Vollendet – Der Aufstand von Neal Shusterman (Teil II)

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Vollendet
Erschienen als Hardcover
bei S. Fischer Verlage
insgesamt  Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: ISBN: 978-3-7373-6718-9
Kategorie: Young Adult

Nachdem der Admiral die Führung des Friedhofs an Connor abgegeben hat, muss dieser sich täglich beweisen. Risa, die nach dem Unglück im Camp im Rollstuhl sitzt, versucht ihm zu helfen wo sie kann. Sie leitet die Sanitätsabteilung, dennoch fürchtet sie ständig Connor eher eine Last zu sein.

Lev versucht ein neues Leben zu beginnen, wird in ein Haus ehemaliger Zehntopfer gebracht und durch die Leiter dort als eine Art Gott hochgejubelt. Als ehemaliges Zehntopfer und DER Klatscher, der nicht geklatscht hat, betet ihn dort jeder regelrecht an. Damit kommt Lev allerdings gar nicht zurecht. Als dort das Mädchen Miracolina auftaucht, findet Lev endlich eine Ansprechpartnerin, die ihm gefällt. Allerdings hat er es nicht leicht, sich ihr überhaupt zu nähern. Denn Miracolina ist mit ihrer Rettung kurz vor dem Zehntopfergang gar nicht einverstanden und reagiert aggressiv und wütend.

Als ein gestorchter Junge namens Starkey kurz vor der Umwandlung durch Connor und seine Leute gerettet und zum Friedhof gebracht wird, ist für ihn sofort klar, dass er ganz langsam, still und heimlich Connor den Rang ablaufen will. Er sieht sich als den neuen Anführer des Friedhofs und wird alles tun, dieses Ziel zu erreichen …..

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Der zweite Teil der Vollendet-Reihe schließt nahtlos an den ersten Teil an und der Leser trifft alle bekannten Personen wieder und lernt neue kennen. Ich hatte keine Probleme, mich wieder in die Handlung einzufinden und die Stimmung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen.

Der Spannungsbogen ist gut gesponnen und durch die verschiedenen Handlungsorte wird die Geschichte nicht langatmig oder zäh.

Mir hat die Erschaffung einer weiteren, sehr besonderen Person, absolut gefallen, auf die ich aber gar nicht näher eingehen möchte, denn dass würde einen Teil der Handlung verraten, der die Geschichte wirklich bereichert. Das Problem, was ist richtig, was ist falsch, was ist ethisch tragbar und was nicht, all dies kommt durch diese Figur sehr gut heraus und sorgt für Brisanz.

Neal Shusterman hat mit seiner Vollendet-Reihe ja eine sehr gute Grundidee umgesetzt, nämlich: Ein Mensch darf rückwirkend bis zu seinem 16 Lebensjahr abgetrieben werden. Das bedeutet, Eltern können z.B. schwierige pubertierende Teenager loswerden, indem sie sie umwandeln lassen. Das bedeutet, der Körper des Umzuwandelnden wird zerlegt und sämtliche Teile werden transplantiert und somit am Leben erhalten. Doch die große Frage ist ja: Was passiert mit der Seele?

Wenn das Leser meiner Rezension neugierig gemacht hat, können sie gerne die Rezension zum ersten Teil einmal lesen und dann vielleicht entscheiden, ob sie Lust haben, sich der Reihe mal zu widmen?

Mein Fazit: Ein sehr gut gelungener Teil II der Vollendet-Trilogie, der die Geschichte weitererzählt und sie um weitere Figuren bereichert, die sicher im dritten und letzten Band eine große Rolle spielen. Ich freue mich darauf!

Buchtrailer zu Vollendet – Der Aufstand

Trailer zum Making of des Hörbuchs:

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© Buchwelten 2015

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Vollendet von Neil Shusterman (5/5)

.Vollendet 1

Erschienen als
gebundene Ausgabe
im sauerländer Verlag
432 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN:  978-3-411-80992-9
Kategorie: Jugendbuch

.Das Buch beginnt mit den Worten der „Charta des Lebens“. Verfasst nach dem zweiten Bürgerkrieg, dessen Ursache das Thema der Abtreibung war:

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Nach der Charta des Lebens ist das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum dem Zeitpunkt, an dem ein Kind dreizehn Jahre alt wird, unantastbar .

Im Alter zwischen dreizehn und achtzehn Jahren können Eltern ein Kind „rückwirkend“ abtreiben.

… unter der Bedingung, dass das Leben des Kindes „streng genommen“ nicht endet. 

Der Vorgang, mit dem das Leben eines Kindes abgeschlossen wird, das Kind aber dennoch am Leben bleibt, wird Umwandlung genannt.

Die Umwandlung ist inzwischen eine gängige Praxis in der Gesellschaft.

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Sie sagen, die Umwandlung sei schmerzfrei und jeder Teil des Körpers lebt weiter. Aber was passiert mit deiner Seele? Wo geht sie hin? Wird sie auch aufgeteilt?

Connor, Risa und Lev sind drei absolut unterschiedliche Jugendliche, die eher zufällig auf einander treffen.
Connor ein nicht einfacher 16-jähriger soll umgewandelt werden, weil seine Eltern nicht mehr mit ihm zurechtkommen.
Risa ist ein „Mündel des Staates“ und im Waisenhaus aufgewachsen. Sie ist eine begnadete Klavierspielerin, doch die staatlichen Einrichtungen benötigen den Platz für die nächsten Waisenkinder.
Lev ist ein sogenanntes Zehntopfer. Das 10. Kind einer religiös-fanatischen Familie, dem von Geburt an eingepredigt wird, dass er einzig dafür existiert um als Opfer umgewandelt zu werden.

Die drei begeben sich gemeinsam auf die Flucht und die ist absolut nicht ungefährlich. Doch trotz aller Gefahren und Ängste denen sie ausgesetzt sind: Sie finden auf diesem Weg auch zu sich selbst. Ob ihnen das allerdings etwas nützt bleibt fraglich. Denn sollte man sie schnappen und sie umgewandelt werden, sind sie nicht mehr existent. Zumindest nicht „an einem Stück“ ….

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Die Kurzbeschreibung des Romans hat mich auf Anhieb absolut neugierig gemacht. Und dieses Buch hat meine Erwartungen absolut erfüllt. Ein spannendes, kurzweiliges und – vor allem – sehr hintergründiges Buch hat Neil Shustermann abgeliefert. Fragen wie: Wann ist ein Mensch ein Mensch? Ab wann beginnt die Seele zu existieren? Dürfen Erwachsene über das Leben eines Kindes entscheiden? werden behandelt.

Der Autor hat in seiner Handlung ein heftiges und umstrittenes Thema aufgegriffen. Wie er dies in die Handlung um die Jugendlichen eingebaut hat, hat mich vollkommen überzeugt.

Ängste, Hoffnung, Neid, Machthunger, dies und noch viel mehr Zwischenmenschliches hat er beschrieben und er hat seinen Protagonisten nicht nur vollkommen verschiedene, sondern auch reale und glaubhafte Charaktere gegeben.

Dieses Buch wurde mir von der ersten bis zur letzten Seite nicht langweilig, was wohl auch an dem kurzen, knappen Schreibstil liegt. Shustermann erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, wobei er immer zwischen seinen drei Hauptfiguren wechselt. Die Sätze sind kurz und leicht verständlich. Es gibt viele Dialoge, die – natürlich – auch ein einer umgangsprachlichen Weise formuliert sind. Doch sie wirken nicht flach oder gestelzt.
Es war sehr interessant, an den Meinungen, Einstellungen und tiefgründigen Gedanken der „Wandler“ teilzuhaben.

Und der Autor hat es gut hinbekommen, dass man den auftauchenden „Guten“ nicht so recht glauben und trauen will. Das Ende des Buches fand ich nicht enttäuschend, sondern gut gelungen.

Und mehr möchte ich an dieser Stelle einfach nicht erzählen. Denn auch wenn es sich hier um die Kategorie „Jugendbuch“ handelt, es ist ein All-Age Buch, wie man heute so schön sagt. Ein Buch mit einem ernsten Thema und tiefem Hintergrund, das lange nachwirkt.

Präsentiert wird der Roman in einer gebundenen Ausgabe mit einem klasse mattsilbernen Cover. Der Einband ist ein Hingucker. Die Kapitel sind recht kurz gefasst, die Seiten in lockeren Zeilenabständen verfasst und die Buchseiten sind sehr dick.
Das Buch ist im Endeffekt sicherlich kürzer als es auf den ersten Blick wirkt. Also, nicht von der Dicke des Buches abschrecken lassen!

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen (Jugend)Roman der die ernsten Thema Leben, Tod, Abtreibung und einiges mehr aufgreift. Dies verpackt in einer spannenden, flotten Handlung mit guten Ideen und interessanten Schauplätzen (auch reale!). Für mich absolut lesenswert und sehr zu empfehlen!

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Ich danke Amazon Vine für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Und wer noch mehr erfahren  möchte:

Ein sehenswerter Trailer zum Buch —> *** KLICK ***

Mund zu Mund von Michael Kimball (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
Diana Verlag
494Seiten
ISBN:  978-3828400368

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Ellen Chambers, eine attraktive Mittdreißigerin ist hauptberuflich Lehrerin und züchtet in ihrer Freizeit Schafe. Gemeinsam mit ihrem Mann Scott lebt sie auf einer großen Farm etwas außerhalb des Ortes. Scott, mit dem sie seit ihrer Jugend zusammen ist, führt ein Haushaltswarengeschäft, das leider kurz vor der Pleite steht. Von dem dynamischen Jungunternehmer, der er zur Zeit ihres Kennenlernens war, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Immer öfter ist er früh angetrunken, Scott denkt der Alkohol würde seine Probleme lösen.

Die gemeinsame Tochter, Maureen, ist gerade einmal 17 Jahre alt und schwanger von Randy. Einem undurchsichtigen, arroganten, aufbrausenden Typen, der Ellen mehr als nur missfällt. Aber Maureen liebt ihn über alles und in die bevorstehende Hochzeit lässt sie sich nicht hereinreden, zumal Scott eine recht positive Einstellung zu dem zu seinem zukünftigen Schwiegersohn hat.

Während der Hochzeitsfeier von Maureen und Randy, die auf der elterlichen Farm stattfindet, taucht auf einmal ein junger Mann auf. Es stellt sich heraus, dass es Neal ist, der Neffe von Scott. Sohn seines verstorbenen Bruders.

Ellen kommen plötzlich lang vergrabene Erinnerungen wieder in ihr Bewusstsein. Denn vor vielen, vielen Jahren hat Ellen ihren Mann gemeinsam mit ihrer Schwägerin (Neals Mutter) im Schafzimmer erwischt. Ellen war wegen eines Sturms früher nach Hause gekommen um sich um die Schafe zu kümmern. Dieser Seitensprung hatte damals verheerende Folgen.

Auch wenn Ellen damals glaubte ihrem Mann verzeihen zu können, vergessen konnte sie ihm diesen Betrug nie.

Da Maureen nach der Hochzeit nicht mehr auf der elterlichen Farm lebt, sondern mit ihrem Ehemann in ein gemeinsames Haus eingezogen ist, überlegen Scott und Ellen nicht lange, als Neal ihnen anbietet einige Tage auf der Farm zu wohnen um die verfallene Scheune wieder aufzubauen. Er zeigt ihnen ein Foto, auf dem eine wunderbare, große Scheune zu sehen ist. Eben diese will er für seine Tante und Onkel auch bauen und zwar innerhalb von 12 Tagen.

In diesen 12 Tagen entwickelt sich zwischen Ellen und Neal eine Beziehung, die über die familiären Gefühle hinausgeht. Ellen fühlt sich immer mehr zu Neal hingezogen und auch ihr Neffe scheint dasselbe zu empfinden. Was in nächtlichen Fantasien beginnt wird nach und nach immer realer und greifbarer und schließlich können beide, trotz des Altersunterschiedes, nicht mehr widerstehen. Es gelingt ihnen nicht, die offensichtliche Anziehungskraft zu unterdrücken.

Als es während Reparaturarbeiten am Damm auf der Farm zu einem schrecklichen Unfall kommt, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Familienmitglieder werden zu Verdächtigen, die Polizei ermittelt und die Gefahr, die wie eine dunkle Wolke über der Farm schwebt, wird immer größer …

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Bestellt habe ich dieses Buch auf Empfehlung meines Lebensgefährten, da er während des Lesens immer wieder sagte „Das wäre ein Buch für dich“, „Das würde dir gefallen“ und „Die erotischen Szenen sind wahnsinnig gut geschrieben!“.
Nun er kennt mich und das was ich gerne lese sehr gut und daher hatte er meine Neugierde geweckt und ich habe das Buch relativ schnell nachdem es eingetroffen war gelesen. Es lag nicht mal mehrere Wochen in meinem SUB, wo manch anderes Buch auch schon einmal Jahre darauf wartet gelesen zu werden.

Ich konnte mit dem Titel „Mund zu Mund“ und den beiden sich liebkosenden Steinfiguren auf dem Cover nicht viel anfangen und wusste mir nichts Wirkliches von der Handlung vorzustellen.

Die Bedeutung des Titels hat sich mir auch jetzt noch nicht eröffnet, ich denke mir natürlich was es bedeuten könnte, aber sicher bin ich mir nicht.

Die Geschichte beginnt ruhig und leise aber dennoch ist ein ständig greifbares Knistern spürbar. Im Laufe der Handlung entwickelt sich der Roman allerdings zu einem extrem spannenden Thriller mit sich immer wieder auftuenden Situationen und Erkenntnissen, die es mir sehr schwer gemacht haben, das Buch aus der Hand zu legen.
Als kleiner Vergleich passt eventuell: Das Buch beginnt in einer Stimmung wie bei „Die Farm“ von John Grisham und entwickelt sich zu so etwas wie „Feind in meinem Bett“. Der Vergleich mag ein wenig hinken aber ich denke, er trifft es ganz gut.

Der Autor schreibt in einem sehr guten Schreibstil, wobei der nicht einmal extrem gehoben oder in besonders verschachtelten Sätzen geschrieben ist. Er hat es eher geschafft eine Atmosphäre zu schaffen, die das Buch wie einen Film erleben lässt. Ich habe den Wasserfall gehört, die Schafe und das frische Holz der Scheune gerochen und die Farm gesehen.

Die erotischen Szenen, die ich eben angesprochen habe, sind wirklich fantastisch geschrieben. Nicht extrem oder gar pornografisch. Einfach nur schön, leidenschaftlich, voller Gefühl und Elektrizität. Es ist erstaunlich wie ein Mann es schafft, die Gefühle, Wünsche und Gedanken einer Frau so zu Papier zu bringen.

Ich bin kein Mensch, der sich speziell erotische Literatur kauft, es aber natürlich auch mag solche Szenen zu lesen, wenn sie denn schön und sinnlich sind. Und das waren sie.


Gleichseitig steigt der Spannungsbogen immer wieder ein Stückchen weiter und die drohende Gefahr wächst immer mehr heran.

Wie Kimball die Charaktere ausgearbeitet hat, hier meine ich nicht nur die Protagonisten Ellen und Neal, sondern auch Scott oder die Tochter Maureen, war sehr gute Arbeit. Die dunklen Geheimnisse eines jeden, die nach und nach unerwartet ans Tageslicht kommen hätte ich nicht erwartet.

Überhaupt war die Handlung des Buches bis zum Schluss nicht vorhersehbar und eben dieser hatte es dann auch in sich. Der ist dann vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack geschrieben aber für mich passte er in die Handlung und hat ein verdientes Finale geboten.

Für mich ist dieses Buch in die Abteilung meiner Lieblingsbücher gewandert. Ich werde es ganz bestimmt noch einmal lesen und ich kann ohne schlechtes Gewissen eine Leseempfehlung aussprechen.

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Mein Fazit: Volle 5 von 5 Punkten für einen Roman, voller Gefühl, Spannung, Gefahr und Dramatik, die eigentlich „nur“ eine leise, ruhige und farbenfrohe Familientragödie ist, für mich aber ganz klare Thrillerqualitäten besitzt.

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© Buchwelten 18.02.2012

Buchwelten im Gespräch mit Thomas Elbel

Im Spätsommer diesen Jahres erschien der Debüt-Roman ASYLON von Thomas Elbel im Piper Verlag. Er hat mit seinem Werk ein postapokalyptisches Endzeitdrama geschaffen, dass ich in meiner Rezension bereits besprochen habe und das absolut lesenswert ist.

Ich freue mich, dass Thomas Elbel sich die Zeit für ein Gespräch genommen hat.

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Dein Debüt ASYLON ist ein postapokalyptisches Endzeitdrama, sog. Dystopie, wurde aber mittlerweile in das Genre „Science Fiction“ eingeordnet. Warum hast Du gerade einen Roman in diesem Bereich geschrieben? Bist Du selbst ein großer Fan dieser Stories und wolltest daher solch ein Werk erschaffen?

Oh, ja. Ich bin tatsächlich ein großer SciFi-Fan, von Space Opera (Dune) bis zu Crossoverleckerbissen wie Pandorum. Vor den „Tributen von Panem“ wurden Dystopien – mit Ausnahme von einigen Zirkeln Eingeweihter – ohnehin dem Bereich SciFi zugeschlagen. Von der normalen SciFi unterscheiden sich Dystopien meist dadurch, dass sie näher an der Jetztzeit sind und bereits absehbare, tendenziell negative Entwicklungen aufgreifen und extrapolieren. Ich mag ihre Lebensnähe. An unseren schlechteren Tagen scheint unsere Welt ohnehin schon heute dystopische Züge haben. Innerlich setzen wir alle uns permanent mit Fragen auseinander wie z.B.: „Was wäre wenn die Wirtschaftskrise das Finanzsystem des ganzen Planeten zu Fall bringt?“, „Was wäre wenn Antibiotika nicht mehr wirken?“, „Was wäre wenn das Klima noch schneller ansteigt, als wir jetzt schon vermuten?“ etc. In unseren pessimistischen Momenten sind wir also alle Dystopisten. Ich greife diese Gedanken auf und verarbeite sie literarisch. Vielleicht ist das eine Art lustvoller Angstexorzismus.

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Du liest selber – soweit es Deine Zeit erlaubt – gerne Bücher. Welche Schriftsteller sind Deine Liebsten und gibt es für Dich als Autor Vorbilder?

E.T.A. Hoffmann, Franz Kafka, Philip K. Dick, Stephen King. Allgemein: Autoren die es schaffen, eine Atmosphäre zu kreieren, in der das Surreale zur Selbstverständlichkeit wird.

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Du bist ein relativ junger Professor der Jura. Wie lässt sich für Dich diese Arbeit mit der Schreiberei abstimmen?

Da die Professur selbst viel Schreibarbeit beinhaltet, ist die Kluft vielleicht gar nicht so groß, wie man denkt. Es gibt ja das Phänomen der schreibenden Juristen, also eine statistisch auffällige Anzahl literarisch produktiver Rechtswissenschaftler. Oben stehen schon zwei Beispiele. Offensichtlich passt das gut zusammen, ohne dass ich genau sagen könnte, warum.

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Du hast während Deines Studiums in den Staaten gelebt. Wolltest Du jemals dort bleiben oder kam das für Dich nie in Frage?

Nachdem ich da war, kann ich guten Gewissens sagen, dass es für mich immer ein Sehnsuchtspunkt sein wird, ich es aber dort lebenslang nicht aushalten könnte. Ich lebe lieber da, wo es mehr Vollkornbrot und weniger Waffen gibt.

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Du lebst nun in Berlin. Was bedeutet die Hauptstadt für Dich? Liefert Sie Dir nur einen schönen Wohnsitz oder durch ihre bunte Vielfalt auch Inspiration für Deine Arbeit als Autor?

Berlin ist sicherlich eine tolle Inspirationsquelle. Es ist so gegensätzlich. Wenn es – wie jetzt – kalt und regnerisch ist, lebt man in einer kräftesaugenden Steinwüste und im Sommer ist es dann Montmartre an der Spree.

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Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Wechselst Du rasant zwischen Uni und Arbeitszimmer oder schreibst Du nur an „professorfreien“ Tagen?

Eine Professur besteht neben den Vorlesungen und Gremiensitzungen zu 60 bis 70 Prozent aus Schreibtischarbeit. Während des laufenden Semesters komme ich dann allerdings nicht zur Arbeit an Buchprojekten. Das muss also bis zur vorlesungsfreien Zeit warten.

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Wie viele Tage schaffst Du es ohne das Schreiben? Geht das überhaupt oder lassen Dir deine Ideen so wenig Ruhe, dass sie danach ’schreien‘ niedergeschrieben zu werden?

Meine Ideen schreien Gottseidank nicht. Wenn ich an ihre WG-Tür klopfe, bitten sie mich meist freundlich zum Tee hinein. An manchen Tagen wollen sie allerdings auch mal unter sich sein. Nein, im Ernst: Ich bin ein recht systematischer Schreiber. Das ist eben durch die Wechsel zwischen Brot- und Nebenberuf bedingt. Tatsächlich muss ich mich dann zum Beginn der Arbeit an einem Projekt auch erst mal wieder in meinen Kreativmodus einfinden. Das sind immer ein paar quälende Tage des Übergangs. Aber irgendwann fließt es dann wieder. Es wäre schon ein Traum, dass irgendwann besser kombinieren zu können. Aber ich stehe halt in beiden Berufen erst am Anfang. Da muss sich sicherlich vieles noch zurechtrütteln.

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Aus Deinem Nachwort weiß ich, dass Du zu ASYLON von Filmen wie z.B. „Die Klapperschlange“ mit Kurt Russel inspiriert wurdest. Bezeichnest Du Dich als Filmfreak? Ist das eines Deiner Hobbies, dem Du gerne und regelmäßig nachgehst?

Ich bin eher jemand, der sich hier und da mal in einen Film verliebt, den er dann wieder und wieder sieht. Dafür verliebe ich mich eher selten. Letztes Wochenende habe ich mir mal wieder „Die neun Pforten“ angeguckt, zum etwa halbdutzendsten Mal; diesmal auf Englisch, mit beiden Katern auf dem Schoß, während mein drei Monate alter Sohn an seinem Spielreck rumwerkelte. Das war herrlich. Polanski ist ein begnadeter Regisseur. Vielleicht das filmweltliche Pendant zu Kafka. Das Skurrile wächst aus der Normalität, als hätte es schon immer hinter der nächsten Ecke gelauert. Ich muss unbedingt mal die Romanvorlage lesen. Von Pérez-Reverte stammt ja auch die Alatriste-Reihe, die auch sehr ansprechend verfilmt wurde.

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Meine Standard- und Ritualfrage in meinen Interviews wurde bereits in einem anderen Gespräch gestellt, daher weiß ich bereits, dass Du am liebsten mit leisen Hintergrundgeräuschen Deiner Familie schreibst. Arbeitest Du dann an einem Laptop auf der Couch oder hast Du ein separates Arbeitszimmer?

In unserem familiären Wohnzimmer ist für mich eine Arbeitsecke reserviert. Auf der Couch schreiben könnte ich gar nicht. Dafür kann ich sogar dann schreiben, wenn meine Gattin auf dem Sofa „Dr. House“ guckt. Ich bin der perfekte Realitätsausblender.

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Hast Du Dir den Titel ASYLON selber ausgedacht? Wenn ja, ist es eine Ableitung von „Asyl“ oder dem englischen Asylum – Anstalt? Wenn nein, was ist die Bedeutung, die Du im Sinn hattest?

Asylon ist altgriechisch für Zuflucht. Ich weiß noch, dass ich mit allen möglichen anderen Symbolnamen für einen letzten Ort der Erde gespielt habe: „Ultima Thule“, „Vineta“, „Armageddon“, etc. War mir aber alles zu pathetisch und abgeschmackt. Ich hatte dann zwar noch weitere Titelideen, die eben andere Aspekte des Buches hervorhoben, aber Asylon war die, die Piper am besten gefiel. Ich und Cheflektor Carsten Polzin haben uns dann in der Vorbereitungsphase einen Spaß draus gemacht, unsere Emailbetreffe immer daran anzulehnen. In der Vorphase zur Leipziger Buchmesse gab es da einen Emailstreak „Messylon“. Eine Mail zu meinem Buchentstehungsblog bei Piper titelte „Diarylon“. Ziemlich albern. Ich war immer ein bisschen ängstlich, die Leute könnten Asylon mit einem Fachschmöker für Integrationspolitik verwechseln. Bis jetzt hat sich allerdings noch niemand in dieser Hinsicht geäußert.

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Eigentlich stelle ich nur 10 Fragen aber da Du ein so ausführliches Nachwort geschrieben hast und ich ein Fan eben dieser bin: Liest Du selbst auch sehr gerne Nachworte und … liest Du sie– so wie ich – auch immer zu Beginn des Buches?

Ja, mache ich in der Tat. Schön zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der dieser schlechten Angewohnheit frönt.

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Lieber Thomas, ich danke Dir für die Beantwortung meiner Fragen und die Zeit die Du Dir genommen hast.

Ich wünsche Dir für Deinen Debüt-Roman ASYLON viel Erfolg und ich bin bereits sehr gespannt auf das, was wir in der Zukunft noch von Dir lesen dürfen…

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Zu Internetpräsenz von ASYLON

ASYLON bei Piper-Fantasy

ASYLON bei Facebook

Rezension zu ASYLON bei BUCHWELTEN

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© Buchwelten 19.11.2011

ASYLON von Thomas Elbel (4/5)

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Asylon

Erschienen als
Taschenbuch im
PIPER Verlag
448 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-492-26792-2

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Asylon ist der Name jener Stadt, die inmitten einer Wüste liegt und von einem Festungsgürtel umgeben ist. Selbstschussanlagen, Minenstreifen und eine Blendmauer sollen die letzte Stadt der Zivilisation vor unerwünschten Eindringlingen schützen. Denn angeblich herrschen dort – in den sogenannten Offlands – nur Hunger und Elend, vor dem die Menschen nach Asylon flüchten wollen.

Nach der dramatischen Klimakatastrophe, dem sogenannten ‚Surge‘ leben die Menschen in dieser beengten Stadt, deren Bauwerke absolut verwinkelt sind und Gassen eng, düster und dunkel.
Den Himmel sehen nur die Bewohner, die besondere Stellungen im System der Stadt innehaben. Alle anderen leben z.B. in Appartementklötzen, die sich meist unterirdisch befinden.

Torn ist in der Stadt als Masterleveller eingesetzt, das ist eine Art Sheriff, der das Gleichgewicht zwischen den herrschenden Clans halten und die Gewaltakte unter eben diesen unter Kontrolle bringen soll.

Als er eines Tages gemeinsam mit seinem Partner Scooter die zerfetzte Leiche einer Frau im Minenfeld findet ist er verwundert. Der Position der Leiche nach, wollte diese eindeutig die Stadt verlassen. Doch warum? Als Torn neben der Leiche einen seltsamen Talisman in Form eines Auges findet, steckt Torn ihn ein. Warum weiß er selber nicht, er geht einfach seinem Bauchgefühl nach.

Am selben Abend erfährt Torn, dass sein Sohn bei der Geburt ums Leben kam. Seine Frau sagt ihm noch im Krankenhaus, ihr Kind sei ihr gestohlen worden. Er glaubt ihr nicht. Am nächsten Tag wird ihm die Nachricht überbracht, seine Frau sei ebenfalls verstorben. Gestorben durch das posttraumatische Ereignis ihr Kind bei der Geburt verloren zu haben.
Immer mehr fragt sich Torn was in Asylon vor sich geht. Er beginnt seine Suche und versucht herauszufinden was mit seiner Frau und seinem Kind geschehen ist.

Dann lernt Torn die schöne Saïna kennen, sie ist die beste Freundin des Opfers aus dem Minenfeld und arbeitet in dem Krankenhaus, in welchem seine Frau und Kind ums Leben kamen, als Hausmeisterin. Sie selber hat Nachforschungen angestellt, weil sie Aufschluss über den Tod ihrer Freundin haben will und stieß dabei auf geheimnisvolle Aufzeichnungen. Sie erzählt Torn von diesen seltsamen Dingen und so taucht er immer tiefer ab in die Verwirrungen und Machenschaften von Asylon und bringt sich dadurch in immer größere Gefahr …

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Man hat mich eher zufällig auf dieses Debüt von Thomas Elbel gebracht und ich muss gestehen, von diesem neuen Genre „Dystopie“ hatte ich bislang noch nichts gehört. Aber mit postapokalyptischem Endzeitdrama konnte ich dann schon etwas anfangen. Ich dachte sofort an Filme wie „Klapperschlange“ oder auch „Fortress“.

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Die Handlung von Asylon hat mir sehr gut gefallen. Der Aufbau der Spannung und die Ausarbeitung der Charaktere finde ich gut gelungen. Hier spreche ich vor allem von dem Protagonisten Torn und auch seiner Gefährtin Saïna. Hier hat der Autor interessante Persönlichkeiten geschaffen.

Dem Autor ist es gelungen dem Leser „häppchenweise“ und langsam aber sicher immer ein bisschen mehr Durchblick zu verschaffen. Hier geht er nicht zu schnell vor, was ich ziemlich gut fand. Die Aufklärung, was sich hinter Asylon nun letztendlich verbirgt, erfolgt erst relativ spät.

Während der Handlung gibt es viele spannende, brutale, blutige aber auch einfach gute Actionszenen (die Kletterklauen-Szenen waren toll!). Sicherlich nichts für ganz so schwache Lesernerven aber auch nicht übermäßig widerlich. So habe ich es zumindest empfunden.

Die Auflösung und der Schluss gefielen mit gut, wobei ich eigentlich etwas anderes erwartet hatte.

Die Beschreibung der Bauweise und dem optischen Asylon ist dem Autor sehr gut gelungen aber der ergänzende „Surftipp“ den Elbel im Nachwort erwähnt, war sehr interessant anzuschauen. Überhaupt hat der Autor ein sehr ausführliches Nachwort geschrieben, was mir immer sehr gut gefällt.
Ich bin eine Leserin, die Nachworte meist zu Anfang des Buches – oder manchmal auch währenddessen – liest, dadurch kam ich vorab in den Genuss der Einblicke in die Bauweise dieser Endzeitkulisse.


Das Cover ist schlicht in grau, weiß und rot gehalten und sieht eigentlich aus wie derzeit alle „Spannungscover“. Wobei Asylon ja nun offiziell in die Kategorie Science Fiction eingeordnet wurde.

Der Schreibstil ist nicht anspruchsvoll und recht einfach gehalten und hier komme ich dann zu dem Grund, warum ich letztendlich nur 4 von 5 Punkten vergebe: mir ist der Text einfach zu umgangssprachlich. Sicherlich passt in diese Szenerie nicht unbedingt die geschwollenste Ausdrucksweise der Figuren, dennoch war mir der Stil hier leider einfach zu extrem in eben dieser Ausdrucksweise geschrieben.

Als kleines Beispiel kann ich anbringen, dass Saïna nach einem Hustenanfall auf die Straße schaute um „zu sehen, ob ihre Lunge vor ihr auf der Straße lag“. Solche Formulierungen finde ich nicht lustig, sie tun mir „weh“ aber das ist Geschmackssache. Mich hat es nunmal gestört und in dieser Art ist der Großteil des Romans formuliert.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen Science Fiction oder „Dystopie“ Roman, der rasant und spannend ist. Die Handlung ist wirklich gut gelungen und der Leser hat bis zum Schluss das Vergnügen zu rätseln, was genau in Asylon vor sich geht.

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011