Äquator von Antonin Varenne

Aequator von Antonin Varenne

Erschienen als gebundene Ausgabe
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 426 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-570-10340-1
Kategorie: Belletristik, Abenteuer

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Pete Ferguson ist auf der Flucht. Er wird als Dieb, Brandstifter, Deserteur und Mörder gejagt. Als er bei einer Gruppe von Bisonjägern von einem Ort namens Äquator erfährt, macht er sich auf den Weg dorthin. Denn dort soll angeblich alles besser sein, dort sollen Träume wahr werden und, wenn alles gut geht, Ferguson von seinen inneren Dämonen befreit werden. Pete Ferguson macht sich auf den Weg durch die Weiten des amerikanischen Westens über Guatemala bis hin zu den dichten Urwäldern Brasiliens.

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Varennes Geschichte um einen Mann, der sich ein Ziel setzt und alles daran setzt, dieses zu erreichen, mag dem ein oder anderen Leser nicht hundertprozentig zusagen. Das liegt vor allem am außergewöhnlichen Schreibstil und der nicht immer massentauglichen Erzählstruktur, die der Autor in seinem neuesten Werk präsentiert. Vieles wirkt im ersten Moment sperrig und emotionslos, offenbart sich aber dem Leser, wenn er es nach ein paar Seiten geschafft hat, sich auf dieses literarische Ausnahme-Experiment einzulassen. Denn Antonin Varenne hat es zum Beispiel bei mir hervorragend geschafft, mich vollkommen in eine andere Zeit (und Welt) zu entführen, aus der ich mich oftmals überhaupt nicht mehr entfernen wollte. Vieles an den Handlungsweisen des Protagonisten erscheint ein wenig wirr, aber wenn man einmal darüber nachdenkt, wie man sich selbst in solchen Situationen verhält (verhalten würde) ergibt das Ganze durchaus Sinn.

„Äquator“ ist ein ruhiges Buch. Keine Action und keine großartige Schießereien. Es wird einfach nur eine Geschichte erzählt, die es aber in sich hat. Es handelt sich um einen Abenteuerroman, der eher auf die klassische Art (ähnlich wie zum Beispiel Karl May) Länder und Sitten anschaulich macht und dadurch eben ein gewisses Abenteuergefühl aufkommen lässt. Ich fühlte mich wirklich hervorragend unterhalten und empfand an keiner einzigen Stelle im Buch Langatmigkeit geschweige denn Langeweile. Varenne schreibt sehr bildhaft, wenngleich sein Schreibstil, wie bereits erwähnt, für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftig sein könnte. Seine Dialoge sind filmreif, erscheinen einem während des Lesens wie die Worte aus einem Drehbuch. Vielleicht ist es auch diese Tatsache, die einen mitten im Geschehen sein lässt. Varenne spielt auch immer wieder auf sein Buch „Die sieben Leben des Arthur Bowman“ an, das ich (noch) nicht kenne. Auf jeden Fall stieg bei mir das Interesse an diesem Vorgänger, das wohl eine Art Vorgeschichte zum vorliegenden Roman darstellt. „Äquator“ ist ein Buch, für das man sich Zeit nehmen sollte, denn es steckt bei weitem mehr in den Sätzen, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Manchmal ist es fast schon poetisch und philosophisch, was Varenne da zu Papier gebracht hat.

Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist das grandiose Cover des Romans. Auch wenn es nicht zum Verdienst des Autors gehört, muss ich sagen, dass es ein fantastisches Bild ist, dass der Verlag da ausgesucht hat. Die Einsamkeit des Protagonisten, die im Roman immer wieder dargestellt wird, findet hier eine perfekte bildhafte Ausdrucksweise. ich kann gar nicht sagen, wie oft ich mir während des Lesens dieses unglaublich ausdrucksstarke Umschlagsbild angesehen habe. Zusammen mit der Geschichte prägt sich dieser Roman, zumindest verhält es sich bei mir so, im Gehirn ein und hinterlässt ein beeindruckendes Gesamtbild. Auch wenn ich mir hin und wieder eine noch detailliertere Beschreibung der Vorgänge und eine tiefergehende Charakterisierung des Protagonisten gewünscht hatte, zählt für mich „Äquator“ zu einem fast schon nostalgischen Abenteuerroman, wie es sie heutzutage nur noch selten gibt. Durch diesen Roman bin ich auf jeden Fall neugierig, was Antonin Varenne noch so geschrieben hat und werde mich Schritt für Schritt durch sein Werk lesen.

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Fazit: Ein ruhiger, melancholischer Abenteuerroman im klassischen Stil. Wer Action erwartet, wird enttäuscht, Freunde ruhigerer Momente werden begeistert sein.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Artemis von Andy Weir

Artemis von Andy Weir

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-27167-8
Kategorie: Science Fiction

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Jazz Bashara lebt in Artemis, der ersten Stadt auf dem Mond. Das Leben dort ist verdammt teuer, wenn man nicht gerade Millionär ist. So bleibt Jazz nichts anderes übrig, als Zigaretten und andere, auf dem Mond verbotene Luxusgüter, für die reichen zu schmuggeln, um ein halbwegs vernünftiges Leben auf dem Mond führen zu können. Eines Tages bekommt sie einen äußerst lukrativen, aber auch enorm illegalen Auftrag, angeboten. Jazz nimmt den Auftrag an. Doch die Sache stellt sich plötzlich ganz anders dar als angenommen und von einem Moment auf den anderen steckt Jazz inmitten einer gefährlichen Verschwörung, durch die sogar das Schicksal von ganz Artemis gefährdet ist.

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Da ist er also, der mit Spannung erwartete Nachfolgeroman von „Der Marsianer“, der in Rekordzeit zum Mega-Erfolg wurde und von Regisseur Ridley Scott kongenial in Szene gesetzt wurde. Meine Erwartungshaltung war, ehrlich gesagt, recht hoch, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass Andy Weir etwas ähnlich stimmungsvolles wie sein Debüt entwerfen könnte, aber ich habe mich glücklicherweise getäuscht. „Artemis“ steht dem „Marsianer“ genau genommen in nichts nach. Schon nach den ersten Seiten fühlt man eine ähnliche Atmosphäre wie in Weirs Erstlingswerk. Es ist schon wirklich erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit der Autor seine Leser in eine fremde Welt entführen kann, so dass man glaubt, diese fast schon selbst zu kennen. Dieses Mal ist diese fremde Welt der Mond, auf dem wir die Protagonistin hautnah bei ihren Abenteuern begleiten. Weir schafft es mit seinem flüssigen Schreibstil von Anfang an, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Wie schon bei „Der Marsianer“ hatte ich des öfteren während der Lektüre von „Artemis“ ein Schmunzeln auf den Lippen. Ich liebe den trockenen Humor von Andy Weir, der seine Protagonisten so sympathisch und menschlich macht. Gerade die Mischung aus wissenschaftlich fundierten Beschreibungen und den überaus menschlichen Reaktionen und Verhaltensweisen der Personen macht Andy Weirs Büchern zu etwas besonderem. Manchmal fühlte ich mich bei „Artemis“ ein bisschen an den alten Sean Connery-Film „Outland“ erinnert, in dem sich die Handlung auf dem Jupitermond Io abspielt. Das Alltagsgeschehen gleicht dort dem in „Artemis“ und ich sah bei vielen Szenen einen Film vor mir, wie es auch schon bei „Der Marsianer“ passiert ist. Andy Weirs Beschreibungen sind schlichtweg filmreif. Am besten hat mir die erste Hälfte des Buches gefallen, in dem die Atmosphäre auf dem Mond perfekt beschrieben wurde, so dass ich mir wünschte, auch einmal dort eine gewisse Zeit verbringen zu können.

In der zweiten Hälfte des Buches entwickelt sich die Handlung immer mehr zu einem spannenden Agenten-Abenteuer, das mir zwar gefallen hat, aber die ruhige Grundstimmung, die der Roman anfangs noch besaß, ein wenig kaputt machte. Dieser Kritikpunkt ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn „Artemis“ liest sich genauso flott wie sein Vorgänger und unterhält bestens. Andy Weirs Romane sind für mich genau die Art Science Fiction, die ich als Kind immer gern gelesen habe und heute immer noch gerne lese. Unkompliziert, realistisch, humorvoll und spannend. Man kann in „Artemis“ versinken und die Zeit vergessen, wenn man sich darauf einlässt. Ich denke, dass sich auch hier eine Verfilmung förmlich aufdrängt, denn, wie oben schon erwähnt, wir der Plot von einer unglaublich intensiven Stimmung beherrscht, der man sich schwer entziehen kann. „Artemis“ war für mich wieder einer der Romane, die ich, hätte ich genügend Zeit und Ruhe, in einem Rutsch hätte weglesen können. Bücher wie „Artemis“ haben es leider immer etwas schwer, wenn sie als Nachfolgeroman eines Erfolges erscheinen. Den Erwartungsdruck hat Andy Weit aber meiner Meinung nach perfekt gemeistert, in dem er seinem Stil absolut treu blieb und keinen Abklatsch von „Der Marsianer“ abgeliefert hat, sondern eine eigenständige, neue Geschichte, die aber von der Atmosphäre her dennoch an sein Debüt heranreicht. Mehr habe ich nicht erwartet. Ich freue mich schon jetzt auf das neue Werk von Andy Weir.

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Fazit: Atmosphärisch dicht, humorvoll und spannend. Science Fiction, wie sie sein soll.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Fürst des Nebels von Carlos Ruiz Zafón

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FÜrst des Nebels.jpgErschienen als Taschenbuch
im Fischer Verlag
272 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-596-81272-1
Kategorie: Jugendbuch, Schauerroman

Um vor den Gefahren und Unruhen des Krieges zu fliehen, zieht die Familie des jungen Max hinaus ans Meer. In einem verschlafenen Schifferdörfchen beziehen sie ein altes Haus, in unmittelbarer Nähe zum Strand.

Aus dem Fenster seines Zimmers entdeckt Max weitab des Hausen einen umzäunten, verwucherten Garten, in dem seltsame Steinfiguren stehen. Sie zeigen die mysteriösen Darsteller eines Zirkus. Als Max dorthin geht, um sich umzusehen, spürt er dort seltsame Kräfte, die ihm unheimlich sind und Angst machen. Ähnliche Vorfälle spielen sich einige Tage darauf auch im Wohnhaus ab.

Max schließt Freundschaft zu Roland, einem Jungen aus dem Dorf, der Sohn des Leuchtturmwärters. Roland kennt jeden Winkel der Insel und zeigt ihm das Wrack eines vor vielen Jahren vor der Insel versunkenen Schiffes. Gemeinsam tauchen sie zum Wrack und Roland erzählt Max von dem kleinen Jungen, der vor einigen Jahren unter rätselhaften Umständen verschwand. Dessen Verschwinden begründet auch den Leerstand des Hauses, in das nun Max und seine Familie gezogen ist.

Die unheimlichen Kräfte dieser geheimnisvollen und bösen Macht nehmen immer mehr zu und versetzen nicht nur Max und Roland in Angst und Schrecken. Doch die Jungen wollen diese Macht aufspüren und stellen sich ihr mutig entgegen ….

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Bevor Carlos Ruiz Zafón durch seine Barcelona-Romane Berühmtheit erlangte, hat er Schauerromane für junge Leser geschrieben. Dieses hier ist der erste und ich habe die gebundene Ausgabe gelesen, die vom Autor selbst vor der Neuauflage noch einmal komplett überarbeitet wurde.

Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ waren die ersten Bücher, die ich von ihm gelesen habe. Aus der Jugendbuch-Reihe habe ich bisher nur „Der dunkle Wächter“ gelesen. Und bereits den fand ich sehr gut. Zafón schafft es, eine schöne, düstere und gruselige Atmosphäre zu erschaffen, die unheimliche Lesemomente beschert.

Auch hier geht es um Spuk, Geister und dunkle Mächte und die Handlung ist sehr spannend und fesselnd. Und überhaupt nicht „kindlich“ oder seicht, weil sie eben für Jugendliche geschrieben ist. Diese Grenze verschwimmt ja bereits sein langem und das Genre nennt sich nun „All-Age“ oder „Young Adults“.

Ein bisschen fühlte ich mich an „The Fog – Neben des Grauens“ oder um beim Buch zu bleiben, an „Riptide“ von Douglas Preston erinnert. Und auch wenn der Autor nicht in dem Stil seiner Erwachsenenromane schreibt, so ist er doch sehr gut. Sicher einfacher gestrickt und ausformuliert, aber trotzdem in guter Zafón-Manier.

Wie oben schon erwähnt, erzeugt der Roman eine tolle Stimmung, ist sehr düster und spannend und liefert so einige Gänsehautsituationen.

Mein Fazit: Ein sehr atmosphärischer Schauerroman, der spannende und auch gruselige Lesemomente beschert. Garantiert nicht nur für Jugendliche zu empfehlen.

© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Die Formel von Dan Wells

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
524 Seiten
16,00 €
ISBN: 978-3-492-70469-4
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Lyle Fontanelle entwickelt eine neue Hautcreme, ohne zu ahnen, dass er damit den Weltuntergang heraufbeschwört. Denn ein Zusatz der Lotion überschreibt die DNA der Testpersonen und verwandelt sie dadurch in Klone von Menschen, die die Lotion mittels einer Berührung „verunreinigt“ haben. Obwohl Lyle zu verhindern versucht, dass der Kosmetikartikel auf den Markt kommt, ist das Unheil nicht mehr abzuwenden. Schon bald sind die weltweit verheerenden Konsequenzen nicht mehr zu übersehen, als sich die DNA von immer mehr Verbrauchern verändert …

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Extrem rasant entwirft Dan Wells in seinem Wissenschaftsthriller „Die Formel“ eine Zukunft, wie sie gar nicht mal so abwegig ist. Der Schönheitswahn hat  irgendwann seinen Preis, so könnte die Grundaussage des Romans sein, der sich ab der zweiten Hälfte zu einer erschreckenden Dystopie wandelt, die zum Großteil nachvollziehbar und auch glaubwürdig wirkt, sofern man sich auf die Ausgangssituation einlassen kann. Die erste Hälfte des Buches würde ich persönlich fast als das beste Werk des Autors bezeichnen, der uns mit Serienkiller John Cleaver, den „Partials“ und seiner Mirador-Saga immer bestens unterhalten hat. Doch leider fällt der Plot, und auch teilweise irgendwie der Schreibstil, in der zweiten Hälfte ab, so dass sich „Die Formel“ im gehobenen Durchschnitt des Schriftstellers bewegt. Dan Wells‘ Romane sind Pageturner, keine Frage. Aber meistens fehlt irgendwie immer das gewisse Etwas, um ohne Wenn und Aber zu begeistern. Immer wieder finden sich „Durchhänger“, die mich dann von dem Gesamtwerk nicht ganz zu überzeugen vermögen.

„Die Formel“ ist ein astreiner Wissenschaftsthriller, der auch von Michael Crichton stammen könnte. Wells hat hervorragend recherchiert und schildert das Szenario, vom Anfang bis zum erschreckenden Ende, authentisch und überzeugend. Die Entwicklung, die die Entdeckung einer neuen neuen Lotion für die Haut nimmt, ist folgenschwer und fesselt absolut. Dan Wells hat sämtliche Möglichkeiten, die durch solch eine Formel entstehen könnten, durchdacht und auch durchgespielt. Das macht schon ungemein Spaß, wenn man durch den flüssigen Schreibstil unmittelbar dabei ist, wie die Erde „vor die Hunde“ geht. An manchen Stellen in der zweiten Hälfte fühlte ich mich an Filme wie „District 9“ oder „Darkman“ erinnert. Auch hier kämpft ein zum Außenseiter gewordener Mann gegen die Öffentlichkeit und die verantwortlichen Politiker. Im Nachwort erwähnt Dan Wells, dass er die Arbeit an „Die Formel“ immer wieder unterbrochen hat, um zum Beispiel an einem neuen John Cleaver-Abenteuer oder seiner Partials- oder Mirador-Reihe weiterzuschreiben. Der oberflächliche Leser wird kaum einen Unterschied zwischen den Kapiteln entdecken, der Aufmerksame dagegen schon. Es gibt zum Beispiel ein einziges Kapitel, das wirkt, als hätte es jemand anderes geschrieben. Da passt Ausdrucksweise und Sprache absolut nicht zum gewohnten Schreibstil von Dan Wells.

Insgesamt gesehen bietet „Die Formel“ aber sehr spannende Unterhaltung, die mit interessanten, wissenschaftlichen Wahrheiten vermischt ist. Dan Wells erzählt eine großartige, definitiv filmreife Geschichte, die sozusagen aus einer wissenschaftlichen Kleinigkeit eine allumfassende Apokalypse kreiiert. Keine Außerirdischen oder  Krankheiten sind es, die die Menschheit dahinrafft, sondern eine „einfache“ Körperlotion, die von den Menschen selbst erschaffen wurde. Wells übt mit seinem Buch Kritik an den Menschen (und auch an der Wissenschaft), macht sich über den Gesundheits- und Verjüngungswahn im Grunde genommen lustig und entwirft daraus eine Dystopie, dass einem das Lachen im Munde steckenbleibt. Seine Charaktere haben zwar Tiefgang und geben so manch Philosophisches von sich, lassen dem Leser aber noch Spielraum für die eigene Fantasie. Wells‘ Weltuntergangsroman ist unbedingt lesenswert. Er spielt darin mit einigen faszinierenden Ideen, wie zum Beispiel auch der unersättlichen Gier (nach Macht und Profit) von Unternehmen und der menschlichen Besessenheit, gut auszusehen und unsterblich zu sein. Was macht einen Menschen aus? Wie einzigartig ist dessen Identität?
Ich mochte die erste Hälfte eindeutig mehr, weil sie mich, wie schon erwähnt, ein wenig an Michael Crichton erinnerte, wohingegen die zweite Hälfte oftmals sarkastisch wirkte, was mich nicht so anspricht. Eine Apokalypse ist für mich immer noch dramatisch und schrecklich und nicht unbedingt humorvoll. Hätte Wells das Ende düsterer gestaltet, wäre „Die Formel“ für mich eines seiner besten Bücher, so vergebe ich „nur“ vier von fünf Sternen.

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Fazit: Anfangs sehr spannende, später sarkastisch angehauchte Dystopie.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

In der Tiefe von Michael Grumley

In der Tiefe von Michael Grumley

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  496 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31885-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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In Südamerika taucht eines Tages ein russisches U-Boot auf, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Sonderermittler John Clay macht sich auf den Weg nach Brasilien, um das mysteriöse Phänomen zu untersuchen. Währenddessen kann die Meeresbiologin Alison Shaw in Bezug auf ihre Kommunikation mit Delfinen immer größere Erfolge verzeichnen. Die Beziehung zwischen Shaw und Clay baut sich immer mehr auf, als Clay eine Entdeckung macht, die die Welt für immer verändern könnte. Durch einen Zufall wird Alison plötzlich in den Fall mit einbezogen …

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Die Abenteuer der Meeresbiologin Alison Shaw und des Ermittlers John Clay, die beide bereits im ersten Teil der Breakthrough-Reihe von Michael Grumley mitspielten, gehen weiter. Der Einstieg in die Geschichte wirkt für diejenigen, die den ersten Teil „Breakthrough“ kennen, etwas unbeholfen, da die Geschichte irgendwie zwar fortgeführt wird, aber nie so richtig Bezug auf die Ereignisse des ersten Teils genommen wird. Wahrscheinlich wollte Grumley zwar die Abenteuer der beiden Protagonisten fortführen, mit „In die Tiefe“ aber auch einen eigenständigen Roman abliefern,der es Lesern, die den ersten Teil nicht kennen, noch gestattet, in den Plot mit einzusteigen. Das funktioniert auch,  aber gegen Ende hin versteht man dann doch wieder nur die Zusammenhänge, wenn man den erwähnten ersten Teil kennt. „In der Tiefe“ funktioniert daher für mich nicht als eigenständige Handlung, sondern schildert zwar ein eigenständiges Abenteuer der beiden Protagonisten, setzt aber das Wissen der Geschehnisse in „Breakthrough“ voraus. Daher hätte Grumley durchaus darauf verzichten können, Neuleser mit seinem zweiten Roman zu gewinnen, sondern hätte die Handlung weit enger an die Vorkommnisse des Einstiegsromans legen können. Aber genug gemeckert … 😉

Der Plot beginnt genauso abenteuerlich wie „Breakthrough“ und man befindet sich im Nu wieder in der gleichen Stimmung. Grumleys Schreibweise ist nach wie vor ungemein flüssig und locker zu lesen, so dass auf keiner Seite Langeweile aufkommt und man sofort in der Geschichte drinsteckt. Ab und zu fühlte sich die Handlung etwas unausgegoren und unschlüssig an, weil zu viele Wendungen und Entwicklungen passieren, die in die ursprüngliche Geschichte gar nicht so recht hineinpassen wollen. Letztendlich löst sich zwar alles am Ende auf und man kann die Zusammenhänge durchaus verstehen, aber etwas weniger an „Handlung“ hätte in diesem Falle gereicht. Der Plot wirkt manchmal zu konstruiert, als dass er flüssig auf den Leser wirkt. Dennoch kann man sich schlecht von diesem Buch losreißen, weil es, wie bereits der erste Teil, einfach nur unglaublich spannend und unterhaltend geschrieben ist.

Die Idee ist ohne Zweifel gut und es ist wieder alles sehr bildhaft beschrieben, so dass man einen Film vor seinem inneren Auge sieht. Ich hätte mir allerdings manchmal gewünscht, Grumley hätte sich mehr auf einen einzelnen Handlungsstrang konzentriert und nicht versucht, so viel wie möglich in seine Geschichte zu verpacken. Wie gesagt, es wird zwar alles mehr oder weniger am Ende aufgelöst und miteinander verknüpft, aber es wirkt unausgegoren. Und das ist schade, denn mit „Breakthrough“ hat Michael Grumley einen Einstiegsroman verfasst, der an die besten Zeiten von James Rollins und Matthew Reilly erinnert hat. Dieses Niveau konnte er nun mit „In der Tiefe“ leider nicht mehr halten, auch wenn das Buch immer noch perfekt unterhält. Hervorzuheben sind definitiv wieder die Stellen, in denen über die Kommunikation mit Tieren geschrieben wird. Alleine diese faszinierenden Ideen sind es wert, dass man „In der Tiefe“ lesen sollte. Michael Grumley hat erneut einen spannenden und kurzweiligen Wissenschafts-Thriller abgeliefert, der jedoch handlungstechnisch hinter dem ersten Teil zurückbleibt. Dennoch wird dadurch meine Freude auf den dritten Teil nicht getrübt, wenngleich die ersten Meinungen darüber nicht besonders gut klingen. Ich bilde mir auf jeden Fall mein eigenes Bild und sehe der Fortführung zuversichtlich entgegen.
Mein Tipp: Vor „In der Tiefe“ unbedingt „Breakthrough“ lesen, damit sich die Handlung wirklich voll entfalten kann und die Zusammenhänge so wirken können wie vom Autor geplant.

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Fazit: Spannend und unterhaltend wie der erste Teil, allerdings handlungstechnisch ein Rückschritt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Sturm von Uwe Laub

Sturm von Uwe Laub

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  400 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-41980-3
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Überall auf der Erde verändert sich das Wetter auf drastische Weise. Starke Temperaturschwankungen und Tornados verwüsten weltweit Städte und Dörfer. Der Meteorologe Daniel Bender und die Wissenschafts-Assistentin Laura Wagner kommen bei ihren Nachforschungen einer unglaublichen Wahrheit auf die Spur, die beweist, dass das Wetter manipuliert wird …

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Schon auf den ersten Seiten spürt man, was einen beim neuen (zweiten) Roman von Uwe Laub erwartet: ein Pageturner, der an die Filmblockbuster von Roland Emmerich erinnert. Laub wirft den Leser ohne Umschweife in ein spannendes Szenario hinein, hält sich nicht mit langen Einführungen auf, sondern geht gleich aufs Ganze. Erklärungen folgen später und werden geschickt in den Handlungsablauf eingebaut, so dass man gar nicht richtig bemerkt, dass man beim Lesen auch noch so einiges über das Phänomen Wetter lernt. „Sturm“ ist ein Wissenschaftsthriller, der an manchen Stellen auch an Michael Crichton erinnert, jedoch geht Uwe Laub einen eigenständigen Weg mit seinem kurzweiligen und absolut flüssig zu lesenden Schreibstil. Interessanterweise baut man trotz des unheimlich actionreichen Plots dennoch eine Beziehung zu den beiden Hauptprotagonisten auf, obwohl eigentlich gar keine Zeit für eine tiefgehende Charakterzeichnung bleibt. Diese Tatsache zeigt, dass Laub sich auszudrücken vermag und dem Leser auch zwischen den Zeilen ein „Bild“ fürs Kopfkino liefert.

Ähnlich wie der bereits erwähnte Michael Crichton entwirft Uwe Laub ein erfundenes Szenario um eine längst schon existierende Realität. Wettermanipulationen gibt es schon sehr lange und die technischen Mittel, die Uwe Laub beschreibt, existieren ebenfalls schon oder befinden sich zumindest in der Entwicklung. Alleine vor diesem realen Hintergrund wirkt der Roman noch erschreckender und düsterer, als er es ohnehin schon wäre, wäre wirklich alles nur reine Erfindung. Laub hat hervorragend recherchiert, das merkt man immer wieder an den Stellen, in denen Vorgänge erklärt werden. Doch diese Informationen wirken an keiner Stelle aufdringlich oder gar oberlehrerhaft, sondern sind geschickt in Dialoge verbaut, die oftmals filmreif wirken. Die Dialoge sind es auch, die mich unter anderem in „Sturm“ sehr angesprochen haben. Da wirkte kein Gespräch irgendwie gekünstelt oder zwanghaft konstruiert, sondern extrem natürlich und daher glaubhaft. Die Geschehnisse in „Sturm“ erinnern zwangsläufig so manches Mal an „Twister“ oder den aktuellen „Geostorm“, aber der Plot des Romans geht einen weitaus innovativeren und besseren Weg, in dem er nämlich nicht nur die reinen Naturgewalten ins Spiel bringt, sondern auch den Menschen selbst.

„Sturm“ ist sehr realitätsnah. Das liegt zum einen an der hervorragenden Recherche, die jede der Wetterkatastrophen verständlich erklärt und zum anderen an dem unglaublich fesselnden Schreibstil, der den Leser unweigerlich mitreißt. „Sturm“ ist ein Pageturner, wie er besser nicht sein könnte: Eine spannende Handlung, gepaart mit sympathischen Protagonisten und einem gehörigen Anteil realer Fakten, denen sich die meisten Menschen wohl nicht bewusst sind. Wettermanipulationen gehören zum täglichen „Geschäft“ der Nationen und Uwe Laub spinnt daraus eine extreme Zukunftsentwicklung, die dennoch dermaßen wirklichkeitsnah wirkt, dass es einem Angst macht. Und genau diese Zutaten (Realitätsnähe, spannende Handlung und glaubwürdige Charaktere) machen „Sturm“ zu einem wirklich außerordentlichen Leseerlebnis, das man nicht so schnell vergisst. Laub wird nie zu speziell, wenn es um die technischen und wissenschaftlichen Erklärungen geht, sondern baut sie so in die Handlung ein, dass sie keinesfalls trocken sondern im Gegenteil hochgradig interessant wirken. Durch die kurz gehaltenen Kapitel fliegt man geradezu durch das Buch, denn man möchte nach jedem Kapitel unbedingt wissen, wie es weitergeht. Das verschafft dem Roman eine Rasanz, die an die Werke von James Rollins oder Matthew Reilly erinnern. Für mich stellt „Sturm“ eine großartige Neuentdeckung auf dem Gebiet des deutschen Wissenschaftsthrillers und Spannungsromans dar, so dass ich Uwe Laub definitiv im Auge behalten werde. Und ich werde natürlich zusehen, dass ich so schnell wie möglich seinen Debütroman „Blow Out“ in meinen Besitz bringe.

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Fazit: Spannender Wissenschaftsthriller mit einem beängstigenden Szenario und sympathischen Protagonisten.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Rache von Alastair Reynolds

Rache von Alastair Reynolds

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  558 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-453-453-31895-3
Kategorie: Science Fiction

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Als sich ihr Vater dermaßen hoch verschuldet, sehen die beiden Zwillinge Adrana und Arafura keine andere Möglichkeit, ihm zu helfen, und heuern ohne seine Erlaubnis auf einem Raumfrachter an, um zu Geld zu kommen. Der Kapitän des Raumschiffes ist ein Pirat, der verborgene Schätze und wertvolle Artefakte auf fernab gelegenen Planeten birgt und sie verkauft. Die Schatzjagden verlaufen so lange gut, bis Bosa Sennen, eine erbarmungslose Piratin, auftaucht und ihnen die geborgenen Schätze stehlen will. Doch es steckt viel mehr hinter Sennen als nur eine brutale Tyrannin. Als sie Arafuras Schwester Adrana entführt, hat Arafura nur noch eines im Sinn: Rache.

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Mit „Rache“ beweist Alastair Reynolds erneut, dass er einer der besten Autoren im Science Fiction-Bereich gehört. Reynolds bedient sich anfangs mit Stilmitteln des klassischen Abenteuerromans. Und in diesem Falle auch des Piratenromans. Die Protagonistin, die übrigens unverständlicherweise im Klappentext mit keinem Wort erwähnt wird, entwickelt sich vom scheuen, unbedarften Mädchen zur toughen und skrupellosen Frau. Auch hier geht Reynolds den klassischen Weg eines Entwicklungsromans. Doch dies ist keineswegs langweilig oder wirkt nach Schema F geschrieben, sondern macht unheimlich Spaß. Alastair Reynolds hat mit „Rache“ nicht unbedingt ein bombastisches Space-Epos abgeliefert, sondern einen geradlinig erzählten Abenteuerroman, der in der Zukunft und zum größten Teil im Weltraum handelt. Sicherlich wird der Leser mit der ein oder anderen innovativen Idee beglückt, aber im Grunde genommen wird hier eine moderne Piratengeschichte erzählt, die in der Zukunft spielt. Reynolds entwirft in diesem Roman ein atemberaubendes Szenario, das aber niemals in den Vordergrund tritt, sondern als selbstverständlich behandelt wird. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Protagonistin und ihren (Rache)motiven.

Bei vielen SF-Romanen dieser Art, in der neue, erfundene Welten beschrieben werden, dauert es immer eine Weile, bis man sich im Plot zurecht gefunden hat. Nicht so bei „Rache“. Hier funktioniert die ganze „Umgebung“ sofort und man fühlt sich in diesem Universum sofort zu Hause und heimelig. Ich konnte das Buch wirklich sehr schlecht zur Seite legen, weil mich die Handlung von der ersten Seite an gefangen nahm und nicht mehr losließ. Genau so wünsche ich mir einen guten Science Fiction-Roman. Reynolds hält sich in diesem Werk mit technischen Details weitgehend zurück und konzentriert sich in erster Linie auf die Hauptgeschichte. Die Charaktere sind, zumindest aus meiner Sicht, gut ausgearbeitet und lassen immer noch genügend Spielraum für eigene Interpretationen. An manchen Stellen mutet der Roman wie ein klassischer SF-Abenteuerroman aus der Vergangenheit an, der nicht nur für Erwachsene, sondern auch für ein jüngeres Publikum geschrieben wurde, sieht man von den vereinzelt brutalen Szenen einmal ab. Aber das schadet dem Werk keinesfalls, denn es liest sich dadurch sehr flüssig und angenehm.

Interessant fand ich das Gefühl, das mich oftmals überkam und an Romane von Jules Verne denken ließ. Reynolds hat es tatsächlich geschafft und in seinen modernen Roman einen „alten“ Flair mit einfließen zu lassen, der fast schon ein wenig nostalgisch wirkte, was ich außerordentlich angenehm empfand. Fast fühlt man sich als kleiner Junge (oder als kleines Mädchen), wenn man diese Art von Roman bereits in seiner Kindheit gelesen hat. „Rache“ ist kurzweilig und lässt, wie man es von Alastair Reynolds gewohnt ist, einen perfekten Film in Gedanken ablaufen. Ohne unnötige Schnörkel begleiten wir die sympathische Protagonistin auf ihrem konsequenten Weg und wohnen einem fesselnden Finale bei. „Rache“ hat mich begeistert und auch ohne Weltraumschlachten absolut in seinen Bann gezogen.

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Fazit: Spannend und schnörkellos geschriebener Abenteuerroman in einem beeindruckenden Universum.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

The Fourth Monkey von J.D. Barker

The Fourth MonkeyGeboren um zu toeten von JD Barker

Erschienen als Taschenbuch
im blanvalet Verlag
insgesamt 540 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-7645-0624-7
Kategorie: Thriller, Krimi

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Schon seit Jahren jagt Sam Porter den 4MK, den „Fourth Monkey Killer“. Nun hat der Täter erneut zugeschlagen. Porter gerät wieder in einen Strudel aus Leid und Gewalt und bekommt die Chance, das Tagebuch des Killers zu lesen. Und dieses Mal vermischt sich sogar seine eigene Vergangenheit mit der grausamen Gegenwart.

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Man taucht schon nach den ersten Seiten in eine Welt ein, die man aus Filmen wie „Sieben“, „The Cell“, „Das Schweigen der Lämmer“ oder „Der Zodiac-Killer“ kennt: Düster und erschreckend. J.D. Barker ist mit seinem Thriller ein Pageturner allererster Güte gelungen. Geschickt wechselt er kapitelweise zwischen den Ermittlungstätigkeiten und den Tagebucheinträgen des Killers, so dass man das Buch schlichtweg nicht mehr aus der Hand legen möchte und teilweise auch nicht kann.
Barkers Schreibstil ist so flüssig zu lesen, dass man Seite um Seite liest und die Zeit um einen herum vergisst. Besser kann man einen Thriller nicht schreiben.
Der Autor beschreibt manche Szenen sehr blutig und brutal, gleitet aber nie in niveaulose Splatterorgien ab, sondern hält immer Bezug zu einer möglichen Realität. „The Fourth Monkey“ ist brutal, aber auch einfühlsam in seiner Beschreibung, wenn es um die Kindheit des Täters geht. Sehr beeindruckend wird hier auf die Psyche des Täters eingegangen und eine „Vorgeschichte“ erzählt, die es in sich hat.

J.D. Barker schreibt, als sähe man einen Film (und die Filmrechte sind auch schon tatsächlich verkauft). Stimmungsvolle Bilder begleiten den Leser durch den kompletten Roman und man sieht jeden einzelnen Handlungsort vor dem inneren Auge, so detailliert sind die Beschreibungen. Auch die Charakterzeichnungen sind Barker sehr gut gelungen und man fühlt sich, zumindest den meisten Protagonisten, verbunden. Gerade mit Sam Porter kann man hervorragend „mitleiden“ und „mitfiebern“, denn seine Gedankengänge sind sehr glaubwürdig und menschlich dargestellt. Was ebenfalls sehr authentisch gewirkt hat, waren die Überlegungen und Gefühle der Opfer, bei denen man die Angst und das Grauen beim Lesen gespürt hat. Auf psychologischer Ebene sehr geschickt gemacht, versetzen diese Passagen den Leser in die Opferrolle und lassen den brutalen Täter noch erschreckender erscheinen. Der Thriller ist gewiss nichts für Menschen mit schwachen Nerven und zartem Gemüt, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass auch diese Leser sich dem Bann dieses Romans nicht entziehen könnten. Denn, wie oben schon erwähnt, J.D. Barker begeht eine sehr geschickte Gratwanderung, in dem er auch viele „ruhige“ Szenen in seinen Roman verbaut und der Geschichte dadurch zum einen eine höhe Glaubwürdigkeit verleiht und zum anderen dem Leser immer wieder eine kleine Verschnaufpause verschafft.

„The Fourth Monkey“ ist der Einstieg in eine Romanserie (der zweite Teil ist gerade in Arbeit) und man kann durchaus gespannt sein, wie sich der Plot weiterentwickelt, denn Barker hat Fäden gesponnen, die auf jeden Fall noch ausbaufähig sind. Und mit Sam Porter und seinem Team hat er eine sehr sympathische Ermittlergruppe geschaffen, der man gerne folgt. Hin und wieder wurden die Ermittlungserfolge und die Vorhaben des Teams im Buch aufgelistet, was mich als Leser unmittelbar dabei sein ließ. Hinzu kommen ein paar wirklich gelungene  und unerwartete Wendungen, die noch zusätzliche Spannung aufkommen ließen. Für mich stellt „The Fourth Monkey“ ein Highlight im Thrillergenre dar, denn gerade aufgrund seiner düsteren und stimmigen Atmosphäre, die sich durch den ganzen Roman zieht, hebt er sich auf gewisse Art und Weise von vielen anderen Thrillern ab. J.D. Barker erfindet das (Thriller-)Rad zwar nicht neu, aber er verpackt seinen Plot gekonnt in ein filmtaugliches, kleines Meisterwerk, das absolut fesselt und genial konstruiert ist. J.D. Barker legt die eigene Meßlatte sehr hoch und hat zudem noch ein tolles Ende geschrieben, das nicht unbedingt der „Norm“ von Thrillern und Krimis entspricht.

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Fazit: Spannend, blutig, brutal und düster. Ein Thriller-Highlight, das es in sich hat.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Quazi von Sergej Lukianenko


Quazi von Sergej Lukianenko

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  414 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-453-31852-6
Kategorie: Science Fiction

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Zehn Jahre ist es her, dass eine Seuche ausgebrochen ist und die Menschheit in ein tristes Dasein geworfen hat. Seit dieser Zeit gibt es sogenannte Aufständische, von denen sich einige auserwählte in Quazis, lebende Tote respektive Zombies, verwandeln. Quazis und Menschen versuchen eine Symbiose einzugehen, denn die Auferstandenen sind im Grunde genommen gutmütig. Der Moskauer Polzist Denis Simonow bekommt einen dieser Quazi als neuen Partner zugeteilt. Es dauert nicht lange, und Denis muss feststellen, dass die Quazis etwas planen, um die Menschheit zu unterjochen.

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Lukianenko ist schon seit einiger Zeit der populärste Schriftsteller aus Russland und wenn man seine visionären Romane liest, weiß man auch genau, warum das so ist. Nach seinen Erfolgen mit diversen Reihen (die bekannteste dürfte die legendäre „Wächter“-Reihe sein) widmet sich der Russe einem neuen Kapitel. Der vorliegende Roman mit dem Titel „Quazi“ scheint der erste eines neuen Zyklus zu sein, in dem es um Menschen und wiederauferstandene Tote, sogenannte Quazis, geht. Diese Quazis sind aber nicht die menschenfressenden Monster, wie wir sie aus diversen Zombiefilmen oder Serien wie „The Walking Dead“ kennen, sondern eigentlich Menschen wie Du und ich. Nur eben tot – und quasi unsterblich, weil sie eben schon tot sind. Lukianenko nähert sich dem Thema sehr vorsichtig und schafft es dadurch, dem Szenario eine hohe Glaubwürdigkeit zu verleihen. Seine Untoten sind so menschlich wie seinerzeit der fast schon liebenswerte „Bub“ in George A. Romeros „Day Of The Dead“.

Es ist ein sehr außergewöhnlicher (und für manchen Leser und Lukianenko-Fan wohl auch gewöhnungsbedürftiger) Genre Mix aus Science Fiction, Dystopie, Horror und Krimi. Ich persönlich kam mit dieser Mischung hervorragend klar und war auch stellenweise von den grandiosen Ideen begeistert. Gerade die undurchsichtigen, aber auch gewissermaßen liebenswerten, Charaktere der Quazis, die um ihre Existenzberechtigung kämpfen, haben mir sehr gefallen. Eigentlich haben diese untoten Wesen keinerlei Gefühle mehr in sich, aber dennoch kann man die Quazis oftmals verstehen und meint auch hin und wieder, Emotionen in ihrem Handeln zu entdecken. Sergej Lukianenkos neuer Roman ist kein Geniestreich, wie es manch andere Geschichte aus seiner Feder ist, aber das Werk besitzt eine sehr eindringliche, dystopische Atmosphäre, die mir gut gefallen hat. In einigen Rezensionen wird die angeblich schlechte Übersetzung angeprangert, von der ich aber nichts gespürt habe. Sicherlich ist mir aufgefallen, dass die wiederauferstandenen Toten nicht „Wiederauferstandene“ sondern „Aufständische“ bezeichnet wurden, was absolut keinen Sinn ergibt. Aber wenn man diesen „Makel“ einfach hinnimmt, denn man weiß ja, was gemeint ist, kann man ohne weiteres damit leben und die Geschichte dennoch verstehen.

Man merkt dem Roman an, dass er von Lukianenko stammt, obwohl in seinen anderen Romanen weitaus mehr philosophische Aspekte vorhanden sind. Nichtsdestotrotz kommt aber auch bei „Quazi“ eine gewisse Tiefe zum Tragen, die schlichtweg anders gelagert ist als bei den „echten“ Science Fiction-Storys. Lukianenko widmet sich hier mehr einer möglichen Realität, die uns in Zukunft erwarten könnte, sollte der Mensch eines Tages dazu fähig sein, den Tod zu überwinden. Lukianenko verbindet aktuelle Lebensgefühle mit eventuell zukünftigen, spricht zwar politische und sozialkritische Punkte kurz an, vertieft sie aber nicht. „Quazi“ ist ein erfrischender Beitrag in der schon Jahre anhaltenden Zombie-Dystopie-Apokalypse-Welle, weil er das Thema anders angeht – menschlicher und auf andere Weise erschreckend, als es andere Bücher und Filme derzeit tun. Lukianenko sind mit Denis Simonow und dem Quazi Michail Bedrenez interessante Charaktere gelungen, die noch ausbaubar wären. Entsteht hier tatsächlich eine neue Reihe, kann man schon gespannt sein, wie sich die Charaktere und die Nebenhandlung (die private Geschichte des Ermittlers Denis Simonow) entwickelt. Da steckt auf jeden Fall noch eine Menge Potential im Plot.

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Fazit: Gelungener Zombie-Dystopie-Krimi-Mix, der einen erfrischenden Weg einschlägt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Rabe von Lionel Davidson

Der Rabe von Lionel Davidson

Erschienen als Taschenbuch
im Penguin Verlag
insgesamt 670 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-328-10002-7
Kategorie: Thriller

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Durch einen verschlüsselten Hilferuf wird der Mikrobiologie und Agent  Dr. Johnny Porter nach Sibirien gerufen. Dort existiert ein unterirdisches russisches Forschungslabor, in dem ein tödliches Geheimnis ruht, das nicht verborgen bleiben sollte. Dr. Porter macht sich auf den Weg nach Russland, um das Rätsel zu lösen. Eine gefährliche Odyssee erwartet den Mann …

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Wer hier einen Wissenschaftsthriller und Abenteuerroman á la Michael Crichton erwartet, wie ich es aufgrund des Klappentextes getan habe, könnte unter Umständen enttäuscht sein. Denn „Der Rabe“ ist die Odyssee eines Mannes, der die Welt umrundet und sich zahlreichen Gefahren durch Verfolger zur Wehr setzen muss, um eine geheime Forschungsstation in Sibirien zu erreichen. Es ist ein Agentenroman, aber wiederum auch nicht so, wie man sich das vorstellt. Da gibt es keine Action wie in einem James Bond-Film, sondern die Handlung geht sehr langsam und bedächtig vonstatten, was aber wiederum nicht heißt, dass es langweilig ist. Wahrscheinlich hört man schon aus diesen letzten Sätzen heraus, dass man (oder zumindest ich) nicht unbedingt leicht mit diesem Werk warm wird. Es fühlt sich letztendlich alles ein wenig unausgegoren an, zumindest auf den ersten Blick. Sicherlich steckt hinter dem Roman ein großartig geschriebenes Abenteuer, das durchaus zu unterhalten vermag, was mit Sicherheit auch an dem wirklich tollen Schreibstil des Autors liegt. Aber irgendetwas fehlt dem Ganzen, das ich leider nicht wirklich detailliert erklären kann.

„Der Rabe“ fängt genau so an, wie man aufgrund des Klappentextes vermutet. Man wird sofort neugierig auf den geheimnisvollen Fund und die einsame Forschungsstation im ewigen Eis. Lionel Davidson ist der Einstieg auf jeden Fall gut gelungen und auch hier wird einem noch vorgegaukelt, sich bald mit einem spannenden Wissenschaftsthriller zu unterhalten. Doch kaum ist der Hauptprotagonist im Spiel, wechselt der Plot in ein völlig anderes Genre. Wie schon vorhin gesagt, das heißt keineswegs, dass es dem Roman an Spannung oder gelungenen Sätzen fehlt. „Der Rabe“ bewegt sich, ebenso wie Davidsons  „Die Rose von Tibet“ auf einem hohen Niveau, was die Seiten wirklich nur so dahinfliegen lässt, obwohl nichts wirklich erwähnenswertes passiert. Aber man ertappt sich selbst immer wieder dabei, dass man darauf wartet, dass die Forschungsstation ins Spiel kommt. Leider kommt und kommt sie aber nicht ins Spiel – erst auf Seite 400 geschieht endlich das, auf das man sich als Leser gefreut hat: Der Protagonist erreicht die geheimnisvolle Station und nimmt Kontakt mit einem Wissenschaftler auf. Doch kaum ist man mit der Situation „warm“ geworden, verlässt „der Rabe“ den Schauplatz wieder und macht sich auf den Weg zurück. Erneut werden wir Zeuge, wie sich der Mann vor Verfolgern verstecken muss und um sein Leben kämpft.

Lionel Davidsons Roman ist absolut toll geschrieben und kann auch auf über 600 Seiten unterhalten, erfüllt aber eben die Erwartungshaltung nicht. Erst im Nachhinein, wenn man das Buch also zu Ende gelesen und zugeschlagen hat, bemerkt man, dass sich die bildhaften Beschreibungen ins Gedächtnis eingeprägt haben und eine Art Film hinterlassen haben. Mir haben die detaillierten Schilderungen sämtlicher Unternehmungen des Protagonisten wirklich gut gefallen und ich hatte auch bis zum Ende, das übrigens dann doch wieder ein wenig versöhnt hat, ein großes Lesevergnügen. Aber ich hatte zum einen etwas anderes erwartet und zum anderen auch mit einer weitaus längeren Zeitspanne gerechnet, in der die Handlung auf den Schauplatz des abgelegenen Forschungsinstituts verlegt wurde. Ingesamt hat Lionel Davidson einen sehr atmosphärischen Thriller abgeliefert, der ruhig und besonnen den Weg beziehungsweise die Wege eines einsamen Mannes beschreibt und mit vielen Details aufwartet.

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Fazit: Ruhiger Thriller, der sich mehr auf die beschwerliche Odyssee eines Mannes als auf eine wissenschaftliche Basis, wie vom Klappentext suggeriert wird, beschränkt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten