The Hunger – Die letzte Reise von Alma Katsu

The Hunger - Die letzte Reise von Alma Katsu

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31927-1
Kategorie: Historie, Drama

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Im Jahr 1846 macht sich eine Gruppe von Siedlern auf den Weg von Illinois nach Kalifornien. Sie erhoffen sich ein glücklicheres Leben und eine bessere Zukunft. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass die Reise durch die Weiten der Prärie weitaus gefährlicher ist, als sie annahmen. Hinzu kommt, dass es nicht nur die Natur ist, die ihnen zu schaffen macht, sondern es lauert eine noch weitaus schlimmere Gefahr auf den Treck unter der Leitung von George Donner.

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Schon beim Klappentext und nach den ersten Seiten weiß man, wohin diese Reise führt. „The Hunger – Die letzte Reise“ von Alma Katsu erinnert tatsächlich in vielerlei Hinsicht an Dan Simmons‘ grandioses Epos „Terror“. Das mag zum einen an der ähnlichen Ausgangssituation liegen (eine Gruppe von Menschen findet sich in einer nahezu ausweglosen Situation wieder und muss mit allen Mitteln ums Überleben kämpfen), zum anderen aber auch an der durchgehend fast schon depressiven Atmosphäre, die sich über die gesamte Geschichte wie ein Leichentuch legt. Man spürt die Angst und Panik, leidet und hofft mit den Menschen und kann sich der trostlosen Stimmung nicht entziehen, weil sie extrem authentisch und bildhaft von der Autorin dargestellt wird. „The Hunger – Die letzte Reise“ wird definitiv auch jene Leserschaft begeistern, die bereits Simmons‘ „Terror“ zu ihrem persönlichen Meisterwerk auserkoren haben.

Alma Katsus Schreibstil ähnelt dem von Dan Simmons, ist aber weitaus weniger detaillierter und „einfacher“, wodurch der Plot um einiges gerafft wird. Das mag den ein oder anderen Leser ansprechen, andere werden gerade dieses epische Element vermissen. Katsus Roman ist dadurch weitaus schneller und weniger langatmig zu lesen, was vielen Lesern entgegenkommen wird. Ich persönlich fand die Länge des Romans durchaus angenehm und weder zu lang noch zu kurz, wenngleich ich das bedeutend längere Werk „Terror“ durchaus genossen habe. Aber ich habe auch „The Hunger – Die letzte Reise“ mit jeder Seite genossen. Die Charaktere wurden sehr glaubhaft und lebensnah beschrieben, so dass man ihre Gedankengänge absolut nachvollziehen konnte. Auch wenn Alma Katsus Werk nicht den gleichen Zauber wie „Terror“ besitzt, so geht die Autorin einen konsequenten Weg, der betroffen macht und an einigen Stellen auch schockiert. Niemals wird aber die Atmosphäre mit reißerischen Szenen gestört (oder gar kaputt gemacht), sondern selbst die schockierenden Momente werden in einer ruhigen Weise geschildert. Man spürt die Kälte und Angst, aber auch die Verzweiflung der Protagonisten und ist oftmals hautnah bei den Geschehnissen dabei. Katsu lässt ihre Leser auch einen Blick in die Vergangenheit mancher Protagonisten  werfen, was der ganzen Geschichte einen nostalgischen Touch gibt, der einen über das Leben nachdenken lässt.

Alma Katsu hat zwar einen historischen Roman geschrieben, kratzt aber letztendlich nur an den wahren Begebenheiten. Sie nimmt eher die wahre Ausgangssituation, um sie in einen gruseligen Roman zu verwandeln. Ich meine das nicht negativ, aber als ich im Nachwort über die Ereignisse des Donner-Trecks gelesen habe, hätte ich mir im Roman tatsächlich etwas mehr Historie gewünscht. Alma Katus hat der wahren Geschichte einen mystischen Touch gegeben (ähnlich wie Dan Simmons in „Terror“ und „Drood“), löst aber das Rätsel nicht wirklich auf. Das wiederum empfand ich als Pluspunkt des Romans, den es bleibt nach dem Lesen unweigerlich ein bedrückendes Gefühl im Magen zurück, weil man darüber nachdenkt, was denn damals wirklich passiert ist. Insgesamt hat mich „The Hunger – Die letzte Reise“ absolut gut unterhalten und ich habe mich in der tollen Stimmung sehr wohl gefühlt, hätte mir aber einfach ein wenig mehr historische Details gewünscht. Die Mischung aus historischem Drama und mystischem Gruselhorror funktioniert auf alle Fälle hervorragend und auch dieses Buch wird, wie schon „Terror“, in meinem Gedächtnis haften bleiben.

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Fazit: Absolut gelungene Mischung aus historischem Drama und mystischem Gruselhorror. Für Fans von Dan Simmons‘ „Terror“ ein Muss.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Ein angesehener Mann von Abir Mukherjee

Ein angesehener Mann von Abir Mukherjee

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-42173-8
Kategorie: Krimi, historischer Roman

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In Kalkutta wird ein bekannter Politiker, ein „angesehenen Mann“, ermordet. Der englische Ermittler Sam Wyndham, der gerade aus dem ersten Weltkrieg heimgekehrt ist und sich erst einmal an Kalkutta und seine Einwohner gewöhnen muss, soll den Fall übernehmen. Seine Nachforschungen führen ihn durch die geheimnisvolle Welt Kalkuttas, in der Machtkämpfe, Intrigen und Drogen eine große Rolle spielen.

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Abir Mukherjees Debütroman ist ein süchtig machender, sehr atmosphärischer Krimi, der im Kalkutta des Jahres 1919 spielt. Es ist der Beginn einer Krimireihe um den äußerst sympathischen Ermittler Sam Wyndham. Es dauerte keine zehn Seiten und ich war von der Beschreibung des alten Kalkutta dermaßen fasziniert, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Unglaublich dicht und bildhaft beschreibt Mukherjee die fremde Umgebung und lässt den Leser die drückende Hitze und die Fremdartigkeit der Kultur hautnah miterleben. Oftmals erinnerte mich der sehr angenehme und flüssige Schreibstil des Autors an die Bücher von J.K. Rowling, die sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith verfasst hat. Die Seiten fliegen nur so dahin und erstaunlicherweise wird es niemals langweilig, obwohl wirklich relativ wenig passiert. „Ein angesehener Mann“ ist beileibe kein actionreicher Roman, sondern ein sehr ruhiger Kriminalfall, der mehr auf den Handlungsort und seine Protagonisten, als auf den Fall selbst eingeht. Dennoch verbirgt sich dahinter ein wahrer Pageturner, der süchtig macht.

Mukherjee hat einen genialen Einstieg in seine Krimiserie abgeliefert, die mich nachhaltig beeindruckt. Unglaublich greifbar hat er eine vergangene Zeit aufleben lassen und den Mordfall sehr glaubwürdig in die historischen Begebenheiten eingebaut. Die Auflösung des Falls hat mich an einige Werke von Agatha Christie erinnert und ich denke, dass Fans dieser Autorin auch bei „Ein angesehener Mann“ ihre helle Freude haben. Eingebettet in einen Rahmen aus fremder Kultur und schonungsloser Politik lässt Mukherjee den Leser an einer anstrengenden Ermittlung teilhaben, die oftmals auf der Stelle zu stehen bleiben scheint. Aber genau diese (für manch einen wohl langweilige) Tatsache verleiht dem Plot eine unglaubliche Authentizität, die (mich zumindest) vollkommen begeistert. Allzu gerne hätte ich Sam Wyndham und seinen treuen Begleiter Surrender-not Banerjee noch ein paar Seiten länger begleitet, so wohl fühlte ich mich in der Umgebung. Sehr gut werden außerdem die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit geschildert, so dass vieles absolut nachvollziehbar erscheint, selbst wenn man sich mit solcherart politischer Verstrickungen und Machtverhältnisse nicht auskennt. Interessanterweise sind diese Begebenheiten auch für Menschen wie mich, die sich für Politik überhaupt nicht interessieren, spannend und unterhaltsam, denn man bekommt einen sehr schönen (und eben informativen) Einblick in die damaligen Verhältnisse, der an keiner Stelle langatmig wirkt.

Der Protagonist Sam Wyndham wirkt von Anfang an sehr sympathisch, was vor allem daran liegt, dass er ganz „normal“ ist. Ein Mensch mit Stärken und Schwächen, kein Superermittler, sondern ein Mann, der oft ratlos ist und nicht mehr weiter weiß, aber nicht aufgibt. Der Mann an seiner Seite, Surrender-not Banerjee, kann genau so viele Sympathiepunkte vorweisen und stellt eine perfekte Ergänzung dar. Es macht großen Spaß, die beiden bei ihren Ermittlungen und Überlegungen zu begleiten. Erstaunlicherweise schafft es Munkherjee bis zum Ende, die Spannung aufrechtzuerhalten und mit seiner Auflösung am Ende zu überraschen. Gerade auf den letzten Seiten fügt der Autor sämtliche Fäden zu einem logischen Gerüst zusammen, das den Mordfall nachvollziehbar macht und auch noch ein paar Überraschungen bereit hält.
Für mich war „Ein angesehener Mann“ die Krimi-Überraschung des Jahres, die mit einem atmosphärisch dichten Schauplatz und einem sehr sympathischen Ermittler-Duo aufwartet. Ganz klare Leseempfehlung für Freunde von historischen Kriminalromanen und Fans von Agatha Christie und/oder Robert Galbraith. Ich freue mich schon sehr auf das zweite Abenteuer von Sam Wyndham, das voraussichtlich im Juli 2018 erscheinen wird und den Titel „Ein notwendiges Übel“ trägt.

Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass das Cover ein echter Eyecatcher ist. Ich habe das sehr ansprechende Titeklbild während des Lesens desöfteren betrachtet und mich in dieser Welt noch mehr verlieren können. Erfreulicherweise wird das Design beim zweiten Band beibehalten, so dass man als Büchersammler Hoffnung hat, eines Tages eine schön gleich aussehende Sammlung von Sam Wyndham-Büchern im Regal stehen zu haben. 😉

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Fazit: Atmosphärisch dichter, historischer Krimi-Pageturner mit einem überaus sympathischen Ermittler-Duo. Macht süchtig!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Mann, der nichts vergessen konnte von Ralf Isau (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im PIPER Verlag
464 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN:  9783492267151
Kategorie: Thriller

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Tim Labin, gesegnet mit mehreren Doktortiteln und frisch gebackener Schachweltmeister ist der Mann, der nichts vergessen kann. Alles was er jemals gelesen, gesehen oder gehört hat, bleibt in seinem außergewöhnlichen Gehirn auf alle Ewigkeit abgespeichert.

Er liest Bücher mit einer Stärke von ca. 500 Seiten in etwa einer Stunde. Wobei der Ausdruck Lesen hier eigentlich falsch ist, er saugt sie auf, gierig nach Wissen.

Nur an eines kann sich Tim nicht mehr erinnern. An die Ereignisse jener Nacht, in der seine Eltern ums Leben kamen. Tim war damals gerade 9 Jahre alt und wurde in dieser Nacht schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Seither klafft diese dunkle Lücke in seinem Hirn und der ständige Drang nach neuem Wissen, ist nichts anderes, als sein Versuch diese Erinnerungen wieder zu finden.

Doch sein großes, umfängliches Wissen macht Tim lange nicht zu einem glücklichen, zufriedenen Mann. Er hat große Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen. Er kann es nicht ertragen die Hand geschüttelt oder überhaupt von Menschen (auch zufällig) berührt zu werden. Wenn er in einer größeren Menschenmenge ist, gerät er in Panik. Tritt er eine Flugreise an, dann muss beispielsweise gewährleistet sein, dass in den Reihen vor, hinter und neben ihm kein weiterer Passagier sitzt.

Als die Historikerin und Computerspezialistin JJ mit einem Anliegen an Tim herantritt, nimmt er die Herausforderung nicht allein wegen seinem unstillbaren Durst nach Wissen an. Vom ersten Augenblick fühlt er sich zu JJ hingezogen, was für Tim ein völlig neues Gefühl ist und auf Grund seiner sozialen Schwierigkeiten auch kein kleines Problem für ihn darstellt.

JJ bittet Tim uralte verschlüsselte Dokumente zu enträtseln. Sie ist sicher, dass Tim, der Mann, der nichts vergessen kann genau der richtige Mann ist, der helfen kann. Dieser begibt sich gemeinsam mit JJ nach Cambridge, in die alte Bibliothek. Dort sind sie auf der Suche nach dem Text, der zur Verschlüsselung der alten Schriften gedient hat.

Tim macht sich voller Eifer an die Arbeit, natürlich auch um der schönen Historikerin zu imponieren. Doch auch wenn die beiden sich geschäftlich gut verstehen und JJ auch mit den diversen Macken Tims gut zurechtkommt: sie lässt den Mann nicht an sich heran. Wenn es ihr zu persönlich wird, dann blockt sie sofort ab. 

Doch Tim hat keine Eile, er liest sich durch die umfangreiche Bibliothek in Cambridge und dabei stößt er so nach und nach auch auf Wege, die zurück in seine eigene Vergangenheit führen.

Es gibt jedoch Personen, denen ist ebenso an der Entschlüsselung der alten Texte gelegen, jedoch wollen diese nicht, dass Tim zuviel erfährt. Ohne sich dessen bewusst zu sein, begibt sich Tim mit jedem Schritt, den er näher an die Entschlüsselung herankommt in größere Gefahr ….

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Dies war mein erster Thriller, den ich von Ralf Isau gelesen habe. Habe ich zu Beginn des Buches noch bei Facebook geschrieben, dass es sicherlich unblutiger wird, als mein vorheriges Buch von Chris Carter, so hat mich Ralf Isau prompt eines besseren belehrt.

Denn die erste Szene war gleich relativ blutig, denn das Buch startet genau mit der Nacht des Todes von Tims Eltern, an die er sich nicht mehr erinnern kann.

Ich muss sagen, Ralf Isau hat bewiesen, dass er auch außerhalb der Fantasy für Erwachsene und Jugendliche gute Ideen zu Papier bringen kann. Der Schreibstil ist gewohnt gehoben. Sicherlich geht es auch umgangssprachlich zu, was aber hauptsächlich in der Natur des von Isau erschaffenen, verkorksten Charakters des Protagonisten begründet ist. Denn durch seine sozialen Schwächen kontert er ständig recht schlagfertig in Gesprächsmomenten und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Mit seinem Mann, der nichts vergessen kann, hat der Autor einen sehr sympathischen Charakter erschaffen und die Beschreibungen der Ursache für sein besonderes Gehirn, sind wie gewohnt gut recherchiert.

Die Entwicklung der Handlung ist gut aufgebaut, die Handlungsorte wechseln und spannende, düstere Momente werden von ruhigeren Szenen abgelöst. Für mich war dieser Roman ein Abenteuerroman mit Thrillereinfluss.

Uralte Logenverbindungen, alte Dokumente, Gruften voller Geheimnisse, Beschreibungen wunderbarer Bibliotheken in Washington und Cambridge, aber auch Computer High-Tech & Internet, all dies hat dieser Roman zu bieten.

Ab und zu waren mir die Hintergründe und Verbindungen der Personen und die Sprünge durch die Zeiten und historischen Verknüpfungen zu verworren und überfrachtet. Wer hat was gegründet, wer kannte wen und hat wem, wann was zugeschustert. Es gab Momente, da kam ich da nicht ganz mit und mir war es einfach zuviel des Guten. Solche Verschwörungen, mit komplizierten Spionagecharakter sind nicht so mein Fall.


Dennoch hat mir der Roman Spaß gemacht und ich werde mit Sicherheit einen weiteren Isau-Thriller lesen. Denn ich finde es gut, wenn Autoren in verschiedenen Genres unterwegs sind und sich nicht festlegen lassen (wollen).

Auch wenn ich mich bereits jetzt auf die nächsten Fantasy und Jugendromane von Ralf Isau freue, für mich kann der Autor eindeutig auch spannendes und fesselndes schreiben.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen Isau-Thriller. Fesselnd, spannend, interessant und abwechslungsreich. Für alle Leser, die gerne über Verschwörungen, Schatzsuche, kryptisches und Abenteuerrätsel lesen ist er absolut zu empfehlen. 

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© Buchwelten 2012

Der Sohn der Amazone von Stefanie Philipp (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei Amazon
378 Seiten
Preis: 11,50 €
ISBN:  978-1477612163
Kategorie: historischer Roman

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Raván, Amazone der freien Steppenfrauen erwartet ihr zweites Kind. Das besondere an den freien Frauen ist jedoch, als Nachwuchs werden ausschließlich Töchter geduldet. Sollte ein Junge – ein Welpe – geboren werden, dann wird er der Mutter fortgenommen und der großen Mutter geopfert. Die freien Frauen töten keine Kinder, sie opfern sie.


Welpen werden in der Gemeinschaft der Frauen nicht geduldet, denn sie wachsen heran zu den Menschenwölfen, den ärgsten Feinden der freien Frauen. Sie misshandeln und töten Frauen und da die Angst zu groß ist, werden auch die kleinen Jungs, die Welpen, auf Grund des Stückchens Fleisch zwischen ihren Beinen nicht in die Gemeinschaft aufgenommen.

Raván ist gerade gemeinsam mit ihrer ersten Tochter Hastee auf dem Heimweg von einem Tauschhandel, als durch einen unglücklichen Unfall die Wehen vorzeitig einsetzen. Ihre Tochter ist verletzt und das Unwetter erschwert die Geburt ungemein. Wie groß ist der Schock für Raván als sie entdeckt, dass ihr viel zu früh geborenes Kind ein Welpe ist! Noch schlimmer, sie ist fern der heimischen Weidegründe und somit ist auch die vorstehende Mutter nicht da, die ihr den Welpen abnehmen könnte und zum Opferaltar bringen, wie es ihr Glaube vorschreibt.

Raván sieht sich gezwungen den Welpen zunächst zu nähren, zumindest so lange bis sie wieder im eigenen Lager ist. Denn die Amazonen lassen auch einen Welpen nicht absichtlich sterben.

Doch mit dem Stillen an ihrer Brust nimmt das Unglück ihren Lauf. Raván beginnt eine mütterliche Bindung zu dem Neugeborenen aufzubauen. Sie sieht in ihm ihr Kind, keinen Menschenwolf. Sie kann nicht verstehen, dass so ein schutzloses, kleines Wesen einmal zu einem groben, brutalen Frauenschänder heranwachsen soll.

Als ihre Tochter Hastee endlich wieder soweit genesen ist, dass sie reiten kann, macht sich die kleine Gruppe wieder auf den Weg zurück in das Lager. Dort angekommen übergibt Raván den Säugling der vorstehenden Mutter der Familie Banou.
Diese ist außerdem Raváns Mutter, doch sie hat nicht annähernd Verständnis dafür, dass ihre Tochter den Welpen genährt hat, nur um ihn am Leben zu erhalten. Sofort macht sich Banou bereit, den Welpen zum Opferaltar zu bringen und ihn der großen Mutter zu übergeben.

Und dies fällt nicht nur Raván sehr schwer, auch Hastee – ihre ältere Tochter – ist völlig entsetzt, denn Raván hatte ihr verschwiegen, dass es sich bei dem Neugeborenen um einen Welpen handelt …

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Ich bin durch Zufall auf diesen Roman gestoßen, als ich zu Gast bei der „Mülheimer Lesebühne“ der Lesung von Stefanie Philipp lauschen durfte. Die Autorin hat es sofort geschafft mich mit der Handlung, dem besonderen Schreibstil und ihrer perfekten Art des Vorlesens in ihren Bann zu ziehen.

Dieser Roman ist weder Frauenroman, noch ein klassischer historischer Roman. Er ist einfach etwas komplett anderes. Leider war zu diesem Zeitpunkt der Roman nur als Ebook oder Kindle-Version erhältlich.

Doch glücklicherweise fand das nicht nur ich sehr bedauerlich, sondern auf weiteren Lesungen wurde Stefanie Philipp immer wieder gefragt, warum der Roman nicht als klassisches Buch erhältlich sei.
Die Autorin hat den Roman dann in Eigenregie als Taschenbuch drucken lassen, ohne direkten Verlag. Das alles war erst einmal nicht wichtig. Hauptsache der Roman war/ist in gedruckter Form erhältlich. Zum Glück, kann ich nur sagen. Denn ich bin sicher, dass nun viele Besucher ihrer Lesungen bereits den Roman im Regal stehen haben.

Die Handlung des Romans ist hochinteressant und vor allem sehr gut umgesetzt. Denn, so wie ich aus dem Anhang erfahren habe, gibt es soviel nicht zu recherchieren über die Steppenfrauen oder Amazonen. Wie Stefanie Philipp diese Geschichte ausgesponnen hat, hat mich vom Anfang bis zum Ende mitgerissen.

Ein Buch voller Liebe, Gewalt, Kraft, Ausdauer, Versteckspielereien, Hass und sonstiger Gefühle, jedoch nicht annähernd kitschig. Im Gegenteil, der Roman ist sehr dramatisch und rasant. Langeweile kommt nicht eine Minute lang auf.

Der Schreibstil ist sehr gehoben, ausführlich und ausschweifend. So wie die Steppe, die Berge, die Lager, die Kämpfe und Charaktere der freien Frauen beschrieben sind, war ich gefangen in dieser Welt.

Es gibt soviele besondere Lebensarten dieser Amazonen, die hoch interessant sind, begonnen bei der Segnung/Empfängnis, bis hin zur ihrer Art zu kämpfen.

Der Roman ist nun  als einfaches Taschenbuch erschienen. Das Cover ist schlicht, gefällt mir dennoch gut. Die Seiten des Buches sind weiß und die eingerückten Zeilen sind etwas extrem. Beides mag ich persönlich nicht so sehr. Doch dies sind Dinge über die ich in diesem Fall gerne hinwegsehe.

Denn wichtig ist, dass dieses Taschenbuch zwischen den Buchdeckeln seine besondere Geschichte erzählt und nun auch die Leser erreicht, die keinen Kindle oder E-Book Reader besitzen.

Und wieder einmal der Beweis: tolle Geschichten finden sich (leider) nicht (nur) in den Bestseller-Listen oder Buchläden. Hier ist eine weitere Autorin, die eine wunderbare Arbeit geleistet hat. Plus ein(e) Schrifsteller(in) der ich – wie vielen anderen auch – Durchhaltevermögen und vor allem Erfolg wünsche.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Roman, den ich keinem wirklichen Genre zuordnen kann. Er liefert alles was eine gute Geschichte ausmacht und sie fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Eine Geschichte um eine starke Frau, die ihren eigenen Weg geht, koste es was es wolle. Meine ganz klare Leseempfehlung. 

 

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Ich danke der Autorin Stefanie Philipp für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012