Star Wars – Der Aufstieg Skywalkers von Rae Carson

skywalker

Erschienen als Taschenbuch
im Penhaligon Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-7645-3245-1
Kategorie: Science Fiction

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Der Widerstand gegen die Erste Ordnung ist noch lange nicht vorbei. Die Rebellen Rey, Finn und Poe setzen alles daran, um gegen Kylo Ren und einen totgeglaubten Gegner zu bestehen. Die seelische Verbindung zwischen Rey und Kylo hält währenddessen immer noch an und ein Geheimnis kristallisiert sich immer mehr heraus, dass neue Hoffnung in sich birgt.

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Hier liegt er nun also vor, der Abschluss der neuen Star Wars-Trilogie in literarischer Form, jener Filme, die auf Begeisterung und Ablehnung gleichermaßen stoßen. Ich gehöre jener Fraktion an, die auch die neuen Filme feiert, vor allem den zweiten teil „Die letzten Jedi“. Umso mehr war ich nun auf das Finale gespannt, das ich als Buch noch vor dem Film genoseen habe. Und ich habe es wirklich genossen, denn Rae Carson hat diese Geschichte äußerst bildhaft verfasst, sodass ich an manchen Stellen sogar meinte, den Film tatsächlich doch schon gesehen zu haben. 😉
Unabhängig vom Film kann ich nur sagen, dass die Handlung auf geradezu fantastische Art und Weise Fans der alten und auch der neuen Filme in jeder Hinsicht bedient und aus den ganzen neun Episoden einen würdigen Abschluss abliefert. Carson erzählt aber nicht nur einfach das Drehbuch nach, sondern legt sehr viel Wert auf eine Charakterzeichnung der Protagonisten. So kommt es, dass man natürlich auch ein wenig mehr von den Personen erfährt und die Geschichte auf eine ganz andere Weise sieht.

Es macht unglaublich Spaß, Rey und ihre Freunde auf dieser letzten Mission zu begleiten, und am Ende bekommt ein Fan wie ich tatsächlich so manches Mal Tränen in die Augen, so geschickt wird die Ursprungs-Saga mit der neuen verknüpft. An Carsons Schreibstil kann man absolut nichts aussetzen. Das Ganze liest sich sehr flüssig und spannend, sodass man immer noch ein Kapitel mehr liest, weil man wissen will, wie es weitergeht. Bei manchen Passagen hörte ich das Rauschen des Wasser förmlich in meinen Ohren , so detailliert wurden diese Szenen von der Autorin beschrieben. Die Handlung möchte ich natürlich nicht spoilern, nur so viel sei gesagt: Es gibt ein paar unerwartete Wendungen, dramatische Szenen und ein schönes Finale, das einen als Fan zufrieden zurücklässt.

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Fazit: Blockbusterkino zum Lesen. Sehr empfehlenswert.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ein letzter Grappa von Gabriella Wollenhaupt (Band 30)

GrappaErschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 256 Seiten
Preis: 12,00
ISBN 978-3-89425-638-8
Kategorie: Kriminalroman
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In Bierstadt ist es alles andere als ruhig. Arabische Clans machen sich in der Stadt breit, terrorisieren Bürger, verursachen tödliche  Unfälle und die Polizei schaut weg. Zu groß ist der Einfluss dieser Clans. Die Bürger laufen vor lauter Frust und Enttäuschung zu den Neonazis, die mit Ihrer Gruppe „Sturmbund 18“ ihren eigenen Krieg gegen die Clans ausfechtet. Und wer ist wieder mal mittendrin? Natürlich: Maria Grappa. Sie recherchiert die Fälle und versucht dabei, neutral zu bleiben. Doch dann werden von ihrem Redaktions-Account aus E-Mails verschickt, die darauf hinweisen, dass sie in einen brutalen Polizistenmord verwickelt ist …

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Meinen ersten fortlaufenden „Grappa“ habe ich erst 2013 gelesen, es war der Band „Grappa und die Toten vom See“. Dies war bereits der 24. Teil der Reihe und sofort ist mir die Protagonistin sehr ans Herz gewachsen. Maria Grappa besitzt einen einzigartigen Charakter. Sie ist so echt, schlagfertig, wortgewandt, bissig und ehrlich. Sie zeigt jedoch immer Gefühl und Einfühlungsvermögen. Die Themen der Krimis sind immer aktuell, hintergründig, ausgeklügelt und sehr gut recherchiert. Trotzdem immer voller Witz, toller Situationskomik und frechem Humor.
Die Romane sind aber immer in einem unglaublich hohen Sprachniveau geschrieben, die Wortwahl und Ausdrucksweise sehr gut ausformuliert und niemals flach oder gar trivial. Natürlich gibt es umgangssprachliche Dialoge, aber immer wieder finden sich auch sehr philosophische Passagen und Abschnitte in den Geschichten. Worte, die berühren und mitten ins Herz treffen.
Gabriella Wollenhaupt hat mit ihrer Grappa-Reihe einfach eine geniale Mischung und Gratwanderung erschaffen. Mir fallen da zum Beispiel Romane ein, die nach Griechenland und in die Provence führten. Der Leser lernt die Landschaft, die Geschichte und Kultur dieser Länder und Menschen kennen. Und niemals zu vergessen, die kulinarischen Genüsse. Denn Maria Grappa liebt das Essen, guten Wein und starke Männer. Und daran haben wir als Leser teil, beziehungsweise hatten teil. Maria Grappa ist mir eine gute Freundin geworden, eine Frau, mit der man Pferde stehlen kann, die einfach immer echt und niemals Püppchen ist.

Ich glaube, der geneigte Leser liest aus meinen Zeilen, dass ich ein großer Fan bin. Und als ich im Verlagsprogramm las, dass mit diesem 30. Band Schluss ist, war ich wirklich traurig. Das war also der letzte Grappa und natürlich verstehe ich, dass  es auch mal vorbei sein muss. Aber ich habe tatsächlich einige Tränen verdrückt, als ich zum Ende dieses letzten Bandes kam. Es hat mir gut gefallen, auch wenn es ein Abschied ist.

Das einzige, was mich tröstet, ist, dass mir mein Mann zu Weihnachten 2018 sämtliche fehlenden Teile geschenkt hat, so dass ich die komplette Sammlung in unserer Bibliothek habe. Gerade lese ich „Grappa im Netz“. Anneliese Schmitz hat darin gerade erst ihren zweiten Auftritt. Das erste Mal erschienen ist sie im Vorgänger „Grappa und die acht Todsünden“, wo sie sogar Anneliese Scholz hieß ;-). Ich habe also noch einige Bände vor mir, die ich noch nicht einmal kenne, begleite also Maria Grappa noch eine Weile. Und eines ist gewiss. Ich werde immer wieder zu einem „Grappa“ greifen. Sie machen einfach Spaß. Und das sage ich, die selten ein Buch zweimal liest.

Ich hoffe sehr, dass Gabriella Wollenhaupt weiterschreibt. Sie liebt historische Romane und hat auch bereits in diesem Genre veröffentlicht. Aber eine Journalistin, auch im Ruhestand, die solange schreibt und mit Worten arbeitet, die kann es (hoffentlich) sowieso nicht lassen.

Wer Gabriella Wollenhaupt und Maria Grappa noch ein wenig näher kennenlernen möchte, der kann hier auf Buchwelten diverse Rezensionen lesen.

Ebenso hat Gabriella Wollenhaupt eine Homepage und die Verlagsseite beim Grafit Verlag ist auch einen Besuch wert.

Auf Wiedersehen, Maria Grappa, genieße Deinen Ruhestand und danke für die unzähligen Abenteuer sagt

Marion Brunner von Buchwelten am 30.06.2020.

Die Frau mit den zwei Gesichtern von Uwe Wilhelm

Die Frau mit den zwei Gesichtern von Uwe Wilhelm

Erschienen als Taschenbuch
bei Blanvalet
insgesamt 398 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-7341-0701-6
Kategorie: Krimi, Thriller

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Noa Stern betätigt sich als Bodyguard, kann mit einer Waffe genauso gut umgehen wie mit einem Motorrad und hat Kontakte zur Berliner Unterwelt. Als sie von einem der mächtigsten Männer Berlins erpresst, erwacht ein verhasster Teil ihrer Vergangenheit zu neuem Leben und Noa muss sich ihren Dämonen stellen. Sie soll einen riskanten Auftrag erledigen und ahnt noch nicht einmal annähernd, dass mit diesem Job nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Tochter auf dem Spiel steht …

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Auf gewohntem Niveau schickt Uwe Wilhelm mit Noa Stern eine neue Heldin auf die Reise, die so manches Mal an die beeindruckende Helene Faber aus Wilhelms „Blut“-Trilogie erinnert. Stern ist eine toughe Frau, die sich nichts sagen lässt, am allerwenigsten von Männern. Und da bin ich auch schon an einem wichtigen Punkt angelangt, auf den sich Uwe Wilhelm wohl ein klein wenig spezialisiert hat: Kritik an einer von Männern dominierenden Welt. Wilhelm macht das so geschickt, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Man fühlt sich, auch als Mann, sofort angesprochen, wenn geschildert wird, wie sich so manch ein Mann gegenüber Frauen verhält. Dieser Aspekt, der in Wilhelms Büchern (zumindest seinen letzten) immer eine sehr große Rolle spielt, verleiht seinen Geschichten eine beängstigende Authentizität, über die man eigentlich gar nicht so gerne nachdenken möchte. Umso mehr empfinde ich Wilhelms Aussagen als sehr mutig und vor allem auch wichtig, um genau solche Missstände aufzudecken und nicht zu tabuisieren.

„Die Frau mit den zwei Gesichtern“ ist ein Pageturner sondergleichen, der einen von der ersten Seite an nicht mehr loslässt. Man muss wissen, wie es weitergeht, wie sich die Geschichte entwickelt und was den Protagonisten, allen voran Noa Stern, geschieht. Uwe Wilhelm verpackt in seinem Thriller oftmals Lebensweisheiten, die er in literarisch hochwertigen Sätzen zum Ausdruck bringt, und die ich ein paar Mal lesen musste, weil sie mich derart faszinierten. Er schafft es, Dinge aus der Sicht von Frauen zu beschreiben, so dass man mitfühlt und -denkt. Es gibt wirklich grandiose Passagen (wie auch bereits in der Helene-Faber-Trilogie), die weibliche und vor allem männliche Leser zum Nachdenken bringen. Hinzu kommt der überaus flüssige und bildhafte Schreibstil, der den Roman zu einem wahren Lesegenuss macht. Uwe Wilhelm hat und schreibt immer noch Drehbücher, was man in seinen Romanen immer wieder bei seinen wunderbaren Dialogen bemerken kann. Die Gespräche wirken so natürlich und aus dem Leben gegriffen, dass es eine wahre Freude ist, sie zu lesen.

Rasant und durchgängig mit einem gewissen Charme und Humor erzählt Uwe Wilhelm die Geschichte einer Frau, die mit ihrer Vergangenheit, ihrer Zukunft und ihrem Leben im Allgemeinen zu kämpfen hat. Verbrecherische Machtgefüge hinter den Kulissen einer Großstadt werden ebenso behandelt wie Sexualität, Gewalt und Liebe. Wie gesagt, es wirkt alles wie aus dem Leben gegriffen, nur eben verpackt in einer spannenden Story, die sehr ausgeklügelt daherkommt und daher auch in Sachen Logik absolut überzeugen kann. Ich kann ohne Einschränkung behaupten, dass sich Uwe Wilhelm seit seiner Helene-Faber-Reihe in die Top Ten meiner Lieblingsautoren geschlichen hat und dies mit dem vorliegenden Roman nochmals untermauern konnte. Seine Protagonisten wachsen mir mit ihren kleinen Fehlern und Charakterschwächen, aber auch ihrem Mut, Durchhaltevermögen und unerschütterlichen Lebenswillen sehr schnell ans Herz. Ich freue mich schon jetzt auf neues „Futter“ von Uwe Wilhelm und spreche auch für „Die Frau mit den zwei Gesichtern“ eine unbedingte Leseempfehlung aus.

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Fazit: Spannender und unglaublich authentischer Pageturner.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Richtung Nirgendwo (Melodys Song) von Michael Dissieux

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Erschienen als Taschenbuch
im KOVD Verlag
insgesamt 384 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-96698-607-6
Kategorie: Dystopie, Drama

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In einer Zukunft, in der nichts mehr so ist wie es einmal war, macht sich ein Mann auf die Suche nach einer neuen Hoffnung. In Gedanken begleiten ihn seine Frau und Tochter, als er auf einen Mann und ein Mädchen trifft, die ein Ziel haben. Er begleitet sie und erfährt, was es heißt, die Hoffnung niemals zu verlieren …

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Es gibt actionreiche Dystopien wie „Mad Max“ und es gibt ruhige, melancholische wie etwa Corman McCarthys „The Road“. Michael Dissieux’ „Richtung Nirgendwo“, erschienen im KOVD-Verlag, gehört eindeutig in die letztgenannte Kategorie. Mehr Melancholie, Einsamkeit und Sinnieren über das Leben geht nicht. Dissieux besitzt einen unglaublich intensiven Schreibstil, der, verbunden mit dem Stilmittel des Ich-Erzählers, schon auf den ersten Seiten eine bedrückende, nachdenkliche, aber dennoch auch irgendwie hoffnungsvolle Atmosphäre ausstrahlt. Genau dieser Mix aus den verschiedenartigsten Stimmungen zieht den Leser sofort in seinen Bann und lässt ihn auch bis zum Schluss nicht mehr los. Wie ein Sog wird man in die Geschichte gesogen und vergisst sehr schnell die Realität um einen herum, während man den Protagonisten auf seiner Reise durch eine zerstörte Welt begleitet.

„Richtung Nirgendwo“ ist mein erstes Buch von Michael Dissieux, der durch seinen tollen, flüssigen Schreibstil in mir einen neuen Anhänger gefunden hat. Vor allem die unspektakuläre Herangehensweise an diesen Stoff hat mich nachhaltig beeindruckt, legt der Autor nämlich sein Hauptaugenmerk auf die Psyche seines Protagonisten und kommt dadurch zu einem weitaus epischeren Ergebnis als so mancher sogenannter Bestseller-Autor, der sich auf Action oder zombielastiges Gemetzel konzentriert. Dissieux’ Welt ist zerstört, einsam und deprimierend. Doch die Überlebenden tragen bei ihm eine Hoffnung in sich, wie sie wahrscheinlich jeder von uns in solch einer Situation hätte. Das ist es, was dieses Buch auch so menschlich, und dadurch authentisch macht.
Die Mischung aus „Ich, der letzte Mensch“ (auch bekannt unter dem Titel „I am Legend“) von Richard Matheson und dem bereits erwähnten „The Road“ von Corman McCarthy überzeugt vollends und besitzt aus meiner Sicht uneingeschränkt das Format eines Bestsellers, der förmlich nach einer Verfilmung schreit.

Trotz seiner Schlichtheit und ruhigen Erzählweise wird das Buch in keinem einzigen Moment auch nur annähernd langatmig, geschweige denn langweilig. Ganz im Gegenteil, man hätte als Leser (zumindest erging es mir so) gut und gerne noch eine Weile in dieser apokalyptischen Welt verharren können.
Und dann kommt das Ende …
Eine herzergreifende Wendung, die einem den Atem raubt, das Herz bricht und zum Nachdenken bringt, und dennoch auch irgendwie mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen zurücklässt. In „Richtung Nirgendwo“ sieht man sich oft selbst und erkennt so manches Mal seine eigenen Gedanken über das Leben. Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass und Dissieux bei einigen Dingen im Unklaren lässt (was mit Sicherheit Absicht ist, denn auch im wirklichen Leben warten wir oftmals vergebens auf eine Erklärung), so kann man diesen Roman durchaus als Beschreibung unserer aller Leben bezeichnen: Sind wir nicht alle im Grunde genommen auf uns alleine gestellt und irren einsam durchs Leben, um uns einzig an einem festzuhalten: der Liebe.

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Fazit: Melancholische, herzergreifende und authentische Apokalypse.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der bittere Trost der Lüge von Tiffany D. Jackson

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im FESTA Verlag
444 Seiten
22,99 €
ISBN: 978-3-86552-829-2
Kategorie: Drama, All Age, Thriller

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Mary soll angeblich ein Baby getötet haben und verbringt deswegen ihre Kindheit im Knast. Dort lernt sie Ted kennen, der sie schwängert. Die beiden wollen einen Neuanfang wagen und eine Familie gründen. Doch damit beginnt ein neuer Albtraum, denn man will Mary ihr noch ungeborenes Baby wegnehmen.
Eine Anwältin übernimmt Marys Fall, untersucht die vergangenen Ereignisse noch einmal und hofft auf die Mithilfe von Marys Mutter. Doch die verschließt sich und läßt Mary im Stich. Zu recht?

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Auch wenn ich vom Klappentext her ungefähr wusste, was auf mich zukommt, so hat mich Tiffany D. Jackson mit ihrem Debütroman von der ersten Seite an vollends gepackt und in ihren Bann gezogen. Die auf dem Cover genannten Vergleiche „Orange Is the New Black“ trifft auf „Tote Mädchen lügen nicht“ passt in beiderlei Hinsicht. Die Atmosphäre und vor allem auch die erzählerische Kraft der Autorin machen es fast unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen. Der gleichbleibend hochwertige und unglaublich flüssige Schreibstil machen „Der bittere Trost der Lüge“ zu einem waschechten Pageturner. An manchen Stellen fühlte ich mich hinsichtlich des Aufbaus der Geschichte ein wenig an die Bücher von John Grisham erinnert, der sogar einen ähnlichen Schreibstil besitzt, der den Leser von Anfang an gefangen nimmt.  Jackson hat ein emotionales, spannendes und psychologisch nachvollziehbares Buch geschrieben, das man nicht mehr so schnell vergessen dürfte.

Zu der jungen Protagonistin, mit der man sowieso viel mehr mitfiebert als mit einem Erwachsenen, kommt noch das Rassenproblem zwischen Schwarz und Weiß hinzu, das der Handlung einen zusätzlichen „Kick“ verleiht. Jackson schafft es problemlos, den Leser in die Gedankenwelt der jugendlichen Straftäterin einzuführen. Man kann sämtliche Handlungen nachvollziehen und leidet, fiebert und denkt mit. Auch wenn man im Nachhinein irgendwie feststellen muss, dass im Grunde genommen gar nicht wirklich viel passiert, hätte der Roman noch gut und gerne weitere 200 Seiten fortgeführt werden können, so faszinierend ist dieses Schicksal.

Düster kommt die Geschichte daher, manchmal hoffnungsvoll, aber weitestgehend deprimierend. Auf ruhige Art und Weise wird der „Leidensweg“ der Straftäterin geschildert, ihr soziales Umfeld beleuchtet und ein Blick in das Leben einer verurteilten Mörderin im Knast geworfen. Jackson schafft eine emotionale Bindung zwischen der Protagonistin und dem Leser, spielt mit letzterem, um ihn mit verschiedenen Wendungen tief im Inneren zu berühren … und auch zu schockieren. „Der bittere Trost der Lüge“ ist definitiv eines der Highlights in diesem Lesejahr und ich denke, ich werde dieses Buch sogar nochmals lesen. Der Festa-Verlag hat mit seiner neuen Reihe „All Age“ einen weiteren Roman publiziert, den man gelesen haben sollte, so eindringlich ist er. Anhänger von gut durchdachten Thrillern und Fans von John Grisham sei dieses Werk unbedingt ans Herz gelegt.

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Fazit: Außergewöhnlicher, stimmungsvoller Thriller, den man nicht mehr so schnell vergisst.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Kroll von Markus Kastenholz

kroll

Erschienen als Taschenbuch
bei Hammer Boox
insgesamt 350 Seiten
Preis: 14,95 €
ISBN: 979-8629639671
Kategorie: Thriller

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Clemens Kroll ist Schriftsteller und  Tempelritter.  Nach dem Tod seiner Eltern hat er seine Heimat gemieden, denn zu viele unangenehme Erinnerungen verbindet er damit. Doch dann wird er in einen Mordfall „verwickelt“ und muss in den Rheingau zurück.
Er trifft alte Freunde, aber auch neue Feinde. Und er trifft wieder auf Katja, seine erste Liebe, die mittlerweile  Nonne ist. Für Kroll entpuppt sich dieser unfreiwillige Aufenthalt als Trip in seine eigene Vergangenheit. Bald kommt er  Geheimnissen auf die Spur, die er besser nicht aufgedeckt hätte.

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Ich bin immer wieder überrascht, was man so auf dem Markt der mittelständischen und kleineren Verlage findet. Markus Kastenholz hat mit seinem Regionalthriller „Kroll“ ein Werk verfasst, das mich schon während des Lesens fasziniert hat und auch jetzt noch, viele Tage danach, in meinen Gedanken begleitet. Woran liegt das? Zum einen mit Sicherheit an dem sehr flüssigen Schreibstil, zum anderen aber – und das ist für mich der Haupt- und Knackpunkt – an der mehr als authentischen Charakterstudie des Protagonisten. Kastenholz verbaut sein eigenes Ich in der Rolle des Kroll, das merkt man. Und auch wenn einiges davon erfunden ist, so nimmt man ihm jeden Gedanken und jede Handlungsweise uneingeschränkt ab. Hinzu kommt der wirklich trockene Humor, der sich durch das ganze Buch zieht und einen immer wieder zum Schmunzeln bringt. Mir ist Kroll regelrecht mit seiner Art und Weise, seiner Einstellung, seinen Gefühlen, seinen Ängsten und Hoffnungen ans Herz gewachsen.

Auch wenn es an spannenden Momenten nicht mangelt, so wirkt das Buch im Gesamten außerordentlich ruhig und oftmals auch melancholisch, was mich immens gefangen nahm, ja fast schon hypnotisierte. Der Spannungsaufbau der Geschichte verlief dazu passend auch sehr langsam, was aber unter keinen Umständen heißt, dass an irgendeiner Stelle jemals Langeweile aufkommen würde. Ganz im Gegenteil: die Geschehnisse wirken dadurch absolut rund und nachvollziehbar. Außerdem bekommen die Charaktere aus diesem Grund eine Tiefe, die die Personen auf beeindruckende Weise lebendig macht.
Aus dem Thriller wird zusehends eine persönliche Geschichte des Protagonisten, die einen berührt und mitnimmt. Gerade die Liebesgeschichte ist vollkommen unaufdringlich und nicht kitschig, aber dennoch sehr emotional. Genau diese Mischung aus Melancholie, Liebe, interessanter Historie des Templerordens und spannender Handlung machen „Kroll“ zu einem ganz besonderen Buch.

Der sehr bildhafte Schreibstil und die echt wirkenden Dialoge lassen die Erzählung wie einen Film vor dem inneren Auge des Lesers ablaufen. Manchmal ist die Handlung etwas rätselhaft und undurchsichtig, so dass man wirklich nicht weiß, wie sich das Ganze entwickelt und was genau hinter den Begebenheiten steckt. Das alles ist sehr professionell durchdacht und macht unglaublich Spaß. Kastenholz zeigt, dass er nicht nur schreiben sondern sich auch logisch aufgebaute Geschichten ausdenken kann. Wie oft gab es Szenen, in denen ich Kroll so gut verstehen konnte und am liebsten tröstende Worte an ihn gerichtet hätte. Wie man sieht, war ich während des Lesens wirklich dabei.
Ich wünschte, Markus Kastenholz würde Kroll nochmals literarisches Leben einhauchen und ihn ein weiteres Abenteuer in seiner Heimat bestehen lassen. Ich habe diesen Protagonisten, wie oben bereits erwähnt, wirklich liebgewonnen und würde ihn gerne nochmals begleiten.
Für mich war „Kroll“ eine unerwartete Überraschung, mit der ich nicht gerechnet habe. Freunde von durchdachten Thrillern sollten sich diese Reise nicht entgehen lassen.

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Fazit: Spannender, aber auch melancholischer Thriller mit einem wunderbaren Protagonisten.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Singularitätsfalle von Dennis E. Taylor

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Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  496 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31934-9
Kategorie: Science Fiction

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Ivan Pritchard  heuert auf der »Mad Astra« an, um endlich einmal genügend Geld zu verdienen, dass es ihm und vor allem seiner Familie gut geht. Doch als er auf einem Asteroiden eine mysteriöse Substanz berührt, verwandelt er sich nach und nach in einen Mann aus Metall. Der Mensch Pritchard wird zu einer Art Künstlichen Intelligenz, die allerdings nichts Böses gegen die Menschheit im Sinn hat, sondern eher das Gegenteil. Pritchard versucht zwischen den Menschen und der außerirdischen Rasse, die immer mehr von ihm in Besitz nimmt, zu vermitteln.

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Nach Bob Johansson geht nun mit Ivan Pritchard ein ähnlicher Protagonist an den Start, der sich vom Menschen zu einer Künstlichen Intelligenz weiterentwickelt. Sicherlich wirkt das ganze Szenario ein wenig „abgekupfert“ – aber was, frage ich mich, ist daran schlimm? Einige Leser empfanden das wohl nicht so gut, was ich allerdings nach Genuss der Lektüre nicht sagen kann. Mit ähnlichem Witz nimmt Dennis E. Taylor den Leser auf eine ähnlich verrückte Reise mit, wie er es bereits mit seiner Bobiverse-Trilogie machte. Ich habe mich erneut amüsiert und das Buch nahezu in einem Rutsch durchgelesen, weil es mich gefesselt hat. In einer Mischung aus „Iron Man“ und „Der 200 Jahre Mann“ beschreibt Taylor die Verwandlung des Protagonisten und, auch wenn Parallelen zu Bob Johansson erkennbar sind, so war Ivan Pritchard für mich niemals eine „Kopie“, sondern besaß eine ganz eigene Charakterzeichnung.

So manch einer wird natürlich sagen, dass das Thema Künstliche Intelligenz heutzutage nichts Bahnbrechendes mehr darstellt (was im Grunde genommen auch so ist), aber Taylors Humor macht da, aus meiner Sicht zumindest, viel wett. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert und auch unterhalten. Letztendlich könnte es sich bei „Die Singularitätsfalle“ durchaus um den ersten Teil einer weiteren Trilogie handeln, denn die Story könnte ohne weiteres fortgesetzt werden. Und auch wenn sie an die Erstlingswerke von Taylor erinnern, könnte sich da noch einiges Interessantes entwickeln. Ich persönlich mag den Protagonisten, der mir während des Lesens auf ähnliche Weise sympathisch wurde wie Bob. Die Infizierung mit der außerirdischen Substaz wurde sehr bildhaft und spannend beschrieben, so dass ich nach jedem Kapitel wissen wollte, wie es weitergeht.

„Die Singularitärts-Falle“ ist, wie schon erwähnt, nichts bahnbrechend Neues auf dem Science-Fiction-Sektor, aber passable Unterhaltung. Für mich nach wie vor ein Aspekt, warum ich die Romane von Dennis E. Taylor so mag, ist die nicht ganz alltägliche und oftmals außergewöhnliche Schreibweise des Autors, der seine Geschichten nicht auf eine einfache, sondern extravagantere (aber nicht komplizierte) Art und Weise erzählt und sich dadurch ein wenig vom Mainstream abhebt. Hinzu kommen die angenehm kurzen Kapitel, die dazu beitragen, dass man eigentlich immer eines mehr liest, als man eigentlich wollte. 😉
Das Buch hat es natürlich schwer, nach der epischen Bobiverse-Trilogie die Erwartungen zu erfüllen. Aber aus meiner Sicht hat es Taylor dennoch geschafft, einen zufriedenstellenden Nachfolgeroman zu schreiben, der mindestens ebenso, wenngleich auf etwas andere Art und Weise, faszinieren kann. Ich kann diesen Roman jedem Science-Fiction-Fan nur nahelegen.

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Fazit: Spannend, teils humorvoller und kurzweiliger Erstkontakt-Roman.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Kill Katzelmacher! von Martin Calsow

Kill KatzelmacherErschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
320 Seiten
13,00 €
ISBN 978-3-89425-675-3
Kategorie: Krimi

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Deutschland zur Nachkriegszeit im Jahre 1948. In der bayerischen Landeshauptstadt versucht man unter amerikanischer Besatzung wieder eine gewisse Normalität in das Leben der Bevölkerung zu bringen.

Ehemalige Wehrmachtsoldaten bauen gemeinsam mit amerikanischen Offizieren einen  neuen Polizeiapparat auf. Der Schwarzmarkt blüht, es gibt nach wie vor Armut, Hunger und Leid.

Im schönen München tauchen Leichen auf, die auf grausame Weise zur Schau gestellt werden: Die Toten sind teilweise gehäutet, dies geschah offensichtlich bei lebendigem Leibe. Es stellt sich heraus, dass die Toten etwas gemeinsam haben:  Sie waren ehemalige SS-Soldaten. Wer ist der Mörder? Ein Überlebender des Holocaust, der Rache an den Peinigern seines Volkes nimmt?

Schnell sollen die Morde aufgeklärt werden, denn die Währungsreform steht kurz bevor, München ist im Aufbau. Die Ermittler, die den Fall aufklären sollen, können unterschiedlicher nicht sein: Ein amerikanischer  jüdischer Offizier und ein ehemaliger Münchner Wehrmachtsoldat …

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Mich hat an diesem Krimi gereizt, dass er in München spielt. Ich liebe diese Stadt und kenne doch so einige Ecken dort und auch die Umgebung. Dann war für mich die Zeit der Handlung, nämlich 1948, als der 2. Weltkrieg vorbei war, natürlich auch sehr interessant. Die Stadt liegt in Trümmern, die amerikanischen Besatzer sind vor Ort. Zuletzt verspricht natürlich die Kombination der beiden Ermittler eine gewisse Brisanz.

Ich wurde nicht enttäuscht. Mir hat der Krimi sehr gut gefallen. Das Miteinander der beiden Protagonisten macht diesen Roman überwiegend aus. Aber auch die Stimmung in der Stadt und der damaligen Zeit kommt sehr gut rüber. Ich sah das alte München vor mir, war mittendrin.

Wie sehr sich doch unterschiedliche Menschen ergänzen und zusammenraufen, das bringt der Autor sehr gut zum Ausdruck. Das Miteinander der Protagonisten trägt diesen Roman. Als dann die beiden weiblichen Charaktere die Handlung noch bereicherten, war das der Höhepunkt. Die Szenen mit den Vieren haben mir wirklich Spaß gemacht. Die Dialoge waren einfach klasse und ich fühlte mich sehr wohl mit ihnen allen.
Komischerweise sind diese Passagen viel mehr in meinem Hirn haften geblieben, als die eigentliche Auflösung des Falls, der für mich dann eher zweitrangig war. Wobei dieser Handlungsfaden um den Täter auch gut und vor allem hintergründig war.

Der Autor Martin Calsow (Unterfranke und Polizistensohn) liefert einen spannenden Kriminalroman, der im Nachkriegsbayern spielt und nicht nur an bekannte Handlungsorte entführt, sondern auch von ungewöhnlichen Morden und einem noch ungewöhlicheren Ermittlerduo erzählt.

Von Martin Calsow sind im Grafit Verlag bereits einige Romane erschienen. Schaut euch doch mal um: Lieferbare Bücher von Martin Calsow im Grafit Verlag

© Buchwelten 2020

 

Die weissen Männer von Arthur Gordon Wolf

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 126 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: keine – Privatdruck
Kategorie: Mystery, Science Fiction, Horror

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Brandon Tolliver eilt seiner  Nachbarin zu Hilfe und wird plötzlich von  unheimlichen Replikanten  verfolgt, ohne den Grund dafür zu kennen. Irgendjemand scheint ihn aus dem Weg räumen zu wollen und Brandon versucht, während seiner Flucht hinter das Geheimnis zu kommen.

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Ich wusste nicht, was mich erwartete, und war umso erstaunter, wie schnell und mit wie viel Freude ich diesen Kurzroman letztendlich dann verschlang. „Die weissen Männer“ war mein erstes Buch von Arthur Gordon Wolf und wird definitiv nicht das letzte bleiben, denn der angenehme Schreibstil konnte mich uneingeschränkt überzeugen. Es ist vor allem die besondere Atmosphäre, die sich durch die ganze Geschichte zieht und mich sofort in den Bann gezogen hat. Der Autor vermittelt diese Stimmung überzeugend und lässt den Leser unmittelbar an den Geschehnissen teilhaben.
An manchen Stellen erinnerte mich das Szenario an die Bücher von Franz Kafka oder die Filme von David Lynch – rätselhaft, mysteriös, einerseits durchschaubar, andererseits geheimnisvoll. Aber auch H.P. Lovecraft oder Philip K. Dick stellen für den Autor offensichtlich eine Inspirationsquelle dar. Der daraus entstehende Genremix ist dennoch absolut eigenständig und faszinierend.

Obwohl es sich bei dem vorliegenden Roman um eine Geschichte aus dem vom Autor ersonnenen UMC-Universum handelt, kann man diesen Kurzroman ohne jegliche Vorkenntnisse lesen. Das UMC-Projekt ist auch als eher lockeres Konzept anzusehen, in dem der Autor Kurzgeschichten, Romane oder eben auch Novellen ansiedelt, die alle in einer dystopischen Zukunftswelt spielen. Arthur Gordon Wolf schafft es mit spielerischer Leichtigkeit, den Leser in diese Welt zu entführen und verstreut auch die ein oder andere Anspielung auf Kultfilme und/oder -bücher, so dass es eine wahre Freude für den aufmerksamen Leser ist, sich in dieser Kulisse zu verlieren. Es ist schon an einigen Stellen beklemmend, wie der Autor die Entwicklung der Menschheit beschreibt. Aber alles hat Hand und Fuß und könnte durchaus genau so sein.

Arthur Gordon Wolf verpackt in seine stimmungsvolle, actionreiche und oftmals auch humorvolle Geschichte auch immer wieder sozialkritische Aspekte, die das Ganze authentisch machen und zum Nachdenken anregen. „Die weissen Männer“ haben mich derart fasziniert, dass ich mir im Anschluss gleich einmal die beiden Romane „Mr. Munchkin“ und „Red Meadows“ besorgt habe, die ebenfalls im genannten UMC-Universum angesiedelt sind und indirekte Fortsetzungen der vorliegenden Geschichte darstellen.
Aber zurück zur Novelle „Die weissen Männer“, die mir in einer ansprechend gestalteten Neuauflage vom KOVD-Verlag vorliegt und mit einigen Illustrationen von Thomas Hoffmann aufwartet, die kongenial zur Geschichte passen und das, durch die bildhafte Schreibweise ohnehin schon filmreife Geschehen noch einmal visuell unterstreichen. Insgesamt gesehen stellt die Neuauflage aus dem KOVD-Verlag für mich ein bibliophiles Highlight dar, das ich immer wieder gerne in die Hand nehmen werde, um darin zu blättern.

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Fazit: Düstere, stimmungsvolle und spannende Dystopie, die hervorragend unterhält.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die neunte Konfiguration von William Peter Blatty

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im FESTA Verlag
192 Seiten
19,99 €
ISBN: 978-3-86552-824-7
Kategorie: Thriller, Horror, Mystery

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Verborgen in den Wäldern der USA benutzt die Regierung ein altes Herrenhaus als militärische Irrenanstalt. 27  Soldaten leiden dort an einer mysteriösen Geisteskrankheit, bei der sich die Ärzte so manches Mal fragen, ob die Männer wirklich den Verstand verloren haben oder nur so tun.
Der Marine-Psychiater Colonel Hudson Kane wird beauftragt, die gestörten Insassen zu untersuchen. Doch schon bald muss Kane nicht nur gegen die absurden Wahnvorstellungen der vermeintlich Geisteskranken kämpfen, sondern auch gegen seine eigene Vergangenheit …

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Nach „Der Exorzist“ katapultierte sich William Peter Blatty schlagartig in die Riege meiner Lieblingsschriftsteller. Das lag vor allem an seiner Gabe, Dialoge  in seinen Roman zu schreiben, die wirklichkeitsnäher nicht sein könnten. Leider wurde danach nur noch „Das Zeichen“ und der komödiantische Roman „Eine zuviel im Harem“ veröffentlicht. Umso mehr freue ich mich nun, dass der Festa-Verlag nun seinen Roman „Die neunte Konfiguration“ veröffentlicht hat, der übrigens auch mit Stacy Keach in der Hauptrolle verfilmt wurde. Der vorliegende Roman dürfte verschiedene Reaktionen auslösen: Die einen werden ihn als langweilig, langatmig und absolut unspannend und wirr halten. Die anderen, und dazu zähle ich mich 😉 , erkennen darin jede Menge Anspielungen auf die damalige Popkultur und entlarven Blatty als Film- und Literatur-Nerd. Es macht unglaublich Spaß, seine Seitenhiebe zu entdecken.

 „Die neunte Konfiguration“ ist kein zweiter „Exorzist“, sondern zeigt, dass Blatty sich nicht in Genre-Schubladen stecken ließ, sondern schrieb, wonach ihm war. (Das zeigt übrigens auch sein Interesse an Komödien). Der vorliegende Roman ist eine wilde Reise in eine Irrenanstalt, die nicht nur mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ verglichen werden kann, sondern auch mit Edgar Allan Poes „Das System des Doktors Teer und des Professors Feder“. Dieserart Anspielungen muss man allerdings verstehen, um dem Roman etwas abgewinnen zu können. Blattys Schreibstil ist einfach, aber nichtsdestoweniger einprägsam und an manchen Stellen gar genial. Die philosophischen Gedankengänge, die er in seine Geschichte eingebaut hat, machen Spaß und man muss schon auch mal zwischen den Zeilen lesen. „Die neunte Konfiguration“ ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss, um Gefallen daran zu finden.
Ich würde mir jedenfalls sehr wünschen, wenn sich der Festa-Verlag auch noch den anderen Büchern dieses Ausnahme-Autors widmen würde.

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Fazit: Gewöhnungsbedürftig, aber in seiner Konsequenz genial.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten