Das Ufer von Richard Laymon

Das Ufer von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67647-3
Kategorie: Thriller, Horror

.

Deana lebt mit ihrer Mutter Leigh in der idyllischen Kleinstadt Tiburon. Alles ist beschaulich und harmonisch, bis zu dem Zeitpunkt, als ein brutaler Serienkiller auftaucht. Und plötzlich erinnert sich Leigh an ihre eigene Jugend, die ebenso düster und gefährlich war. Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich. Es scheint, als wäre Leighs Vergangenheit noch lange nicht zu Ende erzählt, denn auch dort trieb ein grausamer Serienkiller sein Unwesen.

.

Es gibt Bücher von Richard Laymon, die entwickeln eine eher trashige Atmosphäre, und es gibt Werke von ihm, die erzählen eine etwas ruhigere Geschichte mit Horror-Elementen. „Das Ufer“ gehört eindeutig zur letzten Kategorie, was aber nicht bedeutet, dass es weniger spannend ist als die Splatter-Achterbahnfahrten, die Laymon verfassen kann. „Das Ufer“ ist die Geschichte eines Teenagers (eigentlich sind es zwei Teenager, denn die Geschichte der Mutter als Teenager nimmt auch einen sehr großen Teil des Buches ein) und hat mich so manches Mal an den Plot und die Stimmung von „Halloween“ des fantastischen Regisseurs John Carpenter erinnert. Wie bei allen Werken von Richard Laymon kann man das Buch sehr schwer aus der Hand legen. Obwohl der Schreibstil des leider viel zu früh verstorbenen Autors nicht hochwertig genannt werden kann, fasziniert er dennoch (oder gerade deswegen) aufgrund seiner klaren, deutlichen und eben einfachen Sprache. Die Gedanken der Protagonisten sind realitätsnah und lassen den Leser dadurch das Geschehen hautnah miterleben. Zumindest mir geht es bei Laymons Büchern eigentlich immer so, dass ich bereits nach wenigen Seiten die oftmals umgangssprachliche Einfachheit schlichtweg genieße, weil sie zu der Story einfach passt.

„Das Ufer“ ist ein typischer Laymon, aber irgendwie dann doch wieder nicht.  Mir persönlich hat aber gerade die ruhigere Gangart zugesagt und vor allem haben hier die „schlüpfrigen“ Szenen nie gestört, was bei den anderen Büchern manchmal der Fall ist. Auch die Brutalität wirkt niemals aufgesetzt und übertrieben, sondern lockert die an sich melancholisch erzählte Geschichte immer wieder auf. Gerade die Rückblenden in die Vergangenheit der Mutter haben es mir bei „Das Ufer“ angetan. Dieser Handlungsstrang übte eine unwiderstehliche Faszination auf mich aus, die mich wiederum an Laymons „Das Treffen“ oder „Die Show“ erinnerte. Die Charaktere wirken zwar oftmals flach und oberflächlich, vermitteln aber dennoch das Gefühl, man würde sie kennen. Das liegt vor allem an den bereits oben erwähnten Gedankengängen, die Laymon beschreibt.

Wie in fast jedem Buch von Richard Laymon sind alle Frauen schlank, haben große Brüste und sind ständig geil. Aber auch die Männer haben ordentlich was in der Hose und fühlen sich von ziemlich jeder Frau angezogen. Dieses stereotype Trash-Klischee erfüllt auch „Das Ufer“ und reiht sich, zumindest in dieser Hinsicht, nahtlos in die anderen Werke des Autors ein. Ich mochte die Story und bin dem Heyne-Verlag dankbar, dass er sich auch der unbekannteren Geschichten Laymons annimmt. Da „Das Ufer“ im Orginal posthum veröffentlicht wurde, könnte man aufgrund einiger Details auf den Gedanken kommen, dass es sich lediglich um ein unfertiges Manuskript gehandelt haben könnte, dass ein Ghostwriter fertiggeschrieben hat. Nichtsdestotrotz vervollständigt „Das Ufer“ die Laymon-Sammlung und verschafft einem ein paar angenehme, unterhaltsame Lesestunden. Durch den wunderbar flüssigen Schreibstil und den kurzen Kapiteln entwickelt sich auch dieser Roman zu einem Pageturner, wie man es von Richard Laymon einfach gewohnt ist. Über das Ende kann man streiten. Einige überraschende (wenngleich manchmal voraussehende) Wendungen bietet das Buch. Und wenn man dann noch über die mehr als an den Haaren herbeigezogenen „Zufälle“ nicht weiter nachdenkt, die zum Finale führen, bekommt man eine wirklich unterhaltsame Story geboten.

.

Fazit: Ein ruhiger Horror-Thriller, der an die Slasher-Filme der 80er-Jahre erinnert. Typisch Laymon, aber irgendwie doch wieder untypisch. Für Fans aber sowieso ein Muss.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Stirb, Du B a s t a r d! Stirb! von Jan Kozlowski

bastard_7

Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 187 Seiten
Preis: 12,80 €
ISBN: ohne ISBN
Kategorie: Horror, Thriller

.

Claire  wurde jahrelang von ihrem Vater missbraucht. Irgendwann schafft sie den Absprung und zieht in eine andere Stadt, um sich dort als Krankenschwester um hilfsbedürftige Menschen zu kümmern. Sie kann dadurch die schrecklichen Erlebnisse ihrer Kindheit verdrängen, allerdings nur so lange, bis sie von einer damaligen Freundin angerufen wird und erfährt, dass ihr Vater einen schweren Unfall hatte. Sie springt über ihren eigenen Schatten und besucht den Mann, der ihr als Kind grausame Dinge angetan hat, um mit ihm Frieden zu schließen. Doch als sie ankommt, muss sie feststellen, das sie von ihrer Freundin belogen wurde.

.

Wer die Festa Extrem-Reihe kennt, wird von diesem Roman wahrscheinlich mehr, und vor allem Heftigeres, erwarten. Kozlowski geht aber einen anderen, für mich durchaus angenehmen Weg. Sie setzt nicht auf eklige Sexszenen und Splattereinlagen, sondern widmet sich in erster Linie der Geschichte und den Personen. Gerade in der ersten Hälfte des Buches erzeugt sie dadurch eine tolle Atmosphäre, die mich sofort in den Bann gezogen hat.

Kozlowskis Schreibstil ist knapp und präzise, aber bewegt sich meist auf einem höheren Niveau, als man es bei dieser Art von Roman gewöhnt ist. Das ist auch der Grund, warum sich dieser Roman aus meiner Sicht so wohltuend aus den Extrem-Horror-Romanen abhebt. Da werden keine übertriebenen Gewalt- und Sexszenen beschrieben, sondern immer ein gewisses Maß an Niveau eingehalten. So soll es sein, und so schockiert eine solche Story oft mehr als mit expliziten Beschreibungen. Kozlowski tritt eigentlich nie über die Grenze des guten (oder schlechten) Geschmacks, sondern lässt den Leser größtenteils selbst entscheiden, was er in seinem Kopfkino sehen will und was nicht.
Außerdem lesen sich die Dialoge so flüssig, dass es unglaublichen Spaß macht.

Es gibt einige unerwartete Wendungen, die dem Plot äußerst gut tun. An manchen Stellen kann man die Handlungsweise der Protagonistin nicht hundertprozentig nachvollziehen, aber das nimmt dem Rache-Thriller auf keinen Fall den Charme. Leider ist das Buch relativ kurz geraten, denn ich hätte gut und gerne den doppelten Umfang lesen können. Ich bin sicher, dass bei einer intensiveren Ausarbeitung der Charaktere ein noch ansprechenderes Buch herausgekommen wäre. Aber nichtsdestotrotz hat mich Jan Kozlowskis „Stirb, du B a s t a r d ! Stirb!“ hervorragend und vor allem äußerst kurzweilig unterhalten. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wenn ja, was sich die Autorin für ihr nächstes Werk ausdenkt. Einen Fan mehr hat sie mit mir auf jeden Fall.

.

Fazit: Kurzweiliger Rache-Thriller, der nicht auf reine Gewalt setzt, sondern sich in erster Linie auf die Geschichte und die Charaktere konzentriert. Für Extrem-Leser wahrscheinlich eher enttäuschend, ich hingegen war angenehm überrascht und begeistert.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

House Of Rain von Greg F. Gifune

Houserain

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 128 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-95835-103-5
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

.

Gordon Cole ist altgeworden. Und er ist einsam. Als es zu regnen beginnt, durchstreift er die Stadt und versucht, seine Vergangenheit zu bewältigen. Den Tod seiner Frau, die Begegnung mit einer mysteriösen, weiblichen Kneipenbekanntschaft und andere dunkle Geheimnisse …

.

Es macht immer wieder unglaublichen Spaß, Gifunes melancholische und düstere Geschichten zu lesen. So ist es auch bei dieser Novelle um einen alternden Mann, der sich seiner Vergangenheit stellen muss und dies auch tut. Das Szenario, in dem Gifune seine Geschichte spielen lässt, erinnert an einen Film noir der 40er und 50er Jahre. Eine verregnete Stadt mit nassen Straßen und ein Protagonist, der sich pessimistisch seiner Vergangenheit stellt. Und dennoch schafft es Gifune immer wieder, in seinen tristen Welten Hoffnungen zu verströmen.
Der hochwertige Schreibstil lässt sich wunderbar lesen und nimmt einen vom ersten Satz an gefangen. Gifunes Geheimnis sind seine nicht immer geradlinigen Plots, die den Leser schon desöfteren dazu zwingen, ein wenig nachzudenken und selbst zu interpretieren.
Gifune macht das Horror- und Mysterygenre massentauglich, entführt seine Leser auf hypnotische Weise in das Innere eines Menschen und lässt einen an den Überlegungen, Sehnsüchten und Hoffnungen teilhaben.

Poetisch und verträumt wird die traurige Geschichte eines gebrochenen Mannes erzählt und man kann sich ohne weiteres in das Seelenleben des Protagonisten hineinversetzen und mit ihm fühlen. Es sind keine Zombies und Monster, die hier schockieren, sondern die Gedanken und Verhaltensweisen eines Menschen. Man fliegt durch die Story, fiebert mit und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Emotional und aufwühlend führt uns Gifune durch eine düstere, aussichtslos wirkende Welt, in der viele Fragen unbeantwortet bleiben und darauf warten, vom Leser selbst gelöst und interpretiert zu werden. Gifunes Bücher haben eine unnachahmliche Atmosphäre, die teils deprimiert und beklemmend wirkt, andererseits aber auch eine gewisse Lebenserfahrung verströmt, der man sich nicht entziehen kann. Jeder Leser, der sich auf diese Art von Geschichte einlassen kann, wird einen Nutzen daraus ziehen.

Für mich liefert Greg F. Gifune wieder einmal den Beweis, dass Horror absolut salonfähig sein kann und mehr bedeutet, als bluttriefende Splatterorgien. Für mich einer der besten, atmosphärischsten Schriftsteller, der aus meiner Sicht fast schon ein eigenes Genre kreiert hat: Melancholie-Horror! 🙂
Gifune arbeitet auf wenigen Seiten ein ganzes Leben mit seinen Höhen und Tiefen auf, dringt in den Kopf eines Trauernden ein, der sich überlegt, was das Leben ihm geboten  hat und ihm im Alter noch bieten kann. „House Of Rain“ ist ein kleines Meisterwerk, das man sich öfter zu Gemüte führen kann. Dunkler, poetischer, mystischer Horror. Bleibt nur zu hoffen, dass der Luzifer Verlag weiterhin das Veröffentlichen von Gifunes Werken ins Deutsche weiterführt, der Festa Verlag hat es ja leider eingestellt.  Gifune muss man gelesen haben und seine Geschichten machen süchtig. Ich kann gar nicht sagen, welches seiner Bücher mein Lieblingsbuch ist. Jedes ist für sich eine Perle, die man nicht mehr so schnell vergisst.

.

Fazit: Wundervoll poetisch und emotional werden die Gedankengänge eines trauernden, alten Mannes erzählt, der nach dem Sinn des Lebens im ALter sucht. Grandios.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Schmerz des Erwachens von Brett McBean

schmerz_des_erwachens(1)

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Festa-Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis:  39,90  €
ISBN: Privatdruck, nur über den Verlag erhältliche limitierte Sonderausgabe
Kategorie: Horror

.

Toby ist vierzehn und der letzte Sommer vor der Highschool ist angebrochen. Er verbringt die Tage und Abende mit seinen Freunden und genießt das Leben. In der Nachbarschaft wohnt ein alter Herr, dem alle Menschen in der Stadt misstrauisch begegnen. Die Jugendlichen spielen ihm Streiche und ärgern ihn. Eines Tages wird Toby Zeuge eines solchen Streiches. Der alte Mann tut ihm leid und er sucht ihn auf. Die beiden schließen Freundschaft und schon bald erzählt der Mann Toby eine unglaubliche Geschichte …

.

Ich mochte Brett McBeans Bücher ja schon immer. Aber was er hier mit „Der Schmerz des Erwachens“ abgeliefert hat, ist eindeutig sein bisher bestes Buch. Es dauert nicht lange und man ist von der einfühlsam erzählten Geschichte gefangen und kann sich nicht mehr losreissen. McBeans Roman über das Erwachsenwerden ist ungalublich mittreissend und autenthisch erzählt. Die Charaktere sind voller Details und liebens- oder auch hassenswert. Man begleitet Toby bei seinem Abenteuer und fühlt sich an Stephen Kings Kurzgeschichte „Die Leiche“ (als Film „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“) erinnert. McBean entwirft eine Welt, in der man sich selbst als Kind und Jugendlicher wiederfindet und in der man Geheimnisse und Verbotenes geliebt hat.
Es geht um Freundschaften, Geheimnisse, Unheimliches und Tragisches. Man spürt, wie der Protagonist erwachsen wird, aber vom Kindsein eigentlich gar nicht loslassen will.

Man wird mit Rassismus und Familienproblemen konfrontiert, lernt etwas über Mut und darüber Courage zu zeigen. Der Leser nimmt Teil an Unsicherheiten und ersten sexuellen Erfahrungen eines heranwachsenden Jungen und fühlt mit ihm, so wunderbar ist das alles beschrieben. Daneben breitet McBean eine geheimnisvolle Welt voller mystischer Rätsel und Voodoo-Ritualen aus, die in der Vergangenheit spielt, und schlägt dadurch einen Bogen in eine Erwachsenenwelt, von der Toby für sein eigenes Leben lernt.
Melancholisch beschreibt der Autor das Leben eines jungen Menschen, das erst am Anfang ist und dennoch schon Erfahrungen vorzeigen kann. Man riecht den Alkohol, den die Jungs verbotenerweise trinken, man spürt das Herz klopfen, wenn das sehnsüchtig begehrte Mädchen in der Nähe ist und fühlt den Zorn auf die Eltern, wenn sie Verbote aussprechen. Und man erliegt dem Zauber einer Welt, in der Voodoo praktiziert wird und das Leben ungerechte Wege einschlägt.

Oft fühlte ich mich von der Erzählstruktur und den nostalgischen Momenten, die beschrieben werden, an die Bücher von Greg F. Gifune erinnert. McBean ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das in seiner fast schon perfekten Geradlinigkeit enorm beeindruckt. Man möchte einfach nur weiterlesen und auch wenn das Ende schön und stimmig ist, fällt es einem schwer, die Personen zu verlassen. Vor allem Toby und der alte Herr wachsen einem ans Herz. Und ihre Freundschaft zeigt, dass sich verschiedene Generationen ohne weiteres verstehen können. Und dass der alte Herr dann auch noch ein Schwarzer ist,  vermittelt auf wunderschöne Weise, dass Alter und Rasse für eine Freundschaft völlig unerheblich sind. Brett McBean hat mit „Der Schmerz des Erwachens“ mein Lieblingsbuch von ihm geschrieben. Ich bin sicher, dass ich in diese schöne, aber auch ungerechte und manchmal brutale Welt, zurückkehren und die beiden Freunde Toby und Mr. Joseph, den alten Nachbarn, noch einmal besuchen werde.

Ich werde diesen düsteren Roman über eine wunderbare Freundschaft, ein Geheimnis und das Erwachsenwerden nicht so schnell vergessen.  Anders als in seinen weiteren Büchern verzichtet McBean weitestgehend auf brutale Splattereinlagen, sondern konzentriert sich darauf, die Story aus der Sicht eines Vierzehnjährigen zu erzählen. Und das ist ihm absolut gelungen.
Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch die wirklich wunderschöne Ausgabe, in der diese spannende Geschichte präsentiert wird: ein tolles Cover, ein Lesebändchen und eine Seite, die von Autor Greg McBean und Illustrator Fabian Frölich signiert wurde.

.

Fazit: Nostalgisch wird das Leben eines vierzehnjährigen Jungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden geschildert. Stimmungsvoll, spannend und ein wenig unheimlich entführt uns McBean in eine Kindheit zurück, die man am liebsten selbst erlebt hätte. Sein bislang bester  Roman.

.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Pandemic – Die Seuche von Scott Sigler

pandemic

Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 768 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-381-5
Kategorie: Horror, Thriller

.

Am Grund des Lake Michigan liegt eine außerirdische Sonde, die ein tödliches Virus beherbergt.
Eines Tages bricht die Seuche aus und ganze Kontinente stehen vor der Auslöschung. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern versucht, ein Gegenmittel zu entwickeln, bevor sich die Seuche über die ganze Erde ausbreitet.

.

Scott Sigler schreibt Bücher wie Achterbahnfahrten. Man steigt ein und kommt nicht mehr raus, so rasant ist die Fahrt, auf der uns der Autor mitnimmt. „Pandemic“ hat einen Einstieg, als lese man ein Buch von Michael Crichton. Die erste Hälfte des Romans spielt auf und unter dem Wasser am Lake Michigan und ist an Spannung kaum zu überbieten. Der knappe Schreibstil reißt den Leser von Anfang an mit und lässt ihn nicht mehr los. Sigler schafft es sogar, trotz des anhaltenden Spannungsniveaus auch eine ganz anständige Charakterzeichnung seiner Protagonisten zu vermitteln. In gewohnter Manier erzählt Scott Sigler von einer Bedrohung, die die gesamte Menschheit dahinrafft, wenn nicht schnellstens ein Gegenmittel gefunden wird.

„Pandemic“ ist der abschließende Teil einer Trilogie, deren ersten beide Teile im Heyne Verlag erschienen sind: „Infiziert“ ist der erste und „Virulent“ der zweite Teil. Man muss nicht zwingend die Vorgänger-Romane lesen, um „Pandemic“ zu verstehen, aber um sich ein Bild über die gesamte Geschichte machen zu können, ist es schon hilfreich.

Während die erste Hälfte des Romans mit stimmungsvollen, gruseligen Bildern unterhält, geht es in der zweiten Hälfte dann in die Vollen: Da wird geballert und gesplattert, das es eine wahre Freude ist. Und auch die Spannung kommt nie zu kurz. Dennoch hätte mir es besser gefallen, wäre die stimmungsvolle Atmosphäre der ersten Hälfte auch weiterhin präsent gewesen. Sigler inszeniert gegen Ende hin eine Ballerorgie ersten Grades, die zwar hervorragend unterhält, aber ab einem gewissen Punkt zu langweilen anfängt. Das ist nicht wirklich negativ von mir gemeint, denn, wie gesagt, das Spannungsniveau ist der Hammer. Aber ein bisschen weniger hätte dem Plot schon gut getan. Das Abenteuer-Feeling der ersten Hälfte wandelt sich einfach zu schnell in ein Action-Feuerwerk, bei dem es keine Verschnaufpause gibt.

Sigler hält seine Kapitel kurz, was unweigerlich dazu führt, dass man das Buch „verschlingt“, als hätte es nur die Hälfte der ansehnlichen Seitenzahl. Man fliegt durch die Geschehnisse und will wissen, wie es weitergeht. Das Szenario, das Sigler hier beschreibt, ist absolut nachvollziehbar und vermittelt auch eine gewisse wissenschaftliche Authentizität. Das macht den Roman tatsächlich zu einer Art Mischung aus Michael Crichton, Douglas Preston und Lincoln Child. Für Fans von „schnellen“ Plots uneingeschränkt zu empfehlen.

.

Fazit: Anfangs sehr stimmungsvoll und abenteuerlich entwickelt Scott Sigler seine Handlung gegen Ende hin zu einem wahren Bombast-Action-Feuerwerk, bei dem auch ein gehöriger Gore-Anteil zu Buche schlägt. Spannungsgeladenes Weltuntergangsszenario und atemberaubender Pageturner.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Grauer Teufel von Graham Masterton

grauerteufel

Erschienen als Taschenbuch
bei Festa-Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: € 13,95
ISBN: 978-3-86552-409-6
Kategorie: Horror

.

Ein unsichtbarer Killer geht in der Stadt um und hält die Polizei in Atem. Decker Martin nimmt die Ermittlungen auf und findet Spuren, die in die Vergangenheit führen. Die Opfer scheinen eine Verbindung zu den Wirren des Bürgerkrieges vor 150 Jahren zu haben und Martin entdeckt bald, dass auch eine afrikanische Religion eine Rolle zu spielen scheint, ebenso wie seine eigene Person …

.

Graham Masterton schreibt qualitativ unterschiedliche Romane. „Grauer Teufel“ gehört wieder zu jenen, die mich literarisch zwar nur bedingt überzeugen, aber dafür ziemlich grandios unterhalten haben. Mastertons Mystery-Krimi erinnerte mich in den ersten beiden Dritteln stark an die harten Thriller von Michael Slade (ebenfalls im Festa-Verlag erschienen). Der Hauptprotagonist ist sympathisch und man begleitet ihn gerne bei seinen Ermittlungen. Die anfangs unheimlichen Szenen mit dem unsichtbaren Killer waren sehr spannend und gruselig beschrieben. Das hat mir ausnehmend gut gefallen. Dass sich die Handlung dann aber eher in religiöse Kreise beziehungsweise Woodoo-Rituale begeben hat, war meiner Meinung nach ein nicht so guter Schachzug. Aber na gut, da sind die Geschmäcker einfach verschieden. Mir hätte es besser gefallen, wenn es mehr bei Mystery und Horror geblieben wäre.
Aber nichtsdestotrotz hat Masterton eine sehr spannende Geschichte abgeliefert, die erst gegen Ende hin immer umgangssprachlicher und daher unglaubwürdiger wirkt.

Recherchetechnisch hat sich der Autor ins Zeig gelegt, das merkt man. Auch wenn er sich einige Freiheiten erlaubt hat, wird die dargestellte religiöse Szene sehr glaubhaft geschildert. Das Fortschreiten der Ermittlungen bis hin zu der Erkenntnis, dass der Protagonist selbst in die Sache verwickelt ist, ging sehr geschickt und unterhaltsam vonstatten. „Grauer Teufel“ geht zwar anfangs in die Richtung des „alten Masterton“, entwickelt sich aber dann doch eher wieder zu einer Story, die vom „neuen Masterton“ stammt. Seine ersten Bücher waren eher Old School Horror von der unheimlichen Sorte, mittlerweile benutzt Masterton immer mehr Thriller- und Krimi-Elemente.

Graham Masterton erzählt seinen Horror-Krimi schnörkellos und ohne große Ansprüche, dafür versteht er es, den Leser sofort in seinen Bann zu ziehen. Wenn man einmal von den am Ende leider zu oft eingestreuten umgangssprachlichen Patzern absieht, legt „Englands Großmeister der Angst“ und der, laut San Francisco Chronicle, „würdige Erbe Edgar Allan Poes“ einen soliden Roman vor, der auf ganzer Linie unterhält und sorgfältig recherchiert wurde. Manchmal blutig und manchmal witzig: Diese Mischung funktioniert die meiste Zeit und sorgt für Abwechslung. Der Charakter Decker Martin wäre es durchaus wert, noch einmal in einem Roman von Graham Masterton aufzutreten.

.

Fazit: Spannender Thriller mit Mystery-Elementen. Solider Roman mit historischem Hintergrund, der gegen Ende hin leider etwas nachlässt.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das scharlachrote Evangelium von Clive Barker

scharlachrote

Erschienen als Taschenbuch
im Festa Verlag
insgesamt 464Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-379-2
Kategorie: Horror

.

Als der Geisterjäger Harry D’Amour das Haus eines Verstorbenen betritt, um dessen Seele Ruhe zu verschaffen, entdeckt er einen dämonischen Würfel, der das Tor zur Hölle öffnet. Kein geringerer als Pinhead erscheint. Und der hat vor, den Satan persönlich zu bekämpfen, um an die Macht über die Hölle zu kommen.

.

Als eingeschworener Clive Barker-Fan und begeisterter Leser seiner Novelle „Hellraiser“ (im Original „The Hellbound Heart“) war ich natürlich absolut gespannt, wie dieser Mythos fortgeführt wird.
Der Einstieg in die Geschichte funktionierte hervorragend und das Gefühl einer Rückkehr zu den Zenobiten kam sofort auf. Auch wie Harry D’Amour, der Held aus Barkers „Stadt des Bösen“, die Bühne betritt, begann äußerst reizvoll und war sehr bildhaft dargestellt. Es dauert nicht lange und man wird wie gewohnt, von Barkers ideenreichen Visionen belohnt, denen man sich schwer entziehen kann. Der Beginn der Story ist durchaus gelungen und als der Würfel auftaucht, fährt dem Fan ein leichter Schauer über den Rücken. Aber dann …

Wo fange ich nur an? Zum einen entwickelte sich die Geschichte in eine Richtung, die mir nicht besonders gefiel. Obwohl da Potential gewesen wäre, hätte man sie epischer und bombastischer gestaltet, wie Barker es eigentlich kann und mit Werken wie zum Beispiel dem grandiosen „Imagica“ oder „Gyre“ bewiesen hat. Aber aus unerklärlichen Gründen geht Barker einen anderen, leider schlechteren Weg als in seinen bisherigen Büchern. Barker entmystifiert den Charakter Pinhead und verwandelt ihn in einen machtbesessenen Höllen-Macho. Hmmm, das hat er doch nicht verdient, nachdem er in „Hellraiser“ als blutrünstiger, brutaler, geheimnisvoller und visionär-apokalyptischer Höllendiener dargestellt wurde. Barker macht aus meiner Sicht einen entscheidenden Fehler, wenn er Pinhead zu einer nahezu dummen Hohlbirne degradiert und ihm damit all seine mystischen Eigenschaften nimmt, die ihn zu dem gemacht haben, was er bis dahin war: Kult!

Nun muss ich leider noch zu einem Punkt kommen, der mich so manches Mal daran zweifeln ließ, ob tatsächlich der Clive Barker diesen Roman verfasst hat oder ein Ghostwriter. Barkers Schreibstil war in den meisten seiner Bücher angenehm und manches Mal sogar literarisch hochwertig. Sicherlich zeigte er keine Hemmungen, wenn es darum ging, eklige Sachen explizit darzustellen. Das war aber bis dato nie ein Problem. Was jedoch in „Das scharlachrote Evangelium“ dialogmäßig passiert, ist teilweise grottiger als ein John Sinclair-Heftchen. Da werden den Protagonisten Worte in den Mund gelegt, während sie gerade eine hochdramatische Situation hinter sich gebracht haben, die mehr als unpassend sind: „Ich glaube, wir haben verschissen“, sagt da einer, als sie in eine aussichtslose Situation geraten. Die permanenten sexuellen Anspielungen und Witzeleien gehen einem bald schon auf den Wecker. Sex fand in Barkers Büchern immer schon eine Berechtigung, aber hier wird auf sehr plumpem, einfachem Niveau gearbeitet.
Pinhead findet Dinge „zum Kotzen“ und äußert schon das ein oder andere Mal „Arschloch“.  Für eine Horror-Kultfigur ziemlich unangebracht, finde ich. Aber nun gut, Barker wird schon seine Gründe haben, um seinen Charakter so lächerlich wirken zu lassen.

Aber nichtsdestotrotz steckt „Das scharlachrote Evangelium“ wieder voller visionärer Ideen, die einem den Atem rauben, wenn man sie sich bildlich vorstellt. Der Kampf zwischen Pinhead und Satan hat sicherlich etwas Großes, aber Barker hätte es um ein Vielfaches besser gekonnt, wenn er diese Szenen besser beschrieben hätte. Warum er es nicht gemacht hat, bleibt wohl ein Rätsel. Für Barker-Fans dennoch unverzichtbar, gerade weil zwei seiner Kultfiguren aufeinandertreffen. Und wenn man sich einmal an die Asi-Sprache der Protagonisten gewöhnt hat, kann man der Geschichte auch durchaus einige Reize abgewinnen. Für mich dennoch das schlechteste Buch des Autors, den Stephen King einmal als „Zukunft des Horrors“ bezeichnet hat.

.

Fazit: Barker entmystifiziert seine Kultfigur Pinhead und schickt seine Protagonisten auf eine zwar visionär ideenreiche Höllentour, die aber durch sehr umgangssprachliche Dialoge fast schon zu einer Farce wird. Schade, denn im Plot hätte eine weitaus epischere Geschichte gesteckt. Für Barker Fans dennoch ein Muss!

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Verdammten von Brett McBean

die verdammten

Erschienen als Taschenbuch
bei FESTA
insgesamt 586 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-292-4
Kategorie: Dystopie, Horror

*

Während eines Einkaufstrips geschieht das Unglaubliche: Beth ist gerade mit ihrer Tochter auf dem Weg zum Auto, das sie in einem der Parkdecks des Einkaufszentrums geparkt hat, als Bäume aus dem Boden schiessen und die Umgebung in einen undurchdringlichen Urwald verwandeln. Noch ahnt niemand, dass diese rätselhafte Naturkatastrophe über den ganzen Erdball hereingebrochen ist.

*

„Die Verdammten“ vereint McBeans Dschungeltrilogie („Der Dschungel aus Beton“, „Der Dschungel von nebenan“ und „Der Dschungel der Großstadt“) in einem Band. Die drei Geschichten haben, bis auf das Ende, nichts miteinander zu tun. Sie spielen lediglich im gleichen Szenario und der Leser muss sich bei jeder Geschichte auf neue Charaktere einlassen. Was als ziemlich atmosphärisches Endzeitdrama beginnt, wird in der Mitte sehr seicht und beginnt erst zum Ende hin wieder, einigermaßen stimmungsvoll zu werden. Aber eines nach dem anderen.

Zuerst einmal: Brett McBean kann es eindeutig besser, das hat er unter anderem mit seinen Romanen „Die Mutter“, „Das Motel“ und „Buk und Jimmy ziehen nach Westen“ bewiesen. Mit „Die Verdammten“ hat er zwar eine im Grunde genommen interessante Idee vorgelegt, die sich aber leider im Handlungsverlauf immer mehr in unlogische und teilweise nicht nachvollziehbare Ereignisse verstrickt. Hätte McBean die Hauptpersonen des ersten Teils in den weiteren beiden Teilen mitagieren lassen, wäre mit Sicherheit ein weitaus besseres Ergebnis herausgekommen. So muss man sich in jedem Teil leider auf eine neue Geschichte und neue Personen einlassen.

Der Schreibstil ist ungewohnt einfach gestrickt, da bin ich von McBean eindeutig Besseres gewöhnt. Aber nichtsdestotrotz fliegt man durch die drei Geschichten und kann sich schwer davon losreißen, denn das beschriebene Szenario hat durchaus seinen Reiz. Doch gerade die erste Geschichte ist es, die mich am meisten in den Bann gezogen hat, denn die Ausgangssituation war fast schon filmreif. Und auch die Chararakterzeichnung war hier noch am besten.
Die zweite Story flacht sehr ab und war für mich die absolut uninteressanteste. Bei der letzten Geschichte trat McBean dann wieder mehr aufs Gas und schilderte wieder Geschehnisse, die ich mir ohne weiteres als Film vorstellen könnte.

Ich persönlich hatte keine Probleme mit den vielen Ungereimtheiten, die im Verlauf der Geschichte auftraten, denn die Grundaussage der Trilogie, dass sich die Natur an der Menschheit rächt, hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt ähnelt in allen drei Büchern der Schreibstil dem von Richard Laymon, obwohl natürlich McBeans eigener Stil deutlich herauszulesen ist. Durch die verschiedenen Hauptpersonen in den drei Geschichten wirkt „Die Verdammten“ leider nicht ganz ausgegoren, schon aus diesem Grund hätte ich mir gewünscht, dass die Personen der ersten Geschichte auch die Abenteuer der beiden nachfolgenden bestritten hätten.

*

Fazit: McBean hätte aus der interessanten Grundidee mehr machen können. Nichtsdestotrotz liefert er einen sich wohltuend von anderen Endzeitszenarien abhebenden, teils brutalen Thriller ab, der, obwohl relativ einfach geschrieben, sehr bildreich eine Welt darstellt, in der die Natur die Herrschaft über die Erde übernimmt. Für McBean-Fans ein Muss, für Einsteiger in die literarische Welt des Autors eignen sich seine anderen Werke auf jeden Fall besser.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Untergang der Hölle von Jeffrey Thomas

Unterganghölle

Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
377 Seiten
13,95 €
ISBN: 9783-86552-247-4

*

Vee erwacht nach einem über hundert Jahre währenden Schlaf und findet sich nackt in einen Steinblock eingemauert. Es dauert nicht lange und sie stellt mit Hilfe eines sprechenden Knochengewehrs fest, dass sie sich in der Hölle befindet und in einen Krieg zwischen Engeln und Dämonen verwickelt ist. Auch ihr Vater scheint bei dieser höllischen Auseinandersetzung die Hände mit im Spiel zu haben. Vee macht sich auf den Weg durch eine apokalyptische Welt, um das Geheimnis ihrer Identität zu ergründen.

*

 Wie schon in „Tagebuch aus der Hölle“ findet die Handlung des vorliegenden Romans ebenfalls in einer apokalyptischen Hölle statt, die Jeffrey Thomas sehr bildreich darstellt. Da fühlt man sich schon manchmal an die visionären Welten eines Clive Barker erinnert, wobei der Schreibstil von Thomas leider die Qualitäten Barkers nicht erreicht. Vor allem der Anfang von „Der Untergang der Hölle“ macht richtig Spaß, weil man mit der Protagonistin miträtselt, wo und warum sie sich in einer derart prekären Lage befindet. Auch die Idee der sprechenden, manchmal etwas vorlauten Schusswaffe aus Knochen hat mir gefallen, wenngleich gegen Ende der Geschichte so manch „dummer Spruch“ aus dem Gewehrmund kommt, den Thomas wohl besser hätte weggelassen. Aber da sind die Geschmäcker ja verschieden und ich kann mir durchaus vorstellen, dass gerade diese lustigen Einschübe manch einem Leser ein Grinsen auf die Mundwinkel zaubern. Mir persönlich wäre eine dramatischere und weniger kabarettistische Vorgehensweise lieber gewesen.

Die Welt, die Jeffrey Thomas in seinem neuen Roman beschreibt, ist, wie gesagt, sehr bildreich geschildert und lässt einen live dabei sein. „Tagebuch aus der  Hölle“ war aber aus meiner Sicht realistischer (und dadurch auch besser) und vor allem, viel blasphemischer. Da haben mir die vielen „kirchenfeindlichen“ Anspielungen weitaus besser gefallen, als im vorliegenden Buch.

Leider entgleitet Thomas zum Ende des Romans die sprachliche Gewandheit und oft kam es mir vor, als lese ich ein „John Sinclair“-Romanheft. Da waren mir ein paar Passagen leider zu platt und einfach gestrickt. Insgesamt macht aber auch der zweite Ausflug in Jeffrey Thomas‘ „Hölle“ wieder ungemein Spaß. Vor allem die Zusatzgeschichte „Die verlorene Familie“ (ein Bonus wie auf einer DVD oder BluRay) hat mir so richtig gut gefallen. Toll, dass der Festa-Verlag dieses „Schmankerl“ in der deutschen Ausgabe mit veröffentlich hat.

Das Cover ist, wie beim Festa-Verlag gewohnt, enorm ansprechend und optimal gestaltet. Der Festa-Verlag ist einer der wenigen Verlage, bei denen ich die Bücher alleine schon wegen der Cover mag. Die sind einfach absolute Eye-Catcher. 😉

*

Fazit: Jeffrey Thomas‘ zweiter Ausflug in die Hölle kann leider nicht so überzeugen, wie der Vorgänger „Tagebuch aus der Hölle“, vermag aber dennoch den Leser geschickt in eine apokalyptische, dystopische Welt entführen, die sehr bildlich dargestellt wird.

© 2014 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Carrie von Stephen King

.

1-6-3-9-5-5-0-978-3-8387-5202-0-King-Carrie-org

Erschienen als Taschenbuch
bei Bastei Lübbe
Kategorie: Horror

.

Carrie White hat es nicht leicht. Sie ist weder besonders hübsch,, klug, noch reizvoll und wäre eigentlich ein unauffälliges Mädchen, gäbe es da nicht noch diese gefährliche, dämonische Macht die ihr innewohnt und sie beherrscht.

 Ihre Mutter die sie als Satanskind betrachtet, versucht bereits in Carries frühesten Jahren sie in ihrem religiösen Wahn zu töten, woraufhin Carrie in Panik Steine auf das Haus prasseln ließ. Gedemütigt und missachtet durchlebt Carrie ihre Schulzeit.

Die Hänseleien gipfeln in einem unmenschlichen Streich auf dem Schulball, welcher ihr die Kontrolle über ihre Kräfte endgültig entreißt und sie in eine Bedrohung für die Öffentlichkeit verwandelt. Wütend, enttäuscht und mit der Fähigkeit, durch einen einzigen Gedanken ein Inferno zu entfachen, begeht sie ihren Rachefeldzug gegen ihre Peiniger…

***

,,Carrie“ ist ein weiterer, ergreifender Roman vom Meister des Grauens – Stephen King. Dies ist kein Horror-Roman, der Blut und rohe Gewalt darstellt. Dennoch quält er den Leser auf unbegreifliche Weise. King schafft es wahrhaftig, die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen, so dass ich bereits nach fünf Seiten ein derartiges Mitgefühl für die Protagonistin empfand, dass es mir das Herz brach.

Mobbing und Demütigung sind auch heutzutage erschreckende Realität. Kaum jemand schafft es, sich dagegegen zu wehren und bei Carrie setzt es tatsächlich damönische Kräfte frei. Auch wenn ,,Carrie“ 1974 veröffentlicht wurde, spiegelt King ein noch heute aktuelles Thema in diesem Roman wieder, da in unserer Gesellschaft des Scheins diese unausgesprochene Angst noch immer präsent ist.

King nimmt diese Angst, verpackt sie in einem spannenden Thriller und ‚klatscht‘ sie den Menschen ins Gesicht. In dem Roman erscheinen in regelmäßigen Abständen ‚Berichte‘, ‚Buchauszüge‘ und ‚Interviews‘ über den ,,White“-Fall, welche derartig real und wirklich erscheinen, dass man beinahe glaubt die Geschichte wäre wahrhaftig geschehen.

Mein einziger Kritikpunkt geht an Kings Darstellungsweise von Carries Gedankengängen, die eine wichtige Rolle spielen, aber leider teils einfach in den Text geworfen wurden und nicht als solche gekennzeichnet wurden, so dass es nicht immer erkennbar war, welcher Teil nun erzählt und welcher ein Gedanke war.

Dennoch sorgte Carries Verwirrung für eine selbige bei mir als Rezipient. Man kann dieses Buch kaum aus der Hand legen, da man unbedingt erfahren will, wie die Geschichte des Mädchens ohne Freunde, oder richtige Familie, endet. King weiß, wie er die wunden Punkte seines Publikums gezielt findet und angreift. Respekt.

.

Fazit: ,,Carrie“ ist ein weiterer, aber anderer Thriller des berühmten Autors, der die Menschen zum Mitfühlen anregt. Der Roman ist für nahezu jede Altersgruppe geeignet, die dieses Thema verstehen kann und vor allem für jene die den Wert des freundlich Umgangs miteinander verlernt haben. Ich vergebe 4.5 von 5 Sternen für ein ergreifendes Leseerlebnis. Der fehlende halbe Stern ist leider aufgrund der teils verwirrenden Darstellungsform von Caries Gedanken  auf der Strecke geblieben.

© Jasmin Hegmann 2014