In der Tiefe von Michael Grumley

In der Tiefe von Michael Grumley

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  496 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31885-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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In Südamerika taucht eines Tages ein russisches U-Boot auf, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Sonderermittler John Clay macht sich auf den Weg nach Brasilien, um das mysteriöse Phänomen zu untersuchen. Währenddessen kann die Meeresbiologin Alison Shaw in Bezug auf ihre Kommunikation mit Delfinen immer größere Erfolge verzeichnen. Die Beziehung zwischen Shaw und Clay baut sich immer mehr auf, als Clay eine Entdeckung macht, die die Welt für immer verändern könnte. Durch einen Zufall wird Alison plötzlich in den Fall mit einbezogen …

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Die Abenteuer der Meeresbiologin Alison Shaw und des Ermittlers John Clay, die beide bereits im ersten Teil der Breakthrough-Reihe von Michael Grumley mitspielten, gehen weiter. Der Einstieg in die Geschichte wirkt für diejenigen, die den ersten Teil „Breakthrough“ kennen, etwas unbeholfen, da die Geschichte irgendwie zwar fortgeführt wird, aber nie so richtig Bezug auf die Ereignisse des ersten Teils genommen wird. Wahrscheinlich wollte Grumley zwar die Abenteuer der beiden Protagonisten fortführen, mit „In die Tiefe“ aber auch einen eigenständigen Roman abliefern,der es Lesern, die den ersten Teil nicht kennen, noch gestattet, in den Plot mit einzusteigen. Das funktioniert auch,  aber gegen Ende hin versteht man dann doch wieder nur die Zusammenhänge, wenn man den erwähnten ersten Teil kennt. „In der Tiefe“ funktioniert daher für mich nicht als eigenständige Handlung, sondern schildert zwar ein eigenständiges Abenteuer der beiden Protagonisten, setzt aber das Wissen der Geschehnisse in „Breakthrough“ voraus. Daher hätte Grumley durchaus darauf verzichten können, Neuleser mit seinem zweiten Roman zu gewinnen, sondern hätte die Handlung weit enger an die Vorkommnisse des Einstiegsromans legen können. Aber genug gemeckert … 😉

Der Plot beginnt genauso abenteuerlich wie „Breakthrough“ und man befindet sich im Nu wieder in der gleichen Stimmung. Grumleys Schreibweise ist nach wie vor ungemein flüssig und locker zu lesen, so dass auf keiner Seite Langeweile aufkommt und man sofort in der Geschichte drinsteckt. Ab und zu fühlte sich die Handlung etwas unausgegoren und unschlüssig an, weil zu viele Wendungen und Entwicklungen passieren, die in die ursprüngliche Geschichte gar nicht so recht hineinpassen wollen. Letztendlich löst sich zwar alles am Ende auf und man kann die Zusammenhänge durchaus verstehen, aber etwas weniger an „Handlung“ hätte in diesem Falle gereicht. Der Plot wirkt manchmal zu konstruiert, als dass er flüssig auf den Leser wirkt. Dennoch kann man sich schlecht von diesem Buch losreißen, weil es, wie bereits der erste Teil, einfach nur unglaublich spannend und unterhaltend geschrieben ist.

Die Idee ist ohne Zweifel gut und es ist wieder alles sehr bildhaft beschrieben, so dass man einen Film vor seinem inneren Auge sieht. Ich hätte mir allerdings manchmal gewünscht, Grumley hätte sich mehr auf einen einzelnen Handlungsstrang konzentriert und nicht versucht, so viel wie möglich in seine Geschichte zu verpacken. Wie gesagt, es wird zwar alles mehr oder weniger am Ende aufgelöst und miteinander verknüpft, aber es wirkt unausgegoren. Und das ist schade, denn mit „Breakthrough“ hat Michael Grumley einen Einstiegsroman verfasst, der an die besten Zeiten von James Rollins und Matthew Reilly erinnert hat. Dieses Niveau konnte er nun mit „In der Tiefe“ leider nicht mehr halten, auch wenn das Buch immer noch perfekt unterhält. Hervorzuheben sind definitiv wieder die Stellen, in denen über die Kommunikation mit Tieren geschrieben wird. Alleine diese faszinierenden Ideen sind es wert, dass man „In der Tiefe“ lesen sollte. Michael Grumley hat erneut einen spannenden und kurzweiligen Wissenschafts-Thriller abgeliefert, der jedoch handlungstechnisch hinter dem ersten Teil zurückbleibt. Dennoch wird dadurch meine Freude auf den dritten Teil nicht getrübt, wenngleich die ersten Meinungen darüber nicht besonders gut klingen. Ich bilde mir auf jeden Fall mein eigenes Bild und sehe der Fortführung zuversichtlich entgegen.
Mein Tipp: Vor „In der Tiefe“ unbedingt „Breakthrough“ lesen, damit sich die Handlung wirklich voll entfalten kann und die Zusammenhänge so wirken können wie vom Autor geplant.

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Fazit: Spannend und unterhaltend wie der erste Teil, allerdings handlungstechnisch ein Rückschritt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Sturm von Uwe Laub

Sturm von Uwe Laub

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  400 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-41980-3
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Überall auf der Erde verändert sich das Wetter auf drastische Weise. Starke Temperaturschwankungen und Tornados verwüsten weltweit Städte und Dörfer. Der Meteorologe Daniel Bender und die Wissenschafts-Assistentin Laura Wagner kommen bei ihren Nachforschungen einer unglaublichen Wahrheit auf die Spur, die beweist, dass das Wetter manipuliert wird …

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Schon auf den ersten Seiten spürt man, was einen beim neuen (zweiten) Roman von Uwe Laub erwartet: ein Pageturner, der an die Filmblockbuster von Roland Emmerich erinnert. Laub wirft den Leser ohne Umschweife in ein spannendes Szenario hinein, hält sich nicht mit langen Einführungen auf, sondern geht gleich aufs Ganze. Erklärungen folgen später und werden geschickt in den Handlungsablauf eingebaut, so dass man gar nicht richtig bemerkt, dass man beim Lesen auch noch so einiges über das Phänomen Wetter lernt. „Sturm“ ist ein Wissenschaftsthriller, der an manchen Stellen auch an Michael Crichton erinnert, jedoch geht Uwe Laub einen eigenständigen Weg mit seinem kurzweiligen und absolut flüssig zu lesenden Schreibstil. Interessanterweise baut man trotz des unheimlich actionreichen Plots dennoch eine Beziehung zu den beiden Hauptprotagonisten auf, obwohl eigentlich gar keine Zeit für eine tiefgehende Charakterzeichnung bleibt. Diese Tatsache zeigt, dass Laub sich auszudrücken vermag und dem Leser auch zwischen den Zeilen ein „Bild“ fürs Kopfkino liefert.

Ähnlich wie der bereits erwähnte Michael Crichton entwirft Uwe Laub ein erfundenes Szenario um eine längst schon existierende Realität. Wettermanipulationen gibt es schon sehr lange und die technischen Mittel, die Uwe Laub beschreibt, existieren ebenfalls schon oder befinden sich zumindest in der Entwicklung. Alleine vor diesem realen Hintergrund wirkt der Roman noch erschreckender und düsterer, als er es ohnehin schon wäre, wäre wirklich alles nur reine Erfindung. Laub hat hervorragend recherchiert, das merkt man immer wieder an den Stellen, in denen Vorgänge erklärt werden. Doch diese Informationen wirken an keiner Stelle aufdringlich oder gar oberlehrerhaft, sondern sind geschickt in Dialoge verbaut, die oftmals filmreif wirken. Die Dialoge sind es auch, die mich unter anderem in „Sturm“ sehr angesprochen haben. Da wirkte kein Gespräch irgendwie gekünstelt oder zwanghaft konstruiert, sondern extrem natürlich und daher glaubhaft. Die Geschehnisse in „Sturm“ erinnern zwangsläufig so manches Mal an „Twister“ oder den aktuellen „Geostorm“, aber der Plot des Romans geht einen weitaus innovativeren und besseren Weg, in dem er nämlich nicht nur die reinen Naturgewalten ins Spiel bringt, sondern auch den Menschen selbst.

„Sturm“ ist sehr realitätsnah. Das liegt zum einen an der hervorragenden Recherche, die jede der Wetterkatastrophen verständlich erklärt und zum anderen an dem unglaublich fesselnden Schreibstil, der den Leser unweigerlich mitreißt. „Sturm“ ist ein Pageturner, wie er besser nicht sein könnte: Eine spannende Handlung, gepaart mit sympathischen Protagonisten und einem gehörigen Anteil realer Fakten, denen sich die meisten Menschen wohl nicht bewusst sind. Wettermanipulationen gehören zum täglichen „Geschäft“ der Nationen und Uwe Laub spinnt daraus eine extreme Zukunftsentwicklung, die dennoch dermaßen wirklichkeitsnah wirkt, dass es einem Angst macht. Und genau diese Zutaten (Realitätsnähe, spannende Handlung und glaubwürdige Charaktere) machen „Sturm“ zu einem wirklich außerordentlichen Leseerlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Laub wird nie zu speziell, wenn es um die technischen und wissenschaftlichen Erklärungen geht, sondern baut sie so in die Handlung ein, dass sie keinesfalls trocken sondern im Gegenteil hochgradig interessant wirken. Durch die kurz gehaltenen Kapitel fliegt man geradezu durch das Buch, denn man möchte nach jedem Kapitel unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das verschafft dem Roman eine Rasanz, die an die Werke von James Rollins oder Matthew Reilly erinnern. Für mich stellt „Sturm“ eine großartige Neuentdeckung auf dem Gebiet des deutschen Wissenschaftsthrillers und Spannungsromans dar, so dass ich Uwe Laub definitiv im Auge behalten werde. Und ich werde natürlich zusehen, dass ich so schnell wie möglich seinen Debütroman „Blow Out“ in meinen Besitz bringe.

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Fazit: Spannender Wissenschaftsthriller mit einem beängstigenden Szenario und sympathischen Protagonisten.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Rache von Alastair Reynolds

Rache von Alastair Reynolds

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  558 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-453-453-31895-3
Kategorie: Science Fiction

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Als sich ihr Vater dermaßen hoch verschuldet, sehen die beiden Zwillinge Adrana und Arafura keine andere Möglichkeit, ihm zu helfen, und heuern ohne seine Erlaubnis auf einem Raumfrachter an, um zu Geld zu kommen. Der Kapitän des Raumschiffes ist ein Pirat, der verborgene Schätze und wertvolle Artefakte auf fernab gelegenen Planeten birgt und sie verkauft. Die Schatzjagden verlaufen so lange gut, bis Bosa Sennen, eine erbarmungslose Piratin, auftaucht und ihnen die geborgenen Schätze stehlen will. Doch es steckt viel mehr hinter Sennen als nur eine brutale Tyrannin. Als sie Arafuras Schwester Adrana entführt, hat Arafura nur noch eines im Sinn: Rache.

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Mit „Rache“ beweist Alastair Reynolds erneut, dass er einer der besten Autoren im Science Fiction-Bereich gehört. Reynolds bedient sich anfangs mit Stilmitteln des klassischen Abenteuerromans. Und in diesem Falle auch des Piratenromans. Die Protagonistin, die übrigens unverständlicherweise im Klappentext mit keinem Wort erwähnt wird, entwickelt sich vom scheuen, unbedarften Mädchen zur toughen und skrupellosen Frau. Auch hier geht Reynolds den klassischen Weg eines Entwicklungsromans. Doch dies ist keineswegs langweilig oder wirkt nach Schema F geschrieben, sondern macht unheimlich Spaß. Alastair Reynolds hat mit „Rache“ nicht unbedingt ein bombastisches Space-Epos abgeliefert, sondern einen geradlinig erzählten Abenteuerroman, der in der Zukunft und zum größten Teil im Weltraum handelt. Sicherlich wird der Leser mit der ein oder anderen innovativen Idee beglückt, aber im Grunde genommen wird hier eine moderne Piratengeschichte erzählt, die in der Zukunft spielt. Reynolds entwirft in diesem Roman ein atemberaubendes Szenario, das aber niemals in den Vordergrund tritt, sondern als selbstverständlich behandelt wird. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Protagonistin und ihren (Rache)motiven.

Bei vielen SF-Romanen dieser Art, in der neue, erfundene Welten beschrieben werden, dauert es immer eine Weile, bis man sich im Plot zurecht gefunden hat. Nicht so bei „Rache“. Hier funktioniert die ganze „Umgebung“ sofort und man fühlt sich in diesem Universum sofort zu Hause und heimelig. Ich konnte das Buch wirklich sehr schlecht zur Seite legen, weil mich die Handlung von der ersten Seite an gefangen nahm und nicht mehr losließ. Genau so wünsche ich mir einen guten Science Fiction-Roman. Reynolds hält sich in diesem Werk mit technischen Details weitgehend zurück und konzentriert sich in erster Linie auf die Hauptgeschichte. Die Charaktere sind, zumindest aus meiner Sicht, gut ausgearbeitet und lassen immer noch genügend Spielraum für eigene Interpretationen. An manchen Stellen mutet der Roman wie ein klassischer SF-Abenteuerroman aus der Vergangenheit an, der nicht nur für Erwachsene, sondern auch für ein jüngeres Publikum geschrieben wurde, sieht man von den vereinzelt brutalen Szenen einmal ab. Aber das schadet dem Werk keinesfalls, denn es liest sich dadurch sehr flüssig und angenehm.

Interessant fand ich das Gefühl, das mich oftmals überkam und an Romane von Jules Verne denken ließ. Reynolds hat es tatsächlich geschafft und in seinen modernen Roman einen „alten“ Flair mit einfließen zu lassen, der fast schon ein wenig nostalgisch wirkte, was ich außerordentlich angenehm empfand. Fast fühlt man sich als kleiner Junge (oder als kleines Mädchen), wenn man diese Art von Roman bereits in seiner Kindheit gelesen hat. „Rache“ ist kurzweilig und lässt, wie man es von Alastair Reynolds gewohnt ist, einen perfekten Film in Gedanken ablaufen. Ohne unnötige Schnörkel begleiten wir die sympathische Protagonistin auf ihrem konsequenten Weg und wohnen einem fesselnden Finale bei. „Rache“ hat mich begeistert und auch ohne Weltraumschlachten absolut in seinen Bann gezogen.

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Fazit: Spannend und schnörkellos geschriebener Abenteuerroman in einem beeindruckenden Universum.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

The Fourth Monkey von J.D. Barker

The Fourth MonkeyGeboren um zu toeten von JD Barker

Erschienen als Taschenbuch
im blanvalet Verlag
insgesamt 540 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-7645-0624-7
Kategorie: Thriller, Krimi

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Schon seit Jahren jagt Sam Porter den 4MK, den „Fourth Monkey Killer“. Nun hat der Täter erneut zugeschlagen. Porter gerät wieder in einen Strudel aus Leid und Gewalt und bekommt die Chance, das Tagebuch des Killers zu lesen. Und dieses Mal vermischt sich sogar seine eigene Vergangenheit mit der grausamen Gegenwart.

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Man taucht schon nach den ersten Seiten in eine Welt ein, die man aus Filmen wie „Sieben“, „The Cell“, „Das Schweigen der Lämmer“ oder „Der Zodiac-Killer“ kennt: Düster und erschreckend. J.D. Barker ist mit seinem Thriller ein Pageturner allererster Güte gelungen. Geschickt wechselt er kapitelweise zwischen den Ermittlungstätigkeiten und den Tagebucheinträgen des Killers, so dass man das Buch schlichtweg nicht mehr aus der Hand legen möchte und teilweise auch nicht kann.
Barkers Schreibstil ist so flüssig zu lesen, dass man Seite um Seite liest und die Zeit um einen herum vergisst. Besser kann man einen Thriller nicht schreiben.
Der Autor beschreibt manche Szenen sehr blutig und brutal, gleitet aber nie in niveaulose Splatterorgien ab, sondern hält immer Bezug zu einer möglichen Realität. „The Fourth Monkey“ ist brutal, aber auch einfühlsam in seiner Beschreibung, wenn es um die Kindheit des Täters geht. Sehr beeindruckend wird hier auf die Psyche des Täters eingegangen und eine „Vorgeschichte“ erzählt, die es in sich hat.

J.D. Barker schreibt, als sähe man einen Film (und die Filmrechte sind auch schon tatsächlich verkauft). Stimmungsvolle Bilder begleiten den Leser durch den kompletten Roman und man sieht jeden einzelnen Handlungsort vor dem inneren Auge, so detailliert sind die Beschreibungen. Auch die Charakterzeichnungen sind Barker sehr gut gelungen und man fühlt sich, zumindest den meisten Protagonisten, verbunden. Gerade mit Sam Porter kann man hervorragend „mitleiden“ und „mitfiebern“, denn seine Gedankengänge sind sehr glaubwürdig und menschlich dargestellt. Was ebenfalls sehr authentisch gewirkt hat, waren die Überlegungen und Gefühle der Opfer, bei denen man die Angst und das Grauen beim Lesen gespürt hat. Auf psychologischer Ebene sehr geschickt gemacht, versetzen diese Passagen den Leser in die Opferrolle und lassen den brutalen Täter noch erschreckender erscheinen. Der Thriller ist gewiss nichts für Menschen mit schwachen Nerven und zartem Gemüt, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass auch diese Leser sich dem Bann dieses Romans nicht entziehen könnten. Denn, wie oben schon erwähnt, J.D. Barker begeht eine sehr geschickte Gratwanderung, in dem er auch viele „ruhige“ Szenen in seinen Roman verbaut und der Geschichte dadurch zum einen eine höhe Glaubwürdigkeit verleiht und zum anderen dem Leser immer wieder eine kleine Verschnaufpause verschafft.

„The Fourth Monkey“ ist der Einstieg in eine Romanserie (der zweite Teil ist gerade in Arbeit) und man kann durchaus gespannt sein, wie sich der Plot weiterentwickelt, denn Barker hat Fäden gesponnen, die auf jeden Fall noch ausbaufähig sind. Und mit Sam Porter und seinem Team hat er eine sehr sympathische Ermittlergruppe geschaffen, der man gerne folgt. Hin und wieder wurden die Ermittlungserfolge und die Vorhaben des Teams im Buch aufgelistet, was mich als Leser unmittelbar dabei sein ließ. Hinzu kommen ein paar wirklich gelungene  und unerwartete Wendungen, die noch zusätzliche Spannung aufkommen ließen. Für mich stellt „The Fourth Monkey“ ein Highlight im Thrillergenre dar, denn gerade aufgrund seiner düsteren und stimmigen Atmosphäre, die sich durch den ganzen Roman zieht, hebt er sich auf gewisse Art und Weise von vielen anderen Thrillern ab. J.D. Barker erfindet das (Thriller-)Rad zwar nicht neu, aber er verpackt seinen Plot gekonnt in ein filmtaugliches, kleines Meisterwerk, das absolut fesselt und genial konstruiert ist. J.D. Barker legt die eigene Meßlatte sehr hoch und hat zudem noch ein tolles Ende geschrieben, das nicht unbedingt der „Norm“ von Thrillern und Krimis entspricht.

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Fazit: Spannend, blutig, brutal und düster. Ein Thriller-Highlight, das es in sich hat.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Quazi von Sergej Lukianenko


Quazi von Sergej Lukianenko

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  414 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-453-31852-6
Kategorie: Science Fiction

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Zehn Jahre ist es her, dass eine Seuche ausgebrochen ist und die Menschheit in ein tristes Dasein geworfen hat. Seit dieser Zeit gibt es sogenannte Aufständische, von denen sich einige auserwählte in Quazis, lebende Tote respektive Zombies, verwandeln. Quazis und Menschen versuchen eine Symbiose einzugehen, denn die Auferstandenen sind im Grunde genommen gutmütig. Der Moskauer Polzist Denis Simonow bekommt einen dieser Quazi als neuen Partner zugeteilt. Es dauert nicht lange, und Denis muss feststellen, dass die Quazis etwas planen, um die Menschheit zu unterjochen.

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Lukianenko ist schon seit einiger Zeit der populärste Schriftsteller aus Russland und wenn man seine visionären Romane liest, weiß man auch genau, warum das so ist. Nach seinen Erfolgen mit diversen Reihen (die bekannteste dürfte die legendäre „Wächter“-Reihe sein) widmet sich der Russe einem neuen Kapitel. Der vorliegende Roman mit dem Titel „Quazi“ scheint der erste eines neuen Zyklus zu sein, in dem es um Menschen und wiederauferstandene Tote, sogenannte Quazis, geht. Diese Quazis sind aber nicht die menschenfressenden Monster, wie wir sie aus diversen Zombiefilmen oder Serien wie „The Walking Dead“ kennen, sondern eigentlich Menschen wie Du und ich. Nur eben tot – und quasi unsterblich, weil sie eben schon tot sind. Lukianenko nähert sich dem Thema sehr vorsichtig und schafft es dadurch, dem Szenario eine hohe Glaubwürdigkeit zu verleihen. Seine Untoten sind so menschlich wie seinerzeit der fast schon liebenswerte „Bub“ in George A. Romeros „Day Of The Dead“.

Es ist ein sehr außergewöhnlicher (und für manchen Leser und Lukianenko-Fan wohl auch gewöhnungsbedürftiger) Genre Mix aus Science Fiction, Dystopie, Horror und Krimi. Ich persönlich kam mit dieser Mischung hervorragend klar und war auch stellenweise von den grandiosen Ideen begeistert. Gerade die undurchsichtigen, aber auch gewissermaßen liebenswerten, Charaktere der Quazis, die um ihre Existenzberechtigung kämpfen, haben mir sehr gefallen. Eigentlich haben diese untoten Wesen keinerlei Gefühle mehr in sich, aber dennoch kann man die Quazis oftmals verstehen und meint auch hin und wieder, Emotionen in ihrem Handeln zu entdecken. Sergej Lukianenkos neuer Roman ist kein Geniestreich, wie es manch andere Geschichte aus seiner Feder ist, aber das Werk besitzt eine sehr eindringliche, dystopische Atmosphäre, die mir gut gefallen hat. In einigen Rezensionen wird die angeblich schlechte Übersetzung angeprangert, von der ich aber nichts gespürt habe. Sicherlich ist mir aufgefallen, dass die wiederauferstandenen Toten nicht „Wiederauferstandene“ sondern „Aufständische“ bezeichnet wurden, was absolut keinen Sinn ergibt. Aber wenn man diesen „Makel“ einfach hinnimmt, denn man weiß ja, was gemeint ist, kann man ohne weiteres damit leben und die Geschichte dennoch verstehen.

Man merkt dem Roman an, dass er von Lukianenko stammt, obwohl in seinen anderen Romanen weitaus mehr philosophische Aspekte vorhanden sind. Nichtsdestotrotz kommt aber auch bei „Quazi“ eine gewisse Tiefe zum Tragen, die schlichtweg anders gelagert ist als bei den „echten“ Science Fiction-Storys. Lukianenko widmet sich hier mehr einer möglichen Realität, die uns in Zukunft erwarten könnte, sollte der Mensch eines Tages dazu fähig sein, den Tod zu überwinden. Lukianenko verbindet aktuelle Lebensgefühle mit eventuell zukünftigen, spricht zwar politische und sozialkritische Punkte kurz an, vertieft sie aber nicht. „Quazi“ ist ein erfrischender Beitrag in der schon Jahre anhaltenden Zombie-Dystopie-Apokalypse-Welle, weil er das Thema anders angeht – menschlicher und auf andere Weise erschreckend, als es andere Bücher und Filme derzeit tun. Lukianenko sind mit Denis Simonow und dem Quazi Michail Bedrenez interessante Charaktere gelungen, die noch ausbaubar wären. Entsteht hier tatsächlich eine neue Reihe, kann man schon gespannt sein, wie sich die Charaktere und die Nebenhandlung (die private Geschichte des Ermittlers Denis Simonow) entwickelt. Da steckt auf jeden Fall noch eine Menge Potential im Plot.

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Fazit: Gelungener Zombie-Dystopie-Krimi-Mix, der einen erfrischenden Weg einschlägt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Rabe von Lionel Davidson

Der Rabe von Lionel Davidson

Erschienen als Taschenbuch
im Penguin Verlag
insgesamt 670 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-328-10002-7
Kategorie: Thriller

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Durch einen verschlüsselten Hilferuf wird der Mikrobiologie und Agent  Dr. Johnny Porter nach Sibirien gerufen. Dort existiert ein unterirdisches russisches Forschungslabor, in dem ein tödliches Geheimnis ruht, das nicht verborgen bleiben sollte. Dr. Porter macht sich auf den Weg nach Russland, um das Rätsel zu lösen. Eine gefährliche Odyssee erwartet den Mann …

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Wer hier einen Wissenschaftsthriller und Abenteuerroman á la Michael Crichton erwartet, wie ich es aufgrund des Klappentextes getan habe, könnte unter Umständen enttäuscht sein. Denn „Der Rabe“ ist die Odyssee eines Mannes, der die Welt umrundet und sich zahlreichen Gefahren durch Verfolger zur Wehr setzen muss, um eine geheime Forschungsstation in Sibirien zu erreichen. Es ist ein Agentenroman, aber wiederum auch nicht so, wie man sich das vorstellt. Da gibt es keine Action wie in einem James Bond-Film, sondern die Handlung geht sehr langsam und bedächtig vonstatten, was aber wiederum nicht heißt, dass es langweilig ist. Wahrscheinlich hört man schon aus diesen letzten Sätzen heraus, dass man (oder zumindest ich) nicht unbedingt leicht mit diesem Werk warm wird. Es fühlt sich letztendlich alles ein wenig unausgegoren an, zumindest auf den ersten Blick. Sicherlich steckt hinter dem Roman ein großartig geschriebenes Abenteuer, das durchaus zu unterhalten vermag, was mit Sicherheit auch an dem wirklich tollen Schreibstil des Autors liegt. Aber irgendetwas fehlt dem Ganzen, das ich leider nicht wirklich detailliert erklären kann.

„Der Rabe“ fängt genau so an, wie man aufgrund des Klappentextes vermutet. Man wird sofort neugierig auf den geheimnisvollen Fund und die einsame Forschungsstation im ewigen Eis. Lionel Davidson ist der Einstieg auf jeden Fall gut gelungen und auch hier wird einem noch vorgegaukelt, sich bald mit einem spannenden Wissenschaftsthriller zu unterhalten. Doch kaum ist der Hauptprotagonist im Spiel, wechselt der Plot in ein völlig anderes Genre. Wie schon vorhin gesagt, das heißt keineswegs, dass es dem Roman an Spannung oder gelungenen Sätzen fehlt. „Der Rabe“ bewegt sich, ebenso wie Davidsons  „Die Rose von Tibet“ auf einem hohen Niveau, was die Seiten wirklich nur so dahinfliegen lässt, obwohl nichts wirklich erwähnenswertes passiert. Aber man ertappt sich selbst immer wieder dabei, dass man darauf wartet, dass die Forschungsstation ins Spiel kommt. Leider kommt und kommt sie aber nicht ins Spiel – erst auf Seite 400 geschieht endlich das, auf das man sich als Leser gefreut hat: Der Protagonist erreicht die geheimnisvolle Station und nimmt Kontakt mit einem Wissenschaftler auf. Doch kaum ist man mit der Situation „warm“ geworden, verlässt „der Rabe“ den Schauplatz wieder und macht sich auf den Weg zurück. Erneut werden wir Zeuge, wie sich der Mann vor Verfolgern verstecken muss und um sein Leben kämpft.

Lionel Davidsons Roman ist absolut toll geschrieben und kann auch auf über 600 Seiten unterhalten, erfüllt aber eben die Erwartungshaltung nicht. Erst im Nachhinein, wenn man das Buch also zu Ende gelesen und zugeschlagen hat, bemerkt man, dass sich die bildhaften Beschreibungen ins Gedächtnis eingeprägt haben und eine Art Film hinterlassen haben. Mir haben die detaillierten Schilderungen sämtlicher Unternehmungen des Protagonisten wirklich gut gefallen und ich hatte auch bis zum Ende, das übrigens dann doch wieder ein wenig versöhnt hat, ein großes Lesevergnügen. Aber ich hatte zum einen etwas anderes erwartet und zum anderen auch mit einer weitaus längeren Zeitspanne gerechnet, in der die Handlung auf den Schauplatz des abgelegenen Forschungsinstituts verlegt wurde. Ingesamt hat Lionel Davidson einen sehr atmosphärischen Thriller abgeliefert, der ruhig und besonnen den Weg beziehungsweise die Wege eines einsamen Mannes beschreibt und mit vielen Details aufwartet.

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Fazit: Ruhiger Thriller, der sich mehr auf die beschwerliche Odyssee eines Mannes als auf eine wissenschaftliche Basis, wie vom Klappentext suggeriert wird, beschränkt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Everland von Rebecca Hunt

Everland von Rebecca Hunt

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Luchterhand Verlag
insgesamt 410 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-630-87463-0
Kategorie: Drama, Abenteuer, Belletristik

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Im Jahr 1913 unternimmt das unter britischer Flagge stehende Schiff „Kismet“ eine Antarktisexpedition. Die Mannschaft unter Kapitän Lawrence entdeckt eine bis dahin unbekannte Insel, die „Everland“ getauft wird, uns schickt drei Männer aus, um sie zu erforschen.  Doch ein Sturm verhindert die Rückkehr der drei Männer, die daraufhin auf der kleinen Insel um ihr Überleben kämpfen müssen.
Hundert Jahre später wird eine ähnliche Expedition nach „Everland“ geschickt, um die dortige Tierwelt zu erforschen. Dieses Mal handelt es sich um einen Mann und zwei Frauen, die in etwa gegen dieselben Gefahren kämpfen müssen, wie die Mannschaftsmitglieder der „Kismet“.

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Nachdem ich ein riesengroßer Fan des Romans „Terror“ aus der Feder von Dan Simmons bin, hat mich der Klappentext von „Everland“ natürlich total neugierig gemacht. Gerade der einsame Handlungsort im Eis, fernab jeglicher Zivilisation, hat es mir angetan und so ging ich natürlich auch mit einer gewissen Erwartungshaltung an dieses Werk heran. Um es gleich vorweg zu sagen: Rebecca Hunt hat mich absolut nicht enttäuscht, wenngleich sie an die Sache bei Weitem nicht so episch und detailliert herangeht. Aber das macht gar nichts.
Von den ersten Seiten an baut sie eine unglaublich intensive Atmosphäre auf, die einen mitreißt. Man denkt wirklich, man wäre bei der Expedition hautnah mit dabei und müsse selbst um sein Überleben kämpfen.

Ein geschickter Schachzug ist außerdem, dass Hunt Vergangenheit und Gegenwart gegenüberstellt und dabei Parallelen schafft. Und obwohl die Voraussetzungen beider Unternehmungen im Grunde genommen vollkommen anders sind, was zum Beispiel auch die Ausrüstungsgegenstände und die Verpflegung betrifft, haben die Menschen dennoch gegen die gleichen Gefahren anzukämpfen. Es ist außerdem sehr interessant, wie sich Hunt der Entwicklung der Charaktere annimmt und beschreibt, wie sie sich in Extremsituationen verändern (sowohl in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart). Dieses („Psycho“-)Spiel macht wirklich Spaß und verleiht den Protagonisten eine Authentizität. Erstaunlicherweise wachsen einem die Protagonisten durchwegs ans Herz, obwohl die Ausarbeitung ihrer Charakterzüge gar nicht einmal so tiefgehend ist. Wahrscheinlich sind es die knappen und präzisen Beschreibungen, die Rebecca Hunt einsetzt, die die Personen einfach „greifbar“ machen, zumindest erging es mir so während des gesamten Romans. „Everland“ ist ein Abenteuerroman, der dem Leser wie ein Bericht nach Tatsachen erscheint. Hunt schafft es hervorragend, ihrer Geschichte eine hohe Glaubwürdigkeit zu verleihen, als erzähle sie in Romanform ein Ereignis nach, das wirklich stattgefunden hat. ich muss zugeben, dass ich sogar nach der fraglichen Expedition im Internet gesucht habe, weil ich neugierig war, wie es sich tatsächlich zugetragen hatte.

„Everland“ ist ein Drama. Ein Drama ums Menschsein, ums Überleben und um den Kampf des Menschen gegen die Naturgewalten. Rebecca Hunt schafft es in vielen Szenen sehr gut zu beschreiben, wie klein der Mensch und seine Existenz eigentlich im Gegensatz zur Natur ist. Da kommt man zwischendurch auch schon mal ins Nachdenken. Vor allem in den ruhigeren Szenen in den ersten beiden Dritteln des Buches widmet sich die Autorin eher dem Menschen und der Natur, als einem spannenden Plot. Erst gegen Ende hin baut sie dann einen wirklich gelungenen Spannungsbogen auf, der stakkatoartig zum Finale führt und den Leser aufgrund der sehr kurz gehaltenen Kapitel förmlich zum Durchlesen zwingt. Das hat schon etwas Pageturner-haftes an sich. Was mit wirklich sehr gut gefallen hat, war die durchgehende, düstere Stimmung, die Rebecca Hunt mir ihrem Roman eingefangen hat. Man kehrt gerne in die kalte und trostlose Kulisse der Antarktis zurück und begleitet die Expeditionsteilnehmer (egal ob die aus der Vergangenheit oder die aus der Gegenwart) gerne. Der flüssige, leicht zu lesende, aber auch an manchen Stellen sehr hochwertige Schreibstil tut das seinige dazu, um „Everland“ zu einem wirklichen Genuss für Freunde von Antarktis-Abenteuer-Romanen zu machen. Mir persönlich hat das Buch auf jeden Fall so gut gefallen, dass ich die Autorin weiterhin im Auge behalten werde und mir auch ihren Debütroman „Mr. Chartwell“ bei Gelegenheit besorgen werde. Und das sagt doch schon genügend über die Qualität und den Unterhaltungswert eines Werkes aus, oder? 😉

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Fazit: Ruhiges und atmosphärisch dichtes, gegen Ende hin spannendes, Abenteuer in eisiger Umgebung. Sehr zu empfehlen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

München von Robert Harris

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27143-2
Kategorie: Thriller, Historischer Roman, Drama

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Im September 1938 treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz in München. Es geht um die Einnahme von Teilen der Tschechoslowakei durch die Deutschen, aber auch um den Weltfrieden. An der Seite des britischen Premierministers Chamberlain nimmt Hugh Legat aus dem Außenministerium an der Reise nach München teil. In München trifft Legat auf Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin, mit dem ihn eine Freundschaft aus alten Zeiten verbindet. Legat erfährt, dass von Hartmann einer geheimen Widerstandsgruppe gegen Hitler angehört und sieht sich schon bald in einer Zwickmühle, als ihm Papiere ausgehändigt werden, die einen drohenden Weltkrieg prophezeien.

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Wow, was für ein Buch! Schon nach den ersten Seiten konnte ich mich nicht mehr von der Geschichte losreißen. Und das, obwohl ich ein an Politik völlig uninteressierter Mensch bin, der logischerweise auch solcherart Bücher eigentlich gar nicht gerne liest. Aber Robert Harris hat mich schon mit vielen seiner anderen Bücher überzeugen können, und so war ich natürlich gespannt, wie er diese geschichtliche Episode, die noch dazu in meiner Heimatstadt München spielt, zu Papier gebracht hat. „München“ ist schlichtweg atemberaubend grandios geworden und vermittelt die damalige Stimmung aus meiner Sicht (ich war ja glücklicherweise nicht dabei 😉 ) sehr gut und stimmig. Harris schreibt sehr einfach, aber auch niveauvoll, so dass man von der Story vollkommen gefangen genommen wird.

Robert Harris schildert die historischen Ereignisse dermaßen kurzweilig, dass man locker doppelt so viele Seiten hätte lesen können. Die Vermischung aus historisch belegten Geschehnissen und erfundenen, fiktiven Begebenheiten ist dem Autor absolut gut und vor allem glaubwürdig gelungen. Die Hintergründe sind aufs sorgfältigste recherchiert und Harris versteht es meisterhaft, die teils trockenen, geschichtlichen Zusammenhänge, die zu dieser Konferenz geführt haben, zu einem enorm spannenden Erlebnis zu verarbeiten, dass noch lange im Gedächtnis haften bleibt. Man bekommt während des Lesens wirklich den Eindruck, die Protagonisten (ob fiktiv oder real) persönlich zu kennen, so geschickt schildert Harris diese Persönlichkeiten. Und beim ersten Erscheinen Adolf Hitlers hält man unweigerlich die Luft an, so eindringlich (und irgendwie auch bedrohlich) wurde sein Auftreten beschrieben. „München“ wirkte auf mich unglaublich intensiv und bedrohlich in seiner teils aussichtslosen Atmosphäre. Die Verhandlungen und Überlegungen der Politiker sind durchweg verständlich erklärt und machen dieses Buch auch für einen Menschen wie mich, der sich absolut nicht für Politik interessiert, zu einem wirklich atemberaubenden Abenteuer.

Bedrückender Nebeneffekt dieses historischen Romans ist die Reflektierung der aktuellen politischen Situation, die sich wohl heutzutage genauso schleichend wie in der Vergangenheit in die Köpfe einiger Menschen festsetzt. „München“ besitzt einen unglaublichen Sog, der zum einen am wunderbar flüssigen und angenehmen Schreibstil Robert Harris‘ liegt und zum anderen am für mich äußerst kurzweiligen Plot, den manch anderer aber bestimmt langatmig empfinden wird. Aus meiner Sicht war kein Satz zu viel. Im Gegenteil, wie oben schon erwähnt, hätte ich die Protagonisten und die politischen Überlegungen noch gerne ein paar hundert Seiten mehr genossen. Robert Harris lässt seine Geschichte auf knapp vierhundert Seiten an lediglich vier Tagen spielen. Gerade diese knappe Zeitspanne stellt einen enorm intensiven Handlungsstrang zu, der wie ein Film wirkt. Durch die präzisen Beschreibungen der Örtlichkeiten fällt es nicht schwer, sich in dem Roman zu verlieren und einfach mittendrin zu sein. Robert Harris hat es also tatsächlich mit diesem Roman erneut geschafft, mich für ein politisches Thema zu interessieren und sogar zu begeistern. „München“ hat mich schlichtweg süchtig gemacht.

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Fazit: Spannend, realistisch und unglaublich unterhaltsam. Höchster Suchtfaktor!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Rose von Tibet von Lionel Davidson

Erschienen als Taschenbuch
im Penguin Verlag
insgesamt 444 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-328-10003-4
Kategorie: Abenteuer, Literatur, Mystery

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Als der Filmemacher Hugh Wittington bei einer Expedition in Tibet angeblich ums Leben kommt, macht sich sein Stiefbruder Charles, der nicht an Hughs Ableben  glaubt, auf die Reise, um ihn zu finden. Er erreicht schließlich das Kloster, in dem sein Halbbruder zum letzten Mal lebend gesehen wurde und trifft anstatt auf den Gesuchten auf eine mysteriöse Frau, die ein unheimliches und tödliches Geheimnis umgibt.

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Der bereits im Jahr 1962 erschienene Abenteuerroman „Die Rose von Tibet“ ist ein fantastischer Genremix aus mitreissendem Abenteuerroman in Reiseberichtform und esoterischem Mysterythriller. Während sich der erste Teil wie eine Symbiose aus Bram Stoker und Dan Simmons liest, entwickelt sich die zweite Hälfte zu einem Esoteriktrip, der aber weiterhin in der abenteuerlichen Kulisse eines verschneiten, einsamen Tibetklosters spielt. Ich persönlich konnte mich an der ersten Hälfte gar nicht sattlesen, so hypnotisch war der Spannungsaufbau und die Schilderung der Reisevorbereitungen. Ich ging den beschwerlichen Weg zusammen mit dem Protagonisten, spürte die Kälte und die Gefahren der Reise und fühlte mich in einer fremden (tibetischen) Welt unglaublich wohl. Davidson verfasste seinen Roman so geschickt, dass man (ähnlich wie bei besagtem Dan Simmons) manchmal zweifelt, ob es sich nicht doch um einen Roman nach tatsächlichen Ereignissen handelt.

Davidson kann einen sehr schönen, niveauvollen Schreibstil sein eigen nennen, durch den man bei den Geschehnissen wirklich unmittelbar dabei ist. Doch wer einen historisch fundierten Roman erwartet, könnte unter Umständen ein wenig enttäuscht sein, denn das Hauptaugenmerk liegt auf einer mystischen, esoterisch angehauchten Geschichte und nicht auf der realen Kultur Tibets. Sicherlich werden auch historische Ereignisse behandelt, die aber teilweise etwas wirr wirken, wenn man sich damit noch nie befasst hat. Doch die tatsächlich stattgefundenen, politischen Wirrungen dieser Zeit tun der Hauptgeschichte an sich keinen Abbruch, wenn man sich nicht dafür interessiert oder die Zusammenhänge teilweise nicht versteht. Es ist die Atmosphäre und die „geistige“ Aussage, die den Reiz dieses Romans ausmacht, die stimmungsvollen Bilder, die Davidson im Kopf des Lesers entstehen lässt, und die mystische Anziehungskraft der fremden, tibetischen Welt, die sehr gut beschrieben wird.
Und gerade die Tatsache, dass die Geschichte als „wahr“ erzählt wird, gibt dem Buch noch einen zusätzlichen Pluspunkt, der die Seiten (zumindest in den ersten beiden Dritteln) nur so dahinfliegen lässt. Erst im letzten Drittel erscheinen manche Szenen etwas langatmig und, wenn man mit leicht „abgedrehten“ esoterischen Aspekten Probleme hat, etwas unglaubwürdig.

Lionel Davidson reiht sich aus meiner Sicht von seiner Erzählweise in die Riege bekannter Autoren wie Jules Verne oder H.G. Wells ein, um nur zwei zu nennen. Das liegt vor allem an dem „altmodischen“ Schreibstil, was allerdings absolut nicht negativ sondern im Gegenteil äußerst positiv zu bewerten ist. Schon während der ersten Seiten nimmt uns der Autor mit seinem fiktionalen Tatsachenbericht gefangen und lässt uns bis zum Ende nicht mehr los. „Die Rose von Tibet“ ist ein Abenteuerroman im klassischen Sinne, der sich zwar an einigen historischen Ereignissen orientiert, aber einen eigenen „erfundenen“ Weg geht, der einen entweder anspricht und sofort mitreißt oder eher langweilig  und -atmig wirkt. Echte Tibetkenner werden sich die Haare raufen, der „Otto-Normal-Leser“, der sich einfach nur gut unterhalten möchte, wird die tolle Atmosphäre, die fast während des gesamten Buches vorherrscht, genießen und über die unrealistischen erscheinenden Dinge einfach hinwegsehen. Mir persönlich hat die erste Hälfte ausnehmend gut gefallen, wofür ich auch ohne weiteres fünf Sterne vergeben würde, und die zweite Hälfte wirkte auf mich dann an manchen Stellen eher etwas ermüdend, so dass der Story dann hierfür letztendlich nur drei Sterne aus meiner Sicht zustehen würden. Im Gesamtbild ist „Die Rose von Tibet“ für mich aber immer noch ein guter, lesenswerter 3,5 bis 4-Sterne-Titel.

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Fazit: Spannend, atmosphärisch und mystisch. Die erste Hälfte ist pures Abenteuer, die zweite bewegt sich dann eher auf esoterischen Pfaden.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Zodiac von Romina Russell

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
464 Seiten
11,00 €
ISBN: 978-3-492-28127-0

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Die 16-jährige Rhoma vom Planeten kann auf andere Weise in den Sternen lesen, wie ihre Mitschüler. Denn während die anhand genauester Berechnungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse versuchen, in die Zukunft zu sehen, sieht Rho die Vorzeichen einer schrecklichen Katastrophe, bei der unzählige Menschen sterben. Als ihre Vision wahr wird, macht sich Rho in ihrer Eigenschaft als Wächterin auf die Suche nach dem Ursprung der Bedrohung, denn es sieht aus, als wäre ganz Zodiac in Gefahr.

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Schon nach den ersten zehn Seiten merkt man „Zodiac“ an, dass es sich um einen wahren Pageturner handelt. Das liegt zum einen auf jeden Fall an dem wunderbaren, überaus flüssigen und ansprechenden Schreibstil der Autorin, zum anderen aber auch an der sehr atmosphärischen Handlung. Romina Russell entwirft ein faszinierendes Universum, in dem die Sternzeichen eine wichtige Rolle spielen. Oft fühlte ich mich an die grandiose „Sonea“-Reihe von Trudi Canavan erinnert, die in einem ähnlichen Schreibstil ihre Geschichte erzählt. Russell beschreibt die Welt, in der sich die Protagonistin und ihre Freunde befinden, sehr detailliert, so dass man sich darin sehr wohl fühlt und dementsprechend um das Schicksal aller mitfiebert. Auf den ersten Blick mag die ein oder andere Idee etwas kompliziert wirken, aber man gewöhnt sich sehr schnell an die „Fremdwörter“. Romina Russell geht an manchen Stellen auch sehr in die Tiefe und lässt den Plot fast schon in eine esoterische Richtung abgleiten. Das mag den ein oder anderen Leser stören, ich persönlich empfand diese Entwicklung als äußerst ansprechend und unterhaltsam.

Die Geschichte wird äußerst rasant erzählt, so dass es mit wirklich sehr schwer fiel, das Buch aus der Hand zu legen. Romina Russell baute neben einer spannenden Handlung auch noch eine Romanze ein, die sehr stimmig auf mich wirkte und fesselte. Sicherlich bietet der Plot nichts wirklich Neues als eine Story über den Kampf zwischen Gut und Böse, aber dennoch kann man sich den Geschehnissen nicht entziehen. Einige Stellen erinnerten mich an die Star Wars-Filme, wobei ich einfach einmal davon ausgehe, dass die Autorin die Filme schlichtweg mag. „Zodiac“ ist eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction, die ihr Augenmerk trotz spektakulärer Szenarien in erster Linie auf die Charaktere legt. Oft habe ich gehört, dass der Einstieg in dieses Buch schwer fällt. Das kann ich jedoch nicht behaupten, wenn ich ehrlich bin. Es ist in der Tat eine komplexe Welt, die Romina Russell sich ausgedacht hat, keine Frage, aber als aufmerksamer Leser findet man sich auch in den ersten Seiten bereits gut zurecht. Und mit ein bisschen Geduld erfährt man im Verlauf des Buches wirklich auch immer mehr. 😉

Viele erfrischend neue Ideen verstecken sich in diesem Roman, der wohl als All Age klassifiziert werden kann, denn in der Tat können nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene ihren Spaß daran haben. Mich persönlich hat die Odyssee durch den Weltraum absolut angesprochen und ein grandioses Abenteuerfeeling verursacht. Gerade diese Mischung aus Science Fiction mit Raumschiffen und Weltall und einem Weltenentwurf, der mich desöfteren an Fantasyromane erinnert hat, war ausschlaggebend, dass mich „Zodiac“ vollkommen in seinen Bann gezogen hat. Romina Russel hat es außerdem geschafft, die Gefühlswelt ihrer 16jährigen Protagonistin ausgesprochen wirklichkeitsnah zu beschreiben, denn jede ihrer Handlungen war für mich absolut nachvollziehbar.
„Zodiac“ ist ein gelungener Einstieg in eine Reihe (zwei oder drei Teile?), der sich auf alle Fälle zu lesen lohnt. Starke Charaktere und eine ausgeklügelte Handlung in einer komplexen Welt machen dieses Buch zu einem echten Lesevergnügen und Pageturner. Ich freue mich schon sehr auf den Folgeband beziehungsweise die Folgebände, um zu erfahren, wie es mit Rho, ihren Freunden und dem Zodiac-Universum weitergeht.

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Fazit: Ideenreicher Einstieg in eine Romanserie um eine junge Protagonistin. Wunderbarer Genremix aus Fantasy und Science Fiction. Klare Leseempfehlung.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten