Das Ufer von Richard Laymon

Das Ufer von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67647-3
Kategorie: Thriller, Horror

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Deana lebt mit ihrer Mutter Leigh in der idyllischen Kleinstadt Tiburon. Alles ist beschaulich und harmonisch, bis zu dem Zeitpunkt, als ein brutaler Serienkiller auftaucht. Und plötzlich erinnert sich Leigh an ihre eigene Jugend, die ebenso düster und gefährlich war. Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich. Es scheint, als wäre Leighs Vergangenheit noch lange nicht zu Ende erzählt, denn auch dort trieb ein grausamer Serienkiller sein Unwesen.

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Es gibt Bücher von Richard Laymon, die entwickeln eine eher trashige Atmosphäre, und es gibt Werke von ihm, die erzählen eine etwas ruhigere Geschichte mit Horror-Elementen. „Das Ufer“ gehört eindeutig zur letzten Kategorie, was aber nicht bedeutet, dass es weniger spannend ist als die Splatter-Achterbahnfahrten, die Laymon verfassen kann. „Das Ufer“ ist die Geschichte eines Teenagers (eigentlich sind es zwei Teenager, denn die Geschichte der Mutter als Teenager nimmt auch einen sehr großen Teil des Buches ein) und hat mich so manches Mal an den Plot und die Stimmung von „Halloween“ des fantastischen Regisseurs John Carpenter erinnert. Wie bei allen Werken von Richard Laymon kann man das Buch sehr schwer aus der Hand legen. Obwohl der Schreibstil des leider viel zu früh verstorbenen Autors nicht hochwertig genannt werden kann, fasziniert er dennoch (oder gerade deswegen) aufgrund seiner klaren, deutlichen und eben einfachen Sprache. Die Gedanken der Protagonisten sind realitätsnah und lassen den Leser dadurch das Geschehen hautnah miterleben. Zumindest mir geht es bei Laymons Büchern eigentlich immer so, dass ich bereits nach wenigen Seiten die oftmals umgangssprachliche Einfachheit schlichtweg genieße, weil sie zu der Story einfach passt.

„Das Ufer“ ist ein typischer Laymon, aber irgendwie dann doch wieder nicht.  Mir persönlich hat aber gerade die ruhigere Gangart zugesagt und vor allem haben hier die „schlüpfrigen“ Szenen nie gestört, was bei den anderen Büchern manchmal der Fall ist. Auch die Brutalität wirkt niemals aufgesetzt und übertrieben, sondern lockert die an sich melancholisch erzählte Geschichte immer wieder auf. Gerade die Rückblenden in die Vergangenheit der Mutter haben es mir bei „Das Ufer“ angetan. Dieser Handlungsstrang übte eine unwiderstehliche Faszination auf mich aus, die mich wiederum an Laymons „Das Treffen“ oder „Die Show“ erinnerte. Die Charaktere wirken zwar oftmals flach und oberflächlich, vermitteln aber dennoch das Gefühl, man würde sie kennen. Das liegt vor allem an den bereits oben erwähnten Gedankengängen, die Laymon beschreibt.

Wie in fast jedem Buch von Richard Laymon sind alle Frauen schlank, haben große Brüste und sind ständig geil. Aber auch die Männer haben ordentlich was in der Hose und fühlen sich von ziemlich jeder Frau angezogen. Dieses stereotype Trash-Klischee erfüllt auch „Das Ufer“ und reiht sich, zumindest in dieser Hinsicht, nahtlos in die anderen Werke des Autors ein. Ich mochte die Story und bin dem Heyne-Verlag dankbar, dass er sich auch der unbekannteren Geschichten Laymons annimmt. Da „Das Ufer“ im Orginal posthum veröffentlicht wurde, könnte man aufgrund einiger Details auf den Gedanken kommen, dass es sich lediglich um ein unfertiges Manuskript gehandelt haben könnte, dass ein Ghostwriter fertiggeschrieben hat. Nichtsdestotrotz vervollständigt „Das Ufer“ die Laymon-Sammlung und verschafft einem ein paar angenehme, unterhaltsame Lesestunden. Durch den wunderbar flüssigen Schreibstil und den kurzen Kapiteln entwickelt sich auch dieser Roman zu einem Pageturner, wie man es von Richard Laymon einfach gewohnt ist. Über das Ende kann man streiten. Einige überraschende (wenngleich manchmal voraussehende) Wendungen bietet das Buch. Und wenn man dann noch über die mehr als an den Haaren herbeigezogenen „Zufälle“ nicht weiter nachdenkt, die zum Finale führen, bekommt man eine wirklich unterhaltsame Story geboten.

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Fazit: Ein ruhiger Horror-Thriller, der an die Slasher-Filme der 80er-Jahre erinnert. Typisch Laymon, aber irgendwie doch wieder untypisch. Für Fans aber sowieso ein Muss.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Geheimer Ort von Tana French

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frenchErschienen als Klappenbroschur
bei Scherz / Fischer Verlage
insgesamt 400 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-651-00051-3
Kategorie: Krimi

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Der Tod von Chris Harper hat für viel Wirbel im Mädcheninternat St. Kilda gesorgt. Der Sechzehnjährige wurde im Park der Schule aufgefunden. Auf seiner Brust vier frisch gepflückte Hyazinthen. Was wollte der Junge aus dem benachbarten Jungeninternat mitten in der Nacht dort? Wie ist es ihm gelungen, nachts die Schule zu verlassen?

Chris Harpers Tod wirft viele Fragen auf, die jedoch auch durch die Polizei nicht aufgeklärt werden. Ein Jahr laufen die Ermittlungen bereits, von einer Lösung des Falls kann jedoch keine Rede sein. Eigentlich liegen die Ermittlungen mittlerweile sogar auf Eis. Die Wogen haben sich geglättet, die Eltern sind wieder ruhiger. Also kann alles seinen gewohnten, traditionellen und gesitteten Gang gehen.

Doch dann taucht plötzlich eine Karte am „Geheimen Ort“ auf. Einem schwarzen Brett, an dem die Mädchen anonym Nachrichten, Karten, Fotos oder andere Mitteilungen anbringen können. Auf dieser Karte steht „ICH WEISS, WER IHN GETÖTET HAT“. Gefunden wird die Karte von Holly Mackey, die sie abnimmt und Stephen Moran bringt. Einem Detective, der den Fall zwar nicht bearbeitet, jedoch vor Jahren Hollys Vertrauen erlangt hat. Holly, damals war sie gerade 10 Jahre alt, ist die Tochter von Frank Mackey, dem bekannten Leiter der Abteilung „verdeckte Ermittlung“. Seinerzeit war sie Zeugin in einem Mordfall in Mackeys Familie. Nun ist sie ein Teenager und Schülerin am Internat St. Kilda. Durch ihren Hinweis werden die Ermittlungen wieder aufgenommen und da Stephen Morans positive „Bindung“ zu Holly hilfreich sein kann, darf er die leitende Ermittlerin im Mordfall Chris Harper, Antoinette Conway, begleiten. Eine gehörige Herausforderung für Stephen, der natürlich gerne den Sprung von den „ungelösten Fällen“ in die Mordkommission schaffen würde. Doch Conway, bissige, toughe Einzelkämpferin, macht es ihm alles andere als leicht …

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Das ist der fünfte Roman der irischen Krimiautorin Tana French. Gelesen habe ich sie alle, rezensiert leider bislang keinen. Daher muss ich nun kurz ein bisschen ausholen: Tana French schreibt Krimis, ja. Allerdings schreibt sie die grundsätzlich eher so, dass die eigentliche Handlung des Krimis in den Hintergrund tritt, weil es vielmehr um die Menschen in ihren Geschichten geht. Tana French hat eine Gabe, ihre Figuren psychologisch detailliert darzustellen, ihnen eine Tiefe zu geben, dabei die vielfältigsten Charaktere zu vermischen, so dass man die Bücher sehr schwer aus der Hand legen kann. Desweiteren ist ihr Schreibstil sehr poetisch, voller Farben und Gerüche, einfach wunderschön. Wer nach der Rezension noch Lust auf zwei Zitate hat, der scrollt einfach ein wenig runter. Vielleicht bekommt man so einen Eindruck, was ich zu vermitteln versuche.

Eine weitere Besonderheit der Autorin ist, dass sie jeweils ihrer Nebenfigur aus einem Roman im nachfolgenden Band die Hauptrolle zuteil werden lässt. So kommt es, dass wir im aktuellen Titel auf bekannte Figuren treffen, die im dritten Roman „Sterbenskalt“ wichtige Rollen inne hatten. Hatte Frank Mackey dort die Hauptrolle übernommen, und seine Tochter Holly und Stephen Moran waren Nebenfiguren, so ist es in diesem Roman genau umgekehrt. Ich mag diese Idee sehr gerne, dadurch bringt die Autorin sowohl frischen Wind in ihre Handlungen, lässt aber auch bekannte Figuren, die dem Leser nahe kamen, weiter agieren.

Diesen Roman, der übrigens sehr ruhig, still und anmutig ist, erzählt Tana French in zwei Handlungssträngen. Einmal die Gegenwart, in der Stephen Moran und Antoinette Conway in St. Kilda die Ermittlungen wieder aufnehmen und desweiteren in der Zeit vor dem Mordfall an Chris Harper. Der Gegenwartsstrang wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Stephen Moran erzählt, den Teil der Vergangenheit übernimmt ein Erzähler in der dritten Person.

Weiterhin lassen die Gespräche der Schülerinnen untereinander zur Zeit vor dem Mord, die einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt von jungen Leuten geben, einen glauben, die Autorin habe Verhaltensforschung und Psychologie studiert. Die Beschreibung, wie wichtig für die Clique rund um Holly die Freundschaft ist, dieses Gefühl der Geborgenheit, die ewig andauern soll, der Versuch niemanden dort einbrechen zu lassen, nicht einmal die Jungen, die natürlich in diesem Alter dennoch eine Rolle spielen, ist einfach genial geschrieben.

Es gäbe noch sehr viel mehr über die gegensätzliche Clique auf St. Kilda oder über das Auskommen zwischen Moran und Conway zu erzählen. Aber das würde ausarten, daher lest das Buch/die Bücher einfach selbst.

Der Scherz Verlag präsentiert alle Bücher von Tana French in neuem Design. Als Klappenbroschur mit neuen Covern. Die finde ich auch gut gelungen, allerdings ist schade, dass dieses aktuelle Werk nicht als gebundene Ausgabe erhältlich ist. Ich mag lieber Regelmäßigkeit im Bücherregal. Die deutsche Titelwahl hingegen passt dieses mal sehr gut: aus „The Secret Place“ wurde „Geheimer Ort“.

Fazit: Ein Kriminalroman, dessen poetische Sprache eine reine Wucht ist, geschrieben von einer Autorin, die es versteht die Gefühls- und Gedankenwelt (besonders der jungen) Menschen zu beschreiben, als sei sie Psychologin oder Verhaltensforscherin. Erschreckend echt und real beschreibt Tana French vor einer außergewöhnlichen Kulisse und in einer ruhigen Stimmung eine verworrene, spannende und dramatische Krimigeschichte, für die der Leser getrost sein Mittagsschläfchen ausfallen lassen wird!

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Zitat 1: Stephen Moran betritt das St. Kilda zum ersten Mal. Ein Mann, der die schönen Dinge mag:

Ich folgte ihr (Detective Conway) die Treppe hinauf. Mädchen strömten um mich herum, fliegende Haare und fliegendes Lachen. Die Luft fühlte sich voll und glänzend an, high, durchsetzt mit Sonne aus allen möglichen Winkeln; Sonnenlicht wirbelte wie Wasser auf dem Geländer, fing Farben ein und schleuderte sie in die Luft, hob mich hoch, umfing mich überall und stieg höher. Ich fühlte mich anders, veränderte mich. Als wäre heute mein Tag, wenn ich nur herausfinden könnte, in welcher Weise. Wie Gefahr, aber meine Gefahr, von einem Zauberer im hohen Turm speziell für mich herbeigehext; wie mein Glück, herrliches, trügerisches, drängendes Glück, das durch die Luft trudelte, Kopf oder Zahl?”

Zitat 2: Die Cliquen der Mädels hängen in ihrer Freizeit oft im Einkaufscenter “Court” rum oder auf einem dahinter angrenzenden Feld, auf dem sie die Jungen treffen. Es ist einfach ein verlassener Bauplatz:

Julie kann James Gillen nicht leiden, aber das spielt keine Rolle, nicht hier draußen. Im Court, drüben im Court könnte jeder Blick, den du auffängst, Liebe sein, glockenklingelnde, feuerwerkzündende Liebe, im weichen Schleier der Musik und den Regenbogenprismen des Lichts könnte es das eine gewaltige Geheimnis sein, das in jedem Buch und Film und Song vibriert; es könnte deine Ein-und-alles-Schulter sein, an die du den Kopf lehnen darfst, Finger mit deinen verschränkt und Lippen sanft auf deinem Haar, während euer Lied aus jedem Lautsprecher strömt. Es könnte das eine Herz sein, das sich unter deiner Berührung öffnet, um seine ungesagten Geheimnisse preiszugeben, das eine Herz, dessen Räume die vollkommene Form haben, um all deine Geheimnisse zu umschließen.”

Wenn euch diese Sprachgewalt genauso mitreißt wie mich, dann kann ich euch die Krimis von Tana French unbedingt ans Herz legen!

© Buchwelten 2015

autoreverse von Kai Thomas Geiger

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Erschienen als Taschenbuch
im TheissVerlag
insgesamt 256 Seiten
Preis: 14,95 €
ISBN: 978-3-8062-2774-1
Kategorie: Roman

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Ein Vorort von Stuttgart in den 80er Jahren. Vier Jungs: Marc, Jones, Basti und Fred der Popper, der eigentlich keiner ist. Musik, Jugendheim, Fanclub, Mopeds (Enduro!), Teenager sein, erwachsen werden … DAS ist, autoreverse.

Marc und Jones kennen sich von klein auf, sie wohnen gegenüber und ihre Eltern sind befreundet. Ihre Freundschaft war also eigentlich von Anfang an vorprogrammiert und wurde von keinem je in Frage gestellt. Karl ist Jones großer Bruder, Jones der eigentlich Jonas heißt aber nicht mal von seinen Eltern so genannt wird. Karl ist älter, Karl hat Musik, Karl kennt sich aus mit Musik und Karl geht zum Queen Konzert … und Karl nimmt die Jungs mit. 

Das reicht zur Infektion völlig aus. ABBA ist auf einmal nicht mehr die Musik, die ein Junge braucht, es muss schon rockiger sein. Das Queen Konzert ist somit der Anfang einer innigen und intensiven Leidenschaft. Es folgt weiterer Rock: AC/DC. Marc und Jones sind auf Rock-Droge. Sie gründen einen Fan-Club, zu zweit.

Wer auf Musik steht und jung ist, hat ein Problem, nein, eigentlich zwei: 1. man braucht eine gute Anlage! 2. Man braucht Geld um sich eben diese leisten zu können. Wie löst man das Problem? Man(n) findet den Glauben an Gott und lässt sich konfirmieren ….

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Dies ist nur eine kurze Zusammenfassung zu einem Ausflug zurück in die 80er Jahre, die für alle, die zu dieser Zeit Teenager waren, die beste aller Zeiten war. Auch ich war ein 80er Jahre Teenager, ein bisschen jünger als die Jungs im Roman, aber dennoch mittendrin und auch ich möchte in keiner anderen Zeit Teenie gewesen sein.

Wir hatten in der Tat weder Handys, noch Facebook-Freunde oder MP3 Player. Wir haben unsere Freunde noch mit Telefonen mit Kabeln und manchmal sogar Drehscheiben angerufen und die Eltern haben gezickt, weil die Einheiten teuer waren. Wir hatten Kassettenrecorder und Walkman! Und, wir sind sogar einfach spontan zu unseren Freunden rübergegangen und haben geklingelt!

Diese Geschichte ist von vorne bis hinten so echt und greifbar geschrieben, dass ich eine Reise in die Vergangenheit unternommen habe. Der Autor lässt Marc, die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen, was die Wirkung der Geschichte vermutlich so real rüberbringt. Wie Kai Thomas Geiger diese spezielle Jungenfreundschaft erzählt, dieses Zusammenwachsen und wieder Auseinanderreißen beschreibt, ist sehr glaubhaft erzählt. Die Jungs sind alle charakterlich total unterschiedlich und jeder für sich sehr gut ausgearbeitet. Der Leser ist in der Geschichte gefangen und erlebt deren Älterwerden mit allen glücklichen, schlechten und gefährlichen Momenten.

Ich war ein weiblicher Teenager der 80er, doch natürlich kannte ich Jungs zu dieser Zeit mit denen auch ich im Jugendzentrum abhing. Ich habe mich in dieser Geschichte absolut wohl und zu Hause gefühlt und ich habe jede Seite genossen. Wegen mir hätte dieses Buch noch viel weiter gehen können, doch jede Geschichte ist bekanntlich nur so lang, wie sie dauert. Und autoreverse war nach 254 Seiten (leider) zu Ende.

Der Roman ist als Taschenbuch im Theiss Verlag erschienen und das Cover erinnert auf den ersten Blick an die 80er. Der Titel? Nun, damals gab es noch Tapedecks und die besonders guten haben die Kassetten am Ende automatisch umgedreht und die B-Seite angespielt. Das war nicht nur in „gewissen Momenten“ sehr praktisch 🙂 .

Wir mittlerweile erwachsenen Teenager der 80er haben ja gewissermaßen echtes Glück: Retro ist total angesagt. Wir können wieder Jeansjacken kaufen, Converse Chucks und Adidas Allround (oder Samba) tragen. Das alles gibt es u.a. wieder zu kaufen. Mir persönlich fehlen noch die Vanillia Hosen … Sogar Vinyl ist mittlerweile wieder angesagt, die Menschen kaufen also sogenannte Schallplatten, LP’s und spielen sie auf Plattenspielern ab. Also, irgendwie haben wir trotz Virtual Reality und Social Network, etc. ein Stück unserer Jugend wiederbekommen.

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Mein Fazit: Volle 5 von 5 Sternen für eine Reise zurück in die 80er voll von Musik, Freundschaft, Glück, Wut, Trauer und jeder Menge Erlebnissen, die zum Erwachsenwerden dazugehören. Sehr real geschrieben, lebensecht und gefühlvoll umgesetzt! Ich gebe sehr gerne eine unbedingte Leseempfehlung.

Ich danke Amazon Vine für die Bereistellung des Rezensionsexemlars. 

Mehr über den Auor auf seiner —>  Homepage

autoreverse bei —> Facebook

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© Buchwelten 2013

Bella & Edward – Bis(s)-Box (Twilight-Box) von Stephenie Meyers

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Bis(s) zum Morgengrauen
Bis(s) zur Mittagsstunde
Bis(s) zum Abendrot
Bis(s) zum Ende der Nacht

außerhalb der Box

Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl

Erschienen als
Sonderausgabe im Schuber
im
Carlsen Verlag
2.478
 Seiten
Preis: 29,90 €
ISBN: 978-3-5515-8250-5

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Lange Zeit habe ich mich gewehrt, die Bis(s)-Bücher zu lesen. Ich mochte den Hype nicht, der um die Bücher gemacht wird und bin eigentlich jemand, der nicht mit dem Mainstream geht. Und nun?

Ich habe es getan, und zwar schnell (alle 5 Bände in 3Wochen!), begeistert und das als Mann! 🙂

Kurz zum Inhalt, obwohl den die meisten wohl bereits kennen:

Bella zieht zu ihrem Vater nach Fork, weil ihre Mutter mehr Zeit für sich und ihren neuen Ehemann haben möchte. Dort findet Bella schnell Freunde, widmet aber ihr Hauptaugenmerk auf Edward Cullen, einen hübschen, geheimnisvollen Jungen, der sich zuerst sehr zurückhaltend ihr gegenüber verhält, später aber ihre Nähe sucht.

Die beiden verlieben sich ineinander, bis Bella von Jakob, einem Indianer aus dem nahegeleghenen Reservat, erfährt, dass Edward ein Vampir sei. Für Bella scheint diese Information die Lösung für Edwards Verhalten und Schönheit zu sein und ab diesem Zeitpunkt wünscht sie sich nichts sehnlicher, als selbst zum Vampir zu werden, um für alle Zeiten als Unsterbliche an seiner Seite zu sein.

Doch Bella hat nicht damit gerechnet, dass es noch mehr Vampire und Gestaltwandler/Werwölfe auf der Welt gibt, die es nicht einfach für sie machen, selbst zu einem Vampir zu werden.
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Ich rezensiere die Bände 1-4 (und die Novelle „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl) in einem Text, weil die Handlung für mich ineinander übergeht und ich (bis auf Teile des letzten Bandes) alle Bücher gleich gut finde.
Es wird immer wieder behauptet, Stephenie Meyers „Twilight“-Reihe wäre kitschig und vor allem langweilig. Genau diese beiden Dinge haben mir auf Anhieb gefallen, wobei ich die Romane keinesfalls für typisch, im negativen Sinne, kitschig halte.

Die Liebe zwischen den beiden Teenagern (und etwas anderes sind Bella und Edward nicht, auch wenn Edward ein paar Jährchen älter als seine Freundin ist), kommt so glaubhaft rüber, dass ich das Buch schon nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen konnte. Erste Liebe wie sie schöner nicht sein könnte und von der viele von uns sicherlich im Teenageralter geträumt haben.

Sicherlich ist es relativ unwahrscheinlich, dass eine Liebe, vor allem eine erste, derart intensiv und bedingungslos ist. Aber dennoch versteht Meyers es, sie in meinen Augen glaubhaft, nachvollziehbar und vor allem dem Alter der Protagonisten entsprechend rüberzubringen.

Zum Thema „Action“: die ersten drei Bände sind verhältnismäßig ruhig und vermitteln eine tolle Stimmung, in der ich mich extrem wohl fühlte. Im letzten Band geht es dann ein wenig actionreicher zu und das war dann auch das Buch, das mir innerhalb der Reihe am wenigsten gefallen hat.

Dafür mochte ich viel zu sehr die Liebeleien der beiden, das Hin und Her, die Unschlüssigkeit und dennoch bedingungslose Ergebenheit dem anderen gegenüber. Das ist Jugend und Erwachsenwerden pur und macht unglaublich viel Spaß. Für mich war die Tatsache, dass es um Vampire ging, letztendlich ohne Bedeutung, dafür mochte ich die reine Liebesgeschichte zwischen Bella und Edward zu sehr. Sicherlich versank die Story bisweilen in romantischem Kitsch, aber für mich war es schöner Kitsch, weil ich ihn in dieser Form selbst mag und lebe. 🙂

Die Hintergründe der Vampir- (und auch Werwolf-) clans erinnerten mich teilweise an eine schlecht kopierte Anne Rice, taten aber der Handlung keinen Abbruch und hatten sicherlich auch im Gesamtbild einen Sinn. Ich empfand diese „Erklärungen“ auch nicht wirklich als störend, nichtsdestotrotz aber eher unwichtig.

Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn Bella oder Edward (oder beide) in den Vordergrund traten.

Doch nicht nur Bellas Liebe zu Edward gefiel mir, auch die (andere) Liebe zu Jakob, Bellas Zerrissen- und Unsicherheit hinterließen einen tiefen Eindruck in mir, denn auch diese Seite der Liebe konnte ich ohne weiteres nachvollziehen. Und auch die war von Stephenie Meyers wirklich toll beschrieben und emotional glaubhaft dargestellt.

Insgesamt ein wirklich tolles, unterhaltsames und sehr gefühlvolles Werk.

In der Novelle „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“ erzählt Meyers dann noch die Geschichte der jungen Vampirin Bree Tanner, die sich zusammen mit anderen Vampiren auf den Weg macht, um die Familie Cullen (und auch Bella) zu vernichten. Als Novelle war die Geschichte ganz „nett“, aber mehr auch nicht. Sie hat mit den Bis(s)-Büchern meiner Meinung nach nicht wirklich viel zu tun, erzählt einen Nebenstrang, der am Ende auf die Haupthandlung trifft, aber irgendwie keinen tieferen Sinn ergibt. Auf dieses Buch hätte ich ohne weiteres verzichten können, bin aber froh, es in Hinsicht auf das „Gesamtwerk“ dennoch gelesen zu haben.

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Fazit:

Gefühlvolles Teenager-Liebesabenteuer mit Gruselfaktor, das aber in meinen Augen ein All Age-Roman ist, da (wenn man sich darauf einläßt) die Gefühlswelt auch ohne weiteres für Erwachsene nachvollziehbar ist.

Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

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© Buchwelten 2013

Anna und die flüsternden Stimmen von Sabine Städing (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
bei Boje (Bastei Lübbe)
255 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-414-82114-0
Kategorie: Kinder ab 12 Jahre

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Die 15-jährige Anna kann sich vor „Freude“ auf den bevorstehenden Urlaub kaum halten. Könnten sich ihre Eltern finanziell locker einen Urlaub in teureren Gegenden wie Miami oder St. Tropez leisten, haben sie den Familienurlaub dieses Jahr in einem Kaff mit dem verlockenden Namen Qual gebucht. Ein Ferienhaus direkt am Meer mit Aussicht soll angeblich ihr Domizil sein, immerhin schon 90 Minuten von ihrem zu Hause in Hamburg entfernt. Tja, was die Entspannung der Familie angeht, da sind Annas Eltern nunmal sehr bescheiden. Sie sind der Ansicht, guten und angenehmen Urlaub kann man auch in der Heimat verbringen.

Als die Familie den Schlüssel für das Ferienhaus abholt und Anna dabei auf den verdammt gut aussehenden Tjark trifft, ist ihre ablehnende und miese Stimmung immerhin ein bisschen beschwichtigt. Dies behält sie allerdings für sich.

Den Run auf das beste Zimmer im Haus gewinnt Anna problemlos gegen ihren nervtötenden, 10-jährigen kleinen Bruder Joshua (Spitzname Joshi). Sie ergattert den Raum mit dem Ausblick auf das Meer und die verlassene ehemalige Lungenklinik, die sich auf dem Grundstück direkt neben dem „Strandkorb“ (ja, solch einen hübschen Namen trägt das Ferienhaus!) befindet.

Anna wird in diesem Urlaub ihren Segelschein machen und als sie am nächsten Tag ihren Segellehrer kennenlernt, macht ihr Herz einen kleinen Luftsprung. Da empfängt sie niemand anderer, als der hübsche gutaussehende Junge namens Tjark vom Vortag. Anna findet plötzlich, dass sie es in diesem Urlaub doch bei weitem schlechter hätte treffen können, auch wenn sie sich das gegenüber ihren Eltern natürlich nicht anmerken lässt.

Bereits in der ersten Nacht kann Anna nicht schlafen. Sie hört Geräusche, die sich anhören als würde das Haus um sie herum atmen. Und … sind da nicht flüsternde Stimmen in ihrem Zimmer? Als Anna aufsteht und aus dem Fenster blickt sieht sie dort einen alten, ausgezehrten Mann stehen, der sie zu sich ranwinkt. Sicherlich hat Anna einerseits Angst, doch andererseits ist umgehend ihre Neugier und Abenteuerlust geweckt. Was geht dort in Qual vor sich? Spukt es dort? Wer sind diese flüsternden Stimmen und wer dieser fiese, alte Mann? Anna beschließt der Sache auf den Grund zu gehen.

Zum Glück ist sie nicht allein, Tjark ist an ihrer Seite. Doch ehe sich die beiden versehen, befinden sie sich auch schon in Gefahr ….

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Sabine Städing hat hier einen guten, rasanten und auch spannenden Gruselroman für Kinder ab 12 Jahren, die lt. Verlagsseite die Zielgruppe ist, geschaffen.

Sie schreibt in einem einfachen, flotten und recht umgangssprachlichen Schreibstil, der nicht besonders gehoben aber dennoch angenehm und gut lesbar ist.

In der Handlung hat sie alles verarbeitet, was ein gutes Kinder- oder Teenagerbuch ausmacht. Es gibt eine Menge Grusel, die erste Liebe spielt eine Rolle, Stress mit kleineren Geschwistern und nervige Eltern.

Die Stimmung in den Gruselmomenten hat die Autorin sehr gut rübergebracht und die Charaktere waren sympathisch und gut ausgearbeitet.

Die Romanhandlung ist sehr modern gestaltet, Internet und Smartphones gehören heutzutage bei Teenagern nun einmal zum Alltag. Dennoch stöbern Anna und Tjark auch in staubigen Kirchenbüchern und Stadtarchiven um einem uralten Fluch auf die Spur zu kommen. 

Allerdings ist dieser Roman für mich eben ein klassisches Jugend- oder Kinderbuch und passt nicht in die Rubrik All-Age. Dafür ist die Handlung dann doch zu „einfach“ gehalten und nicht vergleichbar mit anspruchsvolleren Werken von  Autoren wie z.B. Wulf DornW. BrunnerZoran Drvenkar, Ralf Isau, oder auch Neil Shustermann.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin aus der Ich-Perspektive erzählen, schreibt jedoch in der Gegenwart. Das Ende hat mich nicht enttäuscht, war aber dennoch absehbar.

Das Buch präsentiert der Verlag in einer gebundenen Ausgabe, mit einem hübschen, sehr ansprechenden Cover. Gehalten in verschiedenen rauchigen Blautönen zeigt es ein altes schmiedeeisernes Tor und eine Pusteblume. Wobei ich letztere nicht unbedingt mit der Handlung verbinden kann, gefällt mir der Buchdeckel sehr gut.

Der Klappentext ist sehr ausführlich und auch übersichtlich gehalten. Die Kapitel sind in einer angenehmen Länge gehalten, sodass auch die Kinder/Jugendlichen keine endlosen Buchseiten vor sich haben, was einige junge LeserInnen ja eher abschreckt.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein gutes Kinder- und Jugendbuch, dass der Zielgruppe mit einer gruseligen Geschichte und einem Hauch Liebe spannende und fesselnde Lesemomente verschafft. Geschrieben in einem guten Stil, der vom Anspruch allerdings nicht so hoch anzusiedeln ist, wie die All-Age Romane der Autoren Dorn, Drvenkar u.a.

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Ich danke Amazon Vine für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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© Buchwelten 2012

vergissdeinnicht von Cat Clarke (3/5)

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Erschienen als
Paperback
bei  Luebbe
288 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN:  978-3785760611

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Grace Carlyle, 17 Jahre jung, erwacht in einem schneeweißen Raum. Ein weißes Bett (das gemütlichste, dass sie je erlebt hat), ein weißer Tisch mit Stuhl in derselben Farbe, weißes Papier und ein tolles Bad, natürlich auch weiß. Sie selbst ist in ein weißes Nachthemd gekleidet.

Grace hat keine Ahnung, wie sie in diesen Raum gekommen ist und warum sie dort ist, ist ihr auch nicht klar. Sie überlegt sich, dass sie vielleicht entführt wurde, von diesem wunderschönen jungen Kerl namens Ethan. Aber für einen Entführer ist er viel zu gut zu ihr. Er tut ihr nichts, er spricht wenig mit ihr, schaut sie eher bemitleidenswert an. Er bringt ihr dreimal täglich ein richtig gutes Essen (und zwar ausschließlich Dinge, die sie gerne mag!). Das einzige was er von Grace möchte ist, dass sie schreibt. Sie soll sich erinnern und alles aufschreiben. Er sagt, es sei wichtig für sie die Wahrheit zu finden. Nur das sei der Grund, warum sie dort sei.

Nun, Grace beginnt zu schreiben, jedoch nicht um Ethan den Gefallen zu tun, sondern eher für sich. Damit sie nicht verrückt wird in diesem „Überall-Weiß“. Sie beginnt zu notieren, was sie erlebt hat bevor sie in diesem Raum aufwachte, Satz für Satz, Seite für Seite. Und dann geschieht das seltsame: Grace gefällt es dort in „ihrem“ Raum. Sie genießt das Schreiben und die Besuche und kurzen Gespräche mit Ethan, auch wenn er ihr immer wieder neue Rätsel aufgibt.

Grace schreibt ihre Erinnerungen weiter auf und ganz langsam, Stück für Stück fügen sich die Bruchstücke in ihrem Kopf zusammen …

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Ich habe mich schwer getan in diesen Roman hineinzukommen, denn der Schreibstil gefiel mir gar nicht. Die Protagonistin ist eine 17-jährige, Tennager sprechen umgangssprachlich, dass kenne ich aus dem realen Leben von meinen Kindern. Doch dieser Schreibstil war mir zu flach, flapsig und er wirkte mir zu übertrieben. Als wollte die Autorin mit aller Gewalt eine lässige, lockere Jugendsprache präsentieren. Dies war bei der Protagonistin Grace extrem, ihre Freunde konnten sich da schon besser artikulieren. Hier kommen dann sogar gute Gespräche auf, in denen wertvolle, ehrliche Dinge gesagt werden und das sogar normal ausformuliert.

Auch mit Grace selber wurde ich bis zum Schluss nicht richtig warm, auch wenn ich gegen Ende des Buches schon Mitleid empfand. Sie hat viel schlechtes erlebt und sicher gab es daher Gründe dafür, dass sie war wie sie war und tat was sie tat. Aber meist kam sie für mich rüber wie eine nymphomanische 17-jährige, die am allerliebsten „im Suff“ oder „total dicht“ war. Es ging extrem viel um das saufen, kotzen, Sex und Jungs verführen. Sicher sind Teenager keine Unschuldslämmer, sollen sie auch gar nicht sein, doch das schien mir ein wenig zu überfrachtet.

Den eigentlichen Hintergrund des Buches fand ich dann dennoch gut, darum wollte ich auch wissen, wie es sich auflöst. Es werden auch heikle Themen angesprochen, z.B. eines, dass es in der heutigen Zeit leider immer öfter bei den Jugendlichen gibt: Ritzen. Die Hintergründe und die Erklärung der Gefühle, die Grace dazu veranlasst haben, fand ich gut beschrieben. Auch der Punkt Schwangerschaft wurde behandelt  sowie Liebe, Angst, Mutlosigkeit, Hoffnung und vieles mehr.

Einiges innerhalb Graces Notizen/Erinnerungen war für mich absehbar und ich empfand es als künstlich hinausgezögert. Die Auflösung am Ende des Romans hat mir dann wiederum sehr gut gefallen. Hier war ich dann auch positiv überrascht und ich empfand den Schluss als gelungen.

Das Cover ist natürlich weiß und nur durch einige violette Buchstaben aufgelockert. Eigentlich ein schönes Cover, doch leider sehr schlecht erkennbar. Die Kapitel waren in angenehme Längen verfasst und die Sprünge zwischen Graces Notizen/Erinnerungen und den Momenten im Raum haben waren gut gewählt und ließen mich angenehm flott lesen.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für einen Roman mit einem eigentlich guten Hintergrund, der Einblicke in eine Teenager-Seele gibt. Für mich allerdings durch den extremen Schreibstil leider etwas abgewertet.

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Ich danke Amazon und Luebbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

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Sommerfalle von Debra Chapoton (4/5)

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Erschienen als
Klappenbroschur
im  IVI Verlag
388 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN:  978-3-492-70265-2

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Rebecca, das ist ein hübscher amerikanischer Teenager mit fast 18 Jahren, blond, sportlich, lieb und beliebt. Sie hat einen tollen Freund, Freundinnen und die Highschool beendet. Ein Mädchen eben, wie man es aus vielen amerikanischen Filmen kennt.

Als sie gemeinsam mit ihrer Freundin Sarah im Einkaufscenter shoppen geht, fällt ihrer Begleiterin ein recht ansehnlicher Junge auf, der Rebecca anstarrt. Die beiden denken sich jedoch nichts weiter dabei, Jungs starren die beiden Mädels schon mal öfters an. Dann geht sie zur Toilette und kehrt nicht zurück.

Rebecca erwacht in einem dunkeln, fensterlosen Raum mit niedriger Decke. Sie ist mit Handschellen an ein Bett gefesselt. Neben ihr baumelt ein Eimer von der Decke, der dazu dienen soll ihre Notdurft zu verrichten.

Nach dem ersten Schock beginnt die aufgeweckte Rebecca sofort sich eine mögliche Flucht zu überlegen. Denn auch wenn sie Angst hat, weil ihr bewusst ist, dass sie entführt worden sein muss, hindert es sie nicht daran dringend etwas an ihrer Situation ändern zu wollen. Sie schafft es tatsächlich sich aus den Handschellen zu befreien und aus ihrem Verlies zu fliehen.

Sie läuft geradewegs in den Wald – ohne die geringste Ahnung wo sie ist oder wo sie hinsoll – doch all dies hat der Entführer vorhergesehen und dementsprechend seine Pläne geschmiedet ….

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Dieser Roman ist ein Jugend-Thriller aus dem neuen Imprint IVI des Piper Verlages. Diese neue Sparte soll nun die jugendlichen Leser ansprechen und dieser Roman hat mich aus zwei Gründen neugierig gemacht:
Erstens war da natürlich das wunderschöne Cover mit dem Schmetterling, dass mich zugegebenermaßen sofort ansprang. Nicht nur weil ich diese Flatterlinge sehr mag und sie mich eigentlich täglich begleiten, sondern auch weil das Jugendcover mal keine schrägen Augen, Vampire oder Elfenwesen darstellt. 
Zusätzlich hat mich der Klappentext direkt angesprochen und diese zwei Faktoren sollten ausreichen.

Die Autorin hat diesen Roman in Amerika in Eigenregie veröffentlicht und dieser wurde dort zum Ebook Besteller. So ist er dann letztendlich wohl in Deutschland angekommen und das zu Recht.

Der Stil von Debra Chapoton ist nicht übertrieben anspruchsvoll, aber auch nicht schlicht und einfach nur für Jugendliche geschrieben. Sie erzählt in einem angenehmen Schreibstil, der es schafft sowohl Umgebung der Handlung als auch Spannung und Gefühle der Figuren rüberzubringen.

Die Kapitel sind recht kurz gehalten und innerhalb dieser immer noch in verschiedene Abschnitte unterteilt (und diese sind immer mit einem hübschen Schmetterling versehen 🙂 ).

Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Zeit- und Ortssprünge innerhalb der Handlung. Gegen Ende des Buches hat sich die Erzählung auf weniger Handlungsstränge beschränkt, doch die Wechsel gab es bis zum Schluss.

Die Autorin wechselt nicht nur die Erzählung aus den verschiedenen Sichten der Protagonisten. Sie wechselt auch immer wieder zwischen naher und ferner Vergangenheit der verschiedenen Charaktere, was einen guten Einblick in deren vergangenes Leben und die entsprechenden Vorgehensweisen im Roman gibt.

Das Buch ließ sich durch diese erwähnten Punkte sehr rasant lesen und hat Spaß gemacht.

Allerdings ist der Roman für mich nicht wirklich ein Thriller, dafür ist er eher zu ruhig. Aber wahrscheinlich müssen Verlage ein Werk einfach in irgendeine Schublade packen und die Kategorie Spannungsbuch gibt’s in Deutschland ja nicht.

Spannend war der Roman, aber eher eine ruhige Variante und dennoch gelungen.
Mich hat die Erzählung ein wenig an eine Mischung aus „Das Mädchen“ von Stephen King und „Selbstauslöser“ von Marko Kilpi erinnert. Zumindest was die Handlung und Dramatik in der Natur angeht. Mein Vergleich mag vielleicht hinken, ist auch nur ein Eindruck meinerseits.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein gutes Spannungsbuch, das rasant, angenehm und flott geschrieben ist. Versehen mit interessanten, gut dargestellten Charakteren und sicherlich nicht nur für Jugendliche interessant. Die Autorin ist Lehrerin, man merkt es ihrem Buch an, im Positiven Sinne.

Ich danke dem IVI – Verlag für die Bereistellung des Rezensionsexemplars.

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