Alle diese Welten von Dennis E. Taylor

Welten

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  380 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31932-5
Kategorie: Science Fiction

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Die geklonten Bob Johanssons rüsten sich für den Kampf gegen eine außerirdische Zivilisation und bauen Raumschiffe, um die Menschheit zu retten. Doch es ist gar nicht so einfach, wie sich die geklonten Künstlichen Intelligenzen sich das vorgestellt hatten.

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Endlich ist er erschienen, der dritte Teil der Bob Johansson-Saga von Dennis E. Taylor. Es ist einfach atemberaubend, wie Taylor den Spannungsbogen seiner Geschichte auch im dritten Teil konsequent aufrechterhält und den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Das Wiedersehen mit den geklonten Bobs macht auch hier wieder unglaublich Spaß und man fühlt sich sofort wieder wohl und ist neugierig, wie sich der Plot weiterentwickelt. Taylor besitzt einen tollen Humor, den er seinen Protagonisten immer wieder in den Mund legt, so dass man sich des Öfteren selbst dabei erwischt, wenn man während des Lesens ein Schmunzeln auf den Lippen hat. Durch die kurz gehaltenen Kapitel erhält dieser abschließende Band eine unglaubliche Dynamik, die einen nur so durch die Seiten zieht. Man kann diesen Roman durchaus, wie auch seine beiden Vorgänger, als Pageturner bezeichnen.

Man muss sich auf die Story natürlich einlassen (können), um sie auch in vollen Zügen zu genießen. Ich für meinen Teil war von den teils innovativen, aber auch an manchen Stellen äußerst witzigen Ideen absolut begeistert und war am Ende tatsächlich traurig, die vielen unterschiedlichen Bobs und deren Welten verlassen zu müssen. Taylors Weltraum-Epos behandelt auch Themen wie Sterblichkeit beziehungsweise Unsterblichkeit und die Emotionsfähigkeit Künstlicher Intelligenzen. Die Trilogie wirkt auf alle Fälle nach diesem dritten Band absolut rund für mich und bleibt nachhaltig im Gedächtnis haften. Vor allem die unzähligen Anspielungen auf Science Fiction-Bücher und -Filme machen unglaublichen Spaß und lockern die Handlung zusätzlich noch auf. Besonders erstaunlich finde ich bei den Büchern von Dennis E. Taylor, dass man trotz der Vielfalt an Bobs, die auch noch alle ihr Wort in der ersten Person an den Leser richten, niemals den Überblick verliert. Das ist schon eine kleine Meisterleistung, die der Autor da vollbracht hat.
Die Bob Johansson-Trilogie scheint zu Ende zu sein und ich bin schon wirklich sehr gespannt, was uns aus der Feder dieses innovativen Schriftstellers noch erwartet.

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Fazit: Würdiger Abschluss der Trilogie, der ungemein Spaß macht.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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One Year After von William R. Forstchen

oneyear

Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
512 Seiten
Euro 14,99 €
ISBN: 978-3-86552-763-9

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Ein EMP-Angriff (Elektromagnetischer Impuls) hat sämtliche elektronischen Geräte unbrauchbar gemacht. Die Welt versinkt in einer unruhigen Zeit, in der die Menschen ums Überleben und gegen ihre Artgenossen kämpfen. Ex-Colonel John Matherson baut mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Stadt wieder auf, in der er bis zur Katastrophe gelebt hat. Doch es wohnen Unruhestifter in der Gegend und außerdem möchte ein ominöser Regierungsvertreter junge Männer und Frauen zu einer seltsamen Armee einziehen … Matheson traut der Sache aber nicht ganz. Und das zurecht, wie sich schon wenig später herausstellt …

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MIt „One Year After“ legt nun endlich der zweite Teil der John Matherson-Trilogie vor, in der ein Mann und eine Kleinstadt gegen die Auswirkungen eines elektromagnetischen Impulses ankämpft. Wie schon im ersten Teil „One Second After“ ist das Szenario, das Forstchen beschreibt, auf die unheimlichste nur mögliche Weise derart realistisch, das man es bei genauerem Nachdenken über solch einen Vorfall mit der Angst zu tun bekommt. Die Geschichte geht nahtlos weiter und konzentriert sich auf den Geschichtsprofessor und Ex-Colonel John Matherson, dessen Familie und auch Vergangenheit. Man ist sofort wieder in der Stimmung, auch wenn eine gewisse Zeit vergangen ist, seit der erste Teil hier in Deutschland erschienen ist. Es dauert wirklich nicht lange und man fühlt sich der betroffenen Kleinstadt wieder zugehörig und nimmt an deren Problemen sofort wieder teil.

Forstchen schreibt sehr flüssig, so dass man durch die Seiten nur so fliegt, wenngleich in diesem Teil bedeutend mehr Kämpfe als im ersten eine Rolle spielen. Der ein oder andere könnte sich da durchaus überfordert (oder gar gelangweilt) fühlen, weil es sehr konzentriert passiert. Und, wie auch schon im Einstiegsband, äußert sich Forstchen an manchen Stellen übertrieben patriotisch, was man ihm aber im Grunde genommen gar nicht wirklich vorwerfen kann, denn letztendlich ist diese Trilogie ein Stück weit auch Patriotismus in Reinkultur. Sieht man über diese Kleinigkeiten hinweg, bekommt man einen Endzeit-Thriller geboten, der es in sich hat. Durchwegs gut recherchiert entführt er den Leser in eine dystopische Welt, wie sie jederzeit nach solch einer Attacke wahr werden könnte. Forstchen denkt so ziemlich an alles, was passieren könnte und führt seine Überlegungen bis in Details zu Ende. Das hat neben dem hohen Unterhaltungswert der Geschichte zur Folge, dass man sich tatsächlich immer wieder Gedanken über die politischen Situationen auf der Welt Gedanken macht.

„One Year After“ liest sich sehr schnell, vor allem, weil man permanent wissen will, wie sich die Story weiterentwickelt. Die Charakterzeichnungen der Protagonisten, allen voran natürlich die Hauptfigur John Matheson, sind ausnahmslos gelungen und überzeugend.  Die Sogwirkung der Geschichte entspricht der des ersten Teils und steht dieser auch in keiner Weise nach. Durch den guten Schreibstil ist man wieder mittendrin im Geschehen und fiebert mit. Forstchen gelingt auch hier wieder die Gratwanderung zwischen atemberaubenden Actionszenen und etwas ruhigeren, fast schon melancholischen Einschüben, die dem Gesamtwerk einen optimalen Mix verleihen. Ich bin schon sehr gespannt, wie der Autor diesen Plot mit dem letzten Band „The Final Day“ (Veröffentlichung im Festa-Verlag ist für Winter 2019 geplant) zu Ende bringt.

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Fazit: Unglaublich spannende und gut recherchierte Weiterführung von „One Second After“.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Metropolist von Seth Fried

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Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 318 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-32014-7
Kategorie: Science Fiction

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Der äußerst pflichtbewusste Henry Thompson ist Beamter und soll nach Anschlägen auf die Stadt ermitteln, wer dahintersteckt. Er bekommt einen Partner zugeteilt, der das genaue Gegenteil von ihm ist. Während Thompson korrekt ist und sich an Regeln hält, säuft und raucht sein Partner OWEN, der zudem auch noch eine Künstliche Intelligenz ist. Dennoch müssen sich die beiden zusammenraufen, um Metropolis zu retten …

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Es fällt mir wirklich schwer, diese relativ negative Kritik zu „Der Metropolist“ von Seth Fried abzugeben, doch trotz wiederholter Versuche kam ich weder in die Story, noch in die Schreibweise des Autors richtig hinein. Ich kann durchaus die Ambitionen dieses Romans nachvollziehen und auch würdigen, denn Fried hat tatsächlich ein ganz besonderes Szenario beschrieben, das mich eigentlich hätte ansprechen sollen. Dennoch hatte ich von Seite zu Seite Schwierigkeiten, der Handlung und der außergewöhnlichen Idee zu folgen. Ich konnte auch mit dem Humor relativ wenig anfangen, bis vielleicht auf die Tatsache, dass die Künstliche Intelligenz säuft und raucht. Diesen Aspekt fand ich wirklich äußerst witzig, und hatte eigentlich damit gerechnet, dass sich Derartiges im weiteren Verlauf des Romans wiederholt. Aber diese wenigen Szenen, die mir zugesagt haben, waren einfach zu wenig, als dass mir der Roman im Gesamten wirklich gefallen hätte.

Manche Szenen erinnerten mich von der Atmosphäre her an „Blade Runner“ oder aber auch den Science-Fiction-Film „Spacecop L.A. 1991“. Aber der Vergleich, mit dem das Buch beworben wird, nämlich wie „Pulp Fiction“, ein Film von Quentin Tarantino, kann ich so nicht bestätigen. Sicherlich erinnern manche Momente an den Kultfilm, aber wäre dieser Vergleich nicht auf dem Buchrücken vermerkt gewesen, hätte ich keinen Gedanken während des Lesens daran verschwendet. „Der Metropolist“ ist sicherlich eine etwas andere Art von Science-Fiction, die mir im Grunde genommen bestimmt auch von der Thematik gefallen hätte, aber es liegt an den manchmal wirren Geschehnissen (und auch dem wirren Schreibstil), die mir letztendlich das Lesen verleidet haben .

Hinzu kommt noch, dass ich absolut keinen Bezug zu den Protagonisten bekommen habe. Einzig die K.I. fand ich manchmal ganz gelungen in seinen Handlungen und Gedankengängen, aber auch das war mir letztendlich zu wenig. Insgesamt war ich leider enttäuscht von diesem Roman, zumal ich mir aufgrund des Klappentextes mehr und vor allem etwas ganz anderes erwartet habe. Einen gewissen Reiz möchte ich der Geschichte nicht absprechen, aber dafür muss man sich darauf einlassen können. Und genau das konnte ich leider nicht.
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Fazit: Langatmige Zukunftsgeschichte, die mich leider nicht überzeugen konnte.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Flug und Angst von Stephen King und Bev Vincent (Hrsg.)

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Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 446 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-453-43981-1
Kategorie: Horror

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Unheimliche Geschichten über das Fliegen.

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Auf diese von Stephen King und Beth Vincent herausgegebene Anthologie über Flugangst war ich schon sehr gespannt. Und, um es gleich vorwegzunehmen, ich wurde absolut nicht enttäuscht. Hier wurde eine hervorragende Sammlung zwischen alten und neuen Geschichten, bekannten und unbekannteren Autoren zusammengetragen, die das Thema in vielen verschiedenen Facetten behandelt. Die Erzählstile der Geschichten sind natürlich vollkommen verschieden, aber dennoch bewegt sich das Gesamtbild dieser Anthologie auf sehr hohem Niveau.

„Cargo“ von E. Michael Lewis stellt im Grunde genommen eine typische Gruselgeschichte dar, die allerdings ein Flugzeug als Schauplatz hat. Sehr stimmungsvoll wird hier eine wirklich unheimliche Geschichte erzählt.

In „Das Grauen der Höhe“ von Arthur Conan Doyle spürt man zwar das Alter der Geschichte, dies tut aber der Qualität und auch der Spannung absolut keinen Abbruch und zeigt, welche Fantasien man damals hatte, was jenseits der Wolken im Weltall auf uns wartet.

„Albtraum auf 20.000 Fuß“ von Richard Matheson stellt für mich den ersten Höhepunkt dieser Kurzgeschichtensammlung dar. Wer Steven Spielbergs Film „Unheimliche Schattenlichter“ kennt, erinnert sich mit Sicherheit an die Geschichte eines Fluggastes, der ein unheimliches Wesen während des Fluges auf einem der Flügel sieht. Matheson beschreibt das Grauen, das in diesem Mann vorgeht, perfekt .

Die lediglich nur eine Seite andauernde, minimalistische Kurzgeschichte „Die Flugmaschine“ von Ambrose Bierce mag auf den ersten Blick eher belanglos erscheinen, doch letztendlich denkt man über die in nur wenigen Sätzen verfasste Story erstaunlicherweise langanhaltend nach.

Die darauffolgende Story „Luzifer!“ von E. C. Tubb ist eigentlich eine Science-Fiction-Geschichte, die aber auf sehr beeindruckende Art und Weise eine Flugangst ausdrückt, die einem wirklich Gänsehaut beschert. Dieses Szenario lässt einen lange nicht mehr los.

Es folgt „Die fünfte Kategorie“ von Tom Bissel. Auch diese Geschichte hat einen besonderen Reiz, konnte mich aber letztendlich inmitten der anderen grandiosen Stories nicht ganz so überzeugen .

Doch die nachfolgende Geschichte von Dan Simmons mit dem Titel „2 Minuten 45 Sekunden“ konnte mich dann sofort wieder absolut überzeugen, was mit Sicherheit auch an dem phantastischen Schreibstil des Autors liegt.

„Diablitos“ von Cody Goodfellow war ebenfalls spannend zu lesen, konnte aber gegen die besseren Geschichten nicht wirklich antreten.

„Luftangriff“ von John Varley behandelte ebenfalls ein schreckliches Szenario, das einem unter die Haut geht. Auch hier wurde das Geschehen absolut gut und eindringlich beschrieben, sodass es im Gedächtnis haften bleibt .

Natürlich durfte bei dieser Kurzgeschichtensammlung Stephen Kings Sohn Joey Hill nicht fehlen. Seine eigens für diese Anthologie verfasste Kurzgeschichte „Freigabe erteilt“ zählt mit zu den besten dieser Sammlung.

Es folgen zwei Kurzgeschichten die absolut lesenswert sind, aber vom Spannungsbogen nicht ganz zu den Vorgängergeschichten  passen. Die eine trägt den Titel „Kriegsvögel“ und ist von David J. Schow verfasst und die andere von SF-Altmeister Ray Bradbury heißt „Die Flugmaschine“.

Die von Beth Vincent verfasste Geschichte „Zombies im Flugzeug“ erinnert, wie der Titel bereits vermuten lässt, natürlich an den Film „Snakes on a Plain“ mit Samuel L Jackson und liest sich absolut unterhaltend.

Es folgt die autobiografisch angehauchte Geschichte „Alt werden sie nicht“ von Roald Dahl, die zwar handlungstechnisch absolut in die Sammlung passt, aber altersbedingt mit den neueren Geschichten spannungstechnisch leider nicht mithalten kann.

Es folgt „Mord im Himmel“ von Peter Tremayne, der einen typischen Kriminal- und Mordfall erzählt, allerdings während eines Fluges. Auch hier wird man bestens unterhalten.

Die vorletzte Story ist von Stephen King selbst und kann in jeder Hinsicht, wie nicht anders zu erwarten war, überzeugen. Sie trägt den Titel „Ein Fachmann für Turbulenzen“.

Der letzte Beitrag stammt von James Dickey, dem Verfasser des bekannten Dramas „Beim Sterben ist jeder der erste“. Es ist ein Gedicht, dass man hier zu lesen bekommt, und das einen wirklich nachhaltig beeindruckt. Ich habe selten so eine intensive Geschichte in Gedichtform gelesen, die sich derartig nachhaltig ins Gehirn brennt .

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Fazit: Absolut lesenswerte Anthologie über die Angst vor dem Fliegen. Alte und neue Geschichten ergänzen sich hervorragend.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Eine Handvoll Asche von Abir Mukherjee

Asche

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 446 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-42338-1
Kategorie: Krimi, historischer Roman

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Als Ermittler Sam Wyndham bei einer Razzia in einer Opiumhöhle überrascht wird, flieht er Hals über Kopf, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Auf seiner Flucht stößt er auf eine Leiche. Als er die folgenden Tage mit einem neuen Fall betraut wird, ahnt er nicht, dass schon bald auch genau jene geheimnisvolle Leiche in seine Ermittlungen eine Rolle spielt …

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Sam Wyndham ist zurück und im ersten Moment gerät man tatsächlich in Versuchung und möchte sagen, dass sein drittes Abenteuer auch sein bestes ist. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sich keines der drei bisher erschienen Bücher aus der Reihe den Rang abläuft. Jeder Fall ist für sich genommen ein Pageturner, der es in sich hat und dessen Sog man sich schon nach den ersten Seiten nicht mehr entziehen kann. Es liegt mit Sicherheit an der flüssigen Schreibweise und den humorvollen Einlagen des Autors, dass man am liebsten einfach nur immer weiterlesen möchte, bis man das Ende erreicht hat. Wie schon in den Vorgängerromanen beschreibt Mukherjee die Zeit, in der die Geschichte spielt, hervorragend und so bildhaft, dass man oft denkt, man mache eine Zeitreise und wäre wirklich mit dabei.

Im dritten Teil dieser fantastischen und süchtigmachenden Reihe geht der Autor die Handlung (und auch Erzählweise) aus meiner Sicht ein wenig ruhiger an, was mir aber ausnehmend gut gefallen hat. Und wieder werden historische Begebenheiten (hin und wieder leicht verändert und abgewandelt) in einen perfekt ausgetüftelten Kriminalfall verwebt, so dass sich in den Unterhaltungswert auch immer wieder ein Wissenseffekt einbettet, an dem man richtig Spaß hat. Durch die bildhaft beschriebene und detaillierte exotische Kulisse Kalkuttas fühlt man sich teilweise wie in einem Film und möchte das Szenario gar nicht mehr verlassen. Mukherjee hat mit Sam Wyndham einen Helden geschaffen, der Fehler hat und dennoch absolut sympathisch ist. Und auch wenn man nach den Vorgängerbänden andere Romane gelesen hat, verliert man den Bezug zu Wyndham nicht. Kaum sind die ersten Seiten gelesen, fühlt man sich in der Vergangenheit wieder wohl und kann sich an die ersten Abenteuer des britischen Ermittlers wieder erinnern.

Abir Mukherjee besitzt eine wunderbare Gabe, denn er verstreut in seinem Text  einen grandiosen Humor, der an keiner Stelle lächerlich oder störend wirkt, sondern unglaublich menschlich und authentisch ist. Neben dem opiumsüchtigen Hauptprotagonisten spielt natürlich auch sein Kollege Surrender-not wieder mit, den ich ebenfalls sehr ins Herz geschlossen habe. Die beiden sind ein Team, das man gerne begleitet und an dessen privaten Schicksalen und Problemen man Anteil nimmt. Die politischen und menschlichen Verstrickungen zwischen den beiden sind grandios in Szene gesetzt und verlangen nach mehr. Ich war anfangs nicht ganz sicher, ob Mukherjee diese Geschichte ursprünglich als Trilogie geplant hatte, wenn ich mir aber das Ende von „Eine Handvoll Asche“ ansehe, steigt in mir die Hoffnung, dass die Abenteuer von Sam Wyndham weitergehen.  Wünschenswert wäre es auf alle Fälle, denn solch hochwertige, historische Krimis mit zwei Sympathieträgern bekommt man nicht allzu oft. Band 3 dieser tollen Reihe konnte mich also auch wieder uneingeschränkt (wie schon die Bände 1 und 2) begeistern.

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Fazit: Konsequent hochwertige Fortführung der Wyndham-Reihe. Absolute Leseempfehlung.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Grappa, Grappa 1,2,3… / Eine Zusammenfassung – Gabriella Wollenhaupt

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Alle Romane der Grappa-Reihe können  bezogen werden über den Grafit Verlag

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In „Grappas Versuchung“ gerät Maria Grappa, seinerzeit Radiomoderatorin, in die Ermittlung von gleich zwei Todesfällen: Zunächst wird ein junger, schöner Italiener in Einzelteilen von den Gleisen gesammelt und die Bürgermeisterin Lisa Korn nimmt sich angeblich das Leben.  Grappa kommt im Zuge der Schnüffelei körperlich selbst zu Schaden, erlebt aber auch sehr angenehme Stunden.

Im zweiten Teil der Reihe stößt Maria Grappa auf Fälle von Kinderpornografie. Eltern stellen ihre Kinder für ekelhafte Videos zur Verfügung und verschachern sie regelrecht an ihre Freier. Grappa ist schockiert und lässt nicht locker.

Im dritten Fall „Grappa macht Theater“ kommt u.a. ein bissiger Rezensent der Theaterwelt ums Leben . Die Spuren führen zu einer geheimnisvollen Loge, aber auch ein Kollege des Rezensenten scheint Nutzen aus dessen Ableben zu ziehen ….

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Ich bin ja erst spät zu den Romanen der Grappa-Reihe gekommen. Und weil ich so begeistert von diesen Krimis bin und immer große Freude  habe, sobald ein neues Werk von Gabriella Wollenhaupt um die bissige, schlagfertige, toughe und liebenswerte Journalistin Maria Grappa erscheint, hat mir mein Mann zum letzten Weihnachtsfest alle Bände der Reihe geschenkt, die mir noch fehlten. Somit lese ich nun rückwirkend alle Bände nacheinander.

Ich war natürlich neugierig, ob Maria Grappa sich im  Laufe der Jahre verändert hat und auch, ob die Autorin gleich zu Beginn den Schreibstil abgeliefert hat, der die Grappa-Reihe für mich ausmacht. Und ich muss sagen: Sie hat gleich zu Beginn den besonderen Charme der Protagonistin geschaffen, der frech, humorvoll, schlagfertig und oft schroff ist. Aber Grappa hat nun einmal ihren eigenen Charme. Man muss sie einfach lieben, mit ihrer eigenen, besonderen Art. Gleich zu Beginn hat die Autorin hier ihre Krimis in einem extrem hochwertig formulierten Schreibstil abgeliefert, der, kombiniert mit Ironie, Humor und Bissigkeit einfach nur fesselt.

Maria Grappa war gleich zu Beginn die rothaarige Furie, die ich später kennengelernt habe. Auch war sie schon immer von schönen Männern angetan, gerne auch Machos, die sie aber in ihrer ganz eigenen Art zu packen weiß. Sie liebte damals schon die gehobene, italienische Küche, deren Weine und kennt sich hier auch sehr gut aus. Ich habe erfahren, wie sie zu Ihrem Nachnamen kam, weil sie nämlich eine Kurzzeitehe führte. Sie war im ersten Band noch Radiomoderatorin, im zweiten war sie dann bereits zum Bierstädter Tageblatt gewechselt und in Teil 3 war sie dann Polizeireporterin.

In meinem Roman, den ich derzeit lese, macht Grappa eine Bildungsreise nach Griechenland. Hier erfährt man viel über die griechische Mythologie, was wieder einmal vom großen Wissen und der guten Recherche der Autorin zeugt. Ich finde es so erstaunlich, wie viel in den ja immer auch humorvollen und rasanten Krimis drinsteckt. Der Hintergrund ist meist sehr dramatisch und erschreckend real, kommt aber trotzdem sehr salopp daher. Man merkt, dass die Autorin Redakteurin und Journalistin ist. Sie liebt die Sprache und spielt mit ihr. Zwischen den Buchdeckeln dieser recht dünnen Romane bekommt der Leser eine so qualitativ hochwertige Sprache, wie es in vielen dicken Büchern oder angeblichen Bestsellern nicht annähernd der Fall ist.

In diesem 4. Band gibt es eine Mitreisende in der Gruppe: Die 66 jährige Martha Maus. Sie wird von Gabriella Wollenhaupt als „nette, alte Dame“ bezeichnet. Als sie den Roman schrieb, war Wollenhaupt Mitte vierzig. Nun ist sie selbst 66 Jahre alt und ich wette, wenn man sie als „alte Dame“ bezeichnen würde, würde sie in Grappa-Manier reagieren ☺.

Anneliese Schmitz, die gute Seele der Bäckerei gibt es in diesen ersten Bänden noch nicht, auch die Kollegen vom Blatt und die Fotografen wechseln, doch eine bleibt immer die gleiche: Maria Grappa. Von Beginn an die, die sie heute noch ist und was diese Krimireihe auch ausmacht.

Ich wünsch mir mehr davon. Liebe Gabriella Wollenhaupt, bitte nicht aufhören!

 

Eklipse von Andreas Brandhorst

Eklipse

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag 
insgesamt  494 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-492-70511-0
Kategorie: Science Fiction

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Als das Raumschiff Eklipse nach einer Ewigkeit aus dem All zurück auf die Erde kehrt, findet sie diese vollkommen verändert vor. Irgendetwas scheint passiert zu sein, denn nichts ist mehr so, wie es bei ihrem Abflug war. Zudem kommt dann auch noch hinzu, dass die Eklipse ein gefährliches, außerirdisches Wesen mit an Bord hatte, von dem die Crew nichts wusste und das den Rest der Menschheit in große Gefahr bringt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, als die Crew versucht, das Alien aufzuspüren und dabei einem Geheimnis auf die Spur kommt, dass die menschliche Vorstellungskraft sprengt …

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Schon nach den ersten Seiten war mir wieder klar, dass Andreas Brandhorst mit seinem neuen Roman die von ihm gewohnte Qualität liefert. Zu Anfang konzentriert sich der Autor dieses Mal allerdings erst einmal weniger auf seine typischen, philosophischen Gedankengänge, sondern widmet sich einem absolut atmosphärischen Weltraumabenteuer, das einen sofort in den Bann zieht. Nichtsdestotrotz bleibt natürlich der hochwertige Schreibstil, den man von Brandhorst kennt, erhalten. Der Plot erinnert zuerst natürlich aufgrund seiner Thematik ein wenig an Ridley Scotts zeitlosen Klassiker „Alien“, was aber absolut nicht bedeutet, dass Brandhorst kopiert. Ganz im Gegenteil, er vermittelt eine ganz eigene und für ihn typische Stimmung, die sich durch den ganzen Roman zieht. Die Ausgangssituation stellt auch nicht den Hauptteil der Story dar, denn es geht in eine ganz andere Richtung, als man zuerst vermutet.

Es wäre aber kein Brandhorst, wenn sich nicht ab einer bestimmten Stelle die Handlung dann doch immer mehr einem philosophischen Aspekt nähern würde. Fast schleichend entwickelt sich der an sich „normale“ Science Fiction-Plot in ein atemberaubendes, episches Abenteuer, wie man es so nicht erwartet hätte. Brandhorst eben!
Bildlicher kann man eine Geschichte nicht erzählen. Und wie es bei diesem Autor nun einmal so ist, vermittelt er durch seine Worte nicht nur „greifbare“ Bilder, die sich der Leser in seinem Kopfkino vorstellt, sondern dringt damit auch in die Emotionen des Leser ein. Das gesamte Ausmaß dieser Genialität erblüht eigentlich erst immer nach dem Lesen des Werks, denn dann beginnt man darüber nachzudenken, was man da gerade in sich aufgesaugt hat. Es ist wirklich unglaublich, mit welcher Wortgewalt Andreas Brandhorst seine utopischen Geschichten (und nicht nur die, denn er schreibt auch fantastische Thriller)  erzählt.

Und dann kommt das Ende, das einen umwirft (zumindest erging es mir so). Das ist Erzählkunst, Ideenreichtum und Wortgewandtheit in einem. Wie schon bei seinen anderen Büchern schafft es Brandhorst, mich tatsächlich zu überwältigen mit seinen innovativen Wendepunkten und Entwicklungen. Das verursachte bisher nur Stephen Baxter mit dem Großteil seiner Bücher. Sowohl er wie auch Brandhorst (und vielleicht noch Peter F. Hamilton) gehen über Grenzen, sprengen die menschliche Vorstellungskraft und meistern es dennoch, dem Leser all diese Dinge klar und verständlich zu vermitteln. Deutsche, aber auch internationale Science Fiction ist meiner Meinung nach ohne Andreas Brandhorst nicht möglich. Intelligente Plots, klar ausgearbeitete Charaktere und geniale Wendungen beziehungsweise Auflösungen sind Brandhorsts Markenzeichen, die er mit jedem neuen Roman erneut eindrucksvoll unter Beweis stellt. Manchmal stellt sich mir die Frage, woher dieser Mann diese unglaublich intensiven und emotionalen Storys hervorzaubert. Aber im Endeffekt ist es egal, woher sie kommen, Hauptsache, sie werden niedergeschrieben.

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Fazit: Großartige SF aus Deutschland. Episch,ausgeklügelt und emotional.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Mitternacht von Christoph Marzi

Mitternacht

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag 
insgesamt  310 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-492-28090-7
Kategorie: Fantasy, All Age, Jugendbuch

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Nicholas James trifft eines Nachts auf Peter Chesterton, einen geheimnisvollen Fremden, der ihm eine Parallelwelt zeigt, in der die Toten weiterexistieren. Dieser Ort wird „Mitternacht“ genannt und Nicholas bekommt eine schwerwiegende Aufgabe zugeteilt, bei der ihm ein Findelgeistmädchen namens Agatha zur Seite steht.

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Schon zu Beginn seines neuesten Buches „Mitternacht“ wirft Christoph Marzi seine Leser in ein wunderbares und philosophisches Abenteuer. Der vorliegende Roman ist aus meiner Sicht eine Mischung aus Jugendbuch und Erwachsenenroman, kann sich also ohne weiteres unter dem modernen Begriff All Age-Buch einreihen. Marzi hat eine wunderbar einfache und flüssige Sprache, die sich jedoch immer auf einem hohen Niveau bewegt. Das macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem und hat mich an vielen Stellen auch sogar an den grandiosen Michael Ende erinnert. Die Abenteuer, die der Protagonist erlebt, gleichen sicherlich manchmal denen gängiger Jugendbücher, die auf dem Markt sind. Aber Marzi besitzt ein hervorragendes Feingefühl für wunderbare Sätze, die seine Bücher letztendlich doch immer wieder vom Einheitsbrei abheben lassen. So auch im Fall von „Mitternacht“, der anscheinend den Auftakt einer geplanten Serie darstellt.

Die Kapitel in diesem Roman sind sehr lange gehalten, umso verwunderlicher war ich dann, als die letzten Kapitel teilweise nur noch zwei, eine oder gar nur eine halbe Seite dauerten. Wenn man dann allerdings das Nachwort des Autors liest, versteht man diese Vorgehensweise. Durch das Nachwort habe ich diesen Roman im Nachhinein mit völlig andere Augen gesehen und ich empfinde es als eine wahre Meisterleistung von Marzi, dieses Projekt trotz der Geschehnisse, die den Autor ereilt haben, zu Ende zu bringen. „Mitternacht“ ist eine wunderbare und vor allem kurzweilige Reise in eine Welt, in der die Toten noch weiter existieren. Marzi hat vor allem eine wunderschöne Idee als Ausgangspunkt für seinen Roman geschaffen, die einen sehr bewegt und auch nach dem Genuss der Lektüre noch beschäftigt. Ich fühlte mich in dieser Welt sehr heimelig und konnte es kaum erwarten, weiterzulesen. Gerade die philosophischen Aspekte, die Marzi oft zwischen den Zeilen anbringt, machen dieses Buch zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Ich bin wirklich sehr gespannt, wann und ob der Autor es schafft, eine Fortsetzung dieser Geschichte zu schreiben. Vor allem besitzt diese Geschichte eine sehr tolle Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann, sofern man sich darauf einlässt. Marzi besitzt einen großen Ideenreichtum und beschreibt die Geschehnisse in seinen Romanen einerseits auf eine altertümliche Art, vermischt aber auch moderne Dinge wie Internet und soziale Netzwerke darin. Dieser Mix ist es auch, der seine surrealistischen Geschichten auf gewisse Art und Weise irgendwie doch wieder realistisch erscheinen lässt. „Mitternacht“ ist ein wirklich schönes und empfehlenswertes Buch, das man aufgrund seiner flüssigen Schreibweise sehr schnell liest. Ich freue mich schon sehr, wenn Christoph Marzi etwas Neues auf den Markt bringt.

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Fazit: Wunderschön geschriebenes All Age-Abenteuer über eine geheimnisvolle Welt der Toten.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Haus am Ende der Welt von Paul Tremblay

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Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  350 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31999-8
Kategorie: Horror, Thriller

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Das homosexuelle Ehepaar Eric und Andrew verbringen gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Adoptivtochter Wen eine Woche Urlaub in einem abgelegenen Ferienhaus in den Wäldern von New Hampshire. Doch eines Tages tauchen vier merkwürdige Besucher auf, die um Mithilfe bitten, den Weltuntergang zu verhindern. Schon bald beginnt für Eric, Andrew und Wen der schlimmste Albtraum ihres Lebens .

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Paul Tremblays Roman beginnt wie Michael Hanekes Film „Funny Games“ und entwickelt sich dann im weiteren Verlauf zu einem düsteren und bedrohlichen Dystopiethriller. „Das Haus am Ende der Welt“ ist sehr beklemmend und, sofern man sich darauf einlassen kann, ein unheimliches Szenario, das einem das Fürchten lehrt. Tremblay erfindet das Rad sicherlich nicht neu, aber sein Roman hebt sich von anderen Büchern dieser Art durch seinen außergewöhnlichen Schreibstil ab, an den man sich sicherlich erst einmal gewöhnen muss. Tremblay setzt als Protagonisten homosexuelle Ehepartner ein, was dem Roman auch eine gewisse sozialkritische Note verleiht. Der Autor behandelt diese Thematik sehr offen und normal, sodass alleine diese Tatsache schon einen Pluspunkt von mir bekommt. Die Charakterzeichnungen, die Tremblay vorlegt, sind zwar nicht hundertprozentig tiefgehend ausgearbeitet, aber sie reichen allemal, um die Personen näher kennenzulernen und den Geschehnissen eine glaubwürdige Dramatik zu verleihen .

Es ist an sich eine einfache Geschichte, die hier erzählt wird, aber dennoch wirkt sie durch ihre Eindringlichkeit sehr ausgeklügelt. Was wie ein Thriller beginnt und sich zu einer Dystopie entwickelt, endet letztendlich in einem Mysterium. Was mich schreibtechnisch an vielen Stellen an Stephen Kings Sohn Joey Hill erinnert hat, verursachte vor meinem inneren Auge einen Film im Stil von David Lynch. „Das Haus am Ende der Welt“ ist definitiv kein einfacher Roman, der dem Mainstream entspricht, sondern es handelt sich hierbei um einen außergewöhnlichen Plot, der viele Fragen offen- und eigene Interpretationen zulässt. Für manchen Leser könnte die Handlung etwas langatmig wirken, weil im Grunde genommen nicht wirklich viel passiert. Wenn man sich diese Vorfälle allerdings in der Realität vorstellt, entdeckt man einen unglaublich intensiven Horror, der einem Gänsehaut beschert .

Wie gesagt, das Buch ist nicht einfach und man muss sich auf die unkonventionelle Schreibweise einlassen können, um ein Gefühl für die Handlung und auch die Handlungsweisen der Protagonisten zu bekommen. Ich für meinen Teil spürte zumindest die permanent existierende Bedrohung und auch das flaue Gefühl im Magen, dass sich bei den Beteiligten ausbreitet. Da sich die Handlung auf nur einen einzigen Ort, nämlich die Hütte konzentriert, kommt natürlich von der ersten Seite an eine bedrohliche und beklemmende Stimmung auf, die sich bis zum Ende des Romans durchzieht und auch konstant beibehalten wird. „Das Haus am Ende der Welt“ hat mich auf jeden Fall soweit überzeugt ,dass ich mir andere Werke des Autors besorgen werde.

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Fazit: Unkonventionelles, apokalpytisches Szenario mit Gänsehauteffekt.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Cari Mora von Thomas Harris

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt  335 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27238-5
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Im Haus eines ehemaligen Drogenbarons soll angeblich  Gold versteckt sein. Der Organhändler Hans Peter Schneider sinnt zusammen mit der Verbrecherorganisation Ten Bells einen Plan, um an den „Schatz“ zu kommen.
Eine wichtige Rolle scheint Cari Mora, die Haushälterin des Hauses zu sein. Doch sie lässt sich nicht so einfach hinters Licht führen, wie Schneider anfangs meint …

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Da muss der geneigte Fan über ein Jahrzehnt sehnsüchtig auf einen neuen Roman von Thomas Harris warten – und dann sowas. Aber der Reihe nach.
Harris legte natürlich seine eigene Meßlatte mit den Büchern um Hannibal Lecter sehr hoch. Dass dann vielleicht dieses Niveau bei einem Folgebuch nicht mehr erreicht werden könnte, ist durchaus legitim und auch kein Beinbruch. Lecter ist einfach Kult und durchgehend gut erzählt und geschrieben. Warum wirkt aber „Cari Mora“ dann derart schlecht gegenüber allen anderen Büchern, die Harris verfasst hat? Der Schreibstil ist es definitiv nicht, denn der bewegt sich auf demselben Niveau wie die Vorgängerbücher. Es liegt wohl eher am Plot und an den etwas lieblos gestalteten Charakteren, die mir keinen Zugang zu der Geschichte verschafften.

Selbst Harris‘ erster Roman „Schwarzer Sonntag“, der es ebenfalls nicht wirklich mit den Lecter-Geschichten aufnehmen konnte, überzeugte mich mehr als es „Cari Mora“ auch nur auf einer Seite schaffte. Ich konnte mich mit den Personen absolut nicht anfreunden, ihr Handeln war mir teilweise vollkommen egal, da ich keine Beziehung zu den Protagonisten aufbaute. Und das betraf sowohl die Hauptcharaktere als auch die Nebenpersonen – keine rief irgendeine Emotion in mir hervor. Weder Sympathie noch Antipathie, sie waren mir schlichtweg egal. Das hatte natürlich zur Folge, das ich mich durch den mehr Krimi-, denn Thrillerplot förmlich quälte. Zu diesem Übel gesellte sich dann auch noch absolut fehlende Spannung. Nicht nur, dass mir die Personen egal waren, mich interessierte auch nicht, ob die Guten oder Bösen ihr Ziel erreichten. Eigentlich schade, denn Potential hätte das Buch letztendlich schon gehabt, hätte sich Harris die Mühe gemacht und den Protagonisten mehr Leben eingehaucht. So plätschert aber ein belangloser Raub am Leser vorüber, der nicht im Gedächtnis haften bleibt.
Etwas deprimierend fand ich auch, dass der Rooman lediglich 280 Seiten andauert. Die angegebene Seitenzahl von 335 beinhaltet eine Leseprobe von „Das Schweigen der Lämmer“. Die meisten Leser, die sich „Cari Mora“ zulegen, dürften diesen Thriller in ihrem Bücherregal stehen haben. Und wer nicht, der lässt nach der Lektüre des vorliegenden Romans wahrscheinlich eh die Finger davon.

Es tut mir noch immer in der Seele weh, diesen Roman als nur mittelmäßig zu bezeichnen, weil ich Thomas Harris als Autor nach wie vor verehre. „Cari Mora“ hat es aber auf alle Fälle geschafft, dass ich nicht weitere zehn Jahre danach giere, ob vielleicht doch noch einmal ein Roman dieses einst grandiosen Schriftstellers erscheint. Thomas Harris‘ neuester Roman ist mir nämlich diesbezüglich leider genauso egal wie das Schicksal der Romanfiguren aus „Cari Mora“. Harris‘ langerwarteter Thriller erweist sich als belangloses, uninspiriertes und im Grunde genommen ödes Geplänkel, das weit von einem Pageturner oder gar Bestseller entfernt ist. Der Killer ist ein Witz gegen Hannibal Lecter, zumal sich der Hauptplot um etwas ganz anderes, nämlich die Jagd nach dem gold dreht, und der ach so grausame Mörder eine Nebenrolle spielt. Eine Verfilmung erscheint unausweichlich, da nach dem Erfolg von „Das Schweigen der Lämmer“ jeder Roman von Thomas Harris verfilmt wurde. Mal sehen, ob die Leinwandadaption genauso unspektakulär und innovationslos wird.
Für mich stellt „Cari Mora“ leider den Untergang von Thomas Harris dar. Vielleicht kann er mich eines Tages aber noch einmal eines besseren belehren. Wünschen würde ich es mir.

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Fazit:  Seelenloser Thriller, der leider in keiner Weise die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten