Der Erschaffer von Andrew Bannister

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
398 Seiten
17,00 €
ISBN: 978-3-492-70412-0
Kategorie: Science Fiction

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Die Spin-Galaxie ist vom Untergang bedroht. Die Bewohner flüchten in virtuelleWelten. sogenannte Vrealitäten. Doch die riesigen Server, die diese konstant wachsenden virtuellen Realitäten instand halten, stellen sich schon bald als Bedrohung heraus, denn sie verschlucken gewaltige Mengen an Energie. Ein Krieg zwischen der Realität und den virtuellen Welten entbrennt. Skarbo, eine insektenartige Kreatur, erkennt die gefahr eines drohenden Untergangs  und begibt sich auf eine Reise in den Spin, um die Menschheit zu retten und zwischen den beiden Welten zu vermitteln …

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Mir dem vorliegenden Band wird die Spin-Trilogie von Andrew Bannister beendet. Und wieder benötigt der Leser Geduld auf vor allem Aufmerksamkeit, um der komplexen und komplizierten Handlung folgen zu können. „Die Erschaffer“ liest sich erst einmal wie ein eigenständiger Roman, bei dem man die Zusammenhänge des „großen Ganzen“ zu den ersten beiden Bänden der Trilogie erst am Ende wieder so richtig herstellt. Bannister gelingt ein faszinierender Ausflug in eine Zukunft, die erschreckend und interessant gleichermaßen ist. Der abschließende Band der Spin-Trilogie steckt, wie schon seine Vorgänger, wieder voller innovativer Ideen, die sich erst im Nachhinein (zumindest war es bei mir so) so richtig entfalten. Oft fühlte ich mich an Werke wie Tad Williams „Otherland“ oder Dan Wells‘ „Mirador“-Romane erinnert, was höchstwahrscheinlich an der Thematik „Virtuelle Realität“ liegt. Bannister behandelt dieses Thema aber auf eine ganz eigene Weise, so dass mein Vergleich genau genommen hinkt.

„Die Erschaffer“ könnte auf den ein oder anderen Leser manchmal ermüdend wirken, weil die Beschreibungen kompliziert und unverständlich erscheinen, wenn man sie nicht genau liest. Auch die Personen sollte man immer im Auge behalten, um der Handlung folgen zu können. „Die Erschaffer“ ist kein Buch für zwischendurch, dazu ist es zu komplex. Wer zum Beispiel „Die Auflösung“ von Benjamin Rosenbaum gelesen hat (ebenfalls im Piper Verlag erschienen), weiß, was ich meine. Es hat keine Zweck, dieses Buch als „Lückenfüller“ für ein paar freie Minuten Lesezeit zu benutzen, denn dann verliert man schnell den Überblick und natürlich auch die Lust an diesem Abenteuer. Trotz des sehr guten Schreibstils bleibt aber auch der aufmerksame Leser an manchen Stellen ratlos zurück und weiß nicht genau, was der Autor eigentlich erzählen will. Es gibt zwei Handlungsstränge, von denen man meint, dass sie sich irgendwann eigentlich verbinden müssen. Letztendlich passiert das auch in gewisser Weise, aber Bannister lässt seine Leser dennoch im Unklaren. Das mag beabsichtigt sein und regt auch definitiv zum Nachdenken an, aber es zermürbt leider auch ein wenig.

Andrew Bannister kann eindeutig Geschichten erzählen und auch hier steckt vieles zwischen den Zeilen (zumindest wage ich das zu behaupten 😉 ).  Manchmal scheint es, als wären Bannister die eigenen Ideen über den Kopf hinausgewachsen, was ich in diesem Falle als positiv bemerken möchte, denn das dreibändige Gesamtwerk über den Spin erweist sich nachträglich als eine epische Space Opera, die sich mit der (technischen und emotionalen) Entwicklung der Menschheit beschäftigt und diese in einer konsequenten Art und Weise zu einem deprimierenden Ende bringt. Ich wage den Schritt und äußere meine Vermutung, den Originaltitel „The Stone Clock“ betreffend. Ich für meine Person würde Bannisters Trilogie dahingehend interpretieren, dass sich die Menschheit trotz aller ausgefeilten technischen Errungenschaft zurück in die Steinzeit entwickelt. Das Ende der Spin-Galaxie könnte auch ein Neuanfang sein, bei dem der Mensch noch einmal ganz von vorne beginnt. Ich bin nicht sicher, ob ich mit meiner Lösung / Interpretation richtig liege, aber sie verschafft mir zumindest ein gutes Gefühl und lässt die Trilogie in einem logischen Licht erscheinen. Lesenswert sind die Bücher, und eben auch der hier vorliegende abschließende Band, auf alle Fälle, wenngleich sie für manchen Leser eine Herausforderung darstellen könnten. Ich habe die Zeit im Spin definitiv genossen und freue mich schon auf (hoffentlich) weitere Werke des Autors.

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Fazit: Lesenswerter Abschlussband der Trilogie, der die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers erfordert und jede Menge Interpretationen zulässt.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Kontrolle von Robert Charles Wilson

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 398 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31658-4
Kategorie: Science Fiction

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Cassie wohnt in einer Gegenwart, die wir nicht kennen: Seit 100 Jahren lebt die Menschheit in Frieden, den Vietnamkrieg und das Attentat am 11. September 2001 auf das World Trade Center zum Beispiel gab es nie. Doch eines Tages kommt Cassie hinter das Geheimnis dieses Weltfriedens, denn eine außerirdische Macht kontrolliert die Entwicklung der Erde. Zusammen mit ihrem Bruder Thomas, ihrer Tante Nerissa und ein paar Freunden versucht sie, das Rätsel zu entschlüsseln und entdeckt, dass das Wohl aller Menschen auf dem Spiel steht.

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Robert Charles Wilson Erzählstil ist immer wieder faszinierend. Einfach und absolut flüssig nimmt der Autor, der mit seiner SPIN-Trilogie weltweiten Erfolg feierte, in seinem Roman „Kontrolle“ den Leser mit auf eine lange Reise. „Kontrolle“ erscheint oftmals wie ein literarischer Roadmovie durch die Welt. Gerade durch die jugendlichen Protagonisten wird die Story zu einem erfrischenden Science Fiction-Abenteuer, das einen von der ersten Seite an in den Bann zieht. Zumindest mir ging es so, dass ich mich der rasanten Geschichte nicht entziehen konnte und immer weiter lesen wollte. Wilson erklärt den Plot sehr gut und kann auch mit ein paar überraschenden Wendungen aufwarten, die den Leser definitiv bei Laune halten.

Wer allerdings einen Roman im Stil von Wilsons Spin-Trilogie oder „Quarantäne“ erwartet, könnte unter Umständen enttäuscht sein. Denn wie bereits in „Netzwerk“ entfernt sich Wilson vom Weltall und widmet sich zukunftsorientierten Themen, die auf der Erde stattfinden. Aber auch das kann gute Science Fiction sein. Viele mögen aber diese Entwicklung an Robert Charles Wilson nicht, ich hingegen empfinde es als willkommene Abwechslung im Schaffen des Autors. Sicherlich besitzt „Kontrolle“ keine Hightech-Hintergründe oder einen bis ins letzte Detail wissenschaftlich durchdachten Plot, aber das kennt man doch aus der Science Fiction. Wichtiger ist doch, mit welchen Fragen sich der Autor beschäftigt und diese dann in seine Handlung verbaut. Aus dieser Sicht hat mir „Kontrolle“ gefallen, denn es beinhaltet eine mögliche, parasitäre Inbesitznahme der Erde, die durchaus glaubwürdig geschildert wird. Mir hat sich während des gesamten Buches niemals die Frage gestellt, ob das tatsächlich auch so möglich wäre oder nicht. „Kontrolle“ war für mich ein Roman, der mich schlichtweg unterhalten soll, was er auch getan hat.

Sicherlich waren die Charaktere nicht besonders tiefgründig, aber ich konnte zumindest mit ihnen mitfiebern und ihr Handeln nachvollziehen. Wilson folgt mit „Kontrolle“ dem klassischen Plot eines Roadmovie: Feind in Sicht, Flucht über das Land. Gefährten trennen sich und finden wieder zueinander.
Dennoch fühlte ich auf keiner Seite jemals Langeweile aufkommen, wie ich es so oft in anderen Rezensionen gelesen habe. Die Geschichte war durchweg schlüssig und baute auch einen konstanten Spannungsbogen auf, der mit einem, aus meiner Sicht wieder zu stark übertriebenem Finale, endete. Ich weiß nicht, warum es mir in letzter Zeit so oft passiert, dass ich die Enden mancher Romane als zu aufgesetzt finde, weil sie mit aller Macht spektakulär sein wollen. Liegt es an den momentanen Kinofilmen, die versuchen, sich selbst immer bombastischer zu übertrumpfen? Ich hätte ein ruhigeres Ende bedeutend besser empfunden wie Explosionen. Aber gut, das ist nun einmal Geschmackssache und wird dem ein oder anderen besser gefallen als die bis dahin dahinplätschernde Flucht vor den außerirdischen Lebensformen.

Wer allerdings solcherart Handlungsgerüste (eine Radiosphäre, die den gesamten Erdball umhüllt und aus einer Schwarmintelligenz  besteht, die die Menschheit manipuliert) auf jeder Seite hinterfragt, wird mit „Kontrolle“ definitiv keine Freude haben. Zu vieles wirkt nämlich bei näherer Untersuchung als zu unausgegoren oder gar unlogisch. Doch eine Hinterfragung stand, zumindest bei mir, irgendwie nie zur Debatte, weil ich mich einfach auf den Plot eingelassen habe und die Geschichte auf mich wirken ließ. Und, wie gesagt, auch wenn es sich um kein Weltraumabenteuer handelt, so hinterließ „Kontrolle“ von Robert Charles Wilson bei mir dennoch den Eindruck, einfach einen guten und unterhaltsamen SF-Roman gelesen zu haben. Mehr habe ich nicht erwartet …

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Fazit: Interessanter Ausgangsplot, der in ein Abenteuer führt, das an einen Roadmovie erinnert. Kurzweilig und unterhaltsam.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Maschine von Andrew Bannister

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Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 414 Seiten
Preis:  16,99  €
ISBN: 978-3-492-70409-0
Kategorie: Science Fiction

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Vor Millionen von Jahren wurde die Spin-Galaxie von gottgleichen Erbauern erschaffen, eine gigantische Ansammlung aus Planeten und Sternen. Ein Krieg hat fast alle Welten des Spin zerstört.
Viklun Haas, Oberbefehlshaber der Hegemonie, will seine Herrschaft ausbauen und sämtliche Rebellen vernichten. Unter ihnen befindet sich auch seine Tochter Fleare, die auf einem Planeten ein uraltes Artefakt entdeckt, das eine Maschine der Schöpfer des Universums ist. Ein Kampf um dieses Artefakt entbrennt …

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Es dauerte, ehrlich gesagt, eine Weile, bis ich mich in Bannisters Debütroman eingefunden hatte. In erster Linie lag das wohl am gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, der ein episches Science Fiction-Abenteuer in eher flapsiger Tonart erzählt. Ich bin zugegebenermaßen kein großer Freund von solch humoristisch angehauchten Geschichten, die eigentlich ernst und bombastisch sein sollten. Aber Bannister hat es zumindest in der ersten Hälfte seines Romans geschafft, mich durch innovative und gut durchdachte Ideen zu überzeugen.
Leider habe ich in den ersten beiden Dritteln keine wirkliche Beziehung zur Hauptprotagonistin und den Nebendarstellern aufbauen können. Die Charaktere wurden irgendwie zu wenig beschrieben und konnten dadurch an Liebenswertigkeit nicht punkten. Dennoch ließ sich das Buch irgendwie schwer aus der Hand legen, weil man doch immer wissen wollte, wie es weitergeht.

Bannisters Weltentwurf stellt nichts Neues dar, macht aber durch teils eigenwillige Beschreibungen neugierig und kann durchaus überzeugen, im Gegensatz zur bereits erwähnten Ausarbeitung der Charaktere. In seinen besten Momenten, vor allem im letzten Drittel, nähert sich „Die Maschine“ ein wenig den Aussagen, die auf dem Buchrücken zu lesen ist: „“Eines der zehn wichtigsten Bücher des Jahres 2016!“, geschrieben von SFX oder „Eine Space Opera mit einem finsteren Gegner, der Darth Vader wie ein Anfänger aussehen lässt!“, geschrieben von SFFWorld.
Den Feind in Bannisters Buch mit Darth Vader zu vergleichen ist allerdings mehr als weit hergeholt, dazu reichen die epischen Ausmaße im ersten Teil der geplanten Trilogie bei weitem nicht. Allerdings hat Bannister eine sehr liebenswürdige „Kreatur“, sozusagen einen Geist, namens Muz erschaffen, der mich von allen Beteiligten am meisten überzeugt hat und den ich bereits nach wenigen Seiten ins Herz geschlossen hatte.

Andrew Bannister wollte mit „Die Maschine“ etwas großes erschaffen, kann aber die Spitzenautoren der Science Fiction nicht erreichen, was aber keinesfalls heißen soll, dass sein Debütroman schlecht ist. Ganz im Gegenteil: „Die Maschine“ geht auf gewisse Art und Weise sogar neue Wege und kann, sofern man sich auf den Stil des Autors einlassen kann, durchaus unterhalten.
Gerade im letzten Drittel läuft Bannister zu einer Hochform auf, die man aufgrund der ersten beiden Drittel gar nicht mehr erwartet hätte. Wären die ersten beiden Drittel in genau jenem Stil und Tempo verfasst, hätte Andrew Bannister mich begeistern können. So aber teilt sich der Roman in mittelmäßige und über dem Durchschnitt liegende Teile auf.  Eines steht auf jeden Fall fest: Sowohl die Story als auch die entworfene Galaxie lassen den Leser nicht los und bleiben im Gedächtnis haften.
Größter Kritikpunkt ist für mich auf jeden Fall die oft benutzte flapsige und manchmal auch vulgäre Sprache, die für eine Space Opera diesen Ausmaßes schlichtweg unpassend und störend ist. Da wäre weniger auf alle Fälle mehr gewesen und hätte dem Roman einen höheren Platz in meiner Science Fiction-Rangliste verschafft. Gespannt bin ich trotzdem, wie es weitergeht und ich bin vor allem sicher, dass sich das Handwerk des Autors in der Fortsetzung verbessern wird. Denn bereits im letzten Drittel seines Debüts hat er bewiesen, dass er durchaus das Potential dazu hat, handfeste, gute Science Fiction zu schreiben.

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Fazit: Interessanter Debütroman mit einem gut durchdachten Weltentwurf, der allerdings von der Presse mehr Lob erhalten hat, als er eigentlich verdient hätte.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten