Das Auge von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67703-6
Kategorie: Thriller, Krimi

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Melanie hat immer wieder Visionen, in denen sie schreckliche Ereignisse vorherzusehen scheint. Dieses Mal ist sie nicht sicher, ob ihrem Vater oder ihrer Schwester etwas zustößt oder bereits zugestoßen ist. Zusammen mit ihrem Freund Brodie fährt sie zu ihrem Elternhaus, um festzustellen, dass ihr Vater bei einem Autounfall schwer verletzt worden ist. Doch auch ihre Schwester Pen fühlt sich nicht in Sicherheit, weil sie immer wieder von einem Unbekannten telefonisch sexuell belästigt wird. Melanie vermutet, dass hinter dem Unfall ihre Stiefmutter Joyce steckt und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an.

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Immer noch macht der Heyne-Verlag uns Laymon-Fans eine große Freude und bringt nach und nach nun auch die älteren Werke des Kultautors im Heyne Hardcore Programm auf den Markt. So jetzt auch geschehen mit „Das Auge“, einem Thriller, der im Original bereits 1992 erschienen ist. Und auch wenn die meisten Fans von Laymon immer wieder behaupten, dass nur seine ersten, ins Deutsche übersetzten Romane wirklich gut sind, so empfinde ich das vollkommen anders. Die Werke, die nun auf den Markt kommen, runden das Gesamtbild dieses Mannes für mich viel mehr ab und zeigen, dass Laymon auch in der Lage war, relativ ruhige Geschichten zu erzählen, die nicht nur übertrieben brutal und sexbeladen sind. Das hat er bereits mit dem vor kurzem erschienenen „Das Ufer“ bewiesen, bei dem es sich ebenfalls um eine eher gemäßigte Story handelt. Ich für meinen Teil muss sagen, dass mir auch diese Art von Laymon-Romanen sehr gut gefällt.

Im vorliegenden Buch beschränkt sich Richard Laymon auf drei Haupt- und drei Nebencharaktere. Jeder, der schon einmal ein Buch von Laymon gelesen hat, weiß, dass sich seine Charaktere eher im unteren Mittelmaß bewegen und niemals eine tiefgründige Basis haben, sondern im Gegenteil meist treudoof-naiv wirken. Aber vielleicht ist es genau dieser Umstand, der die Bücher des Amerikaners zu kultigen und  kultverdächtigen Pageturnern macht, die immer wieder an die Plots ähnlich funktionierender Horrorfilme aus den 80er Jahren erinnern. Die Protagonisten verhalten sich unentwegt „dämlich“ und machen Dinge in gefährlichen Situationen, die kein durchschnittlich intelligenter Mensch machen würde, und denken permanent an Sex. Sind nicht dies genau die Zutaten jener oben erwähnen Horrofilme, die meist oft ebenfalls Kultstatus genießen wie Laymons Bücher? Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Richard Laymon schreibt kurz und knackig und fesselt den Leser durch seine unkomplizierten Handlungen, die durch die bildhaften Beschreibungen wie Filme anmuten. Gerade der saloppe Schreibstil und die immer wiederkehrenden Sexmomente in seinen Büchern machen Laymons Geschichten immer wieder zu einem unglaublich kurzweiligen Leseerlebnis.

Die Qualität von Richard Laymons Büchern schwankt immer wieder mal. Wenn ich zum Beispiel an die abstruse, an den Haaren herbeigezogene Handlung von „Der Pfahl“ denke, muss ich fast schon darüber lachen. Dennoch zeigen seine Bücher immer wieder die gleiche Wirkung, egal ob sie „schlecht“ oder „gut“ sind: Man fühlt sich trotz allen Logikfehlern und den bereits erwähnten naiven Handlungsweisen der Protagonisten unglaublich gut unterhalten und an „Heftchenromane“ wie seinerzeit „John Sinclair“ oder „Gespenster-Krimi“ erinnert. Genauso verhält es sich auch bei „Das Auge“, wobei hier eindeutig mehr Augenmerk auf Thriller- und Krimi-, als auf Horrorelemente gerichtet wurde. Laymon ist wahrlich kein großer Literat, aber ein ganz passabler und manchmal sogar begnadeter Geschichtenerzähler. Seine Storys bleiben einfach im Gedächtnis haften und das alleine zeigt, dass er schreiben kann. Laymon verwendet in seinen Büchern immer wieder viel wörtliche Rede, wodurch das Buch im Nachhinein (aber auch schon während des Lesens) immer wie ein Film wirkt. Schön ist auch, dass gegen Ende des Romans eine Wendung beziehungsweise sogar zwei Wendungen kommen, die man eigentlich in dieser Art nicht so erwartet hätte.
Für mich wieder eine „Neuentdeckung“ im Laymon-Universum, die mich überzeugt hat und wieder eine etwas andere Seite des Autors darstellt, die mir uneingeschränkt gefällt.
Eine kurze Anmerkung noch, die zwar nichts mit dem Werk an sich zu tun hat, aber an das Lektorat des Heyne-Verlages gerichtet ist: „seid“ und „seit“ zu verwechseln ist für das Lektorat eines großen Verlagshauses kein Aushängeschild. 😦 So geschehen auf Seite 331, Zeile 7: „Melanie… seid eure Mutter tot ist, haben meine jüngere Tochter und ich so unsere Probleme miteinander gehabt.“

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Fazit: Kurzweilige, ruhige, aber dennoch sehr spannende Geschichte um Visionen, einen perversen Telefonanrufer und verbotene Liebe. Eine Familiengeschichte mit Thriller-, Horror- Sexelementen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Verschwörung von David Lagercrantz nach Stieg Larsson (Millenium IV)

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Verschwörung
Erschienen als gebundene Ausgabe
bei HEYNE
insgesamt 608 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26962-0
Kategorie: Thriller

.Kurz nach seiner Rückkehr aus den Vereinigten Staaten wird der bekannte schwedische Mathematiker, Informatiker und führende Experte für künstliche Intelligenz, Frans Balder, ermordet. Unmittelbar vor seinem Tod hat Balder Kontakt zum Journalisten Mikael Blomkvist aufgenommen. Denn Balder hatte hochbrisante Informationen, die er an die Öffentlichkeit bringen wollte. Blomkvist soll nicht mehr erfahren, um was es sich handelt, denn er kommt zu spät.

Aber als Mikael herausbekommt, dass auch seine alte Freundin und Weggefährtin Lisbeth Salander Kontakt zu Balder hatte, ist seine Neugier natürlich erst Recht geweckt. Er beginnt zu recherchieren und stößt auf Balders ehemaligen Arbeitgeber, einen Softwareriesen, der irgendwie mit der NSA verknüpft zu sein scheint. Und genau hier scheint Lisbeth eine Rolle zu spielen.

Mikael geht den ersten Schritt und schreibt eine Notiz, nur eine kurze, in Lisbeths Kasten ….

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Natürlich waren alle Fans der Millenium-Reihe von Stieg Larsson nicht nur hocherfreut, als sie hörten, dass die Reihe fortgesetzt wird, sie waren auch extrem neugierig, ob der Nachfolger den Anforderungen und Erwartungen gerecht wird.

David Lagercrantz heißt er, der Autor, der von Larssons Familie ausgewählt wurde, sein Erbe weiterzuführen. Ich selbst habe noch nie etwas von ihm gehört, geschrieben hat er allerdings schon einiges. Darunter auch mehrere Biographien.

Was soll ich groß drumherumreden? Lagercrantz hat eine absolut würdige Geschichte geliefert, die mich total überzeugt hat. Er hat die wichtigen, uns so ans Herz gewachsenen Figuren von Blomkvist, Salander, Berger, Palmgren und vielen anderen so gut „gezeichnet“, dass mir als Leserin nicht auffiel, dass den Stift nicht mehr Stieg Larsson geführt hat. Es war ein tolles Wiedersehen und ich war gefesselt vom Anfang bis zum Schluss.

Die Story geht teilweise sehr tief in die Mathematik, Informatik und auch Physik. Aber auch wenn ich der ein oder anderen Gleichung nicht folgen konnte, so hatte ich nie ein Verständnisproblem. Die Handlung ist verzwickt, verworren, verschworen – wie der Name sagt – und geht wie der dritte Teil der Reihe sehr ins Detail.


Was mir besonders gut gefallen hat, kann ich eigentlich gar nicht schreiben, ohne zu viel zu verraten. Aber es gibt da eine ganz ganz wichtige Nebenrolle und eine altbekannte Lisbeth, diese Kombination ist einfach nur der Wahnsinn. Wir erfahren in diesem vierten Teil sehr viel über Lisbeths Vergangenheit, Kindheit und ein weiteres hochinteressantes Detail. Stichwort: WASP, auch dass fand ich ziemlich interessant.

Einige kleine Unterschiede zwischen Larsson und Lagercrantz habe ich bemerkt, die ich ruhig schildern darf, ohne zu spoilern 🙂 Larsson-typisch waren viele belegte Brote und dass seine Figuren nie ins Bett gingen, sondern „zwischen die Laken“ gekrochen sind. Das tun sie nicht mehr. Dafür lesen sie. Blomkvist liest zum Beispiel Elisabeth George Krimis und eine weitere Figur u.a. den Friedhof der Kuscheltiere von Stephen King. Das kannte ich von Larsson hingegen nicht.

Ein kleines bisschen traurig war ich darüber, dass der Autor kein Nachwort geschrieben hat. Mich hätte doch sehr interessiert, wie er sich gefühlt hat, als man ihn fragte, ob er die Millenium-Reihe weiterschreiben möchte. Sicher war das für ihn selbst auch etwas Besonderes. Aber hierfür hat der Verlag als Entschädigung ein Interview auf der Homepage, in dem Lagercrantz genau darüber spricht. Ich habe es unten eingestellt und es ist sehr interessant und zeigt einen sympathischen Autor.

Mein Fazit: Für mich ist dieser 4. Teil der Millenium-Reihe, der beste „Larsson“ seit dem ersten Teil „Verblendung“. Auch wenn dieser es nicht selbst geschrieben hat, so wird das Buch der Reihe absolut gerecht, fesselt, macht Spaß, lässt den Leser hoffen und fiebern und ganz wichtig: zurückkehren an die Seite von Lisbeth und Mikael. Agieren sie endlich wieder richtig gemeinsam? Tja, findet es heraus …..

Ein kurzes Interview mit dem sehr sympathischen Autor:

Weitere Infos über die Millenium-Reihe beim Verlag

Homepage des Autors – David Lagercrantz

Mehr Rezensionen auf Buchwelten zu Stieg Larsson

Und zum Abschied, da ich nicht weiss, ob und wann es weitergeht … für mich DAS Lisbeth Salander Lied:

© Buchwelten 2015

SILO von Hugh Howey

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SILO

Erschienen als gebundene Ausgabe
im PIPER Verlag
insgesamt 544 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-05585-7
Kategorie: Science Fiction

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Die Menschen leben unter der Erde, weil die Erde verwüstet und die Luft hochgiftig ist. Lediglich über Monitore in der oberen Ebene des SILO können die Bewohner seit vielen Generationen den Himmel und einen Teil der Welt draußen erblicken.

Zu sehen gibt es dort jedoch nicht viel: verödetes Land, Felsen und die Überreste derer, die zur Reinigung nach draußen geschickt wurden. Diese Reinigung ist die größte Strafe, die einen Bewohner des SILO treffen kann. Er muss den sicheren Ort unter der Erde verlassen, in einem Schutzanzug, der die Verurteilten gerade so lange von den Giftstoffen schützen kann, wie es dauert die Linsen zu reinigen, die die Bilder der Außenwelt über die Monitore ins Innere liefern. 

Warum übernehmen die Verurteilten ausnahmslos alle die Reinigung der Linsen? Diese Frage beschäftigt Sheriff Hoston seit 3 Jahren. Denn da hat seine Frau die Reinigung übernommen, nachdem sie, auf eigenen Wunsch, das SILO verlassen hat. Die Zeit nach dem Tod seiner Frau hat Holston gebraucht um sich zu entscheiden, ob er ihr folgen will. Er will. Er äußert laut, dass er „raus“ will. Allein diese Aussage reicht aus, um zur Reinigung verurteilt zu werden. Die Entdeckung die Holston macht, nachdem er die Luke des SILO hinter sich gelassen hat, ist unfassbar und macht ihn sprachlos.

Seine Nachfolgerin wird Juliette Nichols, eine Frau aus den untersten Stockwerken des SILO, der Mechanik. Sie hat zunächst keinerlei Interesse an dem Job, denn sie fühlt sich in ihrer Welt zwischen den Generatoren und dem Öl sehr wohl. Doch Jules, wie sie genannt werden möchte, kannte Sheriff Holston von einer vergangenen Ermittlung in ihrem Stockwerk. Und sie kann dem Drang nicht widerstehen herauszufinden, warum er freiwillig seiner Frau in den sicheren Tod gefolgt ist. Sie ist sicher, dass es dafür gewichtige Gründe gab. Sie nimmt den Job an und fängt an zu forschen. Und … sie wird fündig, sie entdeckt das dunkle Geheimnis des SILO und bringt sich dadurch selbst in nicht geringe Gefahr ….

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In diesem Fall fange ich mal mit dem tollen Erscheinungsbild des Buches an. Der Verlag präsentiert SILO als gebundene Ausgabe mit Leseband, wobei der Schnitt des Buches knallgelb ist. Das kann man durchaus als besonderen Hingucker werten. Das Cover ist schlicht und zeigt den Aufgang des SILO, die Wendeltreppe, die sich über hunderte von Stockwerken durch den Betonkoloss unter der Erde schlängelt. Die Sätze auf der Rückseite des Buches sind kurz und knackig, machen jedoch nicht nur neugierig, sondern verraten – wie ich finde – schon beinahe zu viel.

Die Handlung hat mich von Anfang an gefesselt, der Leser fragt sich relativ schnell, was in diesem SILO vor sich geht. Die Menschen leben seit Generationen unter der Erde. Das SILO beherbergt eine komplette Stadt mit Wohnungen, Krankenhäusern, einer IT Abteilung, Gärten und Plantagen, in denen Lebensmittel angebaut werden. All dies ist sehr gut und bildhaft beschrieben, ich war als Leser mitten im Geschehen.

Die Hintergründe, warum denn die Menschen dort leben und was vor langer Zeit auf der Erde geschah, kommen erst nach und nach ans Licht und somit befand ich mich immer in einer angespannten Neugier und Unwissenheit.

Die Figuren der Handlung hat der Autor gut ausgearbeitet und charakterstark dargestellt. Die Figur der Juliette hat mich in ihren starken und mutigen Eigenschaften ständig an Rennie Sulajewo aus Otherland erinnert.

Hugh Howey schreibt in einem angenehm lesbaren, nicht schweren Schreibstil, der fesselt und es schwer macht, dass Buch zur Seite zu legen. Der Spannungsbogen ist gut und stetig aufgebaut, wobei mir gegen Ende des Buches, einiges einfach ein wenig zu „glatt“ ging.

SILO ist für mich keine Dystopie, auch wenn die Welt außerhalb des Silos in Trümmern liegt, sondern gut geschriebene Science Fiction.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen spannenden Roman über das Leben unter der Erde, den Drang nach Wahrheit und den Wunsch, die Manipulationen der Führungsebenen zu beenden. Der Roman liefert gute, überraschende Wendungen, endet für mich jedoch ein bisschen zu „glatt“. Dennoch ein durchaus gelungenes Debüt, dass sich zu lesen unbedingt lohnt.

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© Buchwelten 2013

Die Unvergängllichen von Kyle Mills

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Erschienen als Taschenbuch
bei Amazon Crossing
insgesamt 340 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-1611097863
Katergorie: Thriller

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Dr. Richard Draman ist Mikribiologie und versucht verzweifelt ein Heilmittel für die Krankheit Progerie zu finden. Diese Krankheit lässt Kinder extrem schnell altern, die Kindern sterben jung an frühzeitiger Vergreisung. Seine Tochter Susie ist mit diesem Gendefekt geboren und 8 Jahre alt. Die Zeit drängt und das Geld für die Forschung ist knapp. Immer wieder muss Draman Gelder von Stiftungen zur Unterstützung seiner Arbeit erbetteln.

Als ihm der Witwer seiner kürzlich verstorbenen ehemaligen Kollegin Dateien mit den Forschungsergebnisses seiner Frau übergibt, keimt in Draman Hoffnung auf. Die Kollegin scheint der Entschlüsselung des Gendefektes, der für die Progerie Erkrankung verantwortlich ist, erstaunlich nahe gewesen zu sein.

Richard Draman sieht auf Grund dieser Dateien endlich die Möglichkeit ein Heilmittel zu entwickeln und seine Tochter zu retten. Doch offensichtlich gibt es Gegner, die ihn zum Schweigen bringen wollen. Unbekannte beginnen, ihn und seine Familie zu verfolgen. Sogar ein Mordanschlag auf seine kranke Tochter wird verübt. Menschen, mit denen Dr. Draman in Kontakt getreten ist, nachdem er die Dateien erhielt, kommen auf mysteriöse Weise ums Leben.

Der Biologe und seine Familie finden sich plötzlich aus ihrem Alltag herausgerissen und auf einer Flucht um Leben und Tod ….

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Die Inhaltsangabe klang spannend und hat mich neugierig gemacht. Außerdem war ich zugegebenermaßen neugierig auf das Werk, welches im Amazon eigenen Verlag publiziert wurde.

Was die Qualität und das Erscheinungsbild des Taschenbuches angeht, bin ich absolut enttäuscht. Wenn ich den Roman gekauft hätte, dann wäre er umgehend zurückgegangen. Der Schnitt ist schräg und sieht aus, wie von Hand mit der Schneidemaschine gekappt. Somit ist das Buch nicht nur schief, wenn es im Regal steht, auch der Text ist innerhalb der Buchdeckel schief gedruckt und sieht somit stümperhaft aus. Ich habe ein Foto gemacht, auf dem der Anblick hoffentlich gut rüberkommt.

Die Handlung ist nicht schlecht, auf jeden Fall spannend und flott zu lesen. Der Schreibstil ist nicht besonders gehoben, die Charaktere der Protagonisten fand ich jedoch gut ausgearbeitet. Mich erinnerte der Roman an den Film „Auf der Flucht“ des Dr. Kimball mit Harrison Ford. Stellenweise empfand ich die dramatischen, sich ständig überschlagenden Ereignisse ein wenig überzogen und zu viel des Guten.

Dennoch hat mir die Geschichte gefallen und ich war natürlich immer gespannt, ob Dr. Dramen am Ende der Sieg gegen die Bösen gelingt. Auf jeden Fall hat die Handlung eine hübschere Verpackung verdient.

Das Cover zeigt einen Schatten auf einem Krankenhausgang, was zur Handlung passt und mich auch anspricht. Allerdings ist der Einband so weich, dass sich das Buch nach dem Lesen nicht mehr schließen lässt und der Buchdeckel nun eher im 90 Grad Winkel absteht.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für einen guten und spannenden Medizinthriller, der zwar in einem einfachen Schreibstil verfasst ist, aber dennoch fesselt. Der Roman ist durch die kurzen, knappen Kapitel sehr schnell durchgelesen. Allerdings ist die Qualität des Buches aus dem Hause Amazon Crossing sehr schlecht. Wenn alle Bücher des Verlages so aussehen und nicht nur die freien Leseexemplare – was ich natürlich nicht beurteilen kann – dann sind sie das Geld nicht wert und ich wäre als Käufer mehr als nur enttäuscht.  

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Wer die Bilder grösser sehen möchte, einfach draufklicken…

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© Buchwelten 2013

Blade Runner – Die Rückkehr von K.W. Jeter (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei HEYNE
687 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN:  978-3-453-87918-8

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Teil I – Deckards Weg

Der erste Roman des Doppelbandes knüpft unmittelbar an die Handlung des Romans von Philip K. Dick an, und/oder an das Ende des bekannten Films. Zur Erinnerung: Rick Deckard ist mit der Replikantin Rachel Rosen(Nachname im Buch)/Tyrell (Nachname im Film) aus Los Angeles geflohen. Zwischen ihnen hat sich eine Liebe entwickelt, die beide trotz der begrenzten Lebensdauer der Replikantin von 4 Jahren, nicht gewillt sind aufzugeben.

Deckard flüchtet mit Rachel in die nördliche Einöde und lebt dort mit ihr in einem einfachen Blockhaus, wobei leben eher übertrieben ist. Denn Rachel befindet sich die meiste Zeit in einem gläsernen Sarg. Eigentlich ist dies eine Transportbox der Fa. Tyrell, in der die Replikanten in die Kolonien geliefert werden. Doch mit Hilfe dieses Schlafmoduls erhofft sich Deckard Rachels begrenztes Leben zu verlängern.

Doch auch in dieser Einöde spüren die Agenten der Fa. Tyrell den ehemaligen Blade Runner auf. Sarah Tyrell, die Erbin des Imperiums von Eldon Tyrell will das Deckard erneut für sie als Blade Runner arbeitet. Angeblich ist bei seinem letzten Einsatz ein Replikant nicht gefasst worden und diesen Job soll er nun nachholen.

Für Deckard ist es schlimm der Erbin Sarah Tyrell gegenüber zu treten, denn sie ist quasi das Spiegelbild Rachels. Sie ist der Templant für die Replikantin, dass heisst sie hat als menschliches Vorbild für dieses Unikat gedient.

Deckard bleibt nichts anderes übrig als diesen Auftrag anzunehmen, will er Rachels Leben retten. Natürlich überschlagen sich die Ereignisse wieder einmal. Totgeglaubte Kollegen tauchen wieder auf, lebend geglaubte Personen sind inzwischen beerdigt und erledigte „Aufträge“ stehen plötzlich aus Fleisch und Blut vor dem Blade Runner.

Rätsel, Geheimnisse, Verschwörungen und eine Menge Verwirrung kommen auf Rick Deckard zu …

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Teil II – Die Nacht der Replikanten

Der zweiten Teil des Doppelbandes handelt zum ersten Mal nicht (nur) auf der Erde, sondern auf der Transitstation zum Mars u.a.. Deckard hat es geschafft – mit einer Begleitung – die Erde zu verlassen. Er wollte sich unter einem Decknamen (sehr einfallsreich: Mr. und Mrs. Niemand) die Auswanderung in die äußeren Kolonien ermöglichen. Bis zur Transitstation hat er es geschafft, wie viele andere Auswanderer auch und … dort hängt er fest.

Denn die Ausreisen sind seit bereits zwei Jahren aus gewissen Gründen eingestellt, diese Informationen werden aber durch die UN gepflegt unter den Teppich gekehrt, so dass sie nicht zur Erde gelangen.

Die Handlung beginnt in diesem Band in den Outer Hollywood Studios, wo Deckards letzter Einsatz als Blade Runner in L.A. verfilmt wird. Die Stadt und sämtliche Handlungsplätze sind originalgetreu nachgebaut und Deckards Double spielt die Rolle des Blade Runners mehr als perfekt. Als dieser jedoch in einer Szene einen  Kowalksi-Replikanten tatsächlich erschiesst, schmeisst Rick den Job. Denn das irgendwer zu Schaden kommt, sei auch „nur“ ein Replikant war absolut gegen die Vereinbarung. Da reagiert er aus persönlichen Gründen mehr als empfindlich.

Kurz bevor er das Set verlassen will, gelangt ein seltsamer Koffer in seine Hände. Und das besondere an diesem Koffer: Er  spricht. Nicht nur das, ihm scheint eine Seele inne zu wohnen. Diese denkt, fühlt, existiert also. Und was das extreme ist: Rick Deckard kennt diese „Person“, die dort körperlos innerhalb des Koffers aus Lederimitat verweilt nur zu gut. Und die dürfte eigentlich nicht mehr existent sein. Und was der Koffer ihm erzählt und offenbart ist wieder einmal mehr als verwirrend und unfassbar für den Blade Runner …

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Mehr Einblick in die Handlungen der beiden Romane möchte ich an dieser Stelle nicht geben, denn dieser Doppelband ist für alle Blade Runner Fans ein „MUSS“. Für mich hat Mr. Jeter hier eine absolut gelungene Fortsetzung des Romans von Philiip K. Dick und/oder des Films Blade Runner geschaffen. Eigentlich knüpft der Autor eher nahtlos an die Filmhandlung an, denn die war dem Buch gegenüber ja in einigen Kleinigkeiten etwas abweichend.

Daher empfand ich dieses Buch auch als relativ anstrengend zu lesen, wobei ich nicht den Schreibstil meine. Man muss diese Romane sehr aufmerksam lesen um die Verbindungen zu erkennen, den Verschwörungen und Rätseln folgen zu können. Auch sind die Namen hier abgeändert. Im Original hieß das Replikanten Imperium noch ‚Rosen‘, der Autor hat hier den Filmnamen ‚Tyrell‘ übernommen.

Und da viele Personen/Figuren wieder auftauchen, die nicht mehr da sein sollten; andere wiederum verschwinden und dann doch wieder da sind, braucht es eine gewisse Konzentration um den Handlungen folgen zu können und nicht komplett verwirrt zu sein. Denn eigentlich ist die Handlung logisch aufgebaut, der Leser wird lediglich – wie auch Deckard selbst – immer wieder mit neuen Theorien konfrontiet, denen es zu folgen gilt.

Der Schreibstil von K.W. Jeter hat mir noch viel besser gefallen, als der von Philip K. Dick. Er schreibt sehr bildhaft und ausführlich. Formuliert lange, verschachtelte Sätze die mir ein Filmerlebnis präsentiert haben. Ich habe das Buch nicht gelesen, ich war in einem Film als unbeteiligter Zuschauer im Universum unterwegs. Und das war schon ziemlich cool :-). Natürlich war die Technik Anfang der 90er, als diese Fortsetzung entstand, schon wieder um Längen weiter als zu der Zeit als Philip K. Dick den Erstling schrieb. Aber auch noch lange nicht so weit wie heute. Doch für den damaligen Stand hat sich Mr. Jeter eine Menge technischer Finessen ausgedacht, die einfach nur Spass machen.

Die Auflösung des Buches, also das Ende, war noch einmal eine Herausforderung an das Verständnis, hat mir aber sehr gut gefallen. Und … ich wünsche mir sehr, diese Fortsetzung als Film zu sehen. Ich habe gehört, dies sei angedacht. Die Handlung die diese beiden Romane hergeben, bietet fantastischen Filmstoff und ich sehe einzelne Szenen bereits vor meinem geistigen Auge. Zu guter Letzt noch ein Wort zum Protagisten Deckard. Das Wesen des Blade Runners, seine eigenwillige Art die ihn ausmacht, hat der Autor perfekt übernommen und die Figur weiterleben lassen, als hätte es keinen Schöpferwechsel gegeben.

Ich glaube man liest raus, dass ich wirklich begeistert bin. Und ich möchte mich nicht als Science-Fiction Fan bezeichnen. Doch Blade Runner – Die Rückkehr hat mir wirklich großen Spaß gemacht, auch wenn ich recht lange gelesen habe. Aber ich wollte ja nun auch alles verstehen und nicht schwierige Dinge einfach überlesen.

Nun habe ich noch eine der vielen Stellen ausgesucht, um den tollen Schreibstil mal vorstellen zu können:

„Der Feuerball schlug zuerst ein – vom Druck befreiter Wasserstoff in der explosiven Umarmung von Sauerstoff. Eine Flammenwoge in Gestalt einer peitschenden Kugel, das kollabierende UN-Luftschiff kaum sichtbar hinter dem Gleißen, das die Augen versengte. Die gewaltige Hand des Feuers ebnete die Straße ein. Hitzewogen und sich ausdehnender Druck schleuderten schreiende Menschen aufs Pflaster, wirbelten sie mit lichterloh brennenden Haaren oder eingeäscherten Seidenschleiern vor keuchenden Atemstößen durcheinander, die Wimpern verschmort.“

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Mein Fazit: 5 von 5 Punkten für diese absolut gelungene Fortsetzung eines Klassikers, trotz (oder gerade wegen?) eines anderen Autors. Man sollte sich jedoch Zeit nehmen und aufmerksam lesen, damit man der Handlung folgen kann und nicht völlig verwirrt zurückbleibt. Ausserdem kann man dann auch den Schreibstil geniessen und abtauchen in einen Film: Blade Runner Returns …

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Wer meine Rezension zu „Blade Runner – Träumen Roboter von elektrischen Schafen“ von Philip K. Dick lesen mag: —> Klick

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© Buchwelten 2012

Du stirbst zuerst von Dan Wells (4/5)

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Erschienen als
broschierte Ausgabe
im Rough Cut bei
PIPER Fantasy
448 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-4922-6858-5

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Michael Shipman, 20 Jahre alt, erwacht in einem Krankenhaus und ihm fehlen in seiner Erinnerung zwei Wochen. Aber an eines kann er sich erinnern: er ist auf der Flucht. Er flieht vor gesichtslosen Menschen, die ihn beobachten, verfolgen.
Michael hat außerdem eine extreme Angst vor elektrischen und elektronischen Geräten. Seien es Fernseher, Handys oder Computer. Alle diese Dinge schrecken ihn ab, er kann ihnen nicht zu nahe kommen. Er sagt, die „Gesichtslosen“ benutzen diese Geräte um ihn zu überwachen, kontrollieren und zu „orten“ und wenn er diesen Gegenständen zu nahe kommt, verursachen sie ausserdem plötzliche, stark auftretende Kopfschmerzen.

Als er im Krankenhaus diese Dinge anspricht und dann auch noch handgreiflich wird, weil er unbedingt das Krankenhaus verlassen will geschieht das Unausweichliche. Die Ärzte erklären Michael Shipman für verrückt und er wird in die psychiatrische Klinik Powell eingewiesen. Dort wird er unter starke Medikamente gestellt, die ihn von der gestellten Diagnose heilen sollen: Schizophrenie.

Doch für Michael sind diese Männer und Frauen ohne Gesichter real, sie tauchen sogar in der Klinik auf. Wie soll er die Ärzte überzeugen, dass er Recht hat mit seiner Verschwörungstheorie?

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Als großer Fan der Serienkiller Trilogie um John Cleaver, den Dämonenjäger, konnte ich es nicht abwarten den neuen Dan Wells endlich in den Händen zu halten.
Dieser Roman schließt sich optisch mit seinem geprägten Cover und dem absolut ausgefallenen „Rough Cut“ zwar den drei Vorgängern an, hat von der Handlung allerdings überhaupt nichts damit zu tun.

Dan Wells hat einen Roman geschrieben, der nicht einmal in kleinen Anspielungen mit den Serienkiller-Romanen verknüft ist. Er hat wieder einmal einen Pageturner geschaffen und ich hatte das Buch in nicht einmal zwei Tagen durchgelesen. Das liegt zum einen am den flüssigen, rasanten Schreibstil den Dan Wells anwendet und zum anderen daran, dass die Buchseiten nicht viel Text beinhalten und ausserdem durch den „Rough Cut“ extrem dick sind.

Die Handlung hat mir gefallen, der Protagonist ist mir sympathisch. Sehr gut hat Wells den inneren Kampf mit der eigenen Krankheit, den Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Ängsten Michaels beschrieben. Wie er sich damit auseinandersetzt, was wahr ist, was eingebildet; ob er nun krank ist oder nicht. All dies ist sehr gut geschrieben und absolut nachvollziehbar.

Parallel gibt es einen zweiten Nebenstrang, in dem ein Killer gesucht wird, der anscheinend mit der Verschwörungstheorie von Michael zu tun hat. Ist Michael nun selber der Mörder? Die Handlung hat mir gefallen und ich habe das Buch mal wieder „gefressen“.

Allerdings kommt Dan Wells mit diesem neuen Roman für mich nicht an den Dreiteiler um John Cleaver heran. Er hat etwas anderes versucht, wollte nicht an „altes“ anknüpfen und die Idee gefiel mir auch und war auch gut umgesetzt, dennoch.

Das Ende hat mich ein wenig enttäuscht. Ich mochte die „Fantasy“ Elemente in den Thriller Handlungen bei Dan Wells sehr, doch hier hat der Autor am Schluß eine Aufklärung geliefert, die ich als sehr seltsam empfand. Wenn hier überhaupt andere Elemente einfließen, dann Science Fiction, aber auch das kann ich nicht mit Überzeugung sagen. Was das war, ich weiss es eigentlich selber nicht so genau. Ich fand es zumindest eher flach als Abschluß.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für den neuen Dan Wells. Wieder spannend und schnell zu lesen. Ein Pageturner mit guten Elementen und einem interessanten Charakter des Protagonisten, so irre er auch ist (oder doch nicht?) …. aber an „Ich bin kein Serienkiller“, „Mr. Monster“ und „Ich will dich nicht töten“ kommt er für mich definitiv leider nicht heran.

Ich danke Piper-Fantasy für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011