Schwerelos von Katie Khan

Schwerelos von Katie Khan

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  416Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-3183-4
Kategorie: Science Fiction, Liebe

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Die Astronauten Carys und Max schweben aufgrund eines unglücklichen Zwischenfalls einsam im Weltraum. Sie können ihre Raumstation nicht mehr erreichen und die Luftvorräte können sie nur noch etwa neunzig Minuten am Leben erhalten. Während die beiden verzweifelt versuchen, sich aus ihrer misslichen Lage zu retten, reden sie miteinander und erinnern sich an die Zeiten, als sie sich kennengelernt und ineinander verliebt haben. Mit unaufhaltsamer Grausamkeit verstreichen dabei die Minuten, die ihnen noch bleiben, und das unausweichliche Ende rückt immer näher …

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Man sieht das Cover, am liest den Titel und den Klappentext und denkt sofort, dass es sich hier um einen „Klon“ des Films „Gravity“ handelt. Auch während der ersten Seiten bekommt man den Gedanken nicht los, dass sich die Autorin in erster Linie an dem genannten Film mit Sandra Bullock und George Clooney in den Hauptrollen orientiert. Aber man wird eines besseren belehrt, denn Kathie Khan geht letztendlich einen ganz anderen Weg und nimmt lediglich eine ähnliche Ausgangssituation für ihren Roman. Bei „Schwerelos“ handelt es sich um eines der eher seltenen Bücher, die ich in das Genre „Science Fiction-Liebesroman“ stecken würde. Khan geht das Ganze wirklich sehr geschickt an, so dass man sich bereits nach der ersten „Rückblende“ in das Leben der beiden Protagonisten nur noch sehr schwer von den Seiten lösen kann.

„Schwerelos“ wirkt wie eine Mischung aus Science Fiction, Liebesroman und All-Age-Abenteuer á la „Die Tribute von Panem“, um nur ein Beispiel zu nennen. Das Buch kann sich aus meiner Sicht nicht wirklich entscheiden, ob es sich um einen Erwachsenen- oder Jugendroman handelt, was ich persönlich aber gar nicht schlimm finde. Denn wichtig ist, was drin steht und wie atmosphärisch der Plot auf mich wirkte. Wie gesagt, ich konnte mich wirklich sehr schwer von Carys und Max lösen, während ihre Lebensgeschichte erzählt wurde und sie im Weltraum um ihr Überleben kämpften. Kurzweiliger könnte man die Story gar nicht erzählen, wie es Katie Khan getan hat. Die Seiten fliegen nur so dahin, obwohl es sich im Grunde genommen „nur“ um eine einfache Liebesgeschichte handelt, die in ein SF-Gewand verpackt wurde. Dennoch funktioniert sie. Aber es ist nicht so, dass sich Khan einfach nur mit einer Geschichte über eine Liebe zufrieden gibt. Im letzten Drittel nimmt der Roman noch einmal so richtig Fahrt auf, in dem er sich verschiedener Ebenen bedient und tatsächlich noch echte Science Fiction-Elemente einbindet.

Gerade das Ende macht den ohnehin an manchen Stellen philosophisch angehauchten Roman in meinen Augen zu etwas besonderem. Man beginnt an manchen Stellen über sein eigenes (Liebes-)Leben nachzudenken und fiebert mit den Protagonisten mit. Katie Khan hat am Ende wunderschöne „Wendungen“ und Gedanken in ihren Roman verbaut, die auf manchen Leser kitschig wirken könnten, aber genaugenommen einfach nur darstellen, was „echte Liebe“ wirklich bedeutet. Mir hat die Entwicklung in diese Richtung sehr gut gefallen und das echte Ende verursacht in mir immer noch Traurigkeit, aber auch irgendwie Hoffnung. Katie Khan hat einen schönen und gut lesbaren Liebesroman geschrieben, der eine Science Fiction-Situation zum Ausgangspunkt hat. Ich hätte gut und gerne das doppelte an Seiten verschlingen können, um den beiden noch länger beizuwohnen, denn der flüssige Schreibstil und die philosophischen Überlegungen haben mich schlichtweg von der ersten Seite an gepackt. Ich bin schon jetzt gespannt, was als nächstes von dieser Autorin kommt, denn mit ihrem Debüt hat sie eines auf jeden Fall schon einmal bewiesen: Mut zum Anderssein, in dem man eine „kitschige“ Liebesgeschichte in ein SF-Gewand packt. Und das Konzept funktioniert einwandfrei. Interessant ist, dass die SF-Anteile, die zwar nur selten vorkommen, sehr detailliert und gut recherchiert sind und dem Roman dadurch eine tolle Glaubhaftigkeit verleihen. Ich mag diese Geschichte sehr.

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Fazit: Ein philosophischer Liebesroman im Science Fiction-Gewand. Faszinierendes Lesevergnügen.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Revival von Stephen King

Revival

Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26963-7

Jamie Morton ist 6 Jahre alt und lebt in einer glücklichen amerikanischen Familie bestehend aus seinen Eltern, seinen drei älteren Brüdern und seiner Schwester Claire. Jamie spielt gerade vor dem Haus auf der Straße mit seinen geliebten Spielzeugsoldaten, als er das erste Mal auf den neuen Reverend der Stadt, Charles Jacobs, trifft. Dieser ist selbst noch recht jung mit seinen 25 Jahren, als er die Pfarrerstelle antritt. Mit dabei seine junge Frau Patsy und der kleine Sohn Morrie (das Klettchen). Der Reverend und seine Familie sind bei allen sehr beliebt. Die Kinder gehen gern in die Jugendgruppe, wo Reverend Jacobs auch immer sein Hobby, die Elektrizität, zur Schau stellt und die Kinder und Jugendlichen zum Staunen bringt.

Als ein schrecklicher Unfall Jacobs seine Liebsten nimmt, fällt er quasi vom Glauben ab und in seiner letzten Predigt, verflucht er Gott bis aufs letzte und der Rauswurf aus der Gemeinde ist unvermeidlich. Jacobs verlässt die Stadt und Jamie verabschiedet sich als einziger von ihm.


Jamie ist mittlerweile Mitte 30, war Musiker in diversen Bands und ist schwer heroinsüchtig, als er auf einem Jahrmarkt in Tulsa erneut auf seinen alten Freund Jacobs trifft. Der verdient sich mittlerweile seinen Lebensunterhalt mit der Elektrizität. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und fasziniert seine Zuschauer mit besonderen Blitzportraits. Jamie bleibt eine Weile bei ihm, wird von seinem alten Freund sogar von seiner schweren Sucht geheilt. Dennoch ist Jacobs Jamie nicht geheuer. Irgendetwas hat der ehemalige Reverend an sich, dass Jamie Angst einflösst …

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Eigentlich erzählt dieses Buch nur die Lebensgeschichte von Jamie Morton, den wir als kleinen Jungen kennenlernen. Dann erlebt der Leser mit, wie er sich als Teenager mit der Gitarre seines großen Bruders das Spiel beibringt (der ganze Scheiß fängt mit einem E an!), Jamie im Laufe seines Erwachsenwerdens mit Bands umherzieht, er Verluste einstecken muss, selbst schwer abstürzt, wieder auf die Füsse kommt und dann ein besseres Leben beginnt.

Für viele Leser mag das total langweilig sein, mich hat es absolut gefesselt. Mir ist Jamie im Laufe seiner Jahre/der Handlung sehr ans Herz gewachsen. Das Jamie im Laufe der Geschichte immer wieder auf Charles Jacobs trifft, ist seltsamerweise nicht verwunderlich,  irgendwie scheinen die beiden miteinander verbunden zu sein. King hat nicht nur das Wesen seines Protagonisten, sondern auch den Charakter des Reverend sehr gut ausgearbeitet. Auch wenn er mit den Jahren immer düsterer, unheimlicher, verrückter und besessener wird, so bleibt er irgendwie auch immer der nette Kerl, der mit Mitte 20 Jamies Herz erobert hat, weil er einfach nett zu ihm war. Und nach dem schrecklichen Vorfall, der mich selbst total geschockt hat (der übrigens in der typischen „alten“ King-Grausamkeit geschrieben ist), fand ich seine Reaktion überhaupt nicht abwegig. Auch wenn diese Worte schon sehr blasphemisch daherkommen, sind sie sehr nachvollziehbar. 

Stephen King liefert hier eine Story, die mich ein wenig an LOVE erinnert hat und die sehr viel Einfluß von Lovecraft haben soll. Das kann ich nun nicht wirklich beurteilen, da ich seine Geschichten nie gelesen habe. Ich kenne sie nur vom Erzählen, den Covern und den Klappentexten unserer Lovecrafts in der Bibliothek hier. Ich habe bei einer Bloggerkollegin gelesen, dass man vorher „Briefe aus Jerusalem“ aus Nachtschicht lesen sollte und das habe ich getan. Bis auf eine kleine Gemeinsamkeit war aber nicht viel an Verbindung herauszulesen.

Alles in allem fand ich diesen Roman sehr gefühlvoll, teils sehr traurig und schockierend. Vor allem die familiären Momente haben mir sehr gut gefallen und mich dann stellenweise mitgenommen. Jamie wird älter, seine Brüder werden älter und als er dann nach vielen Jahren in seinem Heimatort wieder die Gitarre in die Hand nimmt und spielt, wo alles begann, war auch das eine sehr emotionale Szene.

Mein Fazit: Ein King, der für viele langweilig und langatmig ist. Für mich war er gefühlvoll, dramatisch, düster, schockierend und schön 🙂

Ich danke dem HEYNE Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2015

Schwarzlicht von Horst Eckert

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Wunderlich Verlag
insgesamt 384 Seiten
Preis:  19,95 €
ISBN:  978-3-8052-5057-3
Kategorie: Thriller

erscheint am: 20. September 2013

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Vincent Veih, der sportliche Ermittler, wird vorübergehend zum Leiter des KK11 befördert, da Ela Bach relativ kurzfristig ihren Posten verlässt, um sich beruflich zu verändern.

Veih bekommt es gleich mit einem hochgradig heiklen Fall zu tun: Knapp eine Woche vor der Wahl wird der Ministerpräsident von NRW tot in einem Pool aufgefunden. Der Pool liegt in einem Edelpenthouse eines sehr einflussreichen Bürgers. Offensichtlich pflegten die beiden Männer eine recht enge Freundschaft.

Auf den ersten Blick deutet alles auf einen Unfall hin. Es scheint, als hätte der Ministerpräsident nach zuviel Alkoholkonsum die Kontrolle verloren, sei ausgerutscht und dann in den Pool gefallen.

Doch wenn alles so einfach wäre, dann bräuchte es keine hartnäckigen Ermittler. Veih ist so ein Mensch, auch wenn er von allen Seiten Steine in den Weg geworfen bekommt.

Veih hat es allein wegen seines familiären Hintergrundes nicht einfach in seinem Job. Seine Mutter ist eine ehemalige RAF-Terroristin, die nach einer langer Haftstrafe wieder auf freiem Fuß ist und nun anderweitig von sich reden macht. Sein Großvater war im zweiten Weltkrieg aktiv an der Ermordung von Juden beteiligt.

Die Wahl rückt immer näher, Vorgesetzte, Parteiangehörige, die Regierung selbst, alle wollen das lästige Thema um den Tod des Ministerpräsidenten schnell vom Tisch haben. Doch Veih lässt sich nicht einfach ausbooten und kaltstellen, er ermittelt auf seinen eigenen Wegen weiter und zwar solange, bis er den Tod um den Ministerpräsidenten aufgedeckt hat. Dabei stößt er auch eine Reihe interessanter und aufschlussreicher Verbindungen, mit denen er so nicht gerechnet hat ….

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Der erste Eckert, der im neuen Verlag Wunderlich/Rowohlt erschienen ist. Das Buch wird als gebundene Ausgabe mit Leseband (!) präsentiert und ist schlicht und einfach in schwarz gehalten, bedruckt mit einem unreisserischen Schriftzug, auf einem dezenten Cover. Mir gefällt die Optik gut, es gleicht sich auch gut den anderen Romanen des Autors an, die nun bekanntlich vorher im grafit Verlag erschienen sind. Die Schlichtheit ist ähnlich, nur dass der knallgelbe grafit-Kasten nicht mehr da ist. Das Buch passt sich jedenfals seinen Vorgängern im Bücherregal gut an. 

Der Text auf der Rückseite besteht nur aus einigen Schlagwörtern, die sehr neugierig machen. Erst im Klappentext des Schutzumschlages gibt es eine kurze Inhaltsangabe im fließenden Text.

Die Handlung war wieder einmal von Anfang an sehr fesselnd und ich bin nur so durch den Roman geflogen. Ich habe eine Reihe alter Bekannter getroffen, die Schauplätze sind Eckert Fans auch bekannt (z.B. die Festung).

Mir hat der Charakter des neuen Ermittlers gut gefallen, ein Mensch, der mit dunklen familiären Hintergründen lebt und es auf Grund dessen nicht unbedingt einfach hat. Er ist dennoch ein offener und ehrlicher Mensch, der mir sympathisch war. Kein Großkotz, kein arroganter Schnösel, einfach ein Mensch, der versucht eine gute Arbeit zu machen und sehr menschlich wirkt.

Ich fand diesen neuen Eckert weniger politisch anstrengend als die vorherigen Bücher, die Handlung ist nicht so hochkompliziert, dass man bei jeder Zeile hochkonzentriert sein muss. Man kann die Lesestunden entspannt genießen, ist dennoch gefesselt und behält jederzeit den Überblick, auch wenn der Autor sehr viele verschiedene Themen aufgegriffen hat und die Handlungsstränge vielseitig sind.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den neuen Roman von Horst Eckert. Eine spannende Handlung in bekannter Umgebung, bestückt mit guten, interessanten und vielschichtigen Charakteren. Für mich war es ein fesselndes, kurzweiliges Lesevergnügen.

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Ich danke dem Wunderlich/Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2013

Ich lebe, lebe, lebe von Alison McGhee (5/5)

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Erschienen als Klappenbroschur
im dtv premium Verlag
160 Seiten
Preis: 12,90 €
ISBN: 978-3-423-24934-8
Katergorie: Jugendbuch ab 14. Jahre

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Die 17-jährige Rose lebt in einer relativ verlassenen Gegend in den Bergen von Irgendwo. Im März, bei noch glatten Straßenverhältnissen geraten Ihre ältere Schwester Ivy und sie in einen Autounfall. Ivy saß am Steuer und konnte dem hellblauen Truck, der zu schnell in die langezogene Kurve fuhr, nicht mehr ausweichen. Während Rose bei dem Unfall nicht verletzt wurde, fiel ihre Schwester in ein Koma, aus dem sie bis heute nicht erwacht ist.

Rose und ihre Schwester Ivy hatten immer ein sehr inniges Verhältnis. Sie waren zwar sehr gegensätzlich aber dennoch unzertrennlich. Jeden Tag besucht Rose ihre Schwester im Pflegeheim, wo sie nur noch durch die Maschinen am Leben erhalten wird. Sie wird künstlich beamtet, sie wird ernährt, ansonsten schläft Ivy und schläft und schläft.

Rose bricht es das Herz, ihre Schwester dort zu sehen. Immer wieder spricht sie mit ihr, liest ihr vor. Sie kann nicht glauben, dass Ivy sie nicht mehr hören kann. Der Arzt sagt das zumindest, doch Rose ist der Meinung, dass er sich so sicher nicht sein kann.

Roses Mutter hat ihre älteste Tochter seit Monaten nicht mehr besucht. Sie wollte von Anfang an die lebenserhaltenden Maßnahmen, doch die in sich gekehrte Frau kann es nicht ertragen ihr Kind dort so liegen zu sehen. Statt dessen muss sie sich nach Feierabend zwanghaft beschäftigen, um nicht durchzudrehen. 

Auch Ivys Freund, die beiden waren immerhin seit 3 Jahren zusammen, besucht das Mädchen nicht. Er sagt, er kann nicht, er würde daran zerbrechen.

So sind es jeden Tag immer wieder Rose und der Nachbar William T., die bei Ivy im Zimmer sitzen. William T. kümmert sich seit Jahren um die Familie, um genau zu sein, nachdem der Vater sie verlassen hat. Nun fährt er Rose jeden Tag in die Klinik und bleibt mit ihr für Stunden dort.

Rose hat große Probleme mit dem Verlust ihrer Schwester, den immer wiederkehrenden Momenten des Unfalls und ihren Ängsten umzugehen. In der Schule tuscheln sie über die „lebende Leiche“, doch direkt ansprechen tut sie fast niemand. Rose kapselt sich ab, stürzt sich in wechselnde Jungenbekanntschaften. Doch nichts nimmt ihr den Schmerz in ihrem Inneren.

William T., der vor Jahren seinen Sohn verloren hat, kommt an Rose heran und kümmert sich liebevoll um sie wie ein Vater. Das Zusammensein und die Gespräche helfen Rose jedoch nur begrenzt.

Dann ist da noch ihr Mitschüler Tom, der immer wieder auf Rose zugeht, sie anspricht, fragt wie es ihr geht und so ganz anders ist als die Jungs, mit denen Rose versucht hat den Schmerz in ihrem Herzen zu vertreiben. Tom kennt den Schmerz des Verlustes und der Verzweiflung nur zu gut. Er hat seinen Vater verloren. Und er findet einen Weg, dass Rose sich öffnet und fallen lässt. Vielleicht schafft Rose es mit Toms Hilfe sogar, Ivy endlich loszulassen, damit sie in Frieden gehen kann und Rose selbst endlich wieder lebt, lebt, lebt …

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Eine Geschichte von Liebe und Verlust, so steht es als Überschrift auf dem Buchrücken. Eine sehr kurze Geschichte sogar, denn das Buch umfasst gerade einmal 160 Seiten. Doch die haben es wirklich in sich.

Sehr gefühlvoll und sehr intensiv beschreibt die Autorin Roses Leben, dass ja eigentlich keines mehr ist. Der Versuch mit dem Verlust ihrer Schwester umzugehen, der Kampf gegen den Schmerz, dass hat Alison McGhee in einem sehr eigenwilligen Schreibstil zu Papier gebracht.

Mit diesem hatte ich anfänglich meine Schwierigkeiten. Denn die Autorin arbeitet mit vielen Wiederholungen. Immer wieder erlebt Rose den Moment des Unfalls und diese Szene wirft sie wörtlich ständig wieder mitten in die Handlung. Sie arbeitet auch viel mit Wechseln zwischen Gedanken, Rückblenden und aktuellen wörtlichen Reden. Dies alles ist dann aber nicht durch Absätze abgegrenzt. Lediglich die Gedanken Roses sind immer in kursiver Schrift geschrieben.

Die Autorin schreibt sehr philosophisch und bildhaft. Beispielsweise vergleicht Rose sich und ihre Schwester mit Gewässern. Während sie ein stiller See mit umschützenden Ufern ist, ist ihre Schwester Ivy ein fließendes Gewässer, dass immer in Bewegung ist.

Sie hat allen ihren Figuren sehr viel Tiefe und Gefühl mitgegeben. Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg mit Schmerz, Angst und Verzweiflung umzugehen. Wie die Autorin es geschafft hat, dass alles in diese kurze Handlung zu verpacken ist sehr erstaunlich.

Empfohlen wird der Roman für Jugendliche ab 14 Jahre, ist aber unbedingt auch Erwachsenen Lesern ans Herz zu legen, denn genau das berührt dieses Buch. Die wichtigen Figuren in dem Roman sind ja nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene, wie Roses Mutter, der Nachbar William T. oder die kleine Nebenrolle der Schwester Angel.

Das Cover zeigt ein Mädchen auf einem Felsen in einem Gewässer, was sehr gut zur Handlung passt. Der Roman besteht aus relativ langen Kapiteln und ist in ziemlich kleiner und dünner Schrift geschrieben. Der Klappentext im Inneren der Broschur und die Inhaltsangabe auf der Buchrückseite sind sehr ausführlich, was ja auch der Auslöser war, dass ich auf dieses Buch aufmerksam wurde.

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Mein Fazit: Trotz anfänglicher „Schwierigkeiten“ mit dem besonderen Schreibstil 5 von 5 Sternen für eine Geschichte um Liebe, Verlust, Verzweiflung, das Loslassen und dem Versuch weiterzuleben, wenn man eigentlich keinen Sinn mehr darin sehen möchte/kann. Ein liebevoller und einfühlsamer Roman mit Tiefgang, der garantiert im Gedächtnis haften bleibt. Und wieder ein sehr gutes Buch, dass voraussichtlich auf keiner Bestsellerliste auftaucht, sondern höchtens durch die virtuellen Medien als Geheimtip gehandelt wird, wie so vieles … Schade eigentlich.

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Ich danke Amazon-Vine für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Ich.darf.nicht.schlafen. von S.J. Watson (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei Scherz (Fischer Verlage)
400  Seiten
Preis: 14,95 €
ISBN  978-3-651-00008-7
Kategorie: (Psycho)Thriller

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Christine erwacht am Morgen in einem Schlafzimmer, dass sie nicht kennt. Neben ihr liegt ein schlafender Mann, auch ihn kennt sie nicht. Sie hat ihn noch nie in ihrem Leben gesehen.

Sie steht auf und schaut im Badezimmer in den Spiegel und die Frau, die ihr dort entgegenblickt, die kennt sie auch nicht. Denn diese Frau ist etwa 20 Jahre älter als sie. Lediglich an ihren Augen erkennt sie sich selber wieder.


Rund um den Spiegel herum sind Fotos angebracht, auf die Fliesen geklebt. Auf all diesen Bildern ist Christine zu sehen. Sie allein und gemeinsam mit dem fremden Mann der neben ihr im Bett lag.

Dieser Mann ist Ben, wie er ihr später erklärt. Ihr Ehemann, mit dem sie bereits sehr lange verheiratet ist und er erzählt ihr, dass sie seit vielen Jahren an einer außergewöhnlichen Amnesie leidet. Über den Tag hinweg kann sie sich die Dinge merken, die sie erlebt und die Ben ihr berichtet. Dinge über die versäumten Jahre, ihr Leben.


Doch wenn sie sich abends zu Bett legt, dann werden diese Erinnerungen über Nacht nicht abgespeichert. Ihr Gehirn löscht während ihres Schlafes alles wieder aus. Am nächsten Morgen steht Christine wieder auf und weiß nicht wer sie ist und wo sie sich befindet.

Nachdem Ben zur Arbeit gefahren ist, erhält Christine einen Anruf von einem Arzt. Dr. Nash ist sein Name und er sagt ihr, sie solle das Tagebuch holen, dass sie seit einiger Zeit führt. Sie kennt diesen Mann natürlich genauso wenig, wie ihren Mann. Doch sie findet das Tagebuch an der von ihm beschriebenen Stelle und Christine beginnt zu lesen.

Das Tagebuch ist in ihrer Handschrift verfasst und sie liest von erlebten Tagen und den Dingen, die sie während ihres „Alltags“ erlebt und erfahren hat.

Christine ist völlig verunsichert. Sie weiß nicht, wem sie vertrauen kann und das Schlimmste: Sie kann sich leider nicht einmal auf sich selber verlassen ….

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Ich war direkt nach Erscheinen sehr neugierig auf diesen Thriller, der Klappentext und die Inhaltsangabe haben mich sogleich gefesselt.

Ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe diesen Thriller „gefressen“, der für mich ein absoluter Psychothriller ist. Wenn diese Handlung kein Psycho ist, dann weiß ich es auch nicht.

Das tolle an diesem Roman ist, wie der Autor es geschafft hat, die Handlung nicht langweilig werden zu lassen.

Denn schließlich hat diese gesamte Story ja etwas von „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Jeden Tag erwacht seine ProtagonistIn, immer geschieht das gleiche und immer wieder vergisst sie alles.

Die Idee mit dem Tagebuch war nicht nur für das „sich etwas merken“ für seine Hauptfigur eine gute, sondern hat auch dazu geführt, dass die Geschichte doch immer wieder anders ist, auch wenn sich alles wiederholt.

Watson hat seine amnäsiekranke Christine sehr gut ausgearbeitet, ich als Leserin habe jeden Tag miterlebt und mit ihr gelitten, mich geängstigt, viel gerätselt und gehofft.

Bis zuletzt wusste ich als Leserin nicht, was ich von den Personen im Roman halten soll. Ob sie denn nun vertrauenswürdig sind oder nicht? Was nun wahr ist und/oder nicht?

Der Roman ist nicht einmal in einem besonders gehobenen Schreibstil geschrieben, dennoch fesselt er absolut und ich habe dieses Buch schwer aus der Hand legen können. Ich könnte nicht aufhören zu lesen und wollte immer wissen wie es weitergeht.

Auf das Ende war ich sehr gespannt aber ich habe mich in Geduld geübt und nicht vor geblättert :-). Das Ende hat mich nicht enttäuscht, auch wenn es für mich grob ca. 100 Seiten vorher absehbar war. Das tat der Spannung aber keinen Abbruch.

Der Verlag präsentiert den Roman als Taschenbuch in einem kräftigen Blau. Der satte schwarze, geschwungene Schriftzug mit den Punkten nach jedem Wort ist ein Blickfang und macht neugierig. Der Inhalt auf der Rückseite des Buches ist sehr knapp weckt das Interesse noch mehr.

Die Kapitel wechseln immer zwischen den realen Erlebnissen und den Momenten in denen Christine in ihr Tagebuch schreibt, bzw. sie ihre Einträge liest. Die Kapitel sind in einer angenehmen Länge gehalten. Die Schrift ist relativ klein, doch durch breite Ränder und Absätze gestalten sich die Seiten doch als übersichtlich und leicht lesbar.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen sehr gelungenen Psychothriller, der fesselnd und spannend geschrieben ist. Er ließ mich als Leserin miträseln und hat mich gefangen, sodass ich diesen Roman in fast einem Rutsch weggelesen habe.

Wer Lust hat, die Rezension zum Film zu diesem Thriller zu lesen, der kann man auf dem Blog meines Ehemannes vorbeischauen: Film-Besprechungen

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© Buchwelten 2012