Doctor Sleep von Stephen King

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 704 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26855-5
Kategorie: Mystery / Horror, King halt 🙂

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Daniel Torrance, früher genannt Danny, hat das Grauen, welches er im Overlook Hotel in Colorado erlebt hat, überlebt. Er ist zwischenzeitlich erwachsen geworden und er ist ein Trinker, alkoholkrank wie sein Vater. Zum einen hat er das „Säufer-Gen“ wohl offensichtlich von Jack Torrance geerbt, zum anderen trinkt er um sein Shining ruhig zu stellen, es quasi zu ersäufen.

Aber Dan will nicht mehr trinken, ein für ihn einschneidendes Erlebnis bringt ihn endlich zur Vernunft. Und er will endlich zur Ruhe kommen. Nach Jahren der ruhelosen Wanderschaft kommt er an einen Ort, an dem er sich wohl fühlt. Er beginnt an den Treffen der Anonymen Alkoholiker teilzunehmen, gewinnt Freunde und arbeitet in einem Hospiz, wo seine Anwesenheit sehr geschätzt wird. Dort nennt man ihn Doctor Sleep, denn Dan Torrance hat irgendetwas an sich, dass den Sterbenden hilft, ihre letzte Reise anzutreten. Dieses „etwas“ hat mit seinem Shining zu tun, dass nun, wo er nicht mehr trinkt, wieder aktiver wird.

Auf den amerikanischen Highways reist die Sekte „Der Wahre Knoten“ durch die Lande. Sie sind stets auf der Suche nach dem, was sie ihr Lebenselixier nennen. Dem Steam. Dieser Steam wird gewonnen aus dem letzten Lebenshauch von Kindern, die das Shining besitzen. Die Mitglieder der Sekte sehen aus wie Rentner, die mit ihren Mobilheimen auf Reisen sind, sie erwecken keinerlei Aufsehen. Das macht sie so gefährlich. Und, sie sind nahezu unsterblich.

Das kleine Mädchen Abra Stone wird mit einem übermäßigen Shining geboren, bereits als Säugling und Kleinkind hat es Kräfte, die ihre Eltern oft beunruhigen. Natürlich wird „Der Wahre Knoten“ auf das Mädchen aufmerksam. Sie müssen dieses Kind mit der unendlichen Menge an Steam haben. Eine gnadenlose Jagd beginnt. Doch erstens ist Abra sehr mutig und stark und zweitens ist sie nicht allein. Sie verbündet sich mit Dan Torrance, mit dem sie bereits im Alter von zwei Monaten Kontakt aufgenommen hat. Gemeinsam versuchen sie Abra zu retten und außerdem den „wahren Knoten“ auszurotten …

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Ich hatte das Buch begonnen und nach knappen 20 Seiten wieder zur Seite gelegt um noch einmal Shining zu lesen. Ich hatte es zwar Ende der 80er gelesen, doch ich hatte zuviel vergessen. Und ich habe mich richtig entschieden. Denn Doctor Sleep knüpft eigentlich nahtlos an Shining an und zu Beginn ist der Protagonist sogar noch ein Junge. Auch während der Handlung kommt Shining immer wieder ins Spiel, seien es Personen, Wesen oder Orte, bzw. bestimmte Situationen. Vorab noch einmal Shining zu lesen, kann ich jedem nur empfehlen. Hierzu möchte ich ein kleines Zitat von Stephen King aus dem Nachwort bringen:

„Falls ihr den (Kubrik)-Film gesehen, den Roman jedoch nicht gelesen habt, denkt bitte daran, dass Doctor Sleep auf Letzterem fußt, der meiner Meinung nach die wahre Geschichte der Familie Torrance erzählt.“

Und aus dem Grund war ich bereits sehr kritisch, als ich auch nur den ersten Satz des inneren Klappentextes gelesen habe. Da steht „Nur mühevoll kann Dan Torrance die Schrecken verarbeiten, die er als Dreirad fahrendes Kleinkind im Hotel Overlook erlitten hat“. Denn: im Roman ist Danny nicht ein einziges Mal auf einem Dreirad gefahren. Das war einzig und allein eine filmische Umsetzung von Stanley Kubrik (sicher eine sehr gute) hat mit dem Roman aber nichts zu tun. Ich habe mir nach Shining die dreiteilige Fernsehverfilmung von Shining angesehen, bei der Stephen King selber das Drehbuch geschrieben hat. Bei weitem weniger superlative Effekte, doch sehr viel näher an der Romanvorlage. Doch das nur nebenbei :).

Ebenso hat mich die Gewinnung des Steam von sterbenden Kindern im ersten Moment sehr an die Dementoren der Potter-Romane erinnert. Dann war ich nicht sicher, ob Stephen King es schafft, diese besondere Stimmung, die im Overlook Hotel geherrscht hat, wieder aufleben zu lassen.

Ich habe recht schnell gemerkt, dass all diese Punkte nicht relevant sind. Die Geschichte, mit der Stephen King hier die Fortsetzung von Shining geschaffen hat, ist absolut fesselnd, in einem sehr guten Schreibstil geschrieben und steht Shining in nichts nach. Es sind viele Jahre vergangen und der Mann, der die Fortsetzung geschrieben hat, ist ein anderer als der, der Shining schrieb. King hat damals selber noch getrunken. Für mich hat das Buch Suchtfaktor und ich konnte es sehr schwer aus der Hand legen. Er verknüpft sehr viele Dinge in der Handlung: z.B. den Zusammenhalt/das Zusammenspiel zwischen Alt und Jung, Mut, Kraft, Übersinnliches und auch sehr viel Gefühl. Dramatische Momente werden immer wieder von ruhigen Phasen abgewechselt, es gibt Momente, da hatte ich einen dicken Kloß im Hals.

Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch, wenn ich am Ende angelangt bin, gleich noch einmal von vorne beginnen könnte. Doch hier war es so. Der erwachsene Dan(ny) ist mir sehr ans Herz gewachsen. Auch die Figur der Abra ist sehr gut und charakterstark ausgearbeitet. Und ebenso die Nebenfiguren, die allesamt eine wichtige Rolle spielen, sind einfach tolle Menschen.

Sogar das Ende, die bei Stephen King für mich immer so eine Sache sind, hat mir gut gefallen. Es war stimmig und hat nicht das „was-war- das-jetzt-Gefühl“ ausgelöst, wie ich es beispielsweise bei ES oder WAHN empfunden habe.

Das Cover zeigt eine rote Metallflasche, aus der Steam austritt. Es ist dem Original Cover sehr ähnlich, wobei mir das noch viel besser gefällt, weil man hier auf den zweiten Blick noch etwas sieht, dass zur Handlung gehört.

Hier war ich dann gleich zu Besuch auf Stephen Kings Website, denn ein Blick auf die Original Cover sind bei ihm immer lohnenswert.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Fortsetzung von Shining, die absolut gelungen ist, wieder eine klasse Stimmung erzeugt und absolut fesselnd ist. Der Autor ist mit „Bangigkeit“ an die Arbeit gegangen, denn der Maßstab war sehr hoch. Es ist ihm gelungen, diesen zu erfüllen. Vom Anfang bis zum Ende. Unbedingt lesen! Am besten lest vorher noch einmal Shining, auch ein klasse Buch! Hatte ich beinahe vergessen. 

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Ich danke dem HEYNE-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Originalcover.

© Buchwelten 2013

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