Cari Mora von Thomas Harris

CARI

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt  335 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27238-5
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Im Haus eines ehemaligen Drogenbarons soll angeblich  Gold versteckt sein. Der Organhändler Hans Peter Schneider sinnt zusammen mit der Verbrecherorganisation Ten Bells einen Plan, um an den „Schatz“ zu kommen.
Eine wichtige Rolle scheint Cari Mora, die Haushälterin des Hauses zu sein. Doch sie lässt sich nicht so einfach hinters Licht führen, wie Schneider anfangs meint …

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Da muss der geneigte Fan über ein Jahrzehnt sehnsüchtig auf einen neuen Roman von Thomas Harris warten – und dann sowas. Aber der Reihe nach.
Harris legte natürlich seine eigene Meßlatte mit den Büchern um Hannibal Lecter sehr hoch. Dass dann vielleicht dieses Niveau bei einem Folgebuch nicht mehr erreicht werden könnte, ist durchaus legitim und auch kein Beinbruch. Lecter ist einfach Kult und durchgehend gut erzählt und geschrieben. Warum wirkt aber „Cari Mora“ dann derart schlecht gegenüber allen anderen Büchern, die Harris verfasst hat? Der Schreibstil ist es definitiv nicht, denn der bewegt sich auf demselben Niveau wie die Vorgängerbücher. Es liegt wohl eher am Plot und an den etwas lieblos gestalteten Charakteren, die mir keinen Zugang zu der Geschichte verschafften.

Selbst Harris‘ erster Roman „Schwarzer Sonntag“, der es ebenfalls nicht wirklich mit den Lecter-Geschichten aufnehmen konnte, überzeugte mich mehr als es „Cari Mora“ auch nur auf einer Seite schaffte. Ich konnte mich mit den Personen absolut nicht anfreunden, ihr Handeln war mir teilweise vollkommen egal, da ich keine Beziehung zu den Protagonisten aufbaute. Und das betraf sowohl die Hauptcharaktere als auch die Nebenpersonen – keine rief irgendeine Emotion in mir hervor. Weder Sympathie noch Antipathie, sie waren mir schlichtweg egal. Das hatte natürlich zur Folge, das ich mich durch den mehr Krimi-, denn Thrillerplot förmlich quälte. Zu diesem Übel gesellte sich dann auch noch absolut fehlende Spannung. Nicht nur, dass mir die Personen egal waren, mich interessierte auch nicht, ob die Guten oder Bösen ihr Ziel erreichten. Eigentlich schade, denn Potential hätte das Buch letztendlich schon gehabt, hätte sich Harris die Mühe gemacht und den Protagonisten mehr Leben eingehaucht. So plätschert aber ein belangloser Raub am Leser vorüber, der nicht im Gedächtnis haften bleibt.
Etwas deprimierend fand ich auch, dass der Rooman lediglich 280 Seiten andauert. Die angegebene Seitenzahl von 335 beinhaltet eine Leseprobe von „Das Schweigen der Lämmer“. Die meisten Leser, die sich „Cari Mora“ zulegen, dürften diesen Thriller in ihrem Bücherregal stehen haben. Und wer nicht, der lässt nach der Lektüre des vorliegenden Romans wahrscheinlich eh die Finger davon.

Es tut mir noch immer in der Seele weh, diesen Roman als nur mittelmäßig zu bezeichnen, weil ich Thomas Harris als Autor nach wie vor verehre. „Cari Mora“ hat es aber auf alle Fälle geschafft, dass ich nicht weitere zehn Jahre danach giere, ob vielleicht doch noch einmal ein Roman dieses einst grandiosen Schriftstellers erscheint. Thomas Harris‘ neuester Roman ist mir nämlich diesbezüglich leider genauso egal wie das Schicksal der Romanfiguren aus „Cari Mora“. Harris‘ langerwarteter Thriller erweist sich als belangloses, uninspiriertes und im Grunde genommen ödes Geplänkel, das weit von einem Pageturner oder gar Bestseller entfernt ist. Der Killer ist ein Witz gegen Hannibal Lecter, zumal sich der Hauptplot um etwas ganz anderes, nämlich die Jagd nach dem gold dreht, und der ach so grausame Mörder eine Nebenrolle spielt. Eine Verfilmung erscheint unausweichlich, da nach dem Erfolg von „Das Schweigen der Lämmer“ jeder Roman von Thomas Harris verfilmt wurde. Mal sehen, ob die Leinwandadaption genauso unspektakulär und innovationslos wird.
Für mich stellt „Cari Mora“ leider den Untergang von Thomas Harris dar. Vielleicht kann er mich eines Tages aber noch einmal eines besseren belehren. Wünschen würde ich es mir.

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Fazit:  Seelenloser Thriller, der leider in keiner Weise die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Wir haben schon immer im Schloss gelebt von Shirley Jackson

9783865527097

Erschienen als gebundene Ausgabe
im FESTA Verlag
256 Seiten
19,99 €
ISBN: 978-3-86552-709-7
Kategorie: Horror

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Merricat lebt mit ihrer Schwester Constance und dem kranken Onkel Julian  im Schloss der Familie Blackwood. Der Rest der Familien wurde vor Jahren vergiftet. Keiner spricht gerne über den Vorfall.
Und dann taucht eines Tages Charles auf, ein Cousin Merricats, der den Inhalt des Familiensafes für sich ixn Anspruch nehmen will. Merricat beginnt, alles in ihrer Macht Stehende tun, um das Schloss und ihre Bewohner vor ihm zu schützen …

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Ähnlich wie in ihrem 1959 erschienen Roman „Spuk in House Hill“ wirft Shirley Jackson den Leser in eine subtile, teils skurril wirkende Ausgangssituation, in der man sich erst einmal zurechtfinden muss. Ist dies aber geschehen, kann man sich nicht mehr von der Protagonistin Merricat lösen, die in komplizierten, teilweise kindlich naiven Denkweisen die Geschichte erzählt.  „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ wird, ebenso wie „Spuk in Hill House“ die meisten Leser langweilen, da einfach zu wenig passiert. Wer aber genauer liest und sich auf diese Geschichte einlässt (einlassen kann) wird mit einem wahnsinnigen Kopfkino belohnt, wie es ein Buch nicht besser hervorrufen könnte. Während man liest, entspinnen sich Unmengen an eigenen Interpretationen, was genau hinter der Story steckt, was Wahrheit und was Einbildung ist. Unzählige Filme gingen mir durch den Kopf (die wahrscheinlich oftmals ihre Inspiration in genau diesem Roman gefunden haben), während ich Merricat auf ihrer wahnwitzigen Reise begleitete.

Shirley Jacksons gehobener Schreibstil macht zudem unglaublich Spaß. Der Roman ist ein wahrer Pageturner, sofern man sich, wie oben bereits erwähnt, auf den Plot und die eigenwillige Idee einlassen kann. Das Gruselige an der Geschichte baut sich unterschwellig auf und wird im Verlaufe der  Handlung immer intensiver. Ich sah „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ unentwegt als Film vor meinem inneren Auge und stellte jetzt mit Freuden fest, dass der Roman tatsächlich verfilmt wurde. Ich habe in einigen Rezensionen gelesen, dass die Gedanken der Protagonistin äußerst schwer zu verstehen seien und man sich daher nicht mit ihr identifizieren könne. Das kann ich absolut nicht nachvollziehen, denn gerade diese „unschuldig“ wirkenden (sicherlich wirren) Gedanken fand ich extrem faszinierend und glaubwürdig. Durch diese Protagonistin erschafft Shirley Jacksons eine fast schon surreal wirkende Atmosphäre, die sich durch das gesamte Buch zieht und mich regelrecht begeistert hat.

Ich bin noch nicht sicher, welches der beiden im Festa-Verlag neu aufgelegten Bücher dieser Autorin mir besser gefällt: „Spuk in Hill House“ oder das vorliegende „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“. Tendenziell könnte das zweite das Rennen machen, weil es einfach von der Story her weitaus skurriler und geheimnisvoller wirkt. Fakt ist, dass es sich bei Shirley Jackson um eine ganz herausragende Schriftstellerin handelte, die dem Horrorgenre eine außergewöhnliche Richtung wies, in dem sie nämlich auf ruhige und meist unblutige Weise Schrecken in den Köpfen ihrer Leser verbreitete. Ich würde mir wünschen, dass sich der Festa-Verlag auch noch den anderen, in Deutschland leider nachlässig behandelten Werken dieser Autorin annehmen würde. Horror muss nicht immer Splatter sein, sondern kann auch auf melancholische Weise eine Gänsehaut bescheren, wie „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ eindrucksvoll beweist.

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Fazit: Skurriler, surrealistischer und melancholischer Gruselroman zum Nachdenken.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Insel von Steen Langstrup

Die Insel von Steen Langstrup

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  316 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43957-3
Kategorie: Thriller

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Noa Simon Poulsen befindet sich auf einer einsamen tropischen Insel. Eigentlich das Paradies, läge nicht die Leiche seiner Freundin neben ihm. Noa erinnert sich an die Ereignisse, die zum Tod seiner Freundin geführt haben, zurück, als er in polizeiliche Gewahrsam genommen und des Mordes angeklagt wird. Aber keiner glaubt seine Geschichte, die er erzählt …

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„Die Insel“ ist mein erstes Buch von Steen Langstrup. Ich muss ehrlich sagen, dass ich gar nicht mit so einem Roman gerechnet habe. Ich war mehr als angenehm überrascht, als ich die Geschichte las und noch mehr faszinierten mich die drei Kurzgeschichten im Anhang. Aber eines nach dem anderen. Zuerst einmal geht es um den Roman „Die Insel“:

Viele haben wahrscheinlich mit einem reinen Horror-Roman gerechnet und nicht mit einem Psychothriller, der sich hinter diesem Titel verbirgt. Der Autor lässt die Geschichte von seinem Protagonisten erzählen, was aus meiner Sicht schon eine unglaublich intensive Atmosphäre verschaffte. Gerade die Zwischenteile, in denen der Protagonist mit seiner Strafverteidigerin spricht, haben mir ausnehmend gut gefallen. In Rückblicken wird dann die eigentliche Geschichte erzählt, die anfangs noch ein wenig zögernd ins Laufen kommt, aber zunehmend spannender wird. Es mag auf viele Leser langweilig wirken, wenn Noa von seinem Aufenthalt auf der Insel und der neben ihm liegenden Leiche seiner Freundin erzählt. Aber genau dadurch kommt eine absolut glaubwürdige Atmosphäre auf.

Wie sich der Plot dann letztendlich entwickelt, einschließlich der Auflösung (eigentlich sind es ja sogar zwei!) hat mir sehr gefallen. Man sah plötzlich die Ereignisse aus einem vollkommen anderen Blickwinkel und konnte Handlungsweisen auf einmal nachvollziehen. Im Grunde genommen ist dieser Thriller dadurch tatsächlich zu einem Horrortrip geworden, nur ohne Monster und Blut. Steen Langstrup hat aus einer vollkommen unspektakulären Ausgangssituation, die allerdings sehr stimmungsvoll ist, einen wirklich atemberaubenden Trip in die Seele eines Menschen erschaffen. „Die Insel“ hebt sich von gängigen Büchern dieses Genre ein wenig ab, was es wahrscheinlich auch leider nicht für den Mainstream tauglich macht. Ich mochte die ausgefallene Schreibweise auf jeden Fall und werde mir den Debütroman auf alle Fälle auch noch besorgen. Gespannt bin ich auch, was der Autor als nächstes liefern wird.

Doch unabhängig von dem guten Roman komme ich nun zu den drei Kurzgeschichte, die wahrscheinlich aufgrund der Kürze des Hauptromans vom Verlag noch als Bonus veröffentlicht wurden. Ich muss gestehen, dass mir diese drei Stories sogar noch besser als der Roman gefallen haben. Vor allem eine Geschichte, die den Titel „Iss mich, trink mich“ trägt, hat mich vollends überzeugt. Langstrup beschreibt in dieser Geschichte auf einer Seite das wahre Gesicht der Menschheit, welche Wertvorstellungen und Wünsche sie an das Leben haben. Das ist so grandios, dass ich diese Stelle ein paar Mal lesen musste und sie mir immer noch im Kopf herumschwirrt. So etwas Geniales habe ich selten gelesen. Hut ab, Steen Langstrup, für diese Erkenntnisse, die eigentlich jeder Mensch weiß, sie aber dennoch konsequent in seinem Leben ignoriert. Zumindest die meisten.
Insgesamt habe ich mit Steen Langstrup auf jeden Fall einen Autor gefunden, der mich hervorragend unterhalten hat und der auch eine gewisse Menschen- und Lebenskenntnis besitzt, die mich anspricht. „Die Insel“ wird definitiv nicht das letzte Buch von diesem Autor sein.

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Fazit: Sehr spannende und stimmungsvolle Geschichte. Die drei Bonusgeschichten sind einfach nur genial.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Bekenntnis von John Grisham

Bekenntnis

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt  591 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27213-2
Kategorie: Thriller, Drama

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Pete Banning, ein angesehener Bürger der Kleinstadt Clanton, erschießt eines Tages im Herbst des Jahres 1946, den Pfarrer der Gemeinde. Der Täter stellt sich der Polizei und äußert kein Wort über seine Motive. Selbst als er zum Tode verurteilt wird, schweigt er. Nicht nur die Familie des Mörders stellt sich die Frage, warum der Mord geschah.

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John Grisham war und ist für mich noch immer ein Garant für echte Page-Turner. Viele Leser und auch seine Fans finden seine neueren Bücher nicht mehr so interessant wie die früheren. Das kann definitiv nicht bestätigen. Für mich sind die Romane von John Grisham nach wie vor allererste Sahne und das nicht nur im Bereich Justizthriller. Das Bekenntnis ist in drei Teile gegliedert. Grishams Schreibstil ist einfach nur toll zu lesen. Schnörkellos und absolut bildhaft entführt der Autor seine Leser in eine ganz eigene Welt. Mit „Das Bekenntnis“ begibt sich Grisham, zumindest in der ersten Hälfte seines neuesten Romans, zurück zu seinen Wurzeln und beschreibt einen spannenden und auf den ersten Moment mysteriösen Justizfall. Da sich der Täter in keiner Weise zu seiner Tat äußert, will man als Leser natürlich unbedingt wissen, welche Motive ihn dazu bewegt haben. Grisham macht das sehr geschickt, indem er den Leser nämlich auch im zweiten Teil der Geschichte weiterhin im Unklaren lässt.

Dieser zweite Teil entführt uns in Pete Bannings Vergangenheit, wo er sich in Japan im Zweiten Weltkrieg befindet. Dieser sehr historisch angehauchte Teil wirkt zuweilen etwas langatmig, zumal er sich von den anderen Büchern Grishams bezüglich des Schreibstils etwas abhebt. Denn hier wird sehr viel fachliches Wissen vermittelt, das den Lesefluss an manchen Stellen stört. Nichtsdestotrotz ist diese Episode aus dem Leben des Protagonisten unglaublich interessant und lesenswert. Man lernt Pete Banning besser kennen und kann so manche Handlungsweise plötzlich besser verstehen. Das Motiv für den Mord an dem Reverend erfährt man aber immer noch nicht.

Im dritten Teil des Buches wendet sich Grisham dann wieder der Familie zu und erzählt, was nach der Hinrichtung von Pete Banning geschieht. Und sofort greift wieder der flüssige Schreibstil des Autors und man fliegt nur so durch die Seiten. Ich hatte an manchen Stellen zwar schon eine Vermutung, wie der Roman endet und diese Vermutung wurde auch letztendlich auf gewisse Art und Weise bestätigt, wenngleich dann doch noch eine Wendung ins Spiel kam, mit der ich wiederum überhaupt nicht gerechnet habe. „Das Bekenntnis“ konnte mich dennoch nicht ganz so überzeugen, wie die vorherigen Bücher Grishams, was aber keineswegs heißt, dass dieses Buch schlecht ist. Es ist ein wenig anders und vermischt Justizthriller mit einem geschichtlichen Hintergrund und einer wirklich faszinierenden Familiengeschichte. Wären die Längen im zweiten Teil des Buches nicht gewesen, so hätte sich auch dieses Buch wieder in das gleiche Niveau eingereiht wie alle Bücher von John Grisham. Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon, wenn ein neues Abenteuer aus seiner Feder erscheint. denn seine Bücher verschaffen mir einen Lesegenuss ähnlich wie Michael Crichton oder Stephen King, bei denen ich auch immer schlecht das Buch aus der Hand legen kann. Dieses Mal bekommt Herr Grisham nicht die volle Punktzahl, aber ich ziehe aufgrund des etwas langatmigen Zwischenteils nur einen halben Punkt ab. 😉

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Fazit: Faszinierende Mischung aus Familiendrama Justizthriller und geschichtlichem Ereignis.

©2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

1793 von Niklas Natt och Dag

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Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt  496 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3492061315
Kategorie: Krimi, Thriller, Historie

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Im Stockholm des Jahres 1793 wird eine verstümmelte Leiche in der schlammigen Stadtkloake angetrieben. Der Tote ist fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Zwei ungleiche Ermittler, der Jurist Cecil Winge und der traumatisierte Kriegsveteran Jean Michael Cardell machen sich auf die Suche nach dem Täter. Sie finden schon bald heraus, dass das Opfer mit geradezu chirurgischer Präzision gefoltert wurde, bevor es starb. Doch das ist bei weitem nicht der schlimmste Abgrund, der sich den beiden während ihrer Ermittlungen auftut …

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Bei „1798“ handelt es sich um einen sehr atmosphärischen historischen Thriller, der mich in der Tat von der ersten Seite an gepackt hat und bis zum Ende nicht mehr losließ. Der Roman wurde mit „Die Einkreisung“ von Caleb Carr und „Das Parfum“ von Patrick Süßkind verglichen und ich muss sagen, dass beide Vergleiche absolut angebracht sind. Der Autor hat einen wunderbaren Schreibstil, der einerseits absolut hochwertig, andererseits aber auch sehr leicht verständlich und flüssig ist. Zusätzlich zu diesem wunderbaren Schreibstil kommt noch eine sehr ansprechende Aufteilung der Geschichte hinzu, denn der Autor erzählt drei Handlungsstränge, die sich im Verlaufe des Buches natürlich miteinander verbinden. Man erkennt oder vermutet natürlich als Leser die Zusammenhänge, dennoch kommen immer wieder entsprechende Aha-Effekte zum Tragen.

Der Autor schafft es wunderbar, die Stimmung der damaligen Zeit zu schildern und mit Worten und seinen Beschreibungen anschaulich zu machen. Jedes Mal, wenn ich das Buch zur Hand genommen habe, fühlte es sich an wie eine Rückkehr in eine zwar unschöne und rohe Welt, die aber dennoch einen gewissen Reiz auf mich ausübte. Der Autor hat sehr intensive Recherchen durchgeführt, die sich durch das ganze Werk ziehen. Und auch wenn es manchmal fast schon wie ein Informations-Overflow wirkt, so ist der Roman dennoch niemals bezüglich dieser historischen Einschübe überlastet. Hauptaugenmerk liegt immer auf der Handlung, die lediglich durch historische Ereignisse gewürzt wird. Die Beschreibung, sprich Charaktere, der Protagonisten und deren Seelenleben ist dem Autor ebenfalls äußerst gelungen und ich habe jede ihre Handlungsweisen nachvollziehen können. „1793“ ist ein wirklich wunderbarer Roman, der den Leser in eine Vergangenheit entführt, die man bildlicher nicht hätte darstellen können.

Für viele mag dieser Roman sehr brutal sein, denn der Autor nimmt bei manchen Beschreibungen kein Blatt vor den Mund. Aus meiner Sicht wirkte er aber an keiner Stelle zu extrem, zumal er in einer Epoche spielt, in der die Menschen sowieso nicht zimperlich waren. Alle „Brutalitäten“ passen ohne Einschränkungen in die Handlung und geben ein sehr bedrückendes Bild ab, das wunderbar zum Gesamtwerk passt.

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Fazit: Für mich eine große literarische Entdeckung und Überraschung.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Koma von Kati Winter

Koma

Erschienen als Taschenbuch
bei Redrum Books
insgesamt  122 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3959575935
Kategorie: Horror, Thriller

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Maria ist die im Grunde genommen die glücklichste Frau der Welt. Denn sie heiratet ihren Märchenprinzen.
Doch dann erwacht sie in einem Albtraum sondergleichen. Maria liegt im Koma und ihr Ehemann hasst sie. Ihr Arzt vergewaltigt sie auf brutalste Weise und plötzlich ist da noch eine fremde Frau. Und ein Baby schreit!
Was ist Realität und wo beginnt der Wahnsinn?

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„Koma“ ist mein erstes Buch von Kati Winter. Und ich muss sagen, dass sie mich mit ihrer Novelle absolut überzeugen konnte. Es ist eine im Grunde genommen unspektakuläre Geschichte, aber der flüssige Schreibstil der Autorin packt einen von der ersten Seite an. Was mich besonders fasziniert hat, ist die Tatsache, dass Kati Winter es geschafft hat, die teils wirren Gedankengänge einer Komapatientin mit Worten einzufangen. Im Nachhinein betrachtet wirkt das Buch wie ein abstruser, unwirklicher Traum, dem man als Leser beiwohnen durfte. Die Autorin nimmt bei manchen Beschreibungen kein Blatt vor den Mund, was dem Buch noch eine weitere schockierende Seite verleiht. Wie oben schon erwähnt, ist die Handlung eigentlich relativ simpel, dennoch konnte mich Kati Winter, vor allem auch mit dem Finale, so richtig packen. In anderen Rezensionen habe ich gelesen, dass genau dieses Ende auf viele störend und unpassend wirkte. Das kann ich definitiv nicht behaupten, denn gerade diese Auflösung und dieses Ende haben mich berührt. Allerdings hätte es ruhig noch etwas länger dauern dürfen. 😉

„Koma“ ist eine Novelle, die man in einem Rutsch durchlesen kann. Durch die Ich-Erzählung wirkt die bedrohliche und verwirrende Situation natürlich noch um ein Vielfaches intensiver, ich hätte gut und gerne noch die doppelte Seitenanzahl lesen können. Winter vermittelt auch hervorragend die Verzweiflung und Angst der Protagonistin. Zu dieser Novelle gibt es übrigens auch eine Hörbuchversion, die von der Autorin selbst eingelesen wurde. Auch hier wurde die Atmosphäre sehr stimmig und treffend vermittelt. „Koma“ ist eine Geschichte, die im Gedächtnis haften bleibt und über die man auch noch eine Weile nachdenkt. Der Kurzroman ist eine Mischung aus Krimi und Thriller, vermischt mit einer Prise Sex. Ich hatte riesigen Spaß bei der Lektüre und kann dieses Buch guten Gewissens empfehlen. Ich werde definitiv noch andere Werke dieser Autorin lesen.

Wer sich für das Buch beziehungsweise die Hörbuchversion interessiert, sollte sich einmal folgende Buchvorstellung der Autorin ansehen:

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Fazit: Faszinierende Mischung aus Krimi und Thriller. Sehr atmosphärisch und mit einem fast schon melancholischen Ende.

© Wolfgang Brunner für Buchwelten

Amok Baby von André Bawar

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Erschienen als Taschenbuch
im emons Verlag
insgesamt 240 Seiten
eigentlicher Preis: 14,95 €
ISBN: 978-3-95451-476-2
Kategorie: Thriller

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In Berlin werden Mediziner und/oder Menschen, die im medizinischen Bereich tätig waren, Opfer einer krassen Mordserie. Sie alle haben sich an gehandicapten Kindern eine goldene Nase verdient und durch die Behinderung der Kinder richtig viel Geld verdient. Nun werden sie eine/r nach dem anderen getötet. 

Kommissar Piontek wird auf die Ermittlungen angesetzt und er deckt Korruption und dreiste Geschäftspraktiken auf. 

Aber was hat die kleine Friederike Marx mit der Mordserie zu tun? Wie passt sie in das Schema? Sie war doch „nur“ eines der behinderten Kinder, an denen verdient wurde. Ist hier Rache im Spiel?

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Oben unter dem Bild habe ich geschrieben, dass das Buch eigentlich 14,95 € kostet, so steht es auf der Verlagsseite. Ich habe das Buch jedoch tatsächlich in einem 1€ Shop entdeckt und aufgrund des Klappentextes gekauft.

Ich kenne mich mit behinderten Kindern nicht aus, fand es aber dennoch spannend, zu erfahren, wie sich Ärzte, Krankendienste und Sanitätshäuser hier womöglich bereichern. Und ich muss sagen: Ganz oft kam hier Wut auf, musste ich sprachlos den Kopf schütteln, als ich las, was dort in diesen Bereichen so abgeht (angeblich abgehen soll, es ist ja ein Roman ☺).

Der Autor erzählt seinen Thriller in 3 Handlungssträngen:

  1. Heute: In der Gegenwart scheint ein Arzt gerade seine finalen Lebensminuten zu erleben. Der Rächer ist in seinem Büro und rechnet ab.
  2. Beginn 2007: Friederike wird geboren und wir begleiten die Eltern des behinderten Kindes durch ihren Alltag, dem ganzen Elend aus Angst, dauernder Hoffnung, Wut & Hilflosigkeit
  3. 2013: Die Mordserie nimmt seinen Anfang und wir begleiten Kommissar Piontek und seine Kollegin bei den Ermittlungen.

Der Thriller ist sehr spannend, fesselnd und rasant geschrieben. Dass ich dennoch einige Wochen daran gelesen habe, liegt lediglich an meinem persönlichen Zeitproblem.

Den Alltag der Eltern von Friederike zu erleben, die an der Behinderung ihrer Tochter zu zerbrechen drohen, das war schon krass und traurig. Nervenaufreibend und schlimm. Denn die beiden liebten ihre Tochter abgöttisch und wussten nicht, was mit ihr los war. Sie wurden von Arzt zu Arzt und von Therapie zu pädagogischen Diensten gescheucht. Ihnen wurden teure Therapien und Hilfsmittel verordnet (die natürlich voll von der Krankenkasse übernommen werden, diese jedoch im Handling total untauglich sind!). Sie kämpften um das Leben ihrer Tochter, wünschten sich, dass sie sich entwickelt. Versuchten irgendwie ihre Ehe am Laufen zu halten, haben sie doch bald nur noch sich selbst. Denn Freunde und Bekannte ziehen sich immer mehr zurück. So ein Problemkind bringt natürlich auch soziale Schwierigkeiten mit sich. 

Ich könnte noch unendlich weiterschreiben, doch man liest schon heraus, dass es nur zu verständlich ist, dass Eltern vielleicht irgendwann mal nicht mehr können. Doch warum es zu der Mordserie kommt oder wie das alles zusammenhängt, werde ich natürlich nicht verraten. Denn dazu sind die Entwicklungen und Wendungen viel zu gut durchdacht und ausgeklügelt niedergeschrieben. 

Der Autor hat hier einen sehr guten Thriller abgeliefert, der Einblick in eine Maschinerie gewährt, die ich/die meisten Eltern ja (man muss schon sagen „zum Glück“) nicht kennen. Ich selbst finde es ja schon stressig, wenn mein Sohn fremdelt und bei der U-Untersuchung beim Kinderarzt nicht so mitmachen will, wie er sollte. Doch wenn man diesen Roman liest, dann sind solche Probleme ja eigentlich lachhaft.

Traurig und erschreckend ist dieser Roman, dennoch auch voller Liebe und Hoffnung und einer ganzen Menge Ungerechtigkeit. Meine klare Leseempfehlung. 

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© Buchwelten 2019

 

Seelenfänger von Andreas Brandhorst

seelenfänger

Erschienen als Taschenbuch
im Piper-Verlag
insgesamt 640 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-492-28188-1
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Zacharis Calm ist ein sogenannter Traveller. Er kann sich mithilfe einer Droge in den Seelenzustand eines Menschen versetzten und sieht dessen Psyche wie eine eigene Welt vor sich, in der er sich auch frei bewegen kann. Als Zacharias zusammen mit Kollegin und Psychologin Florence in die psychische Welt eines Komapatienten eindringt, trifft er auf einen mysteriösen Feind, der die Realität, in der die Menschen leben, zerstören will …

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Brandhorst schreibt Geschichten, die eigentlich nicht schreibbar sind. 😉
Mit „Seelenfänger“ beweist er dies erneut. Andreas Brandhorst MUSS Filmfan sein, sonst wären die Anspielungen auf Filme wie „Matrix“, „Inception“, „Avatar“ oder „Tron“ nicht erklärbar. Das Gute daran ist: Brandhorst kopiert nicht, sondern verbeugt sich vor diesen cineastischen Meilensteinen. Im Falle von „Seelenfänger“ macht das einen unglaublichen Spaß und sobald man sich auf die schräge Handlung eingelassen hat, kann man sich nicht mehr davon losreißen.

Andreas Brandhorst nimmt uns auf unglaubliche Reisen mit, die sich durch seinen bildhaften Schreibstil im Kopf der Leser ausbreiten, als sähen sie tatsächlich einen Film voller Computereffekte. Obgleich einem die Story an ein paar Stellen extrem verwirrend vorkommt, vermag der Leser, der sich darauf einlassen kann, das Ganze am Ende doch auf geheimnisvolle Weise verstehen. Das ist eine Kunst, die nur wenige Autoren beherrschen: Brandhorst gehört dazu. Er wirkt auf mich fast wie ein deutscher Iain Banks.

Wer sich auf Fantasiewelten und unmöglich Erscheinendes einlassen kann, wird mit einem wahren Feuerwerk an Ideen und Welten belohnt, dem man sich schwer entziehen kann. Der Suchtfaktor bei diesem Roman ist sehr groß. Andreas Brandhorst kann mit seinem Werk zwar Tad Williams genialer „Otherland“-Reihe nicht das Wasser reichen, aber er schafft mit seinem Science Fiction-Thriller zumindest etwas Ähnliches: Der Leser kann sich fallenlassen und in fremde Welten entschweben, um darüber nachdenken, was real und was surreal ist.
Ein unerschöpflicher Einfallsreichtum beschert großes Kopfkino, das man mal „gesehen“ haben sollte. Für mich ein großer SF-Roman aus Deutschland, der sich vor internationaler Konkurrenz nicht verstecken braucht.

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Fazit: Mit einer Mischung aus „Inception“ und „Matrix“ entführt Andreas Brandhorst seine Leser in unglaublich vielfältige Realitäten. Ein Roman zum Nachdenken, aber auch zum Fallenlassen und Genießen.

© 2015  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Blutiger Januar von Alan Parks

Blutiger Januar von Alan Parks

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 393 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-453-27188-3
Kategorie: Krimi, Thriller

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Es ist Januar 1973, als am helllichten Tag eine junge Frau auf offener Straße erschossen wird. Der Killer, ein junger Mann, jagt sich unmittelbar nach der Tat selbst eine Kugel in den Kopf. Detective Harry McCoy, dem der Mord am Tag zuvor von einem Gefängnisinsassen angekündigt wurde, versucht eine Verbindung zwischen dem Täter, dem Opfer und dem Gefangenen herzustellen. Er stößt dabei auf die Dunlops, bei der es sich um eine der mächtigsten Familie von Glasgow handelt. Und plötzlich werden McCoy Steine von seinem eigenen Vorgesetzten in den Weg gelegt …

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„Blutiger Januar“ ist ein düsterer Thriller, der einen von der ersten Seite an packt. Alan Parker ist mit seinem Debüt ein wahnsinnig rasanter und vor allem stimmungsvoller Krimi gelungen, der einen nicht mehr loslässt. Bei „Blutiger Januar“ handelt es sich um den ersten Teil einer geplanten Reihe um den Ermittler Harry McCoy, der durch seine Charakterzeichnung sehr interessant und authentisch wirkt. McCoy ist nämlich nicht der typische Polizist, der auf legalen Wegen ermittelt, sondern mit ganz anderen Wassern gewaschen. Die „Unperfektheit“ des Protagonisten ist es aber gerade, die seine Figur äußerst sympathisch und lebensecht macht. Die Atmosphäre gestaltet sich während des gesamten Plots als äußerst düster und deprimierend. Die Beschreibungen sind nicht immer zimperlich, wenn McCoy Tatorte oder Bordelle besucht und unterstreichen die trostlose Stimmung nochmals.

Man sieht eigentlich während des kompletten Romans eine Art Film Noir vor seinem inneren Auge und spürt die Missstände jener Zeit, die aber hervorragend in die Handlung mit eingebaut wurden, ohne je belehrend zu wirken. Hinzu kommt noch das geschilderte Privatleben McCoys, das meiner Meinung nach eigentlich noch viel mehr Tiefe hätte bekommen können und die Gesamtstimmung des Buches noch unterstreicht. Alan Parks schreibt sehr bildhaft. Besonders die Dialoge der Protagonisten haben es mir angetan, denn die sind sehr lebensecht und lesen sich so flüssig, dass man teilweise alles um sich herum vergisst und tatsächlich meint, ein Drehbuch für einen Film zu lesen. „Blutiger Januar“ liest sich definitiv nicht wie ein Debütroman, sondern eher wie ein routinierter Thriller von einem, der schon wesentlich mehr Erfahrung in Spannungsaufbau und Charakterzeichnung aufweist. Die Handlung stellt zwar nicht unbedingt eine Innovation um Thrillerbereich dar, aber es ist eindeutig der gelungene Schreibstil und die hervorragend vermittelte Atmosphäre der 70er Jahr, die dieses Buch zu etwas besonderem machen.

Was mir auch sehr gut gefallen  hat, war die Entwicklung des Protagonisten, dass er sich seinem Vorgesetzten widersetzte und auf eigene Verantwortung weitermachte. Sicherlich ist auch diese Idee keine neue, aber Alan Parks hat sie sehr gut und glaubwürdig umgesetzt. Für viele Leser könnte „Blutiger Januar“ aufgrund der Gewaltdarstellungen und sexueller Handlungen ein wenig unbequem sein, doch genau diese Zutaten machen ein „dreckiges Buch“ aus diesem Pageturner. Und diese Szenen passen schlichtweg in den gesamten Plot, so dass sie einen großen Teil der von mir angesprochenen düsteren Stimmung ausmachen. Parks behält dabei auch immer die Oberhand über seine Darstellungen und gleitet nie ins Niveaulose ab, selbst wenn die Beteiligten in Gossensprache reden. Das beherrscht definitiv nicht jeder Autor auf diese Art und Weise. Alan Parks hat mich mit seinem Debüt-Thriller absolut überzeugt und  mich sofort zum Fan gemacht. Ich freue mich schon sehr auf die Weiterführung von McCoys Ermittlungen. Ich kann mich immer nur wiederholen, dass mich die Atmosphäre und die Hauptfigur von „Blutiger Januar“ von Anfang bis Ende in ihren Bann gezogen haben.
Mord, Selbstmord, ausschweifende Sex- und Drogenpartys, Erpressung, Korruption, politische Verstrickungen und Gewalt – all diese Dinge finden sich in „Blutiger Januar“ und erschaffen eine vollkommen neue Welt im Kopf des Lesers.

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Fazit: Beeindruckendes Thrillerdebüt, das mit einer durchgehend düsteren Stimmung punktet.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Midnight, Texas – Nachtschicht von Charlaine Harris

Midnight Texas - Nachtschicht von Charlaine Harris

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31916-5
Kategorie: Thriller, Horror

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Auf der Kreuzung in Midnight, Texas, begehen verschiedene Personen plötzlich Selbstmord. Was anfangs wie ein mysteriöses Rätsel aussieht, entwickelt sich bald zu einem ausgeklügelten Plan, der von einer bösen Macht stammt. Die Bewohner von Midnight stellen sich dem Kampf …

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Schade, schade schade …
Was mit dem ersten Band äußerst vielversprechend begann und mit dem zweiten Teil zumindest eine annehmbare Fortführung der Geschichte um das Städtchen Midnight fand, endet (zumindest aus meiner Sicht) mit dem finalen Band in einem unglaublichen Desaster. Es dauerte nicht lange und war mir gar nicht mehr so sicher, ob dieses Buch von der gleichen Autorin wie „True Blood“ verfasst wurde. An vielen Stellen wirkte es vollkommen unausgegoren und uninspiriert auf mich. Es kam mir oftmals vor, als hätte eine Schülerin als Strafarbeit einen Aufsatz schreiben müssen. Charlaine Harris hat wohl eine Storyline verfasst und die dann stur und ohne jedwede Abweichung „abgearbeitet“. Manchmal musste ich sogar lächeln und fragte mich, wie so eine Manuskript an einen Verlag kommen konnte. „Nachtschicht“ wirkt leblos, ideenlos und unbeholfen. Der Plot ist dermaßen konstruiert, dass es fast schon wehtut und hätte ich nicht die ersten beiden Bände gelesen (und das durchaus auch gerne), so hätte ich den finalen Band bereits nach weniger als hundert Seiten abgebrochen.

Habe ich schon während der ersten beiden Teile keinen besonderen Bezug zu den Protagonisten bekommen, so verliert Harris im vorliegenden dritten Teil vollends die Kontrolle über ihre Personen. In keinem steckt Leben, es wird alles nur oberflächlich und ohne echte Seele beschrieben, so dass einem die einzelnen Gedankengänge und Schicksale absolut nicht nahe gehen. Ich konnte hier absolut keine Beziehung zu den einzelnen Personen aufbauen. Die Dialoge und die fadenscheinigen, an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen für die Selbstmorde empfand ich schon nach kurzer Zeit extremst nervig. Interessant war auch, dass immer irgendetwas zufällig passierte. Fast schien es, als wäre der Zufall der einzige Strohhalm, der der Autorin einfiel, um unlogische Vorgänge zumindest durch einen Zufall erklären zu können. Das Szenario der Stadt Midnight und deren Bewohner hätte durchaus Potential gehabt. Vor allem nach den ersten beiden Bänden, die mir wirklich noch gefallen und ein kurzweiliges Lesevergnüngen bereitet haben, waren meine Erwartungen wohl einfach zu hoch. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass das Niveau dieser Saga mit jedem Band steigen würde und nicht immer tiefer nach unten sinkt.

Selbst wenn ich wollte, ich kann diesem dritten Teil nicht mehr als drei Sterne vergeben, wobei selbst das fast schon geschönt ist. Ich finde es wirklich schade, dass ich Midnight, das ich immer gerne zwischen den Buchdeckeln betreten habe, nun äußerst unzufrieden und auch enttäuscht verlassen muss. Aber die Plattheit der Charaktere hat mich bei „Nachtschicht“ nur noch aufgeregt und ich fand die meisten Entwicklungen der Story schlichtweg nur noch lächerlich. Ich bekomme leider den Eindruck nicht los, dass Charlaine Harris entweder die Ideen ausgegangen sind oder sie selbst auf ein weiteres Abenteuer in Midnight einfach keine Lust mehr hatte. Habe ich mich nach Band 2 der Reihe noch auf die Verfilmung gefreut, so kann ich nach „Genuß“ des dritten Teils nicht einmal mehr eine kleine Vorfreude verzeichnen.
Wie gesagt, Potential auf eine atmosphärische Story wär da gewesen, wurde aber im vorliegenden finalen Teil durch den plumpen, fast schon amateurhaften Schreibstil und die uninspirierte Handlung zunichte gemacht.

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Fazit: Unbefriedigender und sehr simpel verfasster Abschlussband der Midnight-Saga. Das Potential wurde letztendlich allumfassend verschenkt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten