Am Abgrund von Michael Grumley

Am Abgrund von Michael Grumley

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  524 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31889-2
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Mitten im Arktischen Ozean wird auf einer einsamen Insel eine geheimnisvolle Kammer entdeckt, in der sich mysteriöse Samenkapseln befinden. Genauere Untersuchungen ergeben, dass es sich dabei um etwas Außerirdisches handeln muss. Ermittler John Clay und die Meeresbiologin Alison Shaw wollen zusammen mit Freunden, Helfern und natürlich den Delphinen Sally und Dirk das Geheimnis enträtseln. Und sie stoßen dabei auf unglaubliche Erkenntnisse, die sie an der gängigen Theorie der Evolution zweifeln lassen …

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Es geht also weiter mit Alison Shaw und den sprechenden Delphinen Sally und Dirk. Nach „Breakthrough“ und „In der Tiefe“ liegt nun der dritte Teil der Serie vor, der wissenschaftliche Aspekte und spannende Abenteuer geschickt vermischt. Die Handlung schließt nahtlos an das Ende des zweiten Teils an, so dass man nicht lange braucht, um wieder mitten im Geschehen zu sein. Michael Grumley widmet sich in diesem Band leider wieder mehr politischen Geschehnissen und richtet sein Augenmerk auf Spionage und dergleichen. Mir fehlten da schlichtweg die weitaus besseren Szenen, in denen es um die „sprechenden“ Tiere und die wissenschaftlichen Belange ging. Denn dann las sich das Buch wieder, wie schon bei den vorherigen Teilen, wie ein Abenteuer aus der Feder eines Michael Crichton. Die Agentenstory hingegen zog sich, zumindest aus meiner Sicht, immer etwas in die Länge, so dass ich es kaum erwarten konnte, wieder zurück zu Alison Shaw und ihren Delphinen zurückkehren zu können.

„Am Abgrund“ kann, wie bereits Band 2, das Niveau und den Spannungsbogen des ersten Teils nicht halten, was aber nicht bedeutet, dass das Buch schlecht ist. Grumley musste die Handlung mehr ausdehnen, um auch noch Folgebücher füllen zu können, denn er hat bereits die Teile 4 und 5 veröffentlicht. Insgesamt ergibt sich dennoch nach Abschluss des dritten Bandes ein rundes Gesamtbild, das den Leser zufriedenstellt. Ich war allerdings etwas irritiert, als am Ende des vorliegenden Bandes plötzlich von einer Person namens Palin die Rede, die die ganze Zeit nie erwähnt wurde. Ganz schwach klingelte es bei mir, als ich den Namen las und ich konnte mich dann auch glücklicherweise wieder erinnern, um wen es sich dabei handelte. Da hätte Grumley bereits auf den ersten Seiten des dritten Bandes den Faden bezüglich dieser Person wieder aufnehmen sollen, um den Handlungsstrang verständlicher zu machen. Denn man hatte tatsächlich vergessen, dass es Palin gab. 😉

Wie schon in den ersten beiden Bänden konnten die Beschreibungen und Szenen bei mir absolut punkten, in denen es um die Kommunikation mit Tieren ging. Diese Stellen waren sehr stimmungsvoll und verschafften mir immer wieder aufs Neue eine heimelige Atmosphäre, in der ich mich sehr wohl fühlte. Da hätte ich mir einfach mehr davon gewünscht, um den wissenschaftlichen Abenteuercharakter des Plots mehr herauszuheben. Aber Grumley hat sich wohl für den actionreicheren Weg entschieden, der zwar auch nicht schlecht ist, aber auf mich nicht innovativ genug wirkte. Da hätte der Gesamthandlung  und  -stimmung mit Sicherheit eine etwas ruhigere Gangart gut getan. Aber da sind die Geschmäcker wohl einfach zu verschieden und Grumley wollte sich wahrscheinlich auf die sichere Seite begeben und dem Publikum auch Action bieten. „Am Abgrund“ bietet auf jeden Fall solide und spannende Unterhaltung in bester Pageturner-Manier, denn man kann das Buch einfach schlecht aus der Hand legen. Das liegt zum einen am wirklich sehr flüssigen Schreibstil und zum anderen an den relativ kurz gehaltenen Kapiteln, so dass man sich immer wieder dabei erwischt, „nur noch ein weiteres Kapitel“ zu lesen. 🙂
Ich hoffe wirklich sehr, dass Heyne die Breakthrough – Reihe weiter fortsetzt, denn die Protagonisten, die Delphine und die Gorilla-Dame Dulce sind mir im Laufe der drei Bücher sehr ans Herz gewachsen.

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Fazit: Spannender dritter Teil der Breakthrough-Reihe, der eindeutig mehr auf Action setzt als die Vorgänger-Bände.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Der Outsider von Stephen King

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OutsiderErschienen als gebundene Ausgabe
(mit Lesebändchen)
im HEYNE Verlag
insgesamt 752 Seiten
Preis:  26,00 €
ISBN: 978-3-453-27184-5
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

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Sehr schnell steht fest, dass es Terry Mailand war, der den 11-jährigen Frankie Peterson auf die brutalste Weise geschändet und ermordet hat. Terry Maitland, Vorzeigebürger der Kleinstadt Flint City, ist als Englischlehrer und Trainer der Jugendbaseballmannschaft sehr beliebt, glücklich verheiratet und Vater von 2 Mädchen. Und doch sprechen sämtliche Indizien und forensischen Beweise eindeutig dafür, dass Terry diesen bestialischen Mord begangen hat.

Auf Grund der wasserdichten und mehr als eindeutigen Beweise beschließen Detective Ralph Anderson und Staatsanwalt Bill Samuels die Festnahme in aller Öffentlichkeit vorzunehmen und Terry Maitland für seine Tat bloßzustellen. Terry Maitland hat ein Alibi und auch Zeugen, die bestätigen, dass er zum Tatzeitpunkt nicht in der Stadt war. Aber die Beweise, dass er dennoch augenscheinlich die Tat begangen hat, sind glasklar. Die Obduktion am Leichnam des Jungen bestätigt dies zudem. Zeugen, die Terry Maitland in Flint City sogar mit dem Opfer gesehen haben, untermauern den Tatverdacht auch noch.

Und dennoch. Im Laufe der Ermittlungen tauchen immer mehr sonderbare Ungereimtheiten auf und stellen die vorliegenden eindeutigen Beweise trotzdem in Frage. Wie kann es sein, dass Maitland ganz offenbar zeitgleich an zwei Orten war …?

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Sicherheitshalber gebe ich eine Spoiler Wahrung ab. 😉

Ja, ich bin Stephen King Fan. Dennoch gibt es einige Romane von ihm, die ich nicht so berauschend fand. Und es gibt solche, die richtig gut waren, wo er jedoch meiner Meinung nach die Enden vergeigt hat. Die letzten Romane, die ich von ihm gelesen habe, waren jedoch durch die Bank alle richtig gut. Der „neue“ King, ich finde seine Geschichten klasse. Er hat es immer noch drauf, zu fesseln, das Grauen zu beschreiben und Unheimliches mit Unfassbarem zu kombinieren. Nach der Mr. Mercedes-Reihe hat mir auch „Sleeping Beauties“ sehr gut gefallen. Der war aber gegenüber diesem Roman hier ein Schmusebuch.

Mit „Der Outsider“ knüpft King eher an das Grauen der Trilogie um Brady Hartsfield (Mr. Mercedes) an. Und wenn ich Grauen schreibe, dann meine ich das wörtlich. In diesem Roman gibt es Stellen, die sind wirklich nichts für schwache Nerven. Es werden Dinge beschrieben, die kann und will man sich gar nicht vorstellen. Schockierend, Übelkeit erregend, schrecklich grausam und detailliert beschrieben.

Dieser Roman ist ein wirklicher Horror-Thriller, der sehr forensisch, aber auch übernatürlich ist. Er sprengt die Grenzen unserer Denkweise und stellt den Leser vor Phänomene, die nicht erklärbar sind. Stephen King verknüpft hier so geschickt alte Legenden und Sagen aus der mexikanischen und indianischen Kultur mit unserer Neuzeit, dass man nicht dran glauben will, es aber zwangsläufig muss. Es gibt eine typische amerikanische King-Stimmung, tolle Schauplätze wie staubige Farmen oder verlassene Orte, an denen es nur so knistert vor Spannung und Angst.

Was mir persönlich wahnsinnig gut gefallen hat ist auch, dass King hier einer ganz wichtigen Person aus der Mr. Mercedes-Reihe eine beachtliche Rolle zuschreibt. Diese Figur ist bestimmt allen Lesern der Trilogie sehr ans Herz gewachsen und sie gibt diesem Roman hier das gewisse Etwas. Mein Herz hat einen Freudensprung gemacht, als jemand den Telefonhörer in die Hand nahm, es am anderen Ende erst läutete und sich dann eine Stimme mit den Worten „Finders Keepers, Guten Tag“, meldete.

Mehr soll nicht verraten werden, lest diesen Roman unbedingt selbst. Ich gebe hier nicht nur allen Stephen King Fans eine absolute Leseempfehlung: Horror, Thriller, Mystik, Grauen, aber auch sehr viel Gefühl bietet dieser Roman in geballter Form, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Ich war sehr traurig, als ich nach ca. 750 Seiten diese Menschen aus Flint City wieder verlassen musste.

© Buchwelten 2018

 

Das ist das Originalcover. Ich muss sagen, dass sich Heyne da sehr schön an das Original gehalten hat 👍

outsider original+

https://www.stephenking.com/

https://www.stephen-king.de/

https://www.kingwiki.de/index.php/Hauptseite

 

Star Wars – Die letzten Jedi von Jason Fry

Star WarsDie letzten Jedi von Jason Fry

Erschienen als Taschenbuch
im Penhaligon Verlag
insgesamt 444 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-7645-3207-9
Kategorie: Science Fiction

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General Leia Organa kämpft mit dem Widerstand gegen die Erste Ordnung , die eine neue Bedrohung für die Freiheit der gesamten Galaxoe darstellt. Zur gleichen Zeit sucht Rey den legendären Jedi Luke Skywalker, um ihn dafür zu gewinnen, sie bei ihrem Kampf zu unterstützen. Als dann Kylo Ren telepathischen Kontakt mit Rey aufnimmt, wird ihr immer bewusster, dass sie ebenfalls etwas besonderes ist.

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 Es ist ja immer so eine Sache mit Romanen, die nach einem Drehbuch entstanden sind. Oftmals sind sie eine schlichte Nacherzählung von dem, was man bereits im Film gesehen hat. Manchmal sind solche Romane aber auch eine Bereicherung und lassen während des Lesens nicht nur den Film wieder im eigenen Kopfkino noch einmal ablaufen, sondern liefern noch einige Hintergrundinformationen. So geschieht es auch bei Jason Frys Romanversion des Star Wars-Abenteuers „Die letzten Jedi“. Zum einen schildert der Autor sehr bildhaft den Plot des Films und zum anderen erfährt man auch einiges über die Gedankenwelt der Protagonisten und wie so manche Begebenheiten zusammenhängen. Ich hatte auf jeden Fall einen Riesenspaß während des Lesens und bekam nochmals so richtig Lust auf den Film, den ich übrigens für absolut gelungen und toll halte.

Jason Frys Schreibstil ist sehr flüssig und daher absolut gut zu lesen. Durch diesen angenehmen Stil entwickelt sich das Buch, auch wenn man den Film bereits kennt, zu einem wahren Pageturner. Der Autor ist selbst ein Star Wars-Fan, was man seinem Roman durchaus anmerkt. Mit einer Detailverliebtheit werden auch vergangene Begebenheiten in die Handlung eingebaut, so dass sich ein gelungenes rundes Gesamtbild ergibt, das sich hervorragend in das (neue und alte) Star Wars-Universum einpasst. Denn geschickt jongliert Fry zwischen den beiden Star Wars-Universen: Während im „alten“ Kanon Han Solo und Leia Organa drei Söhne haben (die allerdings in keinem Film, sondern nur in Romanen und Comics vorkommen), wurde im Kanon, der seit der Übernahme der Disney Studios erfolgte, nur ein Sohn geboren, nämlich Ben Solo aka Kylo Ren. Fry umgeht die Problematik, erwähnt die anderen Kinder der Solos nicht, widmet sich aber dennoch den alten Filmen und Romanen. Diese „Unstimmigkeit“ wurde aus meiner Sicht geschickt gelöst und hat mich alles andere als enttäuscht.

Jason Frys Roman liest sich wie ein eigenständiger Roman und nicht wie ein typisches Filmbuch.  Wer den Film nicht mochte, wird sich durch diesen Roman wahrscheinlich auch nicht überzeugen lassen. Aber die Story erweitert die Filmhandlung auf sehr befriedigende Weise und lässt den Leser an zusätzlichen Szenen teilhaben, die im Film nicht zu sehen waren. Ich finde durch diese Lektüre den Film nun im Nachhinein tatsächlich noch besser, als ich ihn ohnehin schon fand. 😉 Wer, wie ich, „Die letzten Jedi“ als Film genossen hat, wird eine Erweiterung des Plots entdecken und auch eine gewisse Tiefe in den Charakterbeschreibungen, so dass der Roman in manchen Belangen sogar fast schon eine neue Perspektive zum Film darstellt. Gerade die ruhigen Szenen auf Ahch-To, dem Planeten, auf dem sich Luke versteckt, wirken auch im Roman sehr atmosphärisch und machen geradezu süchtig. Fry hält sich schlichtweg an die Stimmung der Filmvorlage und versucht nicht, ein actionlastigeres Abenteuer zu machen. Wenn Luke über die Macht und die Lehren der Jedi spricht, bekommt man einen sehr tiefen Einblick in den Charakter und die Unentschlossenheit des Protagonisten. Das hat mir außerordentlich gut gefallen und trägt mit Sicherheit dazu bei, dass ich den Film beim nächsten Mal mit anderen Augen sehen werde. Es wirkt, als hätte Fry anscheinend sehr eng mit Regisseur Rian Johnston zusammengearbeitet. Für mich auf jeden Fall wieder ein Highlight im literarischen Star Wars-Kosmos, das man als Fan (aber auch als Nichtfan) unbedingt lesen sollte.

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Fazit: Sehr stimmungsvolle und gelungene Romanadaption des achten Star Wars-Abenteuer.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Arkane – Das Haus der Drachen von Pierre Bordage

Arkane von Pierre Bordage

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 608 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-31914-1
Kategorie: Fantasy

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Bei einem brutalen Anschlag werden Oziels Eltern, die eine der sieben Machthaber der Stadt darstellen, getötet. Das Land droht durch dunkle Mächte zu zerfallen. Während sich Oziel auf die Suche nach ihrem verschollenen Bruder macht, von dem sie erwartet, dass er Arkane vor dem Untergang bewahren kann, macht sich der Zauberlehrling Renn ebenfalls auf die Reise, um das Schlimmste zu verhindern.

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Ich kenne und schätze Pierre Bordage nur als Verfasser von spannenden und interessanten Science Fiction-Geschichten, so das sich sehr gespannt war, was er im Sektor des Fantasy-Romans auf die Beine stellen würde. Bordage hat mich keinesfalls enttäuscht und hat eine sehr authentische Welt erschaffen, bei der man allerdings gerade am Anfang der Geschichte etwas Schwierigkeiten hat, sich zurechtzufinden. Eine Karte wäre vielleicht ein wenig hilfreich gewesen, um sich die Welt besser vorstellen zu können. Aber im Laufe der Geschichte findet man sich dann letztendlich doch zurecht und begleitet die beiden Haupt-Protagonisten Oziel und Renn gerne auf ihrer abenteuerlichen Reise. Bordage geht allerdings keinen neuen Weg, sondern bedient sich bereits bekannten Mitteln des Fantasyromans, wie man sie von anderen Werken kennt. Was ich damit sagen will, ist, dass es sich bei „Arkane“ um einen von vielen Fantasy-Romanen handelt, die machtpolitische Intrigen a la „Game of Thrones“ behandeln. Das bedeutet nichts schlechtes, hebt aber den Roman schlichtweg nicht aus der Masse heraus.

Bordage hat seine Welt sehr detailreich und glaubwürdig gestaltet, keine Frage. Auch die Charaktere handeln stets nachvollziehbar und werden einem im Laufe des Buches immer sympathischer. Der Aufbau der Handlung verläuft langsam, was ich als positiv empfinde, weil sich Bordage einfach Zeit lässt, was viele Leser aber unter Umständen als langatmig empfinden könnten. Irgendwann bemerkt man, dass es sich bei „Arkane – Das Haus der Drachen“ um den Einstieg eines mehrteiligen Werkes handelt, denn zu komplex ist die Handlung, die sich mittels mehrere Stränge spannungstechnisch stetig nach oben schraubt. Schade finde ich allerdings, dass nirgends darauf hingewiesen wird, dass es sich bei diesem Buch um den Auftakt einer Serie handelt, denn mit diesem Vorwissen wäre ich mit Sicherheit ganz anders an die Story herangegangen. So aber wird einem gegen Ende hin immer mehr bewusst, dass man mit einem offenen Ende in die Realität entlassen wird, was mich persönlich etwas gestört hat. Aber zurück zum Plot und der Geschichte an sich.

Pierre Bordage geht sehr sorgfältig mit seiner Geschichte und den Handlungsorten um. Man spürt, dass er sich große Gedanken gemacht hat, als er Arkane und seine Bewohner entworfen hat, denn es hat alles Hand und Fuß. Trotz einer Vielzahl an Geschehnissen, Charakteren und politischen Intrigen verliert man interessanterweise niemals den Überblick über die Ereignisse. „Arkane – Das Haus der Drachen“ ist eine typische High Fantasy-Geschichte, die, wie gesagt, langsam aufgebaut wird. Das Finale deutet auf eine epische Entwicklung hin, die mir sehr gut gefallen hat. Hätte ich vorher gewusst, dass noch weitere Bücher folgen, hätte ich den langsamen Aufbau sicherlich noch mehr genossen, weil ich dann im Hinterkopf gewusst hätte, dass dieser auf eine Steigerung im Laufe der nächsten Teile hinarbeitet. Nun bin ich natürlich enorm gespannt, wie sie Abenteuer von Oziel und Renn weitergehen und kann es kaum erwarten, dass der zweite Teil der Reihe erscheint.
Pierre Bordage schreibt gewohnt flüssig und niveauvoll. Die Kapitel enden meist mit Cliffhangern, so dass man der Versuchung schwer widerstehen kann, immer noch ein Kapitel weiterzulesen. Insgesamt beweist Pierre Bordage mit „Arkane – Das Haus der Drachen“, dass er nicht nur SF-Romane, sondern auch packende High-Fantasy schreiben kann.

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Fazit: Gelungener Einstieg, der auf eine weitaus epischere Fortführung der Story hinarbeitet.

© 2018  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Äquator von Antonin Varenne

Aequator von Antonin Varenne

Erschienen als gebundene Ausgabe
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 426 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-570-10340-1
Kategorie: Belletristik, Abenteuer

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Pete Ferguson ist auf der Flucht. Er wird als Dieb, Brandstifter, Deserteur und Mörder gejagt. Als er bei einer Gruppe von Bisonjägern von einem Ort namens Äquator erfährt, macht er sich auf den Weg dorthin. Denn dort soll angeblich alles besser sein, dort sollen Träume wahr werden und, wenn alles gut geht, Ferguson von seinen inneren Dämonen befreit werden. Pete Ferguson macht sich auf den Weg durch die Weiten des amerikanischen Westens über Guatemala bis hin zu den dichten Urwäldern Brasiliens.

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Varennes Geschichte um einen Mann, der sich ein Ziel setzt und alles daran setzt, dieses zu erreichen, mag dem ein oder anderen Leser nicht hundertprozentig zusagen. Das liegt vor allem am außergewöhnlichen Schreibstil und der nicht immer massentauglichen Erzählstruktur, die der Autor in seinem neuesten Werk präsentiert. Vieles wirkt im ersten Moment sperrig und emotionslos, offenbart sich aber dem Leser, wenn er es nach ein paar Seiten geschafft hat, sich auf dieses literarische Ausnahme-Experiment einzulassen. Denn Antonin Varenne hat es zum Beispiel bei mir hervorragend geschafft, mich vollkommen in eine andere Zeit (und Welt) zu entführen, aus der ich mich oftmals überhaupt nicht mehr entfernen wollte. Vieles an den Handlungsweisen des Protagonisten erscheint ein wenig wirr, aber wenn man einmal darüber nachdenkt, wie man sich selbst in solchen Situationen verhält (verhalten würde) ergibt das Ganze durchaus Sinn.

„Äquator“ ist ein ruhiges Buch. Keine Action und keine großartige Schießereien. Es wird einfach nur eine Geschichte erzählt, die es aber in sich hat. Es handelt sich um einen Abenteuerroman, der eher auf die klassische Art (ähnlich wie zum Beispiel Karl May) Länder und Sitten anschaulich macht und dadurch eben ein gewisses Abenteuergefühl aufkommen lässt. Ich fühlte mich wirklich hervorragend unterhalten und empfand an keiner einzigen Stelle im Buch Langatmigkeit geschweige denn Langeweile. Varenne schreibt sehr bildhaft, wenngleich sein Schreibstil, wie bereits erwähnt, für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftig sein könnte. Seine Dialoge sind filmreif, erscheinen einem während des Lesens wie die Worte aus einem Drehbuch. Vielleicht ist es auch diese Tatsache, die einen mitten im Geschehen sein lässt. Varenne spielt auch immer wieder auf sein Buch „Die sieben Leben des Arthur Bowman“ an, das ich (noch) nicht kenne. Auf jeden Fall stieg bei mir das Interesse an diesem Vorgänger, das wohl eine Art Vorgeschichte zum vorliegenden Roman darstellt. „Äquator“ ist ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, denn es steckt bei weitem mehr in den Sätzen, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Manchmal ist es fast schon poetisch und philosophisch, was Varenne da zu Papier gebracht hat.

Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist das grandiose Cover des Romans. Auch wenn es nicht zum Verdienst des Autors gehört, muss ich sagen, dass es ein fantastisches Bild ist, dass der Verlag da ausgesucht hat. Die Einsamkeit des Protagonisten, die im Roman immer wieder dargestellt wird, findet hier eine perfekte bildhafte Ausdrucksweise. ich kann gar nicht sagen, wie oft ich mir während des Lesens dieses unglaublich ausdrucksstarke Umschlagsbild angesehen habe. Zusammen mit der Geschichte prägt sich dieser Roman, zumindest verhält es sich bei mir so, im Gehirn ein und hinterlässt ein beeindruckendes Gesamtbild. Auch wenn ich mir hin und wieder eine noch detailliertere Beschreibung der Vorgänge und eine tiefergehende Charakterisierung des Protagonisten gewünscht hatte, zählt für mich „Äquator“ zu einem fast schon nostalgischen Abenteuerroman, wie es sie heutzutage nur noch selten gibt. Durch diesen Roman bin ich auf jeden Fall neugierig, was Antonin Varenne noch so geschrieben hat und werde mich Schritt für Schritt durch sein Werk lesen.

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Fazit: Ein ruhiger, melancholischer Abenteuerroman im klassischen Stil. Wer Action erwartet, wird enttäuscht, Freunde ruhigerer Momente werden begeistert sein.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Artemis von Andy Weir

Artemis von Andy Weir

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-27167-8
Kategorie: Science Fiction

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Jazz Bashara lebt in Artemis, der ersten Stadt auf dem Mond. Das Leben dort ist verdammt teuer, wenn man nicht gerade Millionär ist. So bleibt Jazz nichts anderes übrig, als Zigaretten und andere, auf dem Mond verbotene Luxusgüter, für die reichen zu schmuggeln, um ein halbwegs vernünftiges Leben auf dem Mond führen zu können. Eines Tages bekommt sie einen äußerst lukrativen, aber auch enorm illegalen Auftrag, angeboten. Jazz nimmt den Auftrag an. Doch die Sache stellt sich plötzlich ganz anders dar als angenommen und von einem Moment auf den anderen steckt Jazz inmitten einer gefährlichen Verschwörung, durch die sogar das Schicksal von ganz Artemis gefährdet ist.

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Da ist er also, der mit Spannung erwartete Nachfolgeroman von „Der Marsianer“, der in Rekordzeit zum Mega-Erfolg wurde und von Regisseur Ridley Scott kongenial in Szene gesetzt wurde. Meine Erwartungshaltung war, ehrlich gesagt, recht hoch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass Andy Weir etwas ähnlich stimmungsvolles wie sein Debüt entwerfen könnte, aber ich habe mich glücklicherweise getäuscht. „Artemis“ steht dem „Marsianer“ genau genommen in nichts nach. Schon nach den ersten Seiten fühlt man eine ähnliche Atmosphäre wie in Weirs Erstlingswerk. Es ist schon wirklich erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit der Autor seine Leser in eine fremde Welt entführen kann, so dass man glaubt, diese fast schon selbst zu kennen. Dieses Mal ist diese fremde Welt der Mond, auf dem wir die Protagonistin hautnah bei ihren Abenteuern begleiten. Weir schafft es mit seinem flüssigen Schreibstil von Anfang an, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Wie schon bei „Der Marsianer“ hatte ich des öfteren während der Lektüre von „Artemis“ ein Schmunzeln auf den Lippen. Ich liebe den trockenen Humor von Andy Weir, der seine Protagonisten so sympathisch und menschlich macht. Gerade die Mischung aus wissenschaftlich fundierten Beschreibungen und den überaus menschlichen Reaktionen und Verhaltensweisen der Personen macht Andy Weirs Büchern zu etwas besonderem. Manchmal fühlte ich mich bei „Artemis“ ein bisschen an den alten Sean Connery-Film „Outland“ erinnert, in dem sich die Handlung auf dem Jupitermond Io abspielt. Das Alltagsgeschehen gleicht dort dem in „Artemis“ und ich sah bei vielen Szenen einen Film vor mir, wie es auch schon bei „Der Marsianer“ passiert ist. Andy Weirs Beschreibungen sind schlichtweg filmreif. Am besten hat mir die erste Hälfte des Buches gefallen, in dem die Atmosphäre auf dem Mond perfekt beschrieben wurde, so dass ich mir wünschte, auch einmal dort eine gewisse Zeit verbringen zu können.

In der zweiten Hälfte des Buches entwickelt sich die Handlung immer mehr zu einem spannenden Agenten-Abenteuer, das mir zwar gefallen hat, aber die ruhige Grundstimmung, die der Roman anfangs noch besaß, ein wenig kaputt machte. Dieser Kritikpunkt ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn „Artemis“ liest sich genauso flott wie sein Vorgänger und unterhält bestens. Andy Weirs Romane sind für mich genau die Art Science Fiction, die ich als Kind immer gern gelesen habe und heute immer noch gerne lese. Unkompliziert, realistisch, humorvoll und spannend. Man kann in „Artemis“ versinken und die Zeit vergessen, wenn man sich darauf einlässt. Ich denke, dass sich auch hier eine Verfilmung förmlich aufdrängt, denn, wie oben schon erwähnt, wir der Plot von einer unglaublich intensiven Stimmung beherrscht, der man sich schwer entziehen kann. „Artemis“ war für mich wieder einer der Romane, die ich, hätte ich genügend Zeit und Ruhe, in einem Rutsch hätte weglesen können. Bücher wie „Artemis“ haben es leider immer etwas schwer, wenn sie als Nachfolgeroman eines Erfolges erscheinen. Den Erwartungsdruck hat Andy Weit aber meiner Meinung nach perfekt gemeistert, in dem er seinem Stil absolut treu blieb und keinen Abklatsch von „Der Marsianer“ abgeliefert hat, sondern eine eigenständige, neue Geschichte, die aber von der Atmosphäre her dennoch an sein Debüt heranreicht. Mehr habe ich nicht erwartet. Ich freue mich schon jetzt auf das neue Werk von Andy Weir.

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Fazit: Atmosphärisch dicht, humorvoll und spannend. Science Fiction, wie sie sein soll.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Fürst des Nebels von Carlos Ruiz Zafón

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FÜrst des Nebels.jpgErschienen als Taschenbuch
im Fischer Verlag
272 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-596-81272-1
Kategorie: Jugendbuch, Schauerroman

Um vor den Gefahren und Unruhen des Krieges zu fliehen, zieht die Familie des jungen Max hinaus ans Meer. In einem verschlafenen Schifferdörfchen beziehen sie ein altes Haus, in unmittelbarer Nähe zum Strand.

Aus dem Fenster seines Zimmers entdeckt Max weitab des Hausen einen umzäunten, verwucherten Garten, in dem seltsame Steinfiguren stehen. Sie zeigen die mysteriösen Darsteller eines Zirkus. Als Max dorthin geht, um sich umzusehen, spürt er dort seltsame Kräfte, die ihm unheimlich sind und Angst machen. Ähnliche Vorfälle spielen sich einige Tage darauf auch im Wohnhaus ab.

Max schließt Freundschaft zu Roland, einem Jungen aus dem Dorf, der Sohn des Leuchtturmwärters. Roland kennt jeden Winkel der Insel und zeigt ihm das Wrack eines vor vielen Jahren vor der Insel versunkenen Schiffes. Gemeinsam tauchen sie zum Wrack und Roland erzählt Max von dem kleinen Jungen, der vor einigen Jahren unter rätselhaften Umständen verschwand. Dessen Verschwinden begründet auch den Leerstand des Hauses, in das nun Max und seine Familie gezogen ist.

Die unheimlichen Kräfte dieser geheimnisvollen und bösen Macht nehmen immer mehr zu und versetzen nicht nur Max und Roland in Angst und Schrecken. Doch die Jungen wollen diese Macht aufspüren und stellen sich ihr mutig entgegen ….

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Bevor Carlos Ruiz Zafón durch seine Barcelona-Romane Berühmtheit erlangte, hat er Schauerromane für junge Leser geschrieben. Dieses hier ist der erste und ich habe die gebundene Ausgabe gelesen, die vom Autor selbst vor der Neuauflage noch einmal komplett überarbeitet wurde.

Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ waren die ersten Bücher, die ich von ihm gelesen habe. Aus der Jugendbuch-Reihe habe ich bisher nur „Der dunkle Wächter“ gelesen. Und bereits den fand ich sehr gut. Zafón schafft es, eine schöne, düstere und gruselige Atmosphäre zu erschaffen, die unheimliche Lesemomente beschert.

Auch hier geht es um Spuk, Geister und dunkle Mächte und die Handlung ist sehr spannend und fesselnd. Und überhaupt nicht „kindlich“ oder seicht, weil sie eben für Jugendliche geschrieben ist. Diese Grenze verschwimmt ja bereits sein langem und das Genre nennt sich nun „All-Age“ oder „Young Adults“.

Ein bisschen fühlte ich mich an „The Fog – Neben des Grauens“ oder um beim Buch zu bleiben, an „Riptide“ von Douglas Preston erinnert. Und auch wenn der Autor nicht in dem Stil seiner Erwachsenenromane schreibt, so ist er doch sehr gut. Sicher einfacher gestrickt und ausformuliert, aber trotzdem in guter Zafón-Manier.

Wie oben schon erwähnt, erzeugt der Roman eine tolle Stimmung, ist sehr düster und spannend und liefert so einige Gänsehautsituationen.

Mein Fazit: Ein sehr atmosphärischer Schauerroman, der spannende und auch gruselige Lesemomente beschert. Garantiert nicht nur für Jugendliche zu empfehlen.

© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Die Formel von Dan Wells

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
524 Seiten
16,00 €
ISBN: 978-3-492-70469-4
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Lyle Fontanelle entwickelt eine neue Hautcreme, ohne zu ahnen, dass er damit den Weltuntergang heraufbeschwört. Denn ein Zusatz der Lotion überschreibt die DNA der Testpersonen und verwandelt sie dadurch in Klone von Menschen, die die Lotion mittels einer Berührung „verunreinigt“ haben. Obwohl Lyle zu verhindern versucht, dass der Kosmetikartikel auf den Markt kommt, ist das Unheil nicht mehr abzuwenden. Schon bald sind die weltweit verheerenden Konsequenzen nicht mehr zu übersehen, als sich die DNA von immer mehr Verbrauchern verändert …

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Extrem rasant entwirft Dan Wells in seinem Wissenschaftsthriller „Die Formel“ eine Zukunft, wie sie gar nicht mal so abwegig ist. Der Schönheitswahn hat  irgendwann seinen Preis, so könnte die Grundaussage des Romans sein, der sich ab der zweiten Hälfte zu einer erschreckenden Dystopie wandelt, die zum Großteil nachvollziehbar und auch glaubwürdig wirkt, sofern man sich auf die Ausgangssituation einlassen kann. Die erste Hälfte des Buches würde ich persönlich fast als das beste Werk des Autors bezeichnen, der uns mit Serienkiller John Cleaver, den „Partials“ und seiner Mirador-Saga immer bestens unterhalten hat. Doch leider fällt der Plot, und auch teilweise irgendwie der Schreibstil, in der zweiten Hälfte ab, so dass sich „Die Formel“ im gehobenen Durchschnitt des Schriftstellers bewegt. Dan Wells‘ Romane sind Pageturner, keine Frage. Aber meistens fehlt irgendwie immer das gewisse Etwas, um ohne Wenn und Aber zu begeistern. Immer wieder finden sich „Durchhänger“, die mich dann von dem Gesamtwerk nicht ganz zu überzeugen vermögen.

„Die Formel“ ist ein astreiner Wissenschaftsthriller, der auch von Michael Crichton stammen könnte. Wells hat hervorragend recherchiert und schildert das Szenario, vom Anfang bis zum erschreckenden Ende, authentisch und überzeugend. Die Entwicklung, die die Entdeckung einer neuen neuen Lotion für die Haut nimmt, ist folgenschwer und fesselt absolut. Dan Wells hat sämtliche Möglichkeiten, die durch solch eine Formel entstehen könnten, durchdacht und auch durchgespielt. Das macht schon ungemein Spaß, wenn man durch den flüssigen Schreibstil unmittelbar dabei ist, wie die Erde „vor die Hunde“ geht. An manchen Stellen in der zweiten Hälfte fühlte ich mich an Filme wie „District 9“ oder „Darkman“ erinnert. Auch hier kämpft ein zum Außenseiter gewordener Mann gegen die Öffentlichkeit und die verantwortlichen Politiker. Im Nachwort erwähnt Dan Wells, dass er die Arbeit an „Die Formel“ immer wieder unterbrochen hat, um zum Beispiel an einem neuen John Cleaver-Abenteuer oder seiner Partials- oder Mirador-Reihe weiterzuschreiben. Der oberflächliche Leser wird kaum einen Unterschied zwischen den Kapiteln entdecken, der Aufmerksame dagegen schon. Es gibt zum Beispiel ein einziges Kapitel, das wirkt, als hätte es jemand anderes geschrieben. Da passt Ausdrucksweise und Sprache absolut nicht zum gewohnten Schreibstil von Dan Wells.

Insgesamt gesehen bietet „Die Formel“ aber sehr spannende Unterhaltung, die mit interessanten, wissenschaftlichen Wahrheiten vermischt ist. Dan Wells erzählt eine großartige, definitiv filmreife Geschichte, die sozusagen aus einer wissenschaftlichen Kleinigkeit eine allumfassende Apokalypse kreiiert. Keine Außerirdischen oder  Krankheiten sind es, die die Menschheit dahinrafft, sondern eine „einfache“ Körperlotion, die von den Menschen selbst erschaffen wurde. Wells übt mit seinem Buch Kritik an den Menschen (und auch an der Wissenschaft), macht sich über den Gesundheits- und Verjüngungswahn im Grunde genommen lustig und entwirft daraus eine Dystopie, dass einem das Lachen im Munde steckenbleibt. Seine Charaktere haben zwar Tiefgang und geben so manch Philosophisches von sich, lassen dem Leser aber noch Spielraum für die eigene Fantasie. Wells‘ Weltuntergangsroman ist unbedingt lesenswert. Er spielt darin mit einigen faszinierenden Ideen, wie zum Beispiel auch der unersättlichen Gier (nach Macht und Profit) von Unternehmen und der menschlichen Besessenheit, gut auszusehen und unsterblich zu sein. Was macht einen Menschen aus? Wie einzigartig ist dessen Identität?
Ich mochte die erste Hälfte eindeutig mehr, weil sie mich, wie schon erwähnt, ein wenig an Michael Crichton erinnerte, wohingegen die zweite Hälfte oftmals sarkastisch wirkte, was mich nicht so anspricht. Eine Apokalypse ist für mich immer noch dramatisch und schrecklich und nicht unbedingt humorvoll. Hätte Wells das Ende düsterer gestaltet, wäre „Die Formel“ für mich eines seiner besten Bücher, so vergebe ich „nur“ vier von fünf Sternen.

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Fazit: Anfangs sehr spannende, später sarkastisch angehauchte Dystopie.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

In der Tiefe von Michael Grumley

In der Tiefe von Michael Grumley

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  496 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31885-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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In Südamerika taucht eines Tages ein russisches U-Boot auf, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Sonderermittler John Clay macht sich auf den Weg nach Brasilien, um das mysteriöse Phänomen zu untersuchen. Währenddessen kann die Meeresbiologin Alison Shaw in Bezug auf ihre Kommunikation mit Delfinen immer größere Erfolge verzeichnen. Die Beziehung zwischen Shaw und Clay baut sich immer mehr auf, als Clay eine Entdeckung macht, die die Welt für immer verändern könnte. Durch einen Zufall wird Alison plötzlich in den Fall mit einbezogen …

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Die Abenteuer der Meeresbiologin Alison Shaw und des Ermittlers John Clay, die beide bereits im ersten Teil der Breakthrough-Reihe von Michael Grumley mitspielten, gehen weiter. Der Einstieg in die Geschichte wirkt für diejenigen, die den ersten Teil „Breakthrough“ kennen, etwas unbeholfen, da die Geschichte irgendwie zwar fortgeführt wird, aber nie so richtig Bezug auf die Ereignisse des ersten Teils genommen wird. Wahrscheinlich wollte Grumley zwar die Abenteuer der beiden Protagonisten fortführen, mit „In die Tiefe“ aber auch einen eigenständigen Roman abliefern,der es Lesern, die den ersten Teil nicht kennen, noch gestattet, in den Plot mit einzusteigen. Das funktioniert auch,  aber gegen Ende hin versteht man dann doch wieder nur die Zusammenhänge, wenn man den erwähnten ersten Teil kennt. „In der Tiefe“ funktioniert daher für mich nicht als eigenständige Handlung, sondern schildert zwar ein eigenständiges Abenteuer der beiden Protagonisten, setzt aber das Wissen der Geschehnisse in „Breakthrough“ voraus. Daher hätte Grumley durchaus darauf verzichten können, Neuleser mit seinem zweiten Roman zu gewinnen, sondern hätte die Handlung weit enger an die Vorkommnisse des Einstiegsromans legen können. Aber genug gemeckert … 😉

Der Plot beginnt genauso abenteuerlich wie „Breakthrough“ und man befindet sich im Nu wieder in der gleichen Stimmung. Grumleys Schreibweise ist nach wie vor ungemein flüssig und locker zu lesen, so dass auf keiner Seite Langeweile aufkommt und man sofort in der Geschichte drinsteckt. Ab und zu fühlte sich die Handlung etwas unausgegoren und unschlüssig an, weil zu viele Wendungen und Entwicklungen passieren, die in die ursprüngliche Geschichte gar nicht so recht hineinpassen wollen. Letztendlich löst sich zwar alles am Ende auf und man kann die Zusammenhänge durchaus verstehen, aber etwas weniger an „Handlung“ hätte in diesem Falle gereicht. Der Plot wirkt manchmal zu konstruiert, als dass er flüssig auf den Leser wirkt. Dennoch kann man sich schlecht von diesem Buch losreißen, weil es, wie bereits der erste Teil, einfach nur unglaublich spannend und unterhaltend geschrieben ist.

Die Idee ist ohne Zweifel gut und es ist wieder alles sehr bildhaft beschrieben, so dass man einen Film vor seinem inneren Auge sieht. Ich hätte mir allerdings manchmal gewünscht, Grumley hätte sich mehr auf einen einzelnen Handlungsstrang konzentriert und nicht versucht, so viel wie möglich in seine Geschichte zu verpacken. Wie gesagt, es wird zwar alles mehr oder weniger am Ende aufgelöst und miteinander verknüpft, aber es wirkt unausgegoren. Und das ist schade, denn mit „Breakthrough“ hat Michael Grumley einen Einstiegsroman verfasst, der an die besten Zeiten von James Rollins und Matthew Reilly erinnert hat. Dieses Niveau konnte er nun mit „In der Tiefe“ leider nicht mehr halten, auch wenn das Buch immer noch perfekt unterhält. Hervorzuheben sind definitiv wieder die Stellen, in denen über die Kommunikation mit Tieren geschrieben wird. Alleine diese faszinierenden Ideen sind es wert, dass man „In der Tiefe“ lesen sollte. Michael Grumley hat erneut einen spannenden und kurzweiligen Wissenschafts-Thriller abgeliefert, der jedoch handlungstechnisch hinter dem ersten Teil zurückbleibt. Dennoch wird dadurch meine Freude auf den dritten Teil nicht getrübt, wenngleich die ersten Meinungen darüber nicht besonders gut klingen. Ich bilde mir auf jeden Fall mein eigenes Bild und sehe der Fortführung zuversichtlich entgegen.
Mein Tipp: Vor „In der Tiefe“ unbedingt „Breakthrough“ lesen, damit sich die Handlung wirklich voll entfalten kann und die Zusammenhänge so wirken können wie vom Autor geplant.

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Fazit: Spannend und unterhaltend wie der erste Teil, allerdings handlungstechnisch ein Rückschritt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Sturm von Uwe Laub

Sturm von Uwe Laub

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  400 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-41980-3
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Überall auf der Erde verändert sich das Wetter auf drastische Weise. Starke Temperaturschwankungen und Tornados verwüsten weltweit Städte und Dörfer. Der Meteorologe Daniel Bender und die Wissenschafts-Assistentin Laura Wagner kommen bei ihren Nachforschungen einer unglaublichen Wahrheit auf die Spur, die beweist, dass das Wetter manipuliert wird …

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Schon auf den ersten Seiten spürt man, was einen beim neuen (zweiten) Roman von Uwe Laub erwartet: ein Pageturner, der an die Filmblockbuster von Roland Emmerich erinnert. Laub wirft den Leser ohne Umschweife in ein spannendes Szenario hinein, hält sich nicht mit langen Einführungen auf, sondern geht gleich aufs Ganze. Erklärungen folgen später und werden geschickt in den Handlungsablauf eingebaut, so dass man gar nicht richtig bemerkt, dass man beim Lesen auch noch so einiges über das Phänomen Wetter lernt. „Sturm“ ist ein Wissenschaftsthriller, der an manchen Stellen auch an Michael Crichton erinnert, jedoch geht Uwe Laub einen eigenständigen Weg mit seinem kurzweiligen und absolut flüssig zu lesenden Schreibstil. Interessanterweise baut man trotz des unheimlich actionreichen Plots dennoch eine Beziehung zu den beiden Hauptprotagonisten auf, obwohl eigentlich gar keine Zeit für eine tiefgehende Charakterzeichnung bleibt. Diese Tatsache zeigt, dass Laub sich auszudrücken vermag und dem Leser auch zwischen den Zeilen ein „Bild“ fürs Kopfkino liefert.

Ähnlich wie der bereits erwähnte Michael Crichton entwirft Uwe Laub ein erfundenes Szenario um eine längst schon existierende Realität. Wettermanipulationen gibt es schon sehr lange und die technischen Mittel, die Uwe Laub beschreibt, existieren ebenfalls schon oder befinden sich zumindest in der Entwicklung. Alleine vor diesem realen Hintergrund wirkt der Roman noch erschreckender und düsterer, als er es ohnehin schon wäre, wäre wirklich alles nur reine Erfindung. Laub hat hervorragend recherchiert, das merkt man immer wieder an den Stellen, in denen Vorgänge erklärt werden. Doch diese Informationen wirken an keiner Stelle aufdringlich oder gar oberlehrerhaft, sondern sind geschickt in Dialoge verbaut, die oftmals filmreif wirken. Die Dialoge sind es auch, die mich unter anderem in „Sturm“ sehr angesprochen haben. Da wirkte kein Gespräch irgendwie gekünstelt oder zwanghaft konstruiert, sondern extrem natürlich und daher glaubhaft. Die Geschehnisse in „Sturm“ erinnern zwangsläufig so manches Mal an „Twister“ oder den aktuellen „Geostorm“, aber der Plot des Romans geht einen weitaus innovativeren und besseren Weg, in dem er nämlich nicht nur die reinen Naturgewalten ins Spiel bringt, sondern auch den Menschen selbst.

„Sturm“ ist sehr realitätsnah. Das liegt zum einen an der hervorragenden Recherche, die jede der Wetterkatastrophen verständlich erklärt und zum anderen an dem unglaublich fesselnden Schreibstil, der den Leser unweigerlich mitreißt. „Sturm“ ist ein Pageturner, wie er besser nicht sein könnte: Eine spannende Handlung, gepaart mit sympathischen Protagonisten und einem gehörigen Anteil realer Fakten, denen sich die meisten Menschen wohl nicht bewusst sind. Wettermanipulationen gehören zum täglichen „Geschäft“ der Nationen und Uwe Laub spinnt daraus eine extreme Zukunftsentwicklung, die dennoch dermaßen wirklichkeitsnah wirkt, dass es einem Angst macht. Und genau diese Zutaten (Realitätsnähe, spannende Handlung und glaubwürdige Charaktere) machen „Sturm“ zu einem wirklich außerordentlichen Leseerlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Laub wird nie zu speziell, wenn es um die technischen und wissenschaftlichen Erklärungen geht, sondern baut sie so in die Handlung ein, dass sie keinesfalls trocken sondern im Gegenteil hochgradig interessant wirken. Durch die kurz gehaltenen Kapitel fliegt man geradezu durch das Buch, denn man möchte nach jedem Kapitel unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das verschafft dem Roman eine Rasanz, die an die Werke von James Rollins oder Matthew Reilly erinnern. Für mich stellt „Sturm“ eine großartige Neuentdeckung auf dem Gebiet des deutschen Wissenschaftsthrillers und Spannungsromans dar, so dass ich Uwe Laub definitiv im Auge behalten werde. Und ich werde natürlich zusehen, dass ich so schnell wie möglich seinen Debütroman „Blow Out“ in meinen Besitz bringe.

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Fazit: Spannender Wissenschaftsthriller mit einem beängstigenden Szenario und sympathischen Protagonisten.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten