Weißer Tod von Robert Galbraith (Cormoran Strike 4)

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Strike IV

Erschienen als gebundene Ausgabe mit Leseband
bei Blanvalet
insgesamt  864 Seiten
Preis: 24,00
ISBN: 978-3-7645-0698-8
Kategorie: Krimi

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Ein junger Mann, total verwirrt und ängstlich, sucht Cormoran Strike in dessen Büro auf. Er ist sicher, dass er als Kind Augenzeuge eines Mordes wurde. Immer wieder spricht er von einem erwürgten Kind. Doch bevor Cormoran nähere Informationen aus ihm herausbekommt, ergreift Billy, so der Name des psychotischen jungen Mannes, panisch die Flucht.

Unterdessen erhält Strike einen Auftrag aus dem Unterhaus. Ein Minister wird erpresst und Cormoran Strike und seine Partnerin Robin Ellacott sollen ermitteln. Sie nehmen den Fall an, doch Cormoran lässt ebenfalls der angebliche Mord, von dem Billy gesprochen hat, keine Ruhe.

Die beiden Ermittler machen sich an die Arbeit. Das gestaltet sich schwierig, denn durch den letzten erfolgreichen Fall „den Shaklewell Ripper“, ist Cormoran sehr bekannt und kann nicht mehr verdeckt ermitteln. Also muss Robin Ellacott die verdeckte Tätigkeiten übernehmen. Doch die hat es privat in ihrer jungen Ehe mit Matt auch alles andere als einfach.

Es scheint also ein undurchsichtiger, schwieriger Fall zu werden, der so einiges an Ideenreichtum und Einsatz fordert ….

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Dies ist der vierte Teil der Cormoran Strike-Reihe, den bekanntlich J. K. Rowling unter ihrem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht. Die Fans der Reihe werden nicht enttäuscht. Hier wird wieder mit viel Witz und Schlagfertigkeit ermittelt. Langweilig wird es auch auf über 800 Seiten keineswegs.

Die Handlung schließt nahtlos an den letzten Teil an und man ist als Leser wieder umgehend mittendrin und fühlt sich, als wären nur einige Tage vergangen.

Die Handlung ist wieder sehr aufwendig und verschlungen. Es werden unzählige Fäden ausgeworfen, die zum Ende hin aufgelöst werden. Der Schluss wurde mir, eben weil es alles so komplett und umfangreich aufgebaut wurde, letztendlich ein bisschen zu schnell abgehandelt. Näher möchte ich darauf nicht eingehen, denn dass würde ja bedeuten, dass ich zu sehr auf die Geschichte eingehen muss.

Cormoran und Robin haben natürlich nach wie vor viel miteinander zu tun, dennoch haben mir die beiden zu wenig aktiv miteinander interagiert. Ja, sie mögen sich nach wie vor und jeder macht sich ständig über den anderen Gedanken, sie telefonieren auch mal, aber alles andere hat, meinem Empfinden nach, ein wenig abgenommen. Und dass, obwohl sie sich ja nun länger kennen und auch wirklich gern haben. Das hat mich ein wenig enttäuscht, denn gerade die beiden, dieses Miteinander, ist es, was die Romane ausmacht. Der Roman heißt im Deutschen „Weißer Tod“, was gut übersetzt ist, denn der Originaltitel ist „Lethal White“. Ich bin bis zuletzt nicht dahintergestiegen, was der Titel bedeutet. Ich konnte keinen Bezug in der Handlung zum Titel finden. Sollte das jemand verstanden haben, dann freue ich mich über eine entsprechende Aufklärung in einem Kommentar.

Dennoch, auch dieser vierte Teil ist spannend, verzwickt und kurzweilig. Er entführt uns wieder in Pubs, Cottages und sogar das britische Unterhaus. Mir hat er Spaß gemacht und ich würde mich freuen, wenn es weitergeht.

Übrigens ist hinten im Buch darauf hingewiesen, dass die ersten drei Teile als Serie verfilmt wurden. Ich wusste es bis dahin nicht und war sehr angetan.

Weitere Infos finden sich hier:

Infos zur Miniserie Cormoran Strike

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© Buchwelten 2019

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1793 von Niklas Natt och Dag

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Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt  496 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3492061315
Kategorie: Krimi, Thriller, Historie

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Im Stockholm des Jahres 1793 wird eine verstümmelte Leiche in der schlammigen Stadtkloake angetrieben. Der Tote ist fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Zwei ungleiche Ermittler, der Jurist Cecil Winge und der traumatisierte Kriegsveteran Jean Michael Cardell machen sich auf die Suche nach dem Täter. Sie finden schon bald heraus, dass das Opfer mit geradezu chirurgischer Präzision gefoltert wurde, bevor es starb. Doch das ist bei weitem nicht der schlimmste Abgrund, der sich den beiden während ihrer Ermittlungen auftut …

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Bei „1798“ handelt es sich um einen sehr atmosphärischen historischen Thriller, der mich in der Tat von der ersten Seite an gepackt hat und bis zum Ende nicht mehr losließ. Der Roman wurde mit „Die Einkreisung“ von Caleb Carr und „Das Parfum“ von Patrick Süßkind verglichen und ich muss sagen, dass beide Vergleiche absolut angebracht sind. Der Autor hat einen wunderbaren Schreibstil, der einerseits absolut hochwertig, andererseits aber auch sehr leicht verständlich und flüssig ist. Zusätzlich zu diesem wunderbaren Schreibstil kommt noch eine sehr ansprechende Aufteilung der Geschichte hinzu, denn der Autor erzählt drei Handlungsstränge, die sich im Verlaufe des Buches natürlich miteinander verbinden. Man erkennt oder vermutet natürlich als Leser die Zusammenhänge, dennoch kommen immer wieder entsprechende Aha-Effekte zum Tragen.

Der Autor schafft es wunderbar, die Stimmung der damaligen Zeit zu schildern und mit Worten und seinen Beschreibungen anschaulich zu machen. Jedes Mal, wenn ich das Buch zur Hand genommen habe, fühlte es sich an wie eine Rückkehr in eine zwar unschöne und rohe Welt, die aber dennoch einen gewissen Reiz auf mich ausübte. Der Autor hat sehr intensive Recherchen durchgeführt, die sich durch das ganze Werk ziehen. Und auch wenn es manchmal fast schon wie ein Informations-Overflow wirkt, so ist der Roman dennoch niemals bezüglich dieser historischen Einschübe überlastet. Hauptaugenmerk liegt immer auf der Handlung, die lediglich durch historische Ereignisse gewürzt wird. Die Beschreibung, sprich Charaktere, der Protagonisten und deren Seelenleben ist dem Autor ebenfalls äußerst gelungen und ich habe jede ihre Handlungsweisen nachvollziehen können. „1793“ ist ein wirklich wunderbarer Roman, der den Leser in eine Vergangenheit entführt, die man bildlicher nicht hätte darstellen können.

Für viele mag dieser Roman sehr brutal sein, denn der Autor nimmt bei manchen Beschreibungen kein Blatt vor den Mund. Aus meiner Sicht wirkte er aber an keiner Stelle zu extrem, zumal er in einer Epoche spielt, in der die Menschen sowieso nicht zimperlich waren. Alle „Brutalitäten“ passen ohne Einschränkungen in die Handlung und geben ein sehr bedrückendes Bild ab, das wunderbar zum Gesamtwerk passt.

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Fazit: Für mich eine große literarische Entdeckung und Überraschung.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Koma von Kati Winter

Koma

Erschienen als Taschenbuch
bei Redrum Books
insgesamt  122 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3959575935
Kategorie: Horror, Thriller

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Maria ist die im Grunde genommen die glücklichste Frau der Welt. Denn sie heiratet ihren Märchenprinzen.
Doch dann erwacht sie in einem Albtraum sondergleichen. Maria liegt im Koma und ihr Ehemann hasst sie. Ihr Arzt vergewaltigt sie auf brutalste Weise und plötzlich ist da noch eine fremde Frau. Und ein Baby schreit!
Was ist Realität und wo beginnt der Wahnsinn?

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„Koma“ ist mein erstes Buch von Kati Winter. Und ich muss sagen, dass sie mich mit ihrer Novelle absolut überzeugen konnte. Es ist eine im Grunde genommen unspektakuläre Geschichte, aber der flüssige Schreibstil der Autorin packt einen von der ersten Seite an. Was mich besonders fasziniert hat, ist die Tatsache, dass Kati Winter es geschafft hat, die teils wirren Gedankengänge einer Komapatientin mit Worten einzufangen. Im Nachhinein betrachtet wirkt das Buch wie ein abstruser, unwirklicher Traum, dem man als Leser beiwohnen durfte. Die Autorin nimmt bei manchen Beschreibungen kein Blatt vor den Mund, was dem Buch noch eine weitere schockierende Seite verleiht. Wie oben schon erwähnt, ist die Handlung eigentlich relativ simpel, dennoch konnte mich Kati Winter, vor allem auch mit dem Finale, so richtig packen. In anderen Rezensionen habe ich gelesen, dass genau dieses Ende auf viele störend und unpassend wirkte. Das kann ich definitiv nicht behaupten, denn gerade diese Auflösung und dieses Ende haben mich berührt. Allerdings hätte es ruhig noch etwas länger dauern dürfen. 😉

„Koma“ ist eine Novelle, die man in einem Rutsch durchlesen kann. Durch die Ich-Erzählung wirkt die bedrohliche und verwirrende Situation natürlich noch um ein Vielfaches intensiver, ich hätte gut und gerne noch die doppelte Seitenanzahl lesen können. Winter vermittelt auch hervorragend die Verzweiflung und Angst der Protagonistin. Zu dieser Novelle gibt es übrigens auch eine Hörbuchversion, die von der Autorin selbst eingelesen wurde. Auch hier wurde die Atmosphäre sehr stimmig und treffend vermittelt. „Koma“ ist eine Geschichte, die im Gedächtnis haften bleibt und über die man auch noch eine Weile nachdenkt. Der Kurzroman ist eine Mischung aus Krimi und Thriller, vermischt mit einer Prise Sex. Ich hatte riesigen Spaß bei der Lektüre und kann dieses Buch guten Gewissens empfehlen. Ich werde definitiv noch andere Werke dieser Autorin lesen.

Wer sich für das Buch beziehungsweise die Hörbuchversion interessiert, sollte sich einmal folgende Buchvorstellung der Autorin ansehen:

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Fazit: Faszinierende Mischung aus Krimi und Thriller. Sehr atmosphärisch und mit einem fast schon melancholischen Ende.

© Wolfgang Brunner für Buchwelten

Wir sind Götter von Dennis E. Taylor

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Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  448 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31921-9
Kategorie: Science Fiction

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Die Evakuierung  der Menschheit ist in vollem Gange und die ersten Planeten sind bereits besiedelt. Bob Johansson, einst Mensch und mittlerweile sich selbst reproduzierende KI kümmern sich um das Überleben der Menschheit. Alles läuft nahezu perfekt mit der Kolonialisierung im Weltall, bis sich eine außerirdische Bedrohung nähert und nach Rohstoffen sucht. Bob und seine unzähligen Klone bereiten sich auf einen Kampf vor.

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Mit „Wir sind Götter“ setzt Dennis E. Tayler seine Trilogie um Bob Johansson, einer künstlichen Intelligenz, fort. Obwohl es schon ein wenig her ist, dass ich den ersten Teil aus dem „Bobiversum“ gelesen habe, kam ich bereits nach den ersten Seiten wieder absolut in die Handlung. Taylor setzt seine Geschichte konsequent fort und was sich im ersten Teil, der den Titel „Ich bin viele“ trägt nur abzeichnet, wird hier im zweiten Teil richtiggehend episch ausgearbeitet. „Wir sind Götter“ entwickelt die Trilogie zu einer Art Space Opera. Allerdings nicht so, wie man es als  Science Fiction-Leser gewohnt ist, sondern es geht in eine vollkommen andere Richtung. Der Plot stellt sich nämlich erst bei genauerem Nachdenken als episch heraus. Bob hat sich mittlerweile sehr oft geklont und man könnte durchaus meinen, dass man während des Lesens die Übersicht verliert. Aber irgendwie schafft es der Autor, dass es nicht allzu verwirrend wird. Taylor setzt auch in diesem zweiten Teil  einen speziellen Humor ein, der sich durch das ganze Buch zieht. Vor allem das Star Trek-Universum muss für viele Anspielungen herhalten. Ich fühlte mich grandios unterhalten und habe mich an mehreren Stellen köstlich amüsiert.

Die Entwicklung des Plots war für mich erst einmal nicht ganz vorhersehbar, sodass ich bis zur Hälfte des Buches wirklich gespannt war, wie es weitergeht. „Wir sind Götter“ ist eindeutig ein spezieller Roman, der sich vom gängigen Science-Fiction-Abenteuern abhebt. Was mir wirklich besonders gut gefallen hat, war, wie auch schon im ersten Teil, die Beschreibung der verschiedenen Charaktere der Künstlichen Intelligenzen, die ja im Grunde genommen nur eine einzige Person sind. Ich bin wirklich schon sehr gespannt, wie Taylor seine Handlung im dritten Teil vorwärts treibt. „Alle diese Welten“ heißt der finale Band, der noch in diesem Jahr bei Heyne erscheinen soll. So wie sich am Ende der Plot abzeichnet, könnte sich im dritten Band tatsächlich eine wirklich epische Space Opera entwickeln, die dem Gesamtwerk dann eine ganz besondere Note verleiht.

Was mit dem ersten Band relativ langsam beginnt, entwickelt sich nun im zweiten Band zu einem furiosen Weltraumabenteuer, das mir vor allem durch seine Komplexität sehr gefallen hat. Sollte Taylor den Spannungsbogen genauso fortführen beziehungsweise erhöhen wie zwischen Band 1 und 2, so könnte ich mir durchaus vorstellen, dass der dritte Teil bombastisch werden könnte. Taylor hat es tatsächlich geschafft, zumindest für mich, eine Art Kultroman zu schreiben, denn die Handlung und seine Charaktere beschäftigen mich auch noch lange, nachdem ich das Buch zugeschlagen hatte. Der Plot dieses Weltraumabenteuer erinnert mich teilweise ein wenig an die Romane von alten Meistern, wie etwa Larry Niven, um wenigstens einen zu nennen. Bob Johansson, der eigentliche Protagonist, hat mich auf alle Fälle nachhaltig beeindruckt und ich bin sicher, dass Taylor nach dieser Trilogie noch weitere innovative Abenteuergeschichten schreiben wird. Auch Freunde von Peter F Hamilton dürften an dieser Trilogie ihre wahre Freude haben.

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Fazit: Komplex und dennoch in hohem Maße unterhaltend und auch witzig.

©2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Habitat von Peter Cawdron

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  350 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31963-9
Kategorie: Science Fiction

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Die Menschheit hat es geschafft und den Mars kolonisiert. Die erste Siedlung in Form eines Habitats nennt sich „Endeavor“ und wird als Triumph des menschlichen Forscherdrangs gefeiert. Wissenschaftler, Techniker und Astronauten arbeiten und forschen, bis plötzlich die Funksignale von der Erde verstummen. Vollkommen auf sich allein gestellt  rätseln sie darüber, was auf der Erde geschehen sein könnte. Denn ohne Hilfe der Erdbewohner würde bald ein Überlebenskampf auf dem Mars beginnen  …
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Ähnlich wie Andy Weir in seinem atemberaubenden Debütroman „Der Marsianer“ entführt uns Peter Cawdron mit „Habitat“ in eine Zukunft, die gar nicht so weit entfernt scheint. Wissenschaftlich fundiert und äußerst spannend entwirft der Autor eine Welt, in der man sich trotz aller Schrecken die dort passieren, auf gewisse Art und Weise wohl und heimelig fühlt. Dem Autor gelingt es von der ersten Seite an, den Leser zu fesseln und in die Geschichte hineinzuziehen. Obwohl nicht wirklich viel passiert, kann man das Buch schwer aus der Hand legen, denn der flüssige Schreibstil und die Flut an Informationen schaffen es, dass man die Welt um sich herum vollkommen vergisst und unbedingt wissen will, wie es den Protagonisten ergeht. Mit einer Ausgangssituation, die man zwar aus diversen Science-Fiction-Filmen und -Büchern schon kennt, schleudert Cawdron seine Leser in ein wahres Pageturner-Szenario. Cawdron hat hervorragend recherchiert und man nimmt ihm alles, was (noch) nicht Wirklichkeit geworden ist, absolut ab.

Selbstredend, dass man sich bei diesem Handlungsort natürlich sofort an „Der Marsianer“ erinnert, doch der Autor geht einen Schritt weiter und widmet sich in seinem Roman nicht nur einem einzelnen Menschen, der auf dem Mars zu überleben versucht, sondern schildert die Probleme einer ganzen Gruppe von Menschen, die aus verschiedenen Ländern der Welt stammen. Es ist wirklich mit äußerstem Geschick beschrieben, wie sich die einzelnen Nationalitäten ins Gehege geraten. Cawdron stellt in seinem Roman den Menschen in den Mittelpunkt, obwohl es in „Habitat“ auch sehr viel, um nicht zu sagen eigentlich hauptsächlich, um künstliche Intelligenz geht. Die Entwicklung des Plots ist absolut atemberaubend und, wie oben schon erwähnt, obwohl nicht viel passiert, kann man sich dem Sog dieses Buches schlichtweg nicht entziehen.
Auf den ein oder anderen mag die erste Hälfte des Buches langatmig wirken, für mich war dieser langsame Einstieg ein optimales Stilmittel, um eben jene atemberaubende Spannung zu schaffen, die die zweite Hälfte des Buches dann einnimmt.

Das einzige klitzekleine Manko, dass dieser Roman für mich hatte, war, dass er im Präsens geschrieben wurde. Daran musste ich mich während der ersten Seiten erst einmal gewöhnen. Wenn man aber genauer darüber nachdenkt, ist gerade die Schilderung in der Gegenwartsform ausschlaggebend für die Intensität der Geschichte. Ich hätte mir durchaus vorstellen können, dass die Story noch hundert oder mehr Seiten länger hätte dauern können, denn dann wären vielleicht die Charakterzeichnungen tiefer gehender und deutlicher geworden und der Leser hätte noch mehr Anteil an ihrem Schicksal genommen. So ist es aber leider so, dass einem trotz der unglaublichen Spannung und tollen Atmosphäre  die Personen relativ egal sind.  Man hätte den Plot durchaus mehr ausweiten und sogar eine Trilogie machen können, finde ich. Denn dann wäre auch das interessante Leben auf dem Mars nicht zu kurz gekommen. Und die zwischenmenschlichen Beziehungen hätten viel intensiver beschrieben und eindringlicher beschrieben werden können. Aber im Grunde genommen ist meine Kritik diesbezüglich ein Jammern auf hohem Niveau, denn „Habitat“ hat mich hervorragend unterhalten und ich freue mich schon sehr auf ein (hoffentlich) weiteres Werk des Autors.

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Fazit: Spannendes, sehr authentisches Marsabenteuer.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

The End von Eric Wrede

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Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag 
insgesamt  190 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-453-27181-4
Kategorie: Sachbuch, Lebenshilfe

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Wir alle müssen irgendwann sterben. Aber wie geht Sterben? Und wie funktioniert das Beerdigen und Trauern richtig? Eric Wrede geht mit seinem Bestattungsunternehmen vollkommen neue Wege, erklärt und begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg jenseits aller bekannten Konventionen.

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Eric Wredes „Buch über den Tod“ bringt eigentlich nichts Neues. Wie sollte es auch? Denn über dieses Thema wurde schon viel geschrieben. Allerdings unterscheiden sich Fredes Überlegungen zum Sterben und Tod letztendlich dann doch irgendwie von allen anderen Werken, die ich kenne. Denn der junge Bestatter geht mit seinem Bestattungsunternehmen „lebensnah“ und auch seinen persönlichen Einstellungen einen ganz eigenen und innovativen Weg in Sachen Bestattung, der vielen Menschen (unter anderem auch mir) extrem gefallen dürfte. Das ist etwas an diesem Buch, das mich vollkommen überzeugt hat. Rede räumt mit den gängigen Konventionen zu diesem Thema auf und schafft Klarheit in vielen Dingen, die mit den Toten, den Trauernden und hinter den Kulissen eines Bestattungsunternehmens passieren. Ich selbst habe mich über einige Jahrzehnte mit diesem Thema beschäftigt und muss sagen, dass der Autor einen sehr schönen Weg gewählt hat, um den Menschen dieses Tabuthema unserer Zeit (und vor allem auch unseres Landes) nahe zu bringen. Er verklärt nichts und nimmt das Thema sehr ernst, aber dennoch auch mit einer gewissen Portion Humor. Und genau diese Mischung macht es aus, so dass man tatsächlich beim Lesen dieses Buches ein wenig Angst vor dem Tod verliert bzw. sich Gedanken um das eigene Ableben macht. Genau das war wahrscheinlich auch Fredes Anliegen. Mission erfolgreich abgeschlossen.

Interessanterweise liest man zwischen den manchmal kühl und distanziert wirkenden Zeilen eine unglaublich menschliche Wärme. Ich würde es schon fast als kleines Wunder bezeichnen, wie hier mit der Thematik Sterben und Tod umgegangen wird.
Es bleibt vieles haften, wenn man das Buch zur Seite gelegt hat. Eric Wrede gibt mit seinem Buch eine einzigartige Hilfestellung zum Umgang mit dem Tod eines Nahestehenden, aber auch mit dem eigenen (unweigerlich irgendwann bevorstehenden) Tod. Unaufdringlich und informativ, aber niemals die Menschlichkeit vergessend, erklärt der junge Autor, was mit einem selbst und den Angehörigen passiert, wenn das Leben endet. Das ist eine äußerst beeindruckende Arbeit, vor der ich meinen Hut ziehe. Und obwohl es um den Tod geht, stecken in diesem Buch auch sehr viele lebensbejahende Dinge, die man sich zu Herzen nehmen sollte. Eric Wrede holt mit seinen Worten den Ursprung des Trauerns und einen angstfreien Umgang mit dem Tod in unsere Herzen zurück, vorausgesetzt natürlich, man lässt sich darauf ein.

Ein bisschen habe ich mich während des Lesens immer wieder an die herzensgute und allzu menschliche Familie Fisher aus der grandiosen Fernsehserie „Six Feet Under“ erinnert. Auch dort wurde der natürliche Umgang mit dem Tod (der ja auch ’nur‘ natürlich ist) forciert. Ähnlich verhält es sich mit „The End“ – man liest, merkt sich Dinge und denkt schließlich darüber nach. Wrede macht mit seinem Buch auch den Beruf des Bestattungsunternehmers wieder sympathisch und glaubwürdig, zumindest, wenn man sich so wie Wrede gegenüber Trauernden verhält. Alleine deswegen sollte man dieses Buch gelesen haben. Und obwohl ich bereits Unmengen an Literatur zu diesem Thema gelesen (und studiert) habe, so brachte mir Eric Wrede mit seinen Aus- und Überlegungen wieder neue Aspekte nahe. Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben und wer weiß, ob ich dem Bestattungsinstitut „lebensnah“ nicht einmal einen Besuch abstatte, wenn ich mal wieder in Berlin bin. 😉

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Fazit: Neue Denkanstöße zu einem der ältesten Themen der Welt: dem Tod. Menschlich, informativ und auch humorvoll. Sollte man gelesen haben.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Active Memory von Dan Wells

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag 
insgesamt  430 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-492-28023-5
Kategorie: Science Fiction, Fantasy

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Wir schreiben das Jahr 2050. Die junge Hackerin Marisa verlor im Alter von zwei Jahren bei einem Autounfall ihren Arm. Noch immer will Marisa wissen, wie es zu diesem Unglück gekommen ist, denn nicht nur sie verlor ihren Arm, sondern es kam auch eine Frau ums Leben. Die Vergangenheit holt Marisa immer wieder ein. Doch als jetzt die frisch abgetrennte Hand jener Frau gefunden wird, die bei diesem Unfall ihr Leben lassen musste, greift die Vergangenheit mit aller Macht nach Marisa. War die Frau etwa noch am Leben? Marisa beginnt auf eigene Faust zu ermitteln …

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Da ist er nun also: Der dritte Teil von Dan Wells „Mirador Saga“. Und sie stellt für mich eigentlich den besten Teil der Trilogie dar. Denn Wells widmet sich in diesem Roman nicht länger nur einer Cyberwelt, sondern lässt seinen Plot zum größten Teil in der Realität spielen. Was mich daran besonders begeistert hat, ist die Tatsache, dass der Leser zurück in Marisas Vergangenheit geführt wird und nun endlich erfährt, was sich hinter dem tragischen Unfall verbirgt, bei dem Marisa ihren Arm verloren hat. Ich habe diese Entwicklung des Plots als äußerst gelungen empfunden, weil Dan Wells dadurch auf gewisse Art und Weise den Kreis schließt und die drei Bände zu einem Gesamtwerk gemacht hat. Da bei diesem dritten Band weniger technische Details beschrieben werden, lässt sich „Active Memory“ außerdem weitaus flüssiger lesen als die beiden Vorgänger.

Dan Wells Schreibstil ist nach wie vor sehr gehoben, aber dennoch, wie gesagt, absolut flüssig zu lesen. Man fliegt nur so durch die Seiten und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Insgesamt trägt gerade dieser dritte Teil dazu bei, dass mir Wells‘ Mirador Saga im Gesamten außerordentlich gut gefällt. Der Plot um das junge Mädchen bleibt nachhaltig im Gedächtnis und regt so manches Mal auch zum Nachdenken über die Entwicklung unserer Welt nach. Dan Wells schafft eine hervorragende Gratwanderung zwischen Unterhaltung und Gesellschaftskritik.
Die Zukunftsvision, die Dan Wells mit dieser Trilogie erschaffen hat, wirkt oftmals gar nicht mehr so weit entfernt. Denn so manches in der Entwicklung unserer heutigen Zeit deutet darauf hin, dass einiges davon in naher Zukunft tatsächlich so ablaufen könnte. Wells kümmert sich aber in seiner Trilogie nicht nur um sozialkritische Aspekte, sondern stellt auch eine innige Freundschaft zwischen jungen Menschen in den Vordergrund und weist zwischen den Zeilen daraufhin, wie wertvoll genau solche menschlichen Eigenschaften und Freundschaften sind.

Das Ende ist sehr schön und spiegelt eine im Grunde genommen wunderbare Vater-Tochter-Beziehung wieder, die sich letztendlich bei genauerer Betrachtung durch alle drei Romane zieht. Dan Wells hat sich mit dieser Trilogie definitiv von seinen Serienkiller-Romanen entfernt und ein wirklich lesenswertes Abenteuer geschaffen, das sowohl für jugendliche Leser als auch für Erwachsene geeignet ist und an das man sich gerne noch länger erinnert. Vor allem die gelungene Mischung aus Abenteuer, Science Fiction und Krimi hat mich absolut überzeugt. Sollte ich noch einmal Zeit dafür finden würde ich die „Mirador Saga“ gerne noch einmal lesen. Man könnte diese Reihe durchaus als All Age Roman bezeichnen, denn, wie oben schon erwähnt, werden Leserinnen und Leser verschiedener Altersstufen von der Thematik angesprochen.
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Fazit: Absolut gelungener Abschlussband der Mirador Saga, der mir sehr gut gefallen hat.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Amok Baby von André Bawar

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Erschienen als Taschenbuch
im emons Verlag
insgesamt 240 Seiten
eigentlicher Preis: 14,95 €
ISBN: 978-3-95451-476-2
Kategorie: Thriller

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In Berlin werden Mediziner und/oder Menschen, die im medizinischen Bereich tätig waren, Opfer einer krassen Mordserie. Sie alle haben sich an gehandicapten Kindern eine goldene Nase verdient und durch die Behinderung der Kinder richtig viel Geld verdient. Nun werden sie eine/r nach dem anderen getötet. 

Kommissar Piontek wird auf die Ermittlungen angesetzt und er deckt Korruption und dreiste Geschäftspraktiken auf. 

Aber was hat die kleine Friederike Marx mit der Mordserie zu tun? Wie passt sie in das Schema? Sie war doch „nur“ eines der behinderten Kinder, an denen verdient wurde. Ist hier Rache im Spiel?

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Oben unter dem Bild habe ich geschrieben, dass das Buch eigentlich 14,95 € kostet, so steht es auf der Verlagsseite. Ich habe das Buch jedoch tatsächlich in einem 1€ Shop entdeckt und aufgrund des Klappentextes gekauft.

Ich kenne mich mit behinderten Kindern nicht aus, fand es aber dennoch spannend, zu erfahren, wie sich Ärzte, Krankendienste und Sanitätshäuser hier womöglich bereichern. Und ich muss sagen: Ganz oft kam hier Wut auf, musste ich sprachlos den Kopf schütteln, als ich las, was dort in diesen Bereichen so abgeht (angeblich abgehen soll, es ist ja ein Roman ☺).

Der Autor erzählt seinen Thriller in 3 Handlungssträngen:

  1. Heute: In der Gegenwart scheint ein Arzt gerade seine finalen Lebensminuten zu erleben. Der Rächer ist in seinem Büro und rechnet ab.
  2. Beginn 2007: Friederike wird geboren und wir begleiten die Eltern des behinderten Kindes durch ihren Alltag, dem ganzen Elend aus Angst, dauernder Hoffnung, Wut & Hilflosigkeit
  3. 2013: Die Mordserie nimmt seinen Anfang und wir begleiten Kommissar Piontek und seine Kollegin bei den Ermittlungen.

Der Thriller ist sehr spannend, fesselnd und rasant geschrieben. Dass ich dennoch einige Wochen daran gelesen habe, liegt lediglich an meinem persönlichen Zeitproblem.

Den Alltag der Eltern von Friederike zu erleben, die an der Behinderung ihrer Tochter zu zerbrechen drohen, das war schon krass und traurig. Nervenaufreibend und schlimm. Denn die beiden liebten ihre Tochter abgöttisch und wussten nicht, was mit ihr los war. Sie wurden von Arzt zu Arzt und von Therapie zu pädagogischen Diensten gescheucht. Ihnen wurden teure Therapien und Hilfsmittel verordnet (die natürlich voll von der Krankenkasse übernommen werden, diese jedoch im Handling total untauglich sind!). Sie kämpften um das Leben ihrer Tochter, wünschten sich, dass sie sich entwickelt. Versuchten irgendwie ihre Ehe am Laufen zu halten, haben sie doch bald nur noch sich selbst. Denn Freunde und Bekannte ziehen sich immer mehr zurück. So ein Problemkind bringt natürlich auch soziale Schwierigkeiten mit sich. 

Ich könnte noch unendlich weiterschreiben, doch man liest schon heraus, dass es nur zu verständlich ist, dass Eltern vielleicht irgendwann mal nicht mehr können. Doch warum es zu der Mordserie kommt oder wie das alles zusammenhängt, werde ich natürlich nicht verraten. Denn dazu sind die Entwicklungen und Wendungen viel zu gut durchdacht und ausgeklügelt niedergeschrieben. 

Der Autor hat hier einen sehr guten Thriller abgeliefert, der Einblick in eine Maschinerie gewährt, die ich/die meisten Eltern ja (man muss schon sagen „zum Glück“) nicht kennen. Ich selbst finde es ja schon stressig, wenn mein Sohn fremdelt und bei der U-Untersuchung beim Kinderarzt nicht so mitmachen will, wie er sollte. Doch wenn man diesen Roman liest, dann sind solche Probleme ja eigentlich lachhaft.

Traurig und erschreckend ist dieser Roman, dennoch auch voller Liebe und Hoffnung und einer ganzen Menge Ungerechtigkeit. Meine klare Leseempfehlung. 

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© Buchwelten 2019

 

Eiswelt von Jasper Fforde

eiswelt

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 654 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31969-1
Kategorie: Fantasy, Science Fiction, Belletristik

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In einer Parallelwelt, die der unseren in vielen Belangen gleicht, versinkt die Menschheit während der Wintermonate unter Schnee und Eis. Die Menschen ziehen sich in Türme zurück, wo sie Winterschlaf halten. Und die Winterkonsuln wachen über den Schlaf der Menschen, während sich draußen in der dunklen Welt Ungeheuer herumtreiben. Der junge Charlie wird zu einem dieser Konsule ernannt und muss seinen ersten Winter im Wachzustand überdauern. Doch schon bald entwickelt sich ein Dienstantritt zu einem wahren Albtraum, denn tatsächlich schläft nicht alles im Winter …

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Aufgrund des Klappentextes bin ich mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Roman herangegangen. Das Szenario las sich wirklich gut und, wenn ich ehrlich bin, ging das Ganze auch wirklich ziemlich gut los. Der Einstieg in diesen Roman hat mir sehr gut gefallen und ich war anfangs sehr neugierig, wie sich der Plot weiterentwickeln würde. Fforde hat sehr außergewöhnliche Ideen, die sehr unterhaltsam sind. Wie gesagt, der Einstieg hat mir sehr gefallen und ich rechnete natürlich damit, dass mich diese Atmosphäre bis ans Ende des Buches begleiten würde. Leider entwickelte sich der Roman jedoch im Verlaufe der Handlung immer mehr zu einem langatmigen Werk, durch dass ich mich ab der Hälfte etwa fast schon durchquälen musste.

Ich kann nicht einmal genau sagen, woran es lag, denn die Handlung und die Ideen haben mich auch bis zum Ende nach wie vor gut unterhalten. Es lag womöglich am nicht wirklich flüssig zu lesenden Schreibstil des Autors, der mich immer wieder ungeduldig werden ließ. Bei manchen Kapiteln konnte ich gar nicht abwarten, bis es endlich zu Ende war und ein eventueller Szenenwechsel wieder etwas mehr Schwung in die Handlung bringen würde. Letztendlich plätschert der Plot nämlich einfach so dahin. Man gewöhnt sich an den außergewöhnlichen Schauplatz und findet nichts Interessantes mehr daran.

Meine Begeisterung hält sich daher im Rahmen. Was mir anfangs noch gefallen hat, hat mich am Schluss eigentlich nur noch gestört und ich wollte endlich zum Ende kommen. Der Schreibstil des Autors ist weitestgehend auch noch sehr zähflüssig, sodass man sich an manchen Stellen ertappt fühlt,  die Sätze lediglich nur noch zu überfliegen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Das ist an sich sehr schade, denn der Roman hätte weitaus mehr Spaß gemacht, wäre er um rund die Hälfte kürzer gewesen. Es wird einfach zu viel  erklärt und in die Länge gezogen, was letztendlich dazu führt, dass man sich langweilt und nicht mehr wirklich konzentriert liest. Gerade diese Langatmigkeit und die ausufernden Beschreibungen sind es, die den Lesespaß sehr dämpfen. Was am Anfang interessant begann, entwickelt sich also zum Ende hin immer mehr zu einem zähen Brei, den man irgendwie so schnell wie möglich hinter sich bringen will.

Ich kann nicht genau beschreiben, was mich an diesem Buch letztendlich so gestört hat. Fakt ist, dass ich ab der Hälfte des Buches nicht mehr konzentriert gelesen habe, dadurch auch die Übersicht über die verschiedenen Personen und den Plot verloren und mich auch teilweise gelangweilt habe. Das ist eigentlich schade, denn, wie gesagt, die außergewöhnlichen Ideen des Autors und auch das Szenario haben mich dennoch angesprochen, was irgendwie einen Widerspruch zu meinem Gesamteindruck darstellt. Trotz meiner mittelmäßigen Begeisterung kann ich aber durchaus sagen, dass sich der Roman auf eine gewisse Art und Weise im Gehirn festsetzt. Es ist wirklich verwunderlich, dass ich viele Szenen im Gedächtnis behalten habe und mich daran erinnere, obwohl mir der Roman im Gesamten nicht wirklich gefallen hat. Ich persönlich habe auf jeden Fall mehr erwartet, als mir letztendlich geboten wurde.

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Fazit: Trotz toller Ideen sehr langatmig.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Seelenfänger von Andreas Brandhorst

seelenfänger

Erschienen als Taschenbuch
im Piper-Verlag
insgesamt 640 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-492-28188-1
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Zacharis Calm ist ein sogenannter Traveller. Er kann sich mithilfe einer Droge in den Seelenzustand eines Menschen versetzten und sieht dessen Psyche wie eine eigene Welt vor sich, in der er sich auch frei bewegen kann. Als Zacharias zusammen mit Kollegin und Psychologin Florence in die psychische Welt eines Komapatienten eindringt, trifft er auf einen mysteriösen Feind, der die Realität, in der die Menschen leben, zerstören will …

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Brandhorst schreibt Geschichten, die eigentlich nicht schreibbar sind. 😉
Mit „Seelenfänger“ beweist er dies erneut. Andreas Brandhorst MUSS Filmfan sein, sonst wären die Anspielungen auf Filme wie „Matrix“, „Inception“, „Avatar“ oder „Tron“ nicht erklärbar. Das Gute daran ist: Brandhorst kopiert nicht, sondern verbeugt sich vor diesen cineastischen Meilensteinen. Im Falle von „Seelenfänger“ macht das einen unglaublichen Spaß und sobald man sich auf die schräge Handlung eingelassen hat, kann man sich nicht mehr davon losreißen.

Andreas Brandhorst nimmt uns auf unglaubliche Reisen mit, die sich durch seinen bildhaften Schreibstil im Kopf der Leser ausbreiten, als sähen sie tatsächlich einen Film voller Computereffekte. Obgleich einem die Story an ein paar Stellen extrem verwirrend vorkommt, vermag der Leser, der sich darauf einlassen kann, das Ganze am Ende doch auf geheimnisvolle Weise verstehen. Das ist eine Kunst, die nur wenige Autoren beherrschen: Brandhorst gehört dazu. Er wirkt auf mich fast wie ein deutscher Iain Banks.

Wer sich auf Fantasiewelten und unmöglich Erscheinendes einlassen kann, wird mit einem wahren Feuerwerk an Ideen und Welten belohnt, dem man sich schwer entziehen kann. Der Suchtfaktor bei diesem Roman ist sehr groß. Andreas Brandhorst kann mit seinem Werk zwar Tad Williams genialer „Otherland“-Reihe nicht das Wasser reichen, aber er schafft mit seinem Science Fiction-Thriller zumindest etwas Ähnliches: Der Leser kann sich fallenlassen und in fremde Welten entschweben, um darüber nachdenken, was real und was surreal ist.
Ein unerschöpflicher Einfallsreichtum beschert großes Kopfkino, das man mal „gesehen“ haben sollte. Für mich ein großer SF-Roman aus Deutschland, der sich vor internationaler Konkurrenz nicht verstecken braucht.

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Fazit: Mit einer Mischung aus „Inception“ und „Matrix“ entführt Andreas Brandhorst seine Leser in unglaublich vielfältige Realitäten. Ein Roman zum Nachdenken, aber auch zum Fallenlassen und Genießen.

© 2015  Wolfgang Brunner für Buchwelten