Meine Leseliste 2019

+ L e s e l i s t e  2 0 1 9 +

#lesefieber #schongelesen #leselistedesjahres #washabeichgelesen 

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1.) 16.01.2019 – AMOK BABY von André Bawar

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Georgetown – Sinnfinsternis von Reyk Jorden

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Erschienen als Taschenbuch
im Redrum Verlag
insgesamt  292 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-95957875-2
Kategorie: Horror, Thriller

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Trent Adams hasst nicht nur die Welt, sondern auch die Menschen. Und am allermeisten sich selbst. Als in seiner Heimatstadt Georgetown die Toten wieder zum Leben erwachen, betrachtet er das Geschehen zunächst einmal mit einem bitterbösen Blick. Eine Odyssee durch eine zombieverseuchte Stadt beginnt und bald ahnt Trent, , dass nicht nur die Zombies ein Problem in Georgetown sind.

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Reyk Jorden hat Philosophie, Soziologie und Anglistik studiert. Und das merkt man seinem außergewöhnlichen Zombieroman schon nach den ersten Seiten an. Auch wenn Jorden manchmal in eine etwas härtere (Umgangs-)Sprache verfällt, so ist der Großteil seiner apokalyptischen Vision in einem gehobenen Schreibstil verfasst, der, hat man sich erst einmal daran gewöhnt, sehr faszinierend auf den Leser wirkt. Jordens Roman erinnerte mich zwar oftmals an „Day Of The Dead“ des großartigen George A. Romero, geht aber dennoch eigene Wege. In erster Linie ist es dem sympathischen, wenn auch etwas menschenfeindlichen Protagonisten Trent Adams zu verdanken, dass sich „Georgetown-Sinnfinsternis“ recht schwer aus der Hand legen lässt. Zu spannend sind die relativ kurzen Kapitel gehalten, so dass man sich gezwungen sieht, noch kurz ein weiteres Kapitel zu lesen, um zu erfahren, wie die Story sich weiter entwickelt.

Reyk Jorden hat einen Roman erschaffen, der (natürlich und glücklicherweise) auch Genreklassiker, sei es nun in Film- oder Buchform, thematisiert und zitiert. Auf oftmals zynische Weise lässt sich der Autor über diverse Missstände der heutigen Gesellschaft aus und erscheint in meinen Augen fast wie ein literarischer George A. Romero, der seine sozialkritischen Aspekte geschickt in einen spannenden und blutigen Albtraum verpackt. Dadurch bedient er sowohl ein Publikum, das Wert auf reißerische Szenen legt, als auch intellektuelle Leser, die eine philosophische Botschaft in einem Werk erwarten. Jorden bewältigt diese Gratwanderung grandios, denn man wird mit „Georgetown-Sinnfinsternis“ tatsächlich in beiden belangen zufriedengestellt. Da wechseln sich Splattereinlagen mit philosophischen Gedanken ab, dass es eine wahre Freude ist. Vor allem die humoristische Art, die Reyk Jorden des Öfteren benutzt, um seinen Protagonisten zu charakterisieren, unterhält wirklich hervorragend. Vielleicht ist es gerade diese im ersten Moment absurd wirkende Mischung aus Humor und hartem, gewalttätigem Horror, die „Georgetown-Sinnfinsternis“ zu einem besonderen Zombieroman machen.

Kommen wir nun zum Ende des Romans, also zu der Auflösung. Auch wenn diese überraschende Wendung nicht unbedingt etwas Neues ist (wer kann sich in diesem Genre auch noch etwas wirklich Neues ausdenken?), so hat Jorden hier ein absolut glaubhaftes und erschreckendes Szenario entwickelte, das mich richtiggehend begeistert hat. Hinzu kommt, dass ab jenem Moment, in dem der Leser erfährt, was wirklich in Georgetown passiert, eine unglaublich dichte Atmosphäre geschaffen wird, die fast schon wie ein Film wirkt. Reyk Jorden besitzt überhaupt die Gabe, seinen Plot nahezu filmreif niederzuschreiben. Das endgültige Ende lässt kurzzeitig den Gedanken aufblitzen, dass es eventuell sogar mit Trent Adams weitergehen könnte, aber es könnte genauso gut ein deprimierendes, hoffnungsloses und offenes Ende darstellen, das dem Gesamteindruck des Romans entsprechen würde. Jorden ist auf alle Fälle ein Schriftsteller, den man im Auge behalten sollte, denn durch seine nicht alltägliche Schreibweise hebt er sich definitiv und wohltuend von anderen Genre-Autoren ab. „Georgetown-Sinnfinsternis“ macht Spaß, regt zum Nachdenken an und schockiert an manchen Stellen. Genau diese Mischung macht den Reiz dieses Romans aus.

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Fazit: Brutaler, atmosphärischer und philosophischer Zombieroman der etwas anderen Art.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Solo von Mur Lafferty

9783764532123

Erschienen als Taschenbuch
im Penhaligon Verlag
insgesamt 348 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-7645-3212-3
Kategorie: Science Fiction

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Der junge Han Solo träumt von einem eigenen Raumschiff, um seinen Heimatplaneten Corellia zu verlassen und das Universum entdecken. Doch sein Leben ist erfüllt von Armut und Verbrechen, sodass dieser Traum unmöglich erscheint. Zusammen mit Qi’ra, die er zufällig kennenlernt, wagt er schließlich die Flucht. Doch durch Qi’ra gerät Han Solo noch immer mehr in die Welt der Schmuggler und Verbrecher. Qi’ra und Han planen einen Raubüberfall, um dem Ganzen zu entkommen. Doch es läuft nicht so, wie die beiden dachten …

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Mur Lafferty legt nach „Rogue One“ (den sie allerdings nicht verfasst hat) mit „Solo“ das zweite Spin-Off des „neuen“ Star Wars Universum in Buchform vor. Wie gewohnt, wird auch dieses Abenteuer nicht stur nach dem Film nacherzählt, sondern bildet zusätzlich einen eigenen Plot, der das Filmerlebnis erweitert. Laffertys Schreibstil ist sehr angenehm und kurzweilig, so dass absolut keine Längen im Buch vorkommen, wenngleich der Abenteuerfaktor so manches Mal doch ein wenig zu kurz kommt. Das tut aber dem Vorankommen der Handlung absolut keinen Abbruch, zumal die Autorin die Charaktere sehr schön, detailliert und auch glaubhaft ausgearbeitet hat. Echte Star Wars-Fans werden, wieder einmal, davon enttäuscht sein, dass der Disney-Strang der Saga sämtliche vorangegangenen Bücher, die in diesem Universum spielten, einfach übergeht und bestimmte Dinge nun anders geschildert werden. Das ist für eingefleischte Fans schade, für alle anderen nicht von Bedeutung. 😉

Manch einer wird denken, dass das „echte“ Star Wars-Feeling ein wenig fehlt. Ich sehe das allerdings ein wenig anders, weil ich solche Bücher immer als zusätzliche Quelle im unendlichen Star Wars-Universum ansehe und sich dort eben auch unterschiedliche Geschichten zutragen. Ich habe das Buch auf jeden Fall genossen, vor allem auch, weil es ein Wiedersehen mit Lando Calrissian und natürlich Chewbacca gibt. Solos Abenteuer aus einer Zeit, in der er noch ein junger Mann war, ist absolut unterhaltend und kurzweilig. Gerade die Entwicklung seines Charakters, wie er nämlich zu dem Han Solo wird, den wir aus den später angesiedelten Filmen dann kennen, ist der Autorin sehr gut gelungen. Mur Lafferty nimmt auch kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Schilderung von brutalen Kriegshandlungen geht. Da geht es bedeutend härter zu als im Film, der die Vorlage zu diesem Roman darstellt. Wie bei allen Büchern zu Star Wars-Filmen empfinde ich auch „Solo“ als optimale Ergänzung.

Vor allem die Szenen, in denen sich Han und Chewbacca kennenlernen, kommen sehr bewegend rüber. Der Plot ist sehr geradlinig und passt sich der ursprünglichen Trilogie weitestgehend an. Alles, was den Han Solo, den wir letztendlich aus George Lucas‘ Kultfilmen kennen, ausmacht, ist in diesem Buch vertreten. Wer den Film liebt, wird auch dieses Buch lieben. Ich habe diese Romanfassung von „Solo“ ähnlich empfunden wie den Roman zu „Die letzten Jedi“ – nämlich zum einen als Auffrischung des Films und zum anderen als zusätzliche Vertiefung der Story. Es wurden einige Szenen im Buch hinzugefügt, die im Film fehlen, die sozusagen zwischen verschiedenen Begebenheiten stattfanden. Der Roman geht manches Mal näher auf Geschehnisse ein, als sie im Film behandelt wurden und verleiht der Geschichte dadurch mehr Tiefe. Für Star Wars-Fans ist dieses Buch eigentlich ein Muss, für Han Solo-Anhänger sowieso. 😉

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Fazit: Toller Zusatz zum Film mit kleinen Mängeln.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Erschaffer von Andrew Bannister

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
398 Seiten
17,00 €
ISBN: 978-3-492-70412-0
Kategorie: Science Fiction

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Die Spin-Galaxie ist vom Untergang bedroht. Die Bewohner flüchten in virtuelleWelten. sogenannte Vrealitäten. Doch die riesigen Server, die diese konstant wachsenden virtuellen Realitäten instand halten, stellen sich schon bald als Bedrohung heraus, denn sie verschlucken gewaltige Mengen an Energie. Ein Krieg zwischen der Realität und den virtuellen Welten entbrennt. Skarbo, eine insektenartige Kreatur, erkennt die gefahr eines drohenden Untergangs  und begibt sich auf eine Reise in den Spin, um die Menschheit zu retten und zwischen den beiden Welten zu vermitteln …

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Mir dem vorliegenden Band wird die Spin-Trilogie von Andrew Bannister beendet. Und wieder benötigt der Leser Geduld auf vor allem Aufmerksamkeit, um der komplexen und komplizierten Handlung folgen zu können. „Die Erschaffer“ liest sich erst einmal wie ein eigenständiger Roman, bei dem man die Zusammenhänge des „großen Ganzen“ zu den ersten beiden Bänden der Trilogie erst am Ende wieder so richtig herstellt. Bannister gelingt ein faszinierender Ausflug in eine Zukunft, die erschreckend und interessant gleichermaßen ist. Der abschließende Band der Spin-Trilogie steckt, wie schon seine Vorgänger, wieder voller innovativer Ideen, die sich erst im Nachhinein (zumindest war es bei mir so) so richtig entfalten. Oft fühlte ich mich an Werke wie Tad Williams „Otherland“ oder Dan Wells‘ „Mirador“-Romane erinnert, was höchstwahrscheinlich an der Thematik „Virtuelle Realität“ liegt. Bannister behandelt dieses Thema aber auf eine ganz eigene Weise, so dass mein Vergleich genau genommen hinkt.

„Die Erschaffer“ könnte auf den ein oder anderen Leser manchmal ermüdend wirken, weil die Beschreibungen kompliziert und unverständlich erscheinen, wenn man sie nicht genau liest. Auch die Personen sollte man immer im Auge behalten, um der Handlung folgen zu können. „Die Erschaffer“ ist kein Buch für zwischendurch, dazu ist es zu komplex. Wer zum Beispiel „Die Auflösung“ von Benjamin Rosenbaum gelesen hat (ebenfalls im Piper Verlag erschienen), weiß, was ich meine. Es hat keine Zweck, dieses Buch als „Lückenfüller“ für ein paar freie Minuten Lesezeit zu benutzen, denn dann verliert man schnell den Überblick und natürlich auch die Lust an diesem Abenteuer. Trotz des sehr guten Schreibstils bleibt aber auch der aufmerksame Leser an manchen Stellen ratlos zurück und weiß nicht genau, was der Autor eigentlich erzählen will. Es gibt zwei Handlungsstränge, von denen man meint, dass sie sich irgendwann eigentlich verbinden müssen. Letztendlich passiert das auch in gewisser Weise, aber Bannister lässt seine Leser dennoch im Unklaren. Das mag beabsichtigt sein und regt auch definitiv zum Nachdenken an, aber es zermürbt leider auch ein wenig.

Andrew Bannister kann eindeutig Geschichten erzählen und auch hier steckt vieles zwischen den Zeilen (zumindest wage ich das zu behaupten 😉 ).  Manchmal scheint es, als wären Bannister die eigenen Ideen über den Kopf hinausgewachsen, was ich in diesem Falle als positiv bemerken möchte, denn das dreibändige Gesamtwerk über den Spin erweist sich nachträglich als eine epische Space Opera, die sich mit der (technischen und emotionalen) Entwicklung der Menschheit beschäftigt und diese in einer konsequenten Art und Weise zu einem deprimierenden Ende bringt. Ich wage den Schritt und äußere meine Vermutung, den Originaltitel „The Stone Clock“ betreffend. Ich für meine Person würde Bannisters Trilogie dahingehend interpretieren, dass sich die Menschheit trotz aller ausgefeilten technischen Errungenschaft zurück in die Steinzeit entwickelt. Das Ende der Spin-Galaxie könnte auch ein Neuanfang sein, bei dem der Mensch noch einmal ganz von vorne beginnt. Ich bin nicht sicher, ob ich mit meiner Lösung / Interpretation richtig liege, aber sie verschafft mir zumindest ein gutes Gefühl und lässt die Trilogie in einem logischen Licht erscheinen. Lesenswert sind die Bücher, und eben auch der hier vorliegende abschließende Band, auf alle Fälle, wenngleich sie für manchen Leser eine Herausforderung darstellen könnten. Ich habe die Zeit im Spin definitiv genossen und freue mich schon auf (hoffentlich) weitere Werke des Autors.

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Fazit: Lesenswerter Abschlussband der Trilogie, der die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Lesers erfordert und jede Menge Interpretationen zulässt.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Fillingers Erbe von Olaf R. Dahlmann

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 315  Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-978-3-89425-592-3
Kategorie: Krimi

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Katharina Tenzer, inzwischen schon einige Zeit in der Kanzlei von Friedemann Hausner als Teilhaberin tätig, bekommt ein eher ungewöhnliches Mandat. Sie soll Bernhard Fillinger, einem sehr kranken Steuerflüchtling, die Haft ersparen.  Dieser will nach Deutschland zurückkehren, um eine besondere Behandlung in Anspruch zu nehmen, die er im Ausland nicht erhalten kann. Als Gegenleistung verspricht er brisante Informationen preiszugeben: Er behauptet nämlich, zu wissen, wohin während der Wendezeit die verschwundenen DDR-Millionen verblieben sind.

Katharina Tenzer setzt sich, nach einem seltsamen Gespräch mit einem engen Freund und Verbindungsmann ihres Mandanten, mit dem zuständigen Staatsanwalt in Verbindung und leitet alles Notwendige in die Wege. Es scheint ganz offensichtlich zu funktionieren, dass ihr kranker Mandant einreisen kann, ohne dass der Haftbefehl gegen ihn greift.

Doch kaum hat Bernhard Fillinger deutschen Boden betreten, wird er am Flughafen aus einer dunklen Limousine heraus niedergeschossen und verstirb noch an Ort und Stelle. Katharina Tenzer ist die letzte, die mit Fillinger spricht. Er flüstert in seinen letzten Atemzügen noch Worte, mit denen Katharina nichts anfangen kann. Mit eingereist ist Fillingers 10-jähriger Sohn, der den Anschlag auf seinen Vater mit ansehen musste.

Katharina Tenzer entscheidet spontan, dass sie den Jungen zunächst einmal mitnimmt. Sie setzt ihn also ins Auto und verlässt den Tatort. Erste Spuren führen die Anwältin dann in die Schweiz, wo sie versucht, Licht in die dunkle Angelegenheit zu bringen. Doch gefährlich ist dieses Mandat nicht, ganz und gar nicht …

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Olaf R. Dahlmann ist vom Fach, wie man so schön sagt. Seit über 25 Jahren arbeitet er als Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Steuerstrafrecht. Er weiß also, worüber er schreibt und mit seinem Debütroman „Das Recht des Geldes“ hatte er mich schon gepackt.

Da ich selber bei einem Juristen arbeite, sind mir selbst einige Begriffe und Arbeiten natürlich vertraut und sein Erstling um die, damals noch als Referendarin tätige, Katharina Tenzer hatte mir sehr gut gefallen.

Olaf R. Dahlmann liefert auch hier wieder eine spannende Handlung, die er geschickt in seinem Plot vorantreibt. Es ist spannend und hintergründig, wir gehen als Leser weit zurück in die Vergangenheit und reisen auch in die Schweiz. Es geht um Stasi und geheime Firmen, die Gelder verschleiern und verschieben. All das ist kompliziert und sehr verworren, doch der Autor schafft es dennoch, dass auch ein Laie folgen kann. Genau das finde ich immer sehr wichtig. Denn Polit- oder Steuerkrimis-/thriller mag ich eigentlich gar nicht. Horst Eckert war der erste, der es schaffte, mich mit solch einer Thematik dennoch zu fesseln. Und auch Olaf R. Dahlmann schafft es. Ich finde es einfach enorm wichtig, mich zu packen und die Handlung verstehen zu lassen, auch wenn es eigentlich für einen Otto-Normalleser alles viel zu kompliziert ist.

In diesem zweiten Teil fiel es mir allerdings ein wenig schwer, eine emotionale Bindung zur Protagonistin aufzubauen. Sie ist mir irgendwie nicht so recht ans Herz gewachsen. Es mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass der damalige Firmenchef, der im Debüt noch eine recht große Rolle gespielt hat, diesmal bereits im Ruhestand ist und nur ab und an die Handlung bereichert. Friedmann Hausner war für mich ein großer Sympathieträger und fehlte mir hier im Folgeroman einfach ein wenig.

Die schweizerischen Namen waren für mich etwas komisch und gewöhnungsbedürftig, die Charaktere jedoch gut ausgearbeitet und auch wichtig beziehungsweise positiv für Handlung und das Lesevergnügen.

Gegen Ende des Romans gab es eine Wendung, die so richtig Schwung in die Geschichte gebracht hat. Für mich war dies absolut nicht vorhersehbar und genial ausgedacht. Das hat mir richtig gut gefallen.

Fazit: Alles in allem ein guter und fesselnder Roman, der mich trotz allem nicht ganz so hat packen können wie sein Vorgänger. Dennoch freue ich mich auf weitere Werke von Olaf R. Dahlmann.

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Wer die Rezension zum ersten Roman lesen möchte, der klicke untenstehenden Link:

Das Recht des Geldes – Debütroman von Olaf R. Dahlmann

© Marion Brunner für Buchwelten 2019

Wanda von Karl May

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Erschienen als Taschenbuch
in der edition oberkassel
insgesamt 204 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-395813-1583
Kategorie: Krimi, Bellettristik

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Wanda von Chlowicki wird in der kleinen Stadt, in der sie lebt, auch gerne die wilde Polin genannt. Sie ist die Tochter des Barons von Chlowicki und besitzt schönes, blondes Haar. Wanda ist dem Herrn von Säumen versprochen, hat aber eher ein Auge auf den Schornsteinfeger Emil Winter geworfen, der mutig und uneigennützig in Erscheinung tritt. Das imponiert Wanda und Emil gewinnt ihre Zuneigung. Irgendwann stellt sich heraus, dass Wandas Verlobter in zwielichtige Geschäfte verwickelt ist und schon bald muss Wanda sogar um ihr Leben fürchten. Doch sie hat glücklicherweise Emil Winter an ihrer Seite, der ihr in fast allen gefährlichen Situationen zu Hilfe eilt …

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Glücklicherweise legt die „edition oberkassel“ einen leider etwas in Vergessenheit geratenen Krimi von Karl May neu auf. „Wanda“ ist ein wunderbares Zeitzeugnis, dass sich dem Leser schon alleine durch die Ausdrucksweise des bekannten Schriftstellers eröffnet. Es macht unglaublichen Spaß, in der Vergangenheit zu versinken und sich dem Kriminalfall um die schöne Polin Wanda hinzugeben. Karl May konnte nicht nur Abenteuerromane, die im Wilden Westen oder Orient spielten, schreiben, sondern auch deutsche Geschichten erzählen. Die vorliegende Novelle „Wanda“ ist eine Mischung aus Krimi, Abenteuer- und Liebesroman, was dem Ganzen eine angenehme Kurzweile verleiht. Wer sich mit Karl May ein wenig auskennt, wird auch hier den ein oder anderen Charakterzug des Autors selbst erkennen, den er einer seiner Personen verliehen hat.

Bei „Wanda“ handelt es sich um eine frühe Erzählung Karl Mays, der mit seinen Winnetou-Romanen später Weltruhm erlangte. Dieser Kurzroman wurde auch unter den Titeln „Die wilde Polin“ oder „Ein Kampf im Ballon“ publiziert, wobei der schlichte Name der Protagonistin definitiv am besten passt. Man merkt dem Werk eine gewisse Unschlüssigkeit und Unausgereiftheit an, die sich allerdings weniger auf der sprachlichen Ebene abspielt, sondern an der teils unausgegorenen Handlung, die sich einfach nicht entscheiden kann, welchem Genre sie denn genau angehören möchte. 😉
Nichtsdestotrotz stellt „Wanda“ ein äußerst kurzweiliges Leseerlebnis dar, das durch seine bildhaften Beschreibungen ein Abenteuergefühl aufkommen lässt, das an Jules Verne erinnert. Oftmals dachte ich, gerade bei der Ballonfahrt gegen Ende der Novelle, dass Verne eindeutig Inspirationsquelle für Karl May gewesen ist.

An manchen Stellen bekam ich den Eindruck, als würde May in seiner Geschichte auch eine Art Gesellschaftskritik ausüben, in dem er nämlich die Liebe zwischen einem „armen“ Mann zu einer adeligen Frau gutheißt und sich damit über die damals gängigen Konventionen hinwegsetzt. „Wanda“ ist im Grunde genommen, zumindest aus meiner Sicht, eine schöne Liebesgeschichte, die den Kriminalhintergrund als Aufhänger benutzt, um nicht allzu langweilig und schnulzig zu wirken.  Sicherlich wirkt „Wanda“ an manchen Stellen ein wenig unbeholfen, da es sich schlichtweg um ein Frühwerk handelt und die spätere Reife Mays noch nicht zum Vorschein gekommen war, aber man spürt defintiv das Können, das in diesem jungen Autor schlummerte. Die Erzählung ist oftmals stockend, weil der leichte Erzählfluss des selbstbewussten Karl May der späteren Zeit fehlt. Aber sieht man die Geschichte als einen der ersten Versuche Mays, sich schriftstellerisch zu betätigen, so muss man ununwunden eingestehen, dass schon damals großes Talent in ihm steckte.
„Wanda“ ist ganz einfach eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit, als ein großer Erzähler seine ersten Schritte wagte und sich auf der literarischen Bühne einen Namen machen wollte (was ihm ja auch gelang). Dank der „edition oberkassel“ ist diese Novelle wieder erhältlich und stellt für jeden Karl May-Fan ein Muss dar. Allen anderen sei gesagt, dass sich dieser, auf charmante Art und Weise unbeholfene Liebeskrimi defiitiv lohnt, um einen Einblick in das „andere Schaffenswerk“ Karl Mays zu bekommen, das sich weitab von Winnetou bewegt.

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Fazit: Sehr kurzweilige Novelle, die Krimi, Liebesgeschichte und Abenteuer vermischt und einen interessanten Einblick in das Frühwerk Karl Mays gibt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Joe von Larry Brown

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne-Verlag
insgesamt 345 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27176-0
Kategorie: Belletristik, Thriller, Drama

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Joe Ransoms Leben besteht aus regelmäßigem Alkoholkonsum, einer kaputten Ehe und Gewalttätigkeiten. Als er dem fünfzehnjährigen Gary einen Job in seinem Forstbetrieb anbietet, erwacht der Beschützerinstinkt in Joe. Denn Garys Eltern sind alkohol- und drogensüchtige Herumtreiber, die keinerlei Rücksicht auf das Wohl ihrer Kinder nehmen. Joe fühlt sich immer mehr verpflichtet, sich um Gary zu kümmern, damit dieser eventuell einen besseren Weg als seine Eltern einschlagen kann …

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Larry Browns zweiter ins Deutsche übersetzte Roman „Joe“ kann in der gleichen Art wie sein Vorgänger „Fay“ von der ersten Seite an uneingeschränkt überzeugen. Brown schafft schon bei seinen ersten Kapiteln eine unglaublich dichte und realitätsnahe Atmosphäre, der man sich absolut nicht mehr entziehen kann. man fühlt mit den Protagonisten und möchte wissen, wie es ihnen weiter ergeht, wie sie es schaffen, in ihrer rauen Welt zu überleben. Wahnsinn, wie intensiv Larry Brown die Gedankenwelt seiner Protagonisten und die Umgebung, in der sie leben, beschreibt. Man riecht den Dreck, spürt die unangenehmen Seiten eines solchen Lebens während des Lesens und möchte nur allzu gerne in die Handlung eingreifen und seine Hilfe anbieten. „Joe“ schließt sich nahtlos in seiner Machart an „Fay“ an, der mich übrigens seinerzeit in gleicher Weise begeistert hat.

Larry Brown wirft seine Leser in eine triste, unangenehme Welt voller Alkohol- und Gewaltexszesse, in der man sich dennoch unglaublich wohl fühlt, weil man eine ungeheuerliche Nähe zu den Personen (den Vater einmal ausgenommen) bekommt. „Joe“ ist ein äußerst deprimierendes Werk, das im Grunde genommen trostloser nicht sein kann. Larry Browns brutale, asoziale Welt beinhaltet aber auch auf wundersame Weise Romantik, Nostalgie und auch irgendwie Hoffnung, wenngleich diese sehr schwer aus den Zeilen herauszulesen ist. Letztendlich überwiegt die schonungslose Hoffnungslosigkeit in dieser Geschichte. Und am Ende weiß man, dass es niemals so etwas wie ein Happy End für die Protagonisten geben wird. „Joe“ ist aber auch eine Geschichte über „falsche“, unfähige Eltern und einen Mann, der versucht, seine eigenen Fehler wieder gut zu machen, in dem er einem Jungen hilft, der ein besseres Leben verdient hat. Es ist erstaunlich, wie detailliert und bildhaft Larry Brown die Welt der untersten Schicht darstellen kann, so dass man ihm jedes, wirklich jedes, Wort und Geschehen abnimmt. Die Dialoge zwischen den Personen wirken teilweise so realitätsnah, dass man meint, einen Tatsachenbericht zu lesen.

Es ist schon verwunderlich, dass Romane wie dieser und Autoren wie Larry Brown relativ erfolglos sind. Vor allem durch den sehr direkten, aber wunderbar flüssigen Schreibstil und die hervorragende Ausarbeitung seiner Charaktere hätte Brown ein Millionenpublikum verdient. Ebenso wie übrigens die kongeniale Verfilmung dieses Romans durch Regisseur David Gordon Green mit Nicholas Cage in der Rolle des Joe Ransom. Cage ist diese Rolle wie auf den Leib geschrieben und vielleicht hatte Larry Brown ihn sogar vor Augen, als er seinen Roman schrieb, denn angeblich war Cage sein Lieblingsschauspieler. Roman und Film ergänzen sich hervorragend und vermitteln beide das gleiche trostlose Bild jener unteren Bevölkerungsschicht, in der nur das eigene Überleben und Wohlergehen zählt. Ich freue mich wahnsinnig, dass Heyne diesen wunderbaren Schriftsteller entdeckt hat und in ihrer Reihe „Heyne Hardcore“ veröffentlicht. Larry Brown macht, trotz seiner deprimierenden Geschichten, einfach süchtig und ich hoffe, dass uns der Verlag noch viele seiner Bücher beschert. Ein paar Romane und einige Kurzgeschichten hat er schließlich verfasst, die darauf warten, ins Deutsche übersetzt zu werden. Die immer wiederkehrenden Vergleiche mit William Faulkner oder Flannery O’Connor kann man ohne weiteres auf gewisse Art und Weise bestätigen, aber letztendlich besitzt Larry Brown einen unvergleichlichen, eigenen Stil, der seinesgleichen sucht. Interessant ist übrigens auch die Verbindung zwischen „Joe“ und „Fay“, die Browns Universum sozusagen ergänzt, erweitert, ja vervollkommnet. Ich bin schon wirklich sehr auf weitere Werke dieses leider viel zu früh verstorbenen Autors gespannt.

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Fazit: Trostlos, düster, ohne jegliche Hoffnung und dennoch in widersprüchlicher Weise voller Romantik.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Moers

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Penguin Verlag
insgesamt 112 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-328-60071-8
Kategorie: Fantasy, Gegenwartsliteratur

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Wie feiert man Weihnachten in Zamonien? Gibt es überhaupt ein Weihnachtsfest in Zamonien?
Hildegunst von Mythennetz klärt uns auf und erzählt von einem Fest, das in der Tat viele Ähnlichkeiten mit unserem Weihnachtsbrauch hat, dort aber „Hamoulimepp“ genannt wird.

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Auf gewohnte Art und Weise entführt Walter Moers den Leser (und vor allem auch seine Fans) erneut in die zauberhafte Welt Zamoniens. Dieses Mal bringt er uns ein Fest nahe, das dem unsrigen Weihnachten sehr ähnelt. Witzig und auch sehr hintergründig rechnet Moers förmlich mit diesem Brauchtum ab, deckt Unstimmigkeiten und allerlei andere Dinge auf, die uns zum Nachdenken bringen (sofern man das nicht selbst schon seit Jahren tut 😉 ). „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ ist ein Buch, wie man es von Walter Moers erwartet, obwohl es weniger einen Abenteuercharakter vorweisen kann, wie es bei seinen anderen Werken der Fall ist, sondern eher dokumentarisch, ja, fast schon wie ein Sachbuch, wirkt. Das tut aber dem Unterhaltungswert absolut keinen Abbruch, zumal man zusätzlich zum Text auch noch mit wunderbaren Illustrationen von Lydia Rode belohnt wird. Rode war übrigens auch für die Zeichnungen in „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ verantwortlich. Die vorliegende, gebundene Ausgabe ist von der Ausstattung und seinem Erscheinungsbild ein wahres Schmuckstück. Aber auch das ist man von Walter Moers-Büchern schon gewohnt.

Wie könnte es auch anders sein, lässt Moers den Lindwurm Hildegunst von Mythennetz zu Wort kommen. Dieses Mal in Briefform, was dem Ganzen einen schönen Ausdruck verleiht. Jeder, der bei diesem Buch eine ausschweifende Abenteuergeschichte erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich aber auf einen solchen Briefwechsel, der zwischen den Zeilen übrigens viel mehr beinhaltet, als man auf den ersten Blick meinen mag, wird seine Freude an den sarkastischen Bemerkungen über das Hamoulimepp-Fest haben. Es ist absolut nicht zu überlesen, dass Walter Moers wohl ein Weihnachtsmuffel ist. Seine Darlegungen, geschickt hinter dem Mantel eines zamonischen Festes versteckt :), lassen den Leser an unglaublich vielen Stellen schmunzeln, weil man genau weiß, was gemeint ist. Alleine deswegen ist das Buch schon sein Geld wert. Walter Moers geht mit seinen letzten Büchern manchmal neue Wege, was ich persönlich absolut gut und auch in Ordnung finde, die eingefahrene Fangemeinde allerdings eher nicht. Moers versucht sich an neuen Dingen, bleibt aber seinem Stil doch immer treu und kehrt auch wieder mal zu seinen Wurzeln zurück. Was will man eigentlich mehr?

Die Werke von Walter Moers sprühen nur geradezu vor innovativen Ideen, so dass man diesem Buch / Briefwechsel vorwerfen mag, es sei ideenlos. Aber ist es das wirklich? Sind die Gegenüberstellungen zwischen unserem Weihnachten und dem zamonischen Hamoulimepp wirklich so lieblos und einfach gestrickt? Ich finde, dass es der besondere Schreibstil von Moers ausmacht, der die vielleicht tatsächlich einfache Grundidee dennoch zu etwas besonderem macht. Und, wie oben schon erwähnt, Moers‘ Worte und Sätze sollte man nicht immer nur oberflächlich lesen, sondern auch einmal zwischen den Zeilen nach Anspielungen auf andere Literatur suchen. Oftmals entdeckt und findet man nämlich was. Ich habe „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ genossen, vor allem auch die wirklich tolle und ansprechende Ausstattung, die das Buch zu einem ganz besonderen Leseerlebnis macht. Dennoch freue ich mich, wenn Walter Moers wieder einmal einen dicken, fetten Roman veröffentlicht, in den man sich über Tage einfach hineinfallen lassen kann. Das ist wahrscheinlich genau das, was viele LeserInnen bei den letzten Werken vermissen. Das bedeutet aber nicht, dass die letzten Veröffentlichungen von Walter Moers schlecht sind, sie sind einfach nur anders, und das ist gut so.

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Fazit: Walter Moers einmal anders. Für Fans ein Muss. Die Ausstattung ist zudem unglaublich ansprechend.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit von Michael Marrak

Marrak

Erschienen als Taschenbuch
im Amrun Verlag
insgesamt 110 Seiten
Preis: 8,00 €
ISBN: 978-3-95869-377-7
Kategorie: Science Fiction

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Ninive macht sich zusammen mit Aris auf den Weg, den Mond der Erde zu suchen, der seit einiger Zeit verschollen ist. Dazu muss sie sich zum Mittelpunkt der Zeit begeben, an der sich der gesuchte Himmelskörper anscheinend befindet. Eine Reise in unbekannte Gefilde eines faszinierenden Universum erwartet die beiden Wanderer.

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Schon auf der ersten Seite ist man zurück in Marraks genialem Roman „Der Kanon der mechanischen Seelen„. Die vorliegende Novelle führt den genannten Roman weiter, kann aber ohne weiteres auch als eigenständige Erzählung existieren. Erneut wird man mit den unmöglichsten Wortkreationen, was die Beschreibung verschiedener Wesen betrifft, konfrontiert und kann den Ideenreichtum des Autors schon während des Lesens nur mit einem ungläubigen Kopfschütteln bewundern. Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr ich Marraks „Rotorschnitzer“, „Wolkenschieber“ und „Gegenschaller“ liebe. Ich könnte mich unentwegt an diesen Schöpfungen satt lesen und bekäme wahrscheinlich nie genug davon. Ähnlich wie Walter Moers, aber dennoch wieder anders, kann Michael Marrak seine Leser in eine unglaubliche Welt entführen, die man schlichtweg nicht mehr verlassen möchte. Wie schon bei „Der Kanon mechanischer Seelen“ hatte ich bei dieser Kurzgeschichte, die im gleichen Universum spielt, während des Lesens ein Lächeln auf den Lippen. Mehr kann man von einer guten Geschichte nicht erwarten, oder?

Man trifft wieder auf Ninive und Aris, die im Hauptwerk dieses grandiosen Marrak-Universums ebenfalls die Hauptrolle innehat, und begleitet sie auf eine philosophische, abgedrehte und vollkommen verrückte Reise ins Zentrum der Zeit. Wie kein anderer beherrscht Michael Marrak es, solch eine fremde Welt derart detailliert zu beschreiben, dass sie vor dem inneren Auge des Lesers absolut realistisch zum Leben erweckt wird, obgleich man ganz genau weiß, dass es solche Universen nicht gibt. Schade eigentlich. 😉
Verfasst zur Wiedereröffnung der Bibliothek des Goethe-Instituts in Dublin, widmet sich diese Novelle natürlich auch der Thematik Buch und Bücherei. Auch hier erschuf Marrak trotz der geringen Seitenzahl der Geschichte unglaublich skurrile Begebenheiten, in denen Bücher angekettet in einem Kerker für brisante Schriften gefangen gehalten werden oder eine Wächterin, die mit ihrem literarischen Substrat verwachsen ist. Wie schon erwähnt, man möchte dieses Universum gar nicht mehr verlassen und hofft unweigerlich darauf, dass Marrak die Abenteuer von Ninive fortführt. Da komme ich dann auch schon auf einen klitzekleinen Kritikpunkt, der allerdings nicht überbewertet werden sollte ;), denn ich habe eindeutig ein paar Protagonisten in „Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit“ vermisst. Es handelt sich dabei um Küchengeräte, die Ninive im Hauptroman begleitet haben. Wie gerne hätte ich auch sie wieder mit ihrem unvergleichlichen Humor wieder getroffen, aber das kann ja noch werden …

Hochwertige Science Fiction, gepaart mit Fantasy und einem gehörigen Schuß philosophischer Melancholie erwartet den Leser bei der vorliegenden Novelle. Und wem das Büchlein zu kurz ist, weil er der Sucht nach der fantastischen Welt ebenfalls verfallen ist, kann anschließend zum epischen Roman greifen (soweit er ihn noch nicht kennt), der weitaus ergiebiger Marrraks phänomenalen Ideen über einen ergießt. Michael Marrak verwebt geschickt unendlich viele Anspielungen anderer Meisterwerke und Klassiker zu einem selbständigen Epos, das seinesgleichen sucht. Zu Recht wurde das Hauptwerk „Der Kanon mechanischer Seelen“ im Jahr 2018 mit dem „Seraph“ und auch dem „Kurd Laßwitz-Preis“ als bester Roman  ausgezeichnet. Die vorliegende Novelle reiht sich qualitativ uneingeschränkt in die Geschichten des Hauptromans ein. Ich bin, wie immer, begeistert. Michael Marraks Werke schreien nach einem größeren Publikum.

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Fazit: Eine Novelle wie ein märchenhafter Traum. Gelungene Rückkehr ins Kanon-Universum.

© 2018  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Anansi Boys von Neil Gaiman

Anansi

Erschienen als Broschur
im Eichborn Verlag
insgesamt 414 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-8479-0650-6
Kategorie: Fantasy, Mystery, Belletristik

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Fat Charlie Nancy führt ein ruhiges, unscheinbares Leben.
Bis sein Bruder Spider wie aus dem Nichts auftaucht, der das genaue Gegenteil zu Charlie darstellt. Er ist gutaussehend, witzig, charmant und auch ein wenig selbstverliebt. Und er offenbart seinem Bruder, dass sie von einem Gott  namens Anansi abstammen. Ab diesem Zeitpunkt verläuft Charlys Leben alles andere als langweilig …

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Wo Neil Gaiman draufsteht, ist auch definitiv Neil Gaiman drin. So auch in seinem neuesten, im Eichborn Verlag erschienen „Anansi Boys“. Als Fortsetzung zum grandiosen „American Gods“ angepriesen, offenbarte sich mir die geniale Geschichte um zwei Brüder allerdings eher wie ein Prequel. Der Roman stellt sozusagen den „Werdegang“ von Charles Nancy dar, der eigentlich eine Nebenrolle in „American Gods“ innehatte. Doch egal ob Prequel, Sequel oder Spin-Off – „Anansi Boys“ macht unglaublichen Spaß. Sicherlich fühlt man sich beim Namen Nancy an Gaimans Götterkrieg erinnert, aber die Geschichte könnte durchaus auch als eigenständige Story bestehen. Mit einem wunderbaren Humor und innovativen Ideen lässt uns Gaiman an der Wiederbegegnung zweier Brüder teilnehmen, die schriller nicht sein könnte. Der Ideenreichtum, der „Anansi Boys“ durchströmt, ist in gewohnter Neil Gaiman-Qualität und lässt einen das Buch kaum aus der Hand legen, so sehr versinkt man im Plot.

Gaimans teils philosophische, teils skurrile Erzählweise macht diesen Roman zu einem aberwitzigen Abenteuer. Das Buch ist zwar nicht so vielschichtig wie sein „großer Bruder American Gods“, kümmert sich aber dafür mehr um die Charaktere. Man muss sich allerdings auf Gaimans Stil und Ideen einlassen können, um die Geschichte vollends genießen zu können. Wer einen „einfachen“ Roman erwartete, wird mit der Komplexität der  Handlung und auch der Protagonisten überfordert sein und schnell die Lust am Weiterlesen verlieren. „Anansi Boys“ wirkt wie ein Märchen für Erwachsene oder wie eine Parabel auf das eigene Leben, in dem auch nicht immer alles so läuft, wie man sich das gewünscht hätte. Humorvoll erzählt Gaimann eine Geschichte über Bruderliebe und auch Bruderhass, über die Liebe und die Anstrengungen, sein Leben unter Kontrolle zu bringen. Es steckt viel zwischen den Zeilen, wenn man sich die Zeit nimmt und den Roman genauer liest. Und wenn man dann an die Stelle kommt, in der die Protagonisten ein Lied singen (ein Lied, das die Welt und die eigene Persönlichkeit erschafft), dann sollte man sich fallen und treiben lassen können. Denn diese Szene ist in höchstem Maße philosophisch und einfach nur wunderschön.

Neil Gaiman ist und bleibt ein Ausnahmetalent in der Literaturszene und ich bin immer wieder hocherfreut, dass sich Verlage an solche Werke herantrauen. Denn in einer Welt, in der oftmals nur oberflächliche Romane zu Bestsellern werden, haben Geschichten wie die von Neil Gaiman eigentlich keine Chance. Umso schöner, dass sich der Eichborn Verlag Gaimans „American Gods“ und nun auch den „Anansi Boys“ angenommen hat. Das ist große Literatur, die einem hier geboten wird. Voller Ideen, die einen zum Nachdenken bringen, voller skurriler Einfälle, die einen zum Lachen bringen und voller philosophischer Gedankengänge, die einen melancholisch machen. Perfekte Unterhaltung, wie sie besser nicht sein könnte. Fast möchte man sagen, dass es sich bei Neil Gaiman um einen seiner Götter handelt, die er so glaubwürdig beschreibt. Dann wäre er wohl der Gott der literarischen Vielfalt. Gaiman beherrscht die Sprache, zumindest seine eigene Erzählsprache ;), und konstruiert bisweilen geniale Wortgebilde, die man schon auch mal zweimal lesen muss, bis sie sich einem erschließen. Ich freue mich schon sehr auf neue Werke dieses Schriftstellers, der mich noch mit keinem einzigen seiner Bücher enttäuscht hat. So verdient auch „Anansi Boys“ aus meiner Sicht die volle Punktzahl.

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Fazit: Grandios erzähltes und mit allerlei verrückten Ideen gespicktes Märchen für Erwachsene.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten