Magnifico! – Freddie Mercury und Queen von A-Z von Mark Blake

Erschienen als Taschenbuch
im Hannibal Verlag
insgesamt 456 Seiten
Preis: 25,00 €
ISBN: 978-3-85445-719-0
Kategorie: Biografie

.

Queen von A-Z

.

Schon wieder ein Buch über Queen beziehungsweise Freddie Mercury? Das mag man im ersten Moment zwar denken, wird aber sofort eines Besseren belehrt, wenn man die ersten Seiten gelesen hat. Sicherlich ist das vorliegende Buch auch eine Art Lexikon, da die Kapitel alphabetisch sortierte Begriffe sind, aber es als Lexikon zu benutzen und zu lesen wäre ein Fehler. Mark Blake schafft mit seinem Text eine unglaubliche Reise in das Universum der Band und verbindet auf magische Weise die nicht zeitlich geordneten Kapitel zu einem Gesamtwerk, das man nach dem Lesen selbstständig in Gedanken in die richtige Reihenfolge bringt. Gerade diese Vorgehensweise lässt dieses Buch zu einem regelrechten Abenteuer werden, das wir eine Art Film an einem vorbeizieht. Nach Freddies Tod erscheint er nämlich wieder und es wird plötzlich von Begebenheiten aus den 1970er-Jahren erzählt. „Magnifico!“ wirkt wie die Erzählung eines Bandmitglieds, das sich zurückerinnert und immer wieder in den Zeiten umherspringt. Es macht enormen Spaß, das Leben der vier Musiker und die verschiedenen Stationen ihrer Karriere und ihrer Leben auf diese Art und Weise mitzuverfolgen.

Und noch ein großer Pluspunkt, den „Magnifico!“ für sich verzeichnen kann, ist die Tatsache, dass selbst der eingefleischte Fan noch von Ereignissen erfährt, die ihm bis dato unbekannt waren. Blake behandelt Themen, die nicht spektakulär genug für andere Biografien waren, und entführt seine Leser damit in unbekanntere Gefilde der Bandgeschichte. Das macht richtig Laune und somit stellt dieses Buch eine perfekte Ergänzung für diejenigen dar, die gar nicht genug von Queen bekommen können. Durch die alphabetische Aufteilung kann man das Buch immer wieder zur Hand nehmen und bestimmte Passagen nachlesen, was „Magnifico!“ zu einem wirklich außergewöhnlichen Buch macht. Ich hatte jedenfalls unterhaltsame Stunden – mal lustig, mal traurig. Und über allem lag, wie es bei solchen Büchern oft der Fall ist, ein melancholischer Schleier darüber, weil man sich so manche alte Zeit zurückwünscht. Für Queen-Fans ein Muß, für alle anderen eine tolle Leseerfahrung, die einem die Band auf eine ganz besondere Art und Weise nahebringt.

.

Fazit: Queen einmal anders, mit vielen unbekannten Details. Absolut zu empfehlen.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Lieber Gott, das Gleiche noch einmal, bitte von Ernie Noelle

Erschienen als Taschenbuch
im Verlag Nibe Media
insgesamt 276 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-96607-132-1
Kategorie: Reisebericht, Biografie, Autobiografie

.

Witzige und auch traurige Erinnerungen aus der Welt des Cluburlaubs, vermischt mit privaten Erlebnissen.

.

Ich bin durch Zufall auf dieses Buch gestoßen und wurde neugierig, da ich selbst jahrelang in der Reisebranche tätig war und durchaus weiß, dass dieser Beruf (oder eben ein ähnlicher, wie ihn Ernie Noelle hatte) witzige Anekdoten zu bieten hat. Allein schon unter diesem Aspekt wurde ich von den Episoden, die der Autor hier zum Besten gibt, nicht enttäuscht. Selbst wenn man, wie ich, noch nie an einem solchen Cluburlaub, die in dem Buch beschrieben, teilgenommen hat, so schafft es Ernie Noelle absolut, den Flair, Charme und das Lebensgefühl eines solchen zu beschreiben. Oftmals spürt man die Lebensfreude und das Engagement, das hinter diesem Bericht steckt, und meint, mittendrin dabei zu sein. Das Ganze ist derart locker und liebenswert geschrieben, das man die kurzen Kapitel wirklich genießt.

Gerade der Schreibstil wirkt, als säße Ernie Noelle vor einem und erzählt live diese Geschichten. So kommt es, dass, wenn Ernie aus dem Nähkästchen plaudert, es einem vorkommt, als erlebe man diese Ereignisse gerade zum zweiten Mal mit dem Autor persönlich mit. Man hört die Erzählerstimme in jedem Satz, sieht das grinsende (oder auch einmal traurige, betroffene) Gesicht des Autors vor sich und möchte bei einigen Begebenheiten am liebsten die Zeit zurückdrehen und es am eigenen Leib miterleben. „Lieber Gott, das Gleiche noch einmal, bitte“ ist eine Autobiografie, aber auch eine Reise in eine Zeit, die es auf diese Art und Weise leider nie mehr geben wird. Ernie Noelle erzählt sie aber so detailliert und bildhaft, dass man wenigstens mit Hilfe seines Buches noch einmal dorthin zurückkehren kann.

Ernie Noelles Buch ist ein Muss für alle Cluburlauber und ein toller, nostalgischer Rückblick für all jene, die es, wie ich, versäumt haben, an so einem Urlaubsabenteuer in einer anderen Zeit teilzunehmen. Diese Geschichten strahlen gute Laune und Menschlichkeit aus, wie man sie sich gerade in der heutigen Zeit wünschen würde. „Lieber Gott, das Gleiche noch einmal, bitte“ ist ein Gute-Laune-Buch, ein Blick auf das Leben eines Mannes, der seine Gäste zufriedenstellen und unterhalten will. Der Autor öffnet aber auch die Tür in sein Privatleben einen Spalt, so dass ein rundes Bild über einen tollen Menschen entsteht, selbst wenn man ihn nicht persönlich kennt.

.

Fazit: Ein gute-Laune-Buch über Cluburlaub, die Liebe und das Leben.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Talberg 1935 von Max Korn

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 396 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-42459-3
Kategorie: Krimi, Thriller

.

Ausgerechnet vor dem Turm, den er selbst erbauen ließ, wird der Lehrer Steiner tot aufgefunden. Während des Baus munkelte man in Talberg, dass der Mann ihn alleine aus dem Grund erschaffen hat, um seine Frau in den Tod zu stürzen. Bei den Untersuchungen wird jedoch ein Geheimnis aufgedeckt, von dem niemand im Dorf auch nur die leiseste Ahnung hatte …

.

Schon während der ersten Seiten bekam ich das Gefühl nicht mehr los, dass mich hier etwas Außergewöhnliches und vor allem sehr Atmosphärisches erwartet. Mein erster Eindruck hat sich bestätigt: „Talberg 1935“ ist ein unglaublich stimmungsvoller Krimi, der vor einer beeindruckenden Bergkulisse spielt und mit wunderbaren Charakteren auftrumpfen kann. Die ein oder andere Stelle hat mich bezüglich unterschwelliger Bedrohlichkeit an „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel erinnert, was mit Sicherheit an der Umgebung liegt, in der die Handlung angesiedelt ist. Max Korn (es handelt sich dabei um ein Pseudonym eines Bestsellerautors – Google hilft bei der Auflösung 😉 ), schafft eine unvergleichliche Atmosphäre, bei der ich mich sofort heimelig fühlte, wenngleich alles sehr bedrohlich und düster in dieser Welt ist. Ich hätte übrigens gut und gerne weitere 400 Seiten „verschlingen“ können, so sehr faszinierten mich die Beschreibungen und Dialoge.

„Talberg 1935“ funktioniert als Buch, würde aber auch einen hervorragenden Film abgeben. Alleine das Setting eignet sich in höchstem Maße, um die Geschichte (die übrigens sehr durchdacht ist und mit einer tolle Wendung aufwarten kann) auf cineastischem Wege umzusetzen. Max Korns Schreibstil ist wunderbar flüssig zu lesen und durch die hin und wieder eingestreuten bayrischen Dialekte und die Beschreibung und Verhaltensweisen der Menschen entsteht ein mehr als glaubwürdiges Szenario. Die überraschende Wendung, die Korn am Ende eingebaut hat, macht die Ereignisse dann noch authentischer, denn besser könnte man eine Dorfgemeinschaft zu jener Zeit und ihre Reaktion auf diesen Vorfall charakterlich gar nicht beschreiben. „Talberg 1935“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Für mich einer der besten Krimis der letzten Zeit, der vor allem und in erster Linie durch seine unglaublich intensive Atmosphäre auftrumpfen kann. Ich freue mich schon sehr auf die beiden Nachfolgebände, die im Laufe des Jahres 2022 erscheinen werden. Besser kann man einen Krimi fast nicht schreiben.

.

Fazit: Unglaublich atmosphärischer Krimi in ländlicher Umgebung. Muss man gelesen haben!

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Steine von Tobias Bachmann

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 124 Seiten
Preis: 15,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Horror, Mystery, Science Fiction

.

Charles Laughton und sein junger Gehilfe untersuchen mysteriöse Vorgänge in Stonehenge. In drei Episoden, die am Ende ein Gesamtbild ergeben, erzählt Tobias Bachmanns eine spannende Geschichte über eine fremde Macht, die die Menschheit bedroht.

.

Es gibt mittlerweile einige Autoren, die sich immer wieder auf literarischem Wege dem Vermächtnis des H.P. Lovecraft widmen. Tobias Bachmann ist einer davon, und ich möchte behaupten, er ist einer der Besten. In der vorliegenden Sonderausgabe aus dem KOVD-Verlag kann der Leser nach langer Zeit endlich wieder einmal die ersten veröffentlichten Geschichten des Autors genießen, bei denen man nicht einmal ansatzweise bemerkt, dass sie so ziemlich die ersten Stories sind, die sich Bachmann ausgedacht hat. „Steine“ beinhaltet mehrere Geschichten, die ineinander übergreifen und letztendlich ein Gesamtwerk ergeben, an das man sich noch lange erinnert. Der Autor versteht es meisterhaft, Lovecrafts Stil und die Atmosphäre seiner Geschichten auszudrücken, ohne sie jemals zu kopieren. Es macht unglaublich Spaß, wenn man sich in einer Stimmung verlieren kann, die der von Lovecraft in nichts nachsteht, aber dennoch einen eigenen Stil in Bachmanns Worten erkennt.

„Steine“ ist eine nostalgische Reise in eine literarische Zeit, in der man noch verstand, sich gewählt auszudrücken und in der Action weitaus weniger wichtig war, als eine unglaublich intensive Stimmung zu beschrieben. Wie gesagt, Tobias Bachmann, ist aus meiner Sicht einer derjenigen, der es meisterhaft schafft, seinem literarischen Vorbild Tribut zu zollen, ohne den eigenen Schreibstil zu vernachlässigen. Bachmann ist keine Kopie Lovecrafts, sondern eine eigene Stimme, die sich dem Werk des Idols verschrieben hat.
Zu der fantastischen Geschichte kommt in diesem Falle noch hinzu, dass diese edle Schmuckausgabe auf verspielte Weise der Thematik annimmt und das Geschriebene visuell umsetzt und unterstreicht, dass man immer wieder darin blättern mag. Sei es das verbrannte, fehlende Blatt in den Tagebucheinträgen, oder die verschiedenen Schriftarten, die eingesetzt werden. „Steine“ wird dadurch zu einem literarischen und optisch ansprechenden Leseabenteuer, das einen für ein paar Stunden alles um einen herum vergessen lässt. Die von mir besprochene Sonderedition ist mittlerweile vergriffen, aber der Verlag plant eine „Normalausgabe“, die mit Sicherheit dennoch wunderschön ausfallen wird.
So, genau so, muss eine Hommage an Lovecraft sein: Atmosphärisch, innovativ in der Umsetzung und, trotz seines Minimalismus, episch.

.

Fazit: Atmosphärischer Ausflug in die Welt von H.P. Lovecraft in einer tollen Edelausgabe.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Ministerium für die Zukunft von Kim Stanley Robinson

Das Ministerium fuer die Zukunft von Kim Stanley Robinson

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 716 Seiten
Preis: 17,00 €
ISBN: 978-3-453-32170-0
Kategorie: Science Fiction, Belletristik

.

In einer nicht allzu fernen Zukunft entwickelt sich der Klimawandel zu einer unabwendbaren Bedrohung für die Menschheit. Ein sogenanntes „Ministerium für die Zukunft“ wird ins Leben gerufen, um das Überleben der nachkommenden Generationen zu sichern. Mary Murphy ist Ministerin dieses Ministeriums und kämpft mit allen Mitteln dafür, dass die Erde sich wieder regeneriert. Oftmals stellt sich ihr die Frage, ob sie mit konventionellen Aktionen überhaupt etwas erreichen kann, denn Profit zählt für einen Großteil der Menschen mehr als eine sichere Zukunft.

.

Barack Obama bezeichnet Robinsons neuen Roman als einen der wichtigsten Bücher des Jahres. Ich würde sogar noch weiter gehen und „Das Ministerium für die Zukunft“ als wichtigstes Buch des letzten Jahrzehnts bezeichnen, zumindest wenn es um das Thema Klimawandel und -schutz geht. Robinson sticht mit seinem Szenario und seinen Überlegungen nicht nur in ein politisches und weltumfassendes Wespennest, sondern beschäftigt sich auf eine eindringliche Art und Weise damit, dass man selbst über all diese Entwicklungen nachdenkt und einem bewusst wird, wie schwierig die Bewältigung dieser Bedrohung aus Sicht der Politik ist. Robinson beleuchtet ein Szenario aus vielerlei Blickwinkeln und zeigt, wie kompliziert es sein könnte (es derzeit ist und auch sein wird), den Klimawandel abzuwenden. „Das Ministerium für die Zukunft“ wirkte auf mich wie eine geniale Mischung aus Roman und Sachbuch, in dem auch viele Fakten auf „nüchterne“ Weise beschrieben und erklärt werden. Aber genau diese Mischung ist es letztendlich, die dieses Buch zu einem echten Abenteuer macht, das sich in die Gedanken der Leser schleicht und sich dort auch fest verankert.

Wie schon in „New York 2140“ behandelt Robinson eine Thematik, die uns alle angeht (die meisten leider aber nicht wirklich interessiert), nämlich den Klimawandel und die daraus resultierenden Folgen für die Menschheit. Während er in „New York 2140“ aber nur von den Ereignissen einer einzigen Stadt erzählt, widmet er sich im vorliegenden Roman um die globalen Entwicklungen und den verzweifelten Kampf einzelner Politiker, das Ruder noch herumzureißen. „Das Ministerium für die Zukunft“ ist eine Warnung, die jedoch niemals wirklich mit erhobenem Zeigefinger, geschweige denn einer Holzhammer-Methode, daherkommt, sondern sich schlichtweg um Fakten kümmert. Die Protagonisten werden zwar gut charakterisiert, wachsen einem aber dennoch nicht wirklich ans Herz, weil man vielmehr mit den erschreckenden Entwicklungen auf der Erde „leidet“. Man mag es am Ende gar nicht richtig glauben, dass man soeben 700 Seiten „verschlungen“ hat, ohne dass etwas wirklich Gravierendes oder Spektakuläres stattgefunden hat. Bis auf den beeindruckenden Einstieg mit der Hitzewelle in Indien, konfrontiert uns der Autor vielmehr mit dem verzweifelten Kampf gegen die vom Menschen selbst verursachte Bedrohung und spielt mit verschiedenen Lösungsmöglichkeiten, die allesamt durchaus realistisch erscheinen. Ich empfinde „Das Ministerium für die Zukunft“ ebenfalls als sehr wichtigen Roman, der aufzeigt, an welcher Stelle wir uns bereits seit Jahren befinden. Und dennoch unternehmen wir nichts dagegen …

.

Fazit: Eindringliche Beschreibung des Klimawandels in außergewöhnlicher Romanform.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Talent von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 398 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27375-7
Kategorie: Sport, Drama, Belletristik

.

Samuel Sooleymon, geboren im Südsudan, begeistert sich schon als Kind für Basketball. Als er dann die Chance bekommt, nach USA zu reisen, um in einem Jugendteam zu spielen, wird ein Traum für ihn wahr. Doch während er sein Talent unter Beweis stellen kann, wird das Dorf, in dem seine Eltern leben, überfallen. Ein Albtraum beginnt, denn Samuel kann nicht zurück in den Südsudan …
Und während er in Amerika seinem Traum, Basketballstar zu werden, nachjagt, kämpft seine Familie in einem anderen Teil der Erde ums Überleben.

.

Wo Grisham draufsteht, ist auch immer Grisham drin? Stimmt nicht ganz, denn der Autor schreibt neben seinen Justiz-Thrillern auch immer wieder Sportdramen, in denen es um Basketball geht. So auch im vorliegenden „Das Talent“, in dem die Leser die Entwicklung eines jungen Menschen miterlebt, der aus ärmlichen Verhältnissen zu einem gefragten, gutbezahlten Sportler aufsteigt. A Star is born!
Wer ungeduldig ist, könnte durchaus in Versuchung geraten, Grishams neuesten Roman nach den ersten 50 bis 60 Seiten abzubrechen, denn dort sind langatmige Spielbeschreibungen zu lesen und Grisham wirft mich vielen Fachbegriffen um sich, sodass man kurzzeitig meint, ein Sachbuch über die Techniken des Basketballs zu lesen. Aber durchhalten lohnt sich, denn noch vor Seite 100 kommt Samuels Familie ins Spiel, die noch immer im Südsudan lebt, während er den Luxus der modernen Welt genießt.

Diese Gegenüberstellung zwischen Starrummel und schrecklichem Überlebenskampf in einem Kriegsgebiet hat Grisham wirklich eindrucksvoll in Szene gesetzt, sodass man selbst zum Nachdenken kommt, wie gut man es eigentlich hat. Der Wechsel zwischen dem Erfolg von Samuel und dem Bangen um das eigene Leben seiner Familie zieht sich durch das ganze Buch. Es wird niemals langweilig, weil man immer wissen will, wie es auf der anderen Seite weitergeht.
Grishams Schreibstil ist, wie gewohnt, sehr flüssig zu lesen, sodass man das Buch nicht gerne aus der Hand legt. Immer wieder wird Grisham nachgesagt, seine „neuen“ Bücher hätten nicht die Qualität seiner ersten Werke. Diese Aussage kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich finde, dass es sich bei Grisham ähnlich wie bei Stephen King verhält: Die neueren Bücher besitzen mehr Tiefe in philosophischer Hinsicht und in Bezug auf ihr Aussagekraft. Da steckt manchmal mehr zwischen den Zeilen als in den alten Werken. Soll letztendlich heißen, dass mir auch die neueren Romane von Grisham sehr gefallen.

Einziger Kritikpunkt an „Das Talent“ wären für mich die oft eingesetzten Fachbegriffe in Bezug auf Basketball. Da gibt es tatsächlich Passagen, vornehmlich die, bei denen Spiele beschrieben werden, da verstand ich jedes zweite Wort nicht. Das war zwar nicht schlimm, denn ich konnte der Handlung deswegen dennoch folgen, aber es war teilweise sehr schwer zu lesen, weil man ja irgendwie doch wissen wollte, was diese Worte bedeuten. Nun gut, das ist für mich aber Jammern auf hohem Niveau und hat mir den Spaß am Buch definitiv nicht verleidet. Gesamt gesehen ist John Grisham auch hier wieder ein großartiger Roman gelungen, der allerdings die Spannung seiner Justizthriller nicht erreicht. Dafür beschäftigt er sich aber mit der menschlichen Seite unserer Gesellschaft und stellt zudem einen überaus interessanten Sportroman dar.

.

Fazit: Berührendes, gut geschriebenes Sportlerdrama.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Emerson, Lake & Palmer

Erschienen als gebundene Edelausgabe
im Hannibal-Verlag
insgesamt 266 Seiten
Preis: 45,00 €
ISBN: 978-3-85445-721-3
Kategorie: Biografie, Autobiografie, Musik

.

In dieser hochwertigen Edelausgabe erzählen die drei Musiker von ihrem Leben, ihren Erfolgen und Misserfolgen, und erwecken eine vergangene Ära zu neuem Leben.

.

Wer sich ein wenig mit Progressive Rock auseinandersetzt, kommt um die Band „Emerson, Lake & Palmer“ nicht herum. Immer wieder werden sie als Beispiel für dieses Musikgenre herangezogen, was bei ihrer Experimentierfreudigkeit auch definitiv nicht von der Hand zu weisen ist. In der vorliegenden „Autobiografie“ erzählen die drei Musiker von ihren Ursprüngen, den Erfolgen und dem Bruch ihrer Zusammenarbeit. Anhand von Interviewausschnitten wird hier eine faszinierende Story erzählt, die am Ende eine interessante Bandgeschichte ergibt, nach der man ELP (kurz für Emerson, Lake & Palmer) mit anderen Augen sieht und ihre Alben mit „anderen Ohren“ genießt. Es ist sehr interessant, wie die drei Künstler über ihre Anfänge und die Entstehung ihrer außergewöhnlichen und unvergleichlichen Karriere berichten. In chronologischer Reihenfolge reden Keith Emerson, Greg Lake und Carl Palmer über ihre Inspirationen, sodass man bei erneutem Hören der Alben plötzlich einen ganz anderen Bezug dazu hat und die Musik tatsächlich besser versteht.

Dieses wunderschön gestaltete Buch bringt uns die Künstler und deren Musik sehr nahe. Durch die Interviews „hört“ man ihre Stimme, als sähe man eine Dokumentation im Fernsehen, hervorragend ergänzt durch die fantastischen Bilder auf Hochglanzpapier. „Emerson, Lake & Palmer“ ist eine Reise in eine Ära, in der Musik noch echte Musik war und in der Künstler zum einen zeigten, was in ihnen steckte und zum anderen mit neuen Instrumenten und innovativen Ideen herumexperimentierten. Gerade die Verschmelzung von klassischer Musik, Rock, Balladen, Jazz und anderen Musikstilen wurde von „ELP“ geradezu perfektioniert und man muss sich eigentlich über ihren Erfolg wundern, denn keines ihrer Alben entspricht genaugenommen dem Mainstream. Während des Lesens in diesem Buch fühlte ich mich so manches Mal in alte Zeiten zurückversetzt, in denen ich ELP-Alben auf meinem Bett liegend und mit Kopfhörer angehört und gestaunt habe. Dieses Buch bringt diese Erinnerungen wieder zurück.

Es ist unglaublich interessant, wie die drei miteinander „funktionierten“. Es war nicht die private Freundschaft, die sie verband, sondern einzig und allein die Musik. Auch wenn sie auf gewisse Art und Weise Freunde waren (das aber nicht immer), so standen die Kompositionen und innovativen Ideen im Vordergrund. Der Leser begleitet im Buch die Anfänge der Band, ihre Entwicklung zu einer der auf der Bühne gigantischsten Rockband der 1970er-Jahre bis hin zum Zerfall. Man spürt ihre Genialität zwischen den Zeilen, wünscht sich das ein oder andere Mal, sie würden noch einmal Meisterwerke wie ihr Debütalbum, „Pictures At An Exhibition“ oder „Brain Salad Surgery“ aufnehmen. Das im Hannibal-Verlag erschienene Buch hinterlässt, nachdem man es beendet hat, ein Gefühl, dass man gerade das „Leben“ einer Legende gelesen hat. Für Fans von ELP ein Muss, für alle anderen, die sich bislang noch nicht an das Werk dieser Band gewagt haben, ein idealer Einstieg, um die Komplexität ihrer Musik zu begreifen.

*

Fazit: Interessante Bandgeschichte in einer tollen Edelausgabe. Ein Muss für Fans.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Fräulein Wolf und die Ehrenmänner von Gabriella Wollenhaupt & Friedemann Grenz

Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 13,00
ISBN 978-3-89425-781-1
Kategorie: Historischer Kriminalroman
.

Sicherheitshalber sei vor eventuellen „Spoilern“ gewarnt

Im Jahre 1930 kommt Leonore „Leo“ Wolf aus Wien nach Berlin, um dort als Reporterin für den Sozialdemokratischen Pressedienst zu schreiben. Relativ kurz nach Arbeitsantritt wird im Wedding ein Uhrmacher ermordet. Doch der war kein unschuldiger alter Mann, sondern einer, der mit Mädchen Geld verdient hat. Er hat junge Mädchen aus seinem Viertel, dem Wedding, nackt und teils in eindeutigen Posen fotografiert und diese Fotografien verkauft. Er hat auch gerne mal das ein oder andere Mädel vermittelt, wo sie den Herren gefällig sein mussten. Angeklagt des Mordes werden die 16-jährige Luise „Lieschen“ Neumann, ihr Verlobter und ein weiterer Freund.

Leo übernimmt die Berichterstattung zum Prozess und recherchiert fleißig im Umfeld der Angeklagten und des Opfers. Dabei erfährt sie, dass auch Nazis zum Kundenstamm des Uhrmachers gehörten und durch ihre Artikel macht sie sich diese zu Feinden. Zumal Leo auch noch Jüdin ist, was den braunen Herren übel aufstößt. Doch Leo lässt sich nicht ängstigen und macht ihre Arbeit mit viel Mut und Einsatz weiter …

***

Ich bin ein großer Fan von Gabriella Wollenhaupt und war nach dem Ende der absolut umwerfenden Grappa-Reihe natürlich sehr froh, dass es doch wieder etwas Neues von ihr gibt. Diesen historischen Krimi hat sie wieder gemeinsam mit Ihrem Ehemann. Dr. Friedemann Kleist, ach nein, Dr. Friedemann Grenz ☺, geschrieben. Das haben sie ja schon einmal erfolgreich getan.

Ich wurde entführt ins Berlin im Jahre 1931, was wirklich toll und auch interessant war. Ich erlebte die Stadt der damaligen Zei.t Das Lebensgefühl und der Flair kamen sehr gut rüber. Für mich persönlich war es insoweit besonders, da ich vor kurzem erst die gesamte Serie „Ein Mann will nach oben“ gesehen habe, die auch in Berlin und zur damaligen Zeit spielt. Und wenn die Mädels aus dem Wedding ihr Berlinerisch gesprochen haben, hatte ick immer die „Rieke“ im Ohr.

Aber auch die schwierigen Umstände der damaligen Zeit, die Probleme, die die jüdischen Mitbürger seinerzeit schon mit und wegen der Nazis hatten, war sehr gut beschrieben. Da wurde z.B. der Polizeivizepräsident als „Isidor“ beschimpft und von Untergebenen beleidigt. Ich mag Bücher, die mich anregen, in der Geschichte nachzuschnüffeln und das hat auch dieser Roman geschafft.

Die Haupthandlung an sich beruht ja schon auf einer wahren Geschichte. Den Prozess um Lieschen Neumann gab es wirklich und unheimlich viele Charaktere im Roman sind reale Personen. Hierzu gibt es ein ausführliches Register im Anhang. Natürlich habe ich mir dann die Bilder dieser Menschen und auch alten Gebäude angesehen und noch einiges dazugelernt. Gut, die Seite von Berlin sagt, dass Dr. Bernhard Weiß, Leos Onkel, in London verstarb, währen die Autoren schreiben, er sei kurz vor seinem Tod nach Deutschland zurückgekehrt. Aber ich finde, dass der Roman sehr gut und gründlich recherchiert ist, wobei ich kein Historiker oder Geschichtsfachmann bin.

Der Schreibstil ist für mich schon sehr typisch „Wollenhaupt“, was mir unheimlich Freude gemacht hat. Allein die Überschriften der Kapitel, die in flotten Stichworten immer den Inhalt des Kapitels umschreiben, sind Grappa-Stil und einfach toll. Dann geht es weiter mit den Artikeln, die die Protagonistin Leo verfasst und publiziert. Auch diese „Schreibe“ ist schon sehr Grappa-ähnlich, auch wenn die Zeit und natürlich die Sprache eine andere sind. Der Kern ist unbedingt erkennbar. Dann die Hauptfigur: Leo ist jung, hat einen dunklen Bob-Haarschnitt, ist eher zart. Aber auch sie ist, wie Grappa, sehr gebildet, schlagfertig, mutig, wortgewandt, humorvoll, und wissbegierig. Sie ist liebevoll, romantisch, dennoch tough und auch stur. Sie isst, wenn sie Hunger hat, worauf sie Lust hat und achtet nicht bei jedem Bissen auf ihre Figur.

Also, Parallelen sind definitiv da und ich wüsste schon gerne, welchen Teil Friedemann Grenz geschrieben hat. Vielleicht den politischen oder geschichtlichen?

Wie dem auch sei. Ich hatte ein großartiges Lesevergnügen und eine wunderbare Zeit zusammen mit Leo Wolf in Berlin und ich würde mich riesig freuen, wenn es weiteres über und mit ihr zu lesen gibt. Zumal auch Leo ihren „Friedemann“ gefunden hat, eine weitere kleine Parallele ….

© Marion Brunner_Buchwelten 2021

Weitere Bücher —> KLICK MICH

Bobby March Forever von Alan Parks

Bobby March forever von Alan Parks

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 428 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-453-27340-5
Kategorie: Krimi, Thriller

.

1973: Der Rockstar Bobby March wird tot aufgefunden. Harry McCoy soll den Fall aufklären, ist aber auch gleichzeitig damit beschäftigt, die verschwundene Nichte des Polizeichefs zu finden. Währenddessen verschwindet auch noch ein weiteres Mädchen spurlos und McCoy muss sich mit dem Konkurrenzkampf eines Kollegen auseinandersetzen. Es ist alles andere als einfach für McCoy …

.

Der dritte Teil von Alan Parks’ Serie, die in den 1970er-Jahren in Glasgow spielt, wird von den Fns unterschiedlich aufgenommen. Die einen sagen, der Story fehle etwas, die anderen (und dazu zähle ich mich) sind der Meinung, dass „Bobby March Forever“ vielleicht sogar der beste Teil, aber zumindest den anderen beiden ebenbürtig ist. Auch hier gelingt es Alan Parks wieder, eine unglaublich brillante Atmosphäre zu erschaffen, die einen mitten ins Geschehen mitnimmt und die Stimmung jener Zeit hervorragend rüberbringt. Mit seinem Protagonisten McCoy hat Parks einen unvergleichlichen Charakter erschaffen, der einerseits bodenständig und ein ausgezeichneter Polizist ist, sich aber andererseits auch problemlos in die Unterwelt mitsamt ihren zwielichtigen Gestalten einlassen kann.  Seine zwar pragmatische, aber immer geradlinige Herangehensweise an die Polizeiarbeit macht ihn ungemein sympathisch und vor allem authentisch.

Alan Parks’ Schreibstil ist grandios, schnörkellos und süchtig machend. Das Niveau von „Bobby March Forever“ fügt sich nahtlos in das der ersten beiden Bücher ein und nimmt die Leser sofort wieder mit auf eine düstere Reise. Für mich steigert sich Parks mit jedem seiner Bücher. Er perfektioniert seinen altmodischen Schreibstil (und das meine ich in jeder Hinsicht absolut positiv) und schafft es immer mehr, seinen Geschichten eine Atmosphäre zu verleihen, die man nicht mehr so schnell vergisst. Harry McCoy ist einerseits ein Antiheld, wie er menschlicher nicht sein könnte, weil er jede Menge Fehler hat. Er trinkt, pflegt Kontakte zur Unterwelt und ist Single (mal glücklich, mal unglücklich). Parks setzt einen Erzählstil so geschickt ein, dass man manchmal meint, man lausche einer Erzählerstimme eines alten Humphrey-Bogart-Films. Und wenn dann auch noch die bildhaften Beschreibungen der Ereignisse dazukommt, erhält man ein perfektes Kopfkino.

Alan Parks hat mit seiner Reihe um Detektive Harry McCoy eine Noir-Krimireihe erschaffen, von der man sich schlecht verabschieden kann, wenn man am Ende des Romans ankommt. Was mir bislang bei jedem Buch aus dieser Reihe positiv aufgefallen ist, und beim vorliegenden „Bobby March Forever“ eigentlich mehr als in den ersten beiden Teilen zum Tragen kommt, ist die psychologische Beschreibung des Protagonisten. Parks schafft es, den Lesern die Figur des Harry McCoy sehr nahezubringen. Man fängt irgendwann an, so wie er zu denken und die Situationen genau so wie er zu sehen. Das macht diese Bücher zu einem hautnahen Erlebnis, bei denen man wirklich mittendrin ist. „Bobby March Forever“ ist düster, brutal, klug, spannend und melancholisch. Und genau dieser Mix macht es wohl aus, dass man die Bücher dieses Schriftstellers nicht mehr aus der Hand legen kann (und möchte). Ich freue mich schon auf den vierten Band.

.

Fazit: Ein düsterer, brutaler, spannender und melancholischer Noir-Krimi, der süchtig macht.

© 2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten