Revival von Stephen King

Revival

Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26963-7

Jamie Morton ist 6 Jahre alt und lebt in einer glücklichen amerikanischen Familie bestehend aus seinen Eltern, seinen drei älteren Brüdern und seiner Schwester Claire. Jamie spielt gerade vor dem Haus auf der Straße mit seinen geliebten Spielzeugsoldaten, als er das erste Mal auf den neuen Reverend der Stadt, Charles Jacobs, trifft. Dieser ist selbst noch recht jung mit seinen 25 Jahren, als er die Pfarrerstelle antritt. Mit dabei seine junge Frau Patsy und der kleine Sohn Morrie (das Klettchen). Der Reverend und seine Familie sind bei allen sehr beliebt. Die Kinder gehen gern in die Jugendgruppe, wo Reverend Jacobs auch immer sein Hobby, die Elektrizität, zur Schau stellt und die Kinder und Jugendlichen zum Staunen bringt.

Als ein schrecklicher Unfall Jacobs seine Liebsten nimmt, fällt er quasi vom Glauben ab und in seiner letzten Predigt, verflucht er Gott bis aufs letzte und der Rauswurf aus der Gemeinde ist unvermeidlich. Jacobs verlässt die Stadt und Jamie verabschiedet sich als einziger von ihm.


Jamie ist mittlerweile Mitte 30, war Musiker in diversen Bands und ist schwer heroinsüchtig, als er auf einem Jahrmarkt in Tulsa erneut auf seinen alten Freund Jacobs trifft. Der verdient sich mittlerweile seinen Lebensunterhalt mit der Elektrizität. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und fasziniert seine Zuschauer mit besonderen Blitzportraits. Jamie bleibt eine Weile bei ihm, wird von seinem alten Freund sogar von seiner schweren Sucht geheilt. Dennoch ist Jacobs Jamie nicht geheuer. Irgendetwas hat der ehemalige Reverend an sich, dass Jamie Angst einflösst …

***

Eigentlich erzählt dieses Buch nur die Lebensgeschichte von Jamie Morton, den wir als kleinen Jungen kennenlernen. Dann erlebt der Leser mit, wie er sich als Teenager mit der Gitarre seines großen Bruders das Spiel beibringt (der ganze Scheiß fängt mit einem E an!), Jamie im Laufe seines Erwachsenwerdens mit Bands umherzieht, er Verluste einstecken muss, selbst schwer abstürzt, wieder auf die Füsse kommt und dann ein besseres Leben beginnt.

Für viele Leser mag das total langweilig sein, mich hat es absolut gefesselt. Mir ist Jamie im Laufe seiner Jahre/der Handlung sehr ans Herz gewachsen. Das Jamie im Laufe der Geschichte immer wieder auf Charles Jacobs trifft, ist seltsamerweise nicht verwunderlich,  irgendwie scheinen die beiden miteinander verbunden zu sein. King hat nicht nur das Wesen seines Protagonisten, sondern auch den Charakter des Reverend sehr gut ausgearbeitet. Auch wenn er mit den Jahren immer düsterer, unheimlicher, verrückter und besessener wird, so bleibt er irgendwie auch immer der nette Kerl, der mit Mitte 20 Jamies Herz erobert hat, weil er einfach nett zu ihm war. Und nach dem schrecklichen Vorfall, der mich selbst total geschockt hat (der übrigens in der typischen „alten“ King-Grausamkeit geschrieben ist), fand ich seine Reaktion überhaupt nicht abwegig. Auch wenn diese Worte schon sehr blasphemisch daherkommen, sind sie sehr nachvollziehbar. 

Stephen King liefert hier eine Story, die mich ein wenig an LOVE erinnert hat und die sehr viel Einfluß von Lovecraft haben soll. Das kann ich nun nicht wirklich beurteilen, da ich seine Geschichten nie gelesen habe. Ich kenne sie nur vom Erzählen, den Covern und den Klappentexten unserer Lovecrafts in der Bibliothek hier. Ich habe bei einer Bloggerkollegin gelesen, dass man vorher „Briefe aus Jerusalem“ aus Nachtschicht lesen sollte und das habe ich getan. Bis auf eine kleine Gemeinsamkeit war aber nicht viel an Verbindung herauszulesen.

Alles in allem fand ich diesen Roman sehr gefühlvoll, teils sehr traurig und schockierend. Vor allem die familiären Momente haben mir sehr gut gefallen und mich dann stellenweise mitgenommen. Jamie wird älter, seine Brüder werden älter und als er dann nach vielen Jahren in seinem Heimatort wieder die Gitarre in die Hand nimmt und spielt, wo alles begann, war auch das eine sehr emotionale Szene.

Mein Fazit: Ein King, der für viele langweilig und langatmig ist. Für mich war er gefühlvoll, dramatisch, düster, schockierend und schön 🙂

Ich danke dem HEYNE Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2015

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Ligeia von John Everson

 

Erschienen als Taschenbuch
bei Festa-Verlag
insgesamt 407 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-188-0
Kategorie: Horror, Thriller

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Abend für Abend spaziert Evan am Strand entlang und denkt darüber nach, wie sein weiteres Leben verlaufen wird, nachdem er seinen Sohn bei einem Unfall verloren hat. Evan und seine Frau Sarah durchleben eine schreckliche Zeit der Trauer, an der ihre Ehe zu zerbrechen droht. Sarah sucht Vergessen, in dem sie sich betrinkt, und Evan weint heimlich bei seinen Strandspaziergängen. Eines Tages trifft er auf eine geheimnisvolle, nackte Frau, die aus dem Meer steigt und ihn durch einen hypnotischen Gesang verzaubert.

Evan weiß nicht, wie ihm geschieht, als sich sein sexueller Trieb sozusagen verselbständigt und er mit der mysteriösen Unbekannten direkt am Strand schläft. Wie eine Droge ergreift die bildschöne Ligeia von seinen Gedanken Besitz und läßt ihn während der kommenden Tage, und vor allem Nächte, nicht mehr in Ruhe.
Zwanghaft sucht Evan jeden Abend die Stelle am Strand auf, um mit der Frau zu kopulieren, während sich Sarah wegen dem Verlust ihres Sohnes betrinkt.

Als Evan versucht, aus der Affäre auszubrechen, erkennt er erst, in welche Gefahr er sich begeben hat, als er sich auf Ligeia eingelassen hat.
Allem Anschein nach handelt es sich bei ihr nämlich um eine uralte Legende, eine Sirene, die schon vor über hundert Jahren ihr Unwesen auf dem Meer getrieben hat und einzig und allein darauf aus ist, ihre Opfer nach einer gewissen Zeit bei lebendigem Leib zu fressen.

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In unbestimmten Abständen gerät man an ein Buch, das einen vollkommen überrascht, indem es etwas anderes bietet, als man erwartet hat. „Ligeia“ von John Everson ist so ein Buch. Und, bis auf das leider etwas schwache Finale (dazu aber später), für mich im Bereich Horror eine der großen Neuentdeckungen für das Jahr 2013.

Everson schreibt flüssig und es macht ungeheuren Spaß, die Geschichte des Protagonisten zu verfolgen. Ich fühlte die Trauer wegen seines Sohnes, seine Schwäche und sein schlechtes Gewissen bezüglich der Affäre mit Ligeia, aber auch die unerschütterliche Liebe zu Sarah. Die Zerrissenheit zwischen trautem Eheleben, das Evan wieder auf die Reihe kriegen will, und dem Abenteuer eines Seitensprungs, der Begierde nach Ligeia, der er durch ihren hypnotischen Gesang einer Sirene nicht entgehen kann, ist so intensiv zwischen den Zeilen zu lesen, dass die Geschehnisse absolut glaubhaft wirken.

Leider driftet Everson am Ende in ein klischeehaftes Mainstream-Showdown-Ende, das die einfühlsame und dennoch sehr spannende Geschichte meines Erachtens überhaupt nicht gebraucht hätte. Aber vielleicht sind da die Geschmäcker zu verschieden und vielen ist das Buch zu langweilig, so dass sie die actionlastige Schlussszene willkommen heißen. Ich für meinen Teil hätte mir ein ruhiges, der ganzen Atmosphäre des restlichen Buches angepasstes Ende gewünscht.
Allerdings bügelt Everson mit dem Epilog wieder so einiges aus. Auch wenn dieser Anhang ganz am Schluss nicht allzu lang ist, führt er doch wieder zur Grundstimmung der Geschichte zurück.

Fazit: Einfühlsamer, atmosphärisch dichter Horror-Thriller, in dem am Ende leider die Stimmung ein wenig kippt. Insgesamt ein stimmiger, gekonnt geschriebener Roman, der mich teils an die Bücher von Greg F. Gifune denken ließ, aber auch an Genre-Klassiker des Horrorfilms wie z.B. „Tot & begraben“ oder „The Fog“ erinnnert. Ganz klare Empfehlung für Freunde von gehobenem, stimmungsvollem Horror. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

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© Cryptanus für Buchwelten 2013

autoreverse von Kai Thomas Geiger

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Erschienen als Taschenbuch
im TheissVerlag
insgesamt 256 Seiten
Preis: 14,95 €
ISBN: 978-3-8062-2774-1
Kategorie: Roman

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Ein Vorort von Stuttgart in den 80er Jahren. Vier Jungs: Marc, Jones, Basti und Fred der Popper, der eigentlich keiner ist. Musik, Jugendheim, Fanclub, Mopeds (Enduro!), Teenager sein, erwachsen werden … DAS ist, autoreverse.

Marc und Jones kennen sich von klein auf, sie wohnen gegenüber und ihre Eltern sind befreundet. Ihre Freundschaft war also eigentlich von Anfang an vorprogrammiert und wurde von keinem je in Frage gestellt. Karl ist Jones großer Bruder, Jones der eigentlich Jonas heißt aber nicht mal von seinen Eltern so genannt wird. Karl ist älter, Karl hat Musik, Karl kennt sich aus mit Musik und Karl geht zum Queen Konzert … und Karl nimmt die Jungs mit. 

Das reicht zur Infektion völlig aus. ABBA ist auf einmal nicht mehr die Musik, die ein Junge braucht, es muss schon rockiger sein. Das Queen Konzert ist somit der Anfang einer innigen und intensiven Leidenschaft. Es folgt weiterer Rock: AC/DC. Marc und Jones sind auf Rock-Droge. Sie gründen einen Fan-Club, zu zweit.

Wer auf Musik steht und jung ist, hat ein Problem, nein, eigentlich zwei: 1. man braucht eine gute Anlage! 2. Man braucht Geld um sich eben diese leisten zu können. Wie löst man das Problem? Man(n) findet den Glauben an Gott und lässt sich konfirmieren ….

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Dies ist nur eine kurze Zusammenfassung zu einem Ausflug zurück in die 80er Jahre, die für alle, die zu dieser Zeit Teenager waren, die beste aller Zeiten war. Auch ich war ein 80er Jahre Teenager, ein bisschen jünger als die Jungs im Roman, aber dennoch mittendrin und auch ich möchte in keiner anderen Zeit Teenie gewesen sein.

Wir hatten in der Tat weder Handys, noch Facebook-Freunde oder MP3 Player. Wir haben unsere Freunde noch mit Telefonen mit Kabeln und manchmal sogar Drehscheiben angerufen und die Eltern haben gezickt, weil die Einheiten teuer waren. Wir hatten Kassettenrecorder und Walkman! Und, wir sind sogar einfach spontan zu unseren Freunden rübergegangen und haben geklingelt!

Diese Geschichte ist von vorne bis hinten so echt und greifbar geschrieben, dass ich eine Reise in die Vergangenheit unternommen habe. Der Autor lässt Marc, die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählen, was die Wirkung der Geschichte vermutlich so real rüberbringt. Wie Kai Thomas Geiger diese spezielle Jungenfreundschaft erzählt, dieses Zusammenwachsen und wieder Auseinanderreißen beschreibt, ist sehr glaubhaft erzählt. Die Jungs sind alle charakterlich total unterschiedlich und jeder für sich sehr gut ausgearbeitet. Der Leser ist in der Geschichte gefangen und erlebt deren Älterwerden mit allen glücklichen, schlechten und gefährlichen Momenten.

Ich war ein weiblicher Teenager der 80er, doch natürlich kannte ich Jungs zu dieser Zeit mit denen auch ich im Jugendzentrum abhing. Ich habe mich in dieser Geschichte absolut wohl und zu Hause gefühlt und ich habe jede Seite genossen. Wegen mir hätte dieses Buch noch viel weiter gehen können, doch jede Geschichte ist bekanntlich nur so lang, wie sie dauert. Und autoreverse war nach 254 Seiten (leider) zu Ende.

Der Roman ist als Taschenbuch im Theiss Verlag erschienen und das Cover erinnert auf den ersten Blick an die 80er. Der Titel? Nun, damals gab es noch Tapedecks und die besonders guten haben die Kassetten am Ende automatisch umgedreht und die B-Seite angespielt. Das war nicht nur in „gewissen Momenten“ sehr praktisch 🙂 .

Wir mittlerweile erwachsenen Teenager der 80er haben ja gewissermaßen echtes Glück: Retro ist total angesagt. Wir können wieder Jeansjacken kaufen, Converse Chucks und Adidas Allround (oder Samba) tragen. Das alles gibt es u.a. wieder zu kaufen. Mir persönlich fehlen noch die Vanillia Hosen … Sogar Vinyl ist mittlerweile wieder angesagt, die Menschen kaufen also sogenannte Schallplatten, LP’s und spielen sie auf Plattenspielern ab. Also, irgendwie haben wir trotz Virtual Reality und Social Network, etc. ein Stück unserer Jugend wiederbekommen.

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Mein Fazit: Volle 5 von 5 Sternen für eine Reise zurück in die 80er voll von Musik, Freundschaft, Glück, Wut, Trauer und jeder Menge Erlebnissen, die zum Erwachsenwerden dazugehören. Sehr real geschrieben, lebensecht und gefühlvoll umgesetzt! Ich gebe sehr gerne eine unbedingte Leseempfehlung.

Ich danke Amazon Vine für die Bereistellung des Rezensionsexemlars. 

Mehr über den Auor auf seiner —>  Homepage

autoreverse bei —> Facebook

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© Buchwelten 2013

Mein böses Herz von Wulf Dorn (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im  cbt Verlag
416 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN:  978-3-570-16095-4

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Die 16-jährige Doro hat einiges durchgemacht. Nach dem Tod ihres kleinen Bruders Kai (er war ca. 1 Jahr alt) ist die Ehe ihrer Eltern zerbrochen und Doro wurde in die Psychiatrie eingewiesen, weil sie unter Halluzinationen litt. Sie hat in der Schule ihren toten Bruder gesehen und sich schreiend in der Toilette eingeschlossen. Mittlerweile wird sie nur noch medikamentös behandelt und ist nach wie vor in ambulanter Psychologischer Behandlung.

Die soll ihr helfen, ihre Erinnerung wieder zu erlangen, denn sie hat komplett alles vergessen, was am Abend vor Kais Tod geschehen ist. Sie weiss nur noch, dass sie es war, die den Kleinen morgens tot in seinem Gitterbettchen gefunden hat und dass sich ab diesem Moment ihr Leben vollständig verändert hat.

Doro ist eine Synnie, eine Synästhetikerin. Das sind Menschen die viel intensivere Sinne haben als üblich. Sie können unter anderem die Farben der Menschen sehen. Die Farben, die ihrer Aura entsprechen. Das macht es Doro nicht unbedingt leichter. Denn als Synnie ist sie für heftige Träume, Stimmen in ihrem Kopf und Halluzinationen zusätzlich noch viel empfänglicher.

Doros Mutter hat auf dem Land, im kleinen Kaff Ulfingen, einen neuen Job gefunden und dort für sich und ihre Tochter ein kleines Hexenhäuschen angemietet. Sie hofft dort auf einen Neuanfang und natürlich auch, dass die neue Umgebung Doro gut tut und sich ihr gemeinsames Leben endlich wieder normalisiert.

Dass der neue Therapeut auch gleich ihr Nachbar ist, trifft sich natürlich gut.

Es schein alles recht gut anzugehen, das neue Haus ist zwar eher provisorisch eingerichtet, aber hat einen besonderen Charme. Doro und ihre Mutter fühlen sich sehr wohl und beginnen ein neues Verhältnis aufzubauen. Sie entwickeln sich zu zwei besten Freundinnen, was Doro sehr gut gefällt. Ist es doch völlig anders, als das frühere Mutter-Tochter-Ding.

Eines Nachts wird Doro von einem Gewitter geweckt und Lärm aus dem Garten treibt sie hinaus. Die Türe der Gartenlaube knallt im Wind ständig hin und her, daher schnappt sie sich eine Taschenlampe, um den Krach abzustellen. Da sieht sie plötzlich einen Jungen in der Laube. Er liegt unter dem Tisch. Blass, verwirrt, dürr und er redet wirres Zeug. Er bittet Doro um Hilfe und als sie diese holen will und danach zur Laube zurückkehrt, ist er plötzlich verschwunden.

Niemand glaubt Doro, weder ihre Mutter, noch ihr Therapeut. Sie ist verzweifelt, weil jeder in ihr nur den Freak sieht, der Stimmen hört und einfach nur „Psycho“ ist. Als Doro dann durch Zufall erfährt, dass dieser Junge bereits einige Tage bevor sie ihn in der Laube liegen sah Selbstmord begangen hat, ist sie einerseits völlig verwirrt, beginnt aber andererseits nun erst recht der Sache auf den Grund zu gehen.

Denn Doro ist sicher, sie ist nicht irre oder verrückt! Behilflich dabei ist ihr Julian, der Sohn ihres Nachbarn. Ein trauriger aber netter Junge, der es Doro angetan hat ….

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Als erstes möchte ich loswerden, dass ich am liebsten sofort einen Stern abgezogen hätte, weil der Verlag so „klug“ war, vor den Anfang des Romans ein Interview mit dem Autor abzudrucken. Dieses ist an sich gut, aber es enthält leider einige Aussagen, die tatsächlich als Spoiler zu werten sind, weil sie viel zu viel vom Inhalt verraten. Und das ist eine Schande bei diesem tollen Roman.

Nun, da der Autor aber offensichtlich nichts für diese Entscheidung des Verlages kann, habe ich diese erste „Enttäuschung“ einfach ausgeklammert.

Dennoch sollte der Verlag sich ernsthaft überlegen, zukünftig solche Autoreninterviews ans Ende des Buches zu stellen.

Der Roman ist als Jugendbuch für Teenager ab 14 eingestuft aber auch mich als 42-jährige hat er völlig in seinen Bann gezogen.

Ein sehr guter Aufbau, ein schöner Schreibstil, der eigentlich recht einfach, aber sehr flüssig und angenehm zu lesen ist.

Die Protagonistin Doro ist mir sehr ans Herz gewachsen, mit allen ihren Ecken und Kanten und der Autor hat die 16-jährige und ihr inneres Gefühlschaos sehr gut ausgearbeitet. Und das, obwohl der Autor kinderlos ist, wie ich im besagten Interview erfuhr. Jedoch arbeitet Wulf Dorn in einer Psychiatrischen Abteilung und sein Wissen, auch über Synästhetiker, hat er sehr gut rübergebracht. Es war hochinteressant zu lesen, wie solche Menschen funktionieren und was traumatische Erlebnisse mit unserer Psyche anstellen können.

Der Grundkern der Geschichte ist, dass wir alle einen bösen Teil in uns tragen, nur ob er zum Zuge kommt, liegt allein bei uns.

Dieser Roman ist ein äußerst guter Psycho-Thriller geworden, der sehr gut verständlich, aber dennoch absolut spannend und fesselnd ist. Es geht um Jugendliche, Musik, Mystery, alles Dinge die auch uns Erwachsene ansprechen. Marilyn Manson und Sisters of Mercy (mit „y Herr Dorn 🙂 !) höre ich übrigens selber sehr gern.

Die Szene in der leerstehenden Eisengießerei hat mir übrigens außerordentlich gut gefallen. Sind wir als Jugendliche nicht auch gerne in solch verlassenen Gebäuden herumgeschlichen, auch wenn wir uns vor Angst beinahe in die Hose gemacht haben? Ich schon.

Für mich ein Spitzenbuch, dass ich in zwei Tagen „gefressen“ hatte. Hiermit hatte neben der spannenden Handlung gewiss auch die Aufmachung des Buches mit den extrem kurzen Kapiteln zu tun. Immer wieder wurde ich verleitet noch eines zu lesen und meist wurden es dann noch mehr.

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Mein Fazit: Volle Punktzahl 5 von 5 Sternen für diesen spannenden Thriller, mit sehr guten Charakteren, der keinesfalls nur für Jugendliche geschrieben ist, sondern auch Erwachsene Leser zu fesseln versteht. Ein Lob an den Autor.

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Ich danke Amazon und cbt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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© Buchwelten 2012

Die Stunden von Michael Cunningham (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im btb Verlag
224 Seiten
Preis: 9,00 €
ISBN:  978-3-442-72629-5

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Ein Tag, nur einige aneinandergereihte Stunden im Leben dreier Frauen, die zu völlig unterschiedlichen Zeiten leben aber dennoch miteinander verbunden sind.

Da ist Virginia Woolf, die seelisch kranke und dennoch so hellwache Schriftstellerin, die im Jahre 1923 in einem Vorort von London so langsam aber sicher zu Grunde geht. Sie lebt dort auf Anraten ihrer Ärzte und ihres treusorgenden Ehemannes, damit sie sich erholen kann, die Stimmen in ihrem Kopf sie in Frieden lassen und sie wieder gesund wird. An diesem Tag wird Virginia arbeiten, sie wird endlich wieder schreiben und sie hat den ersten Satz zu ihrem neuen Werk, das einmal „Mrs. Dalloway“ heissen wird: „Mrs. Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber kaufen“ …

Da ist Laura Brown, Mutter und Ehefrau in den Nachkriegsjahren in Amerika, gerade schwanger mit ihrem zweiten Kind. Eine ruhige, in sich gekehrte Frau, die am liebsten den ganzen Tag in der Welt ihrer Bücher versinken möchte. Sie bemüht sich eine  gute Frau und Mutter zu sein, kann aber nicht aus ihrer Haut. Sie bleibt an einem Morgen einfach im Bett und nimmt das Buch „Mrs. Dalloway“ von Virgina Wood zu Hand. Sie beginnt zu lesen …

Da ist Clarissa Vaughn, selbständige Lektorin im New York der 90er Jahre. Sie lebt sein 10 Jahren in einer lesbischen Beziehung und kümmert sich aufopfernd um ihren Jugendfreund Richard, der schwer an Aids erkrankt ist. An einem schönen Junimorgen, sie ist mit den Vorbereitungen zu einer Party beschäftigt, die sie für Richard geben will, entscheidet Clarissa (Spitzname: Mrs. Dalloway) spontan die Blumen für die Party selber zu kaufen. Nach dem Einkauf schaut sie noch bei Richard in der Wohnung vorbei, eine eigene Welt in der es immer dunkel ist. Richard hat alle Fenster verhangen und sagt, er lebe nur noch für sie: Mrs. Dalloway. Er, der Schriftsteller der am Abend einen der begehrtesten Literaturpreise verliehen bekommt hat Clarissa damals diesen Namen gegeben …

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Diesen Roman habe ich gebraucht gekauft und eigentlich nur, damit ich bevor ich den gleichnamigen Film anschaue, das Buch gelesen habe. Es ist ein relativ dünnes Buch, mit seinen 224 Seiten hat aber soviel hochwertigen Inhalt zu bieten.

Sicher hatte ich das Buch schnell gelesen, aber einfach mal so „durchfliegen“ ist hier nicht möglich. Denn Cunningham schreibt in einem sehr hochwertigen, blumigen und hintergründigen Schreibstil. Es gibt lange, verschachtelte Sätze die immer wieder von den Gedankengängen der jeweiligen Protagonistin unterbrochen werden. Dennoch ist das Buch keineswegs schwierig zu lesen, man sollte es nur aufmerksam tun. Denn sonst überliest man vielleicht die Dinge zwischen den Zeilen, das schöne und wichtige, was der Autor aussagen will.

Erfreue dich an dem was du hast, an dem was du siehst. Gehe mit offenen Augen durch dein Leben und geniesse es. Denn es kann schnell vorbei sein oder eine dir wichtige Person verlässt dich. Lebe das wesentliche in deinem Leben und tue einfach mal das, was du willst und nicht immer nur Dinge um anderen gerecht zu werden oder zu gefallen.

Das Buch war stellenweise ziemlich traurig, zeigte aber auch immer wieder Mut und Stärke auf. Ich kann nicht einmal sagen, welche der  drei Frauen mir am sympathischsten war. Denn dazu waren sie dann einander doch zu verschieden, wobei sie sich gleichzeitig so ähnlich sind.

Der Roman beginnt im Jahre 1941, mit dem Selbstmord von Virginia Woolf. Dann wechselt die Handlung immer wieder zwischen den drei Handlungssträngen in den verschiedenen Jahren. Und mir ging es so, dass ich immer im jeweiligen Kapitel einer der Frauen unbedingt wissen wollte, wie es den anderen beiden ergeht.

Die Auflösung dessen, wie die Figuren miteinander verbunden sind und das Finale, das Ende was der Autor damit erschaffen hat ist absolut fantastisch gelungen. Wenn plötzlich klar wird wie diese drei Frauen aus den unterschiedlichsten Jahren untereinander verbunden sind, das hat Cunningham erstklassig niederschrieben.

Als Quellen hat der Autor die Werke von Virginia Woolf herangezogen und u.a. eine Biografie, die ihr Neffe Quentin Bell geschrieben hat. Der übrigens im Roman eine (kleine) Rolle spielt. Ich habe nun wirklich Lust einmal etwas von Virginia Wood zu lesen. Sie scheint eine besondere, nachdenkliche, tragische Frau gewesen zu sein, die iher Zeit weit voraus war. Vielleicht wird es „Mrs. Dalloway“ …

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Mein Fazit: Volle Punktzahl 5 von 5 Sternen für diesen kleinen Roman, der so groß ist. Ein wunderbarer, gehobener Schreibstil, der dennoch nicht schwierig ist und einfach nur fesselt. Eine Lektüre die sehr viel vermittelt, man aufmerksam aber mit Freude lesen sollte und aus der der Leser eine Menge mit in den Alltag nimmt.

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© Buchwelten 2012

Sommerhaus mit Swimmingpool von Herman Koch (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
bei Kiepenheuer & Witsch
352 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN:  978-3-462-04344-0

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Marc Schlosser ist ein sympathischer niederländischer Hausarzt der dafür bekannt und beliebt ist, sich für seine (meist aus der Kunstrichtung stammenden) Patienten viel Zeit zu nehmen. Zwanzig Minuten ist eine ganze Menge und dass der Arzt davon nur 5 Minuten auf die medizinischen Diagnosen vergibt und den Rest der Zeit mit unauffälligem, seinen Patienten aber schmeichelnden Smalltalk füllt, fällt seiner Kundschaft nicht auf. Zumindest nicht im negativen Sinne.

So gelangt auch der bekannte Schauspieler Ralph Meier in seinen Patientenstamm, der über Müdigkeit und Überarbeitung klagt. Die Männer freunden sich an, auch wenn Ralf Meier irgendetwas an sich hat, dass Dr. Schlosser beinahe schon abstößt.

So kommt es schließlich dazu, dass Marc Schlosser gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Sommerurlaub in Frankreich einige Wochen im Sommerhaus mit Swimmingpool bei Ralph Meier, seiner Frau, seinem Sohn, einem befreundeten amerikanischen Regisseur und dessen jugendlicher Freundin verbringt.

Nach der Rückkehr in die Niederlande wird der Schauspieler plötzlich und sehr schwer krank. Es geht soweit, dass Marc Schlosser als Arzt Sterbehilfe leistet. Nach seinem Tod entsteht dann der Verdacht, dass der Arzt anscheinend nicht unschuldig an dem schnellen und dramatischen Verlauf der Krankheit ist. Ursache für diese Aufdeckung ist die Obduktion, die in den Niederlanden nach dem Tod in Folge von Sterbehilfe routinemäßig durchgeführt wird.

Hat Marc Schlosser wirklich etwas zu verbergen? Und wenn, was ist der Grund? Ist in jenem Sommer am Sommerhaus mit Swimmingpool irgendetwas schreckliches vorgefallen, dass ihn zu dieser Tat verleitet hat … ?

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Der niederländische Autor Herman Koch hat mit diesem Roman eine Geschichte geschrieben, die nicht nur Spass macht, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Seinen Protagonisten Marc Schlosser hat er sehr greifbar und real dargestellt. Wie er seine Einstellung zu seiner ärztlichen Tätigkeit, der Medizin, seinen Patienten und vor allen Dingen als Vater von zwei pubertierenden Töchtern und Ehemann dargestellt hat, war sehr gut geschrieben. Dass mir diese Seiten nicht immer sympathisch waren, macht die Person nur um so „echter“.

Ein Vater der sich Gedanken um seine Kinder macht, gefiel mir sehr gut. Es ist schön, von solch fürsorglichen und liebevollen Vätern zu lesen. Er hat einerseits eine lockere Einstellung ihnen gegenüber, wacht aber andererseits  mit Argusaugen über sie.

Auch die Art der Gespräche und Konfliktbewältigung zwischen Marc und seiner Frau hat der Autor sehr gut zu Papier gebracht. Dabei ist der Schreibstil nicht einmal besonders gehoben oder außergewöhnlich ausformuliert, sondern eher einfach und schlicht. Es schreibt relativ viel in der wörtlichen Rede, was dem Dabei-Sein-Gefühl in der Geschichte sehr zu Gute kommt.

Auch die Verhaltensweisen und Reaktionen der beiden Mädchen, der Töchter von Marc Schlosser, gefielen mir gut. Wie die grosse Tochter sich immer mehr in sich selber zurückzieht, niemanden mehr an sich heran lässt und vor allem der Versuch der Eltern damit umzugehen, hat mich absolut angesprochen.

Andere Figuren waren mir dagegen ein wenig zu flach und oberflächlich. Einige hiervon belegen in der Geschichte nur eine Nebenrolle, aber auch der Schauspieler Ralf Meier und dessen  Ehefrau , die an der Handlung einen großen Anteil haben, waren mir in ihren Charaktereigenschaften nicht tief genug dargestellt.

Sehr gut gefallen haben mir die Passagen, in denen Marc Schlosser in Gedanken die Worte seines damaligen Professors Aaron Herzl Revue passieren lässt. Diese Textstellen haben mich oft zum Schmunzeln gebracht oder einfach einen guten Einblick in unsere menschliche Anatomie gegeben.

In jedem Fall nimmt man dem Autor Herman Koch die Figur des Hausarztes tatsächlich ab. Man könnte meinen, er sei in seiner vorherigen Laufbahn selber medizinisch tätig gewesen. War er aber nicht. Herman Koch, geboren 1953 in den Niederlanden ist Komiker, Kolumnist, Fernsehmacher und vieles mehr. Es scheint, als sei er in seiner Heimat sehr bekannt. Mir hat sein Roman in jedem Fall so gefallen, dass ich weiteres von ihm lesen möchte und werde.

Das Buch präsentiert der Verlag als gebundene Ausgabe mit einem knallroten Schutzumschlag, der eigentlich relativ schlicht ist aber dennoch absolut passend zur Geschichte ist.
Die Kapitel sind relativ kurz gehalten, sodass man doch oft verführt ist eines mehr zu lesen als vorher geplant.
Die Handlung beginnt in der Gegenwart und macht dann Zeitsprünge zurück in jenen Sommer in Frankreich. Diese Sprünge zwischen den Zeiten gestalten die Lektüre ebenso sehr kurzweilig.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen niederländischen Medizinerkrimi mit viel Gefühl, Spannung und Kitzel.

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Ich danke

  

   und dem Verlag

 

für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Wer sich die Videoportäts zu Hermann Koch – Sommerhaus mit Swimmingpool

ansehen möchte, sollte einmal auf der Verlagsseite vobeischauen.

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© Buchwelten 10.02.2012

Der Sog von Stephen M. Irwin (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei Blanvalet
544 Seiten
Preis: 8,95 €
ISBN:  978-3-442-37575-2

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Nicholas (Nick) Close ist gebürtiger Australier, lebt aber jedoch die letzten Jahren in London. Dort hat er gemeinsam mit seiner jungen Ehefrau Cate ein alte Wohnung angemietet, die sie gemeinsam zu einem kleinen Kuschelnest gestalten wollen. Doch während der Renovierungsarbeiten geschieht ein Unglück, dass Nicks Leben völlig verändert.
Eigentlich geht nur das Schleifpapier aus und Nick will in den nächsten Baumarkt fahren um Nachschub zu besorgen. Dummerweise nimmt er das Motorrad, weil der PKW extrem zugeparkt ist.

Als Nick auf der Fahrt einen Unfall hat und Cate per Telefon benachrichtigen möchte, stürzt sie in den Moment in welchem sie das Telefon erreichen will von der Leiter und schlägt auf dem Wannenrand auf. Sie bricht sich das Genick und stirbt.

Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es war. Nicholas leidet unter Selbstvorwürfen, extremen Kopfschmerzen und zieht sich immer mehr zurück. Das schlimmste jedoch ist, dass er plötzlich Geister sieht. Besser gesagt, er sieht ihren Tod, sieht sie sterben. Und das immer und immer wieder. In einer Endlosschleife sieht er Menschen, die z.B. auf der Straße überfahren werden und auch seine geliebte Cate immer wieder von der Leiter stürzen.

Nick sieht den einzigen Ausweg darin, zurück nach Hause zu gehen. Wieder nach Australien in seine Heimatstadt Tullong. Doch auch dort warten schlimme Erinnerungen auf ihn. Im Alter von 10 Jahren hat er dort seinen besten Freund Tristam verloren. Damals wurden sie von einem Mann in den unheimlichen Wald gedrängt und nach dem die Jungen sich trennten, hat Nick Tristam nie wieder lebend gesehen.

Der Wald ist auch nach so vielen Jahren noch genauso düster und vor allem unangetastet wie in seiner Kindheit. Nie wurde er gerodet und als Bauland verwendet und auch heute noch strahlt der Wald die seltsame, ungreifbare Gefahr aus. Dieser Ort scheint ein schreckliches Geheimnis zu wahren und Nick wird magisch von ihm angezogen.

Als Nick kurz nach seiner Heimkehr Zeuge wird, wie ein weiteres Kind in dem Wald verschwindet und einige Tage später seine Leiche gefunden wird kann Nick nicht anders. Er muss dem dunklen Geheimnis auf die Spur kommen, er wird von diesem dunklen Wald angezogen, wie von einem Sog …

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Ich habe mir das Buch mit einem Gutschein gekauft. Der Klappentext machte mich neugierig und da es sich um ein Debüt handelte, habe ich zugegriffen.

Kurz und knapp: ein fantastisches Buch. Fesselnd und spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er war sehr detailgetreu und bildlich. Hier möchte ich einfach ein kleines Beispiel bringen:

„Seine Beine stießen an dicht mit Moos bewachsene Wurzeln. Krakelige Zweige zerkratzten sein Gesicht, und dunkle, stechende Blätter klatschten ihm an den Kopf. Parasitenranken, dick wie Handgelenke und mit grauem Pilz gesprenkelt, ringelten sich wie gestürzte Fragezeichen, lauernd und würgebereit. Die breiten, gestreiften Stämme einheimischer Ulmen und alter Feigen waren nur eine Armspanne entfernt, und das Blätterdach darüber wurde immer dichter, bis es fast wie ein Festkörper war und nur winzige Himmelssaphire in die smaragdgrüne Düsternis darunter blinkten.“

In dieser Art und Weise zieht sich der Stil des Autors durch das ganze Buch. Die Ausarbeitung der Charaktere war sehr greifbar und genau. Nick, den Protagonisten, zeichnet eine traurige Einsamkeit, ein verbissener Ehrgeiz und ein ehrliches Wesen aus.

Seine Mutter ist eine sehr misstrauische, skeptische Person. Sie ist in sich gekehrt, kann nicht aus ihrer Haut heraus und kämpft täglich mit und gegen ihre eigenen Emotionen.

Suzette, Nicks Schwester, ist eine offene, lebenslustige Person, die die Sorgen und Vermutungen ihres Bruders sehr ernst nimmt und ihn in seinen Nachforschungen voll und ganz unterstützt. Etwas das der Protagonist selber von seiner Schwester niemals erwartet hätte.

Der Autor hat den Spannungs- und Auflösungsbogen der Handlung gut gesponnen und die Recherchen, die zur Aufklärung beitragen waren sehr interessant und geschickt miteinander verwoben.

Dieser Roman ist für mich ein Mystery-Thriller, den ich kaum aus der Hand legen konnte und daher ein absolut gelungener Debüt Roman. Ich kann ihn sehr empfehlen, möchte aber eine Kleinigkeit anmerken:

Leser mit einer Spinnenphobie, die diese haarigen Krabbeltiere auch gelesen nicht ertragen können, sollten sich überlegen das Buch zur Hand zu nehmen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein sehr gutes geschriebenes, fesselndes und spannendes Thriller-Werk der anderen, düsteren Art.

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© Buchwelten 2012

Das Haus am Zeilenweise-Platz – Anthologie verschiedener Autoren (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei edidoppelpunkt
148 Seiten
Preis: 11,50 €
ISBN: 978-3937950983

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Das Haus am Zeilenweise-Platz erzählt die Geschichten der Bewohner dieses Mehrfamilienhauses in Buchstedt. Viele verschiedene Menschen leben in diesem Haus. Junge, Alte, Einsame, Familien, Alleinerziehende, Künstler …

Unten im Haus befindet der Kiosk der Familie Vodnjani, die hinter dem Laden außerdem eine Wohnung bewohnt. Sie sind Kroaten und seit vielen Jahren leben sie in diesem Haus und führen dort ihren kleinen Laden, der nicht nur die Bewohner des Zeilenweise-Hauses mit den angenehmen und wichtigen Dingen des Alltags versorgt, sondern der auch immer wieder ein Treffpunkt für die Menschen ist um ein nettes Gespräch unter „Freunden“ zu führen.

Jeder kennt jeden und irgendwie doch wieder nicht. Man lebt im gleichen Haus, sieht sich, grüsst sich, aber so wirklich weiss man nicht, was hinter den Wohnungstüren der Nachbarn geschieht. Das Haus am Zeilenweise-Platz lässt den Leser die Türen öffnen, in die Wohnungen hinein sehen und all diese verschiedenen Bewohner kennenlernen …

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Knapp zwei lange Jahre hat es gedauert, bis die Grundidee dieses Projektes endlich in Buchform vollendet wurde. Die mitwirkenden Autoren haben sich regelmässig im Zeilenweise-Forum besprochen und ausgetauscht. 12 Autoren haben an diesem Projekt mitgewirkt und gemeinsam haben sie diese grundverschiedenen 29 Geschichten geschaffen.

Die Autoren haben jeweils eine Geschichte (einige haben auch mehrere geschrieben) über eine Mietpartei des Hauses geschrieben. Alle Genres waren erlaubt und der Herausgeber Hartmut W. H. Köhler hat es geschafft diese unterschiedlichen Geschichten so zu verbinden, dass es nicht auffällt, das hier unterschiedliche Autoren geschrieben haben. Die Anthologie liest sich wie ein Roman und ist einfach „rund“.
Die Idee, dass Herr Köhler diese Zwischentexte als Rahmenhandlung einfügt, ist erst relativ spät entstanden und eingebunden worden.

Die Autoren schreiben Ihre Geschichten meist in der Vergangenheit. Herr Köhler lässt als Rahmenhandlung den Kioskbesitzer Vodnjani in der Gegenwart erzählen. Er kennt natürlich alle Mitbewohner des Hauses und weiß somit über jeden etwas zu erzählen.
Dann geht es in die Autoren“kapitel“ und die entsprechende Wohnungstüre öffnet sich.

Wir lernen alte Ehepaare kennen, die gemeinsam einsam sind, weil der Partner sich wegen Demenz meist in die eigene Welt zurückzieht. Wir lernen einen Maler kennen, der doch sehr erschrickt, als der Tod bei ihm vorbeischaut. Das Grauen ist bei einer alten Dame zu Besuch und genießt frisch gekochten Kakao.
Wir lernen eine lebensmüde, einsame alte Dame kennen, die urplötzlich ihre junge Nachbarin vor der Türe stehen hat, weil sie sich für etwas bedankt und sie schliessen Freundschaft. Eine alleinerziehende Mutter schockt ihren Internet zockenden Sohn mit einem Troll im Badezimmer, eine Frau tanzt eng umschlungen mit ihrem verstorbenen Mann …

Der Schluß war schön und traurig zugleich. Für mich war es sehr schade, alle diese unterschiedlichen Menschen verlassen zu müssen. Ich hätte gut und gerne nochmal die gleiche Anzahl an Geschichten lesen können.

Dieses Buch ist wirklich absolut empfehlenswert. Und auch wenn ich es jetzt lesen konnte, weil mein Lebensgefährte als Mitwirkender ein Exemplar erhalten hat, weiss ich, dass ich mindestens eines davon kaufen und als Geschenk bereiten werde!

Denn das beste kommt zum Schluss: Dieses Projekt dient ausschließlich einem guten Zweck. Sämtliche Erlöse aus dem Verkauf der Anthologie fließen an ein Kinderheim in Istrien. Dort werden sexuell misshandelte Kinder betreut. Alle Autoren verzichten auf ein Honorar um dieses Projekt zu unterstützen.

Mein Glückwunsch an alle mitwirkenden Autoren und an Herrn W. H. Köhler. Mit sehr viel Hingabe und auch Einsatz wurde hier ein Werk geschaffen, dass nicht nur Spass macht. Es macht auch nachdenklich, glücklich, traurig.

Es war nicht einfach dieses Projekt auf die Beine zu stellen. Lange hat es gedauert, bis endlich ein geeigneter Verlag gefunden war. Es hat sich gelohnt. Ein dickes Lob an die Mitglieder des Zeilenweise-Forums.

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Und nun kommen die Autoren, die an dieser Anthologie mit geschrieben haben – in alphabetischer Reihenfolge:

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Philipp Brobowski – http://www.philippbobrowski.de/

Wolfgang Brunner – http://wolfgangbrunner.de/

Heidi Gotti – http://www.gottiswelt.de/

Heike Hultsch – http://paradalis.wordpress.com/

Hartmut W. H. Köhler – http://www.feierabend-autor.de/

Germaine Paulus

Mario B. Kuhl (Pseudonym)

Michael Romahn – http://www.michael-romahn.de/

Miriam Schaffner – http://www.miriamsmirakel.ch/

Anett Steiner – http://anett-steiner.de/

Isa Theobald – http://absonderliches.wordpress.com/

Markus Walther – http://www.din-a4-story.de/

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Mein Fazit: Eine tolle Idee, wunderbar und mit viel Einsatz und Ausdauer umgesetzt. Ein schönes Cover, wunderbare Geschichten, eine hervorragend gelungene Rahmenhandlung und all das für einen guten Zweck: 5 von 5 Punkten.

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Buchwelten 2011