Quazi von Sergej Lukianenko


Quazi von Sergej Lukianenko

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  414 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-453-31852-6
Kategorie: Science Fiction

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Zehn Jahre ist es her, dass eine Seuche ausgebrochen ist und die Menschheit in ein tristes Dasein geworfen hat. Seit dieser Zeit gibt es sogenannte Aufständische, von denen sich einige auserwählte in Quazis, lebende Tote respektive Zombies, verwandeln. Quazis und Menschen versuchen eine Symbiose einzugehen, denn die Auferstandenen sind im Grunde genommen gutmütig. Der Moskauer Polzist Denis Simonow bekommt einen dieser Quazi als neuen Partner zugeteilt. Es dauert nicht lange, und Denis muss feststellen, dass die Quazis etwas planen, um die Menschheit zu unterjochen.

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Lukianenko ist schon seit einiger Zeit der populärste Schriftsteller aus Russland und wenn man seine visionären Romane liest, weiß man auch genau, warum das so ist. Nach seinen Erfolgen mit diversen Reihen (die bekannteste dürfte die legendäre „Wächter“-Reihe sein) widmet sich der Russe einem neuen Kapitel. Der vorliegende Roman mit dem Titel „Quazi“ scheint der erste eines neuen Zyklus zu sein, in dem es um Menschen und wiederauferstandene Tote, sogenannte Quazis, geht. Diese Quazis sind aber nicht die menschenfressenden Monster, wie wir sie aus diversen Zombiefilmen oder Serien wie „The Walking Dead“ kennen, sondern eigentlich Menschen wie Du und ich. Nur eben tot – und quasi unsterblich, weil sie eben schon tot sind. Lukianenko nähert sich dem Thema sehr vorsichtig und schafft es dadurch, dem Szenario eine hohe Glaubwürdigkeit zu verleihen. Seine Untoten sind so menschlich wie seinerzeit der fast schon liebenswerte „Bub“ in George A. Romeros „Day Of The Dead“.

Es ist ein sehr außergewöhnlicher (und für manchen Leser und Lukianenko-Fan wohl auch gewöhnungsbedürftiger) Genre Mix aus Science Fiction, Dystopie, Horror und Krimi. Ich persönlich kam mit dieser Mischung hervorragend klar und war auch stellenweise von den grandiosen Ideen begeistert. Gerade die undurchsichtigen, aber auch gewissermaßen liebenswerten, Charaktere der Quazis, die um ihre Existenzberechtigung kämpfen, haben mir sehr gefallen. Eigentlich haben diese untoten Wesen keinerlei Gefühle mehr in sich, aber dennoch kann man die Quazis oftmals verstehen und meint auch hin und wieder, Emotionen in ihrem Handeln zu entdecken. Sergej Lukianenkos neuer Roman ist kein Geniestreich, wie es manch andere Geschichte aus seiner Feder ist, aber das Werk besitzt eine sehr eindringliche, dystopische Atmosphäre, die mir gut gefallen hat. In einigen Rezensionen wird die angeblich schlechte Übersetzung angeprangert, von der ich aber nichts gespürt habe. Sicherlich ist mir aufgefallen, dass die wiederauferstandenen Toten nicht „Wiederauferstandene“ sondern „Aufständische“ bezeichnet wurden, was absolut keinen Sinn ergibt. Aber wenn man diesen „Makel“ einfach hinnimmt, denn man weiß ja, was gemeint ist, kann man ohne weiteres damit leben und die Geschichte dennoch verstehen.

Man merkt dem Roman an, dass er von Lukianenko stammt, obwohl in seinen anderen Romanen weitaus mehr philosophische Aspekte vorhanden sind. Nichtsdestotrotz kommt aber auch bei „Quazi“ eine gewisse Tiefe zum Tragen, die schlichtweg anders gelagert ist als bei den „echten“ Science Fiction-Storys. Lukianenko widmet sich hier mehr einer möglichen Realität, die uns in Zukunft erwarten könnte, sollte der Mensch eines Tages dazu fähig sein, den Tod zu überwinden. Lukianenko verbindet aktuelle Lebensgefühle mit eventuell zukünftigen, spricht zwar politische und sozialkritische Punkte kurz an, vertieft sie aber nicht. „Quazi“ ist ein erfrischender Beitrag in der schon Jahre anhaltenden Zombie-Dystopie-Apokalypse-Welle, weil er das Thema anders angeht – menschlicher und auf andere Weise erschreckend, als es andere Bücher und Filme derzeit tun. Lukianenko sind mit Denis Simonow und dem Quazi Michail Bedrenez interessante Charaktere gelungen, die noch ausbaubar wären. Entsteht hier tatsächlich eine neue Reihe, kann man schon gespannt sein, wie sich die Charaktere und die Nebenhandlung (die private Geschichte des Ermittlers Denis Simonow) entwickelt. Da steckt auf jeden Fall noch eine Menge Potential im Plot.

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Fazit: Gelungener Zombie-Dystopie-Krimi-Mix, der einen erfrischenden Weg einschlägt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Overworld von Dan Wells

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt  430 Seiten
Preis: 13,00 €
ISBN: 978-3-492-28022-8
Kategorie: Science Fiction, Fantasy

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„Overworld“ ist das beliebteste Virtual-Reality-Spiel der Welt. Marisa Carneseca, die wir schon aus „Bluescreen“ kennen, bekommt zusammen mit ihren Freunden eine Einladung, um an einem Overworld-Turnier teilzunehmen. Sollte Marisas Team gewinnen, könnte sie ihre Familie endlich finanziell unterstützen. Doch schon bald wird Marisa klar, dass sich hinter „Overworld“ nicht nur ein Spiel versteckt, sondern eine profitgierige Machenschaft, die die Existenz mittelständischer Menschen, wie Marisas Eltern, bedroht  …

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„Overworld“ setzt Abenteuer von Marisa Carneseca und ihren Freunden nahtlos fort. Auch wenn man zwischen dem ersten Teil „Bluescreen“ als Leser viele Monate hat verstreichen lassen, so findet man doch sehr schnell wieder Zugang zu den Jugendlichen und dem Stadtteil Mirador. Dinge, die man vergessen hat, werden kurz von Dan Wells angesprochen und sofort hat man den Anschluss wieder. Wells hat sehr geschickt die Abenteuer des ersten Teils eingebaut, ohne dessen Handlung nochmals zu wiederholen. Aber davon abgesehen, könnte man „Overworld“ auch durchaus als eigenständigen, unabhängigen Roman lesen und würde die Zusammenhänge dennoch verstehen.
Dan Wells hat mit seinen Mirador-Romanen eine wirklich beeindruckende Zukunftsvision erschaffen, die wirklichkeitsnäher nicht sein könnte. Auf erschreckende Weise stellt man während des Lesens fest, dass die geschilderte Zukunft in manchen Dingen näher ist, als man denkt. Die Ansätze (Internetzugang wird zum Beispiel als Lebensgrundlage bezeichnet) jener Zukunftswelt sind dystopisch und real zugleich.

Im vorliegenden zweiten Teil des Mirador-Zyklus richtet Dan Wells sein Hauptaugenmerk auf Videospiele und wird so manch einen Leser an Tad Williams‘ fantastische „Otherland“-Reihe erinnern. Doch Wells geht einen anderen Weg, der nicht minder spannend und faszinierend ist. Was mir vor allem (wieder, wie schon im ersten Teil) gefallen hat, waren die Aktionen der Teenager untereinander. Die Sticheleien und Beleidigungen sind sehr authentisch und witzig dargestellt und zaubern einem während des Lesens oftmals ein Lächeln auf die Lippen. Dieses Lebensgefühl, das Jugendliche bei Videospielen, Internetforen und Chatrooms spüren, wird sehr gut und glaubhaft beschrieben, auch wie sie miteinander sprechen. Die Dialoge sind flüssig und Wells‘ Schreibstil gewohnt hochwertig, aber leicht lesbar, so dass der Roman sehr schnell gelesen werden kann. Dass man sich sehr schwer von der Handlung trennen und das Buch zur Seite legen kann, liegt auch daran, dass Dan Wells sehr kurzweilig und fesselnd schreibt und den Leser förmlich selbst in die Handlung mit eintauchen lässt. Das konnte er schon bei seinen „Serienkiller“-Büchern, aber bei den Mirador-Romanen wirkte es zumindest auf mich noch spannender.

„Overworld“ mutet manchmal wie ein Film an, manchmal aber auch wie ein Videospiel. wobei Dan Wells gut und gerne mehr von dem eigentlichen Game hätte beschreiben können. In diesem Fall kann Tad Williams eindeutig mehr auftrumpfen. Nichtsdestotrotz fliegt man nur so durch die Seiten, um zu erfahren, wie es den Mädchen ergeht. Und auch wenn man, wie ich, kein Gamer ist und nicht über entsprechendes Wissen verfügt, kann man den Spielverläufen und den Fachausdrücken ohne weiteres folgen, denn die meisten Dinge werden innerhalb des Romans erklärt und am Ende des Buches ist auch noch ein Glossar abgedruckt, mittels dem man sich schlau machen kann. Mir persönlich hat dieser zweite Teil „Overworld“ ein klein wenig besser gefallen als „Bluescreen“, was mich vermuten lässt, dass Dan Wells selbst tiefer in seine Charaktere und Szenarien eingedrungen ist. Dies wiederum lässt meine Erwartungshaltung gegenüber dem dritten Teil höher steigen, wobei ich allerdings auch ziemlich sicher bin, dass Dan Wells diese Erwartungen erfüllen wird. „Overworld“ ist ein absolut unterhaltsames Science Fiction-Abenteuer mit sozialkritischem Anteil, in dem auf wirtschaftliche Auswirkungen des Internets eingegangen wird. Gerade diese Mischung aus intelligenter Zukkunftsvision und spannendem Actionabenteuer funktioniert hervorragend und wird Fans des ersten Teils uneingeschränkt gefallen.

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Fazit: Spannender, intelligenter zweiter Teil der Mirador-Saga, der hervorragend unterhält.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Altered Carbon – Das Unsterblichkeitsprogramm von Richard Morgan

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 606 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31865-6
Kategorie: Science Fiction

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In der Zukunft ist es möglich, alle 48 Stunden ein Backup seines Ichs zu machen, um im Falle eines Ablebens diese „Seele“ in einem neuen Körper wieder hochzuladen. Alle Gedanken sind wieder da und der Verstorbene ist in einem neuen Körper wieder am „Leben“. Doch dann wird der Millionär Laurens Bancroft ermordet. Leider trat der Tod kurz vor der Abspeicherung der letzten 48 Stunden ein. Privatdetektiv Takeshi Kovacs, selbst in einem neuen Körper wiederbelebt, macht sich auf die Suche nach genau jenen fehlenden Stunden.

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In einer atemberaubenden Mischung aus Cyberpunk, Science Fiction und Thriller erzählt Richard Morgan in seinem Debüt eine rasante Geschichte, die nur so voller genialer Ideen strotzt. Alleine die Ausgangssituation ist absolut grandios und beeindruckend. Morgans Erzählweise verlangt die volle Aufmerksamkeit des Lesers, denn zu schnell könnte man die Übersicht bei der intelligent verschachtelten Story verlieren. In faszinierenden Schilderungen und filmreifen Bildern (demnächst ist dieses Buch tatsächlich als Netflix-Serie zu bewundern) nimmt Richard Morgan den Leser mit auf eine Reise in eine ferne Zukunft, die oftmals an Philip K. Dicks „Blade Runner“ erinnert. Es gibt keine Raumschiffschlachten oder außerirdische Wesen, sondern einen authentisch wirkenden Kriminalfall, der eben in der Zukunft angesiedelt ist. Es sind unzählige Kleinigkeiten, die dieses Buch zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis machen, so dass man es schwer aus der Hand legen kann. Das liegt aber nicht nur an den innovativen Ideen, die sich durch das komplette Werk ziehen, sondern auch an Morgans Schreibstil, der absolut hochwertig und flüssig zu lesen ist.

Gerade die Idee, sein Bewusstsein in einen anderen Körper transferieren zu können, macht „Altered Carbon“ zu einer echten Science Fiction-Perle. Es gibt mehrere brutale Actionsequenzen, von denen zarte Gemüter nicht so sehr angetan sein könnten, die aber immer mit der Handlung im Einklang stehen. Ich persönlich fand den Gewaltpegel in diesem Roman nicht wirklich hoch, aber da gehen die Meinungen schließlich auseinander.
Richard Morgan zeigt eine Zukunftswelt, die teilweise verroht und hoffnungslos wirkt, andererseits aber auch den schon immer existierenden Wunsch nach „Unsterblichkeit“ zur Wirklichkeit macht. Zumindest das Bewusstsein, quasi die Seele, eines Menschen kann in diesem Szenario überleben. Morgan strickt geschickt ein Netz aus Lügen und Intrigen und lässt den Leser oftmals genauso wie den Protagonisten im Ungewissen, was vor sich geht.

Zusätzlich zum bereits erwähnten außergewöhnlichen Plot, kann „Altered Carbon“ noch mit ein paar zusätzlichen Highlights aufwarten, die ich in dieser Form selten so gelesen habe. Es handelt sich dabei um die Sex- und Erotikszenen, die Morgan locker in seine Handlung mit einbaut und die poetisch und hoch philosophisch sind. An manchen Stellen konnte ich gar nicht glauben, wie sich ein Mann dermaßen empathisch in die Gefühlswelt einer Frau einfühlen kann. Diese Szenen sind absolut klasse und haben mich sehr berührt. Ich hätte mir sogar mehr von diesen genial formulierten Einschüben gewünscht, denn sich machten den Roman sehr menschlich und gefühlvoll. „Altered Carbon“ erschien bereits im Jahr 2004 unter dem Titel „Das Unsterblichkeitsprogramm“ im Heyne Verlag und wird wohl jetzt noch einmal aufgrund der Serienverfilmung neu aufgelegt. Fairerweise wird bei dieser Neuauflage zumindest der alte deutsche Titel erwähnt, so dass sich die Gefahr eines Doppelkaufs deutlich schmälert. Zu diesem furiosen und spannenden Auftakt gibt es noch zwei weitere Folgebände mit den Titeln „Gefallene Engel“ und „Heiliger Zorn“, in denen ebenfalls der Privatddetektiv Takeshi Kovacs die Hautprolle spielt.

Insgesamt würde ich „Altered Carbon“ fast schon als Meilenstein der neuen Science Fiction bezeichnen. Parallelen mit „Blade Runner“ kann ich aus meinem Kopf zwar nicht wegradieren, aber Richard Morgan kopiert nicht, sondern lässt seinen Plot nur in einer ähnlichen Zukunftswelt spielen. Für mich ist „Altered Carbon“ ein beeindruckendes Krimi-Abenteuer im Science Fiction-Gewand, gewürzt mit harter Action und einfühlsamer Erotik. Eine Mischung, die es in sich hat.

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Fazit: Beeindruckend innovative Mischung aus Krimi, Thriller und Science Fiction. Als SF-Fan sollte man das Buch gelesen haben.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die letzten und die ersten Menschen von Olaf Stapledon

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Erschienen als Hardcover
im Piper Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis:  25,00  €
ISBN: 978-3-492-70632-8
Kategorie: Science Fiction

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Wie sieht die Zukunft der Menschheit aus? Gibt es in zwei Milliarden Jahren die menschliche Zivilisation überhaupt noch? Und, wenn ja, wie und wo leben die Menschen dann?

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Zuerst einmal muss ich auf die überaus ansprechende Neuausgabe dieses SF-Klassikers im Piper-Verlag eingehen: Der Umschlag des Buches ist trüb-transparent und sein Aufdruck ergänzt sich dadurch hervorragend mit dem Bild auf der eigentlichen Buchvorderseite. Buch- und Coverbild ergeben somit das sichtbare, absolut gelungene Titelbild. Alleine optisch ist dieser Science Fiction-Meilenstein also schon ein echter Hingucker und sollte in keiner SF-Sammlung fehlen.
Auf den Buchinnenklappen sind die Originalskizzen der Zeitleisten von Stapledon abgebildet, was ebenfalls einen sehr hochwertigen Blickfang abgibt. Insgesamt hat sich der Verlag wirklich sehr große Mühe für diese Sammlerausgabe gegeben und verdient daher ein dickes Lob.

Nun zum Roman: Stapledons Zukunftsepos hat über achtzig Jahre „auf dem Buckel“ und man kann es manchmal gar nicht glauben, wie weitsichtig und philosophisch er seine Visionen entwirft. Das Buch liest sich meistens wie eine Art Geschichtsbuch, trocken und voller Informationen. Aber wer nun meint, „Die letzten und die ersten Menschen“ wäre ein Sachbuch, täuscht sich, denn hat man sich erst einmal an den (aus meiner Sicht sehr hochwertigen) Schreibstil gewöhnt, wird man von den Schilderungen mitgerissen. Es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, über hunderte von Seiten eine detailliert ausgearbeitete Zukunft in menschlicher, politischer, religiöser und sexueller Hinsicht zu verfolgen. Ich selbst hatte nur an einer einzigen Stelle einen „Hänger“, der mir zu langatmig erschien, ansonsten empfand ich diese perfekt ausgearbeitete Zukunftsvision extrem spannend.
Vor allem das Ende in seiner höchst philosophischen und teils auch esoterischen Auslegung hat mich sehr angesprochen und war für mich auch vollkommen nachvollziehbar.

Stapledons Roman umfasst Äonen und erinnerte mich vom Gesamteindruck (nicht vom Schreibstil oder den Ideen) an Stephen Baxter, der es ebenfalls schafft, den Leser auf eine Reise über Millionen von Jahren mitzunehmen. Aber anders als Baxter vermittelt Stapledon den Eindruck, eine wissenschaftliche Abhandlung über die Zukunft der Menschheit geschrieben zu haben. Dennoch wirken seine Visionen innovativ und wissenschaftlich durchdacht. Für den Roman wurden anscheinend lediglich die Informationen, die im Jahr seines Entstehens vorlagen, „hochgerechnet“ und in ein plausibles Gewand hineingearbeitet. „Die letzten und die ersten Menschen“ ist ein unglaublich ausuferndes Porträt der menschlichen Rasse, die an manchen Stellen in geistige Sphären vordringt, die höchst philosophisch und wunderschön erscheinen. Ich konnte gerade diese Entwicklung des Menschen absolut nachvollziehen, denn hinter unserer Existenz wird mit Sicherheit solch eine geistige Gemeinschaft stecken, davon bin auch ich überzeugt. Vielleicht liegt es gerade an dieser Übereinstimmung mit dem Autor, die für mich diesen Roman zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht hat.

Olaf Stapledon hat ein komplexes Weltbild der Zukunft erschaffen, analysierte Gesellschaftsstrukturen und deren Entwicklungen sehr nachvollziehbar und hat mit seinem Roman ein kleines Meisterwerk erschaffen. Wer populäre Science Fiction mit Weltraumabenteuern und Raumschiff-Schlachten mag, wird an diesem Buch schwer Gefallen finden. Wer sich jedoch für ein gut konstruiertes Zukunftsbild interessiert, das sich fast schon wie ein historisches Lehrbuch liest, wird begeistert sein, wenngleich an manchen Stellen Durchhaltevermögen erforderlich ist. Und eines sollte man auch noch wissen, bevor man sich an Olaf Stapletons fast schon bahnbrechendes Werk einlässt: Es gibt keine(n) Protagonisten, den man begeleitet. Es gibt lediglich den Erzähler aus der Zukunft, der die Ereignisse fast emotionslos schildert.

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Fazit: Komplex und gut konstruiertes Zukunftsbild der Menschheit, das, wenngleich erfunden, dennoch nachvollziehbar echt sein könnte. Fernab von Weltraumschlachten wird hier ein Sf-Roman in einer einem Sachbuch ähnlichen Form vorgelegt.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Träumen Roboter von elektrischen Schafen? / Blade Runner von Philip K. Dick (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch bei
HEYNE
272 Seiten
Preis: € 9,95 €
ISBN:  978-3-453-21728-7

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Rick Deckard ist einer der Menschen, die nach dem letzten Weltkrieg und der daraus resultierten atomaren Verseuchung auf der Erde geblieben sind. Die Städte sind grösstenteils verwaist, ein giftiger Staub senkt sich nach wie vor auf alles nieder und macht die Bewohner krank.

Die Tiere sind nach der Katastrophe nach und nach aus der Fauna verschwunden und so gut wie ausgestorben. Vögel gibt es z.B. gar keine mehr. Die Folge ist, dass es den Menschen sehr wichtig geworden ist, sich ein Tier zu halten. Nach Möglichkeit ein echtes, wenn das nicht machbar ist – weil sie z.B. einfach unerschwinglich und nicht bezahlbar sind – dann ist es auch schon  einmal ein elektrisches Tier. Firmen haben sich darauf spezialisiert Tiere naturgetreu nachzubauen um dem Wunsch der Erdbewohner nachzukommen.

Auch Rick Deckard hat ein Tier, leider kein echtes. Er ist Besitzer eines elektrischen Schafes, das auf dem Dach seines Hauses lebt und das er versorgt als sei es ein lebendes Tier. Ricks Deckards grösster Wunsch wäre etwas lebendiges zu halten.

Vielleicht bringt ihn sein nächster Auftrag diesem Ziel ein wenig näher. Rick ist Blade Runner, ein Jäger der auf Prämienbasis Androiden jagt und aus dem Verkehr zieht. Diese Androiden wurden eigentlich geschaffen um den ausgewanderten Erdbewohnern, die auf dem Mars leben, bei der Arbeit zu helfen und Gesellschaft zu leisten. Doch immer wieder fliehen Androiden unter dem Einsatz von heftiger Gewalt vom Mars auf die Erde.

Das Problem … die Androiden der Serie Nexus 6 sind nicht einfach Roboter. Sie sind perfekte Nachbauten eines Menschen aus Fleisch und Blut. Sie zu erkennen bedarf einiger Erfahrung und der Nutzung gewisser Tests.

Blade Runner Rick Deckard hat den Auftrag sechs der entflohenen Androiden zu fangen. Dies ist eine grosse und auch gefährliche Herausforderung. Aber wenn er diesen Auftrag erfolgreich erledigt, erhält er solch hohe Prämien, dass er sich endlich seinen Traum erfüllen kann: Ein lebendes Tier …

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Ich habe bereits einiges über diesen Roman gehört und ich weiss, dass einen absoluten Filmklassiker dazu gibt. Gelesen hatte ich diesen Roman von Philip K. Dick bislang aber nicht. Als ich ihn dann beim Abverkauf in unserer Bücherei für 0,20 € in einer alten, gebundenen und sehr gut erhaltenen Ausgabe gesehen habe, nahm ich ihn mit.

Während ich mich mit Thomas Elbel über seinen Roman ASYLON unterhalten hatte, kam es auch wieder auf das Thema „Blade Runner“, der ja eigentlich „Träumen Roboter von elektrischen Schafen“ heißt. Also habe ich mir endlich das Buch zur Hand genommen und meinen ersten Science Fiction Roman gelesen.

Und ich kann sagen: Er hat mir wirklich gut gefallen. Er spielte nicht auf dem Mars oder anderen Planeten, sondern auf der Erde in Amerika. Er war nicht futuristisch abgedreht. Die fliegenden Schwebeautos, die Videotelefone und natürlich die menschlichen Androiden waren eigentlich das Einzige, das auf Science Fiction hinwies.

Ansonsten war die Handlung sehr Zwischenmenschlich und  in einem angenehmen, guten Schreibstil geschrieben. Ich möchte es eher einen SciFi-Krimi beschreiben, den Dick damals zu Papier brachte. Natürlich habe ich so ziemlich in jeder Figur einen Androiden „gesucht“.

Die Figur des Blade Runner war mir sympathisch, wobei ich mir hier noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte. Vielleicht wäre das gelungen, wäre der Roman insgesamt etwas länger ausgefallen. Das ist auch der Grund für mich nur 4 von 5 Sternen zu geben. Die Geschichte war mir ein wenig zu kurz. Wäre der Roman dicker und etwas ausführlicher geschrieben, hätte ich mich wohl noch mehr in die Welt der damaligen Zukunft fallen lassen können.

Dennoch war ich nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Ich bin sicher, ich werde weitere Science Fiction Bücher zur Hand nehmen. Und auf die Verfilmung – die wir nun endlich anschauen können – bin ich auch sehr gespannt … Ich weiss, einen Film und ein Buch kann und soll man nie vergleichen 🙂

Mein Fazit: Insgesamt 4 von 5 Sternen für einen Science Fiction Roman der alten Schule, der damals so weit in der Zukunft lag und heute bereits wieder in der Vergangenheit … vieles der Handlung ist mittlerweile vielleicht nicht mal mehr so abwegig.

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© Buchwelten 2011