Am Abgrund von Michael Grumley

Am Abgrund von Michael Grumley

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  524 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31889-2
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Mitten im Arktischen Ozean wird auf einer einsamen Insel eine geheimnisvolle Kammer entdeckt, in der sich mysteriöse Samenkapseln befinden. Genauere Untersuchungen ergeben, dass es sich dabei um etwas Außerirdisches handeln muss. Ermittler John Clay und die Meeresbiologin Alison Shaw wollen zusammen mit Freunden, Helfern und natürlich den Delphinen Sally und Dirk das Geheimnis enträtseln. Und sie stoßen dabei auf unglaubliche Erkenntnisse, die sie an der gängigen Theorie der Evolution zweifeln lassen …

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Es geht also weiter mit Alison Shaw und den sprechenden Delphinen Sally und Dirk. Nach „Breakthrough“ und „In der Tiefe“ liegt nun der dritte Teil der Serie vor, der wissenschaftliche Aspekte und spannende Abenteuer geschickt vermischt. Die Handlung schließt nahtlos an das Ende des zweiten Teils an, so dass man nicht lange braucht, um wieder mitten im Geschehen zu sein. Michael Grumley widmet sich in diesem Band leider wieder mehr politischen Geschehnissen und richtet sein Augenmerk auf Spionage und dergleichen. Mir fehlten da schlichtweg die weitaus besseren Szenen, in denen es um die „sprechenden“ Tiere und die wissenschaftlichen Belange ging. Denn dann las sich das Buch wieder, wie schon bei den vorherigen Teilen, wie ein Abenteuer aus der Feder eines Michael Crichton. Die Agentenstory hingegen zog sich, zumindest aus meiner Sicht, immer etwas in die Länge, so dass ich es kaum erwarten konnte, wieder zurück zu Alison Shaw und ihren Delphinen zurückkehren zu können.

„Am Abgrund“ kann, wie bereits Band 2, das Niveau und den Spannungsbogen des ersten Teils nicht halten, was aber nicht bedeutet, dass das Buch schlecht ist. Grumley musste die Handlung mehr ausdehnen, um auch noch Folgebücher füllen zu können, denn er hat bereits die Teile 4 und 5 veröffentlicht. Insgesamt ergibt sich dennoch nach Abschluss des dritten Bandes ein rundes Gesamtbild, das den Leser zufriedenstellt. Ich war allerdings etwas irritiert, als am Ende des vorliegenden Bandes plötzlich von einer Person namens Palin die Rede, die die ganze Zeit nie erwähnt wurde. Ganz schwach klingelte es bei mir, als ich den Namen las und ich konnte mich dann auch glücklicherweise wieder erinnern, um wen es sich dabei handelte. Da hätte Grumley bereits auf den ersten Seiten des dritten Bandes den Faden bezüglich dieser Person wieder aufnehmen sollen, um den Handlungsstrang verständlicher zu machen. Denn man hatte tatsächlich vergessen, dass es Palin gab. 😉

Wie schon in den ersten beiden Bänden konnten die Beschreibungen und Szenen bei mir absolut punkten, in denen es um die Kommunikation mit Tieren ging. Diese Stellen waren sehr stimmungsvoll und verschafften mir immer wieder aufs Neue eine heimelige Atmosphäre, in der ich mich sehr wohl fühlte. Da hätte ich mir einfach mehr davon gewünscht, um den wissenschaftlichen Abenteuercharakter des Plots mehr herauszuheben. Aber Grumley hat sich wohl für den actionreicheren Weg entschieden, der zwar auch nicht schlecht ist, aber auf mich nicht innovativ genug wirkte. Da hätte der Gesamthandlung  und  -stimmung mit Sicherheit eine etwas ruhigere Gangart gut getan. Aber da sind die Geschmäcker wohl einfach zu verschieden und Grumley wollte sich wahrscheinlich auf die sichere Seite begeben und dem Publikum auch Action bieten. „Am Abgrund“ bietet auf jeden Fall solide und spannende Unterhaltung in bester Pageturner-Manier, denn man kann das Buch einfach schlecht aus der Hand legen. Das liegt zum einen am wirklich sehr flüssigen Schreibstil und zum anderen an den relativ kurz gehaltenen Kapiteln, so dass man sich immer wieder dabei erwischt, „nur noch ein weiteres Kapitel“ zu lesen. 🙂
Ich hoffe wirklich sehr, dass Heyne die Breakthrough – Reihe weiter fortsetzt, denn die Protagonisten, die Delphine und die Gorilla-Dame Dulce sind mir im Laufe der drei Bücher sehr ans Herz gewachsen.

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Fazit: Spannender dritter Teil der Breakthrough-Reihe, der eindeutig mehr auf Action setzt als die Vorgänger-Bände.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Judas Goat / Midnight Solitaire von Greg F. Gifune

 

 

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 420 Seiten
Preis:  13,95  €
ISBN: 978-3-95835-332-9
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

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Zwei Kurzromane / Novellen in einem Band.

JUDAS GOAT: Lenny Cates hat seine Jugendfreundin Sheena seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Umso überraschender ist es für ihn, als sie ihm nach ihrem Tod ein Anwesen vererbt. Als Lenny das Haus aufsucht, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert, in der auch Sheena eine wichtige Rolle spielt.

MIDNIGHT SOLITAIRE: Vier Fremde suchen während eines heftigen Schneesturms Unterschlupf in einem Motel. Schon bald müssen sie feststellen, dass ein verrückter Killer ihnen nach dem Leben trachtet. Und einer der Gruppe kennt den Mörder, denn er ist schon seit Jahren hinter ihm her …

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Zwei Kurzromane in einem Band von einem meiner Lieblingsschriftsteller Greg F. Gifune. Das ist ja fast wie Weihnachten. 😉
Ich habe mit „Judas Goat“ begonnen, weil mich da schlichtweg die Inhaltsangabe mehr angesprochen hat. Und ich lag richtig: „Judas Goat“ ist, zumindest für mich, die bessere Geschichte. Aber der Reihe nach:
Gifunes Schreibstil ist wie gewohnt, sehr hochwertig. Und auch in diesem etwas kürzeren Roman versprüht der Autor zwischen all seinen mystischen und gruseligen Momenten jede Menge Melancholie, wie man es von ihm kennt. Es ist immer wieder ein Genuss, Gifunes Protagonisten dabei zu begleiten, wenn sie in ihre Vergangenheit zurückkehren und diese bewältigen (wollen). Gifune hat in „Judas Goat“ sein altbewährtes Konzept angewandt, das zwar an manch anderen seiner Romane erinnert, aber keineswegs langweilig wirkt und einen „Schon mal gewesen“-Effekt erzielt. Die Story ist sehr atmosphärisch aufgebaut und zieht den Leser sofort in ihren Bann. Ich habe das einsame und abgelegene Anwesen deutlich vor meinem inneren Auge gesehen und war dadurch hautnah in der Geschichte mit dabei. Genau solche Storys wie „Judas Goat“ sind es, die mich zu einem absoluten Fan von Greg F. Gifune machten. Er hat mich wieder einmal alles andere als enttäuscht.

Kommen wir nun zur zweiten Geschichte mit dem Titel „Midnight Solitaire“, die natürlich wieder für Gifune typische Elemente enthält, aber sich von „Judas Goat“ dennoch ein wenig unterscheidet. Während in der zuerst von mir besprochenen Story eher wenig Action passiert, verhält es sich bei „Midnight Solitaire“ schon ein wenig anders. Der Plot hat mich desöfteren an einen typischen Slasherfilm der 80er Jahre erinnert, in dem sich ein paar Protagonisten einem gefährlichen Killer gegenüberstehen und um ihr Überleben kämpfen müssen. Hier wendet Gifune eindeutig mehr Action an und erzählt sehr rasant ein Belagerungsszenario in einem einsamen Motel. Doch auch hier kommen Elemente vor, die mir an Gifune so sehr gefallen und in denen er Lebensweisheiten beschreibt, die man entweder selbst bereits kennt oder über die man sich dann zumindest Gedanken macht. Die Geschichte ist allerdings ein wenig vorhersehbar, zumindest was die Handlungsweise der Protagonisten betrifft. Hier könnte man durchaus sagen, dass man das alles entweder schon mal gelesen oder in einem Film gesehen hat. Aber Gifune verleiht der Geschichte dennoch einen ganz eigenen Touch, der im Gedächtnis des Lesers haften bleibt und ihn nicht unbefriedigt zurücklässt. Gifunes ruhigere Geschichten sprechen mich persönlich aber eindeutig mehr an, nur mal so nebenbei. 😉

Beide Novellen unterstreichen wieder einmal das Können von Greg F. Gifune und fügen sich in das Schaffenswerk des Autors nahtlos ein. Atmosphärischer und melancholischer kann man Mystery-Horror-Thriller nicht schreiben. Greg F. Gifune muss man einfach lesen. Es „menschelt“ in seinen Geschichten so sehr, dass man süchtig danach wird.

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Fazit: Zwei atmosphärische und melancholische Novellen von einem Meister seines Fachs.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ein notwendiges Übel von Abir Mukherjee

Ein notwendiges Uebel von Abir Mukherjee

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 494 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43920-7
Kategorie: Krimi, historischer Roman

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Ein Jahr nach seiner Ankunft in Britisch-Indien und seinem ersten Fall wird der Sam Wyndham erneut mit einer Mission betraut: Der Thronfolger von Sambalpur ist ermordet worden und die Regierung hat großes Interesse an der Ergreifung des Täters. Sam und sein indischer Freund und Sergeant Surrender-not reisen ins Reich des ermordeten Maharadschas und decken mühsam die Hintergründe des Mordes im undurchschaubaren Machtgefüge von Sambalpur auf …

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Sam Wyndham kehrt zurück. Und, man möchte es kaum glauben, sogar noch besser als im ersten Teil „Ein angesehener Mann“ der Reihe.  Erneut entführt Mukherjee seine Leser in ein fremdes Land und beeindruckt durch seine hervorragenden Kenntnisse, was die Eigenheiten dieses Landes und jener Zeit betrifft. Der zweite Teil der Sam Wyndham-Reihe macht, genauso wie der erste, schlichtweg süchtig und man muss sich zwingen, das Buch aus der Hand zu legen. Zu den wirklich beindruckenden Hintergrundinformationen gesellt sich ein flüssiger, hochwertiger und äußerst angenehmer Schreibstil, der sein übriges dazu tut, dass an immer weiterlesen möchte Mukherjee besitzt außerdem einen ungewöhnlichen Humor, der einem immer wieder zum Schmunzeln bringt. „Ein notwendiges Übel“ ist Historienroman, Krimi und Thriller in einem. An manchen Stellen schimmert sogar ein ganz klein wenig eine zarte Liebesgeschichte hervor.

Und auch hier zeigt sich der Ermittler Sam Wyndham von seiner herrlich erfrischenden Seite, in dem er nämlich absolut nicht dem gängigen Klischee eines Ermittlers entspricht, sondern Schwächen zeigt. Auch die Ausflüge in „seine“ Opiumwelt finden hier im zweiten Teil genauso Beachtung wie schon im ersten. Doch trotz der unkonventionellen Beschreibung der beiden Ermittler liest sich Abir Mukherjees zweites Buch an vielen Stellen wie ein klassischer Krimi im Stil von Agatha Christie. Der verzwickte Plot lässt einen miträtseln und selbst Überlegungen anstellen. Mukherjee hat die Handlung sehr geschickt aufgebaut und lenkt den Leser immer wieder in eine andere Richtung, so dass in keiner (Lese-) Minute Langeweile aufkommt. Man wird von der Handlung wirklich mitgerissen, so rasant geht sie voran.
Vor allem auch aus handwerklicher Sicht lässt Abir Mukherjee keine Wünsche offen. Er beschreibt souverän die Geschehnisse und macht dies auch so bildhaft, dass man meint, unmittelbar dabei zu sein.

Auch als Laie sind die politischen Rangeleien und Verstrickungen einigermaßen gut erklärt, dass man ihnen zumindest folgen kann. Und selbst wenn man als Leser an solchen Intrigen nicht interessiert ist, richtet Mukherjee sein Augenmerk dazwischen immer wieder auf andere Dinge, so dass man niemals genervt das Buch zur Seite legt. Das liegt aber auch an der nahezu perfekten Ausdrucksweise des Autors, der einen sämtliche Dinge, die langatmig sein könnten, vergessen lässt. Die historischen und/oder politischen Aspekte sind jedoch gegenüber der Krimihandlung sehr ausgewogen gehalten und wirken dadurch weder konstruiert noch explizit ausufernd. Genau genommen ist es genau die richtige Mischung, die Mukherjee hier anwendet: Auf der einen Seite unterhält er den Leser, der „nur“ unterhalten werden will, auf der anderen Seite informiert auch diejenigen Leser, die neben der Unterhaltung auch ein Stück Geschichte miterleben wollen. Auch hier möchte ich gern das Wort „perfekt“ verwenden.
Als Fan bleibt mir nur zu hoffen, dass Abir Mukherjee mit seiner Sam Wyndham-Reihe weitermacht – oder zumindest seine schriftstellerische Tätigkeit nicht einstellt. 😉

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Fazit: Fast besser als der Vorgänger. Witzig, spannend, informativ und äußerst stimmungsvoll.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die sieben Kreise der Hölle von Uwe Wilhelm

Die sieben Kreise der Hoelle von Uwe Wilhelm

Erschienen als Taschenbuch
bei Blanvalet
insgesamt 4746Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0345-2
Kategorie: Krimi, Thriller

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Die Staatsanwältin Helena Faber hat ihren letzten Fall noch nicht wirtklich abgeschlossen, als sie ein neuer Albtraum erwartet: Ihre beiden Töchter wurden entführt. Es scheint, als bestehe eine Verbindung zum Dionysos-Fall, in dem Faber ermittelte. Eine Jagd beginnt, die Helena in eine schreckliche Welt führt, in der Menschenhandel und Kindesmissbrauch an der Tagesordnung ist. Und der Gedanke, dass sich Helenas Kinder in der Gewalt genau dieser Menschen befindet, treibt sie zum Wahnsinn …

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Was für ein Buch! Ähnlich wie im ersten Teil „Die sieben Farben des Blutes“ geht Uwe Wilhelm auch bei der Fortsetzung  seiner Trilogie um die Staatsanwältin Helena Faber von Anfang an in die vollen. Teil 2 beginnt, wo Teil 1 endet und man erliegt dem unglaublichen Sog von Wilhelms spannendem Schreibstil erneut nach nur wenigen Sätzen. Da wird keine Zeit mit Erklärungen und Rückblenden verschwendet – der Leser wird sofort ins kalte Wasser geworfen. Ähnlich wie die Protagonisten, die nämlich selbst nicht weiß, wo ihr der Kopf steht bei all den Geschehnissen, die um sie herum passieren. „Die sieben Kreise der Hölle“ übertrifft selbst den ersten Teil der Reihe, und der hat mich schon mehr als fasziniert und begeistert. Uwe Wilhelm schreibt seinen Plot konsequent fort, verwandelt die taffe Helena Faber in eine hilflose und verzweifelte Mutter, die aber dennoch mit aller Macht versucht, alles in den Griff zu bekommen. Rasant und atemberaubend zieht die Handlung an einem vorüber und man vergisst teilweise, dass man ein Buch in der Hand hält, denn Wilhelms Schilderungen sind dermaßen filmreif, dass sich die Buchstaben in bewegte Bilder verwandeln.

Thematisch begibt sich Uwe Wilhelm dieses Mal wortwörtlich in eine Hölle, die den Leser umso mehr erschreckt, weil sie mit viel Hintergrundwissen sehr detailliert und nachvollziehbar geschildert wird. Kindesentführung, -misshandlung und Menschenhandel werden hier behandelt, dass es einem eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken jagt. Verbunden mit dem unglaublich schnellen Erzählstil kommt man kaum zum Atemholen, so spannend wird der Plot serviert. Uwe Wilhelm hat einen Thriller geschaffen, der nachwirkt und den Leser beschäftigt. Wilhelm bedient mit seiner Thriller-Reihe zwar das Mainstream-Publikum, bewegt sich aber mit seinen Werken definitiv außerhalb der gängigen Klischees im Thriller-Genre. Er packt Tabuthemen an. Aber nicht nur das, er schildert sie auch wirklich schonungslos und brutal, überschreitet manchmal sogar Grenzen und kann dadurch absolut überzeugen. Ich kann gar nicht mehr aufzählen, wie oft ich mir während des Lesens gedacht habe: „Wow, was für ein Hammerbuch!“
Wer Berlin kennt, wird zusätzlich noch seine wahre Freude haben, wenn die Protagonisten durch Stadtteile hetzen, die man durch die detaillierten Beschreibungen (Straßennamen) ganz klar vor Augen hat. „Die sieben Kreise der Hölle“ macht unglaublich Spaß, was, wie schon beim ersten Teil, auch an den wunderbaren und authentischen Dialogen liegt. Wilhelm legt seinen Protagonisten nämlich Worte in den Mund, die die meisten von uns ebenfalls genau so sagen würden.

Der zweite Teil der Helena Faber-Trilogie baut auf dem ersten Teil auf, so dass man wirklich mit Teil 1 beginnen sollte. Interessant ist dadurch nämlich auch die Entwicklung der Charaktere. Viele Entwicklungen im Plot sind nicht vorhersehbar und machen das Buch extrem spannend. Beim Ende fühlte ich mich an eine gewisse Filmreihe erinnert, empfand dies aber, sofern ich mit meiner Vermutung richtig liege, eher als eine Verbeugung seitens des Autors. Insgesamt führt „Die sieben Kreise der Hölle“ konsequent den Geist von „Die sieben Farben des Blutes“ weiter, verbindet die beiden (im Grunde genommen eigenständingen) Geschichten zu einem einzigen Plot, der, gesamt gesehen, absolute Logik zeigt. Das Ende ist, wie ich es nicht anders erwartet habe, eine grandioser Cliffhanger, der den Leser wie einen begossenen Pudel zurücklässt. Einerseits hat die Geschichte zwar ein Ende gefunden, andererseits lassen die Entwicklungen der ersten beiden Teile auf ein bombastisches Finale hoffen. Ich bin überzeugt, dass Uwe Wilhelm meine Hoffnungen erfüllen wird, denn schon mit dem vorliegenden zweiten Teil hat er eindeutig bewiesen, dass eine Steigerung gegenüber dem ersten Teil machbar war. Für mich zeigt „Die sieben Kreise der Hölle“, dass Thriller auch mal abseits des Mainstreams möglich sind und sogar bei weitem besser unterhalten als Werke, die nach einem bestimmten Schema verfasst werden. Wilhelm hat eine Protagonistin erschaffen, die manchmal sympathisch und manchmal weniger sympathisch wirkt. Glaubwürdiger kann man eine Heldin nicht machen. Daumen hoch für diesen Wahnsinns-Thriller.

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Fazit: Noch spannender als Teil 1. Temporeicher geht fast nicht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Einkreisung von Caleb Carr

Die Einkreisung von Caleb Carr

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 734 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-50398-4
Kategorie: Thriller, Krimi

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Im New York des Jahres 1896 ermitteln Polizeichef Theodore Roosevelt und der Wissenschaftler Dr. Kreisler zusammen mit dem Zeitungsreporter John Moore und der Polizeisekretärin Sara Howard in einem grauenvollen Mordfall. Es handelt sich dabei um eine Mordserie, die die Stadt erschüttert. Mittels eines detaillierten Psychogramms des Mörders gelingt es Dr. Kreisler, den Kreis der Verdächtigen Schritt für Schritt  einzuengen und dem Serienkiller immer näher zu kommen.

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Es dauert nicht lange und man ist mittendrin im Geschehen. Vor allem in der grandios geschilderten, damaligen Zeit, in der dieser extrem spannende Psychothriller spielt. Caleb Carr gelingt es mühelos, die Stimmung des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts einzufangen und man fühlt sich bereits nach wenigen Seiten heimisch im alten New York mit all seinen zwielichtigen Stadtteilen und unheimlichen Gassen. Es ist wirklich atemberaubend detailgetreu geschildert, wie die Ermittlungen vorangehen und mit welcher Hingabe sich die Protagonisten ihrer Aufgabe widmen. An manchen Stellen dachte ich, es handle sich bei „Die Einkreisung“ um einen Roman des hervorragenden Dan Simmons, der bei seinen letzten Büchern in ähnlicher Weise historische Tatsachen mit fiktiven Elementen vermischte („Terror“, „Drood“ oder „Der Berg“). Carr hat einen dermaßen flüssigen Schreibstil, dass man über seine teils langatmig ausufernden Beschreibungen mit einer Leichtigkeit hinweg liest und dabei noch unglaublichen Spaß hat.

Ich sah durchgehend die Ermittlungsarbeiten und die Ereignisse als Film vor meinem inneren Auge, was eindeutig für die bildhafte Schreibweise des Autors spricht. Und nun ist dieser großartige Roman auch als Serie verfilmt worden, da kann man nur gespannt sein, wie die Umsetzung gelang. „Die Einkreisung“, im Original „The Alienist“, ist ein unglaublich stimmungsvoller Roman, der von den Beschreibungen der alten Zeit lebt und den damit verbundenen, erschwerten Ermittlungsarbeiten. Die Vorgehensweise der Detektive und die psychologischen Überlegungen des Wissenschaftlers machen unglaublich Spaß und sind in jedem Satz absolut nachvollziehbar. Es mag sein, dass sich der Plot gegen Ende hin tatsächlich etwas in die Länge zieht, wie von vielen Lesern kritisiert, aber gerade das „Sich Zeit lassen“ im Finale rundet für mich die komplette Geschichte ab und bringt keinen abrupten Cut, wie das leider bei vielen Büchern dieser Art der Fall ist. Caleb Carr beschreibt in seinem Roman die Ursprünge des Profilings, wie wir es heute kennen. Die Sisyphusarbeit, mit der man sich zur damaligen Zeit an die Auflösung eines solch spektakulären Falls machte, ist sehr authentisch beschrieben.

Caleb Carrs Psychogramm eines Mörders und die damit verbundenen Ermittlungsarbeiten ist für mich ein absolutes Genre-Highlight, das ich nicht so schnell vergessen werde. Gerade die ausführlichen Beschreibungen, die vielen als Längen vorkommen, machen die Atmosphäre des Romans aus. Es ist ein Fall zum Mitdenken, der den Leser hier erwartet. Einige Szenen können durchaus als brutal und blutig bezeichnet werden, aber das Hauptaugenmerk richtet Caleb Carr definitiv auf die psychologische Seite eines solchen Täters. Das Buch ist durchgehend enorm stimmungsvoll, was zur Folge hat, dass man sich auf jeder Seite absolut ins Jahr 1896 zurückversetzt fühlt. Die Protagonisten erinnerten mich an manchen Stellen ein wenig an Arthur Conan Doyles Helden Holmes und Watson,  so dass auch hier eine gewisse Nostalgiekomponente erreicht wird, die sich durch den ganzen Roman zieht. Carr erweckt auf hohem literarischen Niveau eine vergangene Epoche wieder zum Leben und lässt den Leser an einem faszinierenden Kriminalfall in atmosphärischer Kulisse teilhaben. „Die Einkreisung“ ist ein ruhiges Buch, das weitestgehend auf temporeiche Action verzichtet und sich mehr auf die Protagonisten und deren Ermittlungsarbeiten konzentriert. Gerade diese Ruhe macht Caleb Carrs Roman für mich zu einem beeindruckenden, bildgewaltigen Ausnahmebuch unter den unzähligen Thriller, die blutrünstige Morde in den Vordergrund stellen. Obwohl „Die Einkreisung“ erst aus dem Jahr 1994 stammt, erscheint das Buch einem wie der Inbegriff des Serienkiller-Romans, was wahrscheinlich an der außergewöhnlich guten Schilderung der alten Zeit liegt, die dem Leser vorspiegelt, es würde sich auch um einen entsprechend „alten“ Roman handeln.
„Die Einkreisung“ sollte man unbedingt gelesen haben. Ich bin schon sehr auf die Serienumsetzung gespannt.

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Fazit:  Ruhiger, atmosphärisch dichter Thriller um einen Serienkiller, der in einer beeindruckend geschilderten Vergangenheit spielt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Midnight, Texas – Geisterstunde von Charlaine Harris

Midnight Texas – Geisterstunde von Charlaine Harris

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31915-8
Kategorie: Thriller, Horror

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Der Hellseher Manfred hat in Dallas einen Auftrag bekommen. Dabei trifft er auf die schöne Olivia, die ebenfalls aus seiner neuen Heimatstadt Midnight stammt. Kurze Zeit später wird ein Ehepaar tot aufgefunden, mit dem sich Olivia noch wenige Augenblick vorher amüsierte. Und dann kommt auch noch Manfreds Kundin zu Tode. Als die Polizei Manfred immer mehr unangenehme Fragen stellt und die Presse ihn in Midnight aufsucht, zweifelt der Hellseher an seiner Entscheidung, nach Midnight gezogen zu sein. Und dann taucht auch noch ein Junge in der Stadt auf, der zehnmal so schnell altert, wie es normale Menschen tun. Manfred ist mehr denn je sicher, dass in Midnight irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

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Der zweite Teil von Charlaine Harris‘ neuer Romanreihe schließt nahtlos an den ersten Teil an. Es dauert nicht lange und man fühlt sich wieder „daheim“ und wohl in der Gesellschaft all jener Menschen und „Gestalten““, die sich in Midnight aufhalten. Harris‘ verlegt den Handlungsstrang erst einmal nach Dallas und verlässt Midnight. Aber der Roman ist dennoch eine Rückkehr in diese geheimnisvolle und verrückte Welt, die immer noch an manchen Stellen ein wenig an die „True Blood“-Reihe erinnert.  Irgendwie kam es mir dieses Mal aber vor, als lege die Autorin mehr Wert auf Thriller- und Krimi-Elemente, was aber nicht weiter stört. Im zweiten Teil erfährt der Leser nun etwas mehr über die geheimnisvolle Olivia, was den Plot an sich erfrischt. Dennoch geraten die anderen Bewohner des mysteriösen Städtchens Midnight nicht in den Hintergrund, sondern sind permanent mit dabei. Harris baut neue Personen mit in die Handlung, nimmt Veränderungen (Neuerungen) am Stadtbild vor und lässt dadurch niemals Langeweile aufkommen. „Midnight, Texas – Geisterstunde“ liest sich ungemein flott und kurzweilig. Das liegt in erster Linie an dem sehr flüssigen Schreibstil, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt, zum anderen aber auch an der sympathischen Beschreibung der Protagonisten und deren Handlungen.

Die Fortführung des Plots ist Harris auf jeden Fall gelungen und sie konnte mich mit den Entwicklungen in Midnight überzeugen. Hin und wieder haben sich ein paar Mängel eingeschlichen, was die Konstruktion der Geschichte betrifft, denn manche Dinge wirkten auf mich etwas an den Haaren herbeigezogen und schlichtweg zu einfach gelöst. Aber das mag nur für mich zutreffen und wird den ein oder anderen bestimmt nicht stören (oder gar auffallen 😉 ).
„Midnight, Texas – Geisterstunde“ erscheint mir wie eine wilde Mischung aus Thriller und Krimi mit Mystery- und Horrorelementen. Charlaine Harris bleibt sich somit ihrem Stil treu, in dem sie sämtliche Konventionen einfach über den Haufen wirft und schreibt, was sie sich denkt. Das macht diese Serie genauso erfrischend und abgedreht, wie es bereits „True Blood“ getan hat. Fans werden also wieder Freude an diesem Roman haben. Ich hatte während des Lesens permanent im Hinterkopf, dass die Bücher verfilmt wurden, so dass ich tatsächlich bewegte Bilder vor meinem inneren Auge hatte. Dabei handelte es sich aber nicht um das sogenannte Kopfkino, das ich bei jedem Buch habe, sondern ich sah eine Verfilmung vor mir. Ich denke auch, dass die Filme sogar mehr Wirkung zeigen, als es die Bücher schaffen, denn die Handlung von „Midnight, Texas“ ist optimal für den Bildschirm geeignet.

Aber auch im zweiten Teil der Reihe hatte ich Schwierigkeiten, mir die Protagonisten als junge Leute vorzustellen. Ich sah unentwegt Frauen und Männer in mittlerem Alter vor mir. Das liegt mit Sicherheit daran, dass ihnen bestimmte Verhaltensweisen zugeschrieben werden, die in meinen Augen nicht auf junge Leute zutreffen. Ich kann es nicht näher erklären, aber ich sehe die Protagonisten durch die Bank in einem anderen (höheren) Alter. Gegen Ende hin entwickelt sich der Roman dann wieder in die Richtung, die man erwartet hat: Fremdartige, mystische Wesen, die sich in unseren Alltag einschleichen. Die Entwicklung erinnerte mich dann schon wieder viel mehr an „True Blood“ und hat mir sehr gut gefallen. Auch das kann ich mir als Serie absolut gut vorstellen.
„Midnight, Texas“ ist trotz vieler Parallelen zu „True Blood“ dennoch irgendwie anders. Besonders gefallen hat mir noch, dass Harris Anspielungen auf ihre anderen Buchreihen („True Blood“ wurde schon genannt, aber auch die Buchreihe um Lily Bard) eingebaut hat. Das lässt Erinnerungen wach werden und trägt vielleicht sogar dazu bei, „Midnight, Texas“ besser zu machen, als es eigentlich ist. Denn eines ist für mich (leider) gewiss: „Midnight, Texas“ wirkt an manchen Stellen ein wenig uninspiriert und unausgegoren. Ich will damit nicht sagen, dass mir die neue Serie nicht gefällt, ganz und gar nicht, aber „True Blood“ war definitiv stimmungsvoller und vor allem innovativer, was den abgedrehten Genremix betrifft. Auf alle Fälle schafft es die Autorin, mich auf den dritten Teil mit dem Titel „Nachtschicht“ neugierig zu machen. 🙂
Und auf die Verfilmung bin ich ebenfalls sehr, sehr gespannt.

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Fazit: Gelungener zweiter Teil der Mystery-Horror-Serie, der anfangs eher in Richtung Krimi geht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Formel von Dan Wells

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
524 Seiten
16,00 €
ISBN: 978-3-492-70469-4
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Lyle Fontanelle entwickelt eine neue Hautcreme, ohne zu ahnen, dass er damit den Weltuntergang heraufbeschwört. Denn ein Zusatz der Lotion überschreibt die DNA der Testpersonen und verwandelt sie dadurch in Klone von Menschen, die die Lotion mittels einer Berührung „verunreinigt“ haben. Obwohl Lyle zu verhindern versucht, dass der Kosmetikartikel auf den Markt kommt, ist das Unheil nicht mehr abzuwenden. Schon bald sind die weltweit verheerenden Konsequenzen nicht mehr zu übersehen, als sich die DNA von immer mehr Verbrauchern verändert …

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Extrem rasant entwirft Dan Wells in seinem Wissenschaftsthriller „Die Formel“ eine Zukunft, wie sie gar nicht mal so abwegig ist. Der Schönheitswahn hat  irgendwann seinen Preis, so könnte die Grundaussage des Romans sein, der sich ab der zweiten Hälfte zu einer erschreckenden Dystopie wandelt, die zum Großteil nachvollziehbar und auch glaubwürdig wirkt, sofern man sich auf die Ausgangssituation einlassen kann. Die erste Hälfte des Buches würde ich persönlich fast als das beste Werk des Autors bezeichnen, der uns mit Serienkiller John Cleaver, den „Partials“ und seiner Mirador-Saga immer bestens unterhalten hat. Doch leider fällt der Plot, und auch teilweise irgendwie der Schreibstil, in der zweiten Hälfte ab, so dass sich „Die Formel“ im gehobenen Durchschnitt des Schriftstellers bewegt. Dan Wells‘ Romane sind Pageturner, keine Frage. Aber meistens fehlt irgendwie immer das gewisse Etwas, um ohne Wenn und Aber zu begeistern. Immer wieder finden sich „Durchhänger“, die mich dann von dem Gesamtwerk nicht ganz zu überzeugen vermögen.

„Die Formel“ ist ein astreiner Wissenschaftsthriller, der auch von Michael Crichton stammen könnte. Wells hat hervorragend recherchiert und schildert das Szenario, vom Anfang bis zum erschreckenden Ende, authentisch und überzeugend. Die Entwicklung, die die Entdeckung einer neuen neuen Lotion für die Haut nimmt, ist folgenschwer und fesselt absolut. Dan Wells hat sämtliche Möglichkeiten, die durch solch eine Formel entstehen könnten, durchdacht und auch durchgespielt. Das macht schon ungemein Spaß, wenn man durch den flüssigen Schreibstil unmittelbar dabei ist, wie die Erde „vor die Hunde“ geht. An manchen Stellen in der zweiten Hälfte fühlte ich mich an Filme wie „District 9“ oder „Darkman“ erinnert. Auch hier kämpft ein zum Außenseiter gewordener Mann gegen die Öffentlichkeit und die verantwortlichen Politiker. Im Nachwort erwähnt Dan Wells, dass er die Arbeit an „Die Formel“ immer wieder unterbrochen hat, um zum Beispiel an einem neuen John Cleaver-Abenteuer oder seiner Partials- oder Mirador-Reihe weiterzuschreiben. Der oberflächliche Leser wird kaum einen Unterschied zwischen den Kapiteln entdecken, der Aufmerksame dagegen schon. Es gibt zum Beispiel ein einziges Kapitel, das wirkt, als hätte es jemand anderes geschrieben. Da passt Ausdrucksweise und Sprache absolut nicht zum gewohnten Schreibstil von Dan Wells.

Insgesamt gesehen bietet „Die Formel“ aber sehr spannende Unterhaltung, die mit interessanten, wissenschaftlichen Wahrheiten vermischt ist. Dan Wells erzählt eine großartige, definitiv filmreife Geschichte, die sozusagen aus einer wissenschaftlichen Kleinigkeit eine allumfassende Apokalypse kreiiert. Keine Außerirdischen oder  Krankheiten sind es, die die Menschheit dahinrafft, sondern eine „einfache“ Körperlotion, die von den Menschen selbst erschaffen wurde. Wells übt mit seinem Buch Kritik an den Menschen (und auch an der Wissenschaft), macht sich über den Gesundheits- und Verjüngungswahn im Grunde genommen lustig und entwirft daraus eine Dystopie, dass einem das Lachen im Munde steckenbleibt. Seine Charaktere haben zwar Tiefgang und geben so manch Philosophisches von sich, lassen dem Leser aber noch Spielraum für die eigene Fantasie. Wells‘ Weltuntergangsroman ist unbedingt lesenswert. Er spielt darin mit einigen faszinierenden Ideen, wie zum Beispiel auch der unersättlichen Gier (nach Macht und Profit) von Unternehmen und der menschlichen Besessenheit, gut auszusehen und unsterblich zu sein. Was macht einen Menschen aus? Wie einzigartig ist dessen Identität?
Ich mochte die erste Hälfte eindeutig mehr, weil sie mich, wie schon erwähnt, ein wenig an Michael Crichton erinnerte, wohingegen die zweite Hälfte oftmals sarkastisch wirkte, was mich nicht so anspricht. Eine Apokalypse ist für mich immer noch dramatisch und schrecklich und nicht unbedingt humorvoll. Hätte Wells das Ende düsterer gestaltet, wäre „Die Formel“ für mich eines seiner besten Bücher, so vergebe ich „nur“ vier von fünf Sternen.

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Fazit: Anfangs sehr spannende, später sarkastisch angehauchte Dystopie.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Forderung von John Grisham

Forderung von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27034-3
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Um ihr Studium zu finanzieren, haben Zola, Todd und Mark einen Kredit aufgenommen. Doch gegen Ende ihres Studiums, kurz vor Abschluss, wird ihnen klar, dass sie die horrenden Kreditsummen niemals zurückzahlen können, denn die Arbeitssituation stellt sich völlig anders dar, als ihnen seinerzeit versprochen wurde. Sie suchen nach einem Ausweg … und finden einen. Dieser ist aber weitaus gefährlicher, als sie ahnten.

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Und schon wieder hat Grisham zugeschlagen. Es ist noch nicht lange her, dass wir in Deutschland seinen Thriller „Das Original“ zu lesen bekommen hatten, und schon folgt „Forderung“. Im ersten Moment fühlt man sich versucht, zu denken, Grisham schleudere seine Bücher mittlerweile im Halbjahrestakt auf den Markt, so dass die Handlung beziehunsgweise der Schreibstil darunter leide. Ich für meinen Geschmack fühle mich nach wie vor von Grisham absolut gut unterhalten und finde immer noch den „alten“ Schriftsteller, den man von seinen Erstlingswerken „Die Firma“ oder „Die Akte“ kennt. Grisham hat sich, wie viele seiner Schriftstellerkollegen schlichtweg weiter entwickelt und versucht, sich in seinen Romanen immer wieder ein wenig neu zu definieren. Dies gelingt ihm auch mit „Forderung“ wieder absolut. Ähnlich wie seine beiden letzten Vorgänger „Bestechung“ und „Das Original“ entwickelt Grisham eine interessante Grundidee, die er dann im Verlauf des weiteren Buches ausbaut und konsequent durchdacht zu Ende führt. Mit Sicherheit mangelt es dem ein oder anderen Leser an Innovationen, was nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Grisham geht wirklich mit seinen Büchern einen einfachen Weg, der letztendlich (trotz einer schriftstellerischen Entwicklung) dennoch immer nach einem bestimmten Schema abläuft. Doch ich finde das überhaupt nicht schlimm, denn Pageturner werden es trotzdem alle seine Romane. Auch bei „Forderung“ konnte ich mich nicht mehr von der Handlung losreißen, wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, und habe teilweise gar nicht bemerkt, wie die Seiten nur so dahinfolgen. Was will man von einem guten Buch mehr erwarten?

John Grisham schreibt gewohnt flüssig, so dass man über ein paar Ungereimtheiten und/oder teils leicht unglaubwürdige Geschehnisse hinwegsieht, weil man einfach gar keine Zeit hat, großartig darüber nachzudenken. 😉
„Forderung“ reiht sich aus meiner Sicht in die süchtig machenden Werke des Autors nahtlos ein und stellt ein sehr unterhaltsames Lesevergnügen dar. Grisham erfindet das Rad des Justiz-Thrillers nicht neu, aber das kann man wahrscheinlich aufgrund der Vielzahl an Veröffentlichungen in diesem Genre gar nicht mehr. Geschickt verwebt er aber Insider-Informationen und erfundene Teile zu einem insgesamt und im Großen und Ganzen glaubwürdigen Szenario, das Hand und Fuß hat. Der aufmerksame Leser wird aber letztendlich immer irgendetwas finden, bei dem er was zu meckern hat, das kann kein Schriftsteller verhindern. Erstaunlich ist wieder einmal, dass, obwohl nicht sonderlich viel passiert, der Plot dermaßen rasant an einem vorbeizieht, dass man sich am Ende fragt, wo die über 400 Seiten geblieben sind.

Grisham lässt bei seinen Charakterzeichnungen viel Spielraum für den Leser, soll heißen, die Personen wirken bei genauerem Hinsehen etwas blass und/oder leblos. Trotzdem hatte ich während des Lesens ein Bild vor Augen und konnte die Personen auch ohne weiteres auseinanderhalten. Wie oben schon erwähnt, lässt man sich auf den rasanten Plot und den hohen Unterhaltungswert dieses Romans ein, darf (zumindest aus meiner Sicht) die Personenbeschreibung ohne weiteres in den Hintergrund geraten, denn ein wenig Vorstellungsvermögen dürften die Leser schon haben, um nicht jede Gesichtsfalte oder Charaktereigenschaft der Protagonisten beschrieben zu bekommen. Mich hat dieses Manko nicht gestört, zumal mir die Personen näher kamen als bei manch einem Werk, wo explizit die detaillierte Vorgeschichte der Person erläutert wurde. Grisham füllt seine Charaktere durch den schnellen Handlungsablauf unweigerlich mit Leben und das reicht mir im Thriller-Genre alleweil, zumal wir es hier auch nicht mit einer psychologisch tiefergehenden Handlung zu tun haben.
Von mir daher eine ganz klare Leseempfehlung für Freunde von rasanten Thrillern mit juristischem Hintergrund.

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Fazit: Rasanter Thriller im Justizumfeld mit Pageturner-Garantie.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Opfermoor von Susanne Jansson

Opfermoor von Susanne Jansson

Erschienen als Taschenbuch
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-570-10336-4
Kategorie: Thriller, Krimi

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Natalie ist Biologin und kehr in ihren Heimatort zurück, um dort für ein neues Projekt Bodenproben zu sammeln. Sie lernt den sympathischen Johannes kennen und beginnt, sich in ihn zu verlieben. Doch dann wird Johannes brutal zusammengeschlagen. Wenig später findet man eine Leiche im Moor. Schon bald stellen die Ermittler fest, dass es nicht die einzige Leiche ist, die im Moor versenkt wurde. Natalie entdeckt Zusammenhänge zwischen der Gegenwart und ihrer eigenen Vergangenheit, die sie bis jetzt immer erfolgreich verdrängt hat. Besteht da etwa ein Zusammenhang zwischen ihrer Jugend und den aktuellen Leichenfunden?

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Schon zu Beginn spürt man, dass man es bei „Opfermoor“ mit einem sehr stimmungsvollen Roman zu tun hat. Janssons Thrillerdebüt zeichnet sich durch eine sehr dichte Atmosphäre aus, der man sich nicht entziehen kann. Und auch wenn die Charaktere sehr gut gezeichnet sind, übernimmt im Kopf des Lesers irgendwie das Moor die eigentliche Hauptrolle in diesem sehr ruhigen, aber nicht minder spannenden Krimi.  „Opfermoor“ erfindet das Krimi- und/oder Thrillergenre keineswegs neu und die Autorin arbeitet mit altbekannten Zutaten. Dennoch hebt sich dieser Roman von anderen Werken des Genres ab, weil er nämlich eine wunderbare, mystische und faszinierende Stimmung verbreitet, die im Gedächtnis haften bleibt. Die Landschaft, in der sich die Handlung abspielt, wird nicht einmal bis ins kleinste Detail beschrieben, aber dennoch meint man, mittendrin zu sein und die Umgebung persönlich zu kennen.

Interessant ist, dass im Grunde genommen nicht wirklich viel passiert, der Leser aber immer weiter lesen möchte (und dies in den meisten Fällen wohl auch tut). Zum einen liegt es definitiv an der hypnotisierenden und düsteren Atmosphäre, die durchgehend herrscht, aber auch an den kurzen Kapiteln, die einen immer wieder zum Weiterlesen animieren. Janssons Thriller ist ein Pageturner, allerdings nicht von der Sorte „actionlastiger Blockbuster“, sondern er fällt eher in die Kategorie „Philosophisch-poetischer Mystery-Thriller“. Susanne Jansson verbaut neben der Krimihandlung auch eine zarte Liebesgeschichte und einen verhaltenen Mystery-Touch, der den Plot perfekt abrundet. Man fühlt sich manchmal tatsächlich an alte Gruselfilme aus der schwarz-weißen Fernsehzeit erinnert, die eine ähnliche Atmosphäre verströmten. Gerade die unaufdringliche Liebesgeschichte, die eigentlich eine Nebensache ist, war es, die mich in gleichem Maße in den Bann gezogen hat, wie die Tragödie der Moorleichen. Janssons Charaktere wirken manchmal glaubhaft verschroben, wie sie da in der Einsamkeit am Rande eines mysteriösen Moors leben und verleihen der Handlung dadurch eine hohe Authentizität. Bisweilen fühlte man sich an die ruhigen Romane von Henning Mankell erinnert, wobei Susanne Jansson einen absolut eigenen Stil vorweisen kann.

Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Intensität die Autorin das Moor und den Schauplatz beschreibt. Man spürt die feuchte Luft, sieht den Nebel vor sich und vermeint an manchen Stellen sogar, die Geräusche der Natur zu hören. Desweiteren wird auch bei den Gesprächen eine nahezu poetische Atmosphäre versprüht, die ein wenig an den fantastischen Roman „Schnee, der auf Zedern fällt“ von David Guterson erinnert. Das Cover des Romans gibt genau diese wundervolle Stimmung perfekt wieder, so dass man wirklich genau das bekommt, was man durch die Abbildung erwartet. „Opfermoor“ ist ein wirklich tolles Debüt, das gerade in seiner unspektakulären Schlichtheit auf ganzer Linie überzeugen kann. Bei der Auflösung, die nebenbei bemerkt, überraschend war, hätte ich mir allerdings eine ausführlichere Art und Weise gewünscht. Das ging mir dann irgendwie doch zu schnell, tat aber dem Gesamteindruck dann glücklicherweise keinen Abbruch. Ich bin schon sehr gespannt, was uns von Susanne Jansson in Zukunft noch erwartet. Wünschenswert wäre, wenn sie sich weiterhin an die Ruhe und Stille, die sie in ihrem vorliegenden Erstlingswerk versprüht, halten würde. Denn durch diesen zurückhaltenden Stil würde sie sich eindeutig aus der Vielzahl an Krimis und Thrillern hervorheben.

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Fazit: Wunderbar ruhiges, atmosphärisches und manchmal sogar poetisches Thrillerdebüt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Höllenjazz in New Orleans von Ray Celestin

Höllenjazz

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
510 Seiten
16,00 €
ISBN: 978-3-492-06086-8
Kategorie: Thriller, Krimi

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Im New Orleans des Jahres 1919 geht ein mysteriöser »Axeman-Mörder« um und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Detective Michael Talbot wird auf den Fall angesetzt, ohne zu wissen, dass sich der ehemalige Polizist Luca D’Andrea und auch Ida, Sekretärin einer Detektei, auf die Suche nach dem Täter begeben. Ida hat sogar ihren besten Freund, den Musiker  Louis Armstrong, an ihrer Seite. Alle drei Ermittler stoßen auf unterschiedliche Spuren, die sie auf die Identität des Killers führen könnten.

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Was für ein tolles Debüt! Ray Celestin hat einen unglaublich flüssigen Schreibstil und ein sehr gutes Gefühl für Spannung. Schon nach den ersten Seiten stellt sich zweifelsohne heraus, dass es sich bei seinem Debüt „Höllenjazz in New Orleans“ um einen Pageturner handelt, den man nicht so schnell aus der Hand legen mag. Die Vermischung aus absolut gut recherchierten Tatsachen und fiktiven Handlungssträngen ist Celestin perfekt gelungen, so dass man schon bald nicht mehr zwischen Realität und Erfundenem zu unterscheiden vermag. Der Plot und die Figuren sind sehr realistisch und vor allem glaubwürdig geschildert, so dass es eine wahre Freude ist, sie bei ihren Ermittlungen und Abenteuern zu begleiten. Ein besonderes „Schmankerl“ ist die Mitwirkung der Musikerlegende Louis Armstrong. Der Jazztrompeter, zu jener Zeit noch unbekannt, ist unfreiwilligerweise bei den Ermittlungen  mit dabei.

„Höllenjazz in New Orleans“ ist kein reiner historischer Krimi, wie man sie kennt, sondern geht einen anderen Weg. Hier werden vorrangig fiktive Personen und Ereignisse mit historischen Begebenheiten vermischt und nicht umgekehrt, wo ein Plot rund um die geschichtlichen Tatsachen aufgebaut wird. Celestins Debütroman wirkte daher auf mich absolut erfrischend und unverbraucht und ich hatte großen Spaß, den Protagonisten zu folgen. Ein weiterer toller Schachzug ist die Einführung von drei (!!!) Ermittlern, die alle selbständig und auf verschiedene Weise an die Untersuchung der Morde herangehen. Ray Celestin hat sich bemüht, sämtliche Spekulationen, die es über den tatsächlichen Axemann-Mörder gibt, in seinem Roman aufzuarbeiten und zumindest anzuschneiden. Das hat mir sehr gut gefallen und, obwohl die Morde in der Realität nicht aufgeklärt werden konnten, liefert Celestin augenscheinlich eine Erklärung – oder och nicht? Gerade dieses „Herauswinden“ hat mich überzeugt, denn auf gewisse Art und Weise lässt der Autor dann das Ende doch wieder irgendwie offen, wie es wohl auch im wirklichen Leben war.

Was mich ebenfalls in den Bann gezogen hat, waren die detaillierten Beschreibungen der damaligen Zeit. Man war wirklich mittendrin in dieser Epoche und konnte sich alles absolut plastisch vorstellen. Ray Celestin hat viele historische Ereignisse in seinem Roman vermischt, aber nie die Übersicht und den Fall des Axeman-Mörders aus den Augen verloren. Gerade diese Vielseitigkeit in der Beschreibung von Menschen und Orten macht „Höllenjazz in New Orleans“ zum einen zu einem echten Pageturner und zum anderen zu einem echten Leseereignis, das man nicht so schnell vergisst. Ich fühlte mich in dem „alten“ New Orleans so richtig wohl und heimelig und konnte es immer kaum erwarten, dorthin zurückzukehren. Die meisten Personen wuchsen mir so richtig ans Herz.
Erfreulicherweise hat Celestin das Finale dann in einer Art und Weise verfasst, die mir absolut gefallen hat. Oftmals ist es ja so, dass Thriller (oder auch Krimis) auf einen Showdown hinarbeiten, der Schema F entspricht und schon hundertmal dagewesen ist. Und auch wenn es sich hier ähnlich verhält und ein Showdown natürlich stattfindet, so hob er sich in meinen Augen von den standardisierten Thriller-Enden schlichtweg ab.
Und wie geschickt Ray Celestin dann auf seine im Frühjahr 2019 bei Piper erscheinende Fortsetzung „Todesblues in Chicago“ hingearbeitet hat, ist wirklich grandios. Ich freue mich sehr auf diesen zweiten Teil.

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Fazit: Ein Debüt, das überzeugt und begeistert.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten