Erebus von Michael Palin

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im mare Verlag
insgesamt 400 Seiten
Preis: 28,00 €
ISBN: 978-3-86648-604-1
Kategorie: Sachbuch, Schifffahrt

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Im Jahr 1845 macht sich Sir John Franklin mit der Terror und der Erebus auf den Weg in die Arktik, um die noch unentdeckten Teile der Nordwestpassage zu kartieren. Nach drei Jahre hört man plötzlich nichts mehr von den beiden Schiffen. Man rechnet mit dem Schlimmsten …

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Als ich damals Dan Simmons’ grandiosen Roman „Terror“ gelesen hatte, erfasste mich das Thema „Erebus und Terror“ in fast gleich hohem Maße wie das der „Titanic“. Dass ausgerechnet Michael Palin, der mich schon mit seinem Roman „Hemingways Stuhl“ überzeugen konnte, nun ein Sachbuch über das Schicksal dieser legendären Arktisexpedition verfasste hat, machte mich natürlich unglaublich neugierig. Palin hat mich absolut nicht enttäuscht und einen Bericht geschrieben, der mich hautnah mit dabei sein ließ. Ich konnte mich dem Sog dieser Geschichte nicht entziehen und wurde auf eine unvergessliche Reise mitgenommen. Die Ereignisse und auch die Biografien der einzelnen Expeditionsteilnehmer wurden hervorragend recherchiert und wirkten an keiner Stelle trocken oder langweilig. Ganz im Gegenteil: Michael Palin erschafft durch seine Erzählungen, wenn er sich selbst an den Orten der Geschehnisse begeben hat, eine sympathische, persönliche Note, die dem Sachbuch äußerst gut tut.

An manchen Stellen liest sich dieses Buch wie ein Roman. Palin besitzt einen großartigen, niveauvollen Schreibstil, der ungemein Spaß macht. Es ist ein wirklich beeindruckendes Abenteuer, auf dass uns der Autor da mitnimmt und man kann an vielen Stellen die Kälte des Eises förmlich spüren. Erfreulich ist auch, dass Palin zwar des Öfteren auch spezielle Begriffe verwendet, man sich aber niemals zu „dumm“ vorkommt, um alles zu verstehen. Der Bericht ist also sehr ausgewogen, was detaillierte Informationen und Unterhaltungswert angeht. Während des Lesens mag man manchmal denken, dass es zu lange dauert, bis es endlich zur legendären Fahrt und dem damit einhergehenden Unglück kommt. Aber hat man das Buch erst einmal zu Ende gelesen, erkennt man, dass genau diese Einführung notwendig ist, um ein Gesamtbild der damaligen Situation zu bekommen.

Abgerundet wird das Werk noch durch fantastische Bilder im Mittelteil, die Palins Worte noch eine zusätzliche Lebendigkeit verleihen und das Buch wie einen Film wirken lassen. Ich habe mich des Öfteren dabei ertappt, dass ich mich tatsächlich in der Geschichte befand und es mir vorkam, als würde mir Michael Palin die Worte direkt in meinem Kopf vorlesen. Wer sich für diese faszinierende und vor allem tragische Geschichte interessiert, sollte sich unbedingt dieses Buch zulegen. Passend dazu empfiehlt sich der oben bereits erwähnte, fiktive Roman „Terror“ von Dan Simmons. Diese beiden Bücher zusammen ergeben ein Bild der Vorfälle, das man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt. Abenteuer pur und eine klassische Geschichte einer Zeit, in der Entdecker noch echte Helden waren.

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Fazit: Faszinierender, detaillierter und hochgradig unterhaltsamer Einblick in eine große Arktis-Expedition.

© 2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der unsichtbare Freund von Stephen Chbosky

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 912 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27243-9
Kategorie: Horror, Thriller, Belletristik

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Der siebenjährige Christopher ist mit seiner Mutter vor deren neuem Lebensgefährten geflüchtet. Sie verstecken sich im beschaulichen Mill Grove in Pennsylvania, das von einem dichten Wald umgeben ist. Schon nach ein paar Tagen hört Christopher eine geheimnisvolle Stimme, die ihn in den Wald lockt.
Irgendwann bleibt er sechs Tage lang spurlos verschwunden und als er dann endlich wieder auftaucht, kann er sich an absolut nichts mehr erinnern. Bal  merkt er, dass  er plötzlich besondere Fähigkeiten hat  und von der geheimnisvollen Stimme den Auftrag erhält, ein Baumhaus im Wald zu bauen. Sollte er es bis Weihnachten nicht schaffen, dieses Baumhaus zu erschaffen, so wird Mill Grove oder gar die ganze Welt untergehen, prophezeit ihm die Stimme. Ohne es richtig zu bemerken, befindet sich Christopher, seine Mutter und noch einige Einwohner von Mill Grove in einem Kampf zwischen Gut und Böse.

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Chboskys neuer Roman wurde (und wird noch immer) mit einem Werk aus der Feder von Stephen King verglichen. So sehr mich solche Vergleiche auch immer stören, so uneingeschränkt muss ich in diesem Fall zugeben, dass es absolut zutrifft. „Der unsichtbare Freund“ erinnert nicht nur von der Schreibweise, sondern auch von der Handlung und den teils abgefahrenen Ideen tatsächlich wie ein neuer Roman von King. Aber vom „neuen King“, nicht demjenigen, der Klasssiker wie „Shining“ oder „Carrie“ verfasst hat. Hier hätten wir es dann eher mit einem Beitrag aus seinem Spätwerk zu tun. Vor allem fühlte ich mich des Öfteren an die „Dunkle Turm“-Reihe oder auch „Atlantis“ und „Duddits – Dreamcatcher“ erinnert. Mit einer unglaublichen Intensität entführt uns Chbosky in die Welt eines Jungen, der schon bald die Realität von einer Fantasiewelt nicht mehr unterscheiden kann.

Ich muss sagen, dass mich dieses Buch tatsächlich von Anfang an nicht mehr losgelassen hat. Und je verrückter der Plot wurde, desto mehr zog es mich in seinen Bann, weil es unheimlich gut geschrieben ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass es auf den ein oder anderen Leser zu langatmig und abgedreht wirkt, ich für meinen Teil konnte mich in diese Handlung so fallen lassen, dass ich an manchen Stellen tatsächlich die Welt um mich herum vergessen konnte (und auch habe 😉 ). „Der unsichtbare Freund“ machte mich Seite für Seite süchtig und ich dachte immer wieder, dass solche Bücher genau der Grund waren und sind, warum ich bereits als Kind schon so gerne gelesen habe. Chbosky hat für mich ein Meisterwerk der Horrorliteratur erschaffen. Sogar im Nachhinein, viele Tage nachdem ich diesen Roman zu Ende gelesen habe, lässt er mich noch immer nicht los.

„Der unsichtbare Freund“ wird auch ein wenig mit der Netflix-Serie „Stranger Things“ verglichen. Auch diesen Vergleich kann man nicht abstreiten, denn die Handlung bewegt sich in ähnlichen Gefilden und auch die Protagonisten erinnern in der Tat an manchen Stellen ein wenig an die der genannten Serie.
Sicherlich greift Chbosky das nicht neue Thema des Kampfes Gut gegen Böse auf und erfindet sicherlich das Rad nicht neu. Aber seine Herangehensweise an diese Auseinandersetzung empfand ich persönlich als äußerst gelungen und so manches Mal auch innovativ. Viele Leser werden den Roman als anstrengend und vor allem langatmig empfinden, aber genau diese Länge des Buches trägt dazu bei, dass eine unglaublich tiefe Atmosphäre aufkommt, die sich von Seite zu Seite immer noch mehr aufbaut. Für mich war dieses Buch eine der großen Überraschungen des Jahres 2019 und ich bin schon wirklich sehr gespannt, was uns dieser außergewöhnliche Autor als nächstes serviert. In mir hat Stephen Chbosky auf jeden Fall einen neuen Fan gewonnen, der sich hinter den großen Werken eines Stephen King nicht zu verstecken braucht.

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Fazit: In der Tat mit den neueren Werken Stephen Kings vergleichbar. Atemberaubend gut!

© 2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Lieferung von Andreas Winkelmann

Die Lieferung

Erschienen als Taschenbuch
im Rowohlt Verlag
insgesamt  400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-27517-3
Kategorie: Thriller

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Die junge Altenpflegerin Viola lebt in ständiger Angst. Unentwegt hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden. Sie fühlt sich nur noch sicher, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz  ist oder sich ihre Freundin Sabine in ihrer Nähe befindet. Sabine ist lustig, tough, mutig und sie glaubt Viola. Doch eines Abends meldet sich sich nicht mehr. Viola ist verunsichert, bleibt daheim.

Jens Kerners aktueller Fall ist seltsam. Im Hamburger Wald lief einer Jägerin plötzlich eine Frau vor die Flinte. Bleich, fast haarlos und wirr. Wie ein Albino wirkte diese seltsame Gestalt. Wo kam sie her? Was trieb sie in den Wäldern? Leider kommt Jens Kerner nicht mehr dazu sie zu befragen, denn sie stirbt.

Jens Kerners Arbeitskollegin Rebecca sitzt im Rollstuhl. Während einer Reha erzählt ihr eine Pflegerin, dass ihre Tochter seit 2 Jahren vermisst ist. Sie hofft auf Rebeccas Hilfe.

Jens Kerner und Rebecca Owald haben eine Menge Ermittlungsarbeit zu leisten. Zuviele lose Fäden, die zusammengeführt werden müssen.

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Andreas Winkelmann liefert einen guten und spannenden Thriller ab, in dem er viele verschiedene Fäden auswirft und jede Menge Fährten legt, um dem Leser einen langen Nervenkitzel zu bescheren.

Er erzählt die Geschichte in verschiedenen Handlungssträngen: Da gibt es den um Viola, die Altenpflegerin in ständiger Angst. Dann geht es um Rebecca Oswald und Jens Kerner, das ungleiche Ermittlerduo. Und es gibt zwei Rückblenden-Stränge. Einmal den um die gefangene Frau, die im Wald auftaucht. Und den letzten schließlich um den Täter, den wir in seine Kindheit begleiten.

Wie erwähnt ist die Spannung da und die Lektüre ist auch fesselnd. Ich selber finde jedoch, dass es bessere Romane von Andreas Winkelmann gibt (z.B. „Die Zucht“).

Das ungleiche Ermittlerpaar erinnert mich ein wenig an das Team von Robert Galbraith (das Pseudonym von J.K. Rowling). Ihrem Detektiv Cormoran Strike (Veteran mit Beinprothese) steht die bezaubernde Robin Ellacott zur Seite. Also ein ähnlich ungleiches Paar, nur umgekehrt. Ein anderer, immer wiederkehrender Bestandteil der Handlung erinnerte mich an den Film „Hereditary“. Leser werden wissen, was genau ich meine.

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Fazit: Ein spannender Thriller, der fesselt. Für mich ein bisschen überzogen in den (falschen) Fährten und ständigen Wendungen, aber das ist Geschmackssache.
Bei einer 5 Sterne Skala erhält „Die Lieferung“ eine 4.

©2020 Marion Brunner – Buchwelten

 

 

Et Os Fabulas Sanguinis (Anthologie)

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Erschienen als Taschenbuch
im Eigenverlag
164 Seiten
10,00 €
ISBN: 978-1-694744-58-8
Kategorie: Anthologie, Horror, Hardcore

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Drei junge Autoren entführen den Leser mit acht Geschichten in eine abscheuliche Welt aus Blut und Gewalt.

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Acht Geschichten, die (nicht nur wegen des genialen Covers) an die Fernsehserie „Geschichten aus der Gruft“ erinnern. Nun gut, sagen wir mal so, der Aufbau und die Atmosphäre der Geschichten erinnert daran, der Inhalt in einigen Aspekten dann eher nicht. 🙂 Im Klartext soll das heißen, dass nicht jeder Leser mit dem, was er da serviert bekommt, auch klar kommt. Denn man muss diese Art Hardcore-Horror schon mögen, um zumindest einigermaßen Gefallen daran zu finden. Splatter und auch pornografische Einlagen finden sich nämlich in fast jeder der Geschichten aus „Et Os Fabilas Sanguinis“, so dass es mit Sicherheit den ein oder anderen Leser gibt, der angewidert das Gesicht verzieht, wenn er irgendwelche unanständigen Wortkreationen oder Beschreibungen oder extrem gewaltsame Handlungen zu lesen bekommt. Aber genau das macht diese Anthologie wiederum aus, denn sie wendet sich schlichtweg an das etwas andere Publikum. Das wiederum soll aber nicht heißen, dass die beiden Autoren Marcel Hill und Dominik Heit zusammen mit ihrer Autorin Alida Gersonde nicht auch den klassischen Horror bedienen. Es ist eine perfekte Mischung aus beidem, sofern man an ersterem, wie gesagt, Gefallen findet.

Der Schreibstil der drei Mitwirkenden ist überwiegend einfach gehalten, aber man kann den Autoren durchaus fantasievolle und auch filmreife Ideen zusprechen, die nach Beendigung der Lektüre sogar noch weitaus interessanter wirken als während des Lesens. Das spricht für die Aussagekraft der drei Verfasser, die es nämlich schaffen, dass die Geschichten allesamt in Erinnerung bleiben.
Ich hatte auf alle Fälle großen Spaß mit den Geschichten und fühlte mich hervorragend unterhalten, zumal sich die Plots in ihrem Gesamtbild größtenteils abseits des Mainstreams bewegen und  allein schon deswegen Aufmerksamkeit verdienen.

Werfen wir noch kurz einen Blick auf die Autoren im Einzelnen: Dominik Heist ist derjenige, der sich überwiegend im Mittelfeld bezüglich Gore- und Sexgehalt des Dreiergespanns bewegt. Seine Geschichten sind stimmungsvoll und trotz mancher Härte noch weitestgehend publikumstauglich. Anders sieht es da bei Marcel Hill aus: Er geht mit seinen Stories in die Vollen und nimmt kein Blatt vor den Mund, egal ob es um Sexpraktiken oder Brutalitäten geht. Wie oben bereits erwähnt, solche Geschichten sind nicht jedermanns Geschmack und wirken oftmals sogar verstörend oder abstoßend, wenn man sich nicht darauf einlassen kann. Dieses Genre beherrscht Hill allerdings absolut, wobei ich mir manchmal tatsächlich an der ein oder anderen Stelle doch eine weniger vulgäre Ausdrucksweise gewünscht hätte. Aber hier sind die Geschmäcker (glücklicherweise) verschieden.
Alida Gersonde hält sich am meisten diesbezüglich zurück und schafft mit ihrer atmosphärischen Geschichte einen wirklich wunderbaren Abschluss dieser Anthologie. Es steckt viel Potential in allen drei Autoren, das auf alle Fälle sogar noch ausbaufähig ist.
Erwähnenswert ist unbedingt noch das sehr ansprechende und gut formulierte Vorwort von Christopher Derayes, das ungemein hilft, die Geschichten zu „verstehen“.
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Fazit: Stimmungsvoll, brutal, derb und unterhaltsam.

© 2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Quichotte von Salman Rushdie

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 462 Seiten
Preis: 25,00 €
ISBN: 978-3-570-10399-0
Kategorie: Belletristik

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Da ist ein Reisender, der von einer Fernseh-Moderatorin besessen ist und ihr Herz erobern will. Quichotte begibt sich auf eine Reise durch Amerika, um ihr seine Liebe zu beweisen. Während der Fahrt erscheint Sancho auf dem Beifahrersitz. Es ist der Sohn, den sich Quichotte immer gewünscht, aber niemals bekommen hat. Realität und Fantasiewelt verweben sich immer mehr miteinander. bis Quichotte nicht mehr weiß, in welcher Welt er sich eigentlich befindet …

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Man weiß, auf was man sich einlässt, wenn man ein Buch von Salman Rushdie in die Hand nimmt. Umso erstaunlicher ist es, dass es dieser Autor immer wieder aufs Neue schafft, den Leser in seine (literarische) Welt hineinzuziehen und gnadenlos darin festzuhalten. „Quichotte“ ist, wie seine anderen Romane, eine faszinierende Geschichte, die sich mit jeder Seite, die man vorankommt, mehr entwickelt und ein unglaublich komplexes Gesamtwerk darstellt. Am Ende angekommen, muss man das Gelesene erst einmal Revue passieren lassen, um all die Details zu erfassen, die einem da präsentiert wurden. Rushdie übt in diesem Roman Kritik an der Gesellschaft, der Menschheit und vor allem deren Entwicklung in den letzten Jahren. Man liest aus vielen Sätzen heraus, dass der Autor eine Rückentwicklung des intelligenten Menschen sieht und keine gute Zukunft vorhersieht.

Mit seinem unglaublich flüssigen, aber dennoch auch sehr hochwertigen Schreibstil lässt uns der Autor an einer beeindruckenden Reise eines Menschen teilnehmen, der nicht nur auf der Suche nach sich selbst, sondern auch nach dem Sinn des (modernen) Lebens ist. Und immer wieder werden dabei faszinierende Parallelen zu Miguel de Cervantes Vorbild „Don Quijotte“ hergestellt, die das Leseerlebnis für Kenner abrunden. Aber auch jemand, der den berühmten Roman nicht kennt, versteht, was Salman Rushdie sagen wioll. Ich persönlich fand vor allem die Begleitung in Form eines Sohnes, der die Rolle des Sanchos aus „Don Quijotte“ übernimmt, sehr interessant. Rushdie lässt dem Leser unendlich viele Möglichkeiten, um selbst Dinge in seine Aussagen hineinzuinterpretieren, was das Buch zu einem wirklich außergewöhnlichen Erlebnis macht. Ich bewundere Salman Rushdie bereits seit seinen „Stanischen Versen“ und bin immer wieder begeistert, dass er seinen Anspruch mit jedem darauf folgenden Buch halten konnte. Er ist für mich einer der besten Schriftsteller unserer Zeit, der die SPrache beherrscht.

Rushdies Hommage an Cervantes „Don Quijote“ wirkt im ersten Moment wie ein dichtes Labyrinth unterschiedlicher, miteinander verwobener Geschichten. Das alles mag für den ein oder anderen nach einem furchtbaren Wirrwarr klingen, was es im Grunde genommen auch erst einmal ist. Doch je länger man durchhält (was jetzt weitaus  negativer klingt, als es ist) wird man mit einer wunderbaren Geschichte belohnt, die einen Teil vom privaten Salman Rushdie zeigt. Der Roman ist ein großer Schlag ins Gesicht der immer dümmer werdenden Bevölkerung und zeigt auf, was im Laufe der letzten Jahrzehnte aus der Menschheit geworden ist. Aber auch wenn das alles sehr düster und abschreckend wirkt, so verstecken sich auch wieder jede Menge Lebensweisheiten, wie man es aus anderen Büchern von Rushdie kennt. ich fühlte mich hervorragend unterhalten und fand gerade im apokalyptischen Ende großen Gefallen. „Quichotte“ ist jedoch als Einstiegsroman in Salman Rushides literarisches Universum nur bedingt geeignet, da er wirklich sehr komplex und verschachtelt ist und somit keinesfalls als Lesestoff für „Zwischendurch“ geeignet ist. Ich wurde auf jeden Fall nicht enttäuscht und kann diesen Roman intellektuellen Lesern nur empfehlen.

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Fazit:  Ein literarischer Roadmovie der besonderen Art und eine Verbeugung vor Cervantes Klassiker.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Hitze Leni und die Äliens von Helene Hitz

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Erschienen als Taschenbuch
bei Puput Books
insgesamt 116 Seiten
Preis: 7,90 €
ISBN: 978-3-948540-00-5
Kategorie: Nerd-Spaß

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Die Helene Hitz, inzwischen 88 Jahre jung, lebt irgendwo in einer hessischen Kleinstadt. Sie schwelgt in Erinnerung und erzählt uns aus der Kindheit und Jugend ihres geliebten und einzigen Sohnes Waldemar, genannt „Waldi“.

Frau Hitz, von Freundinnen  „Hitze Leni“ genannt, war damals in den 70ern, als der Waldi noch klein war, etwas eher Außer-/Ungewöhnliches. Denn sie war alleinerziehende Mutter. Damals war das noch eher selten der Fall. Nun, wir erleben, dass die Hitze Leni das richtig gut gemeistert hat. Voller Liebe und Hingabe hat sie sich den Interessen und Lieben ihres Sohnemanns hingegeben und ihn gefördert und unterstützt, so gut sie konnte: Er war ein kleiner Nörd, und irgendwie fand die Leni das auch völlig in Ordnung….

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Also, gereizt hat mich die Hitze Leni aus 2 Gründen:

1. Ich bin ein Kind der 70er und Teenager der 80er Jahre. Ein bisschen jünger als der Waldi also, aber trotzdem. Raumschiff Enterprise und Captain Future habe ich natürlich auch mitbekommen.

2. Ich bin selbst eine Nörd-Ehefrau und eine Nörd-Mutter, woran zum Großteil natürlich mein Nörd-Ehemann schuld ist. Alle sind wir hier filmbekloppt und sammeln Filme und Serien und auch ’ne Menge „Fimmelskram“, der damit zusammenhängt. Bei der erwachsenen Tochter wäre das z.B. der Härrie Potter, beim mittleren Sohn viel Herr der Ringe, beim kleinsten Sohn derzeit die „Thundercats“, gerne aber auch Supermän, Hulk oder Batman, die Transformers. Den Captän Mükara (Captain America 😉 ) gibt es auch noch. Beim Ehemann ist es sehr viel Star Wors (Gruß an Waldi), aber in etwa gleich viel alles andere. Nun, und Fimmelskram haben wir auch eine Menge: Poster, Karten, Figuren, Klamotten, Socken, Filme und und und ….

Ich habe wirklich herzlich gelacht bei der Lektüre, und ich muss sagen, dass die Hitze Leni eine echt supercoole Frau ist. Sie hat genäht, gebastelt und den Jungen unterstützt, und das alles als Alleinverdienerin. Denn auch wenn es damals alles günstiger war, so hat sie schon eine Menge Geld für Comics und Figuren ausgegeben. Der Waldi kann stolz auf so eine Mutter sein.

Ich stelle sie mir irgendwie recht unscheinbar vor, aber vllt. mit einer Star Wars Schürze anstatt einem Blumenkittel ☺

Der Thorsten Walch, der, der hinter der Helene Hitz steckt, wird wohl noch mehr von der Hitze Leni abliefern, worauf ich mich jetzt schon freue.

Ein kleines, feines Büchlein, dass wirklich Freude macht und sehr kurzweilig ist. Eine tolle Geschenkidee auch zu Weihnachten. Jeder Nörd oder Nördelternteil wird sich freuen. Ebenso die Kinder der 70er/80er Jahre, die eine Reise in die Vergangenheit unternehmen, die großen Spaß macht. Auch für Lesefaule eine schöne Sache, da es eben ein Kurzroman ist, in dem man immer mal ein wenig lesen und schmökern kann.

©2019 Marion Brunner – Buchwelten

The Beautiful Ones – Prince & Dan Piepenbring

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 304 Seiten
Preis: 32,00 €
ISBN: 978-3-453-20488-1
Kategorie: Autobiographie

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Einige Monate vor seinem Tod hat Prince Rogers Nelson einen Co-Autor gesucht, der gemeinsam mit ihm seine Autobiografie schreibt. Es sollte etwas ganz Besonderes werden. Doch dazu kam es leider nicht mehr. Einige Male haben Prince und Dan Piepenbring (beratender Redakteur bei The Paris Review) sich getroffen und über das Projekt gesprochen und sich ausgetauscht.

Einen ersten Teil hatte Prince bereits handschriftlich verfasst. Er begann mit den Erinnerungen an seine Kindheit und seinen Eltern, die er sehr liebte. Dan Piepenbring hat kurz vor Prince’ Tod noch einen Anruf von ihm erhalten, in dem er ihm sagte, dass alles okay mit ihm sei. Er sei zwar ein bisschen krank, aber es ginge ihm soweit gut. Sie haben sich über den ersten, bereits geschriebenen Teil am Telefon ausgetauscht und weitere Ideen besprochen. Zu mehr kam es dann aber nicht mehr. Am 21. April 2016 wurde Prince Rogers Nelson in einem Aufzug seines Hauses in Chanhassen tot aufgefunden ….

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Ich weiß gar nicht so genau, wo ich anfangen soll. Vielleicht damit, dass Prince DAS Idol meiner Teenager-Zeit war. Ich sah und hörte „Purple Rain“ (mit 14 ) und da war es um mich geschehen. Ich kaufte die alten Alben: For You, Prince, Controversy, 1999. Ich hörte Prince rauf und runter. Meine Wände waren mit allem beklebt was ich von Prince finden konnte. Ich übersetzte seine Texte und hatte das Glück ihn zweimal live zu sehen.

Doch irgendwann verlor ich ihn aus den Augen. Das Hin und Her um „The Symbol“ und „TAFKAP“, das war mir alles zuviel in meiner damaligen Welt, als ich gerade Mutter geworden war und andere Dinge um die Ohren hatte. Als Prince dann starb war ich geschockt. Ich hatte ihn nie mit Drogen oder Alkoholexzessen in Verbindung gebracht. Für mich war er immer scheu, zurückhaltend und ein Musikjunkie, der sich der Musik verschrieben hat.

„The Beatiful Ones“ ist keine fertiggestellte Autobiografie, aber sie ist die Erfüllung eines Traums oder eine große Schatzkiste für jeden Fan. Damals, Ende der 70er oder in den 80ern, gab es kein Internet. Da bekamen wir Videos oder Fotos nicht zu Gesicht. Wir konnten nicht googlen, wie Prince lebte oder was er privat machte. Wir mussten die Berichte nehmen, die wir irgendwie kriegen konnten.

Dieses Buch liefert so viel Schönes, Interessantes und lässt uns Fans Einblick nehmen in das Leben und Schaffen von Prince Rogers Nelson.

Im ersten Teil lesen wir die Aufzeichnungen, die Prince selbst verfasst hat und eine ausführliche Einführung von Dan Piepenbring. In den weiteren Teilen sehen wir dann viele Fotos und Texte aus den Anfängen von Prince. Die Arbeit am ersten Album, das er komplett allein produziert hat. Weiterhin gibt es handschriftliche Aufzeichnungen zum Drehbuch des späteren Films „Purple Rain“. Die handgeschriebenen Teile wurden zusätzlich noch einmal abgeschrieben und leserlich gemacht. Es gibt Auszüge aus Interviews und Storyboards zu Videoclips. Am Schluss des Buches gibt es einen Anhang mit ausfühlrlichen Erklärungen und Erläuterungen zu jeder Seite, jedem Foto und jedem Text.

Fakt ist, dass dieses Buch ein wirkliches Prachtstück ist, dass einen außergewöhnlichen Einblick in das Leben und Schaffen eines außergewöhnlichen Künstlers gibt. Es ist sehr aufwendig gemacht, schwer (also gewichtstechnisch) und mit dem Einband und goldenem Leseband wirklich sehr edel. Ich werde ganz bestimmt noch öfters darin blättern.

Ich habe noch viel über Prince gelernt, soviel Interessantes gelesen und jede Seite genossen. Die Fotos und Bilder sind einfach fantastisch, und als ich zum Ende kam,  war ich wirklich traurig. Man bleibt zurück mit einem Kloß im Hals.

Als ich im Anschluss nach der Lektüre ein wenig im Internet gestöbert habe, stieß ich auf ein Video, das Beamte in Paisley Park nach Prince’ Tod gemacht haben. Das bestätigte, was das Buch bereits erkennen ließ: Prince war ein bescheidender Mensch, der sicher wohlhabend war, aber in einem Haus lebte, das einem normalen Haushalt doch sehr ähnelte (in den Wohnräumen). Warum er gestorben ist, werden wir wohl nie erfahren. Aber zumindest erhalten wir einen ausführlichen, liebevollen und würdevollen Rückblick auf sein Leben, seine Musik und seine Lebenseinstellung, denn das alles beschert uns „The Beautiful Ones“.

Danke, dass ihr, die ihr alle daran beteiligt wart, es durchgezogen und publiziert habt!

© Marion Brunner – Buchwelten 2019

 

 

Transfusion von Jens Lubbadeh

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Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 380 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-32008-6
Kategorie: Thriller

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Ein Hamburger Pharmakonzern  kann Alzheimer heilen und entdeckt dabei auch ein mögliches Mittel für ewiges Leben. Iliana Kornblum ist Wissenschaftlerin  und hat das Medikament mitentwickelt. Als sie auf geheime Versuche stößt, muss sie feststellen, dass ihr Arbeitgeber für dieses Wundermittel auch Tote in Kauf nimmt. Und nachdem man Ilianas Forschungen entdeckt, wird sie plötzlich von dem Konzern gejagt.

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Man möchte es kaum glauben, aber Jens Lubbadeh hat mit dem vorliegenden Thriller den Vorgänger „Neanderthal“ nochmals übertroffen. Mit einem atemberaubenden Tempo nimmt uns der Autor mit auf eine Reise, die man so schnell nicht wieder vergisst. Bei „Transfusion“ kann man ohne Einschränkungen von einem Pageturner reden, den man nicht mehr aus der Hand legen kann, sobald man einmal damit angefangen hat. Es handelt sich hier um einen Wissenschafts- und Medizinthriller, der auch ohne weiteres aus der Feder eines Michael Crichtons stammen könnte. Doch Lubbadeh schreibt nicht nur wie Crichton, sondern übertrifft ihn an manchen Stellen sogar. Es ist wirklich Wahnsinn, mit welchem Tempo die Geschichte erzählt wird. Dabei sorgt der flüssige Schreibstil dafür, dass die Seiten nur so dahinfliegen und man immer noch (nur ein einziges Kapitel noch)  weiter liest.

Der Leser wird mit einem Thema konfrontiert, das nichts Neues in der Literatur ist: Ewiges Leben. Aber Lubbadeh schafft es tatsächlich, neuen Schwung in diese Thematik zu bringen und lässt dieses Wundermittel glaubhaft wirken. Was in den meisten Roman wie eine gute Utopie erscheint, ist in „Transfusion“ irgendwie absolut nachvollziehbar. Der Autor entwickelt eine sehr gute Idee zu einem spannenden Abenteuer, das den Leser mitfiebern lässt. Es liegt vor allem auch an der Heldin, die Lubbadeh zum Leben erweckt und deren Handlungen jederzeit nachvollziehbar sind. Am Ende angekommen, möchte man es kaum für möglich halten, dass man gerade fast 400 Seiten förmlich inhaliert hat. 🙂
Durch einen geschickten Schicksalsschlag, der der Protagonistin dann widerfährt, erhält der Roman zusätzlich zu seiner Rasanz einen beklemmenden Aspekt, der einen auch nach der Lektüre noch eine Weile verfolgt. Man beginnt über den wissenschaftlichen Wahn unserer Zeit, dessen Konsequenzen, und auch über moralische und ethische Fragen nachzudenken. Diese Zukunft, die sich der Autor ausgedacht hat, ist unheimlich und erschreckend, weil sie auf gewisse Art und Weise auch sehr nah an der Realität ist.

Der filmreife Plot (man sieht durch den exzellenten Schreibstil tatsächlich das ganze Buch als Film vor sich) spielt mit aktuellen Entwicklungen in der Forschung und spinnt diese Ideen auf gruselige Weise weiter. Ich könnte mir auf jeden Fall gut vorstellen, dass die Pharmakonzerne zu genau solchen Mitteln greifen würden, um ein derartiges Wundermittel auf den Markt zu bringen, die Menschen davon abhängig zu machen und sich dabei dann eine goldene Nase verdienen. Lubbadeh übt, geschickt in eine Abenteuergeschichte verpackt, Kritik an den Machenschaften und Vorgehensweisen dieses Industriezweigs. Viele Wendungen, mit denen man so nicht rechnet, bereichern diesen Thriller zusätzlich, so dass ich hier einfach nur eine Leseempfehlung aussprechen muss. Man kann wirklich sehr gespannt sein, auf welche Abenteuer uns Jens Lubbadeh in Zukunft noch mitnimmt. Bei mir hat er jedenfalls einen festen Platz bei meinen Lieblingsautoren aus Deutschland erlangt.

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Fazit: Atemberaubende, exzellent recherchierte und spannende Zukunftsvision.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Universität von Bentley Little

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Buchheim Verlag
486 Seiten
22,99 €
ISBN: 978-3-946330-13-4
Kategorie: Horror, Mystery

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Von Jahr zu Jahr häufen sich Verbrechen wie Vergewaltigung, Mord und auch Suizid an einer Universität in Kalifornien. Das Böse scheint von den Studenten, aber auch von dem Gebäude Besitz genommen zu haben. Zusammen mit einem Professor und einem Mann, der sehr viel  mehr über die Vorgänge weiß, treten die Studenten Jim und Faith einen Kampf an, der mehr als aussichtslos scheint.

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Das Buch von Bentley Little, auf das seine deutschen Fans so lange gewartet haben, ist endlich im Buchheim Verlag erschienen. Umso höher war auch die Erwartungshaltung. Daraus resultierend machte sich wohl eine gewisse Enttäuschung bei vielen Lesern breit, was ich allerdings absolut unberechtigt finde.
Little ging hier einfach mal einen etwas anderen Weg als bei vielen seiner  Romane, und ich persönlich finde, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann. Vor allem die sehr ruhige und langsame Vorgehensweise, die Bentley Little hier einschlägt, hat mir sehr gut gefallen. Andere Leser wurden aber genau durch diese „Langatmigkeit“, die für mich eben keine ist, anscheinend enttäuscht. Gerade dieses Abschweifen in scheinbare Nebensächlichkeiten, die aus meiner Sicht den Charakterentwicklungen und auch der allgemeinen Stimmung in hohem Maße zugute kommen, machen dieses Buch für mich aus.
Bentley Little schlägt hier einen etwas fantastischeren Weg als bei den meisten seiner Romane ein, setzt das Ganze aber gekonnt und in einem sehr stimmungsvollen Stil der alten Schule um. Der Roman wirkt, als wäre er viel früher geschrieben worden als im Jahr 1995.

Was mir bei diesem Werk auch noch auffiel, ist, dass sich Bentley Little manchmal ein wenig vulgärer als in seinen anderen Büchern ausdrückt. Manche Stellen haben tatsächlich einen Hauch von Edward Lee, wobei mir da Littles gehobenere Ausdrucksweise bedeutend besser gefällt. So wirken seine heftigeren und auch sexuellen Beschreibungen nie fehl am Platz oder abstoßend, sondern tragen zur Stimmung der Handlung bei. Ich will damit sagen, dass ich eigentlich kein Anhänger solcher Werke bin, aber hier hat es mich absolut nicht gestört.
Toll fand ich auch, dass Bentley Little immer wieder ein wenig sozial- beziehungsweise gesellschaftskritisch wurde und auf Missstände unserer heutigen Zeit (oder zumindest solche der damaligen, im Entstehungsjahr des Buches, aktuellen „Probleme“) anspielte. Das hat zum einen die Handlung sehr aufgelockert und zum anderen den Protagonisten eine hohe Glaubwürdigkeit verliehen.

Doch selbst, wenn man „Die Universität“ nicht so gut findet wie ich ( 😉 ), so ist diese Publikation für Fans des Autors (und Komplettisten wie mich) eine wahre Freude. Dank dem Buchheim Verlag dürfen wir uns nämlich an diesem, und auch an „Der Berater“, erfreuen.
Das Ende hätte ich mir weniger klischeehaft gewünscht, was auch schon den einzigen Kritikpunkt meinerseits darstellt. Da wäre weniger irgendwie mehr gewesen, aber da sind die Geschmäcker ja glücklicherweise verschieden. Dennoch hat Little das Thema der von Geistern besetzten Gebäuden („Amityville Horror“ lässt grüßen) geschickt umgesetzt und einen beeindruckenden Roman geschrieben, an den man sich noch lange erinnern wird. Die meisten Passagen wurden mir in meinem Kopfkino als hervorragender Blockbuster abgespielt, was mit Sicherheit an der sehr flüssigen Schreibweise des Autors lag. „Die Universität“ hat meine Erwartungen (außer vielleicht dem Ende) absolut erfüllt und ich bin glücklich, dass ich es lesen konnte. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Buchheim Verlag noch anderen, in Deutschland unveröffentlichten Werken von Bentley Little widmet. Mit „The Handyman“ hat der Verlag ja zumindest ein weiteres Highlight angekündigt. 🙂

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Fazit: Atmosphärischer Old School-Horror, der perfekt unterhält.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tod im Februar von Alan Parks

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Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 428 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-453-27198-2
Kategorie: Krimi, Thriller

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Detective Harry McCoys Rückkehr in den Polizeidienst könnte nicht schlimmer sein: Ein Fußballspieler  wird tot aufgefunden. Der Mörder hat eine blutige Nachricht  in die Brust des Opfers geritzt. Bald gibt es einen zweiten Mord und der Februar des Jahres 1973 wird für den ermittelnden McCoy immer unbehaglicher. Er geht seinen gewohnten, unkonventionellen Weg und sucht sich außergewöhnliche Hilfe. Und irgendwann muss er feststellen, dass das Ganze sogar mit seiner eigenen Vergangenheit zu tun hat.

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Alan Parks braucht nicht lange, um den Leser zurück in die düsteren 70er Jahre zu werden und ihn mit einer fast schon deprimierenden Stimmung einzufangen. Es ist wirklich unglaublich, wie der Autor es auch in seinem zweiten Buch über den Ermittler McCoy schafft, eine derart intensive Atmosphäre einzufangen, so dass man glaubt, man wäre mittendrin. Und selbst wenn man zwischen dem ersten und dem vorliegenden zweiten Teil ein paar andere Bücher gelesen hat, so fällt es nicht schwer, sich dem Plot und den Charakteren wieder anzupassen. „Tod im Februar“ ist erneut ein sehr beeindruckender und stimmungsvoller Thriller geworden, der sich bestens für eine Verfilmung eignen würde.

Der Schreibstil ist sehr gehoben, wenngleich Parks kein Blatt vor den Mund nimmt und auch schon gerne einmal etwas vulgär spricht. Wenn dies geschieht, passt es aber hervorragend in die entsprechende Szene oder den Dialog und stört absolut nicht. Ich für meinen Teil muss zugeben, dass ich Harry McCoy wirklich sehr mag. Es ist vor allem seine Natürlichkeit, die mich an diesem Charakter fasziniert. Der Mann ist so echt und greifbar, weil er nicht denkt und handelt wie ein Superheld, sondern wie ein normaler Mensch mit Ecken und Kanten. Vom Charakter her erinnerte er mich ein wenig an Sam Wyndham aus Abir Mukherjees Trilogie. Diese Ermittler sind so herrlich untypisch und entsprechen nicht der gewohnten Norm. Der Fall des vorliegenden Romans ist wieder äußerst brutal und sehr undurchsichtig. Dass er dann noch in einer dreckigen Umgebung spielt und auch Ganoven eine wichtige Rolle spielen, macht das Ganze sehr interessant und, wie bereits erwähnt, auch äußerst stimmungsvoll.
Aufgrund des flüssigen Schreibstils kann man das Buch tatsächlich schwer aus der Hand legen. Somit kann „Tod im Februar“ durchaus das Prädikat „Pageturner“ verliehen werden.

Der Charakter des Protagonisten bekommt in diesem zweiten Teil noch weitaus mehr Menschlichkeit, weil man ihn einfach noch näher kennen lernt als im ersten Band der Reihe. Genau diese Entwicklung der Figur macht aus „Tod im Februar“ eine sehr starker und lesenswerte Fortsetzung.
Und auch der Mordfall ist, wie schon bei Teil 1,  komplex und absolut unvorhersehbar. Man erkennt den  Zusammenhang der verschiedenen Handlungsstränge lange nicht, die sich am Ende zu einer ganz besonderen Auflösung verknüpfen, mit der ich so nicht gerechnet hätte. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie Alan Parks dieses hohe Niveau mit einem dritten Teil übertreffen oder zumindest gleichwertig halten wird.

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Fazit: Ebenso beeindruckend wie der erste Teil mit einer intensiv düsteren Atmosphäre.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten