Midnight, Texas – Nachtschicht von Charlaine Harris

Midnight Texas - Nachtschicht von Charlaine Harris

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31916-5
Kategorie: Thriller, Horror

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Auf der Kreuzung in Midnight, Texas, begehen verschiedene Personen plötzlich Selbstmord. Was anfangs wie ein mysteriöses Rätsel aussieht, entwickelt sich bald zu einem ausgeklügelten Plan, der von einer bösen Macht stammt. Die Bewohner von Midnight stellen sich dem Kampf …

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Schade, schade schade …
Was mit dem ersten Band äußerst vielversprechend begann und mit dem zweiten Teil zumindest eine annehmbare Fortführung der Geschichte um das Städtchen Midnight fand, endet (zumindest aus meiner Sicht) mit dem finalen Band in einem unglaublichen Desaster. Es dauerte nicht lange und war mir gar nicht mehr so sicher, ob dieses Buch von der gleichen Autorin wie „True Blood“ verfasst wurde. An vielen Stellen wirkte es vollkommen unausgegoren und uninspiriert auf mich. Es kam mir oftmals vor, als hätte eine Schülerin als Strafarbeit einen Aufsatz schreiben müssen. Charlaine Harris hat wohl eine Storyline verfasst und die dann stur und ohne jedwede Abweichung „abgearbeitet“. Manchmal musste ich sogar lächeln und fragte mich, wie so eine Manuskript an einen Verlag kommen konnte. „Nachtschicht“ wirkt leblos, ideenlos und unbeholfen. Der Plot ist dermaßen konstruiert, dass es fast schon wehtut und hätte ich nicht die ersten beiden Bände gelesen (und das durchaus auch gerne), so hätte ich den finalen Band bereits nach weniger als hundert Seiten abgebrochen.

Habe ich schon während der ersten beiden Teile keinen besonderen Bezug zu den Protagonisten bekommen, so verliert Harris im vorliegenden dritten Teil vollends die Kontrolle über ihre Personen. In keinem steckt Leben, es wird alles nur oberflächlich und ohne echte Seele beschrieben, so dass einem die einzelnen Gedankengänge und Schicksale absolut nicht nahe gehen. Ich konnte hier absolut keine Beziehung zu den einzelnen Personen aufbauen. Die Dialoge und die fadenscheinigen, an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen für die Selbstmorde empfand ich schon nach kurzer Zeit extremst nervig. Interessant war auch, dass immer irgendetwas zufällig passierte. Fast schien es, als wäre der Zufall der einzige Strohhalm, der der Autorin einfiel, um unlogische Vorgänge zumindest durch einen Zufall erklären zu können. Das Szenario der Stadt Midnight und deren Bewohner hätte durchaus Potential gehabt. Vor allem nach den ersten beiden Bänden, die mir wirklich noch gefallen und ein kurzweiliges Lesevergnüngen bereitet haben, waren meine Erwartungen wohl einfach zu hoch. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass das Niveau dieser Saga mit jedem Band steigen würde und nicht immer tiefer nach unten sinkt.

Selbst wenn ich wollte, ich kann diesem dritten Teil nicht mehr als drei Sterne vergeben, wobei selbst das fast schon geschönt ist. Ich finde es wirklich schade, dass ich Midnight, das ich immer gerne zwischen den Buchdeckeln betreten habe, nun äußerst unzufrieden und auch enttäuscht verlassen muss. Aber die Plattheit der Charaktere hat mich bei „Nachtschicht“ nur noch aufgeregt und ich fand die meisten Entwicklungen der Story schlichtweg nur noch lächerlich. Ich bekomme leider den Eindruck nicht los, dass Charlaine Harris entweder die Ideen ausgegangen sind oder sie selbst auf ein weiteres Abenteuer in Midnight einfach keine Lust mehr hatte. Habe ich mich nach Band 2 der Reihe noch auf die Verfilmung gefreut, so kann ich nach „Genuß“ des dritten Teils nicht einmal mehr eine kleine Vorfreude verzeichnen.
Wie gesagt, Potential auf eine atmosphärische Story wär da gewesen, wurde aber im vorliegenden finalen Teil durch den plumpen, fast schon amateurhaften Schreibstil und die uninspirierte Handlung zunichte gemacht.

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Fazit: Unbefriedigender und sehr simpel verfasster Abschlussband der Midnight-Saga. Das Potential wurde letztendlich allumfassend verschenkt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Tschüsschen, Tschüsschen von diversen Autoren

Erschienen als Kindle
bei Paperwork
insgesamt  78 Seiten
Preis:  €
ISBN: 978-
Kategorie: Kurzgeschichten, Horror, Thriller

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Skurrile Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren, die sich aber allesamt auf gleichwertig hohem Niveau befinden.
Die Autoren sind: Mara Winter, Carola Leipert, Herbert Arp, Alexander Kühl, Alexandra Mazar, Julia Dest, Georg Adamah

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Es ist ja immer so eine Sache mit Anthologien, an der verschiedenen Autorinnen und Autoren mitgemacht haben Respekt demjenigen, der das Niveau der Geschichten koordiniert und auf einem gleichmäßigen Level halten kann. So geschehen bei der vorliegenden Sammlung skurriler Geschichten von sieben unterschiedlichen Verfassern, die mühelos ein gleichbleibendes Niveau halten kann, ohne dabei Verschiedenartigkeiten der teilnehmenden Autorinnen und Autoren in irgendeiner Weise zu unterdrücken. „Tschüsschen, tschüsschen“ macht unheimlich Spaß und ist extrem kurzweilig. Aber der Reihe nach …

Den Einstieg macht Mara Winter mit der titelgebenden Kurzgeschichte „Tschüsschen, Tschüsschen!“. Auch wenn der Titel stark an Roald Dahl erinnnert („Küsschen, Küsschen“), der übrigens gewissermaßen ein klitzeklein wenig auch mit der Storysammlung zu tun hat, so geht die Autorin definitiv einen eigenen Weg und serviert eine zwar letzten Endes fast schon ereignislose Geschichte, die sich aber aufgrund des hervorragenden Schreibstils und der dahintersteckenden Idee mit unzähligen Interpretationsmöglichkeiten für den Leser ins Gehirn einnistet. Ein absolut gelungener Opener der Anthologie.

Weiter geht es mit Carola Leipert, die sich in erster Linie in ihren Romanen mit den Themen Romantik, Freundschaft, Spannung und Abenteuer befasst. Ihre Geschichte „Alte Gewohnheiten“ befasst sich im Grunde genommen auch mit eben diesen Themen, nimmt aber gegen Ende hin eine Wendung, die zum Nachdenken anregt. Die Erzählung spiegelt das (Zusammen-)Leben von wahrscheinlich sehr vielen Paaren wieder und kann mit einem Ende aufwarten, das mich an die Auflösungen einiger „Geschichten aus der Gruft“ erinnert hat.

Herbert Arps „Stummes Vermächtnis“ geht in eine völlig andere Richtung als die Vorgängergeschichten, regt aber genauso zum Nachdenken an. Man muss sich erst an den Schreibstil etwas gewöhnen, um die Tiefe hinter dieser Geschichte voll erfassen zu können. Kann man sich darauf einlassen, erwartet den Leser eine ganz besondere Geschichte, die einen noch im Nachhinein beschäftigt und eine Weile nicht mehr loslässt. Herbert Arp ist Journalist, der sich auf berichte über Computerspiele spezialisiert hat. Sein „Stummes Vermächtnis“ zeigt, dass er auch das Schreiben von intelligenten Kurzgeschichten beherrscht.

Kommen wir zu Alexander Kühl, den einige vielleicht durch seinen bei Redrum Books erschienen Hardboiled Thriller „Runaways“ kennen. Kühl legt mit „Lisa“ einen erschreckenden und zugleich tief traurigen Beitrag vor, bei dem man ebenfalls bereits während des Lesens ins Grübeln kommt. „Lisa“ ist eine Liebesgeschichte, die letztendlich auf zwei Ebenen abläuft und von Verlustängsten, aber auch Liebe und Hoffnung erzählt. Ich habe diese Geschichte sehr genossen, zumal sie uns ins Innere von Menschen sehen lässt, die sich Problemen nicht stellen mögen (oder können) und sogar die Liebe dafür aufgeben.

Alexandra Mazar ist Verfasserin des Dramas „Die Farben des Verzeihens“ und schreibt unter einem Pseudonym ebenfalls für den Redrum Verlag. Ihre Geschichte „Nachtkrabb“ behandelt einen Mythos aus dem süddeutschen und österreichischen Raum, der einem Märchen gleicht. Mazar beschreibt den Plot aus Sicht eines Kindes und vermittelt dadurch ein sehr stimmungsvolles Bild. Mazar erzählt fast schon eine klassische Gruselgeschichte, die sich von den vorherigen Storys zwar thematisch unterscheidet, sich aber durch den schönen, bildhaften Schreibstil dennoch in das Gesamtbild der Anthologie einpasst.

Julia Dests „Kreislaufprobleme“ ist erneut eine Geschichte, die mich zum einen tief berührt und zum anderen extremst zum Nachdenken gebracht hat. Die von ihr beschriebene Gedankenwelt der „kindlichen Protagonisten“ ist ihr sehr glaubhaft und emotional gelungen, so dass ich die Geschichte tatsächlich ein zweites Mal lesen musste, um sie in all seinen Konsequenzen zu „begreifen“. „Kreislaufprobleme“ ist der Autorin nachhaltig beeindruckend gelungen und stellt für mich einen der Höhepunkte dieser Sammlung dar.

Dann kommen wir zu Georg Adamah, jenem Herrn, der mich schon mit seinem Roman „Lillits Töchter, Adams Söhne“ begeistert (und beeindruckt) hat. Auch dieser Roman ist im Redrum Verlag erschienen. Er widmet sich in seiner Geschichte „Female (Night)Shift“ natürlich dem Thema „Frauen“. 😉
Und er macht das wieder so herzerfrischend gut und humorvoll, dass ich auch nach dieser Geschichte förmlich süchtig wurde. Adamahs Humor ist, in gleicher Weise wie übrigens auch seine Ideen, unglaublich ehrlich und authentisch. Auch hier kann ich nur wiederholen, dass sich die Story hervorragend in das Gesamtbild der Anthologie einbindet.

Zum Abschluss liefert Carola Leipert noch eine kurze Bonusgeschichte, die ebenfalls philosophisch und melancholisch auf den Leser einwirkt. „Das Kleid“ erzählt in wenigen Sätzen im Grunde genommen ein ganzes Leben (oder was davon übrig bleibt). Mit nur wenigen Worten konnte mich die Autorin erneut begeistern.

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Fazit: Wunderbare Anthologie mit hervorragend aufeinander abgestimmten Storys, die eine Bandbreite von philosophisch, melancholisch über humorvoll bis hin zu gruseliger Spannung abdecken. Absolut zu empfehlen!

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Outsider von Stephen King

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OutsiderErschienen als gebundene Ausgabe
(mit Lesebändchen)
im HEYNE Verlag
insgesamt 752 Seiten
Preis:  26,00 €
ISBN: 978-3-453-27184-5
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

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Sehr schnell steht fest, dass es Terry Mailand war, der den 11-jährigen Frankie Peterson auf die brutalste Weise geschändet und ermordet hat. Terry Maitland, Vorzeigebürger der Kleinstadt Flint City, ist als Englischlehrer und Trainer der Jugendbaseballmannschaft sehr beliebt, glücklich verheiratet und Vater von 2 Mädchen. Und doch sprechen sämtliche Indizien und forensischen Beweise eindeutig dafür, dass Terry diesen bestialischen Mord begangen hat.

Auf Grund der wasserdichten und mehr als eindeutigen Beweise beschließen Detective Ralph Anderson und Staatsanwalt Bill Samuels die Festnahme in aller Öffentlichkeit vorzunehmen und Terry Maitland für seine Tat bloßzustellen. Terry Maitland hat ein Alibi und auch Zeugen, die bestätigen, dass er zum Tatzeitpunkt nicht in der Stadt war. Aber die Beweise, dass er dennoch augenscheinlich die Tat begangen hat, sind glasklar. Die Obduktion am Leichnam des Jungen bestätigt dies zudem. Zeugen, die Terry Maitland in Flint City sogar mit dem Opfer gesehen haben, untermauern den Tatverdacht auch noch.

Und dennoch. Im Laufe der Ermittlungen tauchen immer mehr sonderbare Ungereimtheiten auf und stellen die vorliegenden eindeutigen Beweise trotzdem in Frage. Wie kann es sein, dass Maitland ganz offenbar zeitgleich an zwei Orten war …?

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Sicherheitshalber gebe ich eine Spoiler Wahrung ab. 😉

Ja, ich bin Stephen King Fan. Dennoch gibt es einige Romane von ihm, die ich nicht so berauschend fand. Und es gibt solche, die richtig gut waren, wo er jedoch meiner Meinung nach die Enden vergeigt hat. Die letzten Romane, die ich von ihm gelesen habe, waren jedoch durch die Bank alle richtig gut. Der „neue“ King, ich finde seine Geschichten klasse. Er hat es immer noch drauf, zu fesseln, das Grauen zu beschreiben und Unheimliches mit Unfassbarem zu kombinieren. Nach der Mr. Mercedes-Reihe hat mir auch „Sleeping Beauties“ sehr gut gefallen. Der war aber gegenüber diesem Roman hier ein Schmusebuch.

Mit „Der Outsider“ knüpft King eher an das Grauen der Trilogie um Brady Hartsfield (Mr. Mercedes) an. Und wenn ich Grauen schreibe, dann meine ich das wörtlich. In diesem Roman gibt es Stellen, die sind wirklich nichts für schwache Nerven. Es werden Dinge beschrieben, die kann und will man sich gar nicht vorstellen. Schockierend, Übelkeit erregend, schrecklich grausam und detailliert beschrieben.

Dieser Roman ist ein wirklicher Horror-Thriller, der sehr forensisch, aber auch übernatürlich ist. Er sprengt die Grenzen unserer Denkweise und stellt den Leser vor Phänomene, die nicht erklärbar sind. Stephen King verknüpft hier so geschickt alte Legenden und Sagen aus der mexikanischen und indianischen Kultur mit unserer Neuzeit, dass man nicht dran glauben will, es aber zwangsläufig muss. Es gibt eine typische amerikanische King-Stimmung, tolle Schauplätze wie staubige Farmen oder verlassene Orte, an denen es nur so knistert vor Spannung und Angst.

Was mir persönlich wahnsinnig gut gefallen hat ist auch, dass King hier einer ganz wichtigen Person aus der Mr. Mercedes-Reihe eine beachtliche Rolle zuschreibt. Diese Figur ist bestimmt allen Lesern der Trilogie sehr ans Herz gewachsen und sie gibt diesem Roman hier das gewisse Etwas. Mein Herz hat einen Freudensprung gemacht, als jemand den Telefonhörer in die Hand nahm, es am anderen Ende erst läutete und sich dann eine Stimme mit den Worten „Finders Keepers, Guten Tag“, meldete.

Mehr soll nicht verraten werden, lest diesen Roman unbedingt selbst. Ich gebe hier nicht nur allen Stephen King Fans eine absolute Leseempfehlung: Horror, Thriller, Mystik, Grauen, aber auch sehr viel Gefühl bietet dieser Roman in geballter Form, sodass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Ich war sehr traurig, als ich nach ca. 750 Seiten diese Menschen aus Flint City wieder verlassen musste.

© Buchwelten 2018

 

Das ist das Originalcover. Ich muss sagen, dass sich Heyne da sehr schön an das Original gehalten hat 👍

outsider original+

https://www.stephenking.com/

https://www.stephen-king.de/

https://www.kingwiki.de/index.php/Hauptseite

 

Orbs von Nicholas Sansbury Smith

Orbs von Nicholas Sansbury Smith

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31953-0
Kategorie: Science Fiction

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Im Jahr 2061 wird die Erde immer unbewohnbarer, so dass die Menschheit Pläne schmiedet, sich auf dem Mars eine neue Heimat zu suchen. Dr. Sophie Winston lässt mit ihrem Team in einem Biosphären-Habitat in den Rocky Mountains einschließen, um die Mission vorzubereiten. Doch schon nach ein paar Tagen zwingt sie ein Notfall, die Türen des Habitats wieder öffnen. Dr. Winston und ihre Mitarbeiter erwartet eine schreckliche Realität, denn Menschen und Tiere sind ebenso verschwunden wie die Wasserreservoirs des Planeten. Und überall schweben mysteriöse Kugeln in der Luft, die höchstwahrscheinlich die Ursache der Katastrophe sind  …

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Schon die Ausgangssituation der neuen Reihe von Nicholas Sansbury Smith ist sehr stimmungsvoll und lässt schon auf den ersten Seiten eine ungemeine Spannung entstehen. „Orbs“ ist der Einstieg in eine neue Romanserie des Autors, der bereits mit seinem siebenbändigen, im Festa Verlag erschienenen Reihe „The Extinction Cycle“ eine dystopische Welt erschuf. Mit „Orbs“ wendet er sich thematisch aber eher der Science Fiction zu, wobei auch hier der Horrorfaktor nicht zu kurz kommt. Smith hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf, sondern wirft den Leser sofort und ohne Umschweife in eine deprimierende Zukunftswelt. Seine ‚wissenschaftlichen‘ Ausführungen erinnerten mich so manches Mal an Michael Crichton und verleihen dem Plot eine sehr glaubwürdige Seite. Wie in einem Film begleitet der Leser die Protagonisten und fiebert mit ihnen mit, wenn sie in die einsame und von Aliens bevölkerte Welt treten.

Klar ist die Story nicht neu und man fühlt sich des öfteren an bekannte und weniger bekannte Bücher und Filme erinnert, aber Smith besitzt einen sehr flüssigen Schreibstil, der über darüber hinwegsehen lässt, dass man solch eine Geschichte schon woanders gelesen hat. Wichtig war für mich auch die Atmosphäre, die der Autor mit seiner Dystopie geschaffen hat. Und die ist wirklich richtig, richtig gut und lässt einen die Seiten nur so verschlingen. Die manchmal ruhigen Sequenzen wechseln sich hervorragend mit actionlastigen Szenen ab, so dass niemals Langeweile aufkommt. Sicherlich sind die Charaktere oftmals stereotyp gehalten, aber das hat mich keineswegs gestört, denn es geht in erster Linie um den spannenden Plot und die verlassene Welt, die Smith hier aufgebaut hat. Die Bedrohung durch die Außerirdischen wird auch sehr intensiv und authentisch dargestellt, so dass man beim Lesen hin und wieder eine leichte Gänsehaut verspürt, wenn man sich überlegt, dass eine solche Konfrontation zwischen der Menschheit und einer außerirdischen Intelligenz durchaus genau so stattfinden könnte.

Schade finde ich persönlich wieder einmal, dass von Verlagsseite nicht darauf hingewiesen wird, dass es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt. Ähnlich wie bei „Arkane: Das Haus der Drachen“ von Pierre Bordage (bei dem übrigens ebenfalls nicht auf eine bevorstehende Reihe hingewiesen wurde 😦 ) merkt man aber schnell, dass es sich bei „Orbs“ nicht um einen abgeschlossenen Roman handeln kann. Zu episch ist der Plot aufgebaut, als dass er nach 400 Seiten ein Ende finden könnte. Ich habe mich in der Endzeit-Welt von Nicholas Sansbury Smith sehr wohl gefühlt, wenn man das bei solch einer erschreckenden Bedrohung überhaupt sagen kann, und freue mich schon sehr, wenn die Geschichte um Dr. Winston weitergeht. Smith lässt seine Leser sehr neugierig zurück, wenn er seinen Einstiegsroman zu Ende bringt. Das Finale ist zwar nicht unbedingt unbefriedigend, weil es nicht wirklich einen Cliffhanger darstellt, aber man ist dennoch sehr ungeduldig auf die Fortführung der Geschichte, wenn man das Buch zuschlägt. Aus meiner Sicht eine unbedingte Leseempfehlung für Menschen, die dystopische und atmosphärische Science Fiction-Romane mögen. Wie oben schon erwähnt, erinnert mich auch der leicht wissenschaftlich angehauchte und sehr flüssig zu lesende Schreibstil an Michael Crichton.

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Fazit: Stimmmungsvolle, düstere und spannende Science Fiction-Dystopie. Erster Teil einer Reihe.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Judas Goat / Midnight Solitaire von Greg F. Gifune

 

 

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 420 Seiten
Preis:  13,95  €
ISBN: 978-3-95835-332-9
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

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Zwei Kurzromane / Novellen in einem Band.

JUDAS GOAT: Lenny Cates hat seine Jugendfreundin Sheena seit über zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Umso überraschender ist es für ihn, als sie ihm nach ihrem Tod ein Anwesen vererbt. Als Lenny das Haus aufsucht, wird er mit seiner Vergangenheit konfrontiert, in der auch Sheena eine wichtige Rolle spielt.

MIDNIGHT SOLITAIRE: Vier Fremde suchen während eines heftigen Schneesturms Unterschlupf in einem Motel. Schon bald müssen sie feststellen, dass ein verrückter Killer ihnen nach dem Leben trachtet. Und einer der Gruppe kennt den Mörder, denn er ist schon seit Jahren hinter ihm her …

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Zwei Kurzromane in einem Band von einem meiner Lieblingsschriftsteller Greg F. Gifune. Das ist ja fast wie Weihnachten. 😉
Ich habe mit „Judas Goat“ begonnen, weil mich da schlichtweg die Inhaltsangabe mehr angesprochen hat. Und ich lag richtig: „Judas Goat“ ist, zumindest für mich, die bessere Geschichte. Aber der Reihe nach:
Gifunes Schreibstil ist wie gewohnt, sehr hochwertig. Und auch in diesem etwas kürzeren Roman versprüht der Autor zwischen all seinen mystischen und gruseligen Momenten jede Menge Melancholie, wie man es von ihm kennt. Es ist immer wieder ein Genuss, Gifunes Protagonisten dabei zu begleiten, wenn sie in ihre Vergangenheit zurückkehren und diese bewältigen (wollen). Gifune hat in „Judas Goat“ sein altbewährtes Konzept angewandt, das zwar an manch anderen seiner Romane erinnert, aber keineswegs langweilig wirkt und einen „Schon mal gewesen“-Effekt erzielt. Die Story ist sehr atmosphärisch aufgebaut und zieht den Leser sofort in ihren Bann. Ich habe das einsame und abgelegene Anwesen deutlich vor meinem inneren Auge gesehen und war dadurch hautnah in der Geschichte mit dabei. Genau solche Storys wie „Judas Goat“ sind es, die mich zu einem absoluten Fan von Greg F. Gifune machten. Er hat mich wieder einmal alles andere als enttäuscht.

Kommen wir nun zur zweiten Geschichte mit dem Titel „Midnight Solitaire“, die natürlich wieder für Gifune typische Elemente enthält, aber sich von „Judas Goat“ dennoch ein wenig unterscheidet. Während in der zuerst von mir besprochenen Story eher wenig Action passiert, verhält es sich bei „Midnight Solitaire“ schon ein wenig anders. Der Plot hat mich desöfteren an einen typischen Slasherfilm der 80er Jahre erinnert, in dem sich ein paar Protagonisten einem gefährlichen Killer gegenüberstehen und um ihr Überleben kämpfen müssen. Hier wendet Gifune eindeutig mehr Action an und erzählt sehr rasant ein Belagerungsszenario in einem einsamen Motel. Doch auch hier kommen Elemente vor, die mir an Gifune so sehr gefallen und in denen er Lebensweisheiten beschreibt, die man entweder selbst bereits kennt oder über die man sich dann zumindest Gedanken macht. Die Geschichte ist allerdings ein wenig vorhersehbar, zumindest was die Handlungsweise der Protagonisten betrifft. Hier könnte man durchaus sagen, dass man das alles entweder schon mal gelesen oder in einem Film gesehen hat. Aber Gifune verleiht der Geschichte dennoch einen ganz eigenen Touch, der im Gedächtnis des Lesers haften bleibt und ihn nicht unbefriedigt zurücklässt. Gifunes ruhigere Geschichten sprechen mich persönlich aber eindeutig mehr an, nur mal so nebenbei. 😉

Beide Novellen unterstreichen wieder einmal das Können von Greg F. Gifune und fügen sich in das Schaffenswerk des Autors nahtlos ein. Atmosphärischer und melancholischer kann man Mystery-Horror-Thriller nicht schreiben. Greg F. Gifune muss man einfach lesen. Es „menschelt“ in seinen Geschichten so sehr, dass man süchtig danach wird.

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Fazit: Zwei atmosphärische und melancholische Novellen von einem Meister seines Fachs.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Satyr von Brian Keene

satyr

Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
410 Seiten
13,99 €
ISBN: 978-3-86552-627-4
Kategorie: Horror

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Adam Senft ist Schriftsteller. Er ist eigentlich glücklich mit seinem Leben, wäre da nicht die (sexuelle) Ehekrise mit seiner Frau. Als Adam eines Tages eine Joggerin dabei beobachtet, wie diese bei einer steinernen Statue Fellatio vollführt, gerät die Welt danach immer mehr außer Kontrolle. Die Statue, ein Satyr, ist zum Leben erwacht und sucht die Wälder heim und verführt die Frauen mit einem mysteriösen Flötenspiel.

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Briane Keenes „neuester“, im Festa Verlag erschienener , Roman stammt eigentlich aus dem Jahr 2006 unter dem Titel „The Dark Hollow) („Die dunkle Höhle“). Sechs Jahre später wurde er dann überarbeitet und unter dem Titel „The Rutting Season“ („Brunftzeit“) neu veröfentlicht. „Brunftzeit“ passt wie „Der Satyr“ weitaus besser als Bezeichnung als der Originaltitel. „Der Satyr“ ist eine wunderbare Geschichte über einen Mann und seine (sexuellen Ehe-)Probleme. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich gerade das erste Drittel dieses Werks von Brian Keene genossen habe, weil es sehr menschlich und authentisch verfasst wurde. Da ich selbst ein Mann bin, kann es natürlich gut sein, dass ich die Gedankengänge des Protagonisten besser nachvollziehen kann als eine weibliche Leserin. Ich war schlichtweg davon begeistert und konnte von den Überlegungen (und Problemen) des Adam Senft gar nicht genug bekommen. In jeder freien Minute musste ich das Buch zur Hand nehmen, um weiterzulesen.

Kennen Sie das Gefühl, wenn man in einen Roman so abtaucht, dass man, wenn man weiter liest, wieder sozusagen „heim kommt“? Genau in diese Kategorie fällt „Der Satyr“. Es war jedes Mal wie eine Rückkehr in die Welt des Schriftstellers, der fast permanent von sexuellen Gedanken verfolgt wird und sich auf seinen Hund verlässt, der ihm Halt bei seiner Ehekrise gibt. Keenes Schreibstil ist so flüssig, dass man gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören will. Auch wenn die Charaktere teilweise etwas flach ausgefallen sind, so konnte ich mich hervorragend mit Adam Senft identifizieren und auch die anderen Protagonisten wuchsen mir ans Herz, obwohl sie nicht wirklich Tiefe besaßen. Erfrischend war auch, dass Keene die sexuelle Komponente niemals übertrieben und pornografisch werden ließ, sondern immer ein gewisses Maß an Niveau beibehielt. Das hat mir außerordentlich gut gefallen. Mit „Der Satyr“ hat mich Brian Keene erneut überzeugt und ich kann die Worte von „Horror Review“, dass Keenes Name in einem Atemzug mit denen von King, Koontz und Barker genannt werden sollte, nur bestätigen. Brian Keene besitzt ein sicheres Händchen für bildhaft beschriebene Geschichten, die spannend, unterhaltsam und vor allem atmosphärisch sind.

Man merkt schon, dass ich schwer begeistert bin von dieser erotischen Horrorstory. 😉
Aber einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch: Brian Keene verfällt im letzten Drittel des Romans immer mehr in eine Richtung, die mir zu reißerisch vorkommt. Vieles wirkt übertrieben. Als hätte Keene mit aller Gewalt versucht, ein dramatisches Finale mit möglichst viel Action hinzubekommen. (Den gleichen Fehler hat Stephen King meiner Meinung übrigens auch öfter gemacht.) Das letzte Drittel stört ein wenig gegenüber den bedeutend ruhigeren und stimmungsvolleren ersten zwei Drittel. Es ist zwar nicht so, dass das nun den gesamten Roman zunichte gemacht hätte, denn es ist immer noch sehr gut geschrieben, aber ich hätte mir da einfach weniger gewünscht. Das hätte, zumindest bei mir, bedeutend mehr Wirkung gehabt. Nichtsdestotrotz ist Keenes „Der Satyr“ ein Roman, der hervorragend unterhält und genial geschrieben ist. Er fällt unter die Kategorie jener Werke, die ich -sofern die Zeit es zulässt- sofort noch einmal lesen würde. Vergessen werde ich die Schauermär vom Satyr auf jeden Fall nicht so schnell. Und auch der Protagonist hat einen Weg in mein Langzeitgedächtnis gefunden. 🙂

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Fazit: Sehr stimmungsvolle, erotische Horrorgeschichte, die man nicht so schnell vergisst.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Unerbittliche Geschichten von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
282 Seiten
13,95 €
ISBN: 978-3-86552-677-9
Kategorie: Horror, Kurzgeschichten

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14 Geschichichten aus der Feder des Kultautors Richard Laymon.
– Einladung zum Mord
– Barneys Bigfoot-Museum
– Der Champion
– Ab in die Grube
– Spuk
– Die direkte Art
– Good Vibrations
– Phil, der Vampir
– Joes gerechte Strafe
– Das erste Date
– Der Santa Claus von Halloween
– Die Hütte im Wald
– Boo
– Die Badewanne

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Laymon schaffte es mit diesen Kurzgeschichten innerhalb weniger Seiten, mich komplett in den Bann zu ziehen. Ich bin bekennender Laymon-Fan und auch wenn ich einige seiner Werke nicht unbedingt hervorragend finde, so haben sie doch immer wieder das besondere Etwas inne, das eben einen Roman von Richard Laymon ausmacht. Er beschwört fast immer ein tolles, atmosphärisches 80er Jahre Gefühl mit seinen Geschichten herauf, mit dem man sich einfach beim Lesen wohlfühlen muss. Genau das trifft in jeder Hinsicht auf diese geniale Geschichtensammlung zu. Zusammengetragen aus verschiedenen Entstehungsjahren, hat der Festa-Verlag mit „Unerbittliche Geschichten“ ein kleines Juwel herausgebracht, das mir so dermaßen Spaß gemacht hat, dass es schon fast unheimlich ist. 😉
Laymons Schreibstil ist -wie gewohnt- einfach, aber äußerst wirkungsvoll und vor allem sehr bildhaft. Ich liebe seine Dialoge, die einerseits zwar trashig, andererseits aber sehr authentisch und  wie aus dem Leben gegriffen sind.

Die Storys im vorliegenden Band muten fast wie eine Kompilation aus „Geschichten aus der Gruft“ an. Da wird mit einem Augenzwinkern von Vampiren, Beziehungsproblemen oder fast schon Lovecraft’schen Begegnungen erzählt. Laymon beherrscht sein Handwerk, keine Frage, und kann mit unerwarteten Wendungen und abgefahrenen Plots aufwarten.  „Die Badewanne“ zum Beispiel, um nur eine der beeindruckenden Geschichten herauszugreifen, beschäftigt mich noch heute aufgrund seiner absurden Konstellation, in die die Protagonistin gerät. Mit einem gewissen sexuellen Kitzel verbreitet Laymon eine gewisse Situationskomik, die, wenn man genauer darüber nachdenkt, erschreckender nicht sein könnte. Ich konnte während des Lesens zwar die gerade aktuelle Geschichte in vollen Zügen genießen, musste mich aber beherrschen, um nicht weiterzublättern, weil ich erfahren wollte, was mich mit der nächsten Story erwartete. „Unerbittliche Geschichten“ ist ein typischer Fall von Kurzgeschichtensammlung, die unheimlich Spaß machen, selbst wenn man eigentlich keine Kurzgeschichten mag. Diese Storys haben sich in meinen Gedanken festgesetzt, so gut finde ich sie. Sicherlich bekommt man keine hochliterarischen Ergüsse serviert und ich würde auch nicht wagen, Laymons Geschichten mit denen von Stephen King zu vergleichen. Aber sie haben aufgrund ihrer präszisen, knackigen Beschreibungen eindeutig einen eigenen Zauber, dem man unweigerlich verfällt, wenn man sich auf die verrückten Gedanken des Autors einlassen kann.

Interessant ist, dass die Geschichten in den Jahren 1977 bis 2000 entstanden sind und man diese riesige Zeitspanne beim Lesen überhaupt nicht bemerkt. Ich finde, dass sich Laymon mit jedem seiner Romane prinzipiell immer weiterentwickelt hat, das Niveau seiner Kurzgeschichten war aber anscheinend immer das gleiche. Für diese Sammlung gilt (zumindest für mich): Hoher Suchtfaktor! Ich konnte gar nicht genug von diesen bissigen, brutalen, verstörenden und ideenreichen Storys bekommen. Das Buch hätte gerne die doppelte Seitenanzahl haben können und ich wäre dennoch innerhalb weniger Stunden (Lesetage) fertig gewesen.
„Unerbittliche Geschichten“ reiht sich nahtlos an die schon grandiose Kurzgeschichtensammlung „Kill For Fun“ (ebenfalls im Festa-Verlag erschienen) ein und zeigt, dass  Laymon nicht nur lange Plots erzählen konnte. Aufschlussreich finde ich, dass sich Laymon schon in „jungen“ Jahren nichts um Klischees geschert hat und teilweise Grenzen überschritten hat, die sich damals noch keiner getraut hat, zu übertreten. Und durch seinen bildhaften, fast schon drehbuchartigen Schreibstil wird man umso mehr mitgerissen. Für mich zählen die „Unerbittlichen Geschichten“ ab sofort auf jeden Fall zu meinen Lieblingsbüchern von Richard Laymond.

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Fazit: Bissig, brutal, verstörend und innovativ. Eine tolle Bandbreite des Kultautors.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Kult von Marlon James

Der Kult von Marlon James

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 286 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-67718-0
Kategorie: Horror, Drama, Thriller

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In einem kleinen Dorf namens Gibbeah taucht eines Tages ein schwarz gekleideter Unbekannter auf, der sich „Apostel York“ nennt und dem bis dato dort predigenden Hector Bligh den Posten streitig macht. Bligh ist ein versoffener alter Mann, der von York ohne Mühen  von der Kanzel gestoßen wird. Denn York ist charismatisch und schlägt die Dorfbewohner sofort in seinen Bann. Schon bald entbrennt ein erbitterter Kampf sowohl um die Seelen der Bewohner als auch um die religiöse Macht über das Dorf.

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Zu Anfang sei angemerkt, dass es sich bei „Der Kult“ nicht um ein neues Buch handelt, sondern um den Debütroman von Marlon James, der bereits 2009 unter dem Titel „Tod und Teufel in Gibbeah“ erschienen ist.
Man muss sich schon auf Marlon James‘ Schreibstil einlassen können, um das Buch zu genießen (und vielleicht auch verstehen) zu können. Und obwohl des Öfteren derbe Ausdrücke benutzt werden, wirkt der Roman dennoch auf hohem literarischem Niveau verfasst. James‘ benutzt eine sehr außergewöhnliche Bildsprache, die sich dem Leser oftmals erst im Nachhinein offenbart. Es sind atmosphärisch dichte, filmreife Bilder, die der Autor mit seiner unkonventionellen Ausdrucksweise im Kopf des Lesers heraufbeschwört. Jede Menge Zitate aus der Bibel werden geschickt in die Handlung mit eingeflochten und lassen dabei ein etwas zweifelhaftes Bild auf Religionen und deren fanatischen Anhänger entstehen. Marlon James packt den Leser von Anfang an und lässt ihn einfach nicht mehr los. Man gerät als Leser ähnlich wie die Protagonisten in einen Strudel aus Sex und Gewalt, dem man sich nicht mehr entziehen kann (und irgendwie auch nicht möchte), denn zu stimmungsvoll sind die Beschreibungen der Ereignisse.

Alkohol, sündhafte sexuelle Ausschweifungen und fanatische Schwarzmalerei führen zu einem Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Moderne und mittelalterlich erscheinender Vergangenheit. Mit spärlichen, aber hundertprozentig treffsicheren Worten lässt Marlon James eine Welt vor den Augen des Lesers entstehen, vor der man sich fürchtet, aber gleichermaßen auch vollkommen in  Bann gezogen wird. Gerade die fast schon vulgären, sexuellen Beschreibungen, die an Dantes „Göttliche Komödie“ oder apokalyptische Bilder von Hieronymus Bosch erinnern, sind es, die den besonderen Reiz dieses Romans ausmachen. „Der Kult“ wirkt in der Tat apokalyptisch und dystopisch, aussichtslos und deprimierend. Viele Szenen und Bilder wirken so lange nach, das sie sich dem Leser erst nach Genuss der Lektüre, erschließen. Beeindruckend schildert James, wie sich eine ganze Stadt von den Predigten eines einzigen Mannes beeinflussen lässt. Die Bewohner verhalten sich teilweise wie Marionetten oder Lemminge, die sich einzig auf die Stimme ihres „Apostels“ verlassen. Marlon James zeigt gekonnt auf, wie einfach es für einen einzigen Mann ist, Menschen derart zu beeinflussen, dass sie ihm letztendlich hörig sind.

Viele sündhafte Ausschweifungen und menschliche Abgründe werden in „Der Kult“ beschrieben: Sodomie, Pädophilie, Ehebruch oder Untreue.  An manchen Stellen werden Marlon James‘ Beschreibung fast schon pornographisch, aber sie könnten nicht passender sein, denn sie arbeiten auf einen unglaublich intensiven Kampf zwischen Gut und Böse hin. Und erneut kommen einem beim Lesen Vergleiche mit Dante und Bosch in den Sinn. „Der Kult“ ist ein beeindruckender Roman über beängstigenden religiösen Fanatismus, sexuelle Entgleisungen und den Auswirkungen einer Massenhysterie in exzessive Gewalt. Die Geschichte ist ein Gleichnis über die Zerstörung einer Gesellschaft durch die Machtergreifung eines verblendeten Aufhetzers, der die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge (Gott und Teufel) verwischen lässt. Oft gleitet Marlon James ins Surreale ab und begibt sich damit auf literarische Pfade, die sonst nur der Regisseur David Lynch auf filmischem Weg betritt. Die Auseinandersetzung der beiden Priester, die das Gute und Böse im Menschen verkörpern (?) ist episch, aber auch mystisch und brennt sich szenenweise unaufhaltsam ins Gehirn ein. Den Roman einem Genre zuzuordnen fällt sehr schwer, denn zu vieles wurde vom Autor darin verpackt, um einer geraden, einfachen Linie zu folgen.
„Der Kult“ ist Kult.

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Fazit: Kultverdächtig, episch und beeindruckend.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Welt ist Redrum – Ein junger Verlag erobert die Leser

Nach diversen Absagen verschiedener Verlage für seinen Debütroman „Candygirl“ fasste Michael Merhi spontan den Entschluss einen eigenen Verlag zu gründen. „Zu brutal, zu extrem, nicht fürs Massenpublikum tauglich“, wurde sein Rape & Revenge-Thriller um Kinderprostitution abgelehnt. Doch Extrem Horror ist immer gefragter, wie ein anderer darauf spezialisierter Verlag bestätigt. Der jedoch verlegt grundsätzlich keine deutschen Autoren, so dass der Erfolgsweg für Michael Merhi praktisch von vorneherein geebnet war.

Sex und Gewalt verkaufen sich mehr denn je, wobei Merhi nicht nur auf extreme Literatur setzt, sondern auch gepflegten Horror, Thriller und Dramen verlegt. Sein Angebot umfasst Genrenischen, die zwar kein Verlag haben will, die sich aber bei vielen Lesern größter Beliebtheit erfreuen.

Namen wie A. C. Hurts, Simone Trojahn, Moe Teratos oder Wolfgang Brunner, die bereits bei anderen Verlagen und/oder als Selfpublisher beachtliche Erfolge erzielen konnten, passen zum Beispiel mit einigen ihrer Werke hervorragend in das Verlagsbild.

Michael Merhi hat mit seinem Redrum Verlag eine Plattform für erfolgreiche deutsche Thriller, Dramen, Horror und Extrem-Horror geschaffen, der seinesgleichen sucht.
Und wer wissen will, woher der Verlagsname REDRUM stammt, sollte Stephen Kings Kultroman „Shining“ lesen oder sich Stanley Kubricks Filminterpretation ansehen …. 😉

Und nun wurde dem zum Kultverlag avancierten Projekt von Michael Merhi ein „filmisches Denkmal“ von Buchtrailer-Designer Dietmar Herberth gesetzt, der bereits einige Buchtrailer für Redrum Books angefertigt hat.

DIE WELT IST REDRUM titelt sein neuestes Werk, das an Werbetrailer für Hollywood-Blockbuster erinnert, so perfekt ist es gemacht.

Unzählige Anspielungen auf Werke des Verlages sind in dem Video versteckt, aber selbst wer die Bücher nicht kennt, kann sich dem hypnotischen Bann dieses Trailer nicht entziehen. Dietmar Herberth setzt definitiv neue, innovative Maßstäbe im Bereich „Buchtrailer“. Die Zusammenarbeit zwischen ihm und Redrum Books könnte sich nicht besser gestalten.

#redrumverlag #redrumnichtsfürpussys #horrorextrem #genrenische #michaelmerhi #wolfgangbrunner #A.C.Hurts #Simone Trojahn #Moe Teratos #redrumliebtdich

 

Wer neugierig geworden ist, kann sich gerne auf der Verlagsseite umsehen. Auf Wunsch werden die Bücher sogar von den Autoren/innen signiert versandt.

 

 

 

Midnight, Texas – Geisterstunde von Charlaine Harris

Midnight Texas – Geisterstunde von Charlaine Harris

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31915-8
Kategorie: Thriller, Horror

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Der Hellseher Manfred hat in Dallas einen Auftrag bekommen. Dabei trifft er auf die schöne Olivia, die ebenfalls aus seiner neuen Heimatstadt Midnight stammt. Kurze Zeit später wird ein Ehepaar tot aufgefunden, mit dem sich Olivia noch wenige Augenblick vorher amüsierte. Und dann kommt auch noch Manfreds Kundin zu Tode. Als die Polizei Manfred immer mehr unangenehme Fragen stellt und die Presse ihn in Midnight aufsucht, zweifelt der Hellseher an seiner Entscheidung, nach Midnight gezogen zu sein. Und dann taucht auch noch ein Junge in der Stadt auf, der zehnmal so schnell altert, wie es normale Menschen tun. Manfred ist mehr denn je sicher, dass in Midnight irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

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Der zweite Teil von Charlaine Harris‘ neuer Romanreihe schließt nahtlos an den ersten Teil an. Es dauert nicht lange und man fühlt sich wieder „daheim“ und wohl in der Gesellschaft all jener Menschen und „Gestalten““, die sich in Midnight aufhalten. Harris‘ verlegt den Handlungsstrang erst einmal nach Dallas und verlässt Midnight. Aber der Roman ist dennoch eine Rückkehr in diese geheimnisvolle und verrückte Welt, die immer noch an manchen Stellen ein wenig an die „True Blood“-Reihe erinnert.  Irgendwie kam es mir dieses Mal aber vor, als lege die Autorin mehr Wert auf Thriller- und Krimi-Elemente, was aber nicht weiter stört. Im zweiten Teil erfährt der Leser nun etwas mehr über die geheimnisvolle Olivia, was den Plot an sich erfrischt. Dennoch geraten die anderen Bewohner des mysteriösen Städtchens Midnight nicht in den Hintergrund, sondern sind permanent mit dabei. Harris baut neue Personen mit in die Handlung, nimmt Veränderungen (Neuerungen) am Stadtbild vor und lässt dadurch niemals Langeweile aufkommen. „Midnight, Texas – Geisterstunde“ liest sich ungemein flott und kurzweilig. Das liegt in erster Linie an dem sehr flüssigen Schreibstil, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt, zum anderen aber auch an der sympathischen Beschreibung der Protagonisten und deren Handlungen.

Die Fortführung des Plots ist Harris auf jeden Fall gelungen und sie konnte mich mit den Entwicklungen in Midnight überzeugen. Hin und wieder haben sich ein paar Mängel eingeschlichen, was die Konstruktion der Geschichte betrifft, denn manche Dinge wirkten auf mich etwas an den Haaren herbeigezogen und schlichtweg zu einfach gelöst. Aber das mag nur für mich zutreffen und wird den ein oder anderen bestimmt nicht stören (oder gar auffallen 😉 ).
„Midnight, Texas – Geisterstunde“ erscheint mir wie eine wilde Mischung aus Thriller und Krimi mit Mystery- und Horrorelementen. Charlaine Harris bleibt sich somit ihrem Stil treu, in dem sie sämtliche Konventionen einfach über den Haufen wirft und schreibt, was sie sich denkt. Das macht diese Serie genauso erfrischend und abgedreht, wie es bereits „True Blood“ getan hat. Fans werden also wieder Freude an diesem Roman haben. Ich hatte während des Lesens permanent im Hinterkopf, dass die Bücher verfilmt wurden, so dass ich tatsächlich bewegte Bilder vor meinem inneren Auge hatte. Dabei handelte es sich aber nicht um das sogenannte Kopfkino, das ich bei jedem Buch habe, sondern ich sah eine Verfilmung vor mir. Ich denke auch, dass die Filme sogar mehr Wirkung zeigen, als es die Bücher schaffen, denn die Handlung von „Midnight, Texas“ ist optimal für den Bildschirm geeignet.

Aber auch im zweiten Teil der Reihe hatte ich Schwierigkeiten, mir die Protagonisten als junge Leute vorzustellen. Ich sah unentwegt Frauen und Männer in mittlerem Alter vor mir. Das liegt mit Sicherheit daran, dass ihnen bestimmte Verhaltensweisen zugeschrieben werden, die in meinen Augen nicht auf junge Leute zutreffen. Ich kann es nicht näher erklären, aber ich sehe die Protagonisten durch die Bank in einem anderen (höheren) Alter. Gegen Ende hin entwickelt sich der Roman dann wieder in die Richtung, die man erwartet hat: Fremdartige, mystische Wesen, die sich in unseren Alltag einschleichen. Die Entwicklung erinnerte mich dann schon wieder viel mehr an „True Blood“ und hat mir sehr gut gefallen. Auch das kann ich mir als Serie absolut gut vorstellen.
„Midnight, Texas“ ist trotz vieler Parallelen zu „True Blood“ dennoch irgendwie anders. Besonders gefallen hat mir noch, dass Harris Anspielungen auf ihre anderen Buchreihen („True Blood“ wurde schon genannt, aber auch die Buchreihe um Lily Bard) eingebaut hat. Das lässt Erinnerungen wach werden und trägt vielleicht sogar dazu bei, „Midnight, Texas“ besser zu machen, als es eigentlich ist. Denn eines ist für mich (leider) gewiss: „Midnight, Texas“ wirkt an manchen Stellen ein wenig uninspiriert und unausgegoren. Ich will damit nicht sagen, dass mir die neue Serie nicht gefällt, ganz und gar nicht, aber „True Blood“ war definitiv stimmungsvoller und vor allem innovativer, was den abgedrehten Genremix betrifft. Auf alle Fälle schafft es die Autorin, mich auf den dritten Teil mit dem Titel „Nachtschicht“ neugierig zu machen. 🙂
Und auf die Verfilmung bin ich ebenfalls sehr, sehr gespannt.

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Fazit: Gelungener zweiter Teil der Mystery-Horror-Serie, der anfangs eher in Richtung Krimi geht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten