Götterfall von Frank W. Haubold

Erschienen als Taschenbuch
im Eigenverlag 
insgesamt 520 Seiten
Preis: 15,99 €
ISBN: 979-8664995022
Kategorie: Science Fiction

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Bei einem Angriff der geheimnisvollen Dragons, verschwindet ein Schiff der Menschen spurlos. Kommandant Raymond Scott macht sich auf die Suche nach der »Nemesis«, nicht nur, um hinter das Geheimnis des Verschwindens zu kommen, sondern auch Miriam zu finden, die sich an Bord des Schiffes befand. Doch schon bald geraten Scott und seine Gefährten in tödliche Gefahr …
In dieser neubearbeiteten Fassung liegt erstmalig Frank W. Haubolds Space Opera »Götterdämmerung« in einem Band vor.

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Es ist eindeutig eine Space Opera, die Frank W. Haubold da verfasst hat. Man muss sich auf die Geschichte einlassen, um sie in all ihrer Vielfalt zu begreifen und auch die diversen Anspielungen auf die Literatur- und Filmwelt zu erkennen. Haubold ist ein Abenteuer gelungen, dass in manchen Szenen an „Star Trek“ erinnert, aber auch an Bücher von beispielsweise Peter F. Hamilton oder Andreas Brandhorst. Für manch einen Leser mag die Geschichte an manchen Stellen etwas langatmig wirken, aber genau diese Stimmung macht „Götterfall“ eigentlich aus. Es geht eher ruhig zu, was aber keineswegs heißt, dass nicht auch hin und wieder actionlastige Szenen vorkommen.

Ich persönlich mochte auf jeden Fall die Atmosphäre, die sich über den ganzen Roman erstreckt hat. Haubold hat einen sehr schönen, gehobenen Schreibstil und versteckt in seinen Sätzen viele philosophische Gedanken, die zum Nachdenken anregen. Das ist es letztendlich auch, das diesen Roman zu einem epischen Gesamtwerk macht. Auch die Charakterzeichnungen der einzelnen Protagonisten ist dem Autor sehr gelungen. Ich mochte sowohl die Haupt- als auch die Nebenfiguren, die ich, trotz der vielen Namen, gut auseinanderhalten konnte. Haubold entführt den Leser in eine dichte, glaubwürdige Welt, in der man sich gerne aufhält. Immer wieder kommen außergewöhnliche Ideen zum Trage, so dass es nie langweilig wird.

Auch die Dialoge fand ich ausgesprochen gelungen, denn sie vermittelten eine filmische Qualität, die das Geschehen absolut bildhaft machte. Wie oben schon erwähnt, erinnert die Geschichte und die Handlungsweisen verschiedener Personen immer wieder einmal an „Star Trek“, was mir sehr gut gefallen hat und eine gewisse Stimmung während des Lesens hervorgerufen hat, die richtig Spaß machte. Der Autor führt nicht alle Handlungsstränge zusammen, was aber wohl Absicht ist, um sich weitere Abenteuer in diesem Universum offenzuhalten. Ich war dennoch am Ende der Saga zufriedengestellt und fand den Abschluss gelungen. Gut an dieser Gesamtausgabe finde ich, dass man alle drei Teile in einem Buch lesen kann und so gar nicht wirklich bemerkt, dass es sich eigentlich um drei Bücher handelt.

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Fazit: Anspruchsvolle Space Opera mit guten Charakteren und philosophischen Anklängen.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Vakuum von Phillip P. Peterson



Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 494 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-596-70074-5
Kategorie: Science Fiction

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Als die Menschheit ein außerirdisches Raumschiff entdeckt, geht man erst einmal von einem ersten Kontakt aus. Aber das Schiff ist vor einer Bedrohung auf der Flucht, die mit Lichtgeschwindigkeit auf die Galaxis zukommt und auch die Erde in Gefahr bringt. Mit der Physikerin Susan Boyle und dem Astronauten Colin Curtis startet die Menschheit eine Rettungsaktion sondergleichen …

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Phillip P. Peterson hat ein kleines Wunder in meinen Augen geschafft: Er hat die „alten“ Science-Fiction-Abenteuerromane von Larry Niven und Stephen Baxter wieder zurückgebracht und mich mit „Vakuum“ in eine andere Zeit zurückgeschleudert. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich in dieser Geschichte „wohlgefühlt“ habe, weil sie einen so angenehmen „Old School“-Effekt auf mich hatte, dass ich mich des Öfteren an meine Jugendzeit erinnert habe, in der ich ähnliche Romane der obengenannten Autoren verschlungen habe. Peterson hat zudem ein Szenario entworfen, das äußert realistisch, und dadurch auch unheimlich spannend ist.

Der Autor hat einen sehr flüssigen und vor allem bildhaften Schreibstil, so dass an gar nicht mehr zu lesen aufhören möchte. Ich persönlich fand ich die Charakterzeichnungen, obwohl nicht übertrieben detailliert, sehr gut und man konnte sich die einzelnen Protagonisten und ihre Handlungsweisen wirklich sehr gut vorstellen. Das Weltuntergangsszenario hat mir außerordentlich gut gefallen und ich könnte mir das Ganze absolut als Film vorstellen. Zeitweise haben mich die Vorbereitungen der Menschheit, diese Katastrophe zu überleben, an Roland Emmerichs Blockbuster „2012“ erinnert, wobei Petersons Handlung um ein Vielfaches ausgeklügelter und nachvollziehbarer ist. Es verhält sich tatsächlich sogar so, dass mir dieses apokalyptische Bild einer Bedrohung für die Erde gar nicht mehr richtig aus dem Kopf geht, so eindringlich beschreibt Peterson das Ganze.

Eines ist für mich ganz klar: Phillip P. Peterson reiht sich mit diesem ersten Roman, den ich von ihm gelesen habe, postwendend in die Riege meiner Science-Fiction-Lieblingsautoren wie Stephen Baxter, Larry Niven, Arthur C. Clarke, Peter F. Hamilton, Gregory Benford und Greg Bear ein. Ich werde definitiv seine anderen Werke, allen voran die Transport-Reihe, lesen. „Vakuum“ beeindruckt aber nicht nur mit einer tollen Handlung, sondern ist auch in sämtlichen wissenschaftlichen Beschreibungen fundiert und großartig. Der Roman ist ein unvergleichliches Abenteuer für die Menschheit (und daraus resultierend auch für den Leser), das man sich nicht entgehen lassen sollte. Wer klassische Science-Fiction mag, sollte „Vakuum“ unbedingt lesen, denn besser kann ein Buch aus diesem Genre gar nicht sein.

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Fazit: Beeindruckender und spannender Pageturner um die Rettung der Menschheit.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Blutige Nachrichten von Stephen King

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne-Verlag
insgesamt 558 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 3453273079
Kategorie: Kurzromane

Mit seinem neuen Werk „Blutige Nachrichten“ liefert Stephen King vier neue Kurzromane:

„Mr. Harrigans Telefon“ ist eine leicht spukige Gruselgeschichte, die von dem Jungen Craig erzählt, der im Alter von 12 Jahren für den alten reichen Mr. Harrington jobbt, indem er ihm Bücher vorliest. Die beiden entwickeln eine enge, besondere Freundschaft, die auch nach dem Tod des alten Mann nicht endet.

„Chucks Leben“ erzählt – wie der Titel schon sagt- das Leben von Chuck in 3 Teilen. Eigentlich ein total normales Leben, doch King wählt hier einen besonderen Stil. Inspiriert wurde diese Geschichte durch eine große Werbetafel auf der „Danke Chuck!“ prangte.

„Blutige Nachrichten“, gleichzeitig Titel des Werkes, ist eine direkte Fortsetzung zu „The Outsider“. Die Idee der Geschichte war, dass es leider in der heutigen Zeit so ist, dass sich blutige Nachrichten sehr gut verkaufen und es Reporter/innen gibt, die auf eben so etwas spezialisiert sind. Immer dann, wenn etwas Schreckliches passiert, sind sie sofort vor Ort. Das kann aber doch nicht immer Zufall sein. Und wer passte zu der Story besser als Holly Gibney. Denn King selbst sagt, er liebt Holly und war selbst nur zu neugierig, zu ihr zurückzukehren und zu sehen, wie es ihr geht.

„Die Ratte“ erzählt die Geschichte von Drew, der als Lehrer unterrichtet und bereits einige Kurzgeschichten recht erfolgreich publiziert hat. Es ist ihm jedoch nie gelungen, einen Roman zu schreiben. Dies ist ein Punkt in seinem Leben, den er unbedingt noch erreichen will. Eines Tages fliegt ihm die Handlung zu einem Western nur so zu. Er sieht alles vor sich, jede Figur, hört ihre Stimmen, sieht die gesamte Szene vor Augen. Das ist es: Drew will es noch einmal wagen und diesen Roman schreiben „Ist wie ein Diktat runtertippen“, so seine Worte. King wollte mit dieser Geschichte etwas über die Geheimnisse der Vorstellungskraft erzählen und wie sich das letztendlich auf dem Papier ausdrückt.

Natürlich möchte man wegen der Spoilergefahr gar nicht soviel über die einzelnen Geschichten erzählen. Aus der Inhaltsangabe ist ja schon ersichtlich, dass es sich hier nicht „nur“ um eine Fortsetzung zu „The Outsider“ handelt, sondern diese Kurzromansammlung vier sehr unterschiedliche und allesamt gute Geschichten beinhaltet.

Es geht um den Jungen Graig, der von dem alten Mr. Harrigan immer zum Geburtstag und anderen Feiertagen ein Rubbellos geschenkt bekam und dafür von seinem Vater belächelt wurde, weil es eigentlich geizige Geschenke waren. Doch Craig liebte dieses Ritual, und als er den Hauptpreis gewann, hat er von dem Geld Mr. Harrigan ein I-Phone geschenkt. Nach anfänglichem Meckern mochte er es aber doch und liebte es unter anderem, die Börsenkurse online anzusehen. Und bei der Beerdigung schmuggelt Craig das Phone mit in den Sarg, damit es Mr. Harrigan da unten nicht langweilig wird. Die Geschichte erzählt von Freud und Leid der modernen Welt, von Anhängern und Skeptikern gegenüber jener Technik. Von Freundschaft zwischen Alt und Jung, von Werten und Wichtigkeiten, auch über den Tod hinaus.

Holly Gibney ist wieder da und die Fortsetzung von „The Outsider“ ist einfach nur Klasse. In einer Kleinstadt geht an einer Schule eine Paketbombe hoch und viele Kinder sterben. Der Reporter direkt vor Ort des grausamen Schauplatzes ist Holly Gibney nicht geheuer. Sie glaubt, es handelt sich wieder um einen Gestaltenwandler, den Outsider. Sie setzt alles daran, Chet Ondowsky auf die Spur zu kommen. Der Reporter war bei zu vielen schlimmen Unglücken vor Ort: Über Jahrzehnte hinweg und quer durch die USA. Hilfe erhält Holly von einem Cop, der inzwischen 90 Jahre alt, gemeinsam mit seinem Enkel viele Jahre über den Reporter recherchierte und Beweise hat, dass es sich um ein übernatürliches Wesen handelt.

„Chucks Leben“ und „Die Ratte“ haben mir auch sehr gut gefallen. Beide erzählen die Geschichte von zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein können und eigentlich total normale Typen sind.
Chucks Leben wird in drei Teilen beschrieben, wobei King rückwärts erzählt. Er beginnt im Heute, wechselt dann zum erwachsenen, aber immer noch jungen Chuck und endet in dessen Kindheit, wo es im Haus der Großeltern einen besonderen Raum mit einer Kuppel gibt, den er nicht betreten darf.
Bei „Die Ratte“ erzählt Stephen King wie es ist, ein Autor zu sein. Er versucht dem Leser nahezubringen, wie es sich anfühlt, eine Geschichte zu „sehen“ oder zu „haben“, und wie es ist, sie zu Papier zu bringen. Wieviel Freud und Leid so ein Werk mit sich bringt. Welche Gefahren darin lauern, sich um Kopf und Kragen bei einer Formulierung zu schreiben. Mich hat es ein wenig an „Vom Leben und vom Schreiben“ von Stephen King erinnert. Eine sehr gute Story.

Wie man sieht bin ich wieder einmal sehr begeistert und nur so durch die Seiten geflogen. Als King-Fan freut man sich selbstverständlich immer über neue Werke, und „Blutige Nachrichten“ ist wirklich mehr als „nur“ eine Fortsetzung von „The Outsider“.
Im Nachwort erzählt Stephen King ein wenig über die Ideen und Entstehungen der Geschichten und seine Beziehung zu Holly ;-). Ein schöner Bonus zum Abschluss.

© Marion Brunner_Buchwelten

Inside Out von Demi Moore

Erschienen als Klappenbroschur (Paperback)
bei GOLDMANN
insgesamt 336 Seiten
Preis: 17,00 €
ISBN: 978-3-442-31579-6
Kategorie: Autobiographie
Erschienen am 17. August 2020

Demi Moore ist seit vielen Jahren eine bekannte Schauspielerin, Ex-Frau von Bruce Willis und Ashton Kutcher und dreifache Mutter. 57 Jahre ist Demi Moore alt und wie es scheint hat sie nun endlich ihren Frieden mit sich selbst gemacht und ist zur Ruhe gekommen.

Nach einer traumatischen Kindheit kam Demi Moore über das Modeln zum Film. Sie war noch ein Teenager, als sie zu Hause auszog und mit gerade mal 18 Jahren heiratete sie das erste Mal, und zwar den Musiker Freddy Moore. Ihm hat sie seinen Nachnamen zu verdanken, den sie nie abgelegt hat.

Wir alle kennen viele Filme mit Demi Moore. Allen voran wahrscheinlich „Ghost – Nachricht von Sam“ oder „Ein unmoralisches Angebot“. Dann wären da noch „Die Akte Jane“ oder auch „Stiptease“. Viele bringen Demi Moore mit dem Schauspieler Bruce Willis in Verbindung. Lange galten sie als Hollywoods Vorzeigepaar. Gemeinsam haben die beiden 3 Kinder und einige schwarz-weiss Fotografien, die die berühmte Fotografin Annie Leibovitz über die Jahre von der wachsenden Familie gemacht hat, sind wohl auch den meisten bekannt. Oder das berühmt/berüchtigte Nacktfoto auf dem Cover der Vanity Fair im Jahre 1991. Damals war Demi 28 Jahre alt und mit ihrer dritten Tochter schwanger. Sie wollte zeigen, dass schwangere Frauen schön und sinnlich sind. Dass ein schwangerer Körper etwas Natürliches ist und nichts, was man unter zeltartiger Kleidung kaschieren muss. Damals trugen die schwangeren Frauen ihre Babykugeln noch nicht so stolz und betont zur Schau wie heute.

Demi Moore hatte es alles andere als leicht. Sie hatte eine katastrophale Kindheit, die sie gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder Morgan irgendwie durchgestanden hat. Sie war mit 21 Jahren bereits alkohol- und drogenabhängig.

In „Inside Out“ erzählt Demi Moore ehrlich und direkt von ihrem Leben. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und schont sich selbst und auch andere nicht. Natürlich wusste ich vieles nicht und fand die Lektüre absolut interessant. Ich mochte Demi Moore als Schauspielerin schon immer sehr und bin auch ein Fan von Bruce Willis. Und über ein Leben zu lesen, dass sich dann größtenteils in der Öffentlichkeit abspielt, ist sehr interessant. Den vieles dringt oder drang (zum Glück!) nicht nach außen. Oder ich lese einfach zu wenig Klatschblätter, keine Ahnung. Mir hat diese Autobiographie Demi Moore sowas von sympathisch gemacht. Man lernt eine Frau kennen, die absolut keine Starallüren hat und eigentlich ist, wie Du und ich. Der man Zickigkeit oder Geltungsbedürftigkeit andichtete, obwohl die Wahrheit ganz anders war und ist. Die versucht hat, neben ihrem ebenso bekannten Mann Bruce Willis ihre Filmarbeit gut zu machen. Eine Frau, die immer versucht hat, Ehe, Arbeit und Mutterschaft unter einen Hut zu bekommen und dabei irgendwo selbst auf der Strecke blieb.

Im Mittelteil gibt es eine schöne Sammlung an privaten Fotos, beginnend von der Kindheit bis heute, begleitet von erklärenden, interessanten Beschreibungen.

Ich empfehle diese Autobiografie sehr gern. Sie ist interessant und liest sich wie eine Achterbahnfahrt. Vieles kennt man als Filmfan, viel viel mehr aber eben auch nicht. Ich mag Demi jetzt noch ein bisschen mehr ☺

© Marion Brunner_Buchwelten

Wir sind fünf von Matias Faldbakken


Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne-Verlag
insgesamt 254 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27299-6
Kategorie: Belletristik, Drama

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Die Familie Blystad wohnt in der Nähe von Oslo und ist einigermaßen glücklich , solange sie den Hund Snusken bei sich hat. Als dieser jedoch stirbt, verändert sich alles. Als Familienoberhaupt Tormod einen mysteriösen Lehmklumpen bearbeitet, erwacht dieser zu einem seltsamen Leben und wird immer mehr zu einem Teil der Familie. Tormod verliert die Kontrolle über den Klumpen und sieht sich plötzlich einer größeren Gefahr gegenüber, als er dachte …

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„Wir sind fünf“ ist der erste Roman des gelobten Matias Faldbakken, den ich gelesen habe. Der Autor besitzt einen außergewöhnlichen Schreibstil, an den sich so manch Leser mit Sicherheit erst einmal gewöhnen muss. Mich hat er ein wenig an Corman McCarthy oder den weniger bekannten William Gay erinnert, weshalb ich mich sehr schnell damit anfreunden konnte. „Wir sind fünf“ ist schwer in eine literarische Kategorie einzuordnen, da es sich um eine nicht alltägliche Mischung aus Drama und Horror handelt, die sich noch dazu auf einem gewissen belletristischen Niveau bewegt, das abseits des Mainstream liegt. Genau das ist es aber, was mir persönlich an diesem Buch schon einmal sehr gefallen hat. Hinzu kommt der angenehme Schreibstil und die philosophisch angehauchten Ideen.

„Wir sind fünf“ weist einige Parallelen zu Gustav Merincks „Der Golem“ auf, was durch den zum Leben erwachten Lehmklumpen nicht verwunderlich ist. Hinzu kommt ein wenig „Der Friedhof der Kuscheltiere“, vermischt mit einer eigenständigen (und sehr guten) Handlung, und fertig ist „Wir sind fünf“. Während des Lesens habe ich mir oft vorgestellt, wie diese Geschichte wohl als Film funktionieren würde, und zwar ausnehmend gut. Faldbakken spielt mit dem Leser und lässt zwischen den Zeilen Bilder im Kopf des Leser entstehen, die zusätzlich zum geschriebenen Wort zum Nachdenken anregen. Es ist eine traurige Familiengeschichte mit einem Schuss Mystery. „Wir sind fünf“ ist ein dunkler Roman und oft ohne Hoffnung. Wenn man sich darauf einlassen kann, wird man mit einem Gruseldrama belohnt, dass sich von anderen Werken dieser Art auzf jeden Fall abhebt.

Die Handlung erinnerte mich so manches Mal an die Bücher von Ian McEwan, der in Werken wie beispielsweise „Der Zementgarten“ ebenfalls eine triste Familie beschrieben hat. Auf ähnliche Weise geht Faldbakken vor, wenngleich er die literarische Qualität eines McEwan definitiv nicht erreicht. Die Aussage, bei „Wir sind fünf“ handle es sich um „eine mit Sprachgewalt vorgetragene Geschichte“ trifft meines Erachtens nicht ganz zu, da schlichtweg genau diese Sprachgewalt fehlt. Nichtsdestotrotz ist dieser Roman unbedingt lesenswert, da er viel Spielraum für eigene Interpretationen lässt und zum Nachdenken anregt. Man kann Faldbakkens Werk ohne weiteres auch als „einen etwas anderen Familienroman“ bezeichnen, der auf alle Fälle durch seine skurrile Handlung im Gedächtnis haften bleibt.

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Fazit: Außergewöhnlicher Roman, dem jedoch die durch Pressezitate versprochene „Wucht“ und „Sprachgewalt“ fehlt.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Manuskript von John Grisham


Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 367 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27306-1
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Während eines Hurrikans,der über Camino Island tobt, wird der Schriftsteller Nelson Kerr ermordet. Was zunächst wie ein Unfall aussieht, entwickelt sich zu einer spannenden Suche nach einem Täter, der anscheinend mit allen Mitteln verhindern will, dass der neue, noch unveröffentlichte Roman Kerrs, erscheint. Irgendetwas am Plot dieses Manuskripts scheint gewisse Leute zu verärgern. Der Buchhändler Bruce Cable begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit …

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Ich war sehr gespannt auf John Grishams neuen Roman, der ja sozusagen eine Art Fortsetzung von „Das Original“ darstellt, in dem ebenfalls der Buchhändler Bruce Cable die Hauptrolle hat. Der Einstieg ist mehr als gelungen, wenn sich der Hurrikan Leo der Insel nähert. Die Bedrohung ist zwischen den Zeilen spürbar, wenn sich die Bewohner auf das Unwetter vorbereiten und die Atmosphäre ist Grisham absolut gelungen. Auch der Mord und die ersten Untersuchungen verschafften dem Buch sofort wieder den Status eines echten Pageturners, wie ich es von John Grisham von jeher gewohnt war. Aber in der zweiten Hälfte beginnt der Roman dann leider etwas zu schwächeln, was natürlich ein Jammern auf hohem Niveau darstellt, aber die Handlung konnte mich lang nicht mehr so fesseln wie in der ersten Hälfte.

Dennoch ist „Das Manuskript“ wieder ein typischer Grisham, den man von der ersten Seiten an förmlich auffrisst und nicht mehr aus der Hand legen kann. Die Charaktere, die man teilweise schon aus dem obengenannten „Das Original“ kennt, werden ein wenig vertieft und waren einem sofort wieder vertraut. „Das Manuskript“ kann man aber auch ohne weiteres als eigenständiges Werk lesen, ohne den Vorgänger zu kennen. Die Handlung verlagert sich in der zweiten Hälfte dann weg von der Insel. Und genau da hätte ich mir gewünscht, dass diese schöne Atmosphäre, die auf der Insel herrscht, weiter bestehen bleibt. Der Fall, der zwar im Hintergrund abläuft, aber genau genommen im Vordergrund steht, hat mir absolut gefallen. Die Aufdeckung, was hinter den Kulissen von Altenheimen bezüglich Geldmacherei abläuft, war schockierend und faszinierende gleichermaßen.

Alles in allem reiht sich „Das Manuskript“ in die Erfolge von John Grisham nahtlos ein und ist für Fans ohnehin ein Muss. Ähnlich wie bei Stephen King gibt es bei John Grisham ebenfalls einen „alten“ und einen „neueren“ Stil des Autors. Sowohl bei King als auch bei Grisham kann ich für mich sagen, dass mir bei beiden die neueren Romane mehr zusagen, wobei der Großteil der Leserinnen und Leser da wohl anderer Meinung ist. Ich mag den „neuen“ Grisham wegen seiner oftmals ruhigen Art und der weitaus detaillierteren Beschreibungen von Landschaften, Orten und Ereignissen. Vor allem herrscht in den neueren Büchern immer eine weitaus schönere Stimmung als in den alten, die dafür aber viel mehr Spannung bieten. Ich persönlich finde „Das Manuskript“ wieder absolut gelungen, auch wenn es in der zweiten Hälfte ein wenig schwächelt.

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Fazit: Stimmungsvoller Krimi, der auf hohem Niveau unterhält und ein interessantes Thema bereithält.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Outland – Der geheime Planet von Dennis E. Taylor


Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 462 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31933-2
Kategorie: Science Fiction

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Eine Gruppe aus Physikstudenten entdecken bei einem Experiment ein Portal, das in eine andere Dimension, eine Parallelwelt, führt. Sie wollen das Ganze erst einmal geheimhalten, doch als im Yellowstone-Nationalpark ein Supervulkan ausbricht und droht, durch seinen Ascheregen die Menschheit zu vernichten, sehen die Studenten in einer Flucht durch das Portal den einzigen Fluchtweg. Doch niemand kennt die Welt auf der anderen Seite und kann mit Sicherheit sagen, ob sie auch wirklich sicher ist.

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Wenn man die anderen Bücher von Dennis E. Taylor gelesen hat, so wird man anfangs überrascht sein, dass der Autor auch „normal“ schreiben kann und sich nicht erneut auf eine außergewöhnliche Story und Schreibweise konzentriert. „Outland“ wirkt im ersten Moment, und vor allem in der ersten Hälfte, wie ein Roman aus der Feder von Michael Crichton oder Peter Clines: Ein Wissenschaftsthriller, der gut verständlich geschrieben und unheimlich spannend ist. „Outland – Der geheime Planet“ liest sich so flüssig, dass man das Buch in einem Rutsch durchlesen könnte. Das allein unterscheidet es schon von den anderen Werkend es Autors, die viel komplexer und komplizierter aufgebaut sind. Das tut aber dem Unterhaltungswert absolut keinen Abbruch und zeigt, dass Taylor vielseitig ist und es auch beherrscht, einen reinen Abenteuerroman zu schreiben.

Das Buch teilt sich aus meiner Sicht in zwei Teile ein. In der ersten Hälfte begleitet der Leser eine Gruppe Studenten, die eine bahnbrechende Entdeckung machen. Diesen Teil empfand ich persönlich als sehr spannend und atmosphärisch, weil er mich teilweise an die Abenteuergeschichten eines Michael Crichton, aber auch Jules Verne erinnerte. Die Geschichte las sich fast wie ein Jugendbuch und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Im zweiten Teil entwickelt sich das Ganze dann zu einem Katastrophenszenario und Überlebenskampf, was zwar immer noch außerordentlich gut zu lesen war, aber die Stimmung der ersten Hälfte irgendwie zunichte machte. Das soll jetzt nicht heißen, dass mir diese Entwicklung nicht gefallen hat, aber eine Fortführung im Stil des ersten Teils hätte mir bedeutend besser gefallen. Nichtsdestotrotz wollte ich dennoch unbedingt wissen, wie es weitergeht und allein diese Tatsache spricht schon dafür, dass es sich um ein gutes Buch handelt. 😉

Dennis E. Taylor hat mit seinen vorherigen Büchern bewiesen, dass er außergewöhnliche Plots schreiben kann, mit diesem Werk bedient er allerdings auf ganzer Linie den Mainstream. Zeigte er mit mit seiner Bobiverse-Trilogie noch, dass er dazu imstande ist, unmöglich Erscheinendes begreifbar zu erklären, so geht er mit dem vorliegenden „Outland – Der geheime Planet“ einen bedeutend einfacheren Weg, in dem er zwar in der ersten Hälfte versucht, fundiertes Wissen über Quantenmechanik einzuflechten, dies aber im Verlaufe der Handlung immer mehr zugunsten von klischeehaften Ereignissen bleiben lässt. Wie gesagt, das ist nicht schlecht und liest sich auch sehr gut, aber die Raffinesse seiner Vorgänger erreicht es leider nicht mehr. Dazu ist „Outland – Der geheime Planet“ einfach zu simpel gestrickt. Dennoch vergebe ich vier Punkte für einen äußerst unterhaltsamen Roman, der sehr bildhaft geschrieben ist.

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Fazit: Gelungener Abenteuerroman, der allerdings die Raffinesse von Taylors anderen Büchern nicht erreicht.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Stoneburner von William Gay


Erschienen als Taschenbuch
im Polar Verlag
insgesamt 390 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-948392-12-3
Kategorie: Krimi, Thriller

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Thibodeaux verschwindet mit einem gestohlenen Koffer voller Drogengeld zusammen mit Cathy. Cap Holder, der Freund von Cathy, beauftragt Stoneburner, sowohl seine junge Freundin als auch den Koffer voller Geld wieder zu beschaffen. Stoneburner kommt in eine Zwickmühle, denn er kennt Thibodeaux aus früheren Jahren. Nun verbinden sich die Lebensgeschichten von Storneburner, Thibodeaux , Holder und Cathy.

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„Stoneburner“ ist der zweite Roman von William Gay, der posthum veröffentlicht wurde. Es ist ein Glücksfall, dass sich ein Verlag den bislang unveröffentlichten Geschichten dieses besonderen Autors annimmt, der mit seinem außergewöhnlichen Schreibstil von der ersten Seite an begeistert. Es ist eine Art Film Noir, die einem permanent durch den Kopf geistert, wenn man dieses Buch liest. Man merkt, von welchen literarischen Idolen sich Gay hat inspirieren lassen. In erster Linie fühlte ich mich, wie übrigens auch schon bei den anderen in Deutschland publizierten Büchern von ihm, an Cormac McCarthy erinnert. Und vor allem bei „Stoneburner“ bricht auch Gays Vorliebe Philip Marlow gegenüber durch. Der vorliegende Roman ist eine perfekte Symbiose aus klassischem Krimi und einer atmosphärischen Detektivgeschichte mit einer Prise Liebe.

„Stoneburner“ ist in zwei Bücher unterteilt. Während der erste Teil aus der dritten Person beschrieben wird, erzählt Gay den zweiten Teil aus Sicht des Protagonisten. Immer wieder entdeckt man Parallelen während der beiden Geschichten, doch erst gegen Ende laufen die Ereignisse zusammen und die Lebensläufe der Charaktere überschneiden sich. Manchmal wirkt das ganze wie ein Film der Gebrüder Coen, ein bisschen „Fargo“ und ein wenig „Blood Simple“. Es macht ungeheuer Spaß, diese Geschichte zu verfolgen, zumal William Gays Sprache wirklich sehr außergewöhnlich und bildgewaltig ist. So sieht man während des ganzen Romans Bilder wie aus einem alten Humphrey-Bogart-Film vor sich, was „Stoneburner“ zu einem tollen Lesegenuss macht.

„Stoneburner“ ist eine wirklich großartige Lektüre, die fast schon auf mythische Weise ein Abenteuer erzählt, das manchmal melancholisch und manchmal grotesk witzig ist. Die Protagonisten geraten in der Landschaft von Tennessee in absurde Situationen, kämpfen sich durch Gier und Lust, um oftmals zu scheitern. Gay beschreibt Personen, die nach Ruhe und Frieden suchen, aber konsequent in einen Strudel gezogen werden, den sie eigentlich vermeiden wollten. Und dennoch wirkt alles, als wären diese Charaktere von realen Menschen inspiriert, als gäbe es sie tatsächlich irgendwo in Tenesse.
Aber in erster Linie ist es einfach nur fantastisch, ein anderes Buch von William Gay in den Händen zu halten, mit dem man nicht (mehr) gerechnet hat. Und das Beste: Es hält dem literarischen Anspruch seiner anderen Bücher definitiv stand.

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Fazit: Düstere und dreckige, aber auch melancholische Detektivgeschichte.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Devolution von Max Brooks

Erschienen als Taschenbuch
im Goldmann-Verlag
insgesamt 460 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-442-49006-6
Kategorie: Thriller

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Das Ehepaar Kate und Dan Holland will aussteigen. Sie schließen sich einer Gruppe von Siedlern an, die im Mount-Rainier-Nationalpark am Fuße eines Vulkans ein Aussteigerleben führen wollen. Doch als der Vulkan ausbricht und die Siedlung von der Außenwelt abgeschnitten wird, entdecken die Menschen, dass sie nicht allein sind. In der Nacht hören sie Schreie und werden von affenähnlichen Kreaturen attackiert. Handelt es sich dabei um die sagenumwobenen Bigfooots, die in diesen einsamen Wäldern überlebt haben?

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Während sich Brooks mit seinem Bestseller „World War Z“ auf eine weltweite Pandemie konzentriert, verlagert er im vorliegenden „Devolution“ das Grauen auf eine kleine Gruppe von Menschen, die abgeschieden und fern der Zivilisation um ihr Überleben kämpfen müssen. „Devolution“ ist im Grunde genommen ein sehr ruhiges Buch, das viele von Brooks Fans erst einmal abschrecken wird, weil es vollkommen anders an die Sache herangeht. Mittels Interviews und Tagebucheinträgen (die Erzählweise erinnert ein wenig an Bram Stokers Klassiker „Dracula“) wird der Leser mit auf eine Reise genommen, die weitestgehend unspektakulär die Begegnung und Auseinandersetzung zwischen Menschen und einer unbekannten Spezies beschreibt.

Max Brooks hat einen sehr bildhaften Schreibstil, der die Geschehnisse und die Umgebung sehr präzise beschreibt, ohne dafür seitenlange Erklärungen dafür benötigt. Ich persönlich fand mich schon nach ein paar Seiten vollkommen in den Bann der Geschichte gezogen. Und auch wenn ich die langsame Vorgehensweise des Autors mag, könnte ich durchaus nachvollziehen, wenn sich der ein oder andere Leser langweilt und auf irgendeinen Höhepunkt hofft. Auf den wartet man leider vergebens. Die Thematik, die man sich von dem Buch erhofft hat, nämlich dass schreckenerregende Bigfoots hilflose Menschen attackieren oder unheimliche Begegnung in den Wäldern stattfinden, wird dummerweise „verpulvert“ und die Chance nicht genutzt, einen spannenden Pageturner zu schreiben, den der Leser aufgrund des Klappentextes erwartet. Nicht falsch verstehen, „Devolution“ ist ein toller, atmosphärischer Roman geworden, der eine gute Geschichte erzählt. Aber erfüllt die Erwartungen, die Fans von „World War Z“ in ihn gesetzt haben, nicht. Was aber eigentlich wieder für den Autor spricht, der zeigt, dass er auch anders kann.

Letztendlich dürfte „Devolution“ dennoch für die meisten Leser enttäuschend sein. Ich fühlte mich gut unterhalten und auch an keiner Stelle gelangweilt, obwohl ich mir etwas mehr Action, Spannung und Horror gewünscht hätte. Leider traf nichts davon richtig ein, so dass Max Brooks’ neuer Roman einfach nur gut geschriebener Durchschnitt geworden ist, dem einfach der Kick fehlt. Ich bin der Meinung, dass Brooks großes Potential verschenkt hat. Hätte er seine außergewöhnliche Erzählweise mit ein paar gruseligen Horrorelementen gespickt, wäre mit Sicherheit ein besseres Ergebnis entstanden. So befürchte ich, dass der Roman bei mir schnell wieder in Vergessenheit gerät.

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Fazit: Gut geschrieben, aber eindeutig zu wenig Bigfoot-Action.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Westlake Soul von Rio Youers



Erschienen als gebundene Ausgabe
im Buchheim Verlag
252 Seiten
22,99 €
ISBN: 978-3-946330-15-8
Kategorie: Drama, Belletristik, Fantasy

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Westlake Soul ist ein Junge, der für sein Leben gern surft. Doch dann geschieht ein tragischer Unfall und Westlake ist gelähmt und befindet sich im Wachkoma. Während seine Umgebung davon ausgeht, dass ohnehin alles zu spät für ihn ist, entwickelt sich Westlake in seinem Inneren zu einem Superhelden, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat.

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„Westlake Soul“ von Rio Youers liest sich, als sähe man einen Film von Christopher Nolan. Trotz der oftmals witzigen Einfälle ist dieses Buch eine traurige, aber auch hoffnungsvolle, epische Reise ins Innere eines kranken Menschen. Youers schafft es auf beeindruckende Weise, eigentlich Unmögliches in Worte zu fassen und den Leser emotional mit einer solchen Wucht zu packen, dass man gar nicht wirklich glauben kann, was man da liest. „Westlake Soul“ macht süchtig, und das von der ersten Seite an. Es ist wirklich unglaublich, wie der Autor es schafft, uns derart in die Gedankenwelt des Protagonisten zu entführen, dass wir meinen, diesen starken „Superhelden“-Jungen zu kennen.

Der Schreibstil Rio Youers ist außergewöhnlich. Seine Wortschöpfungen bewegen sich zwischen „unterhaltsam“, „flüssig zu lesen“ und „hochwertig“, „poetisch wunderbar“ ausgearbeiteten Weisheiten. Es ist eine wahre Freude, den Protagonisten auf seiner unangenehmen und dennoch extrem spannenden und humorvollen Reise zu begleiten, die eine Existenz zwischen Leben und Tod beschreibt, wie man sie nicht besser schreiben könnte. Youers Worte besitzen eine emotionale Wucht, die man selten in der Literatur findet, zumal er nicht kompliziert, sondern äußerst verständlich schreibt. Wie oben schon erwähnt, könnte ich mir eine Verfilmung von Christopher Nolan hervorragend vorstellen. Um filmische Beispiele zu nennen, die „Westlake Soul“ ein wenig nahe kommen, seien Meisterwerke wie „Sucker Punch“ (2011), „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (2016), „I Kill Giants“ (2018) oder zuletzt „Coma“ (2019). Doch keiner dieser Filme erreicht die Magie, die Rio Youers mit seinem Helden auf literarische Weise heraufbeschwört.

Diese Reise verschafft mir sogar nachträglich noch eine Gänsehaut und ich bin sicher, dass ich dieses Buch auf jeden Fall noch ein zweites Mal lesen werde. Eine Höchstwertung erreicht eigentlich nicht einmal ansatzweise die Emotionen, die ich während des Lesens dieses Buches durchlebte.
Diese Geschichte spricht den Leser auf einzigartige Weise an und lässt die Worte teilweise wie pure Magie wirken, die einen tief in der Seele berühren. Und dennoch muss man auch mal schmunzeln über den Humor dieses tapferen Jungen, der niemals aufgibt.
„Westlake Soul“ ist eine der schönsten und berührendsten Geschichten, die ich je gelesen habe. Wie der Autor die Beziehung zwischen den Beteiligten, die gemeinsamen Momente in Szene setzt ist einfach nur meisterhaft. Es gibt nur wenige Bücher wie dieses, die einem wahrscheinlich für immer im Gedächtnis haften bleiben.
„Westlake Soul“ ist ein Meisterwerk.

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Fazit: Humorvoll, spannend, traurig, emotional. Ein Meisterwerk!

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten