Der mexikanische Fluch von Silvia Moreno-Garcia

Der mexikanische Fluch von Silvia Moreno-Garcia

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Limes Verlag
insgesamt 412 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-8090-2747-8
Kategorie: Mystery, Drama, Belletristik

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Die junge Noemí erhält einen Brief von ihrer Cousine, die in einem abgelegenen Herrenhaus in den mexikanischen Bergen lebt und behauptet, dass ihr Mann sie vergiften will.
Noemí begibt sich auf die Reise in die Einöde und entdeckt, dass ihre Cousine nicht nur untertrieben hat, sondern dass das Haus und die Familie, in die eingeheiratet hat, ein düsteres Geheimnis umgibt.

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Nachdem man Silvia Moreno-Garcias Roman zu Ende gelesen hat, muss man unweigerlich zugeben, dass man gerade ein unheimlich atmosphärisches und meisterhaft geschriebenen Werk gelesen hat, an das man sich noch lange erinnern wird. Die ersten beiden Drittel wirken wie ein Roman aus der Feder von Shirley Jackson, die mit „Spuk in Hill House“ oder „Wir haben schon immer im Schloss gelebt“ eine ähnliche Stimmung erschaffen hat, wie Moreno-Garcias mit der vorliegenden Geschichte. Die Leser werden eingelullt in eine mystische, rätselhafte Handlung, die sehr ruhig und unspektakulär erzählt wird. Die Autorin beschreibt sowohl die Charaktere als auch die Umgebung und die Ereignisse sehr bildhaft, sodass man teilweise filmreife Bilder im Kopfkino erhält, die die bedrückende und teils bedrohliche Atmosphäre noch unterstreichen. Das Herrenhaus wirkt wie aus alten Schwarzweißfilmen und man ist hautnah bei den Geschehnissen dabei. Auf den ein oder anderen mag die Familiengeschichte und die darum verwobenen Rätsel etwas langatmig wirken, aber diesen Lesern sei nur gesagt: Durchhalten bis zum zweiten Drittel, denn dann nimmt die Geschichte zum einen eine unerwartete Wendung und wird zu anderen zu einem absoluten Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen will.

Der Aufbau erfolgt, im Nachhinein betrachtet, sehr geschickt, weil sich die Bedrohung und das Familiengeheimnis erst allmählich herauskristallisiert und die Leser diesbezüglich ähnlich wie die Protagonistin lange Zeit im Dunkeln tappen. Das lange Finale könnte dann spannender und actionreicher nicht sein. Insgesamt erinnert die Handlung und die Atmosphäre „Der mexikanische Fluch“ an Filme wie die bereits erwähnte Litertaturverfilmung „Spuk in Hill House“ oder Guillermo del Toros „Crimson Peak“, also mit einem durchgehenden Hauch von gotischem Grusel. „Der mexikanische Fluch“ wirkt wie ein literarischer alter Schwarzweißfilm, eine Reinkarnation des alten Schauerromans, wie man sie etwa von Mary Shelley kennt. Moreno-Garcia schreibt in ähnlicher Weise, aber eben ein Stück moderner, was den Roman für heutige Lesegewohnheiten eindeutig leichter lesen lässt wie alte Klassiker. Und dennoch fühlt sich die vorliegende Geschichte tatsächlich wie ein wiederauferstandener Klassiker in neuem Gewand an: unheimlich, dekadent, erotisch und mysteriös. Hat man sich erst einmal an die relativ ruhige, unspektakuläre und niveauvolle Erzählweise gewöhnt, möchte man das Herrenhaus mit ihren unheimlichen, zwielichtigen Bewohnern gar nicht mehr verlassen.
Aus solchen Geschichten werden Filme gemacht.

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Fazit: Enorm atmosphärisches Haunted-House-Drama mit einer durchdachten Handlung.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Heimkehr von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 382 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27412-9
Kategorie: Belletristik, Thriller

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Drei Kurzromane von John Grisham. „Die Heimkehr“ erzählt von einem Mann, der Geld veruntreut hat, ins Ausland abgehauen ist und nun wieder zurückkehren möchte. „In „Erdbeermond“ möchte ein zum Tode Verurteilter, dass sich sein letzter Wunsch erfüllt, und in „Sparringspartner“ intrigiert eine Mitarbeiterin gegen ihre beiden Chefs, die verfeindete Brüder sind.

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Mit diesem Band beweist John Grisham, dass er auch die Sparte des Kurzromans virtuos beherrscht. Seine Geschichten bringen es auch auf nur wenigen Seiten auf den unkt, ohne dass man dabei etwas vermissen würde. Sicherlich fällt es auf, dass manche Charaktere nicht so tief beschrieben werden, wie in seinen Romanen, aber das macht eigentlich gar nichts aus, denn man fliegt auch hier nur so über die Seiten und hat ungemeinen Spaß an den Stories. Grishams gewohnt leicht lesbarer Schreibstil macht die drei Geschichten zu einem extrem kurzweiligen Leseerlebnis. Manchmal stelle ich mir tatsächlich die Frage, wie Grisham es schafft, die Leser mit seinen Geschichten derart zu faszinieren, obwohl er im Grunde genommen eigentlich immer das Gleiche erzählt. Doch diese Stories sind einfach so clever konstruiert und auf eine höchst unterhaltsame und ansprechende Art und Weise zu Papier gebracht, dass man jedes Mal aufs Neue in ihren Bann gerät. Grisham erschafft einen unwiderstehlichen Sog, wie er auch hier wieder eindrucksvoll unter Beweis stellt.

In „Die Heimkehr“ begegnet der aufmerksame Grisham-Leser einer Figur, die er bereits aus den Romanen „Die Jury“ und „Der Polizist“ kennt: Jake Brigance. Die Geschichte ist im Prinzip eigentlich ganz einfach, und dennoch lässt sie einen während des Lesens den Alltag vergessen. Vielleicht liegt es daran, dass Grisham in seinen Geschichten immer sehr viel Menschlichkeit einbaut, die uns sofort anspricht. In diesem Kurzroman ist es die Beziehung zwischen dem Mann, der wieder in sein altes Leben zurückkehren will, und seiner Tochter, die er eine Zeit lang nicht gesehen hat. Es ist schön zu lesen, wie sich die beiden wieder näherkommen und versuchen, genau da wieder anzuknüpfen, wo einst ihre Beziehung endete. Auch das kann Grisham enorm gut und vor allem glaubhaft rüberbringen.
„Erdbeermond“ ist dann die Story, die mir eigentlich am besten gefallen hat. Die letzten Stunden eines zum Tode Verurteilten ging mir wahrscheinlich deswegen so nahe, weil sie nicht reißerisch, sondern fast schon philosophisch und melancholisch verfasst ist. Ich fühlte mit dem Protagonisten, als würde er neben mir stehen und zu mir sprechen. Das ging mir sehr nahe und hat mich nachhaltig beeindruckt.
„Sparringspartner“ ist dann wieder ein typischer Grisham-Plot mit Intrigen, verwinkelten Anwalts-Schachzügen und einer gelungenen Wendung, die ich so nicht erwartet habe. Auch hier konnte ich, wie bei allen Geschichten in diesem Buch, schlecht das Lesen aufhören.
Insgesamt bewegt sich John Grisham mit „Die Heimkehr“ auf einem ähnlichen Niveau wie all seine Romane und konnte mich mit jedem Kurzroman, jeder Kurzgeschichte vollends überzeugen. So ist es nicht verwunderlich, dass ich bereits jetzt schon wieder sehnsüchtig auf ein neues Werk von ihm warte.
Absolute Leseempfehlung!

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Fazit: Perfekt geschriebene Kurzromane in flüssigem Schreibstil, wie man es von John Grisham gewohnt ist.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schicksalsmelodie von Rainer Mauelshagen

Erschienen als Taschenbuch
bei BoD
insgesamt 192 Seiten
Preis: 8,90 €
ISBN: 978-3-75681486-2
Kategorie: Drama, Liebe, Mystery, Belletristik.

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Kai, Julias über alles geliebter Ehemann, stirbt bei einem Verkehrsunfall. Durch dieses schreckliche Ereignis droht die Welt der Witwe und deren Kinder zusammenzubrechen. Auf den Vorschlag ihrer Eltern, für eine Weile nach Mallorca zu ziehen, reagiert sie erst ungehalten, erklärt sich dann aber bereit, diese Ablenkung doch zu versuchen. Dort lernt sie Àlvaro, einen Pianisten kennen, der sie ein wenig an Kai erinnert. Julia verliebt sich, hat aber dennoch immer wieder ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrem verstorbenen Ehemann. Doch dann entpuppt sich ihre neue Liebe immer mehr zu einer entscheidenden Wendung ihres neuen Lebens …

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„Schicksalsmelodie“ ist mein erstes Buch von Rainer Mauelshagen und es wird definitiv nicht das letzte von ihm sein, das ich mir zu Gemüte führen werde. Sein Schreibstil ist unglaublich gut und angenehm zu lesen. Schon nach den ersten Seiten hat mich der Autor mit seiner Geschichte in den Bann gezogen., Das lag vor allem an dem erwähnten Schreibstil, zum anderen aber an der faszinierenden Art und Weise, wie Mauelshagen seine Geschichte erzählt. Es steckt unglaublich viel zwischen den Zeilen (vor allem in der zweiten Hälfte) und man wird förmlich gezwungen, über bestimmte Dinge seines eigenen Lebens nachzudenken. Das Ganze passiert absolut unaufdringlich, sondern geschieht auf sanfte Weise. Die Geschichte, die Mauelshagen erzählt, ist eine tragische, aber alles andere als hoffnungslose. Die Protagonisten sind allesamt greifbar in ihren Gedanken und Überlegungen und machen das Buch daher sehr glaubhaft. Vor allem die Zweifel, die Julia plagen, sind nachvollziehbar und emotional absolut gelungen. „Schicksalsmelodie“ ist eine Geschichte über eine Liebe, die bis über den Tod hinaus besteht, aber auch eine Parabel über das Loslassen. Ein Hauch von Mystery und Übernatürlichem liegt über dem Ganzen und lässt die Erzählung im Nachhinein wie einen wunderschönen, melancholischen Traum erscheinen, den man trotz aller Tragik sehr gerne träumt.

Rainer Mauelshagens Geschichte ist wunderschön geschrieben und vermittelt eine Lebensphilosophie, derer sich jeder annehmen sollte. Es ist schon relativ selten, dass man einen Liebesroman in den Händen hält, der nicht kitschig, sondern eindringlich und emotional stimmig ist. Und das auch noch von einem männlichen Autor, der die Gefühlswelt einer Frau so überzeugend beschreibt, dass die Leser in jeder Hinsicht ihre Trauer, Liebe und Verzweiflung versteht und ihren brennenden Wunsch nach einem Neuanfang durchaus nachvollziehen kann.
Gerade die mystische und teils esoterische Entwicklung der Geschichte hat mich vollends vom Talent des Schriftstellers überzeugt. Es mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, sich auf eine solche Prämisse einzulassen, aber wer es kann, wird mit einem herzergreifenden Ende belohnt, dass erneut zum Nachdenken einlädt. Autoren wie Rainer Mauelshagen, die so gekonnt mit Sprache umgehen können, sind heutzutage leider selten geworden. Ich wünschte, es gäbe noch mehr solcher Schriftsteller und Schriftstellerinne, die ihre Werke qualitativ hochwertig zu schreiben, obwohl sie dabei wissen, kein größeres Publikum damit zu erreichen.

Ein guter Schriftsteller lässt sich nicht durch finanzielle Erfolge definieren, sondern einzig und allein an der Qualität seiner Bücher. In dieser Hinsicht gehört Rainer Mauelshagen für mich bereits nach einem einzigen Buch, das ich gelesen habe, zu einem ganz großen Autor, der es nicht nur schafft, sich gewählt auszudrücken, sondern auch mit „Schicksalsmelodie“ eine außergewöhnliche, ansprechende und emotional ergreifende Geschichte erschaffen hat. Ich freue mich schon auf all die anderen Bücher von ihm und hoffe, dass er uns noch viele weitere Romane beschert.

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Fazit: Außergewöhnliche, emotionale Liebesgeschichte auf sprachlich hohem Niveau.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Verdächtige von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 411 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27316-0
Kategorie: Thriller

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Die Tochter eines ermordeten Anwalts wendet sich an Lacey Stoltz von der Gerichtsaufsichtsbehörde, weil sie denkt, den Mörder zu kennen. Der Anwalt war nämlich nicht das einzige Opfer. Das brisante an diesem Fall: Der Killer ist ein bekannter Richter, der sich großer Beliebtheit erfreut. Lacey nimmt den Fall an und begibt sich zusammen mit der Frau auf eine Spurensuche, die weit in die Vergangenheit zurückreicht und sich über viele Staatsgrenzen hinweg erstreckt.

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Ein neuer Grisham erscheint und ich muss ihn sofort lesen. 😉
Lacey Stoltz ist ein Name, den man als Grisham-Fan sofort wieder erkennt: Sie spielte eine der Hauptrollen in „Bestechung“ und kehrt hier noch einmal zurück. Grisham versteht es einfach, den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen. Sein Schreibstil ist so angenehm und flüssig zu lesen, dass man innerhalb von Sekunden in der Story drinsteckt und sich nicht mehr davon lösen möchte. Der vorliegende Roman reiht sich nahtlos in die Erfolgsstory Grishams ein, auch wenn es eine Fraktion von Lesern gibt, die seine neueren Werke permanent kritisieren und ihnen Ideenlosigkeit vorwerfen. Grisham ist und bleibt dennoch für mich einer der Größten und gerade in seinen neuen Büchern verhält es sich ähnlich wie bei Stephen King: Zwischen den Zeilen steckt oftmals eine gewisse Melancholie (ein Hinweis aufs Älterwerden?), die einen magischen Reiz auf mich ausübt.

Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie John Grisham es schafft, mich mit einer eigentlich einfach gestrickten Story so dermaßen in den Bann zu ziehen, dass ich das Buch am liebsten in einem Durchgang lesen würde. Seine Dialoge sind so authentisch, dass man unmittelbar in die Handlung eintaucht und mittendrin ist. So auch hier, wo wir den Ermittlungen der Frau und Lacey folgen, und auch immer wieder den verdächtigen Richter begleiten. Grishams Romane sind allesamt filmreif, vermitteln eine unglaublich dichte Atmosphäre und zeigen liebenswerte (oder eben auch hassenswerte) Charaktere. Jedes seiner Bücher besitzt einen ganz eigenen Reiz. „Der Verdächtige“ erreichte aus meiner Sicht zwar nicht die Genialität von „Der Polizist“, besitzt aber dennoch einen sehr hohen Unterhaltungswert und wird an keiner Stelle langweilig geschweige denn langatmig. Ganz im Gegenteil …

„Bestechung“ muss man nicht gelesen haben, denn diese Geschichte mit Lacey Stoltz funktioniert auch ohne jegliches Vorwissen. Was relevant wäre, ist gut genug erklärt. Die 400 Seiten lesen sich weg, als wären es gerade einmal die Hälfte. Gerade „Der Polizist“ und Der Verdächtige“ kommen mir vor, als würde sich Grisham wieder „back to the roots“ begeben. Als Leser der ersten Stunde finde ich die Entwicklung, die Grisham während all dieser Jahre durchgemacht hat, absolut toll. Mir gefallen ohne Ausnahme alle seiner Bücher und ich freue mich schon jetzt, was er uns als nächstes unterbreitet. Mit John Grisham kann man aus meiner Sicht nichts falsch machen, wenn man gut geschriebene, spannende Unterhaltungsliteratur sucht.

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Fazit: Kurzweilig und spannend – eben ein echter Grisham!

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Steine von Tobias Bachmann

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 124 Seiten
Preis: 15,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Horror, Mystery, Science Fiction

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Charles Laughton und sein junger Gehilfe untersuchen mysteriöse Vorgänge in Stonehenge. In drei Episoden, die am Ende ein Gesamtbild ergeben, erzählt Tobias Bachmanns eine spannende Geschichte über eine fremde Macht, die die Menschheit bedroht.

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Es gibt mittlerweile einige Autoren, die sich immer wieder auf literarischem Wege dem Vermächtnis des H.P. Lovecraft widmen. Tobias Bachmann ist einer davon, und ich möchte behaupten, er ist einer der Besten. In der vorliegenden Sonderausgabe aus dem KOVD-Verlag kann der Leser nach langer Zeit endlich wieder einmal die ersten veröffentlichten Geschichten des Autors genießen, bei denen man nicht einmal ansatzweise bemerkt, dass sie so ziemlich die ersten Stories sind, die sich Bachmann ausgedacht hat. „Steine“ beinhaltet mehrere Geschichten, die ineinander übergreifen und letztendlich ein Gesamtwerk ergeben, an das man sich noch lange erinnert. Der Autor versteht es meisterhaft, Lovecrafts Stil und die Atmosphäre seiner Geschichten auszudrücken, ohne sie jemals zu kopieren. Es macht unglaublich Spaß, wenn man sich in einer Stimmung verlieren kann, die der von Lovecraft in nichts nachsteht, aber dennoch einen eigenen Stil in Bachmanns Worten erkennt.

„Steine“ ist eine nostalgische Reise in eine literarische Zeit, in der man noch verstand, sich gewählt auszudrücken und in der Action weitaus weniger wichtig war, als eine unglaublich intensive Stimmung zu beschrieben. Wie gesagt, Tobias Bachmann, ist aus meiner Sicht einer derjenigen, der es meisterhaft schafft, seinem literarischen Vorbild Tribut zu zollen, ohne den eigenen Schreibstil zu vernachlässigen. Bachmann ist keine Kopie Lovecrafts, sondern eine eigene Stimme, die sich dem Werk des Idols verschrieben hat.
Zu der fantastischen Geschichte kommt in diesem Falle noch hinzu, dass diese edle Schmuckausgabe auf verspielte Weise der Thematik annimmt und das Geschriebene visuell umsetzt und unterstreicht, dass man immer wieder darin blättern mag. Sei es das verbrannte, fehlende Blatt in den Tagebucheinträgen, oder die verschiedenen Schriftarten, die eingesetzt werden. „Steine“ wird dadurch zu einem literarischen und optisch ansprechenden Leseabenteuer, das einen für ein paar Stunden alles um einen herum vergessen lässt. Die von mir besprochene Sonderedition ist mittlerweile vergriffen, aber der Verlag plant eine „Normalausgabe“, die mit Sicherheit dennoch wunderschön ausfallen wird.
So, genau so, muss eine Hommage an Lovecraft sein: Atmosphärisch, innovativ in der Umsetzung und, trotz seines Minimalismus, episch.

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Fazit: Atmosphärischer Ausflug in die Welt von H.P. Lovecraft in einer tollen Edelausgabe.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Echo von Thomas Olde Heuvelt

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 718 Seiten
Preis: 17,00 €
ISBN: 978-3-453-32098-7
Kategorie: Drama, Mystery, Horror

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Nick besteigt mit seinem Freund den Berg Maudit, der in der Schweiz liegt und über den so gut wie nichts bekannt ist. Sie spüren bereits beim Aufstieg, dass der Berg von einer unheimlichen Macht erfüllt wird. Als dann ein Unglück geschieht, wird nicht nur Nick in einen Sog des Grauens gezogen, sondern auch dessen Lebensgefährte Sam und immer mehr Menschen in seinem Umfeld …

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Da mich Heuvelts Roman „Hex“ schon extrem fasziniert hat, war ich natürlich gespannt, was er mit seinem neuen Roman abgeliefert hat. „Echo“ übertrifft „Hex“ sogar noch, denn der Autor hat das Thema des Bergsteigens in Verbindung mit den mystischen Eigenschaften örtlicher Legenden, die sich um solch einen Berg ranken, komplex und geradezu hypnotisch beschrieben, sodass man das Buch wirklich nur sehr schwer aus der Hand legen kann. Über 700 Seiten lang begleiten wir die Personen durch einen Albtraum, der Realität und Einbildung verschmelzen lässt. Für manch einen mögen die langatmigen Beschreibungen langweilig sein, für andere (und dazu zähle ich mich) ist es geradezu eine literarische Offenbarung, die der in den Niederlanden geborene Autor hier präsentiert. Heuvelt verbreitet von der ersten bis zur letzten Seite eine Atmosphäre, wie man sie selten so konsequent in Romanen vorfindet (am ehesten fällt mir da noch das grandiose Meisterwerk „Terror“ von Dan Simmons ein). „Echo“ ist wie ein Rausch, wie ein Sog, der seine Leserschaft unweigerlich mitzieht und nicht mehr loslässt.

Okay, zugegebenermaßen haben mich anfangs die eingestreuten englischen Ausdrücke (die ja mittlerweile zum größten Teil leider eingedeutscht sind) etwas gestört, aber im Verlaufe des Buches habe ich mich zum einen daran gewöhnt und zum anderen spiegelte es den Charakter des Protagonisten und auch die Stimmung dann doch auf ziemlich geniale Weise wider. Bei diesem Aspekt muss man sich einfach darauf einlassen. Und auch wenn man solcherart Denglish nicht mag, so schmälert diese Tatsache keineswegs die Spannung und die auf jeder Seite spürbare unheimliche Atmosphäre. „Echo“ ist ein literarischer Trip erster Güte, den man nicht mehr so schnell vergessen dürfte. Ich könnte mir das Ganze übrigens auch unheimlich gut als Verfilmung vorstellen. Heuvelt spielt hier mit der Sprache, bewegt sich trotz der umgangssprachlichen Elemente auf einem sehr hohen Niveau und beschreibt die Ereignisse mit einer bildhaften Sprache, die einen immer wieder in Erstaunen versetzt. Vor allem der Unfall in den Bergen hat mich vollkommen umgehauen. Ich konnte die Kälte und die Angst spüren, und das so intensiv, dass diese Zeilen manchmal sogar unangenehm wurden, so erdrückend war diese Situation geschildert. Diese Stelle(n) waren für mich Höhepunkte des Buches, die mich absolut in ihren Bann schlugen.

Was mir außerdem äußerst gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass „Echo“ ein Genre-Hybrid ist, der sich nicht um die gängigen Konventionen der Literaturrichtungen schert, die er behandelt. Heuvelt erzählt schlichtweg eine Geschichte und kümmert sich nicht darum, ob diese nun in die Kategorie Mystery, Horror oder Drama fällt. Hier zählt die Story und nicht das Genre. Und das macht „Echo“ auch aus, man weiß nie, was einen als nächstes erwartet, ob es die stürmischen Höhen des Berges sind, die Liebesgeschichte zwischen Nick und Sam, die Beziehung zwischen den anderen Personen, die mysteriösen Vorgänge, die Nick auslöst oder das seltsame Verhalten der Bergdorf-Bevölkerung. „Echo“ ist Literatur, wie sie sein sollte: überraschend, spannend, innovativ und flüssig zu lesen. Für mich eines der Jahreshighlights 2021, daher würde ich mich umso mehr freuen, wenn noch mehr Werke dieses Ausnahmeautors ins Deutsche übersetzt werden würden.

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Fazit: Unheimlich, mysteriös, spannend, melancholisch, poetisch. Ein literarisches Meisterwerk.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tales of Cthulhu von Ralf Kor

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blutwut Verlag
insgesamt 268 Seiten
Preis: 29,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Horror

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11 Kurzgeschichten, die ins Universum von H.P. Lovecraft entführen.

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Es gibt ja unzählige Anthologien, Kurzgeschichten und Romane, die sich mit dem Cthulhu-Mythos des legendären H.P. Lovecraft beschäftigen. Viele sind extrem gut gelungen, wie Malte S. Semptens „Dhormengruul“ oder Uwe Voehls & Jörg Kleudgens „Arkheim“, um nur zwei Vertreter zu nennen. Auch Michael Dissieux’ „Die Legende von Arc’s Hill“ zählt zu jenen Werken, die man an dieser Stelle nennen sollte. Und nun gesellt sich Ralf Kors „Tales of Cthulhu“ dazu. Der Autor, der eigentlich eher im Bereich Funcore unterwegs ist, liefert mit dieser Kurzgeschichten-Sammlung eine Art literarische „Geschichten aus der Gruft“ ab, bei denen man immer noch eine Folge „ansehen“ will. In einem wunderbar flüssigen Schreibstil beschreibt Kor äußerst stimmungsvoll und bildhaft skurrile Begebenheiten, die sich am Ende immer hervorragend in das Lovecraft-Universum einbetten und dennoch voller eigenständiger Ideen erstrahlen. Ich habe mich bei jeder Story absolut unterhalten und war tatsächlich traurig, als das Buch zu Ende war. Ich hätte mir gut und gerne die doppelte Menge an Geschichten vorstellen können.

Was mir an dieser Kurzgeschichten-Sammlung besonders gefallen hat, war die Symbiose zwischen Kors eigenem Schreibstil und der besonderen Atmosphäre Lovecrafts. In jeder Geschichte erkennt man beide Autoren. Interessant ist, dass jeder Story eine kleine Vorgeschichte über die Entstehung vorangestellt ist, so dass man tatsächlich einen schönen Bezug dazu bekommt. Ralf Kor hat sich mit „Tales of Cthulhu“ in mein Leserherz geschrieben. Ich hatte auch, ehrlich gesagt, überhaupt nicht damit gerechnet, dass Kors Humor in solcherart Geschichten passt, wurde aber schnell eines Besseren belehrt. Wie oben bereits erwähnt, passt genau dieser teils witzige Schreibstil auf geniale Art und Weise in das Universum von Lovecraft. Ich kann gar nicht sagen, welche Story mir am besten gefallen, denn jede einzelne besitzt einen eigenen Charme und eine hypnotische Atmosphäre. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich wahrscheinlich aufgrund der tollen Stimmung „Die wahre Geschichte über den Untergang der Insel Runghold“, „Tote leben länger“ und „Evergreen Village“ wählen. Oder vielleicht doch „Die Messias-Maschine“? Oder …? Es fällt wirklich schwer, denn die Qualität der Geschichten ist durchgängig hoch und jede passt perfekt ins Gesamtbild. Okay, was ich eigentlich damit sagen möchte, ist schlichtweg, dass ich noch weitere solcher Stories von Ralf Kor lesen möchte.

Auch wenn Ralf Kor H.P. Lovecraft niemals kopiert, erreicht er dennoch mit seinen Geschichten eine ähnliche Atmosphäre. Die Stories ziehen den Leser unweigerlich in seinen Bann und können mit einfallsreichen Wendungen und Enden/Auflösungen aufwarten. Die limitierte Sammlerausgabe aus dem Blutwut-Verlag ist sehr schön gestaltet und überrascht mit einigen, äußerst passenden Illustrationen von Detlef Klewer, die einige Szenen der Geschichten eindrucksvoll zum Leben erwecken. Insgesamt war „Tales of Cthulhu“ von Ralf Kor für mich eine außergewöhnliche Reise ins Lovecraft-Universum, die mich wirklich begeistert hat und die ich mit Sicherheit noch einmal antreten werde.

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Fazit: Wunderbare Kurzgeschichten, die im Lovecraft-Universum angesiedelt sind, aber dennoch eine erfrischende Eigenständigkeit besitzen.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Von Frauen, Fremden und Phantomen von Georg Adamah

Erschienen als Taschenbuch
Independently published
insgesamt 238 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-1700693594
Kategorie: Drama, Liebe, zeitgenössische Belletristik

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Kurzgeschichten, die lose miteinander verbunden sind und zeigen, wie Liebe, Sehnsucht, Rache, Begierde, Freundschaft und Verrat im Leben „funktionieren“.

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Ein neues Buch von Georg Adamah? Klar war ich neugierig, was sich der Autor von „Die Sonne über dem südlichen Wendekreis“ (in einer früheren Version auch unter dem Titel „Liliths Töchter, Adams Söhne“ erschienen) ausgedacht hat. „Von Frauen, Fremden und Phantomen“ wird als Fragment eines Romans bezeichnet. Besser könnte man die Geschichte(n) gar nicht bezeichnen, denn man bekommt durchaus einen Roman geboten, der sich allerdings erst durch verschiedene Kurzgeschichten zu einem Ganzen verwandelt. Wie schon beim obengenannten „Die Sonne über dem südlichen Wendekreis“ macht das vorliegenden Buch ungemein Spaß, zumal es auch noch jede Menge (Lebens-)Wahrheiten verbirgt, die einen daran erinnern, wie man sich selbst oft verhält. Man erkennt sich also immer wieder.
Adamah hält sich, wie bereits in seinem ersten Roman, nicht wirklich an die gängigen Konventionen in der Literaturwelt. Und das ist auch gut so, denn sowohl vom Aufbau als auch von der sprachlichen Innovation kenne ich wenige Romane, die derartig verfasst sind. Die wörtliche Rede ist nicht entsprechend gekennzeichnet, so dass man schon aufmerksam lesen muss, um das Geschriebene in all seinen Facetten zu verstehen. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, fällt es natürlich leichter.

Der Aufbau der Geschichte(n) hat mich erneut fasziniert. Es liest sich kompliziert und dennoch so unglaublich flüssig. Es ist eine Kunst, so zu schreiben, ohne dass der Leser den Faden verliert und alles in jedem Detail versteht. Georg Adamah kann sehr gut schreiben und man vergisst seinen ganz besonderen, eigenen Stil nie wieder. Ich habe mich in den Storys teilweise richtiggehend verloren, weil sie von Melancholie bis über Hass und Verrat alles beinhalten und in einem das Gefühl wecken, man liest eine emotionale Biografie. Vor allem die Gefühle sind bei Adamah groß geschrieben und werden sehr authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Dass sich der Autor sozusagen als Hauptperson einbringt, mag für den ein oder anderen etwas seltsam wirken, wenn man aber den Sarkasmus darin erkennt, macht es zum einen Sinn und zum anderen eben enormen Spaß. Oft habe ich mich dabei ertappt, dass ich während des Lesens schmunzeln musste. Auch dieses Herangehensweise vermittelt den Eindruck, man hätte es mit einer Art Lebensgeschichte des Autors zu tun. „Von Frauen, Fremden und Phantomen“ ist für mich ein ganz besonderes Buch, weil es mich auf eine sehr eindrucksvolle Reise mitnimmt, die direkt aus dem Leben gegriffen scheint. Niemals langweilig, immer intensiv und ehrlich. Ein Buch, das man bestimmt immer wieder gerne in die Hand nimmt und darin schmökert.

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Fazit: Unterhaltung auf hohem Niveau. Witzig, melancholisch, ehrlich. So muss ein Buch sein.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

The Silence von Tim Lebbon

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Buchheim Verlag
432 Seiten
69,99 €
ISBN: Privatdruck, signierte, illustrierte und auf 777 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe
Kategorie: Horror, Dystopie

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Aus einem neu entdeckten, Millionen Jahre alten und unterirdischen Höhlensystems entkommen Kreaturen, die alles töten, was auch nur den geringsten Laut von sich gibt.
Die sogenannten Vesps verstreuen sich über die ganze Welt und fallen auch über Europa her. Das taube Mädchen Ally bricht mit ihrer Familie auf, um einen abgelegenen Zufluchtsort zu suchen, Wo sie das Ende der weltweiten Bedrohung abwarten können.
Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit, denn das Grauen wird immer gefährlicher, die Welt immer stiller und schon bald versinkt das Leben, wie Ally es kannte, in einem erschreckenden Chaos.

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Beim Klappentext fühlt man sich unweigerlich an den bedrückenden Horrorfilm „A Quiet Place“ erinnert, in dem ebenfalls unheimliche Wesen die Menschheit beim kleinsten Geräusch minimiert. Tim Lebbon geht hier einen ähnlichen Weg, wenngleich seine Apokalypse weltweit beschrieben wird und daher, zumindest für mich, schon einmal ein weitaus bedrohlicheres Gefühl in der Magengegend hinterlässt. Sein Szenario wirkt authentischer, weil wir nicht nur ein paar Menschen auf ihrem Überlebensweg begleiten, sondern auch Augenzeuge von einer Pandemie werden, die sich über den ganzen Erdball erstreckt. Das wirkt einfach viel epischer und bedrückender wie der obengenannte Film. Von „The Silence“ existiert ebenfalls eine Verfilmung. Warum diese dann aber wiederum gegenüber „A Quiet Place“ ein wenig schlechter abschneidet, ist wohl schlichtweg der Tatsache zuzuschreiben, dass Lebbons Weltuntergang auf Papier weitaus besser funktioniert als in einem Film. Seine Worte nehmen den Leser mit auf eine unglaublich intensive Reise, die die Verfilmung aufgrund seiner relativ kurzen Laufzeit einfach nicht entsprechend hinbekommt, was aber wiederum keineswegs bedeutet, dass die filmische Umsetzung schlecht geraten ist. Nein, keinesfalls, aber sie ist einfach anders und in meinen Augen weniger intensiv.

Der Schreibstil von Tim Lebbon ist sehr flüssig zu lesen, so dass man eine Seite nach der anderen liest und die Zeit fast vergisst. Was mit besonders gefallen hat, ist, dass die Geschichte im Grunde genommen unspektakulär und sehr ruhig erzählt wird. Das verleiht dem Roman einerseits eine hohe Glaubwürdigkeit und hat zur Folge, dass sich der Autor nicht in irgendwelchen, unwahrscheinlichen Action-Sequenzen verliert, sondern schlicht eine geradlinige Geschichte erzählt, die dadurch umso erschreckender und bedrückender wirkt. Das heißt aber nicht, dass in „The Silence“ keinerlei Spannung aufkommt, ganz im Gegenteil, man fragt sich im Nachhinein, wo die über 400 Seiten geblieben sind, so nervenaufreibend und faszinierend ist die Flucht der Familie geschildert. Ich fand auch, dass die Charaktere und das Zusammenspiel der Familienmitglieder sehr überzeugend vom Autor gestaltet wurde.

Am Ende komme ich dann noch zu einem für mich sehr wichtigen Aspekt, der die spezielle Aufmachung dieses Sonderbandes aus dem Buchheim Verlag behandelt. Mit einem Preis von stolzen 70 Euro kommt man erst einmal ins Grübeln, ob es sich lohnt, so viel für ein Buch auszugeben. Wenn man dann aber das Ergebnis in den Händen hält, ist man schnell davon überzeugt, richtig gehandelt zu haben, denn es ist ein echtes Schmuckstück. Von der hochwertigen Bindung und dem genial gestalteten Einband abgesehen, erwartet den Buchliebhaber im Inneren eine von Tim Lebbon und dem Illustrator Daniel Serra signierte Sonderseite, die dem Buch alleine schon einen gewissen Reiz verleiht. Doch damit noch nicht genug: Am rechten Rand befindet sich zudem noch eine Art Daumenkino, das eines der aggressiven Lebewesen hin und her fliegen lässt, außerdem lassen die hervorragenden Illustrationen von Daniel Serra bestimmte Passagen der Geschichte zum Leben erwecken. Es war schon ein besonderer Genuss, diesen Roman in der mir vorliegenden Sammlerausgabe und nicht in Taschenbuchform zu lesen. Ich bereue den Kauf nicht und bin sicher, dass ich gerade wegen der Aufmachung bestimmt noch einmal zu „The Silence“ greifen werde.
Den Roman gibt es aber auch in der preisgünstigeren Taschenbuchausgabe über den gleichen Verlag.

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Fazit: Spannende und bedrückende Weltuntergangsgeschichte in einer fantastischen Sammlerausgabe.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Himmel auf Erden von Jeffrey Archer

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-453-47166-5
Kategorie: Belletristik, Kurzgeschichten

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Fünfzehn Kurzgeschichten, von denen einige auf wahren Begebenheiten basieren.

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Die Kurzgeschichtensammlung „Der Himmel auf Erden“ war mein erstes Buch von Jeffrey Archer und ich muss sagen, dass er mich sofort in seinen Bann ziehen konnte. Sein gehobener, aber niemals schwer zu lesender Schreibstil hat es mir sofort angetan, so dass ich das vorliegende Buch nahezu in einem Rusch durchgelesen habe. Archer hat sich bei einigen Geschichten von realen Ereignissen inspirieren lassen, was dem Lesegenuss noch einen zusätzlich Bonus verleiht. Ich habe mich jedenfalls in jeder seiner Kurzgeschichten wohlgefühlt und freue mich nun schon darauf, noch weitere Werke dieses Autors zu lesen. Archer schafft es vor allem, ein sehr bildhafte Atmosphäre zu schaffen. Selbst bei diesen kurzen Geschichten meint man im Nachhinein, man hätte eine Novelle gelesen, denn die Beschreibungen sind detailliert auf den Punkt gebracht.

Nach der ersten Kürzestgeschichte „Einzigartig“, bei der Archer lediglich 100 Worte benutzte, um sie zu erzählen, kommt gleich eine ideenreiche Story mit dem Titel „Beichte“, die mich so manches Mal an einen Plot von John Grisham erinnert hat.
Das darauffolgende Stück „Ansicht von Auvers-sur-Oise“ ist eine Kriminalgeschichte im Geiste von Sherlock Holmes, wenn ich den Vergleich heranziehen darf.
„Ein Gentleman und Gelehrter“ setzt sich für die Anerkennung von Frauen in wissenschaftlichen und literarischen Berufen ein und ist äußerst unterhaltsam verfasst.
„In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt“ stellt eher eine dramatische Liebesgeschichte dar, die mit einer guten Wendung auftrumpfen kann.
Die darauf folgende Geschichte „Der Parkwächter“ wurde von wahren Ereignissen angeregt, erinnert ein wenig an Hans Fallada und hinterlässt den Leser mit einem zufriedenen Schmunzeln auf den Lippen.
„Eine verlorene Stunde“, ebenfalls auf einem realen Vorfall basierend, hat mich zutiefst beeindruckt. Und auch wenn diese Story sehr kurz gehalten ist, so ist sie eine derjenigen, die mir so bildhaft im Gedächtnis geblieben ist, dass ich meinte, einen Kurzfilm gesehen zu haben.
„Auf dem Weg nach Damaskus“ schließlich führt uns Archer in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, das einem am Ende einen Schauer über den Rücken jagt.


„Der Betrogene“ gleicht fast einem Märchen mit einer Moral am Ende und „Der Urlaub ihres Lebens“ könnte einfallsreicher und witziger sein. Wie eine Tragikomödie schildert Archer hier das trickreiche Leben eines Ehepaares und präsentiert sogar drei (!!!) verschiedene Enden.
„Verdoppeln oder aufhören“ handelt von einem Glücksspieler und erinnert mit seiner Moral am Ende ebenfalls an ein modernes Märchen.
„Der Senior-Vizepräsident“ könnte durchaus auch wieder aus der Feder von John Grisham stammen und hat mir mit seiner Thematik und der bildhaften Erzählweise außerordentlich gut gefallen.
„Eine glücklich verlorene Seitenwahl“ geht es um einen Mann, der den Schrecken des Krieges erleben muss.
„Wer hat den Bürgermeister umgebracht“ ist eine skurrile Geschichte um ein Dorf, die ich mir gut als Film im Stile von „Lang lebe Ned Devine!“ vorstellen könnte.
Mit „Der perfekte Mord“ schließt Jeffrey Archer seine Kurzgeschichtensammlung wieder mit einer 100-Wörter-Geschichte ab.

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Fazit: Unterhaltsame Kurzgeschichtensammlung, die in einem tollen Schreibstil verfasst sind. Absolut kurzweiliges Lesevergnügen.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten