Gwendys letzte Aufgabe von Stephen King und Richard Chizmar

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-453-42638-2
Kategorie: Drama, Thriller, Horror, Belletristik

.

Der Wunschkasten ist erneut in die Hände von Gwendy geraten. Doch dieses Mal soll sie ihn ein für alle Mal vernichten. In ihrer Eigenschaft als Politikerin fliegt sie zusammen mit Wissenschaftlern ins All, um den Kasten für immer verschwinden lassen und die Welt, wie wir sie kennen, zu retten …

.

Wie schon beim zweiten Teil (der von Richard Chizmar im Alleingang verfasst wurde) begegnen wir der Titelheldin, nachdem wieder einige Jahre verstrichen sind. Nichtsdestotrotz fühlt man sich sofort wieder heimelig und erinnert sich an die vergangenen Geschehnisse. Das Gemeinschaftswerk von King und Chizmar ist bereits in den ersten Seiten unglaublich stimmungsvoll und lässt Großes erahnen. Die Sprünge zwischen der Gegenwart, die im Weltraum spielt, und den Ereignissen in der Vergangenheit sind absolut gut gelungen, sodass man immer weiter „nur noch ein Kapitel“ liest, weil man sich nicht von der Handlung trennen kann und wissen will, wie es weitergeht. „Gwendys letzte Aufgabe“ stellt für mich, um es gleich schon einmal vorneweg aus meiner Sicht klarzustellen, den krönenden und unglaublich passenden Abschluss dieser Trilogie dar.

Meine Begeisterung beruht nicht nur alleine auf dem stimmungsvollen Handlungsort im Weltraum, sondern auch auf den Unmengen an Anspielungen an Kings Werke, die die beiden Autoren (wahrscheinlich war es in diesem Fall eher King selbst) in diesem Roman verstreut haben. Fans von Stephen King werden sie unweigerlich entdecken und ihre ganz persönlichen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Roman und Gwendys Leben schließen. Der vorliegende, abschließende Band ist eine wahre Offenbarung und rückt die Geschichte in ein ganz besonderes Licht. Und während ich diese Zeilen schreibe, komme ich schon wieder ins Schwärmen, auf welch fulminante, spektakuläre und überaus philosophische Art und Weise King und Chizmar die Geschichte um Gwendy und den geheimnisvollen Wunschkasten zum Abschluss gebracht haben.

Vor allem das Finale hat es in sich. Es passiert schon mal, dass mich ein Buch zum Weinen bringt, aber dass mich ein solches zum Weinen bringt und derart emotional packt und mitreißt, geschieht dann eher seltener. „Gwendys letzte Aufgabe“ hat es geschafft und ich war noch minutenlang im Bann dieser großartigen Geschichte, vor allem dieses großartigen Endes, gefangen. King und Chizmar packen den Leser mit einer emotionalen Wucht, die an Filme von Christopher Nolan oder den leider eher unbekannten Film „Imaginaereum“ erinnert. Der dritte Teil der Gwendy-Geschichte ist mein absoluter Liebling, der mir die Welt von Kings anderen Romanen noch einmal nahebringt und meine Faszination gegenüber seinem Gesamtwerk noch einmal eine Stufe höher bringt. Ich bin nicht sicher, ob andere meine Begeisterung teilen werden, Fakt ist für mich jedenfalls, dass „Gwendys letzte Aufgabe“ eines der emotionalsten und denkwürdigsten Finale besitzt, die ich kenne. Allein schon aus dieser Sicht kann ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen.

.

Fazit: Ein würdiges Ende der Trilogie mit einem hochemotionalen Finale.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Talberg 2022 von Max Korn

Talberg 2022 von Max Korn

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 361 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-42461-6
Kategorie: Krimi, Thriller

.

Nach einem schweren Unwetter findet man in Talberg die Überreste einer Leiche. Es handelt sich dabei um einen Jungen, der, so wie es aussieht, seit fast hundert Jahren vergraben war und augenscheinlich einen Mord verdecken soll. Dorfpolizist Adam Wegbauer beginnt mit seinen Ermittlungen und wird schon bald mit Ereignissen aus seiner eigenen Kindheit konfrontiert …

.

Auch wenn es eine neue Geschichte ist, die Max Korn hier aus Talberg erzählt, so fügt sie sich virtuos in die beiden vorherigen Storys ein und vermittelt von der ersten Seite an eine gleichbleibende Atmosphäre, die den Leser sofort wieder in ihren Bann zieht. Und auch wenn dieses Mal Handys, Computer und moderne Ermittlungstechniken eine Rolle spielen, so sind sie dennoch untergeordnet und zerstören die Stimmung der vorhergehenden Bände nicht. Max Korn schafft es auch hier wieder, in höchstem Maße zu unterhalten und die Welt einer abgelegenen Dorfgemeinde rüberzubringen. Ich habe mich in jedem seiner Bücher „wohlgefühlt“, so auch hier bei „Talberg 2022“. Was mich besonders fasziniert hat, war die Rückkehr in die 1970er-Jahre, die daraus entstehende Verbindung zum Jahr 2022 und die unterschwellige Vermischung mit den Vorgänger-Romanen der „Talberg“-Reihe.

Auch die Charakterzeichnungen hat Korn wieder hervorragend hinbekommen, man denkt tatsächlich, einige der Figuren persönlich kennenzulernen. Die Auflösung war grandios und hat mich sehr gepackt. Max Korns Schreibstil ist flüssig zu lesen und besitzt einen unglaublich intensiven Erzählstil, der die Leser nur so durch die Seiten fliegen lässt. Rückblickend kann ich ohne Einschränkungen behaupten, dass die Talberg-Reihe eine der eindrucksvollsten und authentischsten Krimi-Reihen ist, die ich gelesen habe. An manchen Stellen erinnerten mich die ruhig erzählten und dennoch brutalen Passagen an die geniale Fernsehserie „Der Pass“. Man spürt beim Lesen das Unwetter und die Bedrohung, die von manchen Charakteren ausgeht. „Talberg 2022“ ist ein Abenteuer, dass man (wie auch Band 1 und 2) nicht mehr so schnell vergisst.

Bei der Covergestaltung und dem Aussehen der Bücher muss man dem Heyne-Verlag ein großes Lob aussprechen. Die drei Bücher sind covertechnisch im gleichen Stil gehalten, die Schriftzüge auf den Buchrücken sind gleich und haben den gleichen Abstand zueinander, was dazu führt, dass man einen optisch echten Blickfang im Regal stehen hat. Die einzelnen Titel sind nur farblich voneinander zu unterscheiden. Abschließend möchte ich die Hoffnung aussprechen, dass sich Max Korn in Zukunft erneut einer solchen bombastischen Geschichte widmet, wie er mit den „Talberg“-Büchern gemacht hat, denn die waren ein unvergessliches Erlebnis für mich. Und ich weiß jetzt schon, dass ich sie eines Tages wieder in die Hand nehmen werde und mich erneut auf diese einmalige Stimmung einlassen kann. „Talberg 2022“ (und natürlich auch die beiden Vorgängerbände) muss man einfach gelesen haben.

.

Fazit: Toller Abschluss, der die Reihe zu einem Gesamtkunstwerk macht.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Verdächtige von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 411 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27316-0
Kategorie: Thriller

.

Die Tochter eines ermordeten Anwalts wendet sich an Lacey Stoltz von der Gerichtsaufsichtsbehörde, weil sie denkt, den Mörder zu kennen. Der Anwalt war nämlich nicht das einzige Opfer. Das brisante an diesem Fall: Der Killer ist ein bekannter Richter, der sich großer Beliebtheit erfreut. Lacey nimmt den Fall an und begibt sich zusammen mit der Frau auf eine Spurensuche, die weit in die Vergangenheit zurückreicht und sich über viele Staatsgrenzen hinweg erstreckt.

.

Ein neuer Grisham erscheint und ich muss ihn sofort lesen. 😉
Lacey Stoltz ist ein Name, den man als Grisham-Fan sofort wieder erkennt: Sie spielte eine der Hauptrollen in „Bestechung“ und kehrt hier noch einmal zurück. Grisham versteht es einfach, den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen. Sein Schreibstil ist so angenehm und flüssig zu lesen, dass man innerhalb von Sekunden in der Story drinsteckt und sich nicht mehr davon lösen möchte. Der vorliegende Roman reiht sich nahtlos in die Erfolgsstory Grishams ein, auch wenn es eine Fraktion von Lesern gibt, die seine neueren Werke permanent kritisieren und ihnen Ideenlosigkeit vorwerfen. Grisham ist und bleibt dennoch für mich einer der Größten und gerade in seinen neuen Büchern verhält es sich ähnlich wie bei Stephen King: Zwischen den Zeilen steckt oftmals eine gewisse Melancholie (ein Hinweis aufs Älterwerden?), die einen magischen Reiz auf mich ausübt.

Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie John Grisham es schafft, mich mit einer eigentlich einfach gestrickten Story so dermaßen in den Bann zu ziehen, dass ich das Buch am liebsten in einem Durchgang lesen würde. Seine Dialoge sind so authentisch, dass man unmittelbar in die Handlung eintaucht und mittendrin ist. So auch hier, wo wir den Ermittlungen der Frau und Lacey folgen, und auch immer wieder den verdächtigen Richter begleiten. Grishams Romane sind allesamt filmreif, vermitteln eine unglaublich dichte Atmosphäre und zeigen liebenswerte (oder eben auch hassenswerte) Charaktere. Jedes seiner Bücher besitzt einen ganz eigenen Reiz. „Der Verdächtige“ erreichte aus meiner Sicht zwar nicht die Genialität von „Der Polizist“, besitzt aber dennoch einen sehr hohen Unterhaltungswert und wird an keiner Stelle langweilig geschweige denn langatmig. Ganz im Gegenteil …

„Bestechung“ muss man nicht gelesen haben, denn diese Geschichte mit Lacey Stoltz funktioniert auch ohne jegliches Vorwissen. Was relevant wäre, ist gut genug erklärt. Die 400 Seiten lesen sich weg, als wären es gerade einmal die Hälfte. Gerade „Der Polizist“ und Der Verdächtige“ kommen mir vor, als würde sich Grisham wieder „back to the roots“ begeben. Als Leser der ersten Stunde finde ich die Entwicklung, die Grisham während all dieser Jahre durchgemacht hat, absolut toll. Mir gefallen ohne Ausnahme alle seiner Bücher und ich freue mich schon jetzt, was er uns als nächstes unterbreitet. Mit John Grisham kann man aus meiner Sicht nichts falsch machen, wenn man gut geschriebene, spannende Unterhaltungsliteratur sucht.

.

Fazit: Kurzweilig und spannend – eben ein echter Grisham!

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Stunde der Flammen (Der dunkle Kristall 4) von J.M. Lee

Erschienen als Taschenbuch
im blanvalet Verlag
insgesamt 382 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-7341-6297-1
Kategorie: Fantasy

.

Die Clans der Gelflinge verbünden sich gegen die Skekse, um ihre Heimat zu retten. Der letzte, große Kampf um die Zukunft der Gelflinge steht bevor ..

.

Es geht nahtlos dort weiter, wo Band 3 endete. J.M. Lee gelingt ein toller Einstieg in die Geschichte, sodass man sich, selbst wenn ein wenig Zeit zwischen Band 3 und 4 vergangen ist, sofort wieder wohl fühlt und sich an die vorhergehenden Ereignisse wieder erinnert. Lees Schreibstil ist unverändert gut und treibt die Handlung sehr kurzweilig voran. Auch wenn ich dieses Mal an manchen Stellen Schwierigkeiten mit den vielen Namen und Bezeichnungen hatte (ja, ich weiß, am Ende des Buches sind hilfreich Glossar und Appendix), so verlor ich dennoch auf wundersame Weise niemals den Überblick. Lee hat der von Jim Henson erschaffenen Welt ein glaubwürdiges, literarisches Leben eingehaucht und wenn man nun nach Band 4 die Abenteuer von Naia und Kylan Revue passieren lässt, kann man nichts anderes sagen, als dass es, im Gesamten gesehen, ein unglaubliches Abenteuer war, das man nicht so schnell vergisst.

Es ist ein stimmiger Abschluss, denn Lee seinen Lesern präsentiert. In Verbindung mit den fantastischen Illustrationen von Cory Godbey, die auch in den ersten drei Bänden zu bestaunen waren, bekommt die Geschichte noch einen zusätzlichen optischen Reiz, der die Fantasie der Leser vertieft und die einzelnen Szenen zum Leben erweckt. „Stunde der Flammen“ ist ein toller Fantasy-Roman, der junge Leser gleichermaßen begeistern wird, wie solche der älteren Generation, die mit Jim Hensons filmischer Vorlage aufgewachsen sind. Lee haucht den Kreaturen neues Leben ein und kreiert die Welt der Gelflinge und Skekse so hervorrragend und detailliert, dass man fast meinen könnte, er wäre an der Originalgeschichte um den dunklen Kristall beteiligt gewesen.

Was ich unbedingt noch erwähnen möchte, ist die Cover- und Buchrückengestaltung der Reihe. Jetzt, wo alle vier Bände nebeneinander stehen, verdient der Verlag ein großes Lob für die absolut stimmige Gesamtgestaltung. Während bei vielen Buchserien die Titel nebeneinander aussehen, als würden sie nicht zusammengehören, stellt die Reihe um den dunklen Kristall das genaue Gegenteil dar. Hier ist nicht nur der Inhalt wunderschön, sondern auch die visuelle Gestaltung der vier Bände.
Am Ende bleibt mir nur zu sagen: Vielen Dank, J.M. Lee, dass du mich auf ein neues, atemberaubendes Abenteuer in der Welt des dunklen Kristalls mitgenommen hast. Ich hoffe, wir bekommen noch einiges von diesem talentierten Autor zu lesen.

.

Fazit: Gebührender Abschluss der vierteiligen Reihe um den dunklen Kristall.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Zwischen Zwölf und Mitternacht von Alfons Winkelmann

Erschienen als Taschenbuch
in der Edition Bärenklau Exklusiv
insgesamt 316 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-7549-5973-2
Kategorie: Belletristik, Fantasy, Drama

.


Ein namenloser Reporter und sein Kameramann Willi Be berichten über das Liebespaar Peter Piechowiak und Christine Bellinger. Deren Chef Siegfried Börries, dessen Frau Elène unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist, hat ebenfalls an ihr Interesse. Und dann gibt es da noch einen geheimnisvollen grauen Mann und ein Mädchen, das immer wieder die Wege der Beteiligten kreuzt. Und eine sexbesessene Baronesse namens Angélique von Lichtblau, die hinter Herrn Börries her ist, spielt auch eine Rolle in dieser undurchsichtigen Geschichte voller Geheimnisse und Mysterien.

.

Da ist er nun: Der neue Roman von Ausnahmeautor Alfons Winkelmann. Und, wie nicht anders von mir erwartet, liefert Winkelmann wieder ein Buch ab, von dem ich im ersten Moment sagen möchte, es sei sein bestes. Aber das ist es nicht, denn jedes Werk von ihm ist sein bestes. „Zwischen Zwölf und Mitternacht“ ist verspielte Literatur auf hohem Niveau. Man wird unterhalten, gleichzeitig aber auch gezwungen, über das Gelesene nachzudenken, zu sinnieren, sich darin zu verlieren. Der Roman wirkt wie wie ein Film von David Lynch: mystisch, undurchsichtig, aber doch auch irgendwie greifbar. Und dass einer der Protagonisten, nämlich der Kameramann Willi Be eine Anspielung auf den grandiosen William S. Burroughs ist, kommt nicht von ungefähr. Nicht nur David Lynch, auch er hat seine Hände mit im Spiel, wenn man Winkelmanns Mystery-Geschichte liest.

Es macht einfach unglaublich Spaß, sich auf diese literarische Welt einzulassen, die der Autor hier erschafft. Wie schon bei seinen anderen Büchern „Die Insel der Wahrheit“ oder „Die Töchter der Großen Mutter“ fällt es schwer, den Roman aus der Hand zu legen. Winkelmanns Romane besitzen einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann, natürlich immer vorausgesetzt, man hat die Fähigkeit, sich auf solch eine außergewöhnliche Geschichten und einen ausgefeilten Schreibstil einzulassen. Der Autor beherrscht die deutsche Sprache, spielt mit ihr, experimentiert und fordert den Leser heraus. Doch nicht nur literarisch, sondern auch buchsatztechnisch entwickelt er innovative Ideen, die im Gedächtnis haften bleiben und, trotz aller Spielereien, absolut Sinn ergeben. Alfons Winkelmann bewegt sich mit „Zwischen Zwölf und Mitternacht“ auf den Pfaden eines Mark Z. Danielewski, um nur ein Beispiel zu nennen. Literatur als herausforderndes Abenteuer – ich liebe solche Projekte.

Und dann ist da auch noch die Liebesgeschichte, die sich unaufdringlich (und dennoch unglaublich schön und authentisch) durch das ganze Buch zieht, und dem Roman och einen zusätzlichen Reiz verleiht. Ohne jeglichen Kitsch lässt Winkelmann den Leser die Macht der Liebe spüren und setzt gerade mit dem letzten Kapitel noch einen Höhepunkt, sozusagen das I-Tüpfelchen, auf die Gesamtgeschichte. Wie bereits geschrieben, da passt einfach alles.

Alfons Winkelmann zählt eindeutig zu jenen Autoren, von denen ich jedes Buch blind kaufen würde, weil ich genau weiß, welch ein außergewöhnliches, literarisches Abenteuer mich erwartet. „Zwischen Zwölf und Mitternacht“ ist typisch Winkelmann, ohne jedoch einem seiner anderen Bücher zu gleichen. Auch dies ist ein Punkt, der mich an diesem Autor immer wieder fasziniert: Er bleibt nicht auf der Stelle stehen, entwickelt neue, innovative Ideen, wobei er dennoch seiner Linie in Bezug auf Mystik und Komplexität treu bleibt. Es gibt nicht viele Schriftsteller, die „Unbeschreibbares“ zum Leben erwecken können: Alfons Winkelmann ist definitiv einer davon.
„Zwischen Zwölf und Mitternacht“ sollte man gelesen haben, allein schon aus dem Grund, um zu sehen, was man mit Sprache ausdrücken kann. Es ist ein Buch zum Träumen, zum Nachdenken, zum Genießen und zum Staunen. Absolute Leseempfehlung von mir.

.

Fazit: Als hätte David Lynch einen Roman geschrieben, um ihn anschließend zu verfilmen. Absolute Empfehlung.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Himmelsfluss von Dennis E. Taylor

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  715 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-32166-3
Kategorie: Science Fiction

.

Die geklonten Bob Johanssons sind mittlerweile in der 24. Generation angekommen und haben sich immer mehr zu eigenständigen „Persönlichkeiten“ entwickelt, die sich von ihrem Original immer mehr unterscheiden. Sie verändern sich und provozieren Auseinandersetzungen, die sich zu einer Art Bürgerkrieg entwickeln. Eine Spur führt auf die künstlich erschaffene Welt Himmelsfluss, auf der Bob und seine Freunde die Ursache der kriegerischen Tätigkeiten ihrer Gegner vermuten. Eine abenteuerliche Reise beginnt …

.

Und die Saga um Bob Johansson und seine Klone geht doch weiter – wer hätte das gedacht? Eine Riesenüberraschung, die noch dazu in höchstem Maße gelungen ist. Taylor schafft es schon nach den ersten Seiten, den Leser wieder zurück ins Bobiverse zu holen. Und man ist sofort wieder von dem unvergleichlichen Humor angetan, der bereits in den ersten drei Bänden zum Tragen kam und absolut amüsieren konnte. Doch dieses Mal wirkt die Handlung fast wie eine Art „Ready Player One“ in anderem Gewand, ich kann gar nicht richtig beschreiben, warum mich „Himmelsfluss“ ausgerechnet an diesen Roman erinnerte. Aber auch irgendwie an eine epische Mission wie „Der Herr der Ringe“, nur eben im Weltall, und ausgeflippter und lustiger und …
Ich denke, man muss es einfach lesen, um zu verstehen, was genau ich damit meine.
„Himmelsfluss“ macht unglaublich Spaß und man könnte die 700 Seiten fast in einem durchlesen, hätte man die Zeit dazu. Die Geschichte ist kurzweilig, spannend und humorvoll, steckt voller bildhafter, detailverliebter Beschreibungen einer faszinierenden Welt und kann durch die humorvollen Dialoge der vielen Bobs untereinander absolut überzeugen und unterhalten.

Auch bezüglich der Handlung zeigt Taylor, dass er es wirklich drauf hat, eine Welt und sämtliche dazugehörigen Zusammenhänge stimmig zu beschreiben. In diesem vierten Abenteuer kreiert er eine Welt, die man sich bildhaft vorstellen kann und die absolut filmtauglich wäre. „Himmelsfluss“ führt die Geschichte um Bob und seine Klone zum einen glaubhaft und zum anderen konsequent logisch weiter und entführt den Leser zum vierten Mal in eine unglaublich ausgeklügelte Zukunftswelt. Nach dem dritten Band der Serie, die anscheinend auch als Finale gedacht war, erweckt Taylor seine „Protagonisten“ und „Antagonisten“ erneut zum Leben und hat einen Roman erschaffen, der mir fast am besten aus der Gesamtreihe gefällt. Es ist natürlich immer Geschmackssache, aber „Himmelsfluss“ fügt sich absolut in das Weltengerüst der vorherigen Bände ein und bringt den gewohnten Humor auf exzellente Weise mit in die Handlung.

Und wieder kommen jede Menge Anspielungen auf die Popkultur der letzten Jahrzehnte zum Tragen, was die Nerds unter den Lesern hochgradig gefallen dürfte. Sicherlich erinnert die Handlung ein wenig an Larry Nivens Meisterwerk „Ringwelt“, aber ich hatte nie das Gefühl, dass Taylor schamlos geklaut hat. Vielmehr wirkte diese Welt auf mich wie eine Verneigung vor dem alten Klassiker und hat daher umso mehr Spaß gemacht. Und am Ende könnte man gar die Hoffnung bekommen, dass dieses Abenteuer weiter und in die fünfte Runde gehen könnte. Mich persönlich würde es freuen …

.

Fazit: Absolut gelungene Fortsetzung der Bobiverse-Trilogie, die unglaublich Spaß macht.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Jahr der Gier von Horst Eckert

Erschienen als Klappenbroschur
im HEYNE VERLAG
insgesamt 432 Seiten
Preis: 13,00 €
ISBN: 978-3-453-42637-5
Kategorie: (Polit)Thriller

In der Düsseldorfer Altstadt gab es einen Angriff auf einen britischen Journalisten. Da Kriminalrätin Melia Adan ihn aus ihrer Jugend kennt, setzt sie Vincent Veih auf die Ermittlungen an. Irgendetwas ist an dem Fall seltsam. Das vermeintliche Opfer macht sich aus dem Staub.

Dann gibt es einen Mord an einer jungen Frau, Opfer eines Gewaltverbrechens, heißt es. Und in einem Wald in Bayern ist ein Wirtschaftsprüfer in seinem Auto verbrannt. Melia und Vincent haben gemeinsam mit ihrem Team eine Menge Ermittlungsarbeit zu leisen. Denn irgendwie scheinen diese Vorfälle alle miteinander zusammenzuhängen. Kann das sein? Aber ein gutes Team, wie es die beiden sind, lassen sich von Herausforderungen und Unwägbarkeiten nicht abschrecken oder ausbremsen.

***

Dies ist der dritte gemeinsame Fall von Hauptkommissar Vincent Veih und der Kriminalrätin Melia Adan. Und ich kann es immer wieder nur wiederholen: Ich mag Politik und Politthriller eigentlich überhaupt nicht, aber die Roman von Horst Ecker verschlinge ich nahezu.
Horst Eckert besitzt die Gabe, seine komplizierte Handlungen, die ja meist (oder immer) einen realen Hintergrund haben, so fesselnd und spannend zu Papier zu bringen, dass ich nur so durch die Handlung fliege. Es ist meist kompliziert, weil wirklich viele Fäden ausgeworfen und Handlungen verknüpft werden(meist sogar in vorangegangene Bücher) und es unterschiedliche Handlungsstränge gibt. Es gibt immer viele Namen wichtigerer und weniger wichtigerer Leute und Firmen sowie die unterschiedlichsten Abteilungen innerhalb der Regierung(sapparate). Trotzdem, Horst Eckert gelingt es immer wieder, dass ich den Überblick behalte und nicht nach 100 Seiten aufgebe, weil ich nicht mehr durchblicke.
Er recherchiert sehr gut und ausführlich, sodass alles immer Hand und Fuß hat. Da in diesem dritten Teil wirklich einige Schauplätze in der Handlung vorkommen und darin jeweils eine Menge Charaktere agieren, gibt es hier ein Personenregister, sortiert nach den Handlungsorten. Das finde ich eine sehr gute Idee, die ich oft und gerne genutzt habe. Gabriella Wollenhaupt hat dies in ihren Grappa-Krimis auch so gehandhabt und ich finde es einfach eine feine Sache.

Das Thema ist wieder hochbrisant, die Story rasant, fesselnd und spannend. Ich habe viele Bekannte erneut getroffen und fühlte mich wieder zu Hause, wenn die Handlung an den Rand von Ratingen führte oder der Handlungsstrang in München und Bayern an der Reihe war.


Es hat mir wirklich großen Spaß gemacht, diesen dritten Thriller um das Ermittlerduo zu lesen, bei dem wir uns immer fragen: Kriegen sie sich oder nicht? Ja, auch Zwischenmenschliches kommt in Eckerts Thrillern nicht zu kurz. Er schreibt spannende Thriller aus dem Leben, über Menschen wie du und ich und über die Großen mit Macht, Geld und Einfluss. Die Strippenzieher im Hintergrund mit ihren ganzen Machenschaften über die wir (wohl offensichtlich wohl dosiert) in den Nachrichten zu sehen und hören bekommen.

Meine absolute Leseempfehlung für alle Thriller und Politthriller-Fans!

Hier gibt es einen Buchtrailer, in dem Horst Eckert ein bisschen über sein neuestes Werk erzählt:

© Marion Brunner_Buchwelten 2022

Viral. Blutrausch von Mark Benecke und Dennis Sand

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Benevento Verlag
insgesamt 240 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-453-42460-9
Kategorie: Krimi, Thriller

Innerhalb kürzester Zeit werden die Leichen zweier junger Frauen gefunden. Das besondere an ihnen ist, dass sie beide keine offensichtlichen Verletzungen haben. Lediglich beim genaueren Hinsehen findet der Leichenbeschauer kleine chirurgische Einschnitte an den Opfern, durch die ihnen fast das gesamt Blut entnommen wurde. Dadurch wirken beide Leichen schneeweiß und der Fall hat schnell den Namen „Schneewittchen-Morde“ erhalten.

Die Kommissarin Petersen holt sich zu ihren Ermittlungen Unterstützung von einem ehemaligen Kollegen, Bastian Becker, der inzwischen den Polizeidienst aufgegeben hat. Ein damaliger Fall hat ihn seelisch so runtergezogen, dass er nun als privater Ermittler mit seiner Partnerin Janina Funke selbständig ist.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und die Kommissarin bekommt enormen Druck von oben, da die Öffentlichkeit sich einmischt und Demos veranstaltet, weil die Polizei nicht schnell genug handelt. Die junge Nachwuchspolizistin Alina Brinkmeier findet dann eine Spur zum modernen Vampirismus. Ist da wirklich was dran oder wird diese Spur nur so unbedingt als Lösung präsentiert, damit endlich Erfolge vorzuweisen sind … ?

***

  • Eventueller Spoileralarm

Crime Noir, Viral, Blutrausch. Das sind die Worte mit denen der Roman wirbt. Nun, für „Viral“ gibt es mir in der Handlung eindeutig zu wenig Internetaktion. Ja, nachher wird von einem YouTuber gesprochen, der über irgendwelche (Verschwörungs-)Theorien spricht, aber zu „Viral“ gehört für mich eindeutig mehr. Auch verstehe ich nicht wirklich, warum direkt nach der Auffindung der Opfer irgendwelche Leute in großen Mengen auf der Straße demonstrieren. Dass sich Bastian Becker das als Protagonist selbst auch gefragt hat, ist immerhin etwas. Das hätte etwas intensiver behandelt und besser dargestellt werden können.

Crime Noir und Blutrausch. Ja, es ist ein Krimi, das Noir hat sich mir nicht so wirklich erschlossen. Vielleicht wegen der neumodischen Vampir-Spur? Sicher bin ich nicht. Und einem Blutrausch bin ich in der Handlung leider auch nicht wirklich begegnet. Das einzige Blut im Krimi ist das Blut, das nicht mehr da ist.

Ebenso kam nie so wirklich raus, warum jetzt Bastian Becker so depressiv ist. All das wird nur angeschnitten. Dafür wird ausführlich erklärt, wie verschmuddelt die Wohnung und auch er selbst ist. Mehrfach wird auf den Dreck und die stinkenden Mülltüten hingewiesen. Warum er aber Geld für Zugtickets und Hotel hat, obwohl ihm sogar der Strom abgeschaltet wurde, habe ich auch nicht herauslesen können. Dann ist da noch der Zickenterror zwischen der Polizistin Alina Brinkmeyer und Bastian Becker, der mich wirklich extrem genervt hat. Und dann ist Brinkmeier urplötzlich total anders und steht voll hinter ihm? Auch die Auflösung des Falls war für mich sehr absehbar. Mir war schon lange klar, wer der Killer ist. Wobei die Szene in seinem Keller für mich die beste im ganzen Krimi war.

Man liest vielleicht raus, das mich der Krimi leider nicht überzeugt hat, wobei ich die Grundsatzidee sehr gut finde. Aber gepackt hat er mich nicht, dafür war mir zu viel zu oberflächlich und wiederum anderes viel zu übertrieben und in die Länge gezogen.

Optisch hat der Verlag ein schönes Buch abgeliefert. Die gebundene Ausgabe mit dem tollen Druck (auch im Buchdeckel innen) ist wirklich toll anzusehen. Die Motten erinnern, wie im Buch gegen Ende eine Stelle ebenso) ein bisschen an „Das Schweigen der Lämmer“, was aber beabsichtigt sein wird.

Hier habe ich noch einen Buchtrailer. Schaut mal rein. Denn auch wenn das Buch mich nicht wirklich hat packen können, kann das bei anderen Lesern ja völlig anders sein ☺

© Buchwelten 2022

Der Mann aus dem Schatten von David Lagercrantz

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 480 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27329-0
Kategorie: Krimi, Thriller

Micaela Vargas, eine junge Polizistin, die in einem Problemviertel von Stockholm aufwuchs, wird im Mordfall gegen einen Schiedsrichter der Fußballjugend zu den Ermittlungen hinzugezogen. Sie gilt als vielversprechender Nachwuchs und kennt den Verdächtigen, der schnell verhaftet wird, seit ihrer Kindheit persönlich recht gut. Im Zuge der Ermittlungen lernt Micaela den bekannten Psychologen Hans Rekke kennen, der gerne von der Polizei zu Rate gezogen wird, wenn es um psychologische Profile geht, da er sich als Spezialist für besondere Verhörtechniken einen Namen gemacht hat. Einen aufmerksameren Beobachter als Rekke kann es kaum geben, ihm entgeht wirklich nichts.

Es dauert nicht lange, da werden die beiden aber von den Ermittlungen ausgeschlossen. Vargas, weil sie sich weigert, ihren kriminellen Bruder zu bespitzeln, um im Team zu bleiben, und Rekke, weil er durch seine manische Depression nicht immer zu gebrauchen ist und außerdem unangenehme Dinge zu Tage bringen könnte, an denen Regierung und Geheimdienst nicht gelegen ist.

Doch wie es der Zufall will, laufen sich Vargas und Rekke zufällig in einer recht dramatischen Situation über den Weg, freunden sich (was einigen Beteiligungen so gar nicht gefällt) an und ermitteln gemeinsam im Hintergrund weiter. Was die beiden ans Licht bringen ist ein Skandal und sie graben immer tiefer…

***

Ich kenne David Lagercrantz, wie viele andere Leser auch, als den Schriftsteller, der die Millennium-Reihe von Stieg Larsson nach dessen Tod weitergeführt hat. Ich war begeistert von dieser Arbeit und sein Schreibstil gefiel mir dabei auf Anhieb sehr gut. Darum war ich natürlich neugierig, als ich von dieser neuen Trilogie erfuhr.

Die Handlung ging auch spannend an, ich wurde jedoch mit der eher stoffeligen und mürrischen Figur der Micaela Vargas nicht wirklich warm. Sie war mir eher unsympathisch, wobei deren Charaktereigenschaften auf Grund ihrer Herkunft und dem familiären Hintergrund wohl auch so beabsichtigt waren. Dennoch kamen mir die Dialoge hölzern und kurz angebunden vor. Als dann die Figur des Hans Rekke hinzukam, der absolut interessant, neugierig, aufmerksam und sowas von kaputt ist, fing die Sache an, mir viel mehr Spaß zu machen. Die beiden treffen sich in einer eher unangenehmen Situation und bleiben irgendwie aneinander hängen. Sie tun sich gegenseitig äußerst gut und ergänzen sich prima.

Das Thema, das behandelt wird, nämlich, dass Musiker in Afghanistan verfolgt wurden, verschwanden, ermordet und man ihre Instrumente zerstörte, war mir neu. Auch das Thema um die dramatischen Verhörmethoden der vermeintlichen Taliban-Mitglieder durch die USA oder deren Verbündete, das war alles fesselnd beschrieben und hintergründig.

Die Auflösung zuletzt war dann auch schlüssig und verständlich, aber so 100%ig überzeugen konnte der Autor mich mit diesem Buch dennoch nicht. Im Hinblick auf die o.g. Fortführung der Millennium-Reihe war ich doch etwas enttäuscht vom Schreibstil im vorliegenden Buch, der sich für mich deutlich davon unterscheidet. Hans Rekke macht die Handlung absolut aus, er ist für mich ganz klar der heimliche Star und wäre für mich ein Grund, mit einem neugierigen Auge auf die folgenden Teile zu blicken.

© Buchwelten 2022

Mehr über den Autor findet ihr hier: KLICK MICH

Talberg 1977 von Max Korn

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 382 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-42460-9
Kategorie: Krimi, Thriller

.

Maria lebt nach dem Tod ihres Mannes allein in einer Hütte im Wald. Im Dorf nennt man sie eine Hexe. Als Maria eines Tages einem unbekannten Wanderer für eine Nacht Unterkunft gewährt, gerät sie in einen Strudel aus Intrigen und mysteriösen Vorgängen, die sich alle gegen Maria richten. Aber wer steckt dahinter? Gibt es ein altes Familiengeheimnis? Als Maria dann auch noch einen Brief ihrer Tante bekommt, die bereits vor 20 Jahren verstorben ist, wird alles noch unheimlicher …

.

Schon der erste Teil von Max Korns Talberg-Trilogie (Talberg 1935) hat mich in höchsten Maße begeistert. Ich ging natürlich davon aus, dass der zweite Teil der Geschichte in gleichem Maße atmosphärisch, spannend und ausgeklügelt ist. Der Autor hat mich in jeder Hinsicht absolut zufriedengestellt. „Talberg 1977“ spielt, wie der Titel ja schließlich verrät, im gleichen Dorf und handelt teilweise von den gleichen Menschen bzw. deren Nachkommen wie im ersten Buch. Das macht einen Heidenspaß, wenn man Parallelen zum ersten Band entdeckt, die zwar nur bedingt mit der jetzigen Handlung zu tun haben, aber dennoch die Geschichten auf fantastische Weise irgendwie miteinander verquicken. Max Korn erschafft mit dem vorliegenden zweiten Teil die gleiche düstere und einsame Stimmung, was mich persönlich extrem fasziniert hat, so dass ich das Buch schlecht aus der Hand legen konnte.

Auch dieser Roman, der im Übrigen unabhängig von „Talberg 1935“ durchaus auch als eigenständiges Werk gelesen werden kann, vermittelt eine Atmosphäre, in der man sich von Anfang an mittendrin fühlt. Durch die detaillierten Beschreibungen kann man sich alles so gut vorstellen, als wäre man dabei und würde alles beobachten. Manchmal meint man, selbst das Knacken der Äste zu hören, während man die entsprechende Szene liest. Max Korns Schreibstil ist faszinierend und macht die Talberg-Bücher zu wahren Pageturner, deren Welt man gar nicht mehr verlassen will. Auch hier, wie schon bei Teil 1, könnte ich mit eine Verfilmung geradezu grandios vorstellen.

„Talberg 1977“ fügt sich nahtlos in das Bild ein, dass Korn mit „Talberg 1935“ erschaffen hat. Die Geschichte beleuchtet ein anderes Jahrzehnt, zeigt aber ganz klar und deutlich, dass ich in Dörfern wie Talberg nicht viel während der verstrichenen Jahrzehnte verändert hat. Was mir persönlich ausnehmen gut gefällt, ist, dass Korn die bayerischen Redensarten sehr gekonnt immer wieder in die Handlung und die Verhaltensweisen der Bewohner einflicht. Das erinnert natürlich an „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel, aber Max Korn geht dennoch seinen ganz eigenen Weg. Diese sprachlichen „Tricks“ verschaffen der Geschichte eine unglaublich hohe Authentizität und spiegeln die Mentalität von Dorfbewohnern absolut glaubhaft wieder.
Kurzum: Ich habe mich in die Talberg-Reihe nach dem zweiten Teil vollends verliebt und bin sicher, dass ich diese Ausnahmekrimis noch einmal lesen werden.

.

Fazit: Genialer zweiter Teil der süchtig machenden Talberg-Trilogie.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten