser unmittelbar daran teilhaben lässt. Man wünscht sich fast, man könnte einen Blick auf dieses New York in einer nicht allzu fernen Zukunft werfen, mit all seinen Brücken und Wasserwegen.
Die Lebensgeschichten seiner Protagonisten verbinden sich am Ende zwar zu einem Gesamtbild, bringen aber nicht einen Aha-Effekt, wie sich manch ein Leser wohl wünschen würde. „New York 2140“ ist aus Actionperspektive absolut unspektakulär, aus erzählerischer Sicht jedoch fast schon visionär in seiner Detailgenauigkeit und Klarheit. Die Finanzwelt ist auch hier, wie schon in der Gegenwart, vollkommen abgedreht und machthungrig. Robinson zeigt dem aufmerksamen Leser auf, wie sich solch ein Verhalten auf die Zukunft der Menschheit auswirken kann. Und das tut er sehr nachhaltig und intensiv. Ich habe dieses Buch sehr genossen.

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Fazit: Abenteuer, Science Fiction, Gesellschaftskritik und Liebesroman in einem. Wer sich darauf einlassen kann, erhält ein absolut detailliertes Zukunftsbild unserer Erde.

© 2018  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Forderung von John Grisham

Forderung von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27034-3
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Um ihr Studium zu finanzieren, haben Zola, Todd und Mark einen Kredit aufgenommen. Doch gegen Ende ihres Studiums, kurz vor Abschluss, wird ihnen klar, dass sie die horrenden Kreditsummen niemals zurückzahlen können, denn die Arbeitssituation stellt sich völlig anders dar, als ihnen seinerzeit versprochen wurde. Sie suchen nach einem Ausweg … und finden einen. Dieser ist aber weitaus gefährlicher, als sie ahnten.

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Und schon wieder hat Grisham zugeschlagen. Es ist noch nicht lange her, dass wir in Deutschland seinen Thriller „Das Original“ zu lesen bekommen hatten, und schon folgt „Forderung“. Im ersten Moment fühlt man sich versucht, zu denken, Grisham schleudere seine Bücher mittlerweile im Halbjahrestakt auf den Markt, so dass die Handlung beziehunsgweise der Schreibstil darunter leide. Ich für meinen Geschmack fühle mich nach wie vor von Grisham absolut gut unterhalten und finde immer noch den „alten“ Schriftsteller, den man von seinen Erstlingswerken „Die Firma“ oder „Die Akte“ kennt. Grisham hat sich, wie viele seiner Schriftstellerkollegen schlichtweg weiter entwickelt und versucht, sich in seinen Romanen immer wieder ein wenig neu zu definieren. Dies gelingt ihm auch mit „Forderung“ wieder absolut. Ähnlich wie seine beiden letzten Vorgänger „Bestechung“ und „Das Original“ entwickelt Grisham eine interessante Grundidee, die er dann im Verlauf des weiteren Buches ausbaut und konsequent durchdacht zu Ende führt. Mit Sicherheit mangelt es dem ein oder anderen Leser an Innovationen, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Grisham geht wirklich mit seinen Büchern einen einfachen Weg, der letztendlich (trotz einer schriftstellerischen Entwicklung) dennoch immer nach einem bestimmten Schema abläuft. Doch ich finde das überhaupt nicht schlimm, denn Pageturner werden es trotzdem alle seine Romane. Auch bei „Forderung“ konnte ich mich nicht mehr von der Handlung losreißen, wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, und habe teilweise gar nicht bemerkt, wie die Seiten nur so dahinfolgen. Was will man von einem guten Buch mehr erwarten?

John Grisham schreibt gewohnt flüssig, so dass man über ein paar Ungereimtheiten und/oder teils leicht unglaubwürdige Geschehnisse hinwegsieht, weil man einfach gar keine Zeit hat, großartig darüber nachzudenken. 😉
„Forderung“ reiht sich aus meiner Sicht in die süchtig machenden Werke des Autors nahtlos ein und stellt ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen dar. Grisham erfindet das Rad des Justiz-Thrillers nicht neu, aber das kann man wahrscheinlich aufgrund der Vielzahl an Veröffentlichungen in diesem Genre gar nicht mehr. Geschickt verwebt er aber Insider-Informationen und erfundene Teile zu einem insgesamt und im Großen und Ganzen glaubwürdigen Szenario, das Hand und Fuß hat. Der aufmerksame Leser wird aber letztendlich immer irgendetwas finden, bei dem er was zu meckern hat, das kann kein Schriftsteller verhindern. Erstaunlich ist wieder einmal, dass, obwohl nicht sonderlich viel passiert, der Plot dermaßen rasant an einem vorbeizieht, dass man sich am Ende fragt, wo die über 400 Seiten geblieben sind.

Grisham lässt bei seinen Charakterzeichnungen viel Spielraum für den Leser, soll heißen, die Personen wirken bei genauerem Hinsehen etwas blass und/oder leblos. Trotzdem hatte ich während des Lesens ein Bild vor Augen und konnte die Personen auch ohne weiteres auseinanderhalten. Wie oben schon erwähnt, lässt man sich auf den rasanten Plot und den hohen Unterhaltungswert dieses Romans ein, darf (zumindest aus meiner Sicht) die Personenbeschreibung ohne weiteres in den Hintergrund geraten, denn ein wenig Vorstellungsvermögen dürften die Leser schon haben, um nicht jede Gesichtsfalte oder Charaktereigenschaft der Protagonisten beschrieben zu bekommen. Mich hat dieses Manko nicht gestört, zumal mir die Personen näher kamen als bei manch einem Werk, wo explizit die detaillierte Vorgeschichte der Person erläutert wurde. Grisham füllt seine Charaktere durch den schnellen Handlungsablauf unweigerlich mit Leben und das reicht mir im Thriller-Genre alleweil, zumal wir es hier auch nicht mit einer psychologisch tiefergehenden Handlung zu tun haben.
Von mir daher eine ganz klare Leseempfehlung für Freunde von rasanten Thrillern mit juristischem Hintergrund.

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Fazit: Rasanter Thriller im Justizumfeld mit Pageturner-Garantie.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Opfermoor von Susanne Jansson

Opfermoor von Susanne Jansson

Erschienen als Taschenbuch
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-570-10336-4
Kategorie: Thriller, Krimi

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Natalie ist Biologin und kehr in ihren Heimatort zurück, um dort für ein neues Projekt Bodenproben zu sammeln. Sie lernt den sympathischen Johannes kennen und beginnt, sich in ihn zu verlieben. Doch dann wird Johannes brutal zusammengeschlagen. Wenig später findet man eine Leiche im Moor. Schon bald stellen die Ermittler fest, dass es nicht die einzige Leiche ist, die im Moor versenkt wurde. Natalie entdeckt Zusammenhänge zwischen der Gegenwart und ihrer eigenen Vergangenheit, die sie bis jetzt immer erfolgreich verdrängt hat. Besteht da etwa ein Zusammenhang zwischen ihrer Jugend und den aktuellen Leichenfunden?

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Schon zu Beginn spürt man, dass man es bei „Opfermoor“ mit einem sehr stimmungsvollen Roman zu tun hat. Janssons Thrillerdebüt zeichnet sich durch eine sehr dichte Atmosphäre aus, der man sich nicht entziehen kann. Und auch wenn die Charaktere sehr gut gezeichnet sind, übernimmt im Kopf des Lesers irgendwie das Moor die eigentliche Hauptrolle in diesem sehr ruhigen, aber nicht minder spannenden Krimi.  „Opfermoor“ erfindet das Krimi- und/oder Thrillergenre keineswegs neu und die Autorin arbeitet mit altbekannten Zutaten. Dennoch hebt sich dieser Roman von anderen Werken des Genres ab, weil er nämlich eine wunderbare, mystische und faszinierende Stimmung verbreitet, die im Gedächtnis haften bleibt. Die Landschaft, in der sich die Handlung abspielt, wird nicht einmal bis ins kleinste Detail beschrieben, aber dennoch meint man, mittendrin zu sein und die Umgebung persönlich zu kennen.

Interessant ist, dass im Grunde genommen nicht wirklich viel passiert, der Leser aber immer weiter lesen möchte (und dies in den meisten Fällen wohl auch tut). Zum einen liegt es definitiv an der hypnotisierenden und düsteren Atmosphäre, die durchgehend herrscht, aber auch an den kurzen Kapiteln, die einen immer wieder zum Weiterlesen animieren. Janssons Thriller ist ein Pageturner, allerdings nicht von der Sorte „actionlastiger Blockbuster“, sondern er fällt eher in die Kategorie „Philosophisch-poetischer Mystery-Thriller“. Susanne Jansson verbaut neben der Krimihandlung auch eine zarte Liebesgeschichte und einen verhaltenen Mystery-Touch, der den Plot perfekt abrundet. Man fühlt sich manchmal tatsächlich an alte Gruselfilme aus der schwarz-weißen Fernsehzeit erinnert, die eine ähnliche Atmosphäre verströmten. Gerade die unaufdringliche Liebesgeschichte, die eigentlich eine Nebensache ist, war es, die mich in gleichem Maße in den Bann gezogen hat, wie die Tragödie der Moorleichen. Janssons Charaktere wirken manchmal glaubhaft verschroben, wie sie da in der Einsamkeit am Rande eines mysteriösen Moors leben und verleihen der Handlung dadurch eine hohe Authentizität. Bisweilen fühlte man sich an die ruhigen Romane von Henning Mankell erinnert, wobei Susanne Jansson einen absolut eigenen Stil vorweisen kann.

Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Intensität die Autorin das Moor und den Schauplatz beschreibt. Man spürt die feuchte Luft, sieht den Nebel vor sich und vermeint an manchen Stellen sogar, die Geräusche der Natur zu hören. Desweiteren wird auch bei den Gesprächen eine nahezu poetische Atmosphäre versprüht, die ein wenig an den fantastischen Roman „Schnee, der auf Zedern fällt“ von David Guterson erinnert. Das Cover des Romans gibt genau diese wundervolle Stimmung perfekt wieder, so dass man wirklich genau das bekommt, was man durch die Abbildung erwartet. „Opfermoor“ ist ein wirklich tolles Debüt, das gerade in seiner unspektakulären Schlichtheit auf ganzer Linie überzeugen kann. Bei der Auflösung, die nebenbei bemerkt, überraschend war, hätte ich mir allerdings eine ausführlichere Art und Weise gewünscht. Das ging mir dann irgendwie doch zu schnell, tat aber dem Gesamteindruck dann glücklicherweise keinen Abbruch. Ich bin schon sehr gespannt, was uns von Susanne Jansson in Zukunft noch erwartet. Wünschenswert wäre, wenn sie sich weiterhin an die Ruhe und Stille, die sie in ihrem vorliegenden Erstlingswerk versprüht, halten würde. Denn durch diesen zurückhaltenden Stil würde sie sich eindeutig aus der Vielzahl an Krimis und Thrillern hervorheben.

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Fazit: Wunderbar ruhiges, atmosphärisches und manchmal sogar poetisches Thrillerdebüt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Dämonenkriege von Michael Hamannt

Die Daemonenkriege von Michael Hamannt

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  752 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31838-0
Kategorie: Fantasy

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Vor tausend Jahren wurden sie von Magiern in eine Gegenwelt verbannt: die Dämonen. Doch nun kehren sie zurück und bedrohen die Menschheit erneut. Ein Dämonenjäger, ein Prinz, eine Halbdämonin und eine Assassine stellen sich dem Kampf und setzen alles daran, die Menschen zu retten und die Dämonen wieder zu vertreiben …

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Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass mir „Die Dämonenkriege“ von Michael Hamannt gefallen würde. Es war zum einen der Schreibstil, der mich sofort überzeugt hatte, aber auch die feinfühlige Art, wie der Plot aufgebaut wurde. Hamannt geht nicht gleich aufs Ganze, sondern führt den Leser auf Tolkien’sche Art in seine Welt ein und stellt die Protagonisten der Reihe nach vor. Das empfand ich als ungeheuer angenehm, wenn man als Leser eine Person nach der anderen ausführlich präsentiert bekommt, bevor sie sich zu einer Gemeinschaft vereinigen und sich auf einen epischen Kampf vorbereiten. Sicherlich erinnert das an manchen Stellen an den großen Wegbereiter der Fantasy J.R.R. Tolkien, wirkt aber niemals so plump und inspirationsarm kopiert wie einst „Eragon“, sondern vermittelt im Gegenteil einen sehr eigenständigen Ideen-Pool, aus dem der Autor mit vollen Händen schöpft. Man merkt Hamannt den Spaß an, den er beim Schreiben und Ausdenken seiner Welt gehabt hat und den er mit seinen Worten hervorragend auf den Leser übertragen kann. Stimmungsvoll, ruhig, aber auch episch wie J.R.R. Tolkien, Tad Williams und David Eddings konstruiert Hamannt vor den Augen des Lesers eine sorgfältig ausgearbeitete, glaubwürdige Welt und lässt sie von Seite zu Seite an Details wachsen.

Michael Hamannt zieht seine Leser in den Bann und lässt sie nicht mehr los. Geschickt verbindet er politische Intrigen und Machtrangeleien a la „Game Of Thrones“ mit epischer Fantasy und löst im Leser ein Suchtgefühl aus, das in jeder freien Minute zum Griff nach dem Buch verleitet. Besser kann man Fantasy fast nicht schreiben. Erfreulicherweise lässt Hamannt auch die Finger von Zwergen, Orks und Elfen, die man mittlerweile schon zur Genüge kennt und oftmals gar nicht mehr lesen mag, und richtet sein Augenmerk auf eine vollkommen andere Spezies, nämlich die Dämonen. Genau diese Mischung aus High Fantasy und leichten Horrorelementen macht „Die Dämonenkriege“ in meinen Augen zu einem besonderen Buch in der Vielfalt der Fantasy-Literatur. Hamannt bringt frischen Wind in das Genre und bedient dennoch die klassischen Elemente der Fantasy, was seinen Roman zu einem wunderbaren Genremix macht, der unglaublich Spaß macht.

Was ich ebenfalls sehr erfrischend empfand, war die sehr authentische Sprache bei den Dialogen der Protagonisten. Da fallen auch schon mal umgangssprachliche Ausdrücke, die aber wirklich perfekt zu den Charakteren und Situationen passen und dem Ganzen nochmals eine sympathische Glaubwürdigkeit verpassen. Der Schreibstil des Autors ist sehr niveauvoll und gehoben und wird lediglich durch die erwähnten saloppen wörtlichen Reden aufgelockert, was ich als unwahrscheinlich angenehm und ermunternd empfand. Von Längen kann aufgrund der Dicke des Buches absolut keine Rede sein. Michael Hamannt packt den Leser und zerrt ihn förmlich durch die Vielzahl an Seiten bis zum fulminanten Ende, das die Erwartungshaltung auf die Fortsetzung in die Höhe schraubt. Es ist ein Pageturner, den Michael Hamannt da vorgelegt hat und der Freunde epischer und (absolut im positiven Sinne gemeinten) langatmiger High Fantasy begeistern wird.
Auch mit den Charakterzeichnungen der Protagonisten kam ich hervorragend zurecht und die Personen wuchsen mir alle im Verlaufe der Geschichte immer mehr ans Herz. Durch den bildhaften Schreibstil habe ich oft die Welt um mich herum vergessen und befand mich zusammen mit den Helden in den Schwebenden  Reichen. Hamannt hat eine sehr stimmige Welt und eine atmosphärische, düstere Handlung erschaffen, die mich wirklich begeistert hat.

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Fazit: Düster, innovativ und stimmungsvoll. Epische High Fantasy, die absolut gefällt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

13 Stufen von Kazuaki Takano

13 Stufen von Kazuaki Takano

Erschienen als Taschenbuch
im Penguin Verlag
insgesamt 392 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-328-10153-6
Kategorie: Thriller, Drama

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Die Hinrichtung des zum Tode verurteilten Mörders Kihara steht kurz bevor. Doch dann erhalten der ehemalige Gefängnisaufseher Nango und der vor kurzem entlassene Häftling Jun’ichi den Auftrag, sämtliche Fakten noch einmal zu untersuchen, denn anscheinend ist Kihara unschuldig. Ein Wettlauf gegen die zeit beginnt, als sich Nago und Jun’ichi auf den Weg machen, die Wahrheit um Kihara herauszufinden. Und auch wenn sie immer mehr Spuren finden, die darauf hinweisen, dass bald ein Unschuldiger den Tod findet, läuft ihnen die Zeit davon.

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Schon mit „Extinction“ hat mich Takano vollends überzeugt, aber mit seinem vorher verfassten Thriller „13 Stufen“ hat er noch eins draufgesetzt. „13 Stufen“ hat mich von der ersten Seite an fasziniert und nicht mehr aus seinem Bann gelassen. Takano hat hier zwei wunderbare Charaktere erschaffen, die mir dermaßen ans Herz gewachsen sind, dass ich fast meinte, sie im realen Leben persönlich zu kennen. Ich habe schon öfter festgestellt, dass mich Protagonisten, deren Gedankengänge und Handlungsweisen in japanischen Romanen oftmals sehr ansprechen. So ist es auch hier. Kazuaki Takano beschreibt die Wesenszüge der beiden Hauptpersonen sehr detailliert, emotional und authentisch. Vor allem der Ex-Sträfling Jun’ichi hat mich mit seinen Überlegungen sehr beeindruckt.

In diesem äußerst spannenden und raffiniert konstruierten Thriller-Drama, das mich oftmals alleine schon wegen der Thematik an die Geschichten von John Grisham erinnert hat, macht sich der Autor sehr kluge Gedanken über die Todesstrafe, das Justiz- und Rechtssystem, Selbstjustiz und das Leben und den Tod an sich. Aber auch Familie, Freunde, Liebe und Einsamkeit spielen eine wichtige Rolle in diesem Pageturner, der mich nachhaltig beeindruckt hat. Der Wettlauf gegen die Zeit ist in jeder Zeile spürbar und die Überlegungen der beiden Protagonisten machen den Roman zusätzlich noch zu einem Krimi, der unheimlich Spaß macht, weil man selbst mitdenkt und -rätselt, wie die Vorgänge zusammenpassen. Obwohl der Plot relativ ruhig und unspektakulär daherkommt, lässt er einen nicht mehr los. Vielleicht ist es gerade auch die sehr stimmungsvolle Atmosphäre, die Takano durchgehend erschafft und damit den Leser in einen fast schon hypnotischen Strudel zieht. Wie man den Zeilen entnehmen kann, bin ich wirklich äußerst begeistert und angetan von „13 Stufen“. Die Problematik der Todesstrafe wird bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet und das Für und Wider dargelegt. Fast mutet der Thriller wie ein Sachbuch in Romanform an, denn man erfährt sehr viel über dieses Thema und wird selbst permanent zum Nachdenken angeregt.

Ergänzend zu den oben erwähnten interessanten Ausführungen über Todesstrafe und Rechtssystem wird der Leser noch in die japanische Denkweise und Kultur eingeführt, was dem Roman einen (zumindest für mich) außergewöhnlichen, zusätzlichen Reiz vermittelt, der mich sehr angesprochen hat. Durch das ganze Buch zieht sich eine fast schon melancholische Stimmung, durch die man sich immer wieder gezwungen fühlt, noch ein paar Seiten weiterzulesen. Kazuaki Takano hat mit seinem flüssig zu lesenden Schreibstil einen raffinierten Thriller verfasst, der mit jeder Menge intelligenten Wendungen aufwarten kann. Und trotz aller Spannung bleibt am Ende ein eindringliches Bild im Gedächtnis des Lesers haften, das man so schnell nicht mehr losbekommt. Zu drastisch setzt sich der Autor mit den Vor- und Nachteilen der Todesstrafe auseinander, als dass es den Leser kalt lassen könnte. Gerade die verschiedenen Sichtweisen der Gegner und Befürworter bringen die eigenen Gedanken zum Kreisen, auch wenn man das Buch zur Seite gelegt hat.
Was „Extinction“ an Spannung zu bieten hat, gleicht „13 Stufen“ durch einen enormen Tiefgang aus. Letztendlich zeigen die beiden im Grunde genommen gegensätzlichen und eigentlich nicht vergleichbaren Bücher, welch guter Schriftsteller Kazuaki Takano ist, denn er beherrscht beides hervorragend: Spannungsthriller und Thrillerdrama.
Mir persönlich hat auf jeden Fall der hier vorliegende Debütroman von Kazuaki Takano bedeutend besser gefallen als „Extinction“, weil er unglaublich lange in seiner Wirkung nachhält.

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Fazit: Spannendes, beeindruckendes und nachhaltig wirkendes Thriller-Drama mit Tiefgang.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten