Das Haus der Monster von Danny King

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 324 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-95835-183-7
Kategorie: Horror

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In jeder Stadt gibt es wohl einen älteren Einsiedler, der von den jungen Menschen gehänselt wird. Im englischen Thetfort ist es John Coal, dem immer wieder Streiche gespielt werden. Eines Abends lockt er die jungen Übeltäter ins ein Haus und schließt sie in seinen Keller ein. Aber nicht, um ihnen etwas anzutun, sondern um ihnen seine Lebensgeschichte zu erzählen, damit sie wissen, mit wem sie sich angelegt haben.

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„Das Haus der Monster“ ist das erste ins Deutsche übersetzte Buch von Danny King. Luzifer Verlag sei Dank, dass es dieser Roman ins Deutschsprachige geschafft hat, denn es handelt sich hierbei wahrhaftig um ein Kleinod unter den Horrorromanen. Danny King hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der mich des öfteren sogar tatsächlich an alte Klassiker von Robert Louis Stevenson, Bram Stoker oder Jules Verne erinnert hat. Mit einer unglaublich dichten Atmosphäre entführt uns King in verschiedene Lebensabschnitte des Protagonisten, die sich tatsächlich (zumindest die ersten drei der vier Episoden) immer noch steigern. Es macht wirklich unheimlich Spaß, zu lesen, wie sich John Coal mit Monstern aus seiner Vergangenheit herumschlägt.

Die erste Geschichte geht auf die Kindheit und Jugend des Protagonisten ein und beschäftigt sich mit einem Serienkiller á la Jack, the Ripper. Flüssig erzählt King von einer Vater-Sohn-Beziehung und einem generationenübergreifenden Fluch. Die zweite Episode spielt auf hoher See und handelt von einem Werwolf. Alleine der Handlungsort verbreitet eine gewisse Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Und gerade in dieser Story kommt ein Abenteuergefühl auf, das an alte Klassiker der Abenteuerliteratur erinnert. Die dritte Geschichte stellt meiner Meinung nach den absoluten Höhepunkt dieser, in eine Rahmenhandlung geschickt verpackte Storysammlung, dar. Mysteriös und geheimnisvoll, gruselig und atmosphärisch wird von einer unheimlichen Erfahrung des Protagonisten erzählt, die mich an den fantastischen Film „Reeker“ erinnert hat. Mit dieser Erzählung hat sich Danny King absolut in mein Leserherz geschrieben. Mit „Der schwarze Fleck“ hat der Autor dann seine Meßlatte selbst so hoch gesetzt, dass er sie mit der letzten Episode nicht mehr übertrumpfen konnte. 😉
Aber das macht gar nichts, denn auch die Geschichte um ein altes Vampirmädchen kann vollkommen überzeugen und reiht sich letztendlich nahtlos in die Storysammlung ein.

Danny King schreibt nicht nur flüssig, sondern besitzt auch einen sehr angenehmen Humor, der den Leser an vielen Stellen schmunzeln lässt. Was aber nicht heißen soll, dass „Das Haus der Monster“ ein witziges Buch ist. Da geht es schon auch mal zur Sache und es wird Blut verspritzt. Und nicht nur Blut, sondern auch Gedärme.
Im Grunde genommen ist aber das im Original bereits im Jahr 2011 erschienene Buch ein ruhiger Roman, der sich ei wenig in die Ecke der „Coming Of Age“- Romane drängt, obwohl die Hauptperson ein älterer Mann ist. Aber der erzählt nun mal ein paar Jungs seine Geschichten. Ein wenig hat mich das Ganze an Brett McBeans Meisterwerk „Der Schmerz des Erwachens“ erinnert.
„Das Haus der Monster“ ist sehr stimmungsvoll und zieht schon nach den ersten Seiten den Leser (zumindest war das bei mir so) vollkommen in seinen Bann. Man nimmt an den geschilderten Abenteuern durch die bildhafte Sprache hautnah teil und schließt John Coal ins Herz, obwohl er nicht immer sehr nett zu seinen Mitmenschen ist. 😉

Unbedingt erwähnen möchte ich auch die hervorragende Typografie dieses Buches. Im Gegensatz zu manch anderem großen Verlagshaus ist in diesem Buch kein einziger Rechtschreib- oder Grammatikfehler zu entdecken. Ein großes Lob am Lektorat und Korrektorat des Luzifer Verlages. Ich habe selten ein so fehlerfreies Buch gelesen.
Das Coverbild drückt perfekt die Grundstimmung des Romans aus. Man fühlt sich während des Lesens immer wieder mal versucht, sich das Bild nochmals anzuschauen. Es passt absolut zu der Story und man sieht sich selbst förmlich im Keller dieses Hauses sitzen und den Erzählungen John Coals lauschen.
Für mich ist Danny King und „Das Haus der Monster“ eine tolle Neuentdeckung und deswegen hoffe ich, dass uns der Luzifer Verlag noch weitere Werke dieses Autors beschert. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, denn in mir hat Danny King einen neuen Fan gefunden.

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Fazit: Atmosphärische, teils heftige, teils ruhige Gruselgeschichten, die sich enorm flüssig lesen lassen. Für mich ein Buch mit Pageturnergarantie, das mich oftmals an zeitlose Abenteuerklassiker der Literatur erinnert hat.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Bestechung von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Heyne
insgesamt 448 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-27033-6
Kategorie: Thriller

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Lacy Stoltz ist Mitarbeiterin bei der Rechtsschutzbehörde und übernimmt den Fall der Richterin Claudia McDover, die sich angeblich bestechen lässt. Ein Informant gibt immer mehr Details preis und will offensichtlich die Richterin zu Fall bringen. Schon bald stellt sich auch heraus, dass an der Sache etwas Wahres ist und eine Menge Geld auf ungesetzliche Art und Weise den Besitzer wechselt. Welche Rolle spielt das Kasino in einem Indianerreservat? Und während Stoltz zusammen mit ihrem Partner immer mehr von der Wahrheit über die Richterin erfährt, enwickeln sich die Untersuchungen  zu einem gefährlichen Spiel mit einem unberechenbaren Gegner …

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John Grisham ist einfach ein unglaublicher Erzähler. Auch in seinem neuen Justiz-Thriller „Bestechung“ schildert er packend eine komplexe Handlung, in die man sehr schnell eintaucht und von der man auch gefangen wird. Einigen Lesern wird der Anfang zu schleppend und unspektakulär erscheinen, wobei es gerade dieses Stilmittel ist, das eine gewisse Art von Sog entstehen lässt, dem man sich nicht so leicht entziehen kann. Die Geschichte beginnt ruhig und ohne großen Bombast. Doch kaum hat man sich mit den Personen vertraut gemacht und wiegt sich durch die gemächliche Erzählweise (ist natürlich im positiven Sinne gemeint) in Sicherheit, schlägt Grisham zu. Mit einer absolut unerwarteten und schockierenden Wendung  nimmt „Bestechung“ dann auch so richtig Fahrt auf und wird zu einem spannenden Ermittlungs-Thriller, der hervorragend unterhält.

Was mir an den Büchern von John Grisham schon immer gefallen hat, wird auch hier von ihm wieder angewandt. Ein Fall steht im Vordergrund und im Hintergrund werden interessante Informationen eingebaut. In diesem Falle geht es um ein Indianerreservat und die damit verbundenen eigenständigen Gesetze. Grisham ist ein wahrer Meister, wenn es darum geht, solch komplizierten Vorgänge verständlich zu erklären. Das macht er auch in den meisten seiner anderen (Justiz-)Bücher und so auch im vorliegenden. Dieses Indianer-Thema fand ich sehr faszinierend und informativ.

Die Charaktere machten aus meiner Sicht keine Entwicklung durch, was ich aber nicht als störend empfand. Ich konnte mich mit den Protagonisten, egal ob Haupt- oder Nebenfigur, durchaus identifizieren und freundete mich mit den Guten sogar an. Ganz leise rieselte eine Liebesgeschichte mit in den Thriller hinein, die aber nicht weiter ausgeführt und lediglich immer wieder angedeutet wurde. Auch das empfand ich absolut in Ordnung, weil es vom Hauptplot in keiner Weise ablenkte. Grisham beherrscht es einfach, Geschichten erzählen. Er hat sicherlich bessere Werke abgeliefert, bewegt sich aber mit „Bestechung“ immer noch auf gewohnt hohem Niveau. Wie schon oben erwähnt, handelt es sich um einen komplexen Fall, bei dem man an manchen Stellen meint, man würde jetzt bald den Überblick verlieren. Aber Grisham schafft es mit seinen detaillierten Beschreibungen immer wieder, dass man alles versteht. Und auch wenn seine Plots prinzipiell immer nach dem gleichen Muster ablaufen, so wirken sie jedes Mal aufs Neue faszinierend, unterhaltsam und eben durchdacht.

Einzig den Epilog empfand ich langatmig und zu dokumentarisch geschildert. Das Ganze las sich dann fast wie ein Sachbuch über historische Ereignisse in der Juristenwelt. Auch wenn es den ein oder anderen Handlungsfaden wieder aufgriff und zu einem Ende brachte, so hätte man das durchaus „unterhaltsamer“ verfassen können als mit einer Aneinanderreihung von Begegenheiten. Dennoch, mit solch einem Wermutstropfen kann ich leben, denn der Unterhaltungswert von „Bestechung“ ist aus meiner Sicht absolut hoch und führt Grishams Erfolgskonzept konsequent fort. Ich freue mich schon sehr auf den im Oktober 2017 erscheinenden Roman „Das Original“.

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Fazit: Spannend und authentisch geschildert. Ein gewohnt guter Grisham eben.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Spalt von Peter Clines

Der Spalt von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 526 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31705-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Einem Team von Wissenschaftlern ist es gelungen, Menschen zu teleportieren. Damit das Experiment genügend finanzielle Mittel bereitgestellt bekommt, wird Mike Erikson als Beobachter und Berater eingesetzt, um die Geldspritzen zu rechtfertigen. Je mehr Erikson sich mit dem Experiment beschäftigt, desto schlimmer werden seine Vermutung, dass durch das Portal unheimliche Dinge geschehen.

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Peter Clines Wissenschafts-Thriller beginnt tatsächlich wie ein Roman aus der Feder von Michael Crichton. Von der ersten Seite an hat mich der Plot um das Teleportations-Portal in den Bann gezogen und ich musste mich schwer beherrschten, das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen. Clines schafft eine hervorragende Abenteuer-Stimmung, die einen nicht mehr loslässt. Man kann es kaum erwarten, wie die Geschichte weitergeht und wie sich die Personen entwickeln. Denn auch die Charakterzeichnungen, die Clines seinen Protagonisten aufdrückt, sind interessant, liebenswert und vor allem sehr menschlich, wenngleich sie nicht sehr in die Tiefe gehen. Aber das macht gar nichts, denn der Plot treibt den infizierten Leser voran, der sowieso nicht auf solche „Kleinigkeiten“ achten würde.

Der Schreibstil ist klar, flüssig und einfach gut zu lesen. Man fühlt sich, als wäre man direkt bei den beschriebenen Ereignissen mit dabei. Hin und wieder fühlt man sich eine Folge von Akte X erinnert, oftmals dachte ich aber an „Prey – Beute“ von Michael Crichton oder David Cronenbergs Kultfilm „Die Fliege“. Peter Clines ist Filmfan und bringt oft Anspielungen auf Klassiker an, die fast jeder kennen dürfte. Gerade das macht die Protagonisten so authentisch, weil sie sich nicht in einer Fantasywelt bewegen, sondern in der Realität, wie wir sie eben auch kennen. Aber das trifft leider nur auf die ersten beiden Drittel des Romans zu.

Anscheinend wollte Clines ein furioses, actionreiches Finale hinzaubern und lässt dadurch die Handlung in ein nicht mehr allzu glaubwürdiges Szenario abfallen, auf das man besser verzichtet hätte. Es wird unheimlich, apokalyptisch und fantastisch. So manches Mal fühlte ich mich da in die Verfilmung aus dem Jahre 2002 von H.G. Wells „Die Zeitmaschine“ versetzt. Die Entwicklung der Handlung war durchaus spannend und interessant, aber sie passte für mich einfach nicht zu den Anfängen der Geschichte. Klar liest sich auch im Finale „Der Spalt“ noch wie ein echter Pageturner und man sieht die beschriebenen Szenen wie einen CGI-kreierten Blockbuster vor seinem inneren Auge. Aber die Glaubwürdigkeit der ersten beiden Drittel leidet durch das aufgemotzte Finale sehr. Nichtsdestotrotz ist „Der Spalt“ ein echter Pageturner, der einen von Anfang an mitreißt und nicht mehr loslässt. Die Story wird filmreif, also sehr bildlich, beschrieben. Ich bin schon sehr auf Clines‘ neuen Roman mit dem Titel „Der Raum“ gespannt.

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Fazit: Ein Roman wie eine Achterbahnfahrt, der einen nicht mehr loslässt. Was als Wissenschaftsthriller a la Michael Crichton beginnt, entwickelt sich gegen Ende hin allerdings in eine völlig andere Richtung, nämlich zu einem Blockbuster ähnlichen Science Fiction-Fantasy-Mix mit Monstern.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Extinction von Kazuaki Takano

Extinction von Kazuaki Takano

Erschienen als Taschenbuch
bei Penguin Verlag
558 Seiten
10,00 €
ISBN: 978-3-328-10009-6

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Jonathan Yeager nimmt aus Verzweiflung einen gut bezahlten Job an, um die sehr teuren Behandlugsmethoden an seinem todkranken Sohn zu finanzieren. Yeager soll in den Kongo, um den Ausbruch eines tödlichen Virus zu unterbinden. Gemeinsam mit weiteren Freiwilligen begibt er sich in den Dschungel, um eine Verbreitung des Virus zu verhindern. Doch schon bald entdeckt er und seine Gefährten, dass es um etwas völlig anderes geht: Ein kleiner Junge scheint die Macht über die Zukunft der gesamten Menschheit inne zu haben und der amerikanische Präsident fürchtet seine Existenz …

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Warum der Verlag den Originaltitel „Extinction“ nicht mit „Vernichtung“ oder „Aussterben“ ins Deutsche übersetzt hat, verstehe ich überhaupt nicht. „Extinction“ klingt zwar gut, aber viele LeserInnen der älteren Generation verstehen den Sinn dieses Wortes nun mal überhaupt nicht. Und es handelt sich hierbei ja schließlich um die deutsche Übersetzung. Aber nun gut, dass „deutsche“ Titel in der Buch- und Filmbranche manchmal zu wünschen übrig lassen, ist ja nichts Neues. Mit dem Inhalt hat so etwas glücklicherweise nichts zu tun.
„Extinction“ ist ein Pageturner, ein Kino-Blockbuster in Buchform. Man merkt, dass der Autor Kazuaki Takano Drehbuchautor ist und eine entsprechende Dramatik erschaffen kann, die fasziniert. Der Plot funktioniert tatsächlich wie ein Film, den man während des Lesens vor seinem geistigen Auge ablaufen sieht. Takano schreibt sehr bildlich und vor allem flüssig, so dass man das Buch schwer aus der Hand legen kann. Auch wenn einige medizinische und wissenschaftliche Beschreibungen zu sehr ins Detail gehen, wirkt das Ganze niemals langweilig oder ermüdend.

Es sind zwei Handlungsstränge, die Takano im Laufe des Buches geschickt miteinander verbindet. Gerade durch die wechselnden Schauplätze wird „Extinction“ niemals langweilig und man will immer noch ein Kapitel mehr lesen, um zu erfahren, was im anderen Handlungsstrang geschieht. Takanos Wissenschaftsthriller liest sich wie eine Mischung aus Michael Crichtion und James Rollins. Gerade wegen der „militärischen“ Seite fühlt man sich des öfteren an Rollins‘ Sigma Force-Reihe erinnert, allerdings hat Takano eindeutig einen eigenständigen Stil und kopiert nicht. Die Nebendarsteller sind allerdings leider etwas oberflächlich geraten, nur der junge Wissenschaftler Kento Koga und Yeager samt Familie erwecken eine gewisse Sympathie beim Leser. Vor allem Koga ist mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen. Einzig an der Charakterisierung  der „neuen Lebensform“ scheitert Takano fast. Man kann sich dieses neue Überwesen schwerlich vorstellen, obwohl der Autor es zwar beschreibt, aber irgendwie nicht überzeugend genug. Da wäre durchaus noch mehr Potential vorhanden gewesen, um den Menschen der Zukunft exakter und detaillierter zum Leben zu erwecken. Dennoch greift Takano ein überaus interessantes Thema auf und schafft es auch, dieses absolut gut recherchiert in einen spannenden Roman zu verpacken.

Der Autor behandelt in seinem Roman auch weltpolitische, und stark auf die USA abzielende, Probleme und Missstände. Das regt natürlich zum Nachdenken an und ich bin sicher, dass vieles davon auch der Wahrheit entspricht, allerdings kam es mir an manchen Stellen arg übertrieben und aufgesetzt vor. Handlungstechnisch passten diese Einschübe aber dennoch in den Gesamtplot und machten ihn stimmiger. Wenngleich Takano wirklich hervorragend recherchiert hat und dem Thriller dadurch einen sehr glaubwürdigen Rahmen gegeben hat, werden einige Dinge zu schnell (und manchmal auch nicht nachvollziehbar) abgehandelt, so dass es einem vorkommt, als hätte man dadurch versucht, einige Logiklöcher zu übertünchen. Nichtsdestotrotz ist „Extinction“ eine spannende Lektüre, über die man auch ein wenig nachdenkt, wie es mit unserer Welt (und der Evolution) eines Tages weitergehen wird.

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Fazit: Drehbuchautor Kazuaki Takano verbindet detaillierte Wissenschaft mit einer spannenden, überaus interessanten Evolutionstheorie zu einem faszinierenden Thriller.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Enceladus von Brandon Q. Morris

Erschienen als Taschenbuch
bei CreateSpace Independent Publishing Platform
444 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-1542629195

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Eine Sonde entdeckt im Jahr 2031 auf dem Saturnmond Enceladus Spuren, die eventuell auf eine außerirdische Lebensform hinweisen. Fünfzehn Jahre später macht sich ein bemanntes Raumschiff auf den Weg durch das All, um den Hinweisen nachzugehen. Doch schon kurz nach dem Start scheint das Unternehmen zum Scheitern verurteilt zu sein. Doch die Crew gibt nicht auf und hält an ihrer Mission fest …

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Ich stieß durch Zufall auf „Enceladus“ und wurde aufgrund der Inhaltsangabe neugierig. Schon auf den ersten Seiten wusste ich, dass mir das Buch gefallen würde. Morris (hinter diesem Pseudonym verbirgt sich übrigens der Schriftsteller, Physiker und Weltraumspezialist Matthias Matting) geht sofort in die Vollen und wirft den Leser in eine unglaublich authentische Welt der Forschung und Raumfahrt. Die Dialoge sind unglaublich gut gelungen und vermitteln das Gefühl, man wäre direkt mit dabei. An manchen Stellen fühlte ich mich bei den Gesprächen an Science Fiction-Klassiker wie unter anderem  „Dark Star“ von John Carpenter, „Mission To Mars“ von Brian dePalma oder auch „Apollo 13“ von Ron Howard erinnert. Durch diese wissenschaftlichen Dialoge schafft Morris innerhalb weniger Augenblicke eine sehr intensive und vor allem glaubwürdige Atmosphäre. Der Schreibstil ist sehr flüssig und kurzweilig.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: Zum einen begleiten wir die Crew auf ihrer Reise durchs Weltall und zum anderen nehmen wir an der Erforschung des Saturnmondes Enceladus teil. Sowohl im ersten wie auch im zweiten Teil kann Morris mit seinem Schreibstil absolut überzeugen und lässt einen beeindruckenden Film im Kopfkino des Lesers ablaufen. Sicherlich fühlt man sich oftmals an Werke von Arthur C. Clarke, Alistair Reynolds, Stephen Baxter oder zuletzt Andy Weirs „Der Marsianer“ erinnert, aber aus meiner Sicht hat Morris einen ganz eigenen Stil gefunden, der für mich „Enceladus“ zu einem echten Pageturner gemacht hat. Ich wollte das Buch an keiner Stelle so richtig aus der Hand legen, so hat mich der Plot und die Beschreibungen fasziniert. Auch wenn die Charaktere nicht hundertprozentig in die Tiefe gehen, den Hauptprotagonisten einmal ausgenommen, so wirkt sich das keinesfalls störend auf die Geschichte aus. Ich konnte zumindest zu allen Personen eine halbwegs vernünftige Verbindung aufbauen, was mir auch völlig gereicht hat.

Anfangs dachte ich, Morris verzettelt sich in zu vielen wissenschaftlichen Details. Aber das passierte wirklich nur an einigen Stellen und erledigte sich später von selbst. 😉 Die Vorgänge werden teils sehr detailliert geschildert, wirkten aber niemals langweilig (oder sogar besserwisserisch) auf mich, sondern fügen sich einfach perfekt in den Handlungsablauf ein, so dass ein glaubwürdiges Szenario entstand, dem ich mich wirklich schwer entziehen konnte. Ich war sozusagen auf dieser Mission mit dabei.
Vielen wird dieser wissenschaftliche Roman zu ruhig und langweilig sein. Ich persönlich verliere mich gerne in solchen „ruhigen“ Szenarien, die auf engem Raum im Weltall spielen. Morris hat einen „Film“ geschrieben, der fesselt. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil und die Fortführung dieser sehr interessanten Geschichte.

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Fazit: Spannend, kurzweilig und wissenschaftlich authentische Science Fiction aus Deutschland mit einem filmreifen Plot. Daumen hoch!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Mind Control von Stephen King (Bill Hodges Serie III)

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Mind Control von Stephen King

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei HEYNE
Originaltitel: End of Watch
insgesamt 528 Seiten
Preis:  22,99  €
ISBN: 978-3-453-27086-2
Kategorie: Krimi / Thriller
Übersetzer: Bernhard Kleinschmidt
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Brady Hartsfield, bekannt als der Mercedes Killer sitzt/liegt als „Matschbirne“ in einer Klinik für Neurotraumalogie, auch genannt „die Schüssel“, und fristet ein elendes Dasein. Denken zumindest alle, ist aber nicht so, denn Brady ist abgrundtief böse und das Böse in ihm gibt nicht auf. Sein Körper ist ein Wrack, doch Brady findet andere Mittel und Wege seine Macht- und Rachegelüste zu nutzen und umzusetzen.

In der Stadt geschehen plötzlich vermehrt ungeklärte Selbstmorde. Besondere Umstände bringen den ermittelnden Polizisten dazu, seinen Ex-Partner William Kermit (auch genannt Bill) Hodges zu kontaktieren. Denn der hat eine Ahnung, und bringt diese Geschehnisse mit niemand anderem als Brady Hartsfield in Verbindung …

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Wer die ersten zwei Bände der Mr. Mercedes Reihe gelesen hat, der kennt Brady Hartsfield und der weiß, dass dieser Typ einfach nur ein mieses, böses Etwas ist. Und Stephen King findet hier einen absolut guten, spannenden und gut ausgeklügelten Abschluss seiner Reihe. Wir treffen auf alte Bekannte wie Jerome und Holly Gibney, mit der Bill nach dem ersten Band das Büro „Finders Keepers“ gegründet hat. Diese Charaktere wiederzutreffen und sie zu begleiten macht großen Spaß. Holly hat sich prächtig entwickelt (zumindest für ihre Verhältnisse) und ich habe mich mit ihnen allen sehr wohl gefühlt.

Stephen King flechtet in seine Handlung sehr gut die neumodischen Phänomene wie den großen Einfluss sozialer Netzwerke (in dem Fall bei Teenagern) und die gefährlich hypnotisierende und abhängig machende Wirkung von Smartphones und Computerspielen ein. Wie oben herauszulesen ist, spielt auch das Thema Suizidgefahr und Gedankenbeeinflussung eine große Rolle. Diese Themen hat Stephen King sehr überzeugend und erschreckend deutlich hervorgebracht. Für mich war dieser abschließende Teil irgendwie eine typische X-Akte :-). Mehr mag ich an dieser Stelle nicht verraten. Aber ich würde jedem Neugierigen empfehlen, alle drei Teil zu lesen, denn die Handlung ist komplex und baut aufeinander auf.

Das Ende des Romans ist gut gelungen und für mich (leider) passend. Nicht enttäuschend und zu schnell herbeigeführt, wie es der Autor in seinen früheren Werken leider oft geliefert hat. Aber dies ist beim „neuen“ King mittlerweile grundsätzlich viel besser geworden.

Das einzige was mich wirklich stört und nervt, ist, warum ein Verlag einen englischen/amerikanischen Originaltitel in einen nicht deutschen Titel übersetzt. Absolut blöd und unsinnig. Ich gebe zu, dass der „deutsche“ Titel „Mind Control“ ziemlich gut zur Handlung passt, wobei er meiner Meinung nach schon zu viel preisgibt. Aber Stephen King, besser gesagt in diesem Fall seine Frau Tabitha, hat im Original den Titel „End of Watch“ gewählt. Und dabei werden sich die beiden garantiert etwas gedacht haben. Mich jedenfalls hat er zum nachdenken angeregt, wie das wohl konkret gemeint ist.

Aber dass Verlage Originaltitel aus dem englischen für unseren Markt in einen englischen Titel „übersetzen“ ist ja leider nichts Neues. Ich kann und muss das nicht verstehen. Dann kann man doch einfach den Originaltitel beibehalten, denn die Leser, die kein Englisch sprechen, müssen sowieso ein Wörterbuch (haha) zu Rate ziehen.

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Fazit: Ein gelungener, würdiger, absolut fesselnder Abschluss der Bill Hodges Reihe, der mit einem Schluss die Reihe beendet, der der gesamten Handlung absolut gerecht wird. Achtet auf die roten, flitzenden Fische … oder nein, lieber nicht ….

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© Buchwelten 2016

Schattenschläfer von Paul Finch (Mark Heckenburg IV)

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Schattenschläfer

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 480 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-492-30687-4
Kategorie: Thriller

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Mark Heckenburg hat es in ein verschlafenes Nest verschlagen. In der Nähe des Lake District verrichtet er nun seinen Dienst. Nach seinem letzten Fall hat er sich freiwillig dorthin versetzen lassen, er wollte raus aus der Stadt.

Der Winter hält Einzug und ein schwerer, dichter Nebel verschluckt den kleinen Ort, der von Bergen und Seen umgeben ist, beinahe vollständig.

Zwei junge Wanderinnen verschwinden und es weist einiges darauf hin, dass ein bekannter Killer, der vor über 10 Jahren die Ermittler beschäftigt hat, zurückgekehrt ist. Schließlich wurde damals nie die Leiche des Mörders gefunden. Nun scheint er tatsächlich wieder zuzuschlagen und er tötet seine Opfer brutal. Heck beginnt seine Suche und jagt den Killer und dabei bringt er nicht nur sich, sondern auch Menschen, die im nahestehen, in Gefahr.

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Dies ist der vierte Fall des Detective Mark Heckenburg, für mich ist er der dritte. Ein Roman der Reihe fehlt(e) mir. Zwischenzeitlich liegt er jedoch auch in meinem SUB. Danke Wolfgang ☺. Diesen Roman habe ich überraschend vom PIPER-Verlag erhalten, was mich wirklich gefreut hat. Denn die ersten zwei Roman von Paul Finch haben mir sehr gut gefallen. Ich habe alte Bekannte wiedergetroffen und auch wenn mir der Vorgänger zu diesem Fall noch fehlt, konnte ich der Handlung problemlos folgen.


Finch erzeugt eine unheimlich düstere, bedrückende Stimmung. Die Idee mit dem dichten Nebel in den Bergen ist sehr gut umgesetzt. Die Spannung ist durchgehend gegeben und der Leser verfolgt gespannt, was es mit dem seltsamen Fremden wohl auf sich hat. Die Auflösung ist gut geschrieben und nicht absehbar. Der Autor schreibt die Mordszenen sehr ausführlich und doch recht brutal. Für sehr zartbesaitete Leser sollte dies eine kleine Warnung sein. Ich war gefesselt von der Handlung und hatte wirklich Spaß, mal wieder durch einen Thriller zu „fliegen“.

Ein kleines Lob an den Verlag: Er bleibt seiner Linie treu und liefert die Taschenbücher weiterhin im gleichen Design. Der Schnitt ist farbig gestaltet, bei jedem Teil in einer anderen. Dieses mal ist es giftgrün. Ich finde es optisch sehr gut gelungen. Zu oft wechseln Verlage innerhalb einer Reihe die Optik, was ich nicht nachvollziehen kann und es dann im Regal auch noch blöd aussieht.

Mein Fazit: Ein toller weiterer Fall um Mark Heckenburg (und ja, auch Gemma Piper). In einem völlig anderen Umfeld verliert die Geschichte um den Detective nichts von seiner Spannung, ganz im Gegenteil. Hier gebe ich gerne eine Leseempfehlung für Fans von rasanten und fesselnden Thrillern.

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© Buchwelten 2016

Bringt sie zum Schweigen von Ramon Maria Winter

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bookcover-1-1-238x300Erschienen als Broschur
im Scylla -Verlag
insgesamt 544 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3945287002
Kategorie: Thriller

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Eventuelle Spoilergefahr! Ich verrate ein bisschen mehr als der Klappentext …

Im kleinen beschaulichen Ort Whispertal kommt es plötzlich zu einigen blutigen Zwischenfällen. Die Hunde scheinen von der Tollwut befallen und Menschen und Bewohner anzugreifen und zu verletzten.

Der Landarzt Dr. Nordström wird zu einigen Familien gerufen und erlebt furchtbare Szenen. Als die brutalen Angriffe immer öfter auftreten, stößt Betty Jäger als ermittelnde Polizistin hinzu.


Auch der Pfarrer des Ortes, Gordon Shooter, zusätzlich auch der beste Freund des Arztes Nordström, versucht zu helfen und gemeinsam bemühen sie sich zum einen, der Lage Herr zu werden und zum anderen, dem Hintergrund für diese Ausbrüche auf die Spur zu kommen.


Dies gestaltet sich nicht nur als sehr schwer, sondern zusätzlich auch als lebensgefährlich für alle Beteiligten …..

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Der Roman des neuen und jungen Verlages gefällt mir eigentlich und grundsätzlich gut. Die Storyline ist spannend und fesselnd, die Charaktere sind gut gezeichnet und die Handlung gut geführt, der Bogen meist straff gespannt.

Das klingt schon nach einem Aber und das gibt es auch. Denn ich habe mich mit diesen 544 Seiten Roman/Thriller so schwer getan, dass ich volle zwei Monate brauchte, um durch zu sein. Ich komme nicht mehr so oft zum lesen wie früher und wenn ich dann Buchseiten in einer gefühlten Schriftgröße 8 und ca. 46 Zeilen vor mir habe, dann komme ich einfach nicht vorwärts. Ich habe es auch oft so empfunden, als sei der Handlungsstrang künstlich in die Länge gezogen, ich finde es zog sich stellenweise doch sehr.


Die beiden Protagonisten Nordström und Shooter sind mir während der Handlung schon ans Herz gewachsen und näher gekommen, mit Betty Jäger wurde ich bis zuletzt nicht so wirklich warm.

Der Verlag liefert ein schönes Cover und ich muss sagen, den Geschäftsslogan „Wir lesen Independant“ finde ich ziemlich gut! http://www.scylla-verlag.de/

Mein Fazit: Eine Geschichte, die eine gute Idee liefert, stark beginnt, sich nachher aber für mein Empfinden sehr zieht. Leider war für mich die Lektüre sehr anstrengend, weil die Seiten einfach zu eng, voll und klein beschrieben waren. Etwas kürzer, knackiger vom Text und luftiger und großzügiger vom Druck wäre mir sehr lieb gewesen.

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© Buchwelten 2016

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Ikarus von Andreas Brandhorst

ikarus

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 576 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-453-31545-7
Kategorie: Science Fiction

Der Regierungsrat Takeder wird ermordet. Als er in einem sogenannten Kopiat, einer Hülle, die seine Erinnerungen gespeichert hat, erwacht, macht er sich auf die Suche nach seinem Mörder. Immer tiefer dringt das zweite Ich Takedes in sein vergangenes Leben ein und entdeckt ein Geheimprojekt namens „Ikarus“, bei dem er mitgewirkt hat. Und plötzlich macht man erneut Jagd auf Takeder …

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Brandhorst neigt so manches Mal dazu, zu übertreiben. Zumindest hat man bei einigen seiner Werke anfangs diesen Eindruck, bis man eines besseren belehrt wird und in eine Welt eintaucht, die man zwar gelesen nicht versteht, die aber im Kopf ein relativ klares Bild zeichnet. „Ikarus“ gehört zu jener Sorte Bücher.
Die Grundidee ist phänomenal und sofort kommt eine Art Abenteuerstimmung auf, die einen in den Bann zieht. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem Brandhorst wild mit erfundenen (oder vielleicht auch sogar tatsächlich existierenden) Begriffen um sich schmeißt und beim Leser erst einmal eine Galaxie von Fragezeichen um dessen Kopf schwirren lässt. Aber wenn man weiter liest und sich auf die Geschichte einlässt, kristallisieren sich immer mehr Zusammenhänge heraus und man „versteht“, was Brandhorst meint. Ich habe das in einer anderen Rezension schon einmal erwähnt, aber auch auf dieses Buch trifft es wieder zu: Brandhorsts Worte erinnern an Iain Banks, der es ebenfalls verstand, seine Leser zu verwirren, bis man an einen Punkt kam und die Handlung ganz klar vor sich sah und „verstand“.

„Ikarus“ ist ein Epos, das in seiner Bildsprache wieder einmal sehr faszinierend ist und erst nach einer Weile sein gesamtes Spektrum beim Leser entfaltet. Man muss sich in Geduld üben, bestimmte Dinge erst einmal hinnehmen, um sie später entweder zu begreifen oder eben nicht, damit man diesen epischen Science Fiction-Thriller genießen kann. Ich für meinen Teil hatte wieder meine helle Freude daran, fremde Welten zu entdecken und in Paralleluniversen a la „Inception“ einzutauchen. Vor allem der sehr interessante Charakter des Holders, der als Kopie seiner selbst, seinen eigenen Mörder sucht, hat es mir angetan. Brandhorst hat die Eigenschaften und Gedanken dieses Mannes sehr gut und nachvollziehbar herausgearbeitet.

„Ikarus“ ist keine Alltagskost (das sind allerdings die anderen Bücher von Andreas Brandhorst auch nicht), das volle Aufmerksamkeit fordert, denn sonst hat man bereits nach den ersten Seiten verloren. Brandhorsts Geschichten lassen zwischen den Zeilen jede Menge Platz zu Selbstinterpretationen. Und, wie bei seinen anderen Romanen, erzeugt der Autor durch seinen bildhaften und intelligenten Schreibstil dafür, dass sich im Kopf des Lesers nicht nur die Bilder seiner Geschichte zeigen, sondern auch eigene, die sich der Leser selbst ausmalt. Das ist schon eine Meisterleistung.

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Fazit: Bildhaft und mit einer innovativen Idee entführt uns Andreas Brandhorst wieder in eine seiner unglaublich komplexen Abenteuerwelten. Intelligente Science Fiction zum Träumen.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Pandemic – Die Seuche von Scott Sigler

pandemic

Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 768 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-381-5
Kategorie: Horror, Thriller

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Am Grund des Lake Michigan liegt eine außerirdische Sonde, die ein tödliches Virus beherbergt.
Eines Tages bricht die Seuche aus und ganze Kontinente stehen vor der Auslöschung. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern versucht, ein Gegenmittel zu entwickeln, bevor sich die Seuche über die ganze Erde ausbreitet.

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Scott Sigler schreibt Bücher wie Achterbahnfahrten. Man steigt ein und kommt nicht mehr raus, so rasant ist die Fahrt, auf der uns der Autor mitnimmt. „Pandemic“ hat einen Einstieg, als lese man ein Buch von Michael Crichton. Die erste Hälfte des Romans spielt auf und unter dem Wasser am Lake Michigan und ist an Spannung kaum zu überbieten. Der knappe Schreibstil reißt den Leser von Anfang an mit und lässt ihn nicht mehr los. Sigler schafft es sogar, trotz des anhaltenden Spannungsniveaus auch eine ganz anständige Charakterzeichnung seiner Protagonisten zu vermitteln. In gewohnter Manier erzählt Scott Sigler von einer Bedrohung, die die gesamte Menschheit dahinrafft, wenn nicht schnellstens ein Gegenmittel gefunden wird.

„Pandemic“ ist der abschließende Teil einer Trilogie, deren ersten beide Teile im Heyne Verlag erschienen sind: „Infiziert“ ist der erste und „Virulent“ der zweite Teil. Man muss nicht zwingend die Vorgänger-Romane lesen, um „Pandemic“ zu verstehen, aber um sich ein Bild über die gesamte Geschichte machen zu können, ist es schon hilfreich.

Während die erste Hälfte des Romans mit stimmungsvollen, gruseligen Bildern unterhält, geht es in der zweiten Hälfte dann in die Vollen: Da wird geballert und gesplattert, das es eine wahre Freude ist. Und auch die Spannung kommt nie zu kurz. Dennoch hätte mir es besser gefallen, wäre die stimmungsvolle Atmosphäre der ersten Hälfte auch weiterhin präsent gewesen. Sigler inszeniert gegen Ende hin eine Ballerorgie ersten Grades, die zwar hervorragend unterhält, aber ab einem gewissen Punkt zu langweilen anfängt. Das ist nicht wirklich negativ von mir gemeint, denn, wie gesagt, das Spannungsniveau ist der Hammer. Aber ein bisschen weniger hätte dem Plot schon gut getan. Das Abenteuer-Feeling der ersten Hälfte wandelt sich einfach zu schnell in ein Action-Feuerwerk, bei dem es keine Verschnaufpause gibt.

Sigler hält seine Kapitel kurz, was unweigerlich dazu führt, dass man das Buch „verschlingt“, als hätte es nur die Hälfte der ansehnlichen Seitenzahl. Man fliegt durch die Geschehnisse und will wissen, wie es weitergeht. Das Szenario, das Sigler hier beschreibt, ist absolut nachvollziehbar und vermittelt auch eine gewisse wissenschaftliche Authentizität. Das macht den Roman tatsächlich zu einer Art Mischung aus Michael Crichton, Douglas Preston und Lincoln Child. Für Fans von „schnellen“ Plots uneingeschränkt zu empfehlen.

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Fazit: Anfangs sehr stimmungsvoll und abenteuerlich entwickelt Scott Sigler seine Handlung gegen Ende hin zu einem wahren Bombast-Action-Feuerwerk, bei dem auch ein gehöriger Gore-Anteil zu Buche schlägt. Spannungsgeladenes Weltuntergangsszenario und atemberaubender Pageturner.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten