Flammenbrut von Simon Becket

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Erschienen als Taschenbuch
bei Rowohlt
insgesamt 400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499249167
Kategorie: Thriller

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Kate Powell möchte Single bleiben, aber auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches nicht verzichten. Zuerst entscheidet sie sich für eine künstliche Befruchtung, ohne den Spender kennenzulernen. Später gibt sie aber eine Anzeige auf, in der sie nach einem Spender sucht, um ihn zumindest einmal kennenzulernen. Alex Turner meldet sich auf die Annonce und obwohl sich Kate lange Zeit dagegen wehrt, verliebt sie sich in den Mann. Als sie dann tatsächlich schwanger wird, stellt sich heraus, dass Alex Turner nicht der ist, für den er sich die ganze Zeit ausgegeben hat …

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„Flammenbrut“ ist mein erster Roman von Simon Beckett. Und ich muss schon sagen, die Geschichte, die er sich da ausgedacht und niedergeschrieben hat, hat mich schon ziemlich beeindruckt. Vor allem die Gedanken seiner Protagonistin, ihre Unsicherheiten und Wünsche, hat er hervorragend getroffen. Becketts Roman erzählt, bis auf das Ende, eigentlich eher die Lebensgeschichte einer Frau, die sich nichts sehnlicher als ein Kind wünscht, aber kein Vertrauen in einen Partner setzt. Absolut nachvollziehbar werden alle Möglichkeiten und deren Vor- und Nachteile beleuchtet. Sicher ist Becketts Roman kein Thriller im herkömmlichen Sinne, aber seine Schilderungen haben mich zumindest vollkommen in seinen Bann gezogen.
Ich konnte die Hoffnungen, aber auch die Zweifel und Ängste dieser Frau förmlich spüren, so intensiv und authentisch wurden sie beschrieben. Das hat mich ungemein beeindruckt.

Viele werden den Thriller und die Rasanz eines „echten“ Thrillers vermissen. Action und brutale Morde spielen hier keinerlei Rolle, sondern Beckett entwirft zum einen ein Psychogramm einer Frau und zum anderen ein düsteres Verwirrspiel um falsche Identitäten und Stalking. Wer sich auf diese ruhige Art einlassen kann, wird mit einem hypnotischen Drama belohnt, das sich gegen Ende hin in einen spannenden Thriller a la Hitchcock entwickelt und für reichlich Aufregung sorgt, die der ein oder andere Leser bis dahin wohl vermisst.

In anderen Rezensionen wird dieses Buch immer wieder mit Becketts Hunter-reihe verglichen. Wieso? Warum muss ein Autor zwingend immer das gleiche schreiben? Rowlings hat gezeigt, dass man als SchriftstellerIn auch in verschiedenen Genres und auf unterschiedliche Arten Geschichten erzählen kann. Und Beckett tut dies wohl auch. Ich finde „Flammenbrut“ einen  außergewöhnlichen und sehr gut geschriebenen Roman, der mich nachhaltig beschäftigt hat. Und ich schätze, mir werden seine Hunter-Romane trotzdem gefallen, denn ich werde sie nicht mit diesem Buch hier vergleichen.

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Fazit: Gut recherchiert und ruhig erzählt. Ein Drama, das sich erst ganz am Schluss zu einem Thriller a la Hitchcock entwickelt.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Phantom der Oper von Gaston Leroux

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Mysterienroman / Klassiker
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Im Pariser Opernhaus scheint ein Phantom auf die übelste Art und Weise sein Unwesen zu treiben. Es erpresst die neuen Leiter des Opernhauses auf heimtückische Art und sorgt für großen Aufruhr unter dem kompletten Stamm des Hauses. Auch Tote gibt es.

Die Sängerin Christine Daaé scheint dem Phantom sehr am Herzen zu liegen. Er setzt alles daran, die schöne Sängerin zu umwerben und sie zum großen Star zu machen. Er unterrichtet Daaé in ihrer Garderobe und sie feiert große Erfolge auf der Bühne des Hauses.

Doch dann trifft Christina Daaé den Freund ihrer Kindheit, den Vincomte de Chagny wieder und sie verliebt sich in ihn. Raoul, der Vincomte, ist oft verwirrt über die flatterhafte Art und Weise seiner Jugendfreundin und als sie ihm die Geschichte ihres „Engels der Musik“ (so nennt sie das Phantom) erzählt, versteht er ihr Handeln. Die beiden hecken einen Plan aus und wollen so dem Einfluss des seltsamen Wesens entkommen. Doch das Phantom will sich Christine Daaé nicht nehmen lassen ….

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Als ich in der Musicalaufführung des Phantom der Oper war, war ich total begeistert, kannte aber (logischerweise) die Handlung überhaupt nicht. Sicherlich versteht man eine ganze Menge, wenn man der Aufführung beiwohnt, jedoch wollte ich die gesamte Geschichte kennen. Darum habe ich mir das Buch aus unserer Bibliothek genommen und den Roman gelesen.

Für mich ist diese Art Roman, nämlich ein echter Klassiker, eher eine seltenere Lektüre. Bislang habe ich in dieser Art nur Bram Stokers „Dracula“ gelesen und der Schreibstil ist natürlich ein anderer als heute. Daran musste ich mich zunächst einmal gewöhnen.

Mir hat die Geschichte aber sehr gut gefallen. Der Autor lässt seine Handlung fast komplett unter dem Dach des Pariser Opernhauses spielen. Und zwar ca. 16 Stockwerke in die Höhe und 6 Stockwerke in die Tiefe. In dieser Art und Weise hat auch Victor Hugo seinen Roman in Notre Dame geschrieben. Hier fand auch die gesamte Handlung in der Kirche statt.

Ich habe vieles erfahren, was im Musical nicht vorkam, was mich doch um einiges schlauer gemacht und mir einige Szenen im Nachhinein besser verständlich gemacht hat. Im Deutschen heißt ein Lied „Engel der Muse“, im Original jedoch „Engel der Musik“, was absoluten Sinn ergibt, wenn man den Roman gelesen hat.

Die Figuren waren sehr gut beschrieben und die Charaktere stark ausgearbeitet. Es geht stellenweise sehr mystisch und dramatisch zu, was für die damalige Zeit schon eher selten war.

Mit hat der Roman großen Spaß gemacht und ich werde demnächst bestimmt noch weitere Klassiker lesen (u.a. Frankenstein oder endlich einen Roman von Wilkie Collins).

** Ich habe eine alte gebundene Ausgabe aus dem Jahre 1968, erschienen im Carl Hanser Verlag München, gelesen. 
Autorisierte Übersetzung aus dem Französischen von Johannes Piron.
Die Überschriften sind in schöner altdeutscher Schrift verfasst **

Grappa greift durch von Gabriella Wollenhaupt

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Grappa greift durchErschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 220 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-89425-468-1
Kategorie: Krimi

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Mitten in der Nacht wird Maria Grappa telefonisch von ihrer Lieblingsbäckerin Frau Schmitz aus dem Bett geworfen. Sie hat eine unheimliche Entdeckung gemacht. Auf einem Spielplatz in ihrer Zechensiedlung sitzt eine Muslima und schaukelt ihr totes Kind.

Offensichtlich ist es keines natürlichen Tod gestorben und Grappa beginnt sofort zu recherchieren. Sie knüpft Kontakte und versucht Hintergründe zu erfahren. Doch erstens schweigt die unter Schock stehende Mutter beharrlich und zweitens legt Grappas Chef ihr schonungslos einen Maulkorb an. Denn er wird von Stadtoberen und dem Integrationsrat unter Druck gesetzt. Als Grund wird der religiöse Frieden genannt.

Doch Grappa wäre nicht Grappa, würde sie nicht rebellieren und diesen Maulkorb einfach so hinnehmen. Und dann wird die muslimische Mutter des toten Kinder Opfer eines Selbstmordattentäters ….

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Einige Grappa-Romane habe ich mittlerweile gelesen (lange nicht alle, die die Autorin vorgelegt hat) und ich mag sie einfach. Diese toughe Reporterin mit ihrem speziellen Biss und schwarzem Humor, ihrer Neugier, der zielstrebigen und furchtlosen Art. Grappa ist direkt, frech und vorlaut, sie macht sich aber dennoch eine Menge Gedanken und ist ein herzensguter Mensch. Die Romane von Gabriella Wollenhaupt sind einfach knackig, rasant, machen Spaß und bieten einfach kurzweiligen Lesespaß.

Ich finde es hochinteressant, wie Gabriella Wollenhaupt es in diesem Band geschafft hat, die Eigenschaften ihrer Protagonistin und auch die der Nebencharaktere mit diesem leider brandaktuellen und hochbrisanten Thema in Einklang zu bringen. Sie hat hier eine perfekt gelungene Gratwanderung geschafft, die mich beeindruckt hat.

Mein Fazit: Ein (leider) topaktuelles und brisantes Thema wird hier in der typischen Grappa-Manier behandelt. Die Gratwanderung zwischen Dramatik, Gefahr und kurzweiligem Lesevergnügen hat mich vollkommen überzeugt.

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© Buchwelten 2016

Spurensammler von Finch

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 496 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-492-30683-6
Kategorie: Thriller
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Es sind zwei Jahre vergangen, seit Detective Mark Heckenburg den Kopf der Nice Guys ins Gefängnis brachte. Die Bande des Schwerverbrechers hatte unzählige Frauen entführt, verschleppt, gegen Bezahlung guter Kunden vergewaltigen lassen und anschließend ermordet.

Dieser Mann wird von seinen Komplizen aus einem Hochsicherheitsgefängnis in England in einer schnellen und extrem brutalen Aktion befreit. Der Mann ist nicht auffindbar und plötzlich geschehen in einem erschreckenden Tempo weitere Morde, sodass für Heck eines klar ist: Die Nice Guys sind wieder aktiv. Aber die Morde passen nicht in ihr vergangenes Schema.

Heckenburg will natürlich sofort mit den Ermittlungen beginnen, doch da ist seine Vorgesetzte und ehemalige Partnerin Gemma Piper ganz anderer Meinung ….

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Das ist der dritte Roman der Mark Heckenburg – Reihe, den ich jedoch als vierten lese. Ich habe den Nachfolgeroman kürzlich gelesen und dieser dritte Teil hat nun meine Reihe komplettiert. Ich bin natürlich um einiges schlauer, was den Anfang des aktuellen Bandes betrifft und die Handlung knüpft nahtlos an den zweiten Roman an, dessen Handlung nun durch diese Lektüre wieder gut aufgefrischt wurde. Glücklicherweise konnte ich mich noch gut erinnern und hatte nichts vergessen.

Mir gefallen ja alle Romane dieser Reihe sehr gut, doch mit diesem Teil hat Finch für mich den rasantesten und dramatischsten überhaupt abgeliefert. Nicht nur Heck, sondern auch ich als Leserin kam ja kaum zur Ruhe oder zum Luftholen. Man wird nach einigen ruhig angehenden Seiten direkt in eine extrem krasse Szenerie geworfen und diese Spannung und Rasanz hält an bis zur letzten Seite. Man kommt als Leser recht schnell auf die Hintergründe und Absichten der Nice Guys, das nimmt der Spannung aber nicht ein klitzekleines bisschen. Im Gegenteil: Man fiebert mit, bangt, hofft und ärgert sich maßlos mit. Im Gegenteil zum Nachfolgeband legt Finch hier nicht so großen Wert auf die Beschreibung der Tatorte und Schauplätze, sondern verlegt sich auf Verfolgungen, Jagden und Kämpfe. Ab und zu nervt mich allerdings die genaue Beschreibung und Herkunft jeder einzelnen Waffe. Mir persönlich ist es schnuppe, ob jemand eine russische, deutsche, amerikanische oder „sonst was Wumme“ in den Händen hält. Aber vielleicht möchte Paul Finch hier einfach sein Wissen unterbringen und eben die Kenner dieser Waffen befriedigen. Ich nehme diese Infos einfach hin und lese weiter.

Auch optisch passt der Roman wieder prima in die Reihe: Piper liefert diesen dritten Teil der Reihe in einem Knallroten Schnitt.

Mein Fazit: Eine schnelle, rasante, dramatische und absolut fesselnde Achterbahnfahrt durch knappe 500 Seiten. Für mich der beste Heck der gesamten Reihe.

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© Buchwelten 2016

Am Ende die Nacht von Michael Herzig

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Herzig
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Grafit Verlag
insgesamt 207 Seiten
Preis:  20,00 €
ISBN: 978-3-89425-674-6
Kategorie: Gesellschaftkrimi

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Kurzgeschichten? Ja .. oder nein? Ein Roman? Ja … oder nein?
„Am Ende die Nacht“ verbindet Kurzgeschichten zu einem Roman. Eine Reise durch eine Nacht, bei der der Leser die unterschiedlichsten Menschen kennenlernt und sie begleitet. Alles fügt sich zusammen, die Geschichten verweben sich zu einem Ganzen ….

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Ich mag überhaupt keine Kurzgeschichten. Ich lese viel lieber längere Geschichten, in denen ich mich fallen lassen und verlieren kann. In denen ich die Protagonisten richtig kennenlerne und nicht wieder „verlassen“ muss, wenn ich ihnen gerade nahegekommen bin.

Michael Herzig liefert hier jedoch keine typische Kurzgeschichtensammlung, sondern verbindet seine Geschichten zu einer kompletten Handlung. Das war auch der Grund, warum ich diesen Roman ausgewählt habe. Zum einen habe ich die bisherigen Bücher des Autors gemocht und zum anderen kenne ich diese Art der Erzählung, jedoch ein wenig anders. Bei dem anderen Buch lieferten verschiedene Autoren jeweils eine Geschichte, die zusammen eine Rahmenhandlung um die unterschiedlichsten Mietparteien eines Mehrfamilienhauses ergab.

Ich muss zugeben, zu Anfang hatte ich meine leichten Probleme, diese vielen Personen und Charaktere auseinanderzuhalten, mit denen ich in relativ kurzer Zeit bekannt gemacht wurde. Doch ich habe das einfach mal so hingenommen und weiter gelesen. Und nach und nach traf ich dann Person A drei Geschichten weiter auf einmal wieder in einer völlig anderen Situation mit Person F und erkannte diese dann auch sofort. Dann habe ich auch den Zusammenhängen folgen, bzw. mich auf die weitere(n) Geschichte(n) einlassen können.

Der Autor liefert hier eine bunte Vielfalt an Menschen und Charakteren. Gut situierte Bürger in höheren Positionen, kleine Drogendealer, Journalistinnen, total nerdige Söhne, reiche Modedesignerinnen und viele mehr. Alle hängen sie irgendwie zusammen und viele bieten einen völlig gegensätzlichen Charakter und Geist, als man von ihnen zu erwarten vermag.

Mein Fazit: Eine Reise durch die Nacht begleitet von den unterschiedlichsten Menschen. Mal böse, mal brutal, mal lustig oder total abgedreht. Langeweile kommt keine auf, Verwirrung evtl. ab und zu schon. Doch da gilt: Weiterlesen, denn es klärt sich schon … so wie die Nacht am Ende eben zum Morgen wird!

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© Buchwelten 2016

House Of Rain von Greg F. Gifune

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Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 128 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-95835-103-5
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

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Gordon Cole ist altgeworden. Und er ist einsam. Als es zu regnen beginnt, durchstreift er die Stadt und versucht, seine Vergangenheit zu bewältigen. Den Tod seiner Frau, die Begegnung mit einer mysteriösen, weiblichen Kneipenbekanntschaft und andere dunkle Geheimnisse …

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Es macht immer wieder unglaublichen Spaß, Gifunes melancholische und düstere Geschichten zu lesen. So ist es auch bei dieser Novelle um einen alternden Mann, der sich seiner Vergangenheit stellen muss und dies auch tut. Das Szenario, in dem Gifune seine Geschichte spielen lässt, erinnert an einen Film noir der 40er und 50er Jahre. Eine verregnete Stadt mit nassen Straßen und ein Protagonist, der sich pessimistisch seiner Vergangenheit stellt. Und dennoch schafft es Gifune immer wieder, in seinen tristen Welten Hoffnungen zu verströmen.
Der hochwertige Schreibstil lässt sich wunderbar lesen und nimmt einen vom ersten Satz an gefangen. Gifunes Geheimnis sind seine nicht immer geradlinigen Plots, die den Leser schon desöfteren dazu zwingen, ein wenig nachzudenken und selbst zu interpretieren.
Gifune macht das Horror- und Mysterygenre massentauglich, entführt seine Leser auf hypnotische Weise in das Innere eines Menschen und lässt einen an den Überlegungen, Sehnsüchten und Hoffnungen teilhaben.

Poetisch und verträumt wird die traurige Geschichte eines gebrochenen Mannes erzählt und man kann sich ohne weiteres in das Seelenleben des Protagonisten hineinversetzen und mit ihm fühlen. Es sind keine Zombies und Monster, die hier schockieren, sondern die Gedanken und Verhaltensweisen eines Menschen. Man fliegt durch die Story, fiebert mit und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Emotional und aufwühlend führt uns Gifune durch eine düstere, aussichtslos wirkende Welt, in der viele Fragen unbeantwortet bleiben und darauf warten, vom Leser selbst gelöst und interpretiert zu werden. Gifunes Bücher haben eine unnachahmliche Atmosphäre, die teils deprimiert und beklemmend wirkt, andererseits aber auch eine gewisse Lebenserfahrung verströmt, der man sich nicht entziehen kann. Jeder Leser, der sich auf diese Art von Geschichte einlassen kann, wird einen Nutzen daraus ziehen.

Für mich liefert Greg F. Gifune wieder einmal den Beweis, dass Horror absolut salonfähig sein kann und mehr bedeutet, als bluttriefende Splatterorgien. Für mich einer der besten, atmosphärischsten Schriftsteller, der aus meiner Sicht fast schon ein eigenes Genre kreiert hat: Melancholie-Horror!🙂
Gifune arbeitet auf wenigen Seiten ein ganzes Leben mit seinen Höhen und Tiefen auf, dringt in den Kopf eines Trauernden ein, der sich überlegt, was das Leben ihm geboten  hat und ihm im Alter noch bieten kann. „House Of Rain“ ist ein kleines Meisterwerk, das man sich öfter zu Gemüte führen kann. Dunkler, poetischer, mystischer Horror. Bleibt nur zu hoffen, dass der Luzifer Verlag weiterhin das Veröffentlichen von Gifunes Werken ins Deutsche weiterführt, der Festa Verlag hat es ja leider eingestellt.  Gifune muss man gelesen haben und seine Geschichten machen süchtig. Ich kann gar nicht sagen, welches seiner Bücher mein Lieblingsbuch ist. Jedes ist für sich eine Perle, die man nicht mehr so schnell vergisst.

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Fazit: Wundervoll poetisch und emotional werden die Gedankengänge eines trauernden, alten Mannes erzählt, der nach dem Sinn des Lebens im ALter sucht. Grandios.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Killgame von Andreas Winkelmann

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Killgame
Erschienen als Klappenbroschur
(lt. Verlagsseite Hardcover?)
im Wunderlich Verlag
insgesamt 427 Seiten
Preis:  14,99 €
ISBN: 978-3-8052-5080-1
Kategorie: Thriller

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Ein junges Mädchen wird seit Tagen gefangen gehalten. Wo genau sie sich befindet, weiss sie selber nicht. Doch es ist dunkel, kalt und sie hat Angst. Plötzlich wird die Luke zu ihrem Verschlag geöffnet und jemand wirft ihr Kleidung nach unten. Um genau zu sein: Laufkleidung. Shorts, ein grelles Top und gute, genau passende Laufschuhe.

Natürlich denkt das Mädchen nicht lange nach und kleidet sich an. Zu lange war sie nackt. Sie steigt aus der Luke in die Freiheit. Sie bewegt sich fort von ihrem Gefängnis. Sie beginnt zu laufen. Mitten in den Wald hinein. Sie fragt sich, ob man sie entkommen lässt. Doch dann verfehlt sie der erste Pfeil nur um Haaresbreite. Sie läuft weiter, rennt um ihr Leben ….

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Andreas Winkelmann liefert hier bereits seinen zehnten Roman ab. Für mich ist es nach „Die Zucht“ erst der zweite, den ich von ihm lese.

Der Autor verfasste einen rasanten Thriller, der den Leser in die Wälder Kanadas entführt. Dries Torwellen, ein ehemaliger Polizist und heute Expendable, arbeitet als Privatermittler. Er findet die, die niemand findet. Selbst die, die nicht gefunden werden wollen. Als seine Nichte Nia spurlos verschwindet, schwört er sich, die Tochter seiner Zwillingsschwester zu finden.

Irgendwie ist mir der Protagonist Dries bis zum Schluss nicht wirklich nahegekommen. Ich kann nicht mal erklären, warum. Er sucht unerbittlich seine Nichte, gibt nicht auf, begibt sich selbst in Gefahr. Dennoch, für mich wirkte er bis zum Ende des Romans eher kühl und unnahbar. Aber dies haben andere Charaktere dafür zum Teil wieder gutgemacht. Nia und eine Nebenfigur waren sehr gut ausgearbeitet und wirkten echt auf mich.

Die gesamte Handlung jedoch ist irgendwie nicht wirklich neu. Ich fühlte mich  u.a. sehr erinnert an zwei Romane skandinavischer Autoren, die ich gelesen habe. Einmal wäre da „Selbstauslöser“ und dann besonders „Trophäe“, den ich sogar vor gar nicht langer Zeit gelesen habe. Aber auch an „Level 9“ von David Morrell, ein bisschen an „Erebos“ und zum Schluss noch ganz besonders an „Jagdzeit“ von David Osborn lies mich die Handlung von „Killgame“ oft denken.

Die Szenerie in den Wäldern war sicher spannend, diese Textstellen dann teilweise sehr brutal und grausam geschildert. Dennoch, der rechte Kick mochte sich bei mir nicht einstellen. Hier hat mir der Vorgänger „Die Zucht“ um einiges besser gefallen. Was ich in „Killgame“ jedoch gut und interessant fand, war der afrikanische Zwillingskult, der in die Handlung eingeflochten und auch ausführlicher erläutert wurde.

Mein Fazit: Ein rasanter Thriller, der sich flott lesen lässt und sicher auch mitreisst. Jedoch ist die Handlung jetzt nichts besonders neues, den Zwillingskult vllt. mal ausgenommen.

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Kleiner Hinweis zur Verlagsseite:

Der Verlag deklariert das Buch, welches ich bekommen habe auf der Homepage als „Hardcover“, es ist aber definitiv eine Klappenbroschur.

Es ist mir nicht möglich gewesen auf der Verlagsseite die Seitenanzahl oder ISBN Nummer zu finden, das gefällt mir leider gar nicht😦 .

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© Buchwelten 2016

Die letzten und die ersten Menschen von Olaf Stapledon

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Erschienen als Hardcover
im Piper Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis:  25,00  €
ISBN: 978-3-492-70632-8
Kategorie: Science Fiction

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Wie sieht die Zukunft der Menschheit aus? Gibt es in zwei Milliarden Jahren die menschliche Zivilisation überhaupt noch? Und, wenn ja, wie und wo leben die Menschen dann?

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Zuerst einmal muss ich auf die überaus ansprechende Neuausgabe dieses SF-Klassikers im Piper-Verlag eingehen: Der Umschlag des Buches ist trüb-transparent und sein Aufdruck ergänzt sich dadurch hervorragend mit dem Bild auf der eigentlichen Buchvorderseite. Buch- und Coverbild ergeben somit das sichtbare, absolut gelungene Titelbild. Alleine optisch ist dieser Science Fiction-Meilenstein also schon ein echter Hingucker und sollte in keiner SF-Sammlung fehlen.
Auf den Buchinnenklappen sind die Originalskizzen der Zeitleisten von Stapledon abgebildet, was ebenfalls einen sehr hochwertigen Blickfang abgibt. Insgesamt hat sich der Verlag wirklich sehr große Mühe für diese Sammlerausgabe gegeben und verdient daher ein dickes Lob.

Nun zum Roman: Stapledons Zukunftsepos hat über achtzig Jahre „auf dem Buckel“ und man kann es manchmal gar nicht glauben, wie weitsichtig und philosophisch er seine Visionen entwirft. Das Buch liest sich meistens wie eine Art Geschichtsbuch, trocken und voller Informationen. Aber wer nun meint, „Die letzten und die ersten Menschen“ wäre ein Sachbuch, täuscht sich, denn hat man sich erst einmal an den (aus meiner Sicht sehr hochwertigen) Schreibstil gewöhnt, wird man von den Schilderungen mitgerissen. Es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, über hunderte von Seiten eine detailliert ausgearbeitete Zukunft in menschlicher, politischer, religiöser und sexueller Hinsicht zu verfolgen. Ich selbst hatte nur an einer einzigen Stelle einen „Hänger“, der mir zu langatmig erschien, ansonsten empfand ich diese perfekt ausgearbeitete Zukunftsvision extrem spannend.
Vor allem das Ende in seiner höchst philosophischen und teils auch esoterischen Auslegung hat mich sehr angesprochen und war für mich auch vollkommen nachvollziehbar.

Stapledons Roman umfasst Äonen und erinnerte mich vom Gesamteindruck (nicht vom Schreibstil oder den Ideen) an Stephen Baxter, der es ebenfalls schafft, den Leser auf eine Reise über Millionen von Jahren mitzunehmen. Aber anders als Baxter vermittelt Stapledon den Eindruck, eine wissenschaftliche Abhandlung über die Zukunft der Menschheit geschrieben zu haben. Dennoch wirken seine Visionen innovativ und wissenschaftlich durchdacht. Für den Roman wurden anscheinend lediglich die Informationen, die im Jahr seines Entstehens vorlagen, „hochgerechnet“ und in ein plausibles Gewand hineingearbeitet. „Die letzten und die ersten Menschen“ ist ein unglaublich ausuferndes Porträt der menschlichen Rasse, die an manchen Stellen in geistige Sphären vordringt, die höchst philosophisch und wunderschön erscheinen. Ich konnte gerade diese Entwicklung des Menschen absolut nachvollziehen, denn hinter unserer Existenz wird mit Sicherheit solch eine geistige Gemeinschaft stecken, davon bin auch ich überzeugt. Vielleicht liegt es gerade an dieser Übereinstimmung mit dem Autor, die für mich diesen Roman zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht hat.

Olaf Stapledon hat ein komplexes Weltbild der Zukunft erschaffen, analysierte Gesellschaftsstrukturen und deren Entwicklungen sehr nachvollziehbar und hat mit seinem Roman ein kleines Meisterwerk erschaffen. Wer populäre Science Fiction mit Weltraumabenteuern und Raumschiff-Schlachten mag, wird an diesem Buch schwer Gefallen finden. Wer sich jedoch für ein gut konstruiertes Zukunftsbild interessiert, das sich fast schon wie ein historisches Lehrbuch liest, wird begeistert sein, wenngleich an manchen Stellen Durchhaltevermögen erforderlich ist. Und eines sollte man auch noch wissen, bevor man sich an Olaf Stapletons fast schon bahnbrechendes Werk einlässt: Es gibt keine(n) Protagonisten, den man begeleitet. Es gibt lediglich den Erzähler aus der Zukunft, der die Ereignisse fast emotionslos schildert.

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Fazit: Komplex und gut konstruiertes Zukunftsbild der Menschheit, das, wenngleich erfunden, dennoch nachvollziehbar echt sein könnte. Fernab von Weltraumschlachten wird hier ein Sf-Roman in einer einem Sachbuch ähnlichen Form vorgelegt.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Buchmarkttermine 2016

Lieber LeserInnen von Buchwelten,

ich weiss, dass viele von euch hier auf meinem Blog nach den Buchmarktterminen schauen.

Leider bekomme ich es dieses Jahr zeitlich, beruflich und privat, überhaupt nicht geregelt, euch diese in meiner gewohnten Art (fein sortiert, aufgelistet und mit kleinen Hinweisen) anzubieten.

Ich arbeite nahezu Vollzeit und mein kleiner Sohn möchte auch was von seiner Mama haben, wenn sie denn zu Hause ist.

Alleine von meiner Lesezeit und Rezensionsarbeit bin ich zwangsläufig auch um einiges kürzer getreten.

Aber ich stelle euch hier den Link der ZVAB-Seite ein, von dem ich einen Teil meiner Infos selbst erhalten habe.

Einfach klicken und stöbern —> BUCHMARKTTERMINE

Liebe Grüße

euch Leseratten und Bücherwürmern :-)

Marion Brunner

Die Star Trek Physik von Metin Tolan

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Erschienen als Hardcover
im Piper Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-05653-3
Kategorie: Science Fiction, Sachbuch

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Was steckt wirklich hinter der Kultserie „Star Trek“? Wie genau wurden die schlauen und logischen Bemerkungen von Mr. Spock und Data von den  Drehbuchautoren recherchiert? Könnte es eine Zukunft, wie in den Star Trek-Serien und -Kinofilmen wirklich geben? Metin Tolan, Professor für Experimentielle Physik, geht den Hintergründen der Serie auf physikalisch-wissenschaftlichem Weg nach.

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Es ist schon erstaunlich, wie Tolan das macht. Einerseits versteht man als Nichtphysiker so ziemlich nichts, was da steht, aber andererseits dann irgendwie doch wieder. Ähnlich wie Stephen Hawking in seinem Meisterwerk „Eine kurze Geschichte der Zeit“ erklärt der deutsche Physiker für fast jedermann verständlich (auch wenn das jetzt meinen obigen Worten widerspricht😉 ), auf welchen physikalischen Überlegungen die Welt von Captain Kirk und seinen Nachfolgern aufbaut. Garniert werden die wissenschaftlichen Untersuchungen mit Zitaten aus den Star Trek-Serien oder -Filmen, was den Lesefluss unheimlich auflockert und auch extrem neugierig macht. Denn anhand der zitierten Begebenheiten (an die sich der ein oder andere Fan mit Sicherheit erinnern wird, so ging es zumindest mir) leitet Tolan dann seine Untersuchungen ein. Und er geht den Dingen dabei wunderbar erfrischend auf den Grund. Es wird alles genauestens erklärt und man kann, auch wenn man es nicht immer hundertprozentig versteht, absolut nachvollziehen.

Es werden so viele Dinge der Serie behandelt, die man als Zuschauer einfach so hingenommen hat, ohne zu wissen, welch ausgeklügelte Überlegungen dahinter stecken. Das ist schon wirklich erstaunlich und faszinierend (so würde es Spock wohl eher bezeichnen), mit wie viel Liebe zum Detail den Protagonisten die Worte in den Mund gelegt wurden. Mithilfe von physikalischen Grundgesetzen wie zum Beispiel der Relativitätstheorie oder aktuellsten Forschungen auf dem Gebiet der Quantenphysik beweist Tolan, wie sehr Star Trek an der Wahrheit ist oder schon bald sein könnte. Der Warp Antrieb, das Beamen, die Holodecks, die Kommunikation, die Tarnvorrichtungen der Romulaner und Klingonen und und und … das alles wird untersucht und physikalisch zerlegt. Es macht richtig Spaß, den Ergebnissen zu folgen, und ist, wenn man sich erst einmal eingelesen hat, unheimlich spannend. Es gab Momente, in denen konnte ich das Buch nicht zur Seite legen, weil ich noch unbedingt wissen wollte, was bei den Untersuchungen herauskam.

Metin Tolans Schreibstil ist eine Mischung aus wissenschaftlich notwendigen, manchmal komplizierten Erklärungen und einem flüssigen Talkrundengespräch. Diese Mixtur lässt sich unglaublich gut und unterhaltsam lesen, so dass auch einem Menschen wie mir, der sich normalerweise nicht für Physik interessiert, gar nicht auffällt, wie die Zeit  beim Lesen verrinnt. Tolan schaffte es sogar, mich in einigen Punkten für physikalische Dinge zu begeistern.
Star Trek Fans müssen bei diesem Buch zugreifen, denn alleine schon die Zitate aus den verschiedenen Serien und Filmen bringen tolle Erinnerungen zurück. Und wenn dann noch eine wissenschaftlich fundierte Erklärung der darin beschriebenen Vorgänge folgt, muss man das als Trekkie wissen.

„Die Star Trek Physik“ ist nicht unbedingt eine leichte Lektüre, man muss seinen Kopf schon ein wenig anstrengen, wenn man den Ausführungen folgen möchte, auch wenn sie oftmals sehr bildlich dargestellt und erklärt werden. Dennoch liest sich Tolans neues Buch fast schon wie ein Roman, hat man sich erst einmal an den Sachbuch-Stil gewöhnt.
Ach ja, die „Details für Besserwisser“ sind sehr sehr physikalisch, aber man sollte sie trotzdem zumindest „überfliegen“, denn auch hier verbergen sich so manch interessante Erkenntnisse.
Wer nach diesem Buch einen Star Trek Film oder eine der Serien sieht, wird wohl auf so einiges achten. Aber nicht nur innerhalb des Star Trek Universums gibt Tolan auf so manches eine gute Erklärung ab, denn vieles lässt sich logischerweise auch auf unseren Alltag anwenden und öffnet dem Leser die Augen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Warum sehen unsere Adern, die unter der Haut verlaufen, blau aus, wenn rotes Blut durch sie hindurch fließt?

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Fazit: Für Star Trek Fans ein unglaubliches, physikalisches Abenteuer, dass die Serien und Kinofilme in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Für alle anderen lohnt sich dieser spannende Ausflug in die Wissenschaft allerdings auch, denn Metin Tolan ist ein wirklich guter Erklärer.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten