Ich von Elton John

ICH

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 496 Seiten
Preis: 26,00 €
ISBN: 978-3-453-20292-4
Kategorie: Autobiografie

.

Eine lebende Legende erzählt aus seinem bewegenden, nicht immer nur schillernden Leben.

.

Ich war natürlich gespannt, was diese Autobiografie zu sagen hatte, vor allem, nachdem ich den wunderbaren Film „Rocketman“ gesehen und dadurch ein vollkommen neues Bild des exzentrischen Sängers erhalten habe. ich war von dem Film regelrecht begeistert und beeindruckt, aber was Elton John mit seiner Autobiografie abgeliefert hat, übertraf all meine Erwartungen um ein Vielfaches (und ich habe nach dem Film hohe Erwartungen gehabt). Es ist wirklich äußerst beeindruckend, wie offen Elton John aus seinem Leben erzählt. Von seinen Ängsten und Hoffnungen. Von seiner Suche nach Liebe und Glück, aber auch seinem ausschweifenden Leben inmitten von Alkohol und Drogen. Ich kann gar nicht oft genug wiederholen, wie sehr mich diese Offenheit beeindruckt, mit der der Musiker sein Leben erzählt. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen, wenn es um seine Drogenexzesse und seine Homosexualität geht. Interessanterweise ist dieses Leben auf eine gewisse Art und Weise „normal“, auf der anderen Seite so unglaublich, emotional und nahezu episch, wenn man nach den letzten Seiten das Buch zuschlägt.

Elton John wird einem durch diese Biografie sehr sympathisch und man möchte ihn am liebsten persönlich kennenlernen und erst einmal in den Arm nehmen. Ich kann nur meinen virtuellen Hut ziehen vor diesem Rückblick auf ein Leben, in dem es um Mut, Rückhalt und vor allem auch Selbstbewusstsein geht. Auch wenn Elton John immer wieder betont, er hätte in gewissen Dingen kein Selbstbewusstsein, so zeigt „Ich“, dass er sehr wohl immer wieder die Kraft fand, sein Leben so zu gestalten, wie er es möchte. An vielen Stellen äußerst humorvoll, werden Anekdoten erzählt, bei denen man gerne dabei gewesen wäre. Aber auch dramatische Selbstmordversuche werden nicht unter den Teppich gekehrt und im Nachhinein auch mit einer gewissen Selbstironie beschrieben. Seine sexuelle Entwicklung, die auch die Suche nach weiblicher Liebe beinhaltet, wird sehr glaubwürdig mit all den Sehnsüchten und Zweifel beschrieben, so dass man in Elton John einen sehr sympathischen und auch empathischen Menschen sieht. Plötzlich erkennt man in seiner Musik ganz andere Perspektiven als beim oberflächlichen Zuhören. Elton John besteht nämlich nicht nur aus seinen weltweiten Hits, sondern kann weitaus mehr vorweisen als nur Balladen.

Es liest sich fast wie ein „Who is who“, wenn man die Musiker und Künstler in diesem Buch entdeckt, mit denen Elton John zu tun hatte. Mit dem einen mehr, mit dem anderen weniger. Oft entstanden aber wunderbare Freundschaften, die über Jahre hinweg andauerten und besonders die Beziehung zu Rod Stewart sorgt in dieser Biografie für so manch ein Grinsen während des Lesens. Elton John steht immer zu seinem Leben, egal was er gemacht hat, egal ob positiv oder negativ. An manchen Stellen verlor ich mich während des Lesens richtiggehend in seiner Geschichte und hatte den Eindruck, er säße mir gegenüber und erzählt mir mit einem Glas Bier in der Hand seine Lebensgeschichte. „Ich“ ist eine der wenigen Autobiografien, die ich sofort wieder lesen könnte, so perfekt hat sich mich unterhalten und emotional auch getroffen. Es ist eine ehrliche und ungefälschte Lebensgeschichte, an der Elton John uns teilnehmen lässt. Und am Ende, wenn er im Epilog noch einmal über die Zukunft seines Lebens nachdenkt, fühlt man sich direkt angesprochen. Ich bin wirklich schwer begeistert.
Es ist vor allem unglaublich faszinierend, in welcher Rekordzeit man die 500 Seiten „inhaliert“.

.

Fazit: Lebensbejahend, schrill, hoffnungsvoll, sympathisch, emotional, ehrlich … eine Achterbahnfahrt, die gelesen werden muss.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der zweite Schlaf von Robert Harris

schlaf

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 414 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27208-8
Kategorie: Thriller, Dystopie, Belletristik

.

Die Welt, wie wir sie kennen, ist untergegangen und die Menschheit fängt neu an. Der junge Priester Fairfax sucht ein kleines Dorf auf, um dort einen Kollegen zu beerdigen und ein Auge auf die Gemeinde zu werfen. Während seines kurzen Aufenthalts kommt Fairfax hinter ein mysteriöses Geheimnis, das den Toten umgibt. Artefakte aus einer längst vergessenen Zeit, vor dem Untergang der Zivilisation, werden entdeckt und Fairax dringt ungewollt tiefer in ein Mysterium ein, das immer größere Kreise zieht.

.

Er hat es wieder getan, und mich von der ersten Seite an mit seinem neuen Roman in seinen Bann gezogen: Robert Harris, der mit dem grandiosen „Vaterland“ den Grundstein für seine Karriere legte und seitdem einen Pageturner nach dem anderen veröffentlichte. Und bei jedem neuen Buch ist man immer geneigt zu sagen, es wäre sein bestes. Man kann letztendlich guten Gewissens sagen, dass alle seine Bücher sehr gut geschriebene und atmosphärisch dichte Geschichten sind, in denen man sich beim Lesen einfach wohlfühlt. „Der zweite Schlaf“ zeigt einmal mehr, welch unterschiedliche Themen sich Harris widmet und vor allem widmen kann. Denn gerade durch diese Bandbreite seins Schaffens beweist der Autor, dass er sein Handwerk perfekt beherrscht. Im vorliegenden „Der zweite Schlaf“ wird der Leser in eine Geschichte entführt, die eine Mischung aus Historienroman, Dystopie, Krimi und Mystery darstellt. Klingt abgedrehter als es eigentlich ist und vor allem funktioniert dieser Mix auf wirklich hervorragende Weise.

Die Grundstimmung mutet anfangs noch ein wenig wie „Der Name der Rose“ an, doch Harris schafft es dermaßen geschickt, seinen „historischen“ Roman in einer Welt anzusiedeln, die in unserer Zukunft liegt. Da werden schon auch mal die Tücken und der Irrsinn unserer sich immer schneller entwickelnden Technik kritisiert, dies geschieht jedoch nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern zurückhaltend im Hintergrund.
Im Vordergrund steht die Geschichte eines abgelegenen Dorfes, eines Geheimnisses und natürlich des Lebens von Priester Fairfax. Es gibt unzählige Momente, in denen man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann, obwohl man es aus schlaftechnischen Zeitgründen eigentlich machen müsste. Die niveauvolle und detaillierte Schreibweise lässt den Leser oftmals so tief in die Geschichte eintauchen, dass man alles um sich herum vergisst und sich am liebsten inmitten der Geschehnisse des Buches aufhalten möchte. Wie schon mit seinem vorherigen Roman „München“ hat es Robert Harris auch dieses Mal wieder geschafft, mich absolut zu begeistern.

Die düstere Stimmung, die sich durch den ganzen Roman zieht, wird nur durch eine zarte Liebesgeschichte aufgelockert, bei der man die Gefühle und Überlegungen des Protagonisten absolut nachvollziehen kann. Es sind wunderbar ruhige Momente, die Harris damit eingebaut hat, und die dem Mystery-Kriminalfall noch eine zusätzliche Dramatik verschaffen. „Der zweite Schlaf“ ist ein Roman, den man sich  wunderbar als Kinofilm vorstellen kann, denn er besitzt alles, was einen guten Plot ausmacht: sympathische Darsteller, eine düstere Atmosphäre und so manche Wendung, mit der man nicht rechnet.
Harris rechnet auch ein wenig mit der Kirche und dem Glauben ab, in dem er immer wieder kritischer Momente einfließen lässt, in denen er den Leser zum Nachdenken bringt. Das Weltuntergangsszenario tritt niemals in den Vordergrund, was mir persönlich sehr gut gefallen hat, vielen aber mit Sicherheit aufstößt, weil es viel zu wenig beschrieben ist. Aber genau das ist es, was mich fasziniert hat, denn die Fantasie des Lesers wird angeregt und in meinen Gedanken hat sich eine beeindruckende Kulisse entfaltet. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und brauchte dazu keine tiefergehenden Beschreibungen. Auch wenn viele Leser anderer Meinung sind, ich empfand die Tiefe der Charakterbeschreibungen zum einen in gewissen Passagen sehr emotional und zum anderen vollkommen ausreichend.

.

Fazit: Dystopischer Historien-Mystery-Krimi mit einer wunderbaren Atmosphäre.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Nordische Mythen und Sagen von Neil Gaiman

mythen

Erschienen als Broschur
im Eichborn Verlag
insgesamt 254 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-8479-0667-4
Kategorie: Mystery, Belletristik

.

Neil Gaiman erzählt den Mythos von Odin und seinen Söhnen Thor und Loki mit eigenen Worten. Die Intrigen der Götter un der apokalyptische Weltuntergang Ragnarök erwachen zu einem faszinierenden Leben.

.

Ich war schon wirklich sehr gespannt auf das neue Buch von Neil Gaiman, zumal er sich dieses Mal einem klassischen Stoff gewidmet hat, der mich interessiert: Die nordischen Mythen, Sagen und Legenden um Odin, seine Söhne Thor und Loki und die ganze Welt der Götter. Ich war neugierig, wie Gaiman diese alten Geschichten mit seinen eigenen Worten wiedergeben würde und, um es kurz zu machen: Neil Gaiman hat meine Erwartungen bereits nach den ersten paar Seiten übertroffen. Ihm ist es hervorragend gelungen, den Leser gleich zu Beginn derart zu fesseln und in diese klassischen Göttergeschichten zu ziehen, dass man das Buch kaum mehr aus der Hand legen kann, hat man erst einmal damit angefangen, es zu lesen.
Mit einem wunderbaren, gehobenen Schreibstil, der mich des Öfteren an J.R.R. Tolkien erinnerte, nimmt uns der Autor mit in eine Welt, die schön, verzaubert und gleichzeitig auch hart und brutal ist.

Es ist eine wahre Freude, Thor und Loki bei ihren Abenteuern mit anderen Göttern, Riesen und mystischen Fabelwesen zu begleiten. Kurz und knapp, und genial auf den Punkt gebracht, erzählt Gaiman das Wesentliche all jener Sagen nach und verleiht den Geschichten einen eigenen Charakter und Glanz, wie ich es nicht erwartet hätte.
Selbst wer Neil Gaimans andere Bücher kennt (und diese aufgrund seines außergewöhnlichen Schreibstils nicht mag), sollte hier unbedingt zugreifen und sich dieses literarische Ereignis nicht entgehen lassen. Einziges Manko dieses Buches ist, dass es viel zu kurz ist. Man hätte sich einen Umfang von Tolkiens „Silmarillion“ gewünscht, so faszinierend waren die Geschichten.

Besonders toll finde ich, dass Gaiman immer wieder Informationen wiederholt, um die Zusammenhänge zwischen den Geschichten nachvollziehbar zu machen, denn aufgrund der Vielzahl an Namen verliert man schon an der ein oder anderen Stellen einmal die Übersicht. Geschickt wirft der Autor einen Satz ein und man ist schon wieder im Bilde, erinnert sich an den Namen oder die Begebenheit, um die es geht, und versteht daraufhin auch die folgende Erzählung. Gaimans Version dieser Legenden liest sich fast wie ein Roman, der in unterschiedliche Kapitel eingeteilt ist und zwar verschiedene Geschichten erzählt, die aber alle miteinander in Verbindung stehen und einen ganzen, großen Plot ergeben. Selbst für Laien, die sich in diesen nordischen Mythen überhaupt nicht auskennen, wird alles so gut erklärt, dass man es versteht. Vor allem könnten auch Kinder an seinen Interpretationen Gefallen finden, die Thor und Loki zumindest aus den Marvel-Comics und -Verfilmungen kennen dürften. Gaimans Buch zeigt die echten Hintergründe auf, die hinter den modernen Comic- und Filmadaptionen stehen.
Wie oben schon erwähnt, hätte ich mir gewünscht, Neil Gaiman hätte nicht nur die von ihm bevorzugten Geschichten dieser Sagen neu interpretiert, sondern alle. 😉

.

Fazit: Die Neuerzählung von alten Geschichten trumpft vor allem durch seine Detailliertheit und einem tollen Schreibstil auf.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Verschollen von Rob Boffard

verschollen

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  558 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-32007-9
Kategorie: Science Fiction

.

Die Menschheit hat sich einen Traum erfüllt und kann mittels sogenannten Sternenportalen an jeden beliebigen Punkt des Universums reisen. Sigma Station zum Beispiel erfreut sich größter Beliebtheit, weil sie einen unglaublichen Ausblick auf den Pferdeknopfnebel bietet. Doch diese Raumstation wird eines Tages von einem unbekannten Raumschiff angegriffen und zerstört.
Zum Zeitpunkt der Katastrophe befindet sich der Touristenshuttle Red Panda auf einem Besichtigungsflug. So wie es aussieht, sind die Passagiere die einzigen Überlebenden des Anschlags. Das Sternenportal, das eine Rückkehr zum Ausgangspunkt der Reise darstellen würde, ist ebenfalls verschwunden. Und so beginnt ein dramatischer Kampf ums Überleben …

.

Schon die Ausgangssituation ist eine Abenteuergeschichte der Sonderklasse und legt bereits eine besondere Atmosphäre über den Roman. Es verhält sich auch tatsächlich so, dass man bereits nach den ersten Seiten so in den Bann gezogen wird, dass man meint, man wäre mittendrin, wenn die Welt (oder das Universum) um die Red Panda untergeht. Man stellt sich das Ganze permanent als Film vor, so detailliert schildert der Autor die Ereignisse, Personen und die Umgebung. „Verschollen“ wirkte auf mich wie eine Abenteuergeschichte aus meiner Kindheit / Jugend, die ich verschlungen habe, weil ich nicht mehr aufhören konnte, zu lesen.
Boffard beschreibt neben der spektakulären Handlung aber auch seine Protagonisten so glaubwürdig, dass man tatsächlich in manchen Momenten vergisst, einen Roman zu lesen.

Die Dialoge sind filmreif und man kann jede Handlung der Personen nachvollziehen, weil die Charaktere Tiefe besitzen und daher authentisch wirken. „Verschollen“ zu lesen hat mir unglaublichen Spaß bereitet und mich würde nicht wundern, wenn es der Plot tatsächlich auf die Kinoleinwand schaffen würde. Vor allem der Angriff und die Zerstörung der Station am Anfang wären eine beeindruckende Kulisse und Effekteorgie. 😉
Rob Boffards Schreibstil ist einfach, besitzt aber auch ein gewisses Niveau, und lässt sich vor allem eins: Absolut flüssig lesen! Interessant ist, dass genau genommen gar nicht mal wirklich viel passiert, aber dennoch auf keiner Seite Langeweile aufkommt oder man den Eindruck bekommt, der Autor würde die Handlung mit Nebensächlichkeiten unnötig aufblähen. Alles, was passiert, ergibt einen Sinn und trägt zur Entwicklung des Geschehens bei. Ich fühlte mich den  Protagonisten nahe, fieberte mit ihnen mit und war gespannt, wie die ausweglose Situation enden würde. Auch in diesem Punkt muss ich sagen, dass Rob Boffard es hervorragend geschafft hat, den Spannungsbogen von Anfang bis zum Ende aufrechtzuerhalten, so dass man unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Alle Voraussetzungen für einen Pageturner sind also gegeben.

Der Roman war nahezu perfekt, als gegen Ende hin dann immer mehr eine politische Verschwörung ins Spiel kam, die zwar handlungstechnisch absolut passte, aber die stets vorhandene Abenteueratmosphäre dann irgendwie kaputtmachte. Das soll nicht heißen, dass diese Entwicklung schlecht ist, vor allem, weil sie den Plot tatsächlich abrundet und stimmig macht, aber irgendwie hat das die Stimmung und meine Leseeuphorie plötzlich abgeschwächt. Das hört sich jetzt vielleicht negativer an, als es ist, und ich bin vollkommen überzeugt, dass viele LeserInnen (vielleicht sogar der Großteil) anderer Meinung als ich sind, aber ich habe es nun einmal so empfunden. Das heißt aber auch nicht, dass „Verschollen“ dadurch schlecht geworden ist, ganz im Gegenteil. Im Nachhinein betrachtet, ist dieser Science-Fiction-Roman etwas Großes, Bombastisches, das im Gedächtnis haften bleibt und sich von anderen Genrebeiträgen insofern abhebt, weil es aus meiner Sicht eine klassische (altmodische – nicht im negativen Sinne) Abenteuergeschichte mit tiefgehenden Charakteren und einer unglaublichen Atmosphäre darstellt. Ich spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

.

Fazit: Atmosphärische und epische Science-Fiction im klassischen Abenteuergewand. Unbedingt lesen.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Institut von Stephen King

King_SDas_Institut_196939.jpg

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Heyne
insgesamt  768 Seiten
Preis: 26,00 €
ISBN: 978-3-453-27237-8
Kategorie: Roman

.

Mitten in der Nacht kommt der dunkle SUV in den kleinen Vorort von Minneapolis. Die Insassen schlüpfen lautlos in das Haus von Luke Ellis und dessen Eltern. Alle schlafen nichtsahnend in ihren Betten. Luke wird betäubt und entführt. Seine Eltern brutal ermordet.

Als Luke erwacht befindet er sich in einem Zimmer, das aussieht wie seines. Alles ist identisch, bis auf eines: Das Fenster fehlt. Wo ist er? Was ist geschehen?

Luke befindet sich im „Institut“, welches versteckt in Maine liegt. Dort leben weitere Kinder verschiedenster Herkunft, Hautfarbe und Alter. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie besitzen telepathische oder telekinetische Fähigkeiten. Die einen mehr, die anderen weniger. Die einen haben das eine, die anderen das andere oder sogar beides. Jedenfalls sind sie alle auf irgendeine Weise paranormal veranlagt und dies macht sich das „Institut“ zunutze. Aber wozu? Luke lernt seine Mitinsassen kennen: Kalisha, den rebellischen Nick, und den schüchternen und ängstlichen 10-jährigen Avery. Derzeit leben sie alle noch im „Vorderbau“, wo sie Untersuchungen und Test unterzogen werden, ansonsten aber eigentlich einen den Umständen entsprechend angenehmen Aufenthalt haben. Man munkelt, dass es im „Hinterbau“, dem Teil des Instituts, wohin sie nach einer Weile verlegt werden, richtig übel zugeht. Aber so genau weiß es keines der Kinder, denn es kam noch nie jemand von dort zurück. Luke will fliehen und versucht alles, um dem Institut zu entkommen, damit er Hilfe holen und seine Freunde retten kann …

***

Stephen King steigt in die Handlung des Romans ein, indem der Leser zunächst den ehemaligen Cop Tim Jamieson kennenlernen lässt, der aus einem Bauchgefühl heraus seinen gebuchten Sitzplatz im Flugzeug gegen Bargeld einem Regierungsmitarbeiter überlässt. Tim trampt los und landet schließlich in einem kleinen Ort namens DuPray, wo er als „Nachtklopfer“ anheuert und dort irgendwie hängenbleibt. Er fühlt sich  einfach wohl in dem kleinen Örtchen … und bleibt dort.

Erst nach diesem Teil lernen wir den eigentlich Hauptcharakter Luke Ellis kennen, den Jungen, der mit 12 Jahren einen so hohen IQ hat, dass er sich gleich in zwei Colleges einschreiben kann und will. Doch dazu kommt es leider nicht mehr.

Stephen King hat bereits mehrfach über das Thema übersinnliche Kräfte bei Kindern und Teenagern  geschrieben  (z.B. „Carrie“ oder „Der dunkle Turm“). Es reizt ihn offenbar nach wie vor. Zusätzlich hat den Autor wohl auch die Serie „Stranger Things“ inspiriert, deren großer Fan er bekanntlich ist.

Der Roman hat mich sehr gefesselt, nachdem ich „warmgelaufen“ war. Ich muss gestehen, dass die ersten Seite um Tim Jamieson mir zunächst etwas langweilig vorkamen, was aber rückblickend dann aber nicht mehr stimmt. Denn genau diese Einleitung, dieses Kennenlernen, ist sehr wichtig.

Sehr schnell sind mir die Charaktere der Kinder ans Herz gewachsen und ich habe mit ihnen gelitten. Das Schlimme ist, dass die eigentlichen Absichten des Instituts  vermeintlich gut sein sollen. Dennoch werden Kinder gequält, benutzt und kaputt gemacht. Es ist wirklich alles sehr erschreckend und real dargestellt, sodass die Existenz eines solchen Instituts gar nicht abwegig erscheint. Eine wirkliche Ähnlichkeit zu „Stranger Things“ sehe ich allerdings gar nicht so sehr, da sich die Story der Serie doch vollkommen anderes entwickelt. Eines jedoch haben beide gemeinsam: Die unheimliche Kraft, die die Kinder erzeugen. Und die ist so stark, dass sie hörbar, spürbar und auch sichtbar wird.

Mehr will ich gar nicht verraten, denn es wäre zu schade, der Handlung des Romans vorzugreifen. Dieses Buch ist wieder komplett anders als zum Beispiel die „Mr. Mercedes“-Reihe, „Sleeping Beauties“ oder „The Outsider“, aber doch irgendwie wieder typisch der „neue“ King. Einfach nur spannend, fesselnd, traurig und dramatisch. Zum Leben erweckt mit wunderbaren Charakteren (auch den bösen!) und einem Schreibstil, der die Bilder zum Geschehen und den Handlungsorten einfach perfekt ins Gedächtnis teleportiert ☺.

© Buchwelten 2019

 

 

 

Geisteskrank von Marc Prescher

Geisteskrank Cuts_1

Erschienen als Taschenbuch
im Redrum Verlag
insgesamt  159 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-95957771-7
Kategorie: Thriller

.

Jan kümmert sich um seine alte und kranke Mutter, mit der er unter einem Dach lebt. Als sie stirbt, kann er sich nicht von ihr trennen und behält sie im Haus, wo er sich weiterhin so verhält, als wäre sie noch am Leben. Als dann aber zwei Männer eines Nachts in das Haus einbrechen, eskaliert die Situation. Zumal sich Jan auch noch ausgerechnet in einen der beiden Einbrecher verliebt …

.

„Geisteskrank“ ist das erste Buch, das ich von Marc Prescher gelesen habe. Der Autor konnte mich auf alle Fälle mit seinem Schreibstil und seiner spannenden und kurzweiligen Erzählweise überzeugen. Bei „Geisteskrank“ handelt es sich um eine Novelle, die von der Ausgangssituation erst einmal an Robert Blochs „Psycho“ erinnert. Prescher baut diese unbehagliche und düstere Atmosphäre aber noch aus und lässt zwei Außenstehende die Bühne betreten, die letztendlich, zumindest einer davon, die Hauptrolle der toten Mutter im Verlaufe der restlichen Handlung übernehmen. Prescher schreibt zwar sehr detailliert, so dass zartbesaitete LeserInnen an manchen Stellen vielleicht Probleme bekommen könnten, aber er vermittelt dadurch auch die Abgebrühtheit des Protagonisten, so dass diese „Ekelszenen“ niemals nur wie Effekthascherei wirken.

Das ist übrigens auch ein Punkt, der mir bei diesem Kurzroman sehr gefallen hat, denn Prescher schildert das Innenleben seines geisteskranken Mannes wirklich sehr gut und auch, zumindest auf gewisse Art und Weise, für den Leser nachvollziehbar. Es ist eine sehr bedrückende Atmosphäre, die sich durch den ganzen Roman zieht und einen sehr schnell in Bann zieht.  Der Plot ist verstörend, zumal man sich aufgrund der genauen Beschreibungen gut vorstellen kann, dass alles durchaus wahr sein könnte.
Neben der Haupthandlung um den geistig kranken Jan, spielt auch ein junges Ehepaar mit, das im Nachbarhaus wohnt. Diese Passagen erinnerten mich stark an Old School-Horrorfilme der 80er Jahre, so dass auch ein gewisses Nostalgiegefühl während des Lesens immer wieder aufkam. Dadurch, dass sich diese beiden Handlungsstränge kapitelmäßig immer wieder abwechselten, entwickelte sich „Geisteskrank“ sehr schnell zu einem wahren Pageturner, zumal man unbedingt wissen wollte, wie die Geschichte ausgeht.

Marc Prescher hat einen sehr spannenden Psychothriller geschrieben, der mit einem flüssigen Schreibstil aufwartet und auch an manchen Stellen in seinen Beschreibungen über Grenzen geht. Dies geschieht aber niemals übertrieben oder unglaubwürdig. Die Länge des Buches ist optimal, denn hätte Prescher daraus einen längeren Roman entworfen, wäre wahrscheinlich die Spannung verloren gegangen. Denn gerade durch die präzise und schnelle Handlung kommt niemals Langeweile auf. „Geisteskrank“ kann ich unbedingt empfehlen.

.

Fazit: Spannender Psychothriller, der manchmal über Grenzen geht.

© 20119 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Flüstern von Andreas Brandhorst

flüstern

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag 
insgesamt  464 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-492-06101-8
Kategorie: Thriller

.

Nikolas ist acht Jahre alt und überlebt wie durch ein Wunder einen schweren Verkehrsunfall. Seine Eltern kommen dabei aber ums Leben. Nikolas hört immer wieder eine geheimnisvolle Stimme in seinem Kopf,  ihn beschützt. Schon bald gerät er in ein mysteriöses Institut in der Schweiz, in dem Kinder mit besonderen Begabungen, wie Nikolas eine besitzt, erforscht werden, wo er Sonja kennenlernt. Gemeinsam fliehen sie und entdecken eine furchtbare Wahrheit  …

.

Andreas Brandhorst beweist mit dem vorliegenden Mystery-Thriller nach „Das Erwachen“ und „Ewiges Leben“ erneut, dass er nicht nur hervorragend Science-Fiction, sondern auch Thriller schreiben kann. „Das Flüstern“ ist sogar wieder anders als die beiden vorhergenannten und erzählt eine Geschichte, wie man sie eher von Ralf Isau, Dean Koontz oder gar Stephen King erwartet hätte: Mystery mit einem Hauch Grusel, teilweise Action und ansonsten eine eher ruhige Grundstimmung. Das ist auch schon der erste Punkt, der mich bei „Das Flüstern“ vollkommen überzeugt hat: die Atmosphäre. Der Leser bekommt sehr stimmungsvolle Handlungsorte und authentische Protagonisten geschildert, die mit einer unheimlichen Macht zu kämpfen haben. Alleine die Ausgangssituation empfand ich sehr ansprechend. Sie machte mich neugierig und ich würde vom Ergebnis nicht enttäuscht.

Es wäre kein Andreas Brandhorst, wenn nicht auch aktuelle Themen der Forschung und der Entwicklung der Menschheit behandelt werden würden. Niemals aufdringlich ließ mich „Das Flüstern“ so manches Mal innehalten, weil ich über das Geschriebene nachdenken musste. Der Thriller bietet also neben einer spannenden Handlung auch noch einige Aspekte, die den Leser beschäftigen.
Gerade die erste Hälfte des Buches hat mich so richtig in seinen Bann gezogen, wenn man nämlich Nikolas auf seinem „Leidensweg“ begleitet und, wie er selbst, nicht weiß, mit was man es zu tun hat. Es gab einige Szenen, die haben mich an alte Schwarz-Weiß-Filme und Gruselromane erinnert, wie man sie heutzutage nicht mehr inszeniert und schreibt. Brandhorst hat mich mit seinem Schreibstil wie immer von der ersten Seite an packen können. Und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. 😉

Die Geschichte hat einen ganz eigenen Reiz, der einen auch noch nach der Lektüre beschäftigt. Für viele mag der Roman langatmig und auch langweilig wirken, für mich hat Brandhorst genau die richtige Mischung getroffen, um sich in der beschriebenen „Welt“ wohlzufühlen. Manche Szenen haben mich an die alten Werke von Stephen King wie zum Beispiel „Carrie“ oder „Feuerkind“ erinnert, wo es ebenfalls um Außenseiter beziehungsweise Kinder mit außergewöhnlichen Begabungen geht. „Das Flüstern“ hebt sich aus meiner Sicht von ähnlichen Genrebeiträgen durch seine packende Erzählweise  ab, weil es auch sehr detailliert in die Gefühlswelt des jungen Protagonisten eindringt. Andreas Brandhorsts Schreibsstil ist unverkennbar, obwohl er in seinen Science-Fiction-Romanen eindeutig hochwertiger schreibt, was seine Ursache mit Sicherheit in den komplizierteren Themen hat. Gerade deshalb entwickelt sich „Das Flüstern“ aufgrund dieser „einfachen“ (absolut nicht negativ gemeint) Schreibweise zu einem Pageturner, was allerdings wiederum nicht heißen soll, dass Brandhorsts SF-Romane keine Pageturner sind. Ganz im Gegenteil. Letztendlich gefallen sie mir auch aufgrund des höheren philosophischen Anteils besser. 😉

.

Fazit: Sehr atmosphärischer Mystery-Thriller, der ungemein Spaß macht.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

 

Robo Sapiens von C. Robert Cargill

sapiens

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  414 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-32006-2
Kategorie: Science Fiction

.

Die Menschheit existiert nicht mehr. Künstliche Intelligenzen, Roboter, haben die Weltherrschaft übernommen und bekämpfen sich gegenseitig. Und sie kämpfen um ihr Überleben. Dies ist die Geschichte von Brittle, einem Roboter, der in eine Auseinandersetzung zwischen K.I.s und Supercomputern gerät …

.

C. Robert Cargills „Robo Sapiens“ liest sich nach einer Weile tatsächlich wie eine Fortführung von Isaac Asimovs „Robotergeschichten“. Cargil entwirft eine dystopische Zukunftswelt, bei der man hin und wieder an die Mad Max-Filme denkt, in der aber die Menschheit nicht mehr existiert. Diese Ausgangssituation und die Tatsache, dass Maschinen die Macht übernommen haben, könnte auch aus den Anfangsgeschichten um Dune, den Wüstenplaneten, von Brian Herbert und Kevin J. Anderson stammen. Die Welt wird sehr anschaulich beschrieben, so dass man sich das ganze sehr gut als Film vorstellen kann. Cargill führt Asimovs Idee, dass Roboter auch Emotionen spüren können, ganz im Geiste des Romans „Der 200 Jahre Mann“ fort, den Asimov zusammen mit Robert Silverberg verfasst hat.

Der Schreibstil des Autors ist zwar nicht hoch literarisch, sondern eher einfach, dafür aber äußerst flüssig zu lesen. Das führt dazu, dass man durch die Seiten nur so fliegt. Ich weiß nicht mehr genau, an welchem Punkt genau das Gefühl eintrat, doch irgendwann ist einem zwar noch durchaus bewusst, dass die Protagonisten Roboter sind, aber man beginnt, mit Ihnen zu fühlen, als wären sie Menschen. Diese Vermenschlichung ist Cargill hervorragend und vor allem sehr glaubwürdig gelungen. „Robo Sapiens“ ist ein wirklich lesenswerter Science-Fiction-Roman, der eine zwar nicht neue Idee zeigt, aber eine vorhandene, nämlich die von Isaac Asimov, auf geniale Weise fortführt. Ich hatte unglaublichen Spaß, den (weiblichen) Roboter Brittle auf seiner Reise durch eine menschenleere Welt zu begleiten. Die Handlung mag auf den ersten Blick durchschaubar und einfach wirken, ist man aber erst einmal am Ende angelangt, so bietet der Plot unendliche Möglichkeiten für etwaige Fortsetzungen. Ich könnte mir also  durchaus vorstellen, dass „Robo Sapiens“ der Auftakt einer Reihe ist, in der das Leben von Robotern, die die Herrschaft über unsere Erde angetreten haben, ausführlich beschrieben wird.

Gerade die zerstörte Welt, in der sich die Handlung abspielt, ist faszinierend und filmreif. Es könnte also durchaus sein, dass man eines Tages die Geschichte um Brittle auf der Kinoleinwand zu sehen bekommt. Spannend und effektiv wäre der Plot auf jeden Fall. Ich werde den Autor im Blick behalten, denn seine Schreibweise und auch die bildhaften Beschreibungen haben mir sehr gut gefallen.

.

Fazit: Spannender, dystopischer SF- Roman, der in einer von Robotern beherrschten Welt spielt.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Ermordung des Commendatore I – Eine Idee erscheint von Haruki Murakami

Murakami

Erschienen als Taschenbuch
im btb Verlag
insgesamt 478 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-442-71860-3
Kategorie: Belletristik, Drama

.

Ein junger Maler wird von seiner Frau verlassen und zieht in ein einsames Anwesen, das dem Vater eines Freundes gehört. Der Eigentümer des Hauses ist ebenfalls Maler und als der neue Bewohner ein unbekanntes Gemälde von ihm entdeckt, verfällt er diesem.
Als dann auch noch ein unbekannter Mann von dem jungen Maler verlangt, ein Porträt von ihm anzufertigen, gerät dessen Welt immer mehr aus den Fugen.

.

Man geht ja schon mimt einer gewissen Erwartungshaltung an ein neues Buch von Haruki Murakami heran. Zu tief sind die Eindrücke seiner vorherigen Bücher in einem verwurzelt, als dass man nicht einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere erwarten würde. Und dann kommt ein Buch wie „Die Ermordung des Commendatore“ und erfüllt zum einen alle Erwartungen und zeigt zum anderen, dass Murakami auch ein bisschen anders kann, als man von ihm gewohnt ist. Der erste Band dieser Geschichte beginnt sehr ruhig und unspektakulär, was mir aber außerordentlich gut gefallen hat. Ich fühlte mich des Öfteren ein wenig an Stephen Kings „Wahn“ erinnert, in dem ebenfalls ein Mann in einer einsamen Umgebung mit sich selbst zurechtkommen muss. Auch Kings Protagonist ist übrigens ein Maler. 😉

Auf melancholische Art und Weise schaffte es Murakami innerhalb kurzer Zeit, mich vollkommen mit seiner Geschichte in den Bann zu ziehen. Die Überlegungen des Protagonisten und auch seine Handlungen sind sehr authentisch und nachvollziehbar, so dass man sich (zumindest als Mann 😉 ) sehr mit der Hauptperson identifizieren kann. Murakami schreibt auch sehr freizügig, aber immer mit einem hohen Niveau, von der Sexualität seines Helden. Auch das gefiel mir ausnehmend gut. In diesem ersten von zwei Teilen entsteht eine unglaublich intensive Atmosphäre, die an manchen Stellen sogar an eine klassische Gruselgeschichte erinnert. „Die Ermordung des Commendatore“ hat meine Erwartungen genau genommen sogar übertroffen, denn ich hatte nicht so einen ruhigen, stimmungsvollen Roman erwartet, sondern eher eine abgedrehte Handlung mit mehr „Action“.
Die Eheprobleme sind nachvollziehbar und besitzen einen Hauch von Wehmut, der sich durch das ganze Buch zieht. Man spürt die Liebe der beiden Menschen zueinander, sieht aber auch ein, dass die Beziehung am Ende angelangt ist. Es ist wirklich ganz wunderbar beschrieben.

Haruki Murakami hat mit diesem Buch seinen Ruf als einer der genialsten Geschichtenerzähler neben Stephen King (wobei man die beiden nicht wirklich vergleichen kann) erneut bestätigt. Ich kann mich in seinen Geschichten verlieren wie selten und verlasse am Ende immer mit Bedauern die Personen und Handlungsorte. Murakami beherrscht es hervorragend, das Seelenleben seiner Personen zu beschreiben und man findet oftmals Teile von einem selbst darin. Manchmal liefen die Bilder der Handlung in Form eines von David Lynch oder Lars von Trier inszenierten Mystery-Thrillers ab, dessen Sog ich mich nicht mehr entziehen konnte. Obwohl dieses Buch für viele an Langatmigkeit nicht mehr zu übertreffen sein mag, stellte es für mich ein hypnotisches Werk dar, von dem ich niemals genug bekommen konnte. Murakami beschreibt die Personen, Handlungsorte und Ereignisse so detailliert, dass man während des Lesens tatsächlich meint, man wäre mittendrin. Besser kann ein Buch nicht geschrieben werden. ich bin schon sehr auf den zweiten Teil und das Ende dieser tollen Geschichte gespannt.

.

Fazit: Murakami mal anders, aber nichtsdestoweniger genial.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Vernichtung von David Lagercrantz

.

VernichtungErschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27100-5
Kategorie: Thriller

.

Auf der Straße wird ein toter Bettler gefunden. An sich nicht so außergewöhnlich, doch der Mann fiel den Anwohnern und Passanten zu Lebzeiten dadurch auf, dass er immer mit einer außerordentlich geraden Haltung und sehr würdevollen Art an seinem Platz saß. Gefunden wird der Mann mit der Telefonnummer von Mikael Blomkvist in seiner Daunenjacke. Eigentlich wäre das alles nicht bekannt geworden, denn der Mann hatte keine Angehörigen. Aber die Gerichtsmedizinerin Fredrika Nyman nimmt sich dem toten Mann an. Irgendetwas an ihm fasziniert sie. Sie möchte mehr über ihn erfahren. Wer war er, warum starb er in allein in Schweden, wo er aussieht, als käme er von weit her? Sie forscht und untersucht und findet ein Super-Gen, das darauf hinweist, dass der Mann im Himalaja gelebt haben muss. Sie nimmt Kontakt zu Blomkvist auf.

Lisbeth Salander lebt derweil in Moskau, wo sie ihre Schwester Camilla observiert. Jeder der Lisbeth Salander kennt, weiß, dass sie das sehr gründlich und ausgiebig kann. Das muss sie auch, denn sie plant einen Anschlag auf ihre verhasste Schwester.

Blomkvist bittet Salander um Hilfe bei der Spurensuche nach dem toten Obdachlosen in Stockholm. Sie hilft, wenn auch erst widerwillig, und findet heraus, dass der Mann ein Sherpa war. Ein Führer bei einer Himalaja Expedition, zuletzt im Jahre 2008 …

***

+++ Ich werde die Jägerin sein und nicht die Gejagte +++

… so lauten Lisbeth Salanders Worte. Hier in diesem sechsten Teil der Millennium-Reihe gibt es recht wenig Worte von Lisbeth Salander. Sie war immer wortkarg und immer schon schwierig und verbittert (die Leser wissen, warum), aber meinem Gefühl nach wird sie immer stummer. Es gibt nach wie vor die interaktive Kommunikation zwischen ihr und Blomkvist, aber gefühlt ist alles weniger geworden. Das Interagieren der beiden fehlt mir ein wenig.

Drei Teile hat Stieg Larsson selbst geschrieben. Und nun auch bereits drei Folgebände David Lagercrantz. Er kann es, und er macht es gut. So wirklich merke ich als Leserin den Unterschied nicht, außer eben die oben erwähnten. Aber Lisbeth hätte sich auch bei Larsson dahingehend verändern können. Mikael Blomkvist ist hingegen immer noch der gleiche. Oft einsam und traurig, dennoch in eine Geschichte verbissen und neugierig und er kommt immer wieder in Gefahr.

Ich fand den Roman teilweise zu spionagelastig und ab und an wusste ich nicht genau, welcher Name gerade wieder zu welchem bösen Russen oder Schweden gehört.
Was mir hingegen sehr gut gefallen hat, war die Forschung um den toten Sherpa. Zunächst im Rahmen der Genforschung etc. und dann zu erfahren, wo er herkam und was er in Schweden suchte. Die Zusammenhänge waren dann wiederum manchmal ein bisschen wirr.
Im letzten Teil des Romans war man durch die Rückblenden ins Jahr 2008 dann wieder etwas näher dabei und konnte der Erzählung um einiges besser folgen. 

Der Strang um Lisbeth hingegen war nicht schwer zu verstehen. Wut, Rache und der Versuch, die Schwester endlich auszulöschen. Punkt. Salander eben. Das hat mir sehr gut gefallen, trotz Lisbeths Wortkargheit war das wieder typisch Millennium.

Und das Finale war dann so richtige pure Action. Ich habe diese Szenen als exzellente Filmszenen vor meinem geistigen Auge gesehen und ich flog nur so durch die Seiten. Mehr möchte ich nicht verraten, denn lest den Roman am besten selbst. Aber der Schluss ist schon sehr gut gelungen und es bleibt abzuwarten, ob nun wirklich Schluss ist oder es doch noch weitergeht.

© Buchwelten 2019