Freddie Mercury – Ein Leben in eigenen Worten

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Hannibal-Verlag
insgesamt 200 Seiten
Preis: 24,90 €
ISBN: 978-3-85445-280-5
Kategorie: Biografie, Musik

Freddie Mercury war eine schillernde Figur, ein Musiker, ein Leadsänger und er war berühmt. Aus diesem Grund wurden Unmengen an Interviews mit ihm geführt und aufgezeichnet. Seine Sprüche und Äußerungen wurden gesammelt, wie auch die musikalischen Werke der Band Queen. Und so entstand dieses Buch: Recherchiert aus unzähligen Quellen haben die beiden Autoren Simon Lupton und Greg Brooks dieses Buch erschaffen, dass sein Leben in seinen eigenen Worten erzählt …

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Gewidmet haben die beiden Herausgeber dieses schöne Werk keinem geringeren als Freddie Mercury. Und nach einer Anmerkung zur deutschen Übersetzung folgt dann ein kleines Vorwort von Jer Bulsara (Freddies Mum).

Die beiden Herausgeber haben zusätzlich eine schöne, ausführliche Einleitung verfasst, die beschreibt, wie sie dieses Buch erschaffen haben und dass solch ein Projekt wohl mit Freddie zu Lebzeiten um ein hundertfaches schwieriger gewesen wäre. Freddie hätte womöglich nicht soviel Geduld und Ruhe aufgebracht, sich lang und ausgiebig damit zu beschäftigen.

Der Hannibal Verlag präsentiert ein sehr schönes Buch. Die Gestaltung kann man ohne weiteres als liebevoll bezeichnen: Das Format ist bereits, entgegen aller Norm; quadratisch und der schlichte weiße Einband mit dem farbenfrohem Freddie-Print in seiner berühmter Pose wirkt sehr schön und edel. Für Freunde von Büchern ohne Einband sei erwähnt, dass das Buch unter dem Schutzumschlag identisch aussieht. Jedes Kapitel beginnt mit dem gleichen Bild und einem kleinen Zitat. Der Inhalt ist gut aufgebaut und sehr übersichtlich gestaltet. Die Inhaltsangabe gibt eine gute Struktur und hilft, wenn man noch einmal etwas nachlesen oder nachschlagen möchte.

Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass es sich durch die Art der Texte anfühlte, als höre man Freddie reden. Sicher, man liest in deutsch, aber wenn man, wie ich, sich öfter alte Interviews o.ä. auf Instagram ansieht, hat man seine Stimme dennoch dabei im Ohr und sieht ebenso oftmals sein schalkhaftes Lächeln ;-).

Freddie erzählt viel über die Art, wie er an die Musik heranging, wie die Songs entstanden und wie die Zusammenarbeit bei Queen ablief. Man erfährt viele Hintergrundinformationen zur Band, ihrer Diskografie und den Videos. Er selbst sah sich z.B. NIE als Chef der Band, sondern nur als Leadsänger. Er erzählt auch über die Zusammenarbeit mit Montserrat Caballé (die er sehr respektierte und die ihm eine enge Freundin wurde) und seinen Auftritt beim Royal Ballett.

Er erzählt von Vertrauen, wahrer Freundschaft und Liebe und seiner Liebe zur Musik. Wir lesen über Glitzerklamotten der 70er, dass er im Alter von 40 Jahren nicht mehr in Balletthosen auf der Bühne rumspringt und so lange Musik macht, wie die Leute sie hören wollen.
Manchmal springen die Kapitel etwas in der Zeit, sind also nicht ganz chronologisch: Beispielsweise erzählt Freddie über sein Soloalbum 1985 (er war übrigens der Dritte der Band, der das tat, Brian und Roger waren da früher dran) und dann gibt es plötzlich einen Sprung zurück zum Royal Ballett 1979. Aber man findet sich dennoch immer gut zurecht. Natürlich wiederholen sich innerhalb der Kapitel oft einige Stellen, denn die Worte wurden ja aus diversen Interviews zusammengestellt und letztendlich antwortete Freddie oft das Gleiche, lediglich leicht abgewandelt.

Wer auf krasse Einblicke in seine wilden Party-, Sex- und auch Drogen-/Alkoholexzesse hofft, den muss ich enttäuschen: Darüber hat Freddie in der Öffentlichkeit nicht gesprochen. Er redet weder über seine krassen Zeiten in den New Yorker Clubs, noch über die längere Zeitspanne in München. München wird erwähnt, aber die privaten Sachen hat er aus der Öffentlichkeit herausgehalten. Ich finde das gut, denn diese Dinge kann man ausführlich in diversen Biografien nachlesen. Dafür habe ich hier viele Dinge erfahren, die mir wiederum neu und sehr interessant für mich waren. Ebenso gibt es eine ganze Menge an schönen Hochglanzfotos, die aus den verschiedensten Epochen zusammengestellt sind.

Erst einen Tag vor seinem Tod sagte er der Öffentlichkeit, dass er an AIDS erkrankt ist. Einen Tag! Er selbst und seine engsten Freunde wussten es da bereits einige Jahre. Die offizielle Erklärung, die er abgab, ist hier nicht abgedruckt, aber die kann man googeln. Im Hinblick auf Freddies Art war sie auch eher kurz.

Mir hat die Lektüre großen Spaß gemacht. Ich mag Queen und Freddie sehr und für mich als Fan ist das Buch ein wundervolles Geschenk. Am Ende hinterlässt das Buch einen Kloss im Hals und macht ein wenig traurig. Wenn man dann wiederum Freddies Worte liest „Mein Gott, werden sie sich denn an mich erinnern, wenn ich tot bin? Das liegt ganz bei ihnen. Wen juckt das schon, wenn ich tot bin? Mich nicht“, muss man doch wieder schmunzeln ….

© Buchwelten 2021

Böses Blut von Robert Galbraith (C.S. IV)

Erschienen als gebundene Ausgabe mit Leseband
bei blanvalet
insgesamt 1200 Seiten
Preis: 26,00€
ISBN: 978-3-7645-0768-8
Kategorie: Krimi

Während eines Besuchs bei seiner Familie in St. Mawes, Cornwall wird Cormoran Strike im dortigen Pub von einer jungen Frau angesprochen. Ihre Mutter, die Ärztin Margot Bamborough, verschwand im Jahr 1974 und weder sie noch ihre Leiche wurden je gefunden. Es ist Strike und Robin Ellacotts erster Cold Case Fall und weckt beider Neugier und Interesse, darum nehmen sie den Fall an. Das damalige Verschwinden geschah unter mysteriösen Bedingungen und der erste ermittelnde Kommissar wurde offensichtlich wahnsinnig. Dessen Nachfolger rollte damals den Fall zwar nochmal auf, jedoch eher mit dem Hintergrund seinen Vorgänger bloßzustellen.

Robin Ellacott hängt gerade inmitten eines hässlichen Scheidungsverfahrens. Matthew scheint nach wie vor so gekränkt und in seiner Ehre verletzt, dass er Robin ziemlich alle Knüppel zwischen die Beine wirft, die er nur finden kann.

Strikes Tante, die ihm die einzige echte Mutter war, leidet an Krebst und liegt im Sterben. Seine Ex Charlotte stalkt ihn, weil sie in ihrer Ehe und Mutterrolle unglücklich ist und darauf hofft, dass sie Strike wieder erweichen kann.

Aber auch wenn sowohl Strike, als auch Robin es in privater Hinsicht wieder einmal alles andere als leicht haben, so geben sie beide doch ihr Bestes; um Licht in diesen alten, dunklen, undurchsichtigen Fall zu bringen…

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Was ist für mich ein gutes Buch? Z.B. eines; das 1200 Seiten hat und ich dennoch nicht möchte, dass es aufhört. Genau so war es hier auch schon wieder. Bisher sind alle Teile der Reihe um Cormoran Strike recht dicke Schmöker, ist weiß nicht, ob dieser hier der dickste ist. Aber eines weiß ich genau. Ich wäre zu gerne noch dort geblieben: zwischen den Buchdeckeln in London in der Denmark Street. Hätte gerne noch einige weitere Tage an der Seite von Strike und Robin verbracht. Ich liebe diese London-Krimis mit ihrem britischen Charme, ihren tollen Charakteren, mit den verzwickten Fällen, die so gut durchdacht sind.

Ich mochte J.K. Rowling ja schon zu Potter-Zeiten sehr. Ich bin der Meinung, dass sie mit jedem Roman „gewachsen“ ist. Man konnte es quasi fühlen, wie ihr Schreibstil immer besser wurde. Die Autorin hat ein Händchen für Figuren, Personen, tolle Charakter und schöne Orte. Sie liebt London und sie liebt England. Sie nimmt uns z.B. mit an die Küste, in alte und urige Pubs, lässt uns den dortigen Flair sehen und spüren. Ich kann überhaupt gar nicht nachvollziehen, warum Leute Ihre Werke, die unter diesem Pseudonym entstanden, niedermachen. Kapier ich einfach nicht. Sie liefert als Robert Galbraith erstklassige Krimis ab, die sowas von spannend, logisch und gut ausgearbeitet sind, dass mein Leserherz voll auf seine Kosten kommt.

Mir sind die beiden Protagonisten sehr ans Herz gewachsen, die ja eigentlich beide absolute Anti-Mainstream-Helden sind. Aber gerade das macht die beiden aus. Galbraith wechselt in ihren Kapiteln immer die Sichtweise ab. Es gibt immer ein Robin-Kapitel, gefolgt von einem Strike-Kapitel. Natürlich kommunizieren die beiden in den jeweiligen Kapiteln miteinander. Das erhöht die Spannung ungemein, denn wenn ein Robin-Kapitel mit einem Cliffhanger endet, muss ich ja wissen, wie es weitergeht und man will schnell wieder dorthin. Umgekehrt ist das genauso.

In diesem Teil der Reihe wird der Leser auch wieder mit auf eine Reise zurück in die 70er Jahre genommen. Wir ermitteln mit den Protagonisten im alten London und werden zurückversetzt in die damalige Zeit. Astrologie spielt in diesem Teil ebenso eine Rolle wie Bandenkriminalität á la „Der Pate“.

Neben dem Hauptfall, in dem die beiden ermitteln, gibt es immer noch weitere Fälle, die ebenso durch die Detektei bearbeitet werden müssen und nicht minder spannend, oft sogar herrlich skurril sind. Nicht zu vergessen, die (auch) privaten Angelegenheit von Robin und Cormoran, die auch immer einen wichtigen Teil der Handlung ausmachen. Man merkt schon, ich komme ins Schwärmen und das zu Recht. Dieser Teil hat mir wirklich richtig tolle Lesestunden bereitet und ich bin sehr traurig, dass es vorbei ist und ich wieder warten muss, bis ich den beiden wieder begegne.

Ich würde so gerne von einer Stelle erzählen, bei der ich laut lachen musste, aber dass würde leider ein Spoiler sein. Also, lasst euch nicht von dicken Büchern abschrecken! Geschichten sind immer so lang, wie es braucht, sie zu erzählen. Und ich verspreche in diesem fall, dass es zu keiner Zeit langweilig oder zäh wird.

Wer Lust hat meine anderen Rezension der Reihe zu lesen, der kann ja HIER mal reinschauen.

© Buchwelten 2021

Klub Tropikal von Ina Elbracht

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 64 Seiten
Preis: 6,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Krimi, Thriller, Mystery

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Eine Frau begibt sich mit ihrer Familie auf eine griechische Insel, um dort die Beerdigung ihres kürzlich verstorbenen Vaters zu organisieren. Was zuerst wie ein Familienausflug mit traurigem Anlass erscheint, entwickelt sich immer mehr zu einem Trip in die Hölle, bei der die Tochter des Verstorbenen eine tragende Rolle spielt.

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Im „Klub Tropikal“ ist nichts so wie es scheint. Ina Elbracht hat ein Drama geschrieben, an das man sich noch lange erinnern wird, nachdem man es gelesen hat. Denn ihr geschickt angelegter Genremix aus Drama, Familiengeschichte, Grusel, Mystery und Krimi kann von Anfang bis Ende durchgehend überzeugen. Elbracht erschafft durch ihre klare Sprache eine außergewöhnliche Atmosphäre, die einen vollkommen in den Bann zieht, obwohl anfangs im Grunde genommen nicht wirklich viel passiert. Dennoch möchte man das Büchlein aus der „Appetizer“-Reihe des KOVD Verlags gar nicht mehr aus der Hand legen, wenn man einmal angefangen hat, es zu lesen. Man kann „Klub Tropikal“ in seiner Einzigartigkeit gar nicht genau beschreiben, man muss es einfach selbst gelesen und miterlebt haben, um mitreden zu können. 😉

Auf nur knapp über 60 Seiten nimmt Ina Elbracht den Leser auf eine unvergessliche Reise mit, bei der man sich im Nachhinein wünscht, der Plot würde verfilmt werden. Die bildhafte Sprache der Autorin lässt jede einzelne Szene als Film im Kopf entstehen, bei dem man sich die Umgebung und die handelnden Personen vorstellen kann. Das langsame Hinführen auf eine Erkenntnis ist Elbracht wunderbar gelungen und man fühlt sich ein wenig an Storys des Regisseurs David Lynch erinnert. Ich habe „Klub Tropikal“ aber nicht nur aufgrund der überzeugenden und außergewöhnlichen Geschichte genossen, sondern auch wegen seiner liebevollen Aufmachung, die das Geschehen noch zusätzlich unterstreicht – passender könnte ein Cover und die darin enthaltenen Illustrationen für diese Novelle gar nicht sein.
Mich hat das Buch auf alle Fälle in jeder Hinsicht überzeugt und ich werde weitere Bücher der Autorin lesen, da ich von ihrem Schreibstil und Ideenreichtum absolut begeistert bin.

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Fazit: Geschickter Genremix mit einem genialen Ende. Unbedingt lesen!

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Heimkehr -Morten Harkets prägende Phase 1993-1998 von Ørjan Nilsson

Erschienen als Taschenbuch
im Hannibal-Verlag
insgesamt 224 Seiten
Preis: 23,00 €
ISBN: 978-3-85445-695-7
Kategorie: Biografie, Musik

Neben seinen Erfolgen als Sänger der Band a-ha widmete sich der Star auch einer Solokarriere, verbunden mit einem großen Engagement für Klimaschutz und Menschenrechte. „Heimkehr“ zeigt Morten Harket von einer bislang unbekannten Seite: nämlich als einen Mann auf der Suche nach sich selbst und den Dingen, die für ihn im Leben wirklich zählen.

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Während man in seiner Autobiografie „My Take on me“ Morten Harkets öffentliches und privates Leben rund um die Band a-ha erfährt, widmet sich dieser Band einem völlig anderen Aspekt des Ausnahmekünstlers. Nach den Riesenerfolgen im Musikgeschäft war Harket stets auf der Suche nach einem neuen und anderen Sinn in seinem Leben. Durch seine Kindheit war er geprägt von Natur und Menschlichkeit, so dass es im Grunde genommen gar nicht ausbleiben konnte, dass sich Harket eines Tages der Politik respektive dem Klimaschutz und den Menschenrechten zuwendet. Abseits der Karriere mit a-ha arbeitete Harket an einer Solokarriere, die musikalisch ganz andere Wege ging als a-ha, und beschäftigte sich immer mehr mit politischen Themen, um etwas in der Welt zu verändern.
Ørjan Nilssons Schreibstil mag für den ein oder anderen befremdlich wirken, weil er neben Harket auch viele andere Menschen zu Wort kommen lässt. Doch genau dieses Vorgehen macht das Gesamtbild erfassbarer und verständlicher. Man fühlt sich in die Vergangenheit zurückgeschleudert, wenn man die Menschenrechtsaktivitäten von Morten Harket liest und begreift, was in diesem Menschen alles steckt.

Es ist ein wichtiges Kapitel in Morten Harkets Leben, das hier beschrieben wird und ein völlig anderes Licht auf den Sänger von a-ha wirft. Erst jetzt beginnt man auch, den ein oder anderen Song zu verstehen, weil man weiß, wie es in Harkets Kopf aussah. In Verbindung mit der obengenannten Autobiografie schließt sich der Kreis von Harkets Leben und seiner selbst auferlegten Lebensbestimmung. Wie bei einem Puzzle sieht man plötzlich das Gesamtbild und beginnt den Menschen, der sich hinter dem öffentlichen Star Morten Harket versteckt, zu verstehen.
Dieser Bericht über eine eher unbekannte Phase des Sängers liest sich an manchen tatsächlich etwas schwer, was daran liegt, dass der Leser mit einer Fülle an Informationen überschüttet wird. Die Kunst, dieses Buch dennoch zu erfassen, liegt darin, dass man alles für einen selbst unwichtige separieren sollte, um dennoch ein hervorragendes Bild über Morten Harkets Leben und seine Motive außerhalb von a-ah zu bekommen.

Was für mich vor allen Dingen sehr angenehm war, dass Ørjan Nilsson nicht eine Wiederholung bereits bekannter Vorfälle aneinanderreiht, sondern sein Buch von einer vollkommen anderen Seite aufzieht. Selten wird beispielsweise über a-ha gesprochen, denn das kennt man ja bereits aus anderen Büchern, nein, er konzentriert sich schlichtweg auf andere Seiten des Mannes, die man eben noch nie in dieser Art und Weise zu lesen bekam. Dass er dabei weiter ausholt und die Meinungen / Interviews anderer Menschen mit einbezieht, sehe ich persönlich eher als Pluspunkt denn als Negativaspekt, denn genau dadurch lebt diese Zeit wieder auf und man kann nachvollziehen, warum Harket so gehandelt hat. Für mich war dieses Buch die perfekte Ergänzung zu Harkets Autobiografie und ich würde diese beide Bücher als Gesamtpaket immer wieder empfehlen, um den a-ha-Sänger von all seinen Seiten kennenzulernen.

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Fazit: Interessanter Bericht über einen eher unbekannten Abschnitt aus dem Leben des a-ha-Sängers.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Blood Crazy von Charles Platt

Erschienen als gebundene Ausgabe
im FESTA Verlag
542 Seiten
34,99 €
ISBN: Privatdruck
Kategorie: Horror, Thriller

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Samantha ist 16 Jahre alt und hat genug von ihrem Leben. Den ersten, den sie tötet, ist ihr Vater, der sie missbraucht hat. Danach bricht sie aus ihrem Alltag aus und macht sich auf eine blutige Reise, auf der jeder den Tod findet, der Samantha im Weg steht.

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Wer die Bücher von Richard Laymon mag, wird dieses Werk lieben. „Blood Crazy“ ist eine bitterböse Sicht auf unsere Gesellschaft und zeigt, wie es wäre, wenn man sich seiner Wut vollends hingeben würde. Der einfach gehaltene Schreibstil macht den 500 Seiten starken Roman zu einem wahren Pageturner, den man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Platt vermischt die unterschiedlichsten Themen in sein blutiges Massaker: sexueller Missbrauch, BDSM, Selbstjustiz … All dies verbindet sich zu einem blutigen Albtraum, der in manchen Szenen an die Schmerzgrenze geht und sie sogar überschreitet, in dem er Folterungen und Verstümmelungen detailliert beschreibt. Dennoch schmälern diese brutalen Einschübe niemals das Lesevergnügen, weil sie nicht wirken, als wären sie nur zum Selbstzweck geschrieben worden. Sie passen einfach in das Gesamtbild und verleihen dem Roman etwas charmant Trashiges. Ich muss sagen, dass ich mich bestens unterhalten habe und gut und gerne weitere 500 Seiten hätte lesen können, um Samantha auf ihrem Weg zu begleiten.

Die Aufmachung des Buches ist, wie beim Festa-Verlag gewohnt, qualitativ hochwertig. Was mit besonders gefallen hat, waren die kleinen Illustrationen von Robert Chambers, die zum einen den Trashgehalt des Romans auf genialste Weise unterstreichen und zum anderen den ohnehin schon bildhaft verfassten Text auch optisch noch unterstützen. Diese Symbiose macht das Buch zu einem echten Genuss und Erlebnis.
Die Handlung spielt sich innerhalb sehr kurzer Zeit ab, was wiederum zur Folge hat, dass man das Buch förmlich verschlingt, weil man einfach wissen will, wie es weitergeht.
Unglaublich informativ finde ich das Nachwort des Autors, in dem er erklärt, wie diese Geschichte entstanden ist und aus welchen Gründen sie geschrieben wurde. Charles Platt erzählt sehr unterhaltsam, was ihn zu „Blood Crazy“ bewogen hat und nachdem man dann das Nachwort gelesen hat, sieht man die Handlung dann noch einmal mit einem anderen Auge. Für mich war „Blood Crazy“ eine ganz große Überraschung, weil ich nicht mit so einem unterhaltsamen Pageturner gerechnet habe. Ich kann diesen Roman für Fans von Richard Laymon und brutalen, blutigen Thrillern uneingeschränkt empfehlen.

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Fazit: Brutal, trashig, humorvoll und mit einem gehörigen Schuss Gesellschaftskritik.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schauer der Vorwelt von Tobias Bachmann

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 368 Seiten
Preis: 15,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Horror, Mystery

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13 Kurzgeschichten im Geiste von H.P. Lovecraft

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Tobias Bachmann hat mich bereits mit seinem Roman „Das Spiel der Ornamente“ (ebenfalls im KOVD Verlag erschienen) durch seinen angenehmen und gehobenen Schreibstil überzeugen können. Nicht anders verhält es sich bei der vorliegenden Kurzgeschichtensammlung, die sich durchgehend mit Storys im Geiste von H.P. Lovecraft befassen. Bachmann schafft es auch hier von den ersten Zeilen an, eine wahnsinnige Atmosphäre aufzubauen, die einen komplett gefangen nimmt. Während des Lesens sieht man tatsächlich vor seinem geistigen Auge die Abenteuer, die beschrieben werden und fühlt sich tatsächlich in die Welt von Lovecraft geschleudert.

Die Einleitung „Lovecraft und ich“, die eigens für diesen Band verfasst wurde, gibt einen kurzen, aber interessanten Einblick in die „Beziehung“ zwischen Tobias Bachmann und seinem literarischen Idol.
Die erste Geschichte „Kadath“ erzählt vom Zusammentreffen zweier Männer, die sich auf ganz besondere Weise ergänzen. Die Stimmung ist einfach toll und lässt vor allem die eigenen Gedanken spielen.
„Der Hausvermesser“ bewegt sich weitaus mehr in Richtung Fantasy und erinnerte mich manches Mal an den herrlich genialen Roman „Das Haus“ von Mark Z. Danielewsky.
„Ein sauberer Abgang“ ist eine One-Man-Show, die zum Nachdenken anregt und eine sehr schöne Stimmung verbreitet.
„Der Handleser“ ist eine Story, wie sie auch von Stephen King hätte stammen können. Dennoch trägt sich unverkennbar Lovecraft-Anleihen und auch philosophische Gedanken.
„Das grüne Licht im Giebelfenster“ ist von der Atmosphäre her eine meiner Lieblingsgeschichten in diesem Band und Lovecraft respektive Bachmann at it’s best.
„Der Brunnen“ trägt eine Stimmung in sich, die mich an alte Horrorfilme aus den Hammer-Studios erinnert. Eine kleine, feine Gruselgeschichte.
„Kaleidoskop der Seele“ ist das Psychogramm eines Mannes, der Vergangenheit und Gegenwart nicht länger unterscheiden kann und sich in dessen Wirbeln verstrickt.
Mit „Incunabula“ nähert sich Tobias Bachmann dann neben Lovecraft auch noch den Autoren E.A. Poe und Robert E. Howard. Es ist eine Abenteuergeschichte, die den Leser in ihren Bann zieht und in eine mystische Welt entführt.
„Wanderer, kommst du nach Cat …“ ist ein Bericht, wie er auch aus der Feder eines Robert Louis Stevenson stammen könnte. Bachmann vereint diese klassische Erzählweise geschickt mit den Visionen Lovecrafts.
„Grønn“ zählt für mich auch zu den Highlights dieses Erzählbandes. Ich war mittendrin in dieser Geschichte und konnte eine Zeitlang die Realität um mich herum vergessen.
„Metamorphose“ ist, wie auch „Incunabula“ eine Abenteuergeschichte mit einer tollen Atmosphäre, an die man sich gerne erinnert.
Die Erzählung „De Profundis“ geht einen ähnlichen Weg wie „Grønn“, bevor der Band mit „Ohne Ende“ einen Abschluss findet, der wieder eine klassische Lovecraft-Vision behandelt.

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Fazit: Grandiose Kurzgeschichtensammlung, die dem Geiste Lovecrafts uneingeschränkt folgt.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Durch Schlamm und Blut von Jeff Menapace

Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
266 Seiten
14,99 €
ISBN: 978-3-86552-853-7
Kategorie: Horror

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Eine Fehde zwischen zwei Hinterwäldler-Familien in den Everglades.
Ein Familienausflug in die Sümpfe.
Zivilisation und Rednecks treffen aufeinander und ein blutiger Kampf in der Wildnis inmitten gefährlicher Tiere und irrer, kaltblütiger Killer entbrennt.

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„Durch Schlamm und Blut“ wird Lesern empfohlen, die unter anderem Stephen King, Dean Koontz oder auch Richard Laymon gerne lesen. Vor allem Leser, die Letzteren gerne mögen, kann ich dieses Buch von Jeff Menapace uneingeschränkt empfehlen . Durch den flüssigen und knappen Schreibstil fliegt man nur so durch die Seiten. Der Autor liefert eine Abenteuer- und Horrorgeschichte ab, an die man sich auch noch nach dem Lesen gerne erinnert . Auch wenn der Plot nicht unbedingt neu ist, so verfällt man dem Schreibstil und auch der extrem rasant erzählten Handlung von der ersten Seite an. An manchen Stellen fühlte ich mich an die Filme um den Serienkiller Viktor Crowley in „Hatchet“ erinnert, was wahrscheinlich an dem Handlungsort liegt. Das Cover lässt auf den ersten Blick vermuten, dass es sich hierbei um einen Tier-Horror-Roman handelt, jedoch wird das Hauptaugenmerk eindeutig auf eine Fehde zwischen zwei hinter Hinterwäldler-Familien gerichtet . Das tut der Handlung aber definitiv keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, die Geschichte lässt eine Spannung aufkommen, die sich in von Anfang bis Ende konsequent durchzieht .

Wie gesagt, die Handlung ist an sich nichts Neues und man merkt an vielen Stellen, welche Filme und literarische Vorbilder sich der Autor zunutze gemacht hat, um daraus seine eigene Geschichte zu erzählen. Der Roman wirkt in keinem einzigen Moment wie eine Kopie all dieser Vorbilder, sondern spricht eine eigene Sprache. Ich mochte vor allem die Atmosphäre, die Menapace sehr bildhaft beschreibt, so dass man sich wirklich mitten im Geschehen fühlt . Er hat mich mit diesem Roman zumindest soweit überzeugt, dass ich definitiv andere Werke von ihm lesen werde, sobald diese auf dem deutschen Markt erscheinen. „Durch Schlamm und Blut“ ist ein dreckiges Buch, das in einigen Szenen sehr brutal ist, aber andererseits durchgehend eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre bietet. Ich mochte es sehr.

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Fazit: Blutig, dreckig und trashig. Absolut unterhaltsam und stimmungsvoll.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Blindes Licht von Petru Ghiea

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 60 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Lyrik

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Texte und Gedanken

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Bei der vorliegenden Textesammlung „Blindes Licht“ handelt es sich um den ersten Band der Edition Lyrik, erschienen im KOVD Verlag. Petru Ghiea schafft es mit seinen Texten, Gedanken und Überlegungen, dass der Leser sich mit den Themen, die angesprochen werden, auseinandersetzt. Dieses, in seiner Aufmachung wunderschöne, Büchlein ist trotz seiner Kürze kein Werk zum schnell konsumieren, sondern das immer wieder einmal in die Hände genommmen werden sollte, um darin zu blättern. Es mag der ein oder andere Gedanke anfangs etwas wirr wirken, aber wenn man sich die Zeit nimmt und diese Zeilen verinnerlicht und auf sich wirken lässt, so kann man zum einen die Überlegungen des Autors nachvollziehen und zum anderen eigene Interpretationen darin finden. „Blindes Licht“ macht definitiv Spaß, aber nicht nur wegen der Worte, die darin stehen, sondern auch wegen der, wie oben bereits erwähnt, wunderbaren Aufmachung, die das Geschriebene noch zusätzlich sehr intensiv unterstreicht. Man muss solcherart Texte natürlich mögen, um sich darauf einlassen zu können.

In den Texten steckt viel mehr drin, als man im ersten Moment vielleicht meinen möchte. Trauriges, Witziges, Ernstes – alles ist vorhanden. Ich bin sicher, dass man „Blindes Licht“ auch als eine Art Zeitdokument des Autors ansehen kann, der seine Gedanken aus der jeweiligen Zeit festgehalten und in Worte gekleidet hat. Letztendlich macht „Blindes Licht“ trotz seiner melancholischen und ernsten Aussagen am Ende dann doch auch irgendwie Hoffnung, weil man durch diese Texte über sein eigenes Leben nachdenkt und etwas ändert oder ändern will. Und wenn ein Autor es schafft, den Leser so weit zu bringen, dann hat er doch alles richtig gemacht.
Für Menschen die sich gerne mit den Gedanken anderer beschäftigen und bereit für eigene Interpretationen sind, eignet sich dieses Büchlein auf alle Fälle. Und zusätzlich zu den Worten sollte man auch allein wegen der ansprechenden Aufmachung zugreifen. Abgerundet wird das Ganze dann noch von einfühlsamen und aussagekräftigen Illustrationen, die von Ioana Ghiea, der Mutter des Autors, angefertigt wurden und absolut gut zu den Worten passen.
Ich habe mich in „Blindes Licht“ sehr wohl gefühlt.

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Fazit: Ansprechende Texte, die zum Nachdenken anregen und in einer wunderschönen Ausgabe präsentiert werden.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

S. – Das Schiff des Theseus von J.J. Abrams und Doug Dorst

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Verlag Kiepenheuer&Witsch
544 Seiten
Preis: 45,00 €
ISBN: 978-3462047264
Kategorie: Belletristik, Gegenwartsliteratur

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Zwei Studenten finden unabhängig voneinander in einer Bibliothek ein Buch, in dem sie mittels Randbemerkungen miteinander kommunizieren, ohne sich dabei persönlich zu begegnen. Gemeinsam versuchen sie hinter das Geheimnis des Autors V. M. Straka zu kommen, der den Roman verfasst hat. Zwischen den beiden Studenten entspinnt sich eine lebhafte Unterhaltung, die auf den Seiten des Romans »Das Schiff des Theseus« stattfindet. Doch was wie ein Spiel beginnt, wird im Laufe der Zeit zu einer Gefahr, denn jemand scheint Interesse daran zu haben, dass die wahre Identität des Autors Straka nicht gelüftet wird und dringt in die Privatsphäre der beiden Studenten ein.

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Ein Buch, wie man es noch nie derart zu Gesicht bekommen hat. Nach einem Konzept von Erfolgsregisseur J.J.Abrams spinnt Doug Dorst eine atemberaubende Geschichte, die sich innerhalb (oder abseits) des Romans „Das Schiff des Theseus“ abspielt. Der Leser muss Unmengen an Handlungssträngen, Kommentaren, Fußnoten, Briefen und Postkarten über sich ergehen lassen, die dann letztendlich doch irgendwie auf wundersame Weise ein Gesamtwerk ergeben, dem man sich – ähnlich wie die beiden Studenten – nicht mehr entziehen kann. Es ist natürlich anfangs schwierig, hier einen geeigneten Leserhythmus zu finden, aber schon bald bekommt man ein entsprechendes Gefühl dafür, sofern man sich auf dieses Experiment einlassen kann.

Ähnlich wie „Das Haus“ von Mark. Z. Danielewsky, „Die Karte meiner Träume“ von Reif Larsen oder „Dahlgren“ von Samuel R. Delany wird man teilweise mit Eindrücken und Informationen regelrecht überflutet. Dennoch macht es unglaublichen Spaß, dieses literarische Puzzle zu enträtseln und den beiden Protagonisten nebst dem Protagonisten des eigentlichen Romans auf ihrer faszinierenden Reise zu begleiten. Postkarten liegen zwischen den Seiten, die Licht ins Dunkel bringen (oder auch nicht), mehrseitige Briefe bewegen sich komplett von der Haupthandlung fort, um schließlich aber doch auf gewisse Art und Weise wichtig zu sein. „Das Schiff des Theseus“ ist Unterhaltungsroman, Philosophie und literarische Spielerei in einem. Allein die Aufmachung machen diesen limitierten Sonderband zu einem echten Erlebnis.

Handlungstechnisch muss man am Ball bleiben, um all dies in seinen ganzen Facetten zu verstehen. Das bedeutet, dass dieses Buch definitiv nichts Oberflächliches für zwischendurch ist, sondern vollste Konzentration erfordert. Es ist kompliziert und schwierig, aber es lohnt sich definitiv. So ein Buch hat man einfach noch niemals gelesen und es hinterlässt nicht nur wegen seiner Aufmachung einen bleibenden Eindruck. Es ist ein visuelles und literarisches Experiment, das seinesgleichen sucht und in seiner Gesamtheit fast nicht begreiflich wird, so komplex ist es. Leider ist dieses Schmuckstück nur noch für überhöhte Sammlerpreise zu bekommen, da es seinerzeit als limitierte Sonderauflage erschienen ist. Wer ein ausgefallenes Buch sucht, hat hier das ausgefallenste gefunden. Zumindest kenne ich keine Ausgabe, die verspielter und aufwändiger sein könnte. Absolute Leseempfehlung für Freunde gehobener, ausgefallener und experimentierfreudiger Literatur. Und die Leistung des Verlegers verdient eine Auszeichnung. Selten hat man gesehen, wie solch eine Herausforderung in Sachen Buchsatz gemeistert wurde.

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Fazit: Experimenteller Roman in ausgefallener Aufmachung. Ein Muss für Buchliebhaber.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten